1. erste Sequenz bis Oi Tsuki
Tori greift von vorne an mit Griff am Kragen.
Uke reißt die Arme nach oben und lässt sie kraftvoll auf die Arme des Tori fallen, Handflächen nach innen. Tori wird von der Wucht nachgeben und etwas runter sacken. Uke sticht anschließend mit den Fingerspitzen beider Hände, die er mit den Handflächen zu sich gedreht vor dem Körper hoch stößt, von unten gegen die untere Kopf/Kinnpartie des Tori.
Dann linke Handfläche drehen und Tori mit der Außenkante der linken Hand nach links drücken.
Ausholbewegung für Gedan Barei nutzen für Kopfdeckung an der rechten Kopfseite mit dem linken Arm (falls Tori einen erneuten Angriff dorthin versuchen sollte) und Bauchstoß mit dem rechten, gestreckten Arm. Mit links Tori an der linken Schulter packen und einen Schritt vorgehen, um Tori zu Fall zu bringen (Oi Tsuki kann, aber muss nicht ausgeführt werden.)
2. erste Sequenz, andere Möglichkeit
Tori greift an mit einem Schwinger und Uke blockt den mit links mit Shuto Uke (gestreckter Arm) frontal weg. Der rechte Arm macht Heito Uchi gegen den Hals des Tori und Uke geht weiter rum, bis er hinter Tori steht und packt diesen dann am Kragen, reißt ihn zu Boden und setzt nach.
3. Bo Uke
Angriff von Tori mit Schwinger, Uke geht in den Angriff rein mit einer Art Kokotsu Dachi, dabei den linken Arm mit offener Hand wie Age Uke halten und den rechten gestreckt wie Gedan Nukite. Mit der rechten Hand dann im Schritt greifen und einmal fest nachstoßen. Dann auf der Stelle umdrehen und den Tori zu Fall bringen.
Dienstag, 4. September 2018
Sonntag, 26. August 2018
Ganz schön affig! - Besuch aus dem Zoo im August 2018
Sommerferien, weit über 30 Grad Außentemperatur - einfach herrlich! Und doch sollte Freitag, den 17.08.2018 alle so schnell nicht vergessen! Meine Tochter Johanna saß in ihrem Zimmer am Schreibtisch und ich befand mich ein Stockwerk höher, ebenfalls am Schreibtisch (Homeoffice). Plötzlich hörte ich von draußen eine Stimme rufen: "Keine Angst, der tut nix!" Und einen aufgeregten Schrei aus dem Zimmer meiner Tochter. Ein Blick aus dem Fenster ergab, dass auf dem Acker hinter unserem Haus ein Mann stand, der sich offenbar durch das geöffnete Fenster mit meiner Tochter unterhielt. Ich dachte zunächst, ein Vogel sein entflogen und ggf. bei meiner Tochter ins Zimmer geflogen. Aber es kam ganz anders...
"Können Sie das Fenster schließen?", kam es weiter von außen und dann ging ich doch jetzt mal nachsehen, was das da auf sich hatte. Ich kam die Treppe herunter, als es auch grade schon an der Haustür schellte. Der Mann war ums Haus herum und zu unserer Tür gekommen, die grade durch meinen Mann geöffnet wurde. Und dann klärte sich auch der Hintergrund der Aufregung: Zwei Tage zuvor waren aus dem Zoo drei Affen ausgebüxt. Das stand auch in der Zeitung, wo ebenfalls vermerkt war, dass sie alle wieder eingefangen worden oder von selbst zurück gekehrt waren. Alle? Nein, offenbar hatte ein besonders freiheitsliebendes Exemplar noch die frische Luft genossen und war nicht heimgekehrt. Statt dessen machte es Bekanntschaft mit unseren Gärten - und auch unseren Wohnungen! Das putzige Tierchen stand schon den Vormittag über unter der Beobachtung des Mannes, der meiner Tochter nun auch die Anweisung gab, doch bitte auch die Zimmertür zu schließen, damit das Tier erst einmal in Johannas Zimmer gesichert sei. "Falls der Affe etwas kaputtmacht, kommt der Zoo dafür auf", so der Mann. Gesagt, getan - nun stand die ganze Familie aufgeregt im Flur und konnte noch gar nicht recht begreifen, was da vor sich ging. Ein Affe im Haus! Das gibts doch gar nicht! Gibts doch! Wenn man so nah am Zoo wohnt, kann das offenbar schonmal passieren!
Der Mann organisierte per Handy Verstärkung: Einen PKW mit Transportbox und Fangvorrichtungen. Und danach wollte er mal die Tür einen Spalt weit aufmachen, um zu sehen, ob der Affe Mist macht! Aber der saß ganz ruhig auf Johannas Laptop und schaute sich um. Ich nutzte die Gelegenheit, ein Foto zu machen.
Dann ging alles recht schnell: Die Verstärkung kam und wir mussten sicherheitshalber auf den Gehweg gehen, es sollte nur die Zimmertür geöffnet seins, so dass der Affe nur in Johannas Zimmer und ggf. im Treppenhaus Schaden anrichten konnte. Aber laut der Schilderung der Zoo-Leute war das Tier nicht übermäßig renitent und konnte bald eingefangen werden. Es wurde dann in der Transportbox aus dem Haus und ins Auto getragen und wir konnten noch einmal winken.
![]() |
| Das Zoo-Team nach getaner Arbeit! |
![]() |
| Drei Generationen Kipper/Haeusler hatten einen spannenden Tag! |
Im Zimmer sah es fast wie vorher aus - nur das Bett war verschmutzt. Wir haben die entstandenen Kosten beim Zoo angegeben und man hat uns versprochen, den Schaden zu ersetzen und uns Freikarten für Nachts im Zoo sowie eine private Zooführung hinter den Kulissen angeboten. Ich bin mal gespannt, wie das wird.... :-)
Kindertraining Kraft und Ausdauer - Sommerspiele
1. Am Strand, Meer und Piraten! Dauer: ca. 5 Minuten
Die Kinder sind am Strand eingeschlafen (auf den Bauch legen, entspannen, Augen schließen). Im Schlaf hat sie die Flut überrascht und sie wachen im Wasser auf. Jetzt heißt es schwimmen: Auf dem Bauch liegend und mit Armen und Beinen die klassischen Brustschwimm-Bewegungen auf dem Trockenen nachahmen - Achtung: Den Oberkörper möglichst hoch, sonst bekommt man Wasser in Augen und Nase :-) Eine Minute durchhalten! Ach, da kommt ja ein Boot in Sicht (bei den letzten 10 Sekunden)!
Es ist ein Ruderboot und der Eigentümer nimmt die Kinder netter Weise auf, ist aber zu faul, selber zu rudern - also müssen die Kinder ran: Auf dem Po sitzend mit den Armen Ruderbewegungen machen, dabei die Beine abwechselnd anziehen und strecken. Ah, ich sehe Land! Es ist nicht mehr weit (letzte 10 Sekunden)!
Wir sind leider nicht am Festland angekommen, sondern an einer Insel gestrandet - es ist eine (dramatisches Flüstern) P-I-R-A-T-E-N-I-N-S-E-L! Die Piraten dürfen uns auf keinen Fall entdecken! Wir verstecken uns am Besten im Schilf (an einer Hallenseite) - jetzt müssen wir, um nicht gesehen zu werden, längs durch die Halle robben! Am anderen Hallenende ist eine Hütte, in der wir dann endlich in Sicherheit sind!
2. Staffellauf zum Eissalon
Die Kinder in (zwei) Gruppen aufteilen und in zwei Reihen hintereinander aufstellen lassen. In etwa zehn Metern Abstand eine "Eisdiele einrichten", hierzu z. B. eine Gymnastikmatte auslegen und darauf kleine Schlagkissen als Eisbällchen sowie zwei "Freundschaftsbecher" in Form von Medizinbällen.
Jeweils das erste Kind in der Reihe läuft jetzt zur Eisdiele und holen sich Eis in Form der beschriebenen Gegenstände, bringt sie zu seiner Gruppe, neben der Start-Markierung ablegen. Am Ende zählt jedes Schlagkissen einen Punkt, die Freundschaftsbecher fünf Punkte - die Gruppe mit den meisten Punkten hat gewonnen.
