Heute war ich eigeladen. Zu einer Wohnungseinweihung - meine erste Einladung zu einer finnischen "Feier". Nunja, genau genommen war ich ja gar nicht so richtig eingeladen. Ich befand mich vielmehr (vielleicht auch eher zufällig) im E-Mail-Verteiler von Mina, die mit Heli (einer anderen finnischen Frau), ihre WG einweihen wollte. WG, man ahnt es schon - Mina und Heli sind, wie wohl die meisten der heute anwesenden, Studenten und bestimmt 10-15 Jahre jünger als ich. Durch einen Superzufall habe ich sie vor einigen Monaten kennengelernt. Oder waren es mehrere Zufälle? Durch Risto und Reijo hatte ich ja schon eine gewisse Affinität zur finnischen Kultur entwickelt. Und so war ich begeistert, als Ende letzten Jahres am Kleinen Bühnenboden an der Schillerstraße ein "Finnischer Tango- und Kulturabend" stattfinden sollte. In der Pause kam ich mit einigen finnischen Leuten ins Gespräch. Hier wiederum stellen wir fest, dass fast alle Franziskas Klavierlehrerin Liisa Hoffmann, die auch aus Finnland kommt, kennen. Kurze Zeit später fragte mich Liisa, ob ich nicht bei einem Chor mitsingen wolle. Gerne, immer! Noch wusste ich nicht, dass es sich dabei um einen finnischen Chor handelte! Bei der ersten Chorprobe war die Überraschung groß, als ich Pia und Mina, die ich bei dem Kulturabend schon kennengelernt hatte, wieder traf. Und so bin ich dann über den Chor wohl in den Verteiler für den "finnischen Stammtisch junger Leute gerutscht".
Heute Abend traf man sich wegen des schönen Wetters nicht in der Wohnung, sondern im Garten. Es waren nicht nur Finnen vor Ort. Vielmehr war es wieder mal eher ein multikultureller Abend: Finnen natürlich, Deutsche, eine Bulgarin, Chinesen, ein Ire....ein bunt gemischtes Volk. Nach einer Weile Geplausche holte ein junger Mann seine Konzertgitarre aus dem Haus und wir fingen an, allgemein bekanntes Liedgut zu trällern. Mina hat eine wunderschöne Altstimme und auch zwei andere Frauen sangen mit mir zusammen so allerlei. Später kam noch Pia mit ihrem hellen Sopran dazu. Die Gitarre wanderte dann von einem Spieler zum anderen und es wurde ein Buch mit Liedgut dazu geholt. Zufälliger Weise hatte irgendwann ich das Buch in der Hand und sah, was für TOLLE Lieder darin standen! So ging es über Sweet Home Alabama über Killing me Softly bis zu Those were the Days. Und dazwischen noch vieles, vieles mehr! Da ich das Buch hielt und häufig wegen der hereinbrechenden Dunkelheit als einzige den Text lesen konnte, musste ich viele Strophen alleine singen. Ich gab alles und es war mir (fast) gar nicht peinlich ;-)) Eigentlich hat es sogar ganz viel Spaß gemacht. Der Höhepunkt war wohl erreicht, als wir von den kommerziellen Liedern zu allgemeinem Volksgut übergegangen sind (man konnte inzwischen die Texte gar nicht mehr lesen). "Alle Vögel sind schon da" schmetterten wir in zwei Stimmen und dann ging es über zu Kanons. Sehr überrascht war ich, dass Pia das Lied "Heut kommt der Hans zu mir" kannte, das mir mein Vater schon vor zig Jahren vorgesungen hat! Dann kam "Der Hahn ist tot"! Wir sangen es erst auf deutsch, dann kam die finnische Version dazu. Der Höhepunkt war aber wohl erreicht, als wir Bruder Jakob anstimmten. Das gaben wir dann auf deutsch, französisch, schwedisch, finnisch und - chinesisch wieder! Auf chinesisch, so wurden wir aufgeklärt, wird nicht ein Mönch geweckt, sondern da geht es etwa so: Guck mal da, zwei Tiger! Dem einen fehlt ein Ohr, dem anderen der Schwanz. Komisch, komisch, komisch!
Nur ungerne habe ich dann gegen halb 12 meine Sachen gepackt und bin heim gefahren. Schließlich wartet morgen noch ein Kindergeburtstag auf mich. Da fällt mir ein: "Viel Glück und viel Segen" ist ja auch ein Kanon...... ;-))
Hier die finnischen Versionen zweier Lieder:
1. Der Hahn ist tot
Kukkoni kuoli komea (2mal)
Eikä enää laula kokodii kokodaa (2)
Kokokokokokokokodii- kokodaa (2)
2. Bruder Jakob:
Jaakko kulta (2Mal)
herää jo (2 Mal)
kellojasi soita (2 Mal)
ding dang dong (2 Mal)
Samstag, 14. Juli 2007
Was macht es mit mir?
Kata-Training bei Jürgen
Endlich mal wieder zum Oberstufen-Kata-Training! Das tut auch Not! Hoffentlich nicht zuviele komplexe Bunkaiübungen, sondern viel Ablauf....so ging es mir durch den Kopf, als ich gestern zum Dojo fuhr.
Das Training war dann tatsächlich in vielerlei Hinsicht anders, als von mir erwartet. Schon das Aufwärmen gestaltete sich ungewohnt: statt ausgiebiger Dehnübungen starteten wir mit einer vom sonstigen Trainingsablauf abweichenden Grundschulübung: wir sollten extra ganz hoch stehen und die Techniken relaxed und ohne viel Spannung ausführen. In meinem Kopf: Fragezeichen - wie soll ich denn SO bitte schön warm werden? Wir liefen einige Bahnen mit unterschiedlichen Kombinationen vorwärts und rückwärts. Im nächsten und übernächsten Übungssatz wurden dann dieselben Techniken angesagt, wir sollten jeweils aber die Intensität der Übung und die Tiefe des Standes verstärken. Durch die anfängliche Entspanntheit konnte ich mich sehr gut auf die eigentlichen Techniken konzentrieren und bereits bei der allerersten Grundschulbahn wurde ich neugierig: "Was macht diese Trainingsart wohl mit mir?" An Fehlern, die mir beim ersten Durchgang aufgefallen waren, konnte ich bei den nächsten beiden Übungssätzen feilen. Mein Körper wurde tatsächlich zunehmend aufgewärmt und forderte fast von selber einen tieferen Stand, ein höheres Treten und eine kraftvollere Ausführung der Techniken! So kam es, dass ich das eigentliche Katatraining dann kaum abwarten konnte!
Auch hier ging es dann "auf Zählen" gemächlich los und wurde allmählich gesteigert bis zur eigenständigen, starken Ausführung der jeweiligen Kata. Jürgen hatte sich zunächst die Gegenüberstellung der Katas Bassai Dai und Bassai Sho vorgenommen, anschließend ließ er uns die Kanku Dai vor der Kanku Sho laufen. Bei der Kanku Sho zeigten viele von uns noch einige Unsicherheiten, auf die Jürgen dann ebenso einging, wie schon zuvor, als er uns die Abschlusstechniken der Bassai Sho einige Male erklärte und wiederholen ließ. Als persönliches "Geschenk" für mich gab es zum Abschluss noch eine Sochin :-)
Dann noch etwas Krafttraining. Offenbar hat sich Jürgen aktuell in Sachen moderner Sportmethodik weitergebildet. Denn nach dem ungewöhnlichen Trainingseinstieg überraschte er uns nun mit einer weiteren neuen Trainingsmethode: statt jeweils z. B. 15 Liegestütze a 3 Sätze auszuführen, solle man heute nur noch einen längeren Satz bis zur Erschöpfung der Muskeln durchziehen. Naja, ehrlich gesagt fehlte mir bei dieser Übung die sonst ansteckende und belebende "Stimmung" in der Halle....aber - mal sehen, was diese Trainingsart auf Dauer mit mir macht.....
Endlich mal wieder zum Oberstufen-Kata-Training! Das tut auch Not! Hoffentlich nicht zuviele komplexe Bunkaiübungen, sondern viel Ablauf....so ging es mir durch den Kopf, als ich gestern zum Dojo fuhr.
