Dienstag Training bei Sensei Michael - Gasshuku Basics
Tsukis im Stand, mit Körpereinsatz, im letzten Moment Faust drehen, "langer Lauf" des Arms
Vor mit ZK und Oi Ts, aus hinterem Bein abstoßen
Vor Oi Ts, Gyaku Ts, lang strecken
Dann vorgehen: Kizami Ts im Stand, dann Schritt vor und Gyaku Ts (selber Arm)
Dann umgekehrt: Gyaku Ts im Stand, vor Kizami Ts
Das dann mit Partner
Mittwoch, 6. August 2008
Samstag, 2. August 2008
Gasshuku 2008
Karate, Klönen, Karaoke
Ein Blick auf meinen Kalendereintrag erinnerte mich daran: "Gasshuku Hannover, 27. Juli - 2. August - Unterkunft sichern und Urlaub nehmen". Leider bekam ich erst ab Mittwoch frei und verpasste die ersten beiden Trainingstage. Eine Fahrgemeinschaft war so auch nicht drin und selbst bei den Wohnungs- bzw. Zimmergemeinschaften war ich etwas spät dran. In der Jugendherberge gab es nur noch ein Bett in einem Vierbettzimmer mit drei mir unbekannten Frauen. Na, ob das gut geht?
Bevor ich am Dienstagabend zum Festzelt ging, um mit alten Karatefreunden zu plaudern und neue kennenzulernen, bezog ich also mein Quartier. Meine "Wohngemeinschaft" kam erst nach Mitternacht in die Jugendherberge und das Kennenlernen musste daher bis zum Mittwochmittag warten. Da waren sie also, meine drei Gefährtinnen: Natalie, zweiter Dan, im heimischen Dojo sehr engagiert, Undine, Gelbgurt, auf ihrem ersten Karatelehrgang überhaupt und schließlich noch Claudia, die „einfach so“ zum Sightseeing in Hannover war und mit Karate bisher nichts zu tun hatte. In einem Zimmer wurde also quasi die gesamte Bandbreite der Gasshuku-Besucher abgedeckt: engagierte Kampfsportler, Freizeitsportler, denen die Namen, Trainingsschwerpunkte und "Besonderheiten" der meisten Instructoren bereitsbekannt waren, Neulinge, die vielleicht zum ersten Mal dieses gigantische Karate-Event erleben durften und Mitgereiste Freunde und Verwandte, die sich als Nicht-Karateka während der Trainingszeiten einen schönen Tag in der Umgebung machten.
Das Trainerangebot dieses Mega-Lehrgangs war wieder einmal gigantisch: Neben den JKA-Instructoren Kiiskilä, Osterkamp und Rotzinger konnten wir uns auch von vielen in Europa tätigen Senseis wie Akita, Geyer, Shirai und Sugimura unterrichten lassen. Besonders beeindruckten vor allem auch die in Japan tätigen Ausbilder wie Shihan Tsuyama. Toribio Osterkamp begrüßte meine Gruppe am Mittwochmorgen mit der Unsu. "Den Ablauf kennt Ihr ja alle, da brauch ich nichts zu erklären", wies er uns gleich auf seine hohen Erwartungen an unser Trainingsniveau hin. Auch seine weiteren Anmerkungen, Hinweise und Korrekturen ließen keine Zweifel daran, dass hier ein Perfektionist in Sachen Kata am Werk war. Gleichermaßen anspruchsvoll startete auch Sensei Akita am Donnerstag den Trainingstag: Die Fülle der Hinweise, die er uns zur Sochin gab, konnte sich wohl kaum jemand vollständig merken. Akita legte sehr viel Wert auf Hikite und allgemein auf Körperspannung. Die Tatsache, dass mir am Folgetag jeder Muskel weh tat, spricht wohl dafür, dass ich hier noch einiges lernen muss! Richtig in Fahrt kam man bei der Einheit von Sensei Chees, der uns bei saunaähnlichen Temperaturen so richtig auf Touren brachte: Hier gab es ein Kihon-Kumite auf höchstem Niveau, mit ständig wechselnden Partnern und reichlich blauen Flecken. Dass ich "meinen" Risto verpasst habe, ließ sich verschmerzen, da ich ja sicher in den nächsten Monaten noch reichlich Gelegenheit haben werde, bei ihm zu trainieren. Zudem hatte der mir bisher unbekannte japanische Instructor Takahashi (der mit dem Kinn-Bärtchen) ähnliche Schwerpunkte und startete das Training mit einer Aufwärmsequenz, die mich sehr an das Hüft-Power-Pack von Risto erinnerte. Auch bei den Erklärungen der übrigen Übungen konnte ich einige Parallelen zum Training des Finnen erkennen. Einen Shihan Shirai hat man wohl nicht alle Tage vor sich und sehr gerne hätte ich ihn und seine charismatischen Schwarzgurtassistenten mitbekommen. Vereinskameradin Silke konnte sich leider nicht über ein Chill-Out in der letzten Trainingseinheit am Freitagnachmittag freuen: Keith Geyer zog einen zünftigen Endspurt vor und ließ die Gruppe des 5. Kyu noch einmal alle Kraftfeserven mobilisieren. Basierten die Trainingsinhalte auch häufig auf bekannten Grundlagen, so wurde speziell in meiner Trainingsgruppe hart an den Details gefeilt. Für mich war dieser Gasshuku der erste in der Gruppe ab 2. Dan und ich war schwer beeindruckt, dass sich ja quasi die gesamte Karate-Prominenz in meiner Einheit tummelte! So konnte ich Erwin Querl in der Reihe vor mir bewundern oder die präzisen Geris von Anika Lapp kassieren - Training auf höchstem Niveau halt, auch wenn ich selber in dieser Gruppe sicher zu den "Anfängern" zählte.
Meine Gelbgurt-Zimmergenossin hätte sich bei der ein- oder anderen Trainingseinheit vielleicht das Vertiefen so mancher Übung gewünscht. Dies kann ein Karate-Spektakel wie der Gasshuku natürlich nicht leisten. Ziel ist wohl eher, einen Blick über den Dojo-Tellerrand zu bekommen, eine Ahnung davon zu bekommen, wie vielfältig Karate ist und dass es vielleicht eben nicht nur um Tsukis und Geris geht, nicht nur um Spannung und Entspannung, sondern auch um die richtige Atemtechnik um Ki und richtigen Hüfteinsatz. Es ist zudem immer wieder beeindruckend, zu sehen und zu hören, dass Karate eine echte Lebensaufgabe ist: Shihan Sugimura wies mit einem nachsichtigen Lächeln auf die Veränderungen des "Materials" und die damit verbundenen Trainings-Konsequenzen hin. Karate-Nobody Claudia war schließlich so fasziniert von unserer Kampfkunst, dass sie einigen Trainingseinheit als Zuschauerin beiwohnte, im Plausch mit den erfahrenen Karateka bei dem abendlichen Festzelt-Meetings mit Anmerkungen zum Hüfteinsatz und Bauchatmung überraschte und uns stets lautstark mit einem herzhaften "Oss" zuproste.
Die meisten Trainingshallen lagen in der unmittelbaren Nähe der Jugendherberge und der Übernachtungshalle. Lediglich die Karateka des 4. und 5. Kyu, die sich zum Schwitzen in Halle 3 begeben musste, hatten einen etwas weiteren Weg zu beschreiten. Etwas ungünstig war wohl die Belüftung der Halle 2, in der sich Träger des 1. Kyu und 1. Dan in der Kampfkunst fortbilden ließen. Grund: Der Hausmeister hatte wohl die Lüftung während der Sommerferien abgestellt und war nicht erreichbar.
Organisator Riad Kheirallah hatte alle Hände voll zu tun, um auch für unser außersportliches Wohlbefinden zu sorgen und auch wenn es mittags manchmal zu einem kleinen Engpass an der Nudeltheke kam, war doch für unser leibliches Wohl ausreichend gesorgt. Wichtiger noch bei den hochsommerlichen Temperaturen war natürlich die Flüssigkeitszufuhr, die immer hundertprozentig funktionierte und auch bei den beiden abendlichen Großveranstaltungen am Mittwoch und am Freitagabend nicht zu längeren Wartezeiten führte. Am Mittwochabend nämlich sorgte Schlatt mit seiner Karaokeshow für Furore. Da ich an dem Abend zunächst den fünfzigsten Geburtstag eines Vereinskameraden feiern durfte, kam ich erst nach Beginn der Show zum Festzelt. Während ich mit Freunden noch etwas unentschlossen vor dem Zelt stand, hörten wir plötzlich die Ansage: „Und nun unser Superstar Sensei Akita!" Das durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen und wir konnten erleben, dass Karate nicht das einzige Talent des Kampfkunstmeisters ist.
Für die Abschlussfete am Freitag hatte Riad eine Rockband ausgesucht, die das gesamte musikalische Repertoire der letzten vierzig Jahre auf dem Kasten hatte. Um einen Eindruck von der Stimmung zu bekommen, die an diesem Abend herrschte, reicht es vielleicht, zu wissen, dass ich zum ersten Mal mitbekam, wie ein Bandleader das Publikum um Gnade bat und eine Pause erflehte - die Partymeute war nicht zu stoppen und der Mit-Gesang war streckenweise (vielleicht durch Schlatts "Karaoke-Trainingseinheit"?) fast ein Selbstläufer!
So ist er denn leider schon wieder Vergangenheit, der Gasshuku in Hannover. Aber nach dem Gasshuku ist vor dem Gasshuku und wer 2009 in Konstanz dabei sein möchte, der kümmere sich am Besten frühzeitig um eine Unterkunft. Ich glaube, ich werde schon mal in der Jugendherberge reservieren. Vielleicht ist ja noch Platz in einem Vierbettzimmer....
Andrea Haeusler
Shotokan-Karate-Dojo Münster e. V.
Dienstag, 29. Juli 2008
Endlich wieder Karate!
Über einen Mangel an Bewegung kann ich mich diesen Sommer ja wahrlich nicht beklagen: der tolle und anspruchsvolle Wanderurlaub, fast jeden Tag im Freibad und bis 2 km Schwimmen - fit wie ein Turnschuh halt!
Mit Karate haben diese Aktivitäten allerdings nur am Rande zu tun (z. B. was die Ausdauer und einen gewissen Ehrgeiz/Kampfgeist angeht). Der erste Schritt ins Dojo nach dem Urlaub kostete dann doch wieder einiges an Überwindung. Bekam ich den Obi überhaupt noch richtig zugebunden?
Nun denn irgendwann plagte mich dann aber das bekannte schlechte Gewissen und ich fand einfach keine Ausrede mehr, die mich vor dem Dienstags-Training bei Sensei Michael abhalten konnte. Also ab ins Dojo mit dem vertrauten mulmigen Gefühl im Bauch.
Im Aufenthaltsraum sah ich dann meine potenziellen Trainingskollegen: alles Männer und alles Dan-Träger. Na prima, dann geht es ja gleich richtig in die Vollen, dachte ich mir - zumal es dienstags stets Randori zum Aufwärmen gibt. Das "geschickte" Aufstellen und dadurch möglicherweise Beeinflussen der "Partnerwahl" hatte sich als unwirksam erwiesen, da Trainer Thorsten sich mich direkt vorknüpfte. Heute also keine "Damenwahl" :-\ Nach der ersten lockeren Runde Randori bemerkte Thorsten, ich sei recht schnell geworden, aber käme nicht nah genug an meinen Gegner ran. Ja, leider. Mal herausfinden, woran das liegt .....
Da noch einige Karateka nach Trainingsbeginn hinzukamen, ergab sich für mich ein neuer Partner für die zweite und dritte Runde: Gast-Karateka und Nidan-Anwärter Manfred zeigte mir, wo die Glocken hingen! Vor allem die zweite Runde mit ihm (und die dritte insgesamt) schien einfach kein Ende zu nehmen! Allmählich gingen mir die Ideen aus und ich sehnte das "Yame" herbei. Endlich war es dann soweit und es stellte sich heraus, dass die Verlängerung unseres Randori auf die Verletzung eines Karateka zurückzuführen war: er hatte einen Riss an der Schläfe und die Wunde musste schnell im Krankenhaus genäht werden.
Als Sensei Michael das Training anschließend übernahm, ergab sich für mich ein neuer Trainingspartner. Erstmals hatte ich das Vergnügen, mit unserem recht stattlichen norwegischen Karateka Andreas trainieren zu können. Zunächst übte jeder für sich eine Schrittfolge: Abstoßen mit dem hinteren Bein und Vorgleiten mit Suri-Ashi, dann einen ganzen Schritt nach vorne mit Kizami, Oi-Tsuki oder Gyaku-Tsuki, später dann mit Fußtechniken. Anschließend übten wir zunächst diese Kombinationen mit Partner. Am Ende der Einheit gab es dann Jiju-Ippon-Kumite mit speziellen Ausweich- und Blocktechniken. Das machte sehr viel Spaß und hatte einen "Hauch von Hollywood" ;-))
Nach dem recht erschöpfenden und anspruchsvollen Randori zu Beginn der Einheit spürte ich die Energie durch meinen Körper fließen! Zumindest vor meinem inneren Auge war jeder Tsuki tödlich, jeder Geri eine Gefahr für meinen imaginären Gegner! So macht Karate Spaß - mit ein bischen "Musik" und Energie in der Luft!
Anschließend ging es noch zum Relaxen und für ein schönes Gespräch mit Sensei Michael in die Sauna.
Mir war klar, dass ich, um "ganz" anzukommen, auch ein Training bei Sensei Jörg Gantert absolvieren musste! Also begab ich mich am Donnerstag derselben Woche zu ihm ins Dojo. Nach einer herzlichen Begrüßung war es dann aber auch schon vorbei mit den Freundlichkeiten und ich staunte über eine unglaublich schlagkräftige Anja! Nie zuvor hab ich sie so energisch erlebt! Beim Gohon-Ippon-Kumite schenkten wir uns nichts und nur Fenster bzw. Spiegel konnten uns stoppen.
Als Kata hatte Sensei Jörg sich die Unsu ausgesucht - ein anspruchsvolles Stückchen Karate, und DAS ausgerechnet nach einer dreiwöchigen Pause! Kein Katatraining bei Jörg ohne Bunkai und diesmal hatte er ausgerechnet MICH als Sparringspartnerin ausgesucht - mir blieb auch wirklich NICHTS erspart! Die erste Kombination konnte ich erstaunlich gut bewältigen. Die verstärke Übung von Bunkai-Kombinationen läßt mich doch allmählich etwas "verständiger" werden, was diesen Trainingsbereich angeht. Block von Kizami mit der linken Hand, dann greifen und verdrehen des Partnerarms. Anschließend Hiza-Geri und Mae-Geri auf den Oberschenkels des Partners, um schließlich mit einem Ren-Tsuki zu enden. Das klappte recht gut, obgleich ich im Zweikampf mit dem Sensei allen Mut und Kampfgeist zusammennehmen musste! Die zweite Bunkaiübung fiel mir dann wesentlich schwerer, obwohl sie koordinativ gar nicht so komplex war: In einer Art Liegestütz auf dem Boden warten, bis der Gegner mit Tsuki zum Kopf angreift, dann mit dem linken Arm blocken und mit dem rechten von unten kommen und den Arm des Gegners fassen und zur Seite bewegen - zweiter Angriff durch Tori und Vorbewegung mit gleichzeitiger Blockbewegung. Es fällt mir schon schwer, diese Bewegung zu beschreiben - die Ausführung gelang mir noch schlechter! Selbst der Sensei verlor einen kurzen Augenblick lang seinen konzentrierten Gesichtsausdruck und konnte sich ein Schmergeln bei dem Anblick meiner ungeschickten Techniken nicht verkneifen. Ich zwang mich aber, nicht bei der schlechten, vergangenen Technik zu verweilen und nicht zu verzweifeln, sondern positiv denkend den nächsten Versuch zu wagen und es dann vielleicht besser zu machen.
Am nächsten Tag bekam ich spontan noch Besuch von Jörg und wir philosophierten in meiner Mittagspause noch ausgiebig über Karate und das Leben. Diese Momente lassen mich dann jeden eventuellen Trainingsfrust vergessen :-)
Heute Nachmittag setze ich mich in den Zug nach Hannover zum Gasshuku, wo ich meine Vereinskameraden und andere Karatefreunde treffe, um eine schöne Rest-Karate-Woche zu haben....
Mit Karate haben diese Aktivitäten allerdings nur am Rande zu tun (z. B. was die Ausdauer und einen gewissen Ehrgeiz/Kampfgeist angeht). Der erste Schritt ins Dojo nach dem Urlaub kostete dann doch wieder einiges an Überwindung. Bekam ich den Obi überhaupt noch richtig zugebunden?
Nun denn irgendwann plagte mich dann aber das bekannte schlechte Gewissen und ich fand einfach keine Ausrede mehr, die mich vor dem Dienstags-Training bei Sensei Michael abhalten konnte. Also ab ins Dojo mit dem vertrauten mulmigen Gefühl im Bauch.
Im Aufenthaltsraum sah ich dann meine potenziellen Trainingskollegen: alles Männer und alles Dan-Träger. Na prima, dann geht es ja gleich richtig in die Vollen, dachte ich mir - zumal es dienstags stets Randori zum Aufwärmen gibt. Das "geschickte" Aufstellen und dadurch möglicherweise Beeinflussen der "Partnerwahl" hatte sich als unwirksam erwiesen, da Trainer Thorsten sich mich direkt vorknüpfte. Heute also keine "Damenwahl" :-\ Nach der ersten lockeren Runde Randori bemerkte Thorsten, ich sei recht schnell geworden, aber käme nicht nah genug an meinen Gegner ran. Ja, leider. Mal herausfinden, woran das liegt .....
Da noch einige Karateka nach Trainingsbeginn hinzukamen, ergab sich für mich ein neuer Partner für die zweite und dritte Runde: Gast-Karateka und Nidan-Anwärter Manfred zeigte mir, wo die Glocken hingen! Vor allem die zweite Runde mit ihm (und die dritte insgesamt) schien einfach kein Ende zu nehmen! Allmählich gingen mir die Ideen aus und ich sehnte das "Yame" herbei. Endlich war es dann soweit und es stellte sich heraus, dass die Verlängerung unseres Randori auf die Verletzung eines Karateka zurückzuführen war: er hatte einen Riss an der Schläfe und die Wunde musste schnell im Krankenhaus genäht werden.
Als Sensei Michael das Training anschließend übernahm, ergab sich für mich ein neuer Trainingspartner. Erstmals hatte ich das Vergnügen, mit unserem recht stattlichen norwegischen Karateka Andreas trainieren zu können. Zunächst übte jeder für sich eine Schrittfolge: Abstoßen mit dem hinteren Bein und Vorgleiten mit Suri-Ashi, dann einen ganzen Schritt nach vorne mit Kizami, Oi-Tsuki oder Gyaku-Tsuki, später dann mit Fußtechniken. Anschließend übten wir zunächst diese Kombinationen mit Partner. Am Ende der Einheit gab es dann Jiju-Ippon-Kumite mit speziellen Ausweich- und Blocktechniken. Das machte sehr viel Spaß und hatte einen "Hauch von Hollywood" ;-))
Nach dem recht erschöpfenden und anspruchsvollen Randori zu Beginn der Einheit spürte ich die Energie durch meinen Körper fließen! Zumindest vor meinem inneren Auge war jeder Tsuki tödlich, jeder Geri eine Gefahr für meinen imaginären Gegner! So macht Karate Spaß - mit ein bischen "Musik" und Energie in der Luft!
Anschließend ging es noch zum Relaxen und für ein schönes Gespräch mit Sensei Michael in die Sauna.
Mir war klar, dass ich, um "ganz" anzukommen, auch ein Training bei Sensei Jörg Gantert absolvieren musste! Also begab ich mich am Donnerstag derselben Woche zu ihm ins Dojo. Nach einer herzlichen Begrüßung war es dann aber auch schon vorbei mit den Freundlichkeiten und ich staunte über eine unglaublich schlagkräftige Anja! Nie zuvor hab ich sie so energisch erlebt! Beim Gohon-Ippon-Kumite schenkten wir uns nichts und nur Fenster bzw. Spiegel konnten uns stoppen.
Als Kata hatte Sensei Jörg sich die Unsu ausgesucht - ein anspruchsvolles Stückchen Karate, und DAS ausgerechnet nach einer dreiwöchigen Pause! Kein Katatraining bei Jörg ohne Bunkai und diesmal hatte er ausgerechnet MICH als Sparringspartnerin ausgesucht - mir blieb auch wirklich NICHTS erspart! Die erste Kombination konnte ich erstaunlich gut bewältigen. Die verstärke Übung von Bunkai-Kombinationen läßt mich doch allmählich etwas "verständiger" werden, was diesen Trainingsbereich angeht. Block von Kizami mit der linken Hand, dann greifen und verdrehen des Partnerarms. Anschließend Hiza-Geri und Mae-Geri auf den Oberschenkels des Partners, um schließlich mit einem Ren-Tsuki zu enden. Das klappte recht gut, obgleich ich im Zweikampf mit dem Sensei allen Mut und Kampfgeist zusammennehmen musste! Die zweite Bunkaiübung fiel mir dann wesentlich schwerer, obwohl sie koordinativ gar nicht so komplex war: In einer Art Liegestütz auf dem Boden warten, bis der Gegner mit Tsuki zum Kopf angreift, dann mit dem linken Arm blocken und mit dem rechten von unten kommen und den Arm des Gegners fassen und zur Seite bewegen - zweiter Angriff durch Tori und Vorbewegung mit gleichzeitiger Blockbewegung. Es fällt mir schon schwer, diese Bewegung zu beschreiben - die Ausführung gelang mir noch schlechter! Selbst der Sensei verlor einen kurzen Augenblick lang seinen konzentrierten Gesichtsausdruck und konnte sich ein Schmergeln bei dem Anblick meiner ungeschickten Techniken nicht verkneifen. Ich zwang mich aber, nicht bei der schlechten, vergangenen Technik zu verweilen und nicht zu verzweifeln, sondern positiv denkend den nächsten Versuch zu wagen und es dann vielleicht besser zu machen.
Am nächsten Tag bekam ich spontan noch Besuch von Jörg und wir philosophierten in meiner Mittagspause noch ausgiebig über Karate und das Leben. Diese Momente lassen mich dann jeden eventuellen Trainingsfrust vergessen :-)
Heute Nachmittag setze ich mich in den Zug nach Hannover zum Gasshuku, wo ich meine Vereinskameraden und andere Karatefreunde treffe, um eine schöne Rest-Karate-Woche zu haben....
Dienstag, 8. Juli 2008
Großarl 2008
Samstag Ankunft
Sonntag Frank und Zissi Felix Fahrt nach Neukirch, Zissi und ich Aigenalm
Montag Wanderung mit den Kindern zur Filzmoos, Losbühel, Weiß- und Ellmaualm
Dienstag F und A: Kreuzkogl über Mandelkarscharte, Oma und Kinder Radtour und Grillen Talschluss Kinder klettern und Heuübernachtung
Mittwoch Basketballturnier Nordic Talking, BBP,
Donnerstag Wanderung mit Sepp zur Saukaralm
Freitag Salzburg
Samstag Schuhflicker
Sonntag Aigenalm, Pucherhütte, Schmalzscharte, Frauenkogel, Gamskarkogel, Harbachalm, Toferalm, Hüttschlag, von Sepp abholen lassen
Montag Eisriesenwelt
Dienstag Aualm (vom Tal, A allein), Mit F und Z Schiedalm, Schiedereitspitz - Schlammschlacht und echtes Sauwetter! Arme Franzi!
Mittwoch Geburtstag! Prosecco und Torte zum Frühstück! St Johann. Mittags Aufstieg zur Moar-Gut-Alm (ca. 2 h), Rest vom Hotel ist mit dem Auto rauf. Dort Grillen mit Ständchen und so. Dann zu Fuß zurück. Abends Schwimmen im Hotel und nett an der Bar gesessen. Besuch von Ex-Koch Alex mit Frau!
Donnerstag Wanderung mit Sepp über Filzmoosalm und -sattel zum -hörndel und zur Bichelalm. Frank trinkt dort zwei Weizen - Auto bleibt über Nacht am Parkplatz Grund.
Freitag - Relaxtag! Packen, Baden, Sauna, Ausklang.
Samstag Rückfahrt mit kurzem Stopp in Frankfurt.
Sonntag Frank und Zissi Felix Fahrt nach Neukirch, Zissi und ich Aigenalm
Montag Wanderung mit den Kindern zur Filzmoos, Losbühel, Weiß- und Ellmaualm
Dienstag F und A: Kreuzkogl über Mandelkarscharte, Oma und Kinder Radtour und Grillen Talschluss Kinder klettern und Heuübernachtung
Mittwoch Basketballturnier Nordic Talking, BBP,
Donnerstag Wanderung mit Sepp zur Saukaralm
Freitag Salzburg
Samstag Schuhflicker
Sonntag Aigenalm, Pucherhütte, Schmalzscharte, Frauenkogel, Gamskarkogel, Harbachalm, Toferalm, Hüttschlag, von Sepp abholen lassen
Montag Eisriesenwelt
Dienstag Aualm (vom Tal, A allein), Mit F und Z Schiedalm, Schiedereitspitz - Schlammschlacht und echtes Sauwetter! Arme Franzi!
Mittwoch Geburtstag! Prosecco und Torte zum Frühstück! St Johann. Mittags Aufstieg zur Moar-Gut-Alm (ca. 2 h), Rest vom Hotel ist mit dem Auto rauf. Dort Grillen mit Ständchen und so. Dann zu Fuß zurück. Abends Schwimmen im Hotel und nett an der Bar gesessen. Besuch von Ex-Koch Alex mit Frau!
Donnerstag Wanderung mit Sepp über Filzmoosalm und -sattel zum -hörndel und zur Bichelalm. Frank trinkt dort zwei Weizen - Auto bleibt über Nacht am Parkplatz Grund.
Freitag - Relaxtag! Packen, Baden, Sauna, Ausklang.
Samstag Rückfahrt mit kurzem Stopp in Frankfurt.
Mittwoch, 28. Mai 2008
Leserbrief WN Bäderschließung in Münster
Mit Schrecken erinnere ich mich an einen Besuch im Maxi-Mare in Hamm: Adipöse 10-jährige mit Schwimmflügeln ließen sich im Solebecken treiben, während ihre Mütter perfekt pedikürt in der Unterwasserliege weilten. Anschließend ließ man sich in einem Sprudelbecken von der Strömung um die Kurve tragen. Das einzige Becken, in dem gähnende Leere herrschte, war das 50-Meter Schwimmbecken. Aber wenigstens gibt es in Hamm ein ordentliches 50-Meter Schwimmbecken!
Wie genau die Planung des Ostbades aussieht, entzieht sich derzeit meiner Kenntnis. Tatsache ist, dass bereits jetzt, seit der durchgeführten Bäderschließung, ein wirkliches Schwimmen kaum mehr möglich ist. Künftig soll auch das Bad Stapelskotten nur noch über zwei, bestenfalls drei Schwimmerbahnen verfügen. Da wird nicht nur bei schönem Wetter der Schwimm-Platz eng! Wenn sich jetzt auch noch im Ostbad der Wandel von der Sportstätte zum Wellnesstempel vollzieht, kann man die Chlorbrille wohl demnächst gleich zu Hause lassen.
Heute entnehme ich der Presse, dass 15 % der Kinder übergewichtig sind und 6,3 % adipös. Kein Wunder – der Trend geht offenbar zum Bewegen-Lassen, statt zur Bewegung!
Es ist wirklich zu begrüßen, dass Münsters Bäderlandschaft attraktiver gestaltet werden soll. Fraglich ist allerdings, ob damit tatsächlich mehr Badegäste angelockt werden. Denn wer schon zu bequem ist zum Schwimmen, der bleibt doch wohl lieber gleich daheim.
Wie genau die Planung des Ostbades aussieht, entzieht sich derzeit meiner Kenntnis. Tatsache ist, dass bereits jetzt, seit der durchgeführten Bäderschließung, ein wirkliches Schwimmen kaum mehr möglich ist. Künftig soll auch das Bad Stapelskotten nur noch über zwei, bestenfalls drei Schwimmerbahnen verfügen. Da wird nicht nur bei schönem Wetter der Schwimm-Platz eng! Wenn sich jetzt auch noch im Ostbad der Wandel von der Sportstätte zum Wellnesstempel vollzieht, kann man die Chlorbrille wohl demnächst gleich zu Hause lassen.
Heute entnehme ich der Presse, dass 15 % der Kinder übergewichtig sind und 6,3 % adipös. Kein Wunder – der Trend geht offenbar zum Bewegen-Lassen, statt zur Bewegung!
Es ist wirklich zu begrüßen, dass Münsters Bäderlandschaft attraktiver gestaltet werden soll. Fraglich ist allerdings, ob damit tatsächlich mehr Badegäste angelockt werden. Denn wer schon zu bequem ist zum Schwimmen, der bleibt doch wohl lieber gleich daheim.
Freitag, 16. Mai 2008
Entwurf Artikel für Rengas, Zeitung der deutsch-finnischen Gemeinde
„Es heißt die leere Hand und nicht der leere Kopf!“
Der finnische „Karate-Professor“ Risto Kiiskilä in Frankfurt/Main
Im Jahr 1985 entdeckte ich für mich die Kampfkunst Karate. Schnell konnte ich mich als 16-jährige mit jugendlichem Enthusiasmus für Karate begeistern und war dankbar für eine Freizeitbeschäftigung in einem geselligen Verein, die mich so richtig auspowerte.
Karate oder Karate-do, was direkt übersetzt "leere Hand" bzw. "der Weg der leeren Hand" bedeutet, ist eine grundsätzlich waffenlose Kampfkunst. Man lernt Abwehr- und Angriffsmethoden und stärkt den Körper durch ausgiebiges Training mit vielen Gymnastik- und Krafttraining-Elementen. Karate dient jedoch auch der Charakterbildung: Die Karate-Philosophie lehrt Respekt, Disziplin und Verständnis. Irgendwann auf dem Weg zum „schwarzen Gürtel“ wurde dann auch für mich Karate zu einem wichtigen Lebensinhalt, den ich mir heute gar nicht mehr wegdenken kann. Und dann lernte ich Risto Kiiskilä kennen!
Ich hatte grade eine „Babypause“ hinter mir, als ich im Jahr 2002 einen Karatelehrgang in meiner Heimatstadt Münster/Westfalen besuchte. Der Name des Trainers war mir bekannt, schließlich war Risto auch damals schon einer der wichtigsten Karate-Trainer Deutschlands. Trainiert hatte ich bei ihm allerdings bislang noch nicht. Ich sah mich um und bemerkte viele bekannte Gesichter. Männer und Frauen, jung und alt. „Schön, dass sich auch noch ältere Herrschaften hier hertrauen“, dachte ich bei mir. Denn einer der Karateka war sichtlich angegraut, mit Schnäuzer und bestimmt über 50 Jahre alt.
Ich staunte nicht schlecht, als dieser Herr sich dann vor dem Training nicht bei uns einreihte, sondern für die Kurz-Meditation uns gegenüber abkniete: es war Risto Kiskilä! Dass ein fortgeschrittenes Alter keinen Verlust von Ausstrahlung, Kampfgeist oder Fitness bedeuten muss, merkte ich dann sehr schnell! Der Lehrgang bestand aus drei Trainingseinheiten á 90 Minuten und ca. 260 Minuten lang hatte ich nicht viel mehr als lauter Fragezeichen im Kopf! Was will mir dieser Trainer sagen? Anfangs war ich recht frustriert – wieso versteh´ ich, immerhin als Trägerin des „braunen Gürtels“ keine Anfängerin mehr, nur „Bahnhof“? Zehn Minuten vor Schluss des Lehrgangs purzelten dann die Erkenntnis-Münzen bei mir und es stellte sich ein großes AHA-Erlebnis ein!
Häufig noch war ich zunächst ratlos zu Beginn eines Lehrgangs oder einer Trainingseinheit. Dann aber wurde ich von Risto aufgeklärt: "Das ist alles ganz einfach - da steckt ein System hinter". Und es stimmt - richtig betrachtet werden alle Übungen, die Risto in seinem Training verwendet, nach einem bestimmten System entwickelt.
Seitdem versuche ich, möglichst oft bei Risto zu trainieren. Sei es bei einem Lehrgang hier in Münster, bei meinen Karatefreunden in Berlin, in Ristos eigenem Verein in Frankfurt oder aber auch bei seinen Sommer- und Winterlehrgängen in Finnland. Zwar lehrt Risto traditionelles Shotokan-Karate, er hat jedoch seine eigene Herangehensweise.
Wer dieses System einmal entschlüsselt hat, der kann fast alle Techniken und Bewegungen für sich selber daraus ableiten. "Das System ist einfach, die Entwicklung war es nicht." Das glaube ich gerne. Denn die Logik, die dahinter steckt, beruht nicht nur auf dem Ableiten von Theorien aus bekannten Lehrbüchern. Es ist vielmehr eine Art System-Baukasten, mit dem man sich selber sein eigenes Karate "konstruieren" kann. Und „Professor“ Risto ist der Karate-Ingenieur. Alles ist auf wissenschaftlichem Niveau durchdacht. „Das heißt die leere Hand und nicht der leere Kopf!“, rief Risto dann auch einmal im Training, als wir eine Übung so gar nicht verstehen wollten. Zudem werden alle Techniken und Theorien auch von Risto persönlich „qualitätsgesichert“ – am eigenen Sandsack im Karate-Dojo. Denn: „Im Sandsack liegt die Wahrheit.“ Funktioniert hier die Technik mit der richtigen Kraftübertragung und allen anderen wichtigen Einzelheiten, so ist sie auch im Freikampf effektiv.
Wer also Karate nur als Ausgleichssport betreibt, der ist bei Risto falsch. Bei Risto wird „trainiert, worauf es ankommt“ – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Karate ist hier nicht nur für den Körper anstrengend, sondern erfordert auch echtes Mitdenken.
Eine japanische Kampfkunst in Deutschland mit einem finnischen Trainer – Risto zeigt, dass sich dies durchaus verbinden lässt. So hat er unter anderem auch eine eigene Kata entwickelt, eine Art Form oder „Kampfkunst-Choreografie“. Er nannte sie Hokkyokuo. Das ist japanisch und bedeutet Polarlicht!
Risto wurde am 04.05.1047 im südfinnischen Lahti geboren. Er begann sein Karatetraining 1970 während seines Studiums in Frankfurt/M. Sein erster Trainer, Shinzuke Takano, war ein Perfektionist und selten mit seinen Schülern zufrieden. Kihon (Grundschule) war am Anfang der Schwerpunkt des Trainings und wurde monatelang geschliffen. Ein Bambustock war damals als wichtiger Bestandteil zur Motivation bei jedem Training mit dabei. 1973 wurde Risto vom Karate-Bundestrainer Shihan Ochi in den Nationalkader berufen und krönte seine siebenjährige Wettkampfkarriere mit dem Vize-Weltmeistertitel (Tokio 1977). In den Jahren 1977 bis –79 war er Deutscher Meister. Schließlich machte Risto Karate zu seinem Beruf. Es folgten Trainingsaufenthalte in Japan, in der berühmten Takushoku Universität und in Süd-Afrika (Johannesburg und Kapstadt). Der Austausch mit weltbesten Karatekas ergänzten seine Ansichten über Karate und bestimmte seinen zukünftigen Weg. Er war tätig als Landestrainer in West-Berlin, Technischer Berater für Karate in der damaligen DDR, Honorar- und Jugendtrainer im Deutschen Karate Verband und Trainer des Stützpunktes Ost.
Heute ist er als Verbands-Trainer und Instructor des Deutsch-Japanischen-Karatebundes (JKA) unter Bundestrainer Shihan Hideo Ochi tätig. Er ist ständig bundesweit als Trainer unterwegs, aber auch in Estland und natürlich in Finnland. Von montags bis freitags unterrichtet er in seiner eigenen Karateschule Dojo Ippon Frankfurt/Main, Alt Nied 6, 65934 Frankfurt/M., Tel: 0171-4212428.
Erwachsene Anfänger trainieren montags um 19.00 Uhr. Kinder können dienstags und freitags um 16 Uhr vorbeikommen. Weitere Informationen gibt’s unter www.kd-ippon.de
Ristorismen:
o Man kann die Dinge auch gleich richtig machen - es ist die gleiche Arbeit
o Den Weg zu gehen, ist das Ziel
o Wer tritt ist langsam, wer trifft ist schnell
o Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein
Andrea Haeusler, Münster
Der finnische „Karate-Professor“ Risto Kiiskilä in Frankfurt/Main
Im Jahr 1985 entdeckte ich für mich die Kampfkunst Karate. Schnell konnte ich mich als 16-jährige mit jugendlichem Enthusiasmus für Karate begeistern und war dankbar für eine Freizeitbeschäftigung in einem geselligen Verein, die mich so richtig auspowerte.
Karate oder Karate-do, was direkt übersetzt "leere Hand" bzw. "der Weg der leeren Hand" bedeutet, ist eine grundsätzlich waffenlose Kampfkunst. Man lernt Abwehr- und Angriffsmethoden und stärkt den Körper durch ausgiebiges Training mit vielen Gymnastik- und Krafttraining-Elementen. Karate dient jedoch auch der Charakterbildung: Die Karate-Philosophie lehrt Respekt, Disziplin und Verständnis. Irgendwann auf dem Weg zum „schwarzen Gürtel“ wurde dann auch für mich Karate zu einem wichtigen Lebensinhalt, den ich mir heute gar nicht mehr wegdenken kann. Und dann lernte ich Risto Kiiskilä kennen!
Ich hatte grade eine „Babypause“ hinter mir, als ich im Jahr 2002 einen Karatelehrgang in meiner Heimatstadt Münster/Westfalen besuchte. Der Name des Trainers war mir bekannt, schließlich war Risto auch damals schon einer der wichtigsten Karate-Trainer Deutschlands. Trainiert hatte ich bei ihm allerdings bislang noch nicht. Ich sah mich um und bemerkte viele bekannte Gesichter. Männer und Frauen, jung und alt. „Schön, dass sich auch noch ältere Herrschaften hier hertrauen“, dachte ich bei mir. Denn einer der Karateka war sichtlich angegraut, mit Schnäuzer und bestimmt über 50 Jahre alt.
Ich staunte nicht schlecht, als dieser Herr sich dann vor dem Training nicht bei uns einreihte, sondern für die Kurz-Meditation uns gegenüber abkniete: es war Risto Kiskilä! Dass ein fortgeschrittenes Alter keinen Verlust von Ausstrahlung, Kampfgeist oder Fitness bedeuten muss, merkte ich dann sehr schnell! Der Lehrgang bestand aus drei Trainingseinheiten á 90 Minuten und ca. 260 Minuten lang hatte ich nicht viel mehr als lauter Fragezeichen im Kopf! Was will mir dieser Trainer sagen? Anfangs war ich recht frustriert – wieso versteh´ ich, immerhin als Trägerin des „braunen Gürtels“ keine Anfängerin mehr, nur „Bahnhof“? Zehn Minuten vor Schluss des Lehrgangs purzelten dann die Erkenntnis-Münzen bei mir und es stellte sich ein großes AHA-Erlebnis ein!
Häufig noch war ich zunächst ratlos zu Beginn eines Lehrgangs oder einer Trainingseinheit. Dann aber wurde ich von Risto aufgeklärt: "Das ist alles ganz einfach - da steckt ein System hinter". Und es stimmt - richtig betrachtet werden alle Übungen, die Risto in seinem Training verwendet, nach einem bestimmten System entwickelt.
Seitdem versuche ich, möglichst oft bei Risto zu trainieren. Sei es bei einem Lehrgang hier in Münster, bei meinen Karatefreunden in Berlin, in Ristos eigenem Verein in Frankfurt oder aber auch bei seinen Sommer- und Winterlehrgängen in Finnland. Zwar lehrt Risto traditionelles Shotokan-Karate, er hat jedoch seine eigene Herangehensweise.
Wer dieses System einmal entschlüsselt hat, der kann fast alle Techniken und Bewegungen für sich selber daraus ableiten. "Das System ist einfach, die Entwicklung war es nicht." Das glaube ich gerne. Denn die Logik, die dahinter steckt, beruht nicht nur auf dem Ableiten von Theorien aus bekannten Lehrbüchern. Es ist vielmehr eine Art System-Baukasten, mit dem man sich selber sein eigenes Karate "konstruieren" kann. Und „Professor“ Risto ist der Karate-Ingenieur. Alles ist auf wissenschaftlichem Niveau durchdacht. „Das heißt die leere Hand und nicht der leere Kopf!“, rief Risto dann auch einmal im Training, als wir eine Übung so gar nicht verstehen wollten. Zudem werden alle Techniken und Theorien auch von Risto persönlich „qualitätsgesichert“ – am eigenen Sandsack im Karate-Dojo. Denn: „Im Sandsack liegt die Wahrheit.“ Funktioniert hier die Technik mit der richtigen Kraftübertragung und allen anderen wichtigen Einzelheiten, so ist sie auch im Freikampf effektiv.
Wer also Karate nur als Ausgleichssport betreibt, der ist bei Risto falsch. Bei Risto wird „trainiert, worauf es ankommt“ – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Karate ist hier nicht nur für den Körper anstrengend, sondern erfordert auch echtes Mitdenken.
Eine japanische Kampfkunst in Deutschland mit einem finnischen Trainer – Risto zeigt, dass sich dies durchaus verbinden lässt. So hat er unter anderem auch eine eigene Kata entwickelt, eine Art Form oder „Kampfkunst-Choreografie“. Er nannte sie Hokkyokuo. Das ist japanisch und bedeutet Polarlicht!
Risto wurde am 04.05.1047 im südfinnischen Lahti geboren. Er begann sein Karatetraining 1970 während seines Studiums in Frankfurt/M. Sein erster Trainer, Shinzuke Takano, war ein Perfektionist und selten mit seinen Schülern zufrieden. Kihon (Grundschule) war am Anfang der Schwerpunkt des Trainings und wurde monatelang geschliffen. Ein Bambustock war damals als wichtiger Bestandteil zur Motivation bei jedem Training mit dabei. 1973 wurde Risto vom Karate-Bundestrainer Shihan Ochi in den Nationalkader berufen und krönte seine siebenjährige Wettkampfkarriere mit dem Vize-Weltmeistertitel (Tokio 1977). In den Jahren 1977 bis –79 war er Deutscher Meister. Schließlich machte Risto Karate zu seinem Beruf. Es folgten Trainingsaufenthalte in Japan, in der berühmten Takushoku Universität und in Süd-Afrika (Johannesburg und Kapstadt). Der Austausch mit weltbesten Karatekas ergänzten seine Ansichten über Karate und bestimmte seinen zukünftigen Weg. Er war tätig als Landestrainer in West-Berlin, Technischer Berater für Karate in der damaligen DDR, Honorar- und Jugendtrainer im Deutschen Karate Verband und Trainer des Stützpunktes Ost.
Heute ist er als Verbands-Trainer und Instructor des Deutsch-Japanischen-Karatebundes (JKA) unter Bundestrainer Shihan Hideo Ochi tätig. Er ist ständig bundesweit als Trainer unterwegs, aber auch in Estland und natürlich in Finnland. Von montags bis freitags unterrichtet er in seiner eigenen Karateschule Dojo Ippon Frankfurt/Main, Alt Nied 6, 65934 Frankfurt/M., Tel: 0171-4212428.
Erwachsene Anfänger trainieren montags um 19.00 Uhr. Kinder können dienstags und freitags um 16 Uhr vorbeikommen. Weitere Informationen gibt’s unter www.kd-ippon.de
Ristorismen:
o Man kann die Dinge auch gleich richtig machen - es ist die gleiche Arbeit
o Den Weg zu gehen, ist das Ziel
o Wer tritt ist langsam, wer trifft ist schnell
o Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein
Andrea Haeusler, Münster
Mittwoch, 14. Mai 2008
Karneval der Kulturen - Suomi meets Nippon
Pfingstlehrgang in Berlin
10.-12. Mai 2008
Bericht von Sensei Jürgen Mosler, 3. Dan, Bushido Dojo Berlin
Wieder einmal hatte das Bushido-Dojo zum interkulturellen Tsukiaustausch nach Berlin geladen. Während im Herzen der City der Karneval der Kulturen tobte, lieferten sich in einer Marzahner Sporthalle Karate-Enthusiasten aus 7 Bundesländern über die Pfingsttage einen Wettstreit der Kulturen. Der Preis für die weiteste Anreise ging an unsere 5 Karatefreunde aus Estland. Als Trainer durften wir auch dieses Jahr wieder Sensei Kiiskilä vom Frankfurter Ippon Dojo sowie Sensei Akita aus England begrüßen. Obwohl man bei genauer Betrachtungsweise große Unterschiede in der Lehrauffassung dieser Trainer feststellen konnte, hat dies der eigenen Horizonterweiterung und dem Hinterfragen manch heiliger Gebote überhaupt nicht geschadet. Ganz im Gegenteil.
Während Sensei Akita sein Augenmerk auf eine korrekte Ausführung der Grundtechniken, einen festen und ausbalancierten Stand legte, erweckte Risto in bekannter Manier die Grundschule zum Leben. 30 minütige Aufwärmgymnastik und Stretching meets Hüft- und Koordinationsbewegungen mit Suri Ashi bis die Sohle qualmt. Standübungen zur Festigung der Körperbalance vs. dynamische Schwerpunktverlagerung mit Ganzkörpereinsatz. Rotation und Haraspannung contra Belasten und Abdrücken, Beschleunigung aus den verlängerten Hüften mit den 5 Zehen dran. Zwei konträre Ansatzpunkte möchte man meinen. Doch eigentlich ist Letzterer nur die konsequente Umsetzung der von allen gleich erlernten Grundschule.
Was nutzt die schönste Kata oder die sauberste Grundschule, wenn sie zum Kämpfen nichts taugt? Wozu all diese Übungen, wenn sie beim Kumite nicht funktionieren oder ich keine Schlagkraft entwickeln kann? Laut Ristos Auffassung sollten Kata und Grundschule den eigenen Kampfstil schulen, prägen und vor allem voran bringen. Dazu gehört meines Erachtens auch, mal unkonventionelle Wege oder Methoden zu benutzen, auszuprobieren und eben auch zu lehren. Aber der Weg in den Siebten Karatehimmel ist ja bekanntlich steil und steinig und wahrscheinlich auch mit dem einen oder anderen Irrweg verbunden. Getreu dem Motto das Ziel bestimmt den Weg sollten wir daher alle den einen oder anderen Stein aus dem Weg räumen, um unserem Ziel ein Stück näher zu kommen und die Tradition unseres Shotokan mit Leben zu füllen. In diesem Sinne war dieser Kulturaustausch sehr produktiv und inspirierend.
Auch die kulturellen, sinnlichen und kulinarischen Genüsse kamen an diesem Wochenende nicht zu kurz. Der Anspruch der sonnabendlichen Freizeitgestaltung pendelte zwischen Saunaaufgusskelle, flüssiger, zart gegrillter und variantenreich angerichteter Gaumenverführungen sowie visueller Videoanimation am großen Flat Screen. Der Sonntag war einem Ausflug ins Berliner Umland vorbehalten. Nach dem letzten Training verteilten wir unsere Gäste auf mehrere Autos und ab ging die Post an die Woltersdorfer Schleuse. Der kurze, steile Aufstieg durch üppige Vegetation hinauf zum Aussichtsturm auf dem Kranichsberg wurde mit einer fantastischen Sicht auf die umliegenden Seen und Wälder bis hinein nach Berlin belohnt.
Das anschließende Abendbrot im Biergarten an der Schleuse war auch für die unzähligen Mücken ein geselliges Beisammensein. Die phonetisch, linguistische Vielfalt der illusteren Runde bescherte uns am Abend so manch tränendes Auge. So wollten unsere estnischen Freunde Forelle „Müllerin Art“ probieren und bestellten glatt die Müllerin (vielleicht danach noch was zum Essen…). Auf eine Anfrage unserer Freunde aus Leipsch, ob se Ihr Rumstääk dorsch ham könn, gab die Kellnerin zu verstehen, daß Dorsch nicht auf der Speisekarte sei. Tja, wie man sieht, auch hier im normalen Leben gibt es Wirrungen und Missverstände. Aber wie gesagt, es irrt der Mensch so lang er strebt und wer aufgehört hat Fehler zu machen der hat aufgehört zu streben.
Oss, der Jürschen
10.-12. Mai 2008
Bericht von Sensei Jürgen Mosler, 3. Dan, Bushido Dojo Berlin
Wieder einmal hatte das Bushido-Dojo zum interkulturellen Tsukiaustausch nach Berlin geladen. Während im Herzen der City der Karneval der Kulturen tobte, lieferten sich in einer Marzahner Sporthalle Karate-Enthusiasten aus 7 Bundesländern über die Pfingsttage einen Wettstreit der Kulturen. Der Preis für die weiteste Anreise ging an unsere 5 Karatefreunde aus Estland. Als Trainer durften wir auch dieses Jahr wieder Sensei Kiiskilä vom Frankfurter Ippon Dojo sowie Sensei Akita aus England begrüßen. Obwohl man bei genauer Betrachtungsweise große Unterschiede in der Lehrauffassung dieser Trainer feststellen konnte, hat dies der eigenen Horizonterweiterung und dem Hinterfragen manch heiliger Gebote überhaupt nicht geschadet. Ganz im Gegenteil.
Während Sensei Akita sein Augenmerk auf eine korrekte Ausführung der Grundtechniken, einen festen und ausbalancierten Stand legte, erweckte Risto in bekannter Manier die Grundschule zum Leben. 30 minütige Aufwärmgymnastik und Stretching meets Hüft- und Koordinationsbewegungen mit Suri Ashi bis die Sohle qualmt. Standübungen zur Festigung der Körperbalance vs. dynamische Schwerpunktverlagerung mit Ganzkörpereinsatz. Rotation und Haraspannung contra Belasten und Abdrücken, Beschleunigung aus den verlängerten Hüften mit den 5 Zehen dran. Zwei konträre Ansatzpunkte möchte man meinen. Doch eigentlich ist Letzterer nur die konsequente Umsetzung der von allen gleich erlernten Grundschule.
Was nutzt die schönste Kata oder die sauberste Grundschule, wenn sie zum Kämpfen nichts taugt? Wozu all diese Übungen, wenn sie beim Kumite nicht funktionieren oder ich keine Schlagkraft entwickeln kann? Laut Ristos Auffassung sollten Kata und Grundschule den eigenen Kampfstil schulen, prägen und vor allem voran bringen. Dazu gehört meines Erachtens auch, mal unkonventionelle Wege oder Methoden zu benutzen, auszuprobieren und eben auch zu lehren. Aber der Weg in den Siebten Karatehimmel ist ja bekanntlich steil und steinig und wahrscheinlich auch mit dem einen oder anderen Irrweg verbunden. Getreu dem Motto das Ziel bestimmt den Weg sollten wir daher alle den einen oder anderen Stein aus dem Weg räumen, um unserem Ziel ein Stück näher zu kommen und die Tradition unseres Shotokan mit Leben zu füllen. In diesem Sinne war dieser Kulturaustausch sehr produktiv und inspirierend.
Auch die kulturellen, sinnlichen und kulinarischen Genüsse kamen an diesem Wochenende nicht zu kurz. Der Anspruch der sonnabendlichen Freizeitgestaltung pendelte zwischen Saunaaufgusskelle, flüssiger, zart gegrillter und variantenreich angerichteter Gaumenverführungen sowie visueller Videoanimation am großen Flat Screen. Der Sonntag war einem Ausflug ins Berliner Umland vorbehalten. Nach dem letzten Training verteilten wir unsere Gäste auf mehrere Autos und ab ging die Post an die Woltersdorfer Schleuse. Der kurze, steile Aufstieg durch üppige Vegetation hinauf zum Aussichtsturm auf dem Kranichsberg wurde mit einer fantastischen Sicht auf die umliegenden Seen und Wälder bis hinein nach Berlin belohnt.
Das anschließende Abendbrot im Biergarten an der Schleuse war auch für die unzähligen Mücken ein geselliges Beisammensein. Die phonetisch, linguistische Vielfalt der illusteren Runde bescherte uns am Abend so manch tränendes Auge. So wollten unsere estnischen Freunde Forelle „Müllerin Art“ probieren und bestellten glatt die Müllerin (vielleicht danach noch was zum Essen…). Auf eine Anfrage unserer Freunde aus Leipsch, ob se Ihr Rumstääk dorsch ham könn, gab die Kellnerin zu verstehen, daß Dorsch nicht auf der Speisekarte sei. Tja, wie man sieht, auch hier im normalen Leben gibt es Wirrungen und Missverstände. Aber wie gesagt, es irrt der Mensch so lang er strebt und wer aufgehört hat Fehler zu machen der hat aufgehört zu streben.
Oss, der Jürschen
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