3. Kreis-Laufen
Die Kinder sind am Strand eingeschlafen (auf den Bauch legen, entspannen, Augen schließen). Im Schlaf hat sie die Flut überrascht und sie wachen im Wasser auf. Jetzt heißt es schwimmen: Auf dem Bauch liegend und mit Armen und Beinen die klassischen Brustschwimm-Bewegungen auf dem Trockenen nachahmen - Achtung: Den Oberkörper möglichst hoch, sonst bekommt man Wasser in Augen und Nase :-) Eine Minute durchhalten! Ach, da kommt ja ein Boot in Sicht (bei den letzten 10 Sekunden)!
Es ist ein Ruderboot und der Eigentümer nimmt die Kinder netter Weise auf, ist aber zu faul, selber zu rudern - also müssen die Kinder ran: Auf dem Po sitzend mit den Armen Ruderbewegungen machen, dabei die Beine abwechselnd anziehen und strecken. Ah, ich sehe Land! Es ist nicht mehr weit (letzte 10 Sekunden)!
Wir sind leider nicht am Festland angekommen, sondern an einer Insel gestrandet - es ist eine (dramatisches Flüstern) P-I-R-A-T-E-N-I-N-S-E-L! Die Piraten dürfen uns auf keinen Fall entdecken! Wir verstecken uns am Besten im Schilf (an einer Hallenseite) - jetzt müssen wir, um nicht gesehen zu werden, längs durch die Halle robben! Am anderen Hallenende ist eine Hütte, in der wir dann endlich in Sicherheit sind!
2. Staffellauf zum Eissalon
Die Kinder in (zwei) Gruppen aufteilen und in zwei Reihen hintereinander aufstellen lassen. In etwa zehn Metern Abstand eine "Eisdiele einrichten", hierzu z. B. eine Gymnastikmatte auslegen und darauf kleine Schlagkissen als Eisbällchen sowie zwei "Freundschaftsbecher" in Form von Medizinbällen.
Jeweils das erste Kind in der Reihe läuft jetzt zur Eisdiele und holen sich Eis in Form der beschriebenen Gegenstände, bringt sie zu seiner Gruppe, neben der Start-Markierung ablegen. Am Ende zählt jedes Schlagkissen einen Punkt, die Freundschaftsbecher fünf Punkte - die Gruppe mit den meisten Punkten hat gewonnen.
3. Kreis-Laufen
- zu zweit zusammen, einer bleibt stehen, der andere läuft im Kreis drumherum - Wechsel
- nächste Runde: der in der Mitte macht Kniebeugen, der andere läuft drumherum
- nächste Runde: der in der Mitte macht Tsuk...
- ....Mae Geri
- der in der Mitte geht langsam
Labels:
Ausdauertraining,
Karate,
Kinder,
Kindertraining,
Krafttraining,
Sommer
Donnerstag, 23. August 2018
Bunkai Heian Shodan
Bunkai Heian Shodan
1. Anfang:
1.1 Tori steht im 90 Grad Winkel vor Uke (Ukes linke Schulter zeigt zu Tori)
Tori steht links vor im Gedan Barei, Kamae
Angriff Mae Geri mit dem rechten Bein, vorne absetzen
Uke blockt, indem er etwas seitlich und nach hinten ausweicht, so dass Toris offene Seite zugänglich ist, Blocktechnik Gedan Barei
Dann einen Schritt vor mit Tsuki Jodan, wenn man zu nah dran steht, fast einen überlaufenen Gyaku Tsuki machen und beim Absetzen des Beines den Tsuki schon wieder zurück schnappen, Tori beinahe überrennen
1.2 Tori steht wie oben vor Uke, aber mit rechts vor, Angriff mit links
Uke weicht aus wie oben, und geht auch wieder vor, aber nicht mit der Absicht, Tori mit dem Tsuki zu treffen, sondern mit dem Hintergrund, sein vorderes, rechtes Bein unter den Schwerpunkt von Tori zu setzen. Den "Tsuki"-Arm als Hebel nehmen und Tori über das vordere Bein werfen.
1.3 Tori steht wieder seitlich von Uke, aber dicht dran und greift Uke am Kragen. Uke fasst mit der linken Hand eine der Greif-Hände von Tori und mit der rechten stößt er die Ausholbewegung für den Gedan Barei vor den Bauch des Tori. Dann Gedan Barei ausführen und dabei den linken Fuß. Dann einen Schritt vor setzen und den Partner zu Boden bringen.
2.1 Tori steht hinter Uke, will seinen Kopf treffen
Uke dreht sich um, fängt mit der linken, offenen Hand den Schlag ab und stößt mit der rechten Faust in Richtung Tori (vielleicht treffend, vielleicht als Abstandhalter) - alternativ den rechten Arm schützend vor den Rumpf halten. Dann kommt ein chudan Angriff von Tori, den Uke mit Gedan Barei und leicht nach hinten gleitend aufnimmt. Dann Schritt vor mit Tsuki
3.1 Tori greift an mit Tsuki Jodan
Uke geht nen Schritt zurück, greift den Arm und einen Schritt vor mit Age Uke unter den Arm des Angreifers,
3.2 dann den Angreifer nochmal packen, seitlich drehen und mit einem Age Uke oder vielleicht auch Ellbogenstoß seitlich zu Boden bringen
4. Kokotsu Dachi
4.1 Tori steht li vor, Angriff Tsuki Chudan mit rechts
Uke weicht nach rechts hinten aus mit KK Shuto Uke, dann Kiri Kaeshi und KK Shuto Uke vor zum Konter vor die Halsschlagader, mit der rechten Hand am Kragen greifen, linkes Bein vorsetzen und mit dem rechten Arm den Tori über das vordere Bein werfen
4.2 Tori greift an mit einem Schwinger von links, Uke kauert sich zusammen, zieht reflexartig den linken Arm vor die Kopfseite und den rechten vor den Körper, so dass die Arme wie ein Korb schützend um den Körper gelegt sind. Anschließend mit dem rechten Arm den Torso von Tori zu fassen versuchen und mit der linken Hand eine Backpfeife erteilen, ggf. noch einmal auf der Stelle wechseln
1. Anfang:
1.1 Tori steht im 90 Grad Winkel vor Uke (Ukes linke Schulter zeigt zu Tori)
Tori steht links vor im Gedan Barei, Kamae
Angriff Mae Geri mit dem rechten Bein, vorne absetzen
Uke blockt, indem er etwas seitlich und nach hinten ausweicht, so dass Toris offene Seite zugänglich ist, Blocktechnik Gedan Barei
Dann einen Schritt vor mit Tsuki Jodan, wenn man zu nah dran steht, fast einen überlaufenen Gyaku Tsuki machen und beim Absetzen des Beines den Tsuki schon wieder zurück schnappen, Tori beinahe überrennen
1.2 Tori steht wie oben vor Uke, aber mit rechts vor, Angriff mit links
Uke weicht aus wie oben, und geht auch wieder vor, aber nicht mit der Absicht, Tori mit dem Tsuki zu treffen, sondern mit dem Hintergrund, sein vorderes, rechtes Bein unter den Schwerpunkt von Tori zu setzen. Den "Tsuki"-Arm als Hebel nehmen und Tori über das vordere Bein werfen.
1.3 Tori steht wieder seitlich von Uke, aber dicht dran und greift Uke am Kragen. Uke fasst mit der linken Hand eine der Greif-Hände von Tori und mit der rechten stößt er die Ausholbewegung für den Gedan Barei vor den Bauch des Tori. Dann Gedan Barei ausführen und dabei den linken Fuß. Dann einen Schritt vor setzen und den Partner zu Boden bringen.
