Das Shotokan-Karate-Dojo Münster, mit derzeit knapp 360 Mitgliedern, blickt inzwischen auf eine über vierzigjährige Vereinsgeschichte zurück. Ein stolzes Alter für einen Karateverein - aber irgendwie sind im Laufe der Zeit auch die Mitglieder mit dem Verein "erwachsen" geworden: Die ganz wilden Zeiten scheinen irgendwie vorbei zu sein, man wird ruhiger....
Was hatte es in der Vergangenheit zum Beispiel für geniale Vereinsfahrten gegeben! Die Touren zum Zelten nach Ameland sind unvergessen und auch der Lago Maggiore lockte die Karateka des Vereins einige Male in die Ferne. Seit einigen Jahren war es allerdings still geworden im Münsteraner "Karate-Reisebüro". Schade, eigentlich! Um jetzt mal wieder etwas frischen Wind in die Vereins-Reisetätigkeiten zu bringen, beschlossen Vorstand und Mitglieder auf der letzten Hauptversammlung, eine neue Dojofahrt für 2011 zu planen. "Frischer Wind"? Hey, ganz zufällig hat Iris Breig, ein relativ neues Vereinsmitglied, sehr gute Beziehungen zur Segel-Szene. Also wurde kurzer Hand der nostalgische Dreimaster "Ambiance" geentert und mit Skipper Sven und Matrosin Stine eine kleine Service-Crew angeheuert.
Insgesamt 16 Münsteraner Karatekas machten sich dann am ersten Oktoberwochenende auf den Weg nach Lelystad (NL), um an Bord zu gehen. Vier Tage lang genoss man das goldene Herbstwetter auf dem Ijsselmeer. Die Karatekas lagen aber keineswegs nur auf der faulen Haut - vielmehr mussten sie selber unter fachkundiger Anleitung Segel setzen und auch in der Kajüte das Essen zubereiten. Dies war aber alles so gut durchorganisiert, dass noch viel Zeit blieb, um zu baden, an Deck die Sonne zu genießen und es soll auch das ein- oder andere Bier getrunken worden sein.
Selbstverständlich wurde auch Karate trainiert: Eine Trainigseinheit fand am Ufer einer traumhaften kleinen Bucht statt: Hier wurden die blütenweißen Gis mit grünen Flecken überzogen, denn es standen zahlreiche Wurf- und Fallübungen auf dem Programm. Die erschöpften Karatekas stärkten sich anschließend mit reichlich Grillgut. Glücklicher Weise musste die übliche Hafenruhe hier in der freien Natur nicht eingehalten werden, so dass noch bis in die späte Nacht hinein gefeiert werden konnte. Ein Training der ganz anderen Art gab es dann beim Landgang in dem beschaulichen Städtchen Enkhuizen: Auf einer offenbar auch als Hundeklo genutzten Wiese direkt vor der Kirche wurde nach einem ausgiebigen Aufwärmtraining Karate trainiert. Wegen der unmittelbaren Nähe zur religiösen Institution waren die Trainierenden aufgerufen, ausnahmsweise auch die starken Techniken ohne Kiai auszuführen. Im Eifer des Gefechts soll dies aber oft schief gegangen sein - was dann mit Liegestützen geahndet wurde. Kein Problem, normaler Weise .... allerdings soll die ein- oder andere Karateka-Nase hierbei beinahe unmittelbaren Kontakt mit den Hinterlassenschaften der lokalen Hundeszene bekommen haben ;-)
Zurück auf dem Schiff erholte sich die Mannschaft dann wieder beim Esssen, Trinken, (Sonnen)Baden und Witzeerzählen - was man halt auf einer Dojofahrt so macht, um sie zu einem unvergesslichen Ereignis werden zu lassen. Alle, die dabei waren, erzählen heute noch begeistert unterhaltsame Annekdoten vom Leben an Bord. Ob auch das ein- oder andere Seemannsgarn dabei gesponnen wird? Wie auch immer - jedenfalls gibt es bereits jetzt ein großes Interesse an einer Dojofahrt 2012!
Andrea Haeusler
Shotokan-Karate-Dojo Münster
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