Das Training war dann tatsächlich in vielerlei Hinsicht anders, als von mir erwartet. Schon das Aufwärmen gestaltete sich ungewohnt: statt ausgiebiger Dehnübungen starteten wir mit einer vom sonstigen Trainingsablauf abweichenden Grundschulübung: wir sollten extra ganz hoch stehen und die Techniken relaxed und ohne viel Spannung ausführen. In meinem Kopf: Fragezeichen - wie soll ich denn SO bitte schön warm werden? Wir liefen einige Bahnen mit unterschiedlichen Kombinationen vorwärts und rückwärts. Im nächsten und übernächsten Übungssatz wurden dann dieselben Techniken angesagt, wir sollten jeweils aber die Intensität der Übung und die Tiefe des Standes verstärken. Durch die anfängliche Entspanntheit konnte ich mich sehr gut auf die eigentlichen Techniken konzentrieren und bereits bei der allerersten Grundschulbahn wurde ich neugierig: "Was macht diese Trainingsart wohl mit mir?" An Fehlern, die mir beim ersten Durchgang aufgefallen waren, konnte ich bei den nächsten beiden Übungssätzen feilen. Mein Körper wurde tatsächlich zunehmend aufgewärmt und forderte fast von selber einen tieferen Stand, ein höheres Treten und eine kraftvollere Ausführung der Techniken! So kam es, dass ich das eigentliche Katatraining dann kaum abwarten konnte!
Auch hier ging es dann "auf Zählen" gemächlich los und wurde allmählich gesteigert bis zur eigenständigen, starken Ausführung der jeweiligen Kata. Jürgen hatte sich zunächst die Gegenüberstellung der Katas Bassai Dai und Bassai Sho vorgenommen, anschließend ließ er uns die Kanku Dai vor der Kanku Sho laufen. Bei der Kanku Sho zeigten viele von uns noch einige Unsicherheiten, auf die Jürgen dann ebenso einging, wie schon zuvor, als er uns die Abschlusstechniken der Bassai Sho einige Male erklärte und wiederholen ließ. Als persönliches "Geschenk" für mich gab es zum Abschluss noch eine Sochin :-)
Dann noch etwas Krafttraining. Offenbar hat sich Jürgen aktuell in Sachen moderner Sportmethodik weitergebildet. Denn nach dem ungewöhnlichen Trainingseinstieg überraschte er uns nun mit einer weiteren neuen Trainingsmethode: statt jeweils z. B. 15 Liegestütze a 3 Sätze auszuführen, solle man heute nur noch einen längeren Satz bis zur Erschöpfung der Muskeln durchziehen. Naja, ehrlich gesagt fehlte mir bei dieser Übung die sonst ansteckende und belebende "Stimmung" in der Halle....aber - mal sehen, was diese Trainingsart auf Dauer mit mir macht.....
Mittwoch, 11. Juli 2007
Trainingsvertretung
Gestern hatte ich die Ehre, vertretungsweise das Unterstufentraining zu geben. Ich wusste bereits seit ca. 3 Wochen von diesem Termin - aber wie häufig kam das Ereignis dann doch wieder "ganz plötzlich" ;-) Glücklicher Weise hatte ich aber doch noch Zeit gefunden, mir ein vernünfitiges Konzept zu überlegen, was gar nicht so einfach ist, wenn man grade zwei Wochen lang im Urlaub so gar nix mit Karate zu tun hatte...seufz! Im Vorfeld also meine Überlegungen....was kann ich denn mal anbieten, worauf den Schwerpunkt legen? Da ich ja nicht regelmäßig Training gebe, beschränkten sich meine Überlegungen zugegebener Maßen doch nur auf das Kopieren bisher selber erlebter Trainingsaspekte. Aber vermutlich ist das gar nicht so ungewöhnlich. Wahrscheinlich sind nur erfahrene Senseis wie Risto, Michael und Jörg in der Lage, selber etwas "aus dem Hut zu zaubern". Und das geht vermutlich auch nicht mal "eben so". Wie auch immer - nach einiger Überlegung hatte ich mir ein Konzept erarbeitet, mit dem ich recht zufrieden war. Etwas Lustiges zum Aufwärmen, ein wenig Basics und dann noch Kumite mit einer "Action-Einlage" sollte es werden.
Wegen der Ferien war das Training sehr schlapp besucht. Nur 8 "Unterstuflinge" beehrten mich und meine Einheit. Dennoch konnte ich mein Aufwärmspiel starten: ein kniffliger Staffellauf mit Kraftübungen und Karatetechniken. Es sollten zwei Gruppen gebildet werden. Witziger Weise standen dann von selbst vier Frauen bzw. Mädchen auf der einen Seite und vier gestandene Männer auf der anderen. Ich fragte vorher noch die Mädels, ob sie das wirklich so wollten und sie bestanden darauf. Nun denn...die Staffel ging los. Unter Anfeuerungen, die die Dojowände zum Erzittern brachten, legten beide Gruppen los - und die Mädels gewannen! Kurzer Hand gruppierte ich zwei Personen um, so dass das Geschlechterverhältnis auf beiden Seiten gleich war und die Herren der Schöpfung nicht frustriert werden ;-) Dann nächste Staffel, etwas kniffliger noch. Beide Gruppen freuten sich über ein Unentschieden. Anschließend gab es wieder mal eine meiner Lieblingsübungen: Mäusefüßchen à la Risto! Die Gruppe ächzte und stöhnte unter meinen Kommandos und durfte erst aufhören, als alle Köpfe hoch rot angelaufen und die Beine schön warm waren. Die anschließenden Dehnübungen nutzte ich dazu, zu erklären, wie man die Hüftdrehung durch die Anspannung der inneren bzw. äußeren Oberschenkelmuskulatur bewirken kann.
Als nächstes Kihon. Da die halbe Gruppe aus frischen Anfängern bestand, beschloss ich, das von mir geplante Programm zu modifizieren und beschränkte mich auf Basistechniken: Vorgehen mit Oi-Tsuki Yodan, zurück rückwärts mit Age-Uke und Gyaku-Tsuki. Schon bei dieser Kombination, bei der derselbe Arm zweimal hintereinander aktiv wird, kamen einige der Trainierenden ganz schön ins Schlingern! Als nächstes Chudan-Tsuki, dann rückwärts Soto-Uke, Gyaku-Tsuki. Alles einige Bahnen lang und in der Intensität steigernd. Immer wieder erinnerte ich an die im Rahmen der Aufwärmübung gezeigten Hüft-Impulsübungen.
Nun Kumite: In einer Zweierreihe stellten sich die Trainierenden auf und übten nun Kihon-Ippon-Kumite mit den grade geübten Techniken. Erst die "Türseite", dann die "Spiegelseite". Und immer wieder Partnerwechsel.
Nun variierte ich die Übung leicht: Es war immer noch festgelegt, wer Tori und wer Uke ist. Aber die Übungen erhielten die Nummern 1 und 2. So war Angriff Yodan-Tsuki mit dem entsprechenden Block Age-Uke und Konter Gyaku-Tsuki "1", die Chudan-Kombination war nach meiner Ansage "2" auszuführen.
Anschließend sollten sich beide Partner an der jeweils gegenüber liegenden Hallenseite aufstellen und auf mein Kommando in die Hallenmitte laufen. Derjenige, der jeweisl dran war (Tür- oder Spiegelseite) sollte mit der Nummer, die grade angesagt war, angreifen.
Kleine Abwandlung anschließend: Die Angreifer erhielten die Buchstaben A für Türseite und B für Spiegelseite. Rief ich nun "A1", musste also die Türseite mit Yodan-Tsuki angreifen, der Partner entsprechend blocken/kontern.
Nun wurd`s gemein: beide Partner sollten sich am jeweils gegenüberliegenden Hallenrand mit dem Rücken auf den Boden legen. Dann rief ich die jeweiligen Kommandos und es ging los.
Zweite Vairante: mit dem Bauch auf den Boden - und los!