2.1 Tori steht hinter Uke, will seinen Kopf treffen
Uke dreht sich um, fängt mit der linken, offenen Hand den Schlag ab und stößt mit der rechten Faust in Richtung Tori (vielleicht treffend, vielleicht als Abstandhalter) - alternativ den rechten Arm schützend vor den Rumpf halten. Dann kommt ein chudan Angriff von Tori, den Uke mit Gedan Barei und leicht nach hinten gleitend aufnimmt. Dann Schritt vor mit Tsuki
3.1 Tori greift an mit Tsuki Jodan
Uke geht nen Schritt zurück, greift den Arm und einen Schritt vor mit Age Uke unter den Arm des Angreifers,
3.2 dann den Angreifer nochmal packen, seitlich drehen und mit einem Age Uke oder vielleicht auch Ellbogenstoß seitlich zu Boden bringen
4. Kokotsu Dachi
4.1 Tori steht li vor, Angriff Tsuki Chudan mit rechts
Uke weicht nach rechts hinten aus mit KK Shuto Uke, dann Kiri Kaeshi und KK Shuto Uke vor zum Konter vor die Halsschlagader, mit der rechten Hand am Kragen greifen, linkes Bein vorsetzen und mit dem rechten Arm den Tori über das vordere Bein werfen
4.2 Tori greift an mit einem Schwinger von links, Uke kauert sich zusammen, zieht reflexartig den linken Arm vor die Kopfseite und den rechten vor den Körper, so dass die Arme wie ein Korb schützend um den Körper gelegt sind. Anschließend mit dem rechten Arm den Torso von Tori zu fassen versuchen und mit der linken Hand eine Backpfeife erteilen, ggf. noch einmal auf der Stelle wechseln
Labels:
Budo-Karate,
Bunkai,
Bunkai Heian Shodan,
Karate,
Selbstverteidigung
Mittwoch, 15. August 2018
Mein Schatz, der Asperger
Nach über 25 Jahren Ehe und beinahe 30 Jahren Beziehung habe ich meinen Mann bei einem Essen anlässlich seines 51. Geburtstages gefragt: "Hast Du eigentlich schonmal darüber nachgedacht, ob Du Autist bist?" - "Ja klar, wie heißt das nochmal? Alzheimer Autist? Ach nee: Asperger Autist." Ich war platt! Er hatte da für sich schon drüber nachgedacht und mir nichts davon gesagt. Dabei hatte mich sein Verhalten immer wieder vor Rätsel gestellt, wütend und traurig gemacht. Ich hatte zig Versuche unternommen, diesen Menschen zu verstehen. Unsere Beziehung schien mir häufig einseitig - immer war ich es, die Dinge anstieß, Schönes plante, sich Zeichen der Zuneigung ausdachte und "an den Mann brachte" - häufig ganz ohne Echo. Oft genug fühlte ich mich in Freundes- und Bekanntenkreisen unwohl, weil mein Mann sich gegen alle Konventionen verhielt und damit anderen Menschen vor den Kopf stieß, die mich daraufhin fragend und vielleicht auch ein bisschen vorwurfsvoll ansahen. Er wirkt nicht krank oder "behindert", so dass ich irgendwie nie auf Autismus gekommen wäre. Aber er war schon deutlich "anders" als andere Männer.
Wir lernten uns 1984 anlässlich einer Jugendfreizeit in Südengland kennen. Viele in der Gruppe kannten sich untereinander - wir waren wohl die einzigen Kids, die keinen Anschluss hatten. Kurz nachdem ich am Fenster Platz genommen hatte, wurde ich von jemandem gefragt: "Is' hier noch frei?" Und es folgten viele Kilometer ohne weitere Kommunikation. Ich sah aus dem Fenster, er in den Gang und ich fühlte mich allein. Bei einem Zusteigestopp in Köln sah einer von uns - ich kann mich nicht erinnern, ob er es war oder ich - auf der Straße einen Jaguar E-Type: "Guck mal ein E-Type!" Und so begannen wir schließlich doch ein Gespräch - über Autos und dann auch über dies und das und es wurde irgendwie richtig lustig! In England hatten wir eine gute Zeit mit einem großen Teil der Gruppe. Da in einem Alter von 16-18 Jahre jeder irgendwie versuchte, so cool wie möglich zu sein, fielen kurze und knappe Antworten nicht weiter auf und waren eher lustig, als ungewöhnlich. Nach dem Urlaub verloren wir uns nach einer Weile aus den Augen.
Auf einer Silvesterparty 1988/89 trafen wir uns dann durch Zufall wieder: Ich war mit drei oder vier Freunden in der Stadt und als es auf 0 Uhr zu ging, überlegten wir, dass es netter wäre, zusammen mit anderen Freunden anzustoßen. Uns fiel ein, dass einer aus unserem Lehrjahr Leute eingeladen hatte (uns leider nicht ;-) ) und nicht weit entfernt wohnte. Wir besorgten Getränke und machten uns auf den Weg dorthin, wo wir kurz vor Mitternacht ankamen. Beim Betreten des Wohnzimmers sah ich meinen Urlaubsbekannten aus England und stieß erfreut aus: "Ach, Du bist Frank! Wir waren zusammen in England!" Ein mürrischer Blick traf mich: "Keine Ahnung. Ich war schon viermal in England." Pffft, ok, dann halt nicht!
Nach dem Jahreswechsel nahm man dann wieder im Wohnzimmer Platz. Plötzlich sprang Frank auf, stieß dabei beinahe mehrere Getränkeflaschen um und platzte heraus: "Du heißt Andrea. Und du wohnst bei Ratio (Anmerkung: ein großer Supermarkt in der Nähe des Hauses meiner Eltern). Und dein Freund fährt Taxi (der Freund, den ich zur Zeit des England-Urlaubs hatte war tatsächlich Taxifahrer gewesen)!" Wir verbrachten den Rest des Abends auf der Küchenbank und versuchten, unsere Erinnerungen aufzufrischen. Nicht mehr ganz nüchtern verabschiedete ich mich dann in der Frühe und Frank meinte: "Ich ruf dich an." Jaja, den Spruch kannte ich in der Zeit zur Genüge - und meist kam dann doch kein Anruf! Hier aber doch: Am nächsten Spätnachmittag gegen 18 Uhr klingelte das Telefon. "Hallo, hier ist Frank." "Oh, das ist aber nett, dass Du anrufst!" "Ich hab doch gesagt, dass ich anrufen werde!", kam etwas unwirsch zurück. However - wir trafen uns öfter und waren ab da "zusammen".
Der Kollege aus meinem Lehrjahr, zu dem wir uns an Silvester selbst eingeladen hatten, gehörte zu den engsten Freunden meines damaligen neuen Freundes und so rutschte auch ich in diese Gruppe rein. Frank war ganz zu Beginn unserer Freundschaft bei der Bundeswehr in Dülmen. Er erzählte nicht viel von dort, nahm nie oder selten an Saufgelagen der anderen Soldaten teil und hatte dort den Spitznamen "Prinz Valium", weil er häufig abwesend und teilnahmslos wirkte.
In der Zeit vor unserer Hochzeit hatten wir einmal einen Abend in der Altstadt verbracht. Um Taxigeld zu sparen, liefen wir zu Fuß sicher 6 Kilometer nach Hause und plötzlich platzte mein Mann heraus: "Sollen wir es offiziell machen?" "Hä? Was "offiziell" - was meinst Du?" "Naja, verloben, so mit Ringen und so!" Ich war platt! Bisher waren wir beide immer viel zu cool gewesen für sowas - ne enge Bindung? Heiraten? Haus und Kinder? No way! Und jetzt das! Aber irgendwie auch total süß und wie konnte ich da nein sagen? :-) Anlässlich eines Hochzeitstages knapp 30 Jahre später fragte ich ihn dann mal, was ihn dazu veranlasst hätte, mir in genau diesem Moment einen Antrag zu machen! Der Akt an sich war für ihn total untypisch - und warum grad in dem Moment? "Mir war plötzlich klar geworden, dass mit dieser Frau keine Rechnung offen bleibt!", so sein Kommentar. Ob das so die Antwort ist, die frau an einem Hochzeitstag hören will? Ich glaube nicht! Nun, nach ein paar Wochen kamen wir nochmal auf diese Situation zurück und da meinte er: "Nein, nein, das hast Du falsch verstanden - das bezog sich nicht auf finanzielle Dinge. Ich meinte, dass ich bei Dir so sein kann, wie ich bin und mich nicht verstellen muss." Hach, das klang dann doch schon viel besser, wobei ich rückblickend die ursprüngliche Wortwahl dann schon sehr missglückt fand....
Im Sommer 1993 bezogen wir ein kleines Reihenhäuschen, mein Elternhaus - das Haus, in dem ich aufgewachsen war - ich kannte alle Nachbarn, als wir es Anfang der 1990er Jahre bezogen. Nach den ersten Monaten in diesem Haus wurde ich von einer der älteren Nachbarinnen angesprochen: "Was habe ich Deinem Mann denn getan? Er grüßt überhaupt nicht zurück?" Ich sprach meinen Mann darauf an und er beteuerte felsenfest, dass er diese Frau einfach nicht gesehen habe. Leider änderte sich dieses Verhalten auch fortan nicht - die Nachbarn blieben ungegrüßt, mussten sich an diesen Zustand gewöhnen und ich musste mit diesem Umstand leben, dass mein Mann ein nicht-soziales Leben in diesem kleinbürgerlichen Umfeld führte.
Einmal hatte ich Kolleginnen und Kollegen zu einem Abendessen eingeladen. Wie es in diesem Kreis üblich war, war auch mein Mann zugegen. Statt wie die anderen Ehepartnerinnen und -partner am ungezwungenen Gespräch am Tisch teilzunehmen, saß er teilnahmslos und in sich versunken daneben. "Ich kenne diese Menschen nicht, worüber soll ich mich mit ihnen unterhalten?", war sein anschließender Kommentar. Meine Kollegen machten sich natürlich nicht nur an diesem Abend, sondern auch noch in den folgenden Wochen und Monaten über dieses Verhalten lustig.
Mein Mann begleitete mich dann auch selten auf Feierlichkeiten. Ich hatte im Laufe der Jahre gelernt, dass es besser ist, ihn nicht zu überreden, wenn er nicht mitkommen möchte. Auf eine Hochzeit einer Freundin aus Kindertagen, die als erfolgreiche Vielseitigkeitsreiterin über einen großen Bekanntenkreis mit vielen wohlsituierten und kultivierten Menschen verfügt, wollte er dann überraschender Weise doch mitkommen! Wir blieben zwar weitgehend unter uns, hatten aber einen schönen Abend zu zweit, tanzten und hatten Spaß. Irgendwann nahte dann der Abschied. Der Bräutigam gab meinem Mann lächelnd die Hand mit den Worten: "Schön, dich kennen gelernt zu haben, vielleicht sehen wir uns ja mal wieder." Das Lächeln des Bräutigams gefror, als mein Mann antwortete: "Ich glaube nicht!" Später erklärte er: "Ich habe in dem Moment überlegt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich diesem Menschen wieder begegnen würde und die war gleich null. Also hab ich das auch gesagt."
Die Zuwendungen, die ich als Partnerin und Ehefrau erhielt, hielten sich in bescheidenen Grenzen. Nach einem Geburtstagsgeschenk, welches ich am Anfang unserer Beziehung bekommen hatte, ging ich an meinem Ehrentag fortan leer aus. Es gab auch keine anderen Geschenke oder Aufmerksamkeiten. Das machte mich traurig und auch wütend und irgendwann platzte mir der Kragen und ich sprach meinen Mann darauf an, bat ihn, mir künftig etwas zu schenken, wenigstens eine Kleinigkeit zum Geburtstag und zu Weihnachten, muss nicht teuer sein, nur etwas, an dem ich erkenne, dass er an mich gedacht hat. "Das ist doch blöd", sagte er, "wenn ich Dir jetzt was schenke, dann denkst Du doch, das mache ich nur, weil Du es mir vorher gesagt hast!" Stimmte irgendwie ja auch, aber das war mir egal und das sagte ich ihm auch. Ich kam mir fortan ein bisschen kindisch vor, wenn ich auf einem Geschenk zu meinen Gunsten bestand, aber irgendwie fand ich, ich hätte auch ein bisschen das Recht auf ein Zeichen der Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Inzwischen kümmert sich meine große Tochter häufig darum, meinen Mann daran zu erinnern, mir eine kleine Aufmerksamkeit zu besorgen. Neulich kam er aber ganz stolz zu mir und verkündete: "Ich hab schon ein Weihnachtsgeschenk für die Frau!" Und es war dann auch eine wunderschöne Überraschung und sehr originell und kunstvoll eingepackt. Ich bedankte mit sehr herzlich und er antwortete: "Ich hab gedacht, die Frau freut sich."
Im Brief- oder Mail-Verkehr laut bis heute seine Anrede immer: "Hallo Frau," und er verabschiedet sich mit "hdl (Anmerkung: hab dich lieb), Mann".
Seit wir fest davon ausgehen, dass mein Mann das Persönlichkeitsmerkmal Autismus besitzt, ist unsere Beziehung in eine ganz andere Dimension gelangt! Fantastisch, den eigenen Ehemann nach knapp 30 Jahren Beziehung endlich zu verstehen! Neulich waren wir im Theater und anschließend Essen. Beim Essen fragte er dann plötzlich (ich weiß gar nicht mehr, wie wir auf das Thema kamen...jedenfalls fragte er): "Sag mal, wo ist eigentlich der Unterschied zwischen dem Gefühl, das man gegenüber einer Person empfindet, wenn man schon lange zusammen ist und dem Gefühl, frisch verliebt zu sein?" Ich dachte, er will mich auf den Arm nehmen, aber er meinte die Frage wirklich ernst! "Also, beides sind angenehme, schöne Gefühle", fing ich an - so wie man mit einem Dreijährigen spricht! "Beim Frischverliebtsein ist da noch ein Gefühl der Aufregung, ein Kribbeln im Bauch." "Ach, so wie bei der Fahrprüfung?" "Äääääh - Fahrprüfung? Oh, ich äh, ich glaube nicht! Also vor der Fahrprüfung hat man doch eher angst. Und beim Verliebtsein freut man sich." (Vollkommene Verwirrung bei mir....! Wie kann man diese Situationen miteinander vergleichen?????) "Ja, aber", so mein Mann weiter, "bei der Fahrprüfung freu ich mich doch auch! Danach kann ich doch ein Leben lang Auto oder Motorrad fahren!?" "Hm, so hab ich das noch nicht gesehen. Ja. Dann ist das für Dich vielleicht doch ähnlich. Mit dem Unterschied, dass Du in einer Beziehung vielleicht ein Leben lang Freude hast, die Spannung von der Fahrprüfung solltest Du aber vielleicht alle paar Wochen mal wiederholen und etwas Schönes und Überraschendes tun, damit deine Partnerin sich bestätigt fühlt." "Achso!!!! Und ich hatte mich schon gefragt, warum ich zu Hause andauernd in die Nachprüfung muss!"
Zum Theater noch eine schöne Geschichte: Kurz nach unserer "Erkenntnis" über Autismus waren wir in einer Vorstellung von Kafkas "Verwandlung". Nach dem Stück fragte ich meinen Mann: "Und, Schatz, wie hat Dir das Stück gefallen?" "Ich habe den Sinn nicht verstanden und es gab drei Versprecher."
Wie schon beschrieben legt mein Mann keinen großen Wert auf Begrüßungsfloskeln. Ich bin schon froh, wenn er "hallo" sagt, sobald wir einen Raum betreten (hab mich aber auch schon dran gewöhnt, dass der Gruß ausbleibt). Als sich neulich entferntere Bekannte, die bei uns zu Besuch waren, verabschieden wollten, gab es das übliche In-den-Arm-Nehmen und drücken. Ich staunte nicht schlecht und freute mich, als mein Mann da mittat! Als ich ihm das hinterher sagte, meinte er: "Ich hab mir das angeguckt und dachte "ach, ok, das mit dem Umarmen machen alle, das scheint so üblich zu sein, dann mach ich das auch mal." "
Humor - alles genau nehmen
Autisten und Gesellschaftsspiele
Autisten und Reisen
Autisten und Eifersucht
Depression - Alexithymie
Wir lernten uns 1984 anlässlich einer Jugendfreizeit in Südengland kennen. Viele in der Gruppe kannten sich untereinander - wir waren wohl die einzigen Kids, die keinen Anschluss hatten. Kurz nachdem ich am Fenster Platz genommen hatte, wurde ich von jemandem gefragt: "Is' hier noch frei?" Und es folgten viele Kilometer ohne weitere Kommunikation. Ich sah aus dem Fenster, er in den Gang und ich fühlte mich allein. Bei einem Zusteigestopp in Köln sah einer von uns - ich kann mich nicht erinnern, ob er es war oder ich - auf der Straße einen Jaguar E-Type: "Guck mal ein E-Type!" Und so begannen wir schließlich doch ein Gespräch - über Autos und dann auch über dies und das und es wurde irgendwie richtig lustig! In England hatten wir eine gute Zeit mit einem großen Teil der Gruppe. Da in einem Alter von 16-18 Jahre jeder irgendwie versuchte, so cool wie möglich zu sein, fielen kurze und knappe Antworten nicht weiter auf und waren eher lustig, als ungewöhnlich. Nach dem Urlaub verloren wir uns nach einer Weile aus den Augen.
Auf einer Silvesterparty 1988/89 trafen wir uns dann durch Zufall wieder: Ich war mit drei oder vier Freunden in der Stadt und als es auf 0 Uhr zu ging, überlegten wir, dass es netter wäre, zusammen mit anderen Freunden anzustoßen. Uns fiel ein, dass einer aus unserem Lehrjahr Leute eingeladen hatte (uns leider nicht ;-) ) und nicht weit entfernt wohnte. Wir besorgten Getränke und machten uns auf den Weg dorthin, wo wir kurz vor Mitternacht ankamen. Beim Betreten des Wohnzimmers sah ich meinen Urlaubsbekannten aus England und stieß erfreut aus: "Ach, Du bist Frank! Wir waren zusammen in England!" Ein mürrischer Blick traf mich: "Keine Ahnung. Ich war schon viermal in England." Pffft, ok, dann halt nicht!
Nach dem Jahreswechsel nahm man dann wieder im Wohnzimmer Platz. Plötzlich sprang Frank auf, stieß dabei beinahe mehrere Getränkeflaschen um und platzte heraus: "Du heißt Andrea. Und du wohnst bei Ratio (Anmerkung: ein großer Supermarkt in der Nähe des Hauses meiner Eltern). Und dein Freund fährt Taxi (der Freund, den ich zur Zeit des England-Urlaubs hatte war tatsächlich Taxifahrer gewesen)!" Wir verbrachten den Rest des Abends auf der Küchenbank und versuchten, unsere Erinnerungen aufzufrischen. Nicht mehr ganz nüchtern verabschiedete ich mich dann in der Frühe und Frank meinte: "Ich ruf dich an." Jaja, den Spruch kannte ich in der Zeit zur Genüge - und meist kam dann doch kein Anruf! Hier aber doch: Am nächsten Spätnachmittag gegen 18 Uhr klingelte das Telefon. "Hallo, hier ist Frank." "Oh, das ist aber nett, dass Du anrufst!" "Ich hab doch gesagt, dass ich anrufen werde!", kam etwas unwirsch zurück. However - wir trafen uns öfter und waren ab da "zusammen".
Der Kollege aus meinem Lehrjahr, zu dem wir uns an Silvester selbst eingeladen hatten, gehörte zu den engsten Freunden meines damaligen neuen Freundes und so rutschte auch ich in diese Gruppe rein. Frank war ganz zu Beginn unserer Freundschaft bei der Bundeswehr in Dülmen. Er erzählte nicht viel von dort, nahm nie oder selten an Saufgelagen der anderen Soldaten teil und hatte dort den Spitznamen "Prinz Valium", weil er häufig abwesend und teilnahmslos wirkte.
In der Zeit vor unserer Hochzeit hatten wir einmal einen Abend in der Altstadt verbracht. Um Taxigeld zu sparen, liefen wir zu Fuß sicher 6 Kilometer nach Hause und plötzlich platzte mein Mann heraus: "Sollen wir es offiziell machen?" "Hä? Was "offiziell" - was meinst Du?" "Naja, verloben, so mit Ringen und so!" Ich war platt! Bisher waren wir beide immer viel zu cool gewesen für sowas - ne enge Bindung? Heiraten? Haus und Kinder? No way! Und jetzt das! Aber irgendwie auch total süß und wie konnte ich da nein sagen? :-) Anlässlich eines Hochzeitstages knapp 30 Jahre später fragte ich ihn dann mal, was ihn dazu veranlasst hätte, mir in genau diesem Moment einen Antrag zu machen! Der Akt an sich war für ihn total untypisch - und warum grad in dem Moment? "Mir war plötzlich klar geworden, dass mit dieser Frau keine Rechnung offen bleibt!", so sein Kommentar. Ob das so die Antwort ist, die frau an einem Hochzeitstag hören will? Ich glaube nicht! Nun, nach ein paar Wochen kamen wir nochmal auf diese Situation zurück und da meinte er: "Nein, nein, das hast Du falsch verstanden - das bezog sich nicht auf finanzielle Dinge. Ich meinte, dass ich bei Dir so sein kann, wie ich bin und mich nicht verstellen muss." Hach, das klang dann doch schon viel besser, wobei ich rückblickend die ursprüngliche Wortwahl dann schon sehr missglückt fand....
Im Sommer 1993 bezogen wir ein kleines Reihenhäuschen, mein Elternhaus - das Haus, in dem ich aufgewachsen war - ich kannte alle Nachbarn, als wir es Anfang der 1990er Jahre bezogen. Nach den ersten Monaten in diesem Haus wurde ich von einer der älteren Nachbarinnen angesprochen: "Was habe ich Deinem Mann denn getan? Er grüßt überhaupt nicht zurück?" Ich sprach meinen Mann darauf an und er beteuerte felsenfest, dass er diese Frau einfach nicht gesehen habe. Leider änderte sich dieses Verhalten auch fortan nicht - die Nachbarn blieben ungegrüßt, mussten sich an diesen Zustand gewöhnen und ich musste mit diesem Umstand leben, dass mein Mann ein nicht-soziales Leben in diesem kleinbürgerlichen Umfeld führte.
Einmal hatte ich Kolleginnen und Kollegen zu einem Abendessen eingeladen. Wie es in diesem Kreis üblich war, war auch mein Mann zugegen. Statt wie die anderen Ehepartnerinnen und -partner am ungezwungenen Gespräch am Tisch teilzunehmen, saß er teilnahmslos und in sich versunken daneben. "Ich kenne diese Menschen nicht, worüber soll ich mich mit ihnen unterhalten?", war sein anschließender Kommentar. Meine Kollegen machten sich natürlich nicht nur an diesem Abend, sondern auch noch in den folgenden Wochen und Monaten über dieses Verhalten lustig.
Mein Mann begleitete mich dann auch selten auf Feierlichkeiten. Ich hatte im Laufe der Jahre gelernt, dass es besser ist, ihn nicht zu überreden, wenn er nicht mitkommen möchte. Auf eine Hochzeit einer Freundin aus Kindertagen, die als erfolgreiche Vielseitigkeitsreiterin über einen großen Bekanntenkreis mit vielen wohlsituierten und kultivierten Menschen verfügt, wollte er dann überraschender Weise doch mitkommen! Wir blieben zwar weitgehend unter uns, hatten aber einen schönen Abend zu zweit, tanzten und hatten Spaß. Irgendwann nahte dann der Abschied. Der Bräutigam gab meinem Mann lächelnd die Hand mit den Worten: "Schön, dich kennen gelernt zu haben, vielleicht sehen wir uns ja mal wieder." Das Lächeln des Bräutigams gefror, als mein Mann antwortete: "Ich glaube nicht!" Später erklärte er: "Ich habe in dem Moment überlegt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich diesem Menschen wieder begegnen würde und die war gleich null. Also hab ich das auch gesagt."
Die Zuwendungen, die ich als Partnerin und Ehefrau erhielt, hielten sich in bescheidenen Grenzen. Nach einem Geburtstagsgeschenk, welches ich am Anfang unserer Beziehung bekommen hatte, ging ich an meinem Ehrentag fortan leer aus. Es gab auch keine anderen Geschenke oder Aufmerksamkeiten. Das machte mich traurig und auch wütend und irgendwann platzte mir der Kragen und ich sprach meinen Mann darauf an, bat ihn, mir künftig etwas zu schenken, wenigstens eine Kleinigkeit zum Geburtstag und zu Weihnachten, muss nicht teuer sein, nur etwas, an dem ich erkenne, dass er an mich gedacht hat. "Das ist doch blöd", sagte er, "wenn ich Dir jetzt was schenke, dann denkst Du doch, das mache ich nur, weil Du es mir vorher gesagt hast!" Stimmte irgendwie ja auch, aber das war mir egal und das sagte ich ihm auch. Ich kam mir fortan ein bisschen kindisch vor, wenn ich auf einem Geschenk zu meinen Gunsten bestand, aber irgendwie fand ich, ich hätte auch ein bisschen das Recht auf ein Zeichen der Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Inzwischen kümmert sich meine große Tochter häufig darum, meinen Mann daran zu erinnern, mir eine kleine Aufmerksamkeit zu besorgen. Neulich kam er aber ganz stolz zu mir und verkündete: "Ich hab schon ein Weihnachtsgeschenk für die Frau!" Und es war dann auch eine wunderschöne Überraschung und sehr originell und kunstvoll eingepackt. Ich bedankte mit sehr herzlich und er antwortete: "Ich hab gedacht, die Frau freut sich."
Im Brief- oder Mail-Verkehr laut bis heute seine Anrede immer: "Hallo Frau," und er verabschiedet sich mit "hdl (Anmerkung: hab dich lieb), Mann".
Seit wir fest davon ausgehen, dass mein Mann das Persönlichkeitsmerkmal Autismus besitzt, ist unsere Beziehung in eine ganz andere Dimension gelangt! Fantastisch, den eigenen Ehemann nach knapp 30 Jahren Beziehung endlich zu verstehen! Neulich waren wir im Theater und anschließend Essen. Beim Essen fragte er dann plötzlich (ich weiß gar nicht mehr, wie wir auf das Thema kamen...jedenfalls fragte er): "Sag mal, wo ist eigentlich der Unterschied zwischen dem Gefühl, das man gegenüber einer Person empfindet, wenn man schon lange zusammen ist und dem Gefühl, frisch verliebt zu sein?" Ich dachte, er will mich auf den Arm nehmen, aber er meinte die Frage wirklich ernst! "Also, beides sind angenehme, schöne Gefühle", fing ich an - so wie man mit einem Dreijährigen spricht! "Beim Frischverliebtsein ist da noch ein Gefühl der Aufregung, ein Kribbeln im Bauch." "Ach, so wie bei der Fahrprüfung?" "Äääääh - Fahrprüfung? Oh, ich äh, ich glaube nicht! Also vor der Fahrprüfung hat man doch eher angst. Und beim Verliebtsein freut man sich." (Vollkommene Verwirrung bei mir....! Wie kann man diese Situationen miteinander vergleichen?????) "Ja, aber", so mein Mann weiter, "bei der Fahrprüfung freu ich mich doch auch! Danach kann ich doch ein Leben lang Auto oder Motorrad fahren!?" "Hm, so hab ich das noch nicht gesehen. Ja. Dann ist das für Dich vielleicht doch ähnlich. Mit dem Unterschied, dass Du in einer Beziehung vielleicht ein Leben lang Freude hast, die Spannung von der Fahrprüfung solltest Du aber vielleicht alle paar Wochen mal wiederholen und etwas Schönes und Überraschendes tun, damit deine Partnerin sich bestätigt fühlt." "Achso!!!! Und ich hatte mich schon gefragt, warum ich zu Hause andauernd in die Nachprüfung muss!"
Zum Theater noch eine schöne Geschichte: Kurz nach unserer "Erkenntnis" über Autismus waren wir in einer Vorstellung von Kafkas "Verwandlung". Nach dem Stück fragte ich meinen Mann: "Und, Schatz, wie hat Dir das Stück gefallen?" "Ich habe den Sinn nicht verstanden und es gab drei Versprecher."
Wie schon beschrieben legt mein Mann keinen großen Wert auf Begrüßungsfloskeln. Ich bin schon froh, wenn er "hallo" sagt, sobald wir einen Raum betreten (hab mich aber auch schon dran gewöhnt, dass der Gruß ausbleibt). Als sich neulich entferntere Bekannte, die bei uns zu Besuch waren, verabschieden wollten, gab es das übliche In-den-Arm-Nehmen und drücken. Ich staunte nicht schlecht und freute mich, als mein Mann da mittat! Als ich ihm das hinterher sagte, meinte er: "Ich hab mir das angeguckt und dachte "ach, ok, das mit dem Umarmen machen alle, das scheint so üblich zu sein, dann mach ich das auch mal." "
Humor - alles genau nehmen
Autisten und Gesellschaftsspiele
Autisten und Reisen
Autisten und Eifersucht
Depression - Alexithymie
Sonntag, 29. Juli 2018
Learning From A Legend - zeitloses Training mit Tanaka Shihan
Nur 100 Teilnehmer/innen-Plätze standen zur Verfügung für das nach 25 Jahren Deutschland-Pause erste und bis auf weiteres wohl einzigartige Seminar mit Tanaka Masahiko Shihan! Da mein Katamann Torsten und ich eigentlich seit April 2018 schon wieder beinahe ununterbrochen auf Karate-Fortbildungen unterwegs waren (Training in Japan, beim Kata Special, in Berlin beim Naka-und-Risto-Lehrgang, bei André Bertel, in Tschechien) und auch am diesjährigen Gasshuku in Baden-Baden teilnehmen wollten, hatten wir uns nicht sofort nach Bekanntwerden des Termins um Karten gekümmert und erhielten später die Auskunft: ausgebucht!
Glücklicher Weise erhielt ich über eine Warteliste dann doch noch einen Platz und fuhr in den Hochschwarzwald ins kleine Örtchen Schluchsee. Die meisten der teilnehmenden Karateka musste ich eigentlich nicht begrüßen, da wir uns alle grade erst auf einer oder mehreren der aufgeführten Veranstaltungen gesehen hatten: die Petra, die Kringes, den Stefan aus Dresden, Tobias und, und, und! Sehr gefreut hatte mich, auch unseren verehrten Jean-Pierre Fischer Sensei in der Trainingsgruppe zu entdecken! Allerdings tat er mit etwas Leid, da er vermutlich nicht viel vom Japanischen des Shihan und auch nicht von der deutschen Übersetzung René Winklers verstand. Aber vermutlich reichte ihm das Zusehen aus, um folgen zu können.
Im Vorfeld hatte es durch den Veranstalter Anton Salat einige "Anweisungen" für Verhaltensweisen vor und während des Trainings gegeben. Zum Teil waren es selbstverständliche Dinge, die etwas mit gutem Benehmen und Dojoetikette zu tun hatten - Dinge, die bei einem Instructor-Lehrgang (so war der Lehrgang beim DJKB ausgeschrieben) selbstverständlich sein sollten: So wurden wir gebeten, uns im Dojo leise zu verhalten (hat leidlich geklappt), Taschen in einem Nebenraum (Geräteraum der Sporthalle) zu lassen. Zum Anderen ging es um speziellere Trainingsetikette, wie dem von Tanaka praktizierten Seiza, Rei und einigen spezielleren Ausführungen speziell im Kata-Training. Für mich waren viele dieser Dinge nichts Neues, da wir auch im eigenen Dojo so trainieren.
Tanaka Shihan verkörpert für mich eine Karate-Ära, die für Härte, Kompromisslosigkeit und Pioniergeist steht. Er wurde mehrfach Kumite(welt)meister und überzeugt auch heute noch durch mentale Stärke und Präsenz.
Der Instructor-Lehrgang in Schluchsee stand zwar weniger unter dem Stern eines harten Schleifer-Trainings, gleichwohl war die "alte Schule" der Kompromisslosigkeit zu spüren, wenn der Shihan von uns forderte: moikai! Nochmaaaal! Die Kata war zu schwach, zu schlecht und vor allem: mit zu wenig Spirit, zu wenig Kampfgeist! Ich bin mir sicher, dass niemand zufällig in dieses Seminar gerutscht ist und so wird kaum jemand erwartet haben, dass der Shihan mit der für die modernen JKA-Instructoren wie Naka Sensei und Okuma Sensei üblichen Freundlichkeit und deren Enthusiasmus und ihrem positiven Feedback das Training leiten würde. Vielmehr war das Korrektur-Symbol in Form eines (Rohr)Stocks mit im Spiel und wurde häufig begleitet von einem unwirschen Brummen und einem Blick, dem man sich untern aussetzt. Der Gipfel der Missbilligung war die Reaktion des Shihan auf eine Demonstration eines Trainingspaares, als er sich unvermittelt umdrehte und mit den Worten: "I go home!" andeutete, den Raum verlassen zu wollen.
Der Shihan hatte die beiden Lehrstunden, in denen viel erklärt wurde, der Meister uns häufig um unsere Meinung und sogar um Diskussionen gebeten hatte, das ein oder andere Mal auf seine eigenen, nicht rhetorisch gemeinten Fragen sogar selber mit "I don't know!" antwortete, mit den Worten eingeleitet, es handele sich hier eigentlich nicht um ein klassisches Training, sondern um eine Karate-Reise, um gemeinsames Training mit ihm und nicht von ihm. Und irgendwie hatte das Ganze tatsächlich den Anstrich eines gegenseitigen Austausches!
Zu Beginn gab es eine Überleitung, wie Karate unser Leben, unseren Alltag beeinflussen könnte: Der Shihan berichtete von einem spannenden Karate-Wettkampf, als er den entscheidenden letzten Punkt in den letzten 10 Sekunden des Endkampfes holen musste: Er musste hier blitzschnell eine Taktik entwickeln und dann mit voller Konsequenz vorgehen! Und das führte auch zum Ziel! (Es müsste sich m. E. um das Halbfinale der WM 1977 gehandelt haben, ich habe dazu dies hier gefunden: http://willrodt.de/wp-content/uploads/2013/01/1977_07_DKB-Fachorgan1.pdf Bitte auf Seite 12 schauen, da ist der Kampf, um den es sich m. E. handelte, zu finden - Halbfinale gegen Jürgen Willrodt). Wir sollten also auch im Alltag, wenn es zu "Kämpfen" kommt, wenn wir Entscheidungen treffen müssen, versuchen, biltzschnell Entscheidungen zu treffen und dann mit vollem Einsatz agieren!
Technisch war das Seminar ein "Back To The Roots": Am Anfang stand die korrekte Haltung beim Seiza sowie beim Aufstehen und Abnkien. Dann zeigte uns der Shihan, wie er sich Rei und den Start einer Übung vorstellte (Kata-Ansagen im Heisoku Dachi, erst dann Füße auseinander führen). Shizen Tai sollten wir im Soto Heiko Dachi einnehmen, also mit den Fußspitzen leicht nach außen. Es sei wichtig, so der Shihan, nicht zu breit zu stehen. Anhand des Beginns der Heian Shodan verdeutlichte uns der Karate-Großmeister, dass man bei einem zu breiten Stand im Shizen Tai keinen Druck in den ersten Zenkutsu Dachi bringen könnte, dass der rechte Fuß dann nicht richtig in die Bewegungsrichtung zeigen könne. Sehr simpel und sehr eindrucksvoll.
Und irgendwie simpel und doch eindrucksvoll ging es auch weiter: Zunächst fragte Tanaka Shihan uns beim Choku Tsuki, wohin der Tsuki träfe. Im Geiste formulierte sich blitzartig bei mir die Antwort: "Auf den Punkt!" Und während ich meinem Gedanken noch kurz nachhing, bemerkte ich den Blick des Übersetzers René auf mir, der dann sagte: "Ich glaube, er meinte mit der Frage Dich, Andrea!" Huuch! Ok, ich wusste jetzt nicht, ob der Shihan mit "auf den Punkt" etwas anfangen könnte und begann zu erklären, dass ein Chudan Tuki optimal vermutlich auf den Solar Plexus treffen sollte, die Faust sich also diagonal vorwärts in Höhe der eigenen Rumpfmitte befinden müsste, wenn beide Arme ausgefahren wären, müssten sie ein Dreieck bilden. Der Shihan nickte kurz und gab noch ein paar erläuternde Erklärungen und Varianten zum Besten - wenn man irgendwo anders treffen wollte, als auf den Solar Plexus, wenn man vor dem Makiwara steht etc. pp. und René subsummierte abschließend: "Also wie Du gesagt hattest, Andrea." Im Grunde also nix anderes als "auf den Punkt". :-)
Weitere Stichworte (Artikel wird fortgesetzt): Schmale Stände, kürzere Stände, Gedan Barei Höhe und Korrektur Tom, Andrea Tsuki, Bunkai Heian Sandan Hiza Geri (Angriff Oi Tsuki, Uke dreht sich zur blinden Seite raus und zur offenen Seite, Landen im Kiba Dachi mit Empi), Heian Godan vorletzte Techniken. Heian Godan Heisho Uke...mit Griff zur Kehle. "Pause" mit der Aufgabe, sich über Heian Jondan zu unterhalten.
Und Spirit, Kime, Speed.
Labels:
Basistraining,
Budo-Karate,
Heian Shodan,
Instructor-Lehrgang,
Karate,
Tanaka
Mittwoch, 11. Juli 2018
Czech Gasshuku 2018
Ich ahne: Dies wird eine Tekki-Woche! Wir starteten heute früh um acht mit einem Training bei Richard Ruzicka Sensei und Tekki Shodan, bei dem keine didaktischen und methodischen Wünsche offen blieben! Sehr gut und dekuji, Richard Sensei!
Es folgte Okuma Sensei mit Tekki Shodan und Tekki Sandan. Die Tekki Nidan hatte er nur am Rande gestreift mit dem Hinweis, dass wir diese bei Naka Sensei noch ausführlich thematisieren würden. Okuma Sensei legte zunächst mal einen großen Fokus auf die Verbindung zwischen Ober- und Unterkörper. Wir übten zunächst Kizami Tsuki / Gyaku Tsuki in einem verkürzten Zenkutsu Dachi - also in relativ bequemem Stand mit Fokus auf die Armtechiken. Später forderte Okuma Sensei allerdings von uns auch sehr intensiv Tachi Waza und hier vor allem den für die Tekkis typischen Kiba Dachi: Wir führten mehrere Durchgänge Tekki I und III im Wechsel und ohne Pause im Kiba Dachi aus, wobei wir die Füße an der Stelle ließen, uns nur auf Arme, Rumpf, Hüfte und Blick konzentrieren sollten. Etwas verwirrend fand ich zuweilen die Zählweise, weil wir ja keine Schritte ausführten, jeder in den Kata vorkommende Schritt aber mit einer Zählzeit bedacht wurde. Es konnte also sein, dass 1-2-3 gezählt wurde, ohne dass wir uns bewegten. Am Ende entwickelte Okuma Sensei mit uns noch eine Partner/innen-Übung aus Tekki-Kombinationen, bei der die Gleichzeitigkeit von Block und Konter im Vordergrund stand: Tori griff an mit Oi Tsuki aus größerer Distanz und Uke zog den vorderen Fuß kurz zurück (Kiri Kaeshi), um dann einen Schritt nach vorne zu gehen mit links Gyaku Haiwan Nagashi Uke Jodan und gleichzeitigem Oi Tsuki (Höhe relativ egal, zunächst Chudan, aber auch Jodan möglich, in der Kata eher Gedan). Wichtig war dem Sensei, dass wir nicht seitlich auswichen, sondern gradeaus in die Gegnerin / den Gegner rein gingen. Diese Übung bauten wir noch aus mit dem Gedanken, dass Folgetechniken immer eine Option sein sollten: Nach dem Konter wieder kurz zurück in Kamae und Gewicht etwas nach hinten verlagern, dann einen neuen Angriff von derjenigen oder demjenigen, die/der vorher abgewehrt und gekontert hatte.
Hier gibt es ein kleines Video von Davide Galli: Czech Gasshuku Trainingsimpressionen
Hier gibt es ein kleines Video von Davide Galli: Czech Gasshuku Trainingsimpressionen
Ohne Iki läuft nix
:-)
Das war heute mal eine schöne neue Erkenntnis im Training bei Naka Sensei! Es war bereits das dritte Training dieses Tages und ich hätte ja auf eine weitere Tekki-Einheit gewettet! Gut, dass ich es nicht getan habe, denn ich hätte wohl verloren. Zwar starteten wir mit Seitwärtsbewegungen im Kiba Dachi - aber das war dann Tekki-mäßig auch schon der größte gemeinsame Nenner. Offensichtlich war der Meister nicht mit unseren Bewegungen einverstanden, denn nach ein paar "Runden" ließ er uns zusammen kommen und enthüllte uns den Kern der heutigen Einheit: Wir sollten bei allen Karatebewegungen den Fokus legen auf Körperhaltung, Atmung und Schwerpunktverlagerung.
Zur Körperhaltung wiederholten wir einige der Übungen, die Naka Sensei auch bei anderen Lehrgängen bereits angeleitet hatte - und die mit jedem Mal mehr Sinn ergeben, besser funktionieren: Angefangen mit dem achtsamen Niederknien, dem sorgfältigen Verbeugen und dem korrekten Sitz im Seiza - wenn das Becken in der korrekten Position ist, kann man sich erheben, obwohl jemand von oben mit großer Kraft auf die Schultern drückt.
Es folgte eine Überleitung zum Neko Ashi Dachi, bei dem wir vorwärts gehen sollten, in dem wir den Fuß zunächst mit der Ferse aufsetzen. Das war sehr ungewöhnlich und als wir damit die Taikyoku Shodan ausführten, musste ich ganz schön überlegen! Diese Art, sich zu bewegen, also über das vorzeitige Absetzen der Ferse einen guten Stand und eine gute Haltung zu generieren, übertrugen wir dann nochmal auf die Kiba-Dachi-Seitwärtsbewegung und achteten hierbei auf die korrekte Schwerpunktverlagerung. Haltung hat aber nicht nur etwas mit Körperkraft zu tun, sondern auch etwas mit der inneren Einstellung. Es sei wichtig, diese innere Einstellung in der äußeren Haltung wiederzuspiegeln, so der Sensei.
Einen großen Einfluss auf die Haltung hat schließlich auch die Atmung. Ich muss gestehen, dass mir der japanische Name für Atem bis heute nicht bekannt war: Iki! Wie schön! Ich weiß nicht, wieviele meiner heutigen Karatefreunde es wissen, aber Atem auf japanisch klingt genauso wie mein Spitzname aus Jugendzeiten und meinem ersten und zweiten Karateleben, der sich allerdings Icky schreibt. Erst in den letzten Jahren habe ich mich mehr und mehr von diesem Namen verabschiedet und mich mit Andrea vorgestellt bzw. wurde einfach "Pandachen" genannt ^^
;-) Eins steht fest, den japanischen Namen für Atem werde ich jetzt nicht mehr vergessen
:-)
Naka Sensei ließ uns die drei Prinzipien dieses Nachmittags dann noch ausgiebig mit der Kata - nein, keine Tekki, sondern: Gojushiho Dai üben.
Tekki Nidan mit Naka Sensei
Wie von Okuma Sensei bereits angekündigt gab sich heute Naka Sensei mit Tekki Nidan die Ehre. Zu Beginn der Einheit griff Naka Sensei thematisch den roten Faden des Vortages wieder auf, in dem er uns im Kiba Dachi seitwärts bewegen ließ, mit Fokus auf die Schwerpunkverlagerung durch das Absetzen der (hinteren) Ferse, also der Ferse des übersetzenden Fußes. Anschließend führten wir die Seitwärtsbewegung mit hochgezogenem Knie aus. Beim Übersetzen des Fußes sollten wir darauf achten, zunächst den Ballen aufzusetzen, nicht die Fußaußenkante. Mit dem Absetzen der Ferse folgt dann wieder die Schwerpunktverlagerung.
Zur Kata gab es zahlreiche interessante Details: So sollten wir als dritte Armbewegung nach dem Hasami Uke beide Arme im Bogen seitlich in den Chudan Block bzw. Kage Tsuki bewegen. Intuitiv hätte ich beide Techniken bisher eher seitlich gestoßen. Eine Anwendung für den Empi, der in dieser Kata über die Mittelachse des Körpers gestoßen wird, übten wir später als Gelenkhebel. An mehreren Stellen kommen in der Tekki Nidan durch einen zweiten Arm unterstützte Blocktechniken vor. Hier wies uns Naka Sensei an, mehr Kraft in den unterstützenden Arm zu geben. Es war ein klasse Effekt, der sich daraus generieren ließ! Ist ein Arm zur Unterstützung am anderen angelegt, so kann dies auch eine Vorbereitung für eine Angriffstechnik sein, da der unterstützende Arm ja schon „fast im Ziel“ ist. So übten wir seitliches Herausgleiten mit Uchi Uke, unterstützt vom anderen Arm, der mit der flachen Hand am Unterarm angelegt war und ließen den angelegten Arm anschließend zum Tsuki „ausfahren“. In der Folge wurde der Angriffsarm des Gegners gepackt und gedreht, der Angreifend zu Fall gebracht. Naka Sensei demonstrierte dies zur offenen Körperseite des Angreifers hin aus. Meiner Meinung nach ist aber da der andere Arm des Angreifers noch zu gefährlich. Vielleicht kann man auch zur geschlossenen Seite rausgehen, dann ist keine Gefahr mehr im Verzug. Torsten und ich haben hier beides ausprobiert und fanden die zweite Variante sicherer.
Wenn Blicke töten können – dann war vielleicht eine starke Blickwendung im Spiel! Durch die Blickwendung kann man nämlich die Körperenergie maßgeblich beeinflussen! Hierzu sollen wir nicht nur "aus den Augenwinkeln" zur Seite blicken, sondern den Kopf möglichst weit zur Seite drehen. Ich hatte mich schon gefragt, warum abweichend von dem, was ich früher gelernt habe, in den meisten Kata keine Blickwendungen mehr trainiert werden, mit Ausnahme der Kata aus der Tekki Gruppe! Es ist tatsächlich so, dass die Körperspannung besser ist, wenn der Kopf deutlich zu der Seite gedreht ist, zu der sich der Körperschwerpunkt verlagern soll!
Naka Sensei bleibt seinem Thema treu: Heute Nachmittag ging es wieder um das Thema der optimalen Schwerpunktverlagerung bzw. Kraftübertragung. Wir starteten mit einer Kihon-Vorübung im Stand, bei der wir Choku Tsuki auf einem Bein ausführten - das Bein auf der Seite des Tsuki stand fest am Boden und auf der Hikite-Seite hatten wir das Knie hochgezogen. Dies übten wir auch in der Vorwärtsbewegung, wobei Naka Sensei erneut die Methode, mit der Ferse zuerst aufzusetzen empfahl: Der Stand sei anschließend fester und kompakter, so der Sensei. Wichtig war hierbei auch, den Rumpf in der Horizontalachse zu komprimieren.
Geht's noch kompakter? Aber ja! Und zwar im Kosa Dachi! wir sollten aus Zenkutsu Dachi mit Gedan Barei vorwärts gehen und mit Oi Tsuki im Kosa Dachi landen. Vorwärtsgehen auch hier wieder mit der Ferse zuerst.
Diese Übung wurde ausgebaut zu Oi Tsuki in Kosa Dachi, anschließend den hinteren Fuß zurück setzen und Gyaku Tsuki. