Am 21. und 22.01.2012 gab es Kumite vom Feinsten im Karate-Dojo Ippon, Frankfurt am Main! Die Senseis Risto Kiiskilä und Detlef Krüger hatten eingeladen, um mit uns die Feinheiten des Karate-Partnertrainings zu vertiefen. Während die Einheit der Mittelstufe eher dünn besucht war, tummelten sich am ersten Lehrgangstag in der Oberstufe doch immerhin knapp 30 Karateka. Der Begriff Kumite scheint leider viele weibliche Karateka abzuschrecken, denn mir fallen einschließlich meiner Wenigkeit bei den Braun- und Schwarzgurten nur drei Frauen ein, die beherzt schlugen, tragen, blockten und konterten. Warum eigentlich? Nun, jede so, wie sie mag. Ich mag Kumite! :-)
Wir kamen zweimal in den Genuss einer Trainingseinheit bei Detlef und hatten leider nur eine bei Risto. Mir wäre ja ein vierteiliger Lehrgang (zwei Einheiten bei jedem der beiden) auch sehr willkommen gewesen :-)
Ich hatte das Glück, ein bisschen bei der Unterstufeneinheit zusehen zu können, die vor unserem ersten Training statt fand. Diese wurde von Risto geleitet. Er unterwies die Grün- und Violettgurte in die für sein Trainingskonzept typischen Bewegungsmuster, die auf ein effektives Jiju-Ippon-Kumite hinarbeiten: Gewichtsverlagerung, Suri-Ashi, Tai-Sabaki.
Dann kam Detlef mit uns an die Reihe. Zunächst gab es eine Aufwärmphase durch einen Trainingsteilnehmer, während der Detlef ungläubig zu den Heizkörpern lief und nach einer Inaugenscheinnahme und Tastprobe fassungslos ausrief:"Die steht ja auf fünf!" "Tja, bis sechs geht sie leider nicht", antwortete Trainingskamerad Sven Lorant grinsend. Die Heizung wurde natürlich sofort ausgestellt und die erforderliche Raumwärme auch ohne Zweifel schon ganz bald durch uns erzeugt.
Flexibilität ist wohl das Stichwort, wenn es um das Lehrgangsthema aus Detlefs Sicht geht. Wir starteten recht unspektakulär mit einer klassischen Dreifachtechnik, als das Kommando Sanbon-Tsuki kam: vorwärts im ZK mit Tsuki Jodan, Chudan, Chudan. Nach der ersten Bahn grinste Detlef uns an: Es sei bemerkenswert, wir hätten alle ohne besondere Ansage zuerst nach oben und dann zweimal in die Mitte geschlagen. Im Folgenden übten wir dann den Sanbon-Tsuki in verschiedenen Variationen:
1. erster Tsuki im Stand, zweiten mit dem Absetzen beim Vorwärtsgehen, dritten im Stand
2. ersten und zweiten Tsuki im Stand, den letzten beim Vorwärtsgehen
3. die "klassische" Variante, also erster Tsuki im Vorwärtsgehen, anschließend die übrigen beiden
4. erst vorwärts gehen und Fuß absetzen, dann alle drei Tsukis im Stand
Dasselbe Prinzip gab es dann mit dem Kizami-Tsuki:
1. Kizami im Stand, dabei hinten abdrücken, Faust ins Ziel bringen, vorderen Fuß wieder zurück und Kamae
2. hinteren Fuß unter den Schwerpunkt ziehen, Kizami, zurück in Kamae
3. erst vor aus dem Stand mit Kizami, dann Suri-Ashi vor mit Kizami (also zweimal Angriff mit Kizami)
Als nächstes wurde eine Block- / Konterkombination geübt:
1. aus Kamae Gewicht zurück mit Nagashi-Uke Jodan (Detlef sagte immer Nagashi-Uke, ich frage mich grade, ob es nicht eher ein Soto-Uke war....), vor mit Gyaku-Tsuki (Detlef lässt den vorderen Fuß stehen, bei Risto würde er wohl bei der vergleichbaren Kombination leicht Richtung Standbein gezogen)
2. vorderer Fuß mit Nagashi-Uke rückwärts bewegen, dann hinteren Fuß nach hinten, Konter
3. erst vorderen Fuß zurück und absetzen, dann Nagashi-Uke, dann hinteren Fuß weiter nach hinten, Konter
Die Angriffskombination zu diesen Übungen übgen wir anschließend:
1. Kizami aus dem Stand
2. Kizami mit Suri Ashi, Kamae, dann "kurzen" Kizami aus dem Stand
3. ohne Zwischenkamae zweimal Kizami hintereinander, Partner "überlaufen"
Schließlich fügten wir Angriff und Konter zusammen.( Ich wurde von meinem Partner darauf aufmerksam gemacht, dass ich den Kizami eher mit dem Nagashi-Uke erwischen muss, so dass ich den Gegner am Handgelenk treffe, nicht erst am Ellenbogen.).
Beim Konter darf die Ferse ruhig hochgehen (Gyaku-Tsuki). Das übe ich auch zu selten ....
Die Pause nutzten mein Trainingspartner Torsten und ich zum Einchecken in das seit meinem letzten Aufenthalt beeindruckend renovierte Hotel Ramada. Vor dem Training blieb noch Zeit, im Café Kitzel (fast direkt neben dem Ippon Dojo) einen Kaffee zu trinken. Das Café hat einen ganz besnderen Charme und bestimmt die größte Sammlung an Porzellan-Kaffeekannen, die man in ganz Frankfurt findet :-)
Das Koffein hatte uns dann grade richtig wieder auf Touren gebracht, um in der nächsten Einheit bei Risto die vielen Feinheiten seines anspruchsvollen Trainings umzusetzen. Während Detlef uns mit anspruchsvollen Kombinationen auf Touren brachte, forderte uns Risto schon bei der Ausführung der einzelnen Techniken heraus.
So übten wir zunächst auch hier eine banale Kihon-Kombination: Kizami aus dem Stand, dann vor in ZK mit Oi-Tsuki und Gyaku-Tsuki. Beim Kizami einen Meter vor - das ist normal, alles andere....jaja, ich weiß, aber ich bin ja inzwischen auch "nichts Besonderes" mehr :-) Wiedermal kam heraus, dass solche, offenbar ganz banale und schon tausendmal gemachte Techniken doch immer noch nicht korrekt ausgeführt werden - wenn man sich denn mal wieder bewusst daran macht, auf den Körper zu achten und an den Feinheiten zu arbeiten. Irgendwas ist eben immer und mir persönlich fiel auf, dass ich mehr auf den Hüfteinsatz achten muss.
Dann gab es Ristos Jiju-Ippon-Kumite-Programm, das ja in den kommenden Wochen auch Schwerpunkt des Oberstufentrainings beim SKDM werden wird. Hierbei fiel mir auf, dass der vordere Fuß beim Zurückziehen leicht nach innen zeigen soll. Der Block kommt erst, wenn der Fuß nachgezogen wird.
Anschließend trainierten wir den "überlaufenen Gyaku-Tsuki" mit und ohne Partner und schließlich einige Bewegungsabläufe am Partner, um verschiedene Distanzen zu überwinden. Muss Risto nochmal nach der einen der beiden Kombinationen fragen - die konnte ich einfach nicht umsetzen! Zum Abnschluss gabs dann noch zwei Runden "locker Freikampf". Nach dem Partnerwechsel stand ich plötzlich Andreas Engelke gegenüber. Er hatte während der Einheit neben mir trainiert und ich war schon da sehr beeindruckt von seiner Schnelligkeit und seinem Kime. Nun grüßte ich ihn an und überlegte, ob ich mich besser in schüchterner Zurückhaltung üben sollte, damit ich am Leben blieb - oder gleich in die Vollen ging - nun, Zurückhaltung mag eine Zier sein, aber weiter bringt einen nur der volle Einsatz und so griff ich direkt beherzt mit Kizami an...um sofort unsanft auf dem Boden zu landen. Alle weitern Versuche, zu attackieren wurden meist bereits im Vorfeld verhindert, durch zahlreiche Geris, die mich Jodan und Chudan trafen oder durch Fußfeger, die mich auf die Matten plumpsen ließen. Ich hatte keine Chance, sah kein Land - es war herrlich! :-) Nach dem Training fragte ich Andreas, ob er auch Training geben würde und wir tauschten unsere Kontaktdaten aus, um vielleich mal einen Lehrgang in Münster mit ihm zu organisieren. Uns schwebt da was mit dem Schwerpunkt Geris vor.... ;-)
Nach dem Training hetzten wir ziemlich zum Hotel - und kamen auch noch in eine Straßensperre, die uns locker nochmal zwanzig Minuten kostete! Torsten hatte für uns einen Tisch in einem Restaurant an der Oper bestellt und wir wollten eigentlich vorher noch in der Hotelsauna entspannen. Naja, was man so entspannen nennt: zwei Saunagänge, dazwischen ein paar Bahnen im Hotelpool, Haarewaschen und hopp, hopp in die Abendgarderobe....so what, ausruhen konnten wir uns dann ja, nachdem ich mit meinem "Schiff" von Auto ein paar Extrarunden um den Block gedreht und im Parkhaus eindlich einen Stellplatz gefunden hatte :-) Das Essen war super und das Preis-Leistungsverhältnis stimmte auch. Die Zeit verging wie im Flug, was nicht nur an der unterhaltsamen Abendgesellschaft am Nachbartisch lag, die mir wie das Set einer Daily Soap vorkam - sie unterhielten sich lautstark über alle möglichen Familienangelegenheiten und zur Krönung des Abends wurden wir auch noch unfreiwillige Zeugen eines Heiratsantrags! Nach einem Verdauungsspaziergang durch "Frankfurt bei Nacht" fuhren wir zurück zum Hotel, wo wir uns noch einen Schlummertrunk an der Bar genehmigten und bis weit nach Mitternacht quatschten.
Am nächsten Morgen konnten wir sogar ausschlafen - denn wegen der vorgezogenen Trainingszeit auf 10 Uhr verzichteten wir wohlweislich auf das Frühstücksbuffet und begnügten uns statt dessen mit (im Ramada kostenlosem!) Kaffee und Tee.
Anschließend warteten wieder kniffelige Trainingsaufgaben von Detlef auf uns: Wieder ging es um Flexibilität, diesmal um Blocks aus verschiedenen Kamae-Haltungen. Als Vorübung trainierten wir den Gyaku-Tsuki: aus einem hohen ZK, erst Schwerpunkt runter, dann Fuß vor, Gyaku-Tsuki (Ferse dabei hoch!), Fuß wieder zurück mit Kamae, alles mit rechts und links üben.
Dann bekamen wir die Aufgabe, drei verschiedene Kamae-Haltungen auszuprobieren: Jodan, Chudan und Gedan. Die Fäuste sollten wir nicht soweit eindrehen, dass wir auf unsere eingerollten Finger hätten sehen können, sondern wir sollten sie aufrecht stellen (Knöchel nach außen zeigend). Wir starteten mit Jodan Kamae, wechselten dann in Chudan Kamae und schließlich in Gedan Kamae.
Als nächstes nahmen wir zunächst eine der Kamae-Haltungen ein und führten von da aus eine Blocktechnik aus, um anschließend zu kontern:
Jodan-Kamae - Gewicht nach hinten verlagern, dabei Kamae-Arm fallen lassen in Gedan-Barai und vor mit Gyaku-Tsuki.
Chudan-Kamae - Gewicht nach hinten verlagern in Kokotsu-Dachi mit Soto-Uke und wieder vor mit Gyaku-Tsuki.
Aus (links vor) Gedan-Kamae 45 Grad rechts nach hinten raus mit links Uchi-Uke, Konter Gyaku-Tsuki.
Oh, das war gar nicht so einfach! Und oft genug musste ich hören:"Oh, oh, Andrea, das müssen wir dann wohl in Münster nochmal ausführlich üben." ;-)
Diese Kombinationen übten wir schließlich mit wechselnden Partnern wobei der Partner jeweils mit Gyaku-Tsuki aus größerer Distanz (Suri-Ashi) angreifen sollte. Dadurch, dass Tori zunächst die Distanz überwinden musste, hatte Uke etwas mehr Zeit, um zu reagieren. Im Laufe der Übungen und nach zahlreichen Partnerwechseln vergaß man als Tori automatisch den Suri-Ashi und kam schneller vor, provozierte so eine schnellere Reaktion des Uke.
Detlef variierte die Übung noch: Mal sollte Tori aus der Bewegung aus angreifen, Uke aus der unbewegten Position reagieren, später war es dann mal anders herum und wir hätten als drittes noch die Variante wählen können, bei der sich beide bewegen.
Also, ich hätte noch ein oder zwei Einheiten lang so weiter trainieren können und freue mich jetzt schon auf die nächsten Lehrgänge mit den beiden Trainern :-)
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