Nun, kurz vor Ende der Einheit, lagen die Partner auf auf ihren Positionen und ich sagte durch Ausrufen der Nummern jeweils wieder nur die Techniken an - wer zuerst in der Hallenmitte war, konnte angreifen! Hier gab es dann schon ein kleines Chaos: man konnte sich nicht einigen, wer den nun dran war - häufig wurde dann vor lauter Kichern gar keine Technik mehr ausgeführt. Kurzfristig musste ich die Trainierenden dann mal zur Raison rufen: nicht kichern - durchsetzen sollten sie sich!
Dann war aber die offizielle Trainingszeit schon zu Ende!
Denjenigen, die noch bleiben wollten, bot ich dann noch eine "freiwillige" Viertelstunde Krafttraining an.
Nach dem Training diskutierten wir noch in kleiner Runde die Vor- und Nachteile des Trainings in Fitnessstudios. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass ein Fitnessstudio grundsätzlich ganz ok ist - aber beim Karate hat man einfach mehr Spaß ;-))
Wegen der Ferien war das Training sehr schlapp besucht. Nur 8 "Unterstuflinge" beehrten mich und meine Einheit. Dennoch konnte ich mein Aufwärmspiel starten: ein kniffliger Staffellauf mit Kraftübungen und Karatetechniken. Es sollten zwei Gruppen gebildet werden. Witziger Weise standen dann von selbst vier Frauen bzw. Mädchen auf der einen Seite und vier gestandene Männer auf der anderen. Ich fragte vorher noch die Mädels, ob sie das wirklich so wollten und sie bestanden darauf. Nun denn...die Staffel ging los. Unter Anfeuerungen, die die Dojowände zum Erzittern brachten, legten beide Gruppen los - und die Mädels gewannen! Kurzer Hand gruppierte ich zwei Personen um, so dass das Geschlechterverhältnis auf beiden Seiten gleich war und die Herren der Schöpfung nicht frustriert werden ;-) Dann nächste Staffel, etwas kniffliger noch. Beide Gruppen freuten sich über ein Unentschieden. Anschließend gab es wieder mal eine meiner Lieblingsübungen: Mäusefüßchen à la Risto! Die Gruppe ächzte und stöhnte unter meinen Kommandos und durfte erst aufhören, als alle Köpfe hoch rot angelaufen und die Beine schön warm waren. Die anschließenden Dehnübungen nutzte ich dazu, zu erklären, wie man die Hüftdrehung durch die Anspannung der inneren bzw. äußeren Oberschenkelmuskulatur bewirken kann.
Als nächstes Kihon. Da die halbe Gruppe aus frischen Anfängern bestand, beschloss ich, das von mir geplante Programm zu modifizieren und beschränkte mich auf Basistechniken: Vorgehen mit Oi-Tsuki Yodan, zurück rückwärts mit Age-Uke und Gyaku-Tsuki. Schon bei dieser Kombination, bei der derselbe Arm zweimal hintereinander aktiv wird, kamen einige der Trainierenden ganz schön ins Schlingern! Als nächstes Chudan-Tsuki, dann rückwärts Soto-Uke, Gyaku-Tsuki. Alles einige Bahnen lang und in der Intensität steigernd. Immer wieder erinnerte ich an die im Rahmen der Aufwärmübung gezeigten Hüft-Impulsübungen.
Nun Kumite: In einer Zweierreihe stellten sich die Trainierenden auf und übten nun Kihon-Ippon-Kumite mit den grade geübten Techniken. Erst die "Türseite", dann die "Spiegelseite". Und immer wieder Partnerwechsel.
Nun variierte ich die Übung leicht: Es war immer noch festgelegt, wer Tori und wer Uke ist. Aber die Übungen erhielten die Nummern 1 und 2. So war Angriff Yodan-Tsuki mit dem entsprechenden Block Age-Uke und Konter Gyaku-Tsuki "1", die Chudan-Kombination war nach meiner Ansage "2" auszuführen.
Anschließend sollten sich beide Partner an der jeweils gegenüber liegenden Hallenseite aufstellen und auf mein Kommando in die Hallenmitte laufen. Derjenige, der jeweisl dran war (Tür- oder Spiegelseite) sollte mit der Nummer, die grade angesagt war, angreifen.
Kleine Abwandlung anschließend: Die Angreifer erhielten die Buchstaben A für Türseite und B für Spiegelseite. Rief ich nun "A1", musste also die Türseite mit Yodan-Tsuki angreifen, der Partner entsprechend blocken/kontern.
Nun wurd`s gemein: beide Partner sollten sich am jeweils gegenüberliegenden Hallenrand mit dem Rücken auf den Boden legen. Dann rief ich die jeweiligen Kommandos und es ging los.
Zweite Vairante: mit dem Bauch auf den Boden - und los!
Nun, kurz vor Ende der Einheit, lagen die Partner auf auf ihren Positionen und ich sagte durch Ausrufen der Nummern jeweils wieder nur die Techniken an - wer zuerst in der Hallenmitte war, konnte angreifen! Hier gab es dann schon ein kleines Chaos: man konnte sich nicht einigen, wer den nun dran war - häufig wurde dann vor lauter Kichern gar keine Technik mehr ausgeführt. Kurzfristig musste ich die Trainierenden dann mal zur Raison rufen: nicht kichern - durchsetzen sollten sie sich!
Dann war aber die offizielle Trainingszeit schon zu Ende!
Denjenigen, die noch bleiben wollten, bot ich dann noch eine "freiwillige" Viertelstunde Krafttraining an.
Nach dem Training diskutierten wir noch in kleiner Runde die Vor- und Nachteile des Trainings in Fitnessstudios. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass ein Fitnessstudio grundsätzlich ganz ok ist - aber beim Karate hat man einfach mehr Spaß ;-))
Montag, 9. Juli 2007
Moargut - der Mercedes unter den Urlauben!
Vom 23.6. bis 07.07.2007 verbrachten wir wieder einmal unseren heiß ersehnten Urlaub in Großarl. Bei Sepp und Liesbeth im Hotel Moargut ist es doch immer am Schönsten! Ungelogen, denn wo kann man sich mehr entspannen und den Alltag außen vor lassen, als in einem Hotel, bei dem man schon bei der Ankunft von Koch Alex und Allround-Servicetalent Markus gedrückt und geherzt wird? Wie kann ein Urlaub noch getoppt werden, bei dem einem alle Wünsche bereits von den Augen abgelesen werden, noch bevor man sie selber kennt? Ein Beispiel: Gleich bei der Ankunft begrüßte mich Koch Alex mit den Worten: "Andrea an einem Tag werd ich extra für Dich das Rollschinkenmousse* machen!" Und das tat er auch - am Donnerstag der zweiten Woche gab es eine Portion Rollschinkenmousse, NUR FÜR MICH! Schade, dass Frank da schon abgereist war, er hätte das auch sehr genossen!
So freuten wir uns also wieder auf einen Super-Urlaub - mit den Kids und doch auch ohne, denn wenn sie nicht mit auf die Berge wollten, blieben sie halt im Hotel bei der Kinderbetreuung. Ein Urlaub im Moargut ist halt der Mercedes unter den Urlauben!
Vom Wetter waren wir in Deutschland nicht grade verwöhnt worden diesen Sommer! Der April war ungewöhnlich heiß gewesen und pünktlich zur Öffnung der Freibäder schlug das Wetter Anfang Mai um. Seitdem hatten wir wettertechnisch in die Röhre geguckt! Welch Überraschung, als uns dann in den österreichischen Alpen der Hochsommer begrüßte! Aber selbst als das Wetter nach gut einer Woche umschlug, machte uns dies fast nichts aus. Wanderten wir halt bei Wolken und auch mal bei leichtem Nieselregen. Schade nur, dass die (extra für mich?!?!?!) als Hotelführung geplante Gletschertour dann doch dem Schneefall zum Opfer fiel! Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben und so hoffe ich, dass ich hier im kommenden Sommer auf meine Kosten komme.
Die Kids waren wie immer sehr gut zufrieden. Kindertechnisch war es also fast wieder ein "Selbstläufer" und genau richtig für uns "Rabeneltern" ;-)) Johanna und Franziska genossen alle nur erdenklichen Aktivitäten der Kinderbetreuung, wie z. B. Heuhüpfen mit anschließender Übernachtung in selbigem, Treckerfahren bei Sepp in der Treckerschaufel (als Versicherungsfachwirtin und Möchte-Gern-Juristin muss ich ja sagen: ganz schön mutig, Sepp!), T-Shirt-Gestalten und Vieles mehr. Felix war ja nie wirklich für die Kinderbetreuung zu erwärmen, da er ja wie auch daheim, im Urlaub gerne seinen eigenen Weg geht. Dieser Weg führte in diesem Urlaub jedoch nicht selten an unserer Seite entlang, da Felix es sich nicht nehmen ließ, etliche Bergwanderungen mit zu machen, vor allem, wenn sein Freund Tom Belling aus Detmold mit dabei war. An einem Tag wurde Felix von Familie Belling mit zum Fernsehbauernhof Gut Aiderbichel genommen. Tom und Felix wurden so dicke Freunde, dass Felix Tom in den Herbstferien sogar einen 5-tägigen Besuch in Detmold abstattete!
Franziska wollte unbedingt gerne in das Salzbergwerk nach Hallein und so unternahmen wir mit der Familie (außer Felix, der da grade am Gut Aiderbichel war) und Oma einen Tagesausflug. Das Wetter war ziemlich mies an dem Tag, aber wir weilten ja unter Tage, ließen uns die Geschichte des Salzbergwerkes erzählen, hörten von Kelten und Kaisern, Knechten und (Salz-)Kammern, ließen uns mit einem Boot über einen unterirdischen Salzsee fahren und überquerten unter Tage sogar die österreichische Grenze. Durch die Erzählungen der Führerin wurde Franziskas Interesse an der Geschichte der Kelten geweckt, so dass wir an einem anderen Ferientag noch einmal nach Hallein fahren mussten, um das Keltenmuseum anzuschauen. Diesmal war auch Tom mitgefahren und wir konnten uns etwas für den Ausflug zum Gut Aiderbichel revanchieren. Bei diesem Ausflug nutzte ich auf dem Rückweg einen kurzen Stadtbummel, um mir einen lang gehegten Traum zu erfüllen: ich schenkte mir quasi selber ein hübsches Dirndl zum Geburtstag!
Frank war in der zweiten Woche bereits am Donnerstagmorgen zu einem Motorradtreffen in den Schwarzwald aufgebrochen. Er hatte aber bis dahin auch schon allerlei erlebt. So waren wir unzählige Kilometer gewandert, teils alleine, teils mit unserer Freundin Doris aus Coesfeld, teils mit Felix und/oder anderen Hotelgästen. Felix hatte sich gleich am ersten Tag vorgenommen, den "Badeschlappenweg" zur Aigenalm (hier gibt es -leider- einen neuen Güterweg) mit dem Fahrrad hinaufzufahren. Mann, hat der Gas gegeben! Auch wenn er einige Etappen schieben musste, so war das dennoch eine beachtliche Leistung! Als ich ihn auf dem Rückweg mit Vollgas den Hang hinunter fahren sah, bat ich Frank besorgt, ihm bitte schnell zu folgen und für seine Sicherheit zu sorgen. Felix war allerdings längst schon -im wahrsten Sinne des Wortes- über alle Berge und gar nicht mehr zu sehen!
Wie immer hatte der Sepp pro Woche eine Familienwanderungen geplant: Die erste war gleich eine echte Herausforderung! Es ging zur Filzmoosalm, Lohsbühelalm, Weißalm und Groß Elmaualm. Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch knalle heißes Sommerwetter und Franziska war total am Ende und bekam kurz vor der letzen Alm einen hysterischen Anfall! An einem Freitag gab es ein Kaffeetrinken auf der Bachalm. Sepp und Liesbeth hatten dort für uns eine Kaffeetafel mit Apfelstrudel und anderen Leckereien angerichtet! Viele waren hier mit den Autos hinauf gefahren. Thomas (Papa von Zissis Freundin Nathalie) und ich waren jedoch den gesamten Weg gelaufen - und froh, als wir wieder unten waren! Wir hatten hier echt Vollgas gegeben und konnten wegen des -langweiligen- Güterwegs fast hinauf und hinab joggen!
Auch für die „Großen“ gab es spezielle Wandertouren. Eine führte uns die bereits bekannte Strecke zum Frauenkogel hinauf. Ich war etwas enttäuscht, weil wir erst mit Autos zur Bachalm gefahren waren. So richtig ausgelastet war ich dann ja vom Wandern nicht. Was mir eher zu schaffen machte, war die an diesem Tage herrschende Witterung: das Wetter war umgeschlagen und oben erwarteten uns nicht nur Schneefelder, sondern auch Schneegriesel! Und ich blöder Flachlandtiroler war ganz unbedarft mit kurzer Hose hinaufgegangen! Das sollte mir nicht wieder passieren! Eine weitere Wanderung ging dann am letzten Donnerstag zum Draugstein. Leider ging es mir nicht so gut an dem Tag. Zudem war Frank bereits abgereist. So musste Felix alleine mit wandern und tat das auch. Er war wohl wieder nur voran gelaufen. Leider hatte er keine Jacke dabei und das Wetter ließ wieder mal nur zu wünschen übrig. Aber ihm machte das nichts aus und er kehrte glücklich und stolz zum Hotel zurück.
Frank und ich hatten einige weitere schöne und auch nicht so schöne Wanderungen bewerkstelligt. Es ist doch erstaunlich und irgendwie auch enttäuschend, wie sich das Großarltal seit unserem letzten Sommerurlaub teilweise verändert hatte! So wollten Frank und ich zur Kreealm mit Kreehütte und Bichlhütte hinauf. Diese Tour hatten wir noch so gut in Erinnerung, da wir von dort aus doch einmal an einem zweiten Urlaubstag ganz naiv bis zum Murtörl gekraxelt waren. Das Wetter war recht wechselhaft und wir hatten diesmal nicht vor, so hoch zu steigen. Wir wollten nur den schönen Kraxelsteig bis zu den Almhütten nehmen - aber - der war weg! Statt dessen begrüßte uns der frische Kiesweg mit seitlich deutlich sichtbaren Sprengspuren! Ein weiterer, ganz neuer Güterweg also! Wie blöd! Nun ja, aber die Almbauern müssen ja auch leben und es ist eben kein alpines Disneyland, wo alles nur auf die Touristen abgestellt ist!
Mit Doris, Jan, Tim und unseren Kids hatten wir noch einen schönen Ausflug auf der anderen Talseite: Am Vorderstadtluck parkten wir und gingen auf zwei verschiedenen Wegen zur Saukaralm und zum Teil sogar zum Saukarkopf. Jan hatte doch erhebliche konditionelle Probleme und ging darum mit Doris eine einfachere Strecke. Tim marschierte derweil mit uns. Auf dem Saukarkopf verloren wir Felix wieder einmal, weil er einfach schon wieder unten war, als wir ihn noch oben suchten...
Schön war auch Franks und mein Aufstieg zur Höllwand! Selbst Doris ließ sich von dem schaurigen Namen nicht abschrecken und kam mit, unter dem Vorbehalt, nicht die eigentliche Höllwand zu besteigen. So kraxelten wir, obgleich wir einen skelettierten Kuhkopf auf einer Wiese hinter uns gelassen hatten, entschlossen am Schuhflicker vorbei und näherten uns der Höllwand. Diese machte dann, besonders auf den letzten Metern, ihrem Namen alle Ehre! Hui, war das hoch und steil! Ich musste mich quasi am Berg festkrallen, um die letzten Meter bis zum Gipfelkreuz zu schaffen! Bloß nicht runtergucken jetzt! Und dann wäre es beinahe doch passiert - vor lauter falschem Ehrgeiz wäre ich doch glatt abgeschmiert! Ich griff nämlich in den Hang und spürte einen stechenden Schmerz, als mir nichts außer einem Büschel Brennnessel Halt bot! Als ich dann auf dem Kamm saß, klopfte mein Herz wie wild! Ich beschloss, noch nicht an den Abstieg zu denken und die atemberaubende Aussicht zu genießen! Das war echt toll, wie man weit über die Gipfel und Täler blicken konnte! Selten hab ich so einen schönen Ausblick gehabt! Nachdem ich dann die ersten Meter des Abstiegs geschafft hatte, war dann auch alles wieder ganz easy!
Am Folgetag beschlossen wir, auch noch den Schuhflicker zu "schaffen", an dem wir zuvor ja nur vorbei gelaufen waren. Da dieser alleine aber keine echte Herausforderung für uns darstellte, beschlossen Frank und ich, anschließend vom Schuhflicker zum Kreuzkogel zu wandern und von dort aus in unser „Heimattal“, in dem sich die Aigenalm befindet, zu laufen. Morgens hatten wir den Sepp gefragt, ob wir oben vom Kamm ins Tal steigen könnten, es war dort nämlich kein Wanderweg eingezeichnet. "Klar, des passt, ist allerdings etwas unwegsam. Ihr schaffts des schon!". Nun konnten wir Doris aber nicht mehr überreden, mit uns zu gehen. Hinterher war ich ehrlich gesagt ganz froh, denn nachdem wir den Schuhflicker mal eben "abgefrühstückt" hatten, sollte unser ganz großes Urlaubsabenteuer beginnen.....
Erst zögerten wir noch, an welcher Stelle wir den Abstieg in "unser" Tal wagen sollten. Dann sahen wir bereits vom Kamm aus die Almhütten - na, dann kann ja nix mehr schief gehen! - Wie sehr man sich doch irren kann! Wir gingen ein kleines, recht gut bezwingbares und überschaubares Gefälle hinab. Dann veränderte sich der Untergrund. Das Gras wurde höher - Moment - Gras? Da war alles andere, aber nicht mehr das, was man sich als Flachlandtiroler als Gras vorstellt! Zwar bin ich botanisch ohnehin nicht so unglaublich bewandert, die Namen der sich mir dort nun präsentierenden Pflanzen stehen aber bestimmt in keinem handelsüblichen Biologiebuch! Und es waren ja nicht nur nett anzuschauende Blühpflanzen - nein: ungefähr 80 % der floralen Umgebung bestanden aus bedrohlich ausschauenden, mit Dornen und Stacheln bewehrten ganz bestimmt mindestens Fleisch fressenden Pflanzen! Hier fühlte ich mich nicht erst unwohl, als Frank meinte: "Guck mal, eine Schlange!" Quiekend suchte ich nach einem anderen Weg und glaubte mich in einer nahen Nadelwaldschonung in Sicherheit. Dort angekommen, atmete ich auf - um gleich darauf auf dem schmierseifenglatten Tannennadeluntergrund auf den Po zu fallen. Frank, der mir inzwischen gefolgt war, schlitterte mit mir auf dem steilen Gefälle zum nächsten Baum. Hier also auch nicht gut. Während einer Pause hörte ich ein Plätschern. Ein Bachlauf! Ja, ich hatte noch genau vor Augen, wie unser Sohn Felix am Vortag bei der Wanderung mit seinem Freund Tom lustig durch einen Bachlauf spazierte. Das wäre doch jetzt optimal: die sich im Bach befindlichen Steine würden uns sicheren Halt geben. Durch das pieksende, urwaldähnliche Gestrüpp wagten wir uns Richtung Plätschern. Gut, dass ich mir just an diesem Morgen eine superteure lange Wanderhose gekauft hatte! Diese schonte die Haut an meinen Beinen und gab mir die Illusion, vor Schlangen, Spinnen, Zecken und Co. einigermaßen sicher zu sein. Da! Der Bach! Voller Vorfreude und mit der Gewissheit, es bald geschafft zu haben, retteten wir uns in das kühle Nass und wurden gleich mit einer Rutschpartie auf dem Hosenboden belohnt! Das Bild des Vortages (Felix und Tom idyllisch im Bach....) zerfiel schlagartig in tausend kleine Trümmerstücke! Halb rutschend und schlitternd und zwischendurch immer wieder einen Weg am Festland ausprobierend, kamen wir nur langsam etwas weiter ins Tal. Langsam bekam ich Panik: Was, wenn einer von uns sich hier verletzt, den Fuß verknickt oder tatsächlich von einer Schlange gebissen wird? Wie sollen wir hier jemals wieder weg kommen? Wie sollte uns hier jemand finden oder retten können? Aber es half ja nichts, wir mussten irgendwie weiter. Gegenseitig machten wir uns immer wieder Mut, versuchten der Situation etwas Komisches abzugewinnen und etwas Galgenhumor aufzubringen. Und dann endlich - der erste Kuhfladen! Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals so über den Anblick eines Kuhfladens gefreut zu haben! Jauchzend trat ich mit meinen ohnehin total zugesauten Wanderschuhen feste hinein! Jetzt konnte nicht mehr viel schief gehen! Nach nur mehr wenigen Minuten erreichten wir dann die Almhütte und stießen mit einem kühlen Bier auf unser zweites Leben an! Eins war sicher: so leichtsinnig würden wir nicht so schnell wieder sein. Der Almwirt zollte uns auch seine hohe Anerkennung für unseren Abstieg. Das würden nur geübte Bergsteiger schaffen! Jaja....
Der Sepp nahm unseren kleinen Vorwurf, er hätte uns ja warnen können, gelassen hin: "I hoab ja g'sogt, des des unwegsam is!" So, so, unwegsam....
Nun, mal schauen, was wir uns im nächsten Jahr für feine Strecken aussuchen...ich glaub, der Ankogl-Gletscher ist noch nicht ganz vom Tisch....
*das Rollschinkenmousse hat eine Vorgeschichte: Im Moargut werden stets die feinsten Schmankerl serviert. Dies gilt natürlich besonders, seit Koch Alex an den Töpfen steht. Aber auch zuvor war die Speisekarte äußerst erlesen. So gab es, und diese Bezeichnung werden wir wohl nie vergessen, "das Rollschinkenmousse, ins Schusterleibchen dressiert". Das Schusterleibchen entpuppte sich dann als zwei kleine Brotscheiben und das Rezept des Rollschinkenmousses wollte uns Mutter Prommegger leider nie verraten...
So freuten wir uns also wieder auf einen Super-Urlaub - mit den Kids und doch auch ohne, denn wenn sie nicht mit auf die Berge wollten, blieben sie halt im Hotel bei der Kinderbetreuung. Ein Urlaub im Moargut ist halt der Mercedes unter den Urlauben!
Vom Wetter waren wir in Deutschland nicht grade verwöhnt worden diesen Sommer! Der April war ungewöhnlich heiß gewesen und pünktlich zur Öffnung der Freibäder schlug das Wetter Anfang Mai um. Seitdem hatten wir wettertechnisch in die Röhre geguckt! Welch Überraschung, als uns dann in den österreichischen Alpen der Hochsommer begrüßte! Aber selbst als das Wetter nach gut einer Woche umschlug, machte uns dies fast nichts aus. Wanderten wir halt bei Wolken und auch mal bei leichtem Nieselregen. Schade nur, dass die (extra für mich?!?!?!) als Hotelführung geplante Gletschertour dann doch dem Schneefall zum Opfer fiel! Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben und so hoffe ich, dass ich hier im kommenden Sommer auf meine Kosten komme.
Die Kids waren wie immer sehr gut zufrieden. Kindertechnisch war es also fast wieder ein "Selbstläufer" und genau richtig für uns "Rabeneltern" ;-)) Johanna und Franziska genossen alle nur erdenklichen Aktivitäten der Kinderbetreuung, wie z. B. Heuhüpfen mit anschließender Übernachtung in selbigem, Treckerfahren bei Sepp in der Treckerschaufel (als Versicherungsfachwirtin und Möchte-Gern-Juristin muss ich ja sagen: ganz schön mutig, Sepp!), T-Shirt-Gestalten und Vieles mehr. Felix war ja nie wirklich für die Kinderbetreuung zu erwärmen, da er ja wie auch daheim, im Urlaub gerne seinen eigenen Weg geht. Dieser Weg führte in diesem Urlaub jedoch nicht selten an unserer Seite entlang, da Felix es sich nicht nehmen ließ, etliche Bergwanderungen mit zu machen, vor allem, wenn sein Freund Tom Belling aus Detmold mit dabei war. An einem Tag wurde Felix von Familie Belling mit zum Fernsehbauernhof Gut Aiderbichel genommen. Tom und Felix wurden so dicke Freunde, dass Felix Tom in den Herbstferien sogar einen 5-tägigen Besuch in Detmold abstattete!
Franziska wollte unbedingt gerne in das Salzbergwerk nach Hallein und so unternahmen wir mit der Familie (außer Felix, der da grade am Gut Aiderbichel war) und Oma einen Tagesausflug. Das Wetter war ziemlich mies an dem Tag, aber wir weilten ja unter Tage, ließen uns die Geschichte des Salzbergwerkes erzählen, hörten von Kelten und Kaisern, Knechten und (Salz-)Kammern, ließen uns mit einem Boot über einen unterirdischen Salzsee fahren und überquerten unter Tage sogar die österreichische Grenze. Durch die Erzählungen der Führerin wurde Franziskas Interesse an der Geschichte der Kelten geweckt, so dass wir an einem anderen Ferientag noch einmal nach Hallein fahren mussten, um das Keltenmuseum anzuschauen. Diesmal war auch Tom mitgefahren und wir konnten uns etwas für den Ausflug zum Gut Aiderbichel revanchieren. Bei diesem Ausflug nutzte ich auf dem Rückweg einen kurzen Stadtbummel, um mir einen lang gehegten Traum zu erfüllen: ich schenkte mir quasi selber ein hübsches Dirndl zum Geburtstag!
Frank war in der zweiten Woche bereits am Donnerstagmorgen zu einem Motorradtreffen in den Schwarzwald aufgebrochen. Er hatte aber bis dahin auch schon allerlei erlebt. So waren wir unzählige Kilometer gewandert, teils alleine, teils mit unserer Freundin Doris aus Coesfeld, teils mit Felix und/oder anderen Hotelgästen. Felix hatte sich gleich am ersten Tag vorgenommen, den "Badeschlappenweg" zur Aigenalm (hier gibt es -leider- einen neuen Güterweg) mit dem Fahrrad hinaufzufahren. Mann, hat der Gas gegeben! Auch wenn er einige Etappen schieben musste, so war das dennoch eine beachtliche Leistung! Als ich ihn auf dem Rückweg mit Vollgas den Hang hinunter fahren sah, bat ich Frank besorgt, ihm bitte schnell zu folgen und für seine Sicherheit zu sorgen. Felix war allerdings längst schon -im wahrsten Sinne des Wortes- über alle Berge und gar nicht mehr zu sehen!
Wie immer hatte der Sepp pro Woche eine Familienwanderungen geplant: Die erste war gleich eine echte Herausforderung! Es ging zur Filzmoosalm, Lohsbühelalm, Weißalm und Groß Elmaualm. Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch knalle heißes Sommerwetter und Franziska war total am Ende und bekam kurz vor der letzen Alm einen hysterischen Anfall! An einem Freitag gab es ein Kaffeetrinken auf der Bachalm. Sepp und Liesbeth hatten dort für uns eine Kaffeetafel mit Apfelstrudel und anderen Leckereien angerichtet! Viele waren hier mit den Autos hinauf gefahren. Thomas (Papa von Zissis Freundin Nathalie) und ich waren jedoch den gesamten Weg gelaufen - und froh, als wir wieder unten waren! Wir hatten hier echt Vollgas gegeben und konnten wegen des -langweiligen- Güterwegs fast hinauf und hinab joggen!
Auch für die „Großen“ gab es spezielle Wandertouren. Eine führte uns die bereits bekannte Strecke zum Frauenkogel hinauf. Ich war etwas enttäuscht, weil wir erst mit Autos zur Bachalm gefahren waren. So richtig ausgelastet war ich dann ja vom Wandern nicht. Was mir eher zu schaffen machte, war die an diesem Tage herrschende Witterung: das Wetter war umgeschlagen und oben erwarteten uns nicht nur Schneefelder, sondern auch Schneegriesel! Und ich blöder Flachlandtiroler war ganz unbedarft mit kurzer Hose hinaufgegangen! Das sollte mir nicht wieder passieren! Eine weitere Wanderung ging dann am letzten Donnerstag zum Draugstein. Leider ging es mir nicht so gut an dem Tag. Zudem war Frank bereits abgereist. So musste Felix alleine mit wandern und tat das auch. Er war wohl wieder nur voran gelaufen. Leider hatte er keine Jacke dabei und das Wetter ließ wieder mal nur zu wünschen übrig. Aber ihm machte das nichts aus und er kehrte glücklich und stolz zum Hotel zurück.
Frank und ich hatten einige weitere schöne und auch nicht so schöne Wanderungen bewerkstelligt. Es ist doch erstaunlich und irgendwie auch enttäuschend, wie sich das Großarltal seit unserem letzten Sommerurlaub teilweise verändert hatte! So wollten Frank und ich zur Kreealm mit Kreehütte und Bichlhütte hinauf. Diese Tour hatten wir noch so gut in Erinnerung, da wir von dort aus doch einmal an einem zweiten Urlaubstag ganz naiv bis zum Murtörl gekraxelt waren. Das Wetter war recht wechselhaft und wir hatten diesmal nicht vor, so hoch zu steigen. Wir wollten nur den schönen Kraxelsteig bis zu den Almhütten nehmen - aber - der war weg! Statt dessen begrüßte uns der frische Kiesweg mit seitlich deutlich sichtbaren Sprengspuren! Ein weiterer, ganz neuer Güterweg also! Wie blöd! Nun ja, aber die Almbauern müssen ja auch leben und es ist eben kein alpines Disneyland, wo alles nur auf die Touristen abgestellt ist!
Mit Doris, Jan, Tim und unseren Kids hatten wir noch einen schönen Ausflug auf der anderen Talseite: Am Vorderstadtluck parkten wir und gingen auf zwei verschiedenen Wegen zur Saukaralm und zum Teil sogar zum Saukarkopf. Jan hatte doch erhebliche konditionelle Probleme und ging darum mit Doris eine einfachere Strecke. Tim marschierte derweil mit uns. Auf dem Saukarkopf verloren wir Felix wieder einmal, weil er einfach schon wieder unten war, als wir ihn noch oben suchten...
Schön war auch Franks und mein Aufstieg zur Höllwand! Selbst Doris ließ sich von dem schaurigen Namen nicht abschrecken und kam mit, unter dem Vorbehalt, nicht die eigentliche Höllwand zu besteigen. So kraxelten wir, obgleich wir einen skelettierten Kuhkopf auf einer Wiese hinter uns gelassen hatten, entschlossen am Schuhflicker vorbei und näherten uns der Höllwand. Diese machte dann, besonders auf den letzten Metern, ihrem Namen alle Ehre! Hui, war das hoch und steil! Ich musste mich quasi am Berg festkrallen, um die letzten Meter bis zum Gipfelkreuz zu schaffen! Bloß nicht runtergucken jetzt! Und dann wäre es beinahe doch passiert - vor lauter falschem Ehrgeiz wäre ich doch glatt abgeschmiert! Ich griff nämlich in den Hang und spürte einen stechenden Schmerz, als mir nichts außer einem Büschel Brennnessel Halt bot! Als ich dann auf dem Kamm saß, klopfte mein Herz wie wild! Ich beschloss, noch nicht an den Abstieg zu denken und die atemberaubende Aussicht zu genießen! Das war echt toll, wie man weit über die Gipfel und Täler blicken konnte! Selten hab ich so einen schönen Ausblick gehabt! Nachdem ich dann die ersten Meter des Abstiegs geschafft hatte, war dann auch alles wieder ganz easy!
Am Folgetag beschlossen wir, auch noch den Schuhflicker zu "schaffen", an dem wir zuvor ja nur vorbei gelaufen waren. Da dieser alleine aber keine echte Herausforderung für uns darstellte, beschlossen Frank und ich, anschließend vom Schuhflicker zum Kreuzkogel zu wandern und von dort aus in unser „Heimattal“, in dem sich die Aigenalm befindet, zu laufen. Morgens hatten wir den Sepp gefragt, ob wir oben vom Kamm ins Tal steigen könnten, es war dort nämlich kein Wanderweg eingezeichnet. "Klar, des passt, ist allerdings etwas unwegsam. Ihr schaffts des schon!". Nun konnten wir Doris aber nicht mehr überreden, mit uns zu gehen. Hinterher war ich ehrlich gesagt ganz froh, denn nachdem wir den Schuhflicker mal eben "abgefrühstückt" hatten, sollte unser ganz großes Urlaubsabenteuer beginnen.....
Erst zögerten wir noch, an welcher Stelle wir den Abstieg in "unser" Tal wagen sollten. Dann sahen wir bereits vom Kamm aus die Almhütten - na, dann kann ja nix mehr schief gehen! - Wie sehr man sich doch irren kann! Wir gingen ein kleines, recht gut bezwingbares und überschaubares Gefälle hinab. Dann veränderte sich der Untergrund. Das Gras wurde höher - Moment - Gras? Da war alles andere, aber nicht mehr das, was man sich als Flachlandtiroler als Gras vorstellt! Zwar bin ich botanisch ohnehin nicht so unglaublich bewandert, die Namen der sich mir dort nun präsentierenden Pflanzen stehen aber bestimmt in keinem handelsüblichen Biologiebuch! Und es waren ja nicht nur nett anzuschauende Blühpflanzen - nein: ungefähr 80 % der floralen Umgebung bestanden aus bedrohlich ausschauenden, mit Dornen und Stacheln bewehrten ganz bestimmt mindestens Fleisch fressenden Pflanzen! Hier fühlte ich mich nicht erst unwohl, als Frank meinte: "Guck mal, eine Schlange!" Quiekend suchte ich nach einem anderen Weg und glaubte mich in einer nahen Nadelwaldschonung in Sicherheit. Dort angekommen, atmete ich auf - um gleich darauf auf dem schmierseifenglatten Tannennadeluntergrund auf den Po zu fallen. Frank, der mir inzwischen gefolgt war, schlitterte mit mir auf dem steilen Gefälle zum nächsten Baum. Hier also auch nicht gut. Während einer Pause hörte ich ein Plätschern. Ein Bachlauf! Ja, ich hatte noch genau vor Augen, wie unser Sohn Felix am Vortag bei der Wanderung mit seinem Freund Tom lustig durch einen Bachlauf spazierte. Das wäre doch jetzt optimal: die sich im Bach befindlichen Steine würden uns sicheren Halt geben. Durch das pieksende, urwaldähnliche Gestrüpp wagten wir uns Richtung Plätschern. Gut, dass ich mir just an diesem Morgen eine superteure lange Wanderhose gekauft hatte! Diese schonte die Haut an meinen Beinen und gab mir die Illusion, vor Schlangen, Spinnen, Zecken und Co. einigermaßen sicher zu sein. Da! Der Bach! Voller Vorfreude und mit der Gewissheit, es bald geschafft zu haben, retteten wir uns in das kühle Nass und wurden gleich mit einer Rutschpartie auf dem Hosenboden belohnt! Das Bild des Vortages (Felix und Tom idyllisch im Bach....) zerfiel schlagartig in tausend kleine Trümmerstücke! Halb rutschend und schlitternd und zwischendurch immer wieder einen Weg am Festland ausprobierend, kamen wir nur langsam etwas weiter ins Tal. Langsam bekam ich Panik: Was, wenn einer von uns sich hier verletzt, den Fuß verknickt oder tatsächlich von einer Schlange gebissen wird? Wie sollen wir hier jemals wieder weg kommen? Wie sollte uns hier jemand finden oder retten können? Aber es half ja nichts, wir mussten irgendwie weiter. Gegenseitig machten wir uns immer wieder Mut, versuchten der Situation etwas Komisches abzugewinnen und etwas Galgenhumor aufzubringen. Und dann endlich - der erste Kuhfladen! Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals so über den Anblick eines Kuhfladens gefreut zu haben! Jauchzend trat ich mit meinen ohnehin total zugesauten Wanderschuhen feste hinein! Jetzt konnte nicht mehr viel schief gehen! Nach nur mehr wenigen Minuten erreichten wir dann die Almhütte und stießen mit einem kühlen Bier auf unser zweites Leben an! Eins war sicher: so leichtsinnig würden wir nicht so schnell wieder sein. Der Almwirt zollte uns auch seine hohe Anerkennung für unseren Abstieg. Das würden nur geübte Bergsteiger schaffen! Jaja....
Der Sepp nahm unseren kleinen Vorwurf, er hätte uns ja warnen können, gelassen hin: "I hoab ja g'sogt, des des unwegsam is!" So, so, unwegsam....
Nun, mal schauen, was wir uns im nächsten Jahr für feine Strecken aussuchen...ich glaub, der Ankogl-Gletscher ist noch nicht ganz vom Tisch....
*das Rollschinkenmousse hat eine Vorgeschichte: Im Moargut werden stets die feinsten Schmankerl serviert. Dies gilt natürlich besonders, seit Koch Alex an den Töpfen steht. Aber auch zuvor war die Speisekarte äußerst erlesen. So gab es, und diese Bezeichnung werden wir wohl nie vergessen, "das Rollschinkenmousse, ins Schusterleibchen dressiert". Das Schusterleibchen entpuppte sich dann als zwei kleine Brotscheiben und das Rezept des Rollschinkenmousses wollte uns Mutter Prommegger leider nie verraten...
Sonntag, 8. Juli 2007
Mittwoch, 13. Juni 2007
Back to the Basics - Grundlagentraining bei Sensei Michael
Gestern war ein chaotischer Tag: meine Tochter Johanna konnte morgens wegen 40 Grad Fiebers nicht zur Schule und war den ganzen Tag sehr anhänglich und leidend. Kein Problem Dank Tele-Arbeitsplatz. Umso froher war ich dann aber auch darüber, abends zum Dojo fahren und Karate trainieren zu dürfen. Jetzt mal wieder so richtig auspowern und mit viel Körperkontakt beim "Hauen und Stechen" spüren, dass man "noch da ist"! Zu meiner Überraschung war Sensei Michael bereits rechtzeitig da, um auch schon das Aufwärmtraining zu geben. Meist schafft er es erst, mit ca. 30-minütiger Verspätung zu erscheinen, da er nach der Arbeit noch extra aus Wesel anreist. Das Aufwärmtraining ist bei ihm schon immer eine echte Herausforderung. Warum? Weil es von dem "üblichen" Aufwärmen abweicht. Da werden Körperregionen gedehnt, von deren Vorhandensein selbst erfahrene Karatekas bislang nicht wussten! Es ist fantastisch! Gut eine halbe Stunde lang wurde der Körper schweigend und ächzend gedehnt und auch durch Kraftübungen aufgewärmt. Dann ging ein "aufwärmendes" Grundschultraining los. Zenkutsu Dachi. Michael wies uns auf die Feinheiten dieser Basisstellung hin: hinterer Fuß nach vorne, Gewicht schön tief und beim Vorwärtsgehen zuerst das vordere Knie vorschieben und dann das hintere Bein abdrücken und im Halbkreis nach vorne führen. Anfängerlehrgang! Anfängerlehrgang? Ja - und nein! Was die Übung so speziell machte, war nicht die Technik oder Art und Weise des Vorgehens, sondern die Kleinigkeiten, auf die Michael Wert legte. Noch spezieller wurde die Trainingssequenz, als wir uns anschließend im Zenkutsu Dachi rückwärts bewegen sollten, wie der Uke in einer Kihon-Partnerübung. Wir sollten bei dieser Übung unsere Arme ausstrecken: den Arm der Seite des vorderen Beins nach vorne und oben, den anderen rückwärts und nach unten. Beim Rückwärtsgehen sollte uns diese Zusatzübung dabei helfen, das Gewicht trotz rückwärtiger Bewegung vorne zu lassen und auch als Uke in einem sauberen Zenkutsu-Dachi zu stehen. Häufig ist es ja so, dass man als Abwehrender den Zenkutsu-Dachi kürzer macht als beim Vorwärtsgehen und auch schmaler steht. Auch die Füße verdienten Beachtung: nicht nur das Nach-Vorne-Zeigen des hinteren Fußes war wichtig, noch mehr von Bedeutung war vielmehr, dass beide Füße gleich belastet wurden. Zudem sollte das Gewicht gleichmäßig auf die vollständigen Fußflächen verteilt sein, die Füße also mit der ganzen Fläche auf dem Boden stehen. Beim Rückwärtsgehen sollte jetzt auf keinen Fall zuerst die hintere Ferse angehoben werden! Vielmehr sollten wir das hintere Bein bei vollständig aufgestelltem Fuß einbeugen. Dies funktioniert nur, wenn man die Hüfte zur Seite drehte, sonst kommt man unweigerlich hoch oder neigt den Oberkörper. Anschließend sollte dann das nach hinten zu führende Bein schnell und stark zurück gezogen und hinten in den Boden gedrückt werden. Der Impuls dieser Bewegung kommt wieder aus der Hüfte, die hierfür kraftvoll ausgedreht wird. Schließlich sollten wir noch den Oberkörper so weit abdrehen, dass zwar noch sofort eine effetkive Kontertechnik möglich war, dem Gegner aber möglichst wenig Angriffsfläche geboten wurde.
Alleine funktionierte die Ausführung der Übungen ganz gut - zumindest hatte ich ein gutes "Karate-Gefühl". Anschließend, mit Partner, gestaltete sich das Ganze schon etwas anspruchsvoller. Das Hauptproblem bestand darin, dass Tori beim Gohon-Kumite stets innen stehen soll. Beim mehrmaligen Zurückgehen wurde der Stand dann zunehmend schmaler, so dass man schließlich bald auf einer Linie und sehr instabil stand. Zu Übungszwecken sollten Tori und Uke sich zudem nach Ausführung der Bewegung Knie-an-Knie berühren und an dieser Stelle eine Spannung aufbauen. Glücklicher Weise hatte ich einen etwa gleich großen Partner, so dass mir diesmal diese Übung keine große Schwierigkeiten bereitete. Bei "Einsachzigtypen" habe ich da immer meine Schwierigkeiten und es muss dann nach jedem Angriff/Konter die Distanz überprüft werden.
Nachdem Michael mit unserem Zenkutsu-Dachi einigermaßen zufrieden war, ging es weiter mit dem Kiba-Dachi. Michael erklärte, dass in vielen Kampfsportarten oder Karatestilen diese Ausgangsstellung bevorzugt würde. Grund: die schmale Angriffsfläche für den Gegner. Wir sollten jetzt beim Vorgehen darauf achten, dass wir eine Innen- und Außenspannung der Beine aufbauten: mit Innenspannung die Beine zueinander führen und übersetzen und dann mit starker Außenspannung im Kiba-Dachi absetzen. Zur Verstärkung wurden die Arme eingesetzt, ähnlich wie in Tekki-Katas. Auch dies wurde mit Partner geübt: zwei Karatekas standen mit Blick in dieselbe Richtung nebeneinander. Tori war jetzt der, der die Richtung vorgab und den anderen quasi "durch die Halle trieb". Der andere musste zusehen, dass er "Land gewinnt" und so schnell wie möglich weg. Sobald die Arme zur Verstärkung eingesezt wurden, gab es jedes Mal ein großes Hallo, wenn die Arme mit voller Wucht gegeneinander knallten!
Auch im Zenkutsu-Dachi übten wir mit Partner und im Ansatz konnten wir wohl umsetzen, was Michael von uns verlangte. Dann hieß es zum Ende der Stunde "schnell und stark". Nur vier Bahnen. Kein Problem eigentlich. Oder? Leider doch: Schon während der Ausführung der Abwehrtechniken merkte ich, dass plötzlich alles soeben Erlernte wieder weg war! Ich ärgerte mich über mich selbst, denn ich machte die Übungen nicht wie angeordnet, sondern einfach "wie immer". Als ich mal kurz versuchte, mich zu konzentrieren und das Einstudierte umzusetzen, wurde ich mit einem sauberen Ippon am Kinn erwischt! Offenbar ging es den anderen Paaren nicht anders: Nach dem Abgrüßen raufte sich Michael symbolisch die Haare und schickte uns mit einem leicht verzweifelten Gesichtsausdruck und einem Schulterzucken zu den Duschen.
Vermutlich dachte er in diesem Moment wie ich: Optimal wäre jetzt ein Wochenend-Trainingslager, bei dem man diese Feinheiten stundenlang einschleifen und wiederholen könnte! Ich jedenfalls habe wieder viele Denkansätze erhalten und auch wenn es nicht das ursprünglich gewünschte "Hauen und Stechen" war, so fuhr ich doch von den intensiven Standübungen redlich erschöpft und ausgepowert nach Hause.
Alleine funktionierte die Ausführung der Übungen ganz gut - zumindest hatte ich ein gutes "Karate-Gefühl". Anschließend, mit Partner, gestaltete sich das Ganze schon etwas anspruchsvoller. Das Hauptproblem bestand darin, dass Tori beim Gohon-Kumite stets innen stehen soll. Beim mehrmaligen Zurückgehen wurde der Stand dann zunehmend schmaler, so dass man schließlich bald auf einer Linie und sehr instabil stand. Zu Übungszwecken sollten Tori und Uke sich zudem nach Ausführung der Bewegung Knie-an-Knie berühren und an dieser Stelle eine Spannung aufbauen. Glücklicher Weise hatte ich einen etwa gleich großen Partner, so dass mir diesmal diese Übung keine große Schwierigkeiten bereitete. Bei "Einsachzigtypen" habe ich da immer meine Schwierigkeiten und es muss dann nach jedem Angriff/Konter die Distanz überprüft werden.
Nachdem Michael mit unserem Zenkutsu-Dachi einigermaßen zufrieden war, ging es weiter mit dem Kiba-Dachi. Michael erklärte, dass in vielen Kampfsportarten oder Karatestilen diese Ausgangsstellung bevorzugt würde. Grund: die schmale Angriffsfläche für den Gegner. Wir sollten jetzt beim Vorgehen darauf achten, dass wir eine Innen- und Außenspannung der Beine aufbauten: mit Innenspannung die Beine zueinander führen und übersetzen und dann mit starker Außenspannung im Kiba-Dachi absetzen. Zur Verstärkung wurden die Arme eingesetzt, ähnlich wie in Tekki-Katas. Auch dies wurde mit Partner geübt: zwei Karatekas standen mit Blick in dieselbe Richtung nebeneinander. Tori war jetzt der, der die Richtung vorgab und den anderen quasi "durch die Halle trieb". Der andere musste zusehen, dass er "Land gewinnt" und so schnell wie möglich weg. Sobald die Arme zur Verstärkung eingesezt wurden, gab es jedes Mal ein großes Hallo, wenn die Arme mit voller Wucht gegeneinander knallten!
Auch im Zenkutsu-Dachi übten wir mit Partner und im Ansatz konnten wir wohl umsetzen, was Michael von uns verlangte. Dann hieß es zum Ende der Stunde "schnell und stark". Nur vier Bahnen. Kein Problem eigentlich. Oder? Leider doch: Schon während der Ausführung der Abwehrtechniken merkte ich, dass plötzlich alles soeben Erlernte wieder weg war! Ich ärgerte mich über mich selbst, denn ich machte die Übungen nicht wie angeordnet, sondern einfach "wie immer". Als ich mal kurz versuchte, mich zu konzentrieren und das Einstudierte umzusetzen, wurde ich mit einem sauberen Ippon am Kinn erwischt! Offenbar ging es den anderen Paaren nicht anders: Nach dem Abgrüßen raufte sich Michael symbolisch die Haare und schickte uns mit einem leicht verzweifelten Gesichtsausdruck und einem Schulterzucken zu den Duschen.
Vermutlich dachte er in diesem Moment wie ich: Optimal wäre jetzt ein Wochenend-Trainingslager, bei dem man diese Feinheiten stundenlang einschleifen und wiederholen könnte! Ich jedenfalls habe wieder viele Denkansätze erhalten und auch wenn es nicht das ursprünglich gewünschte "Hauen und Stechen" war, so fuhr ich doch von den intensiven Standübungen redlich erschöpft und ausgepowert nach Hause.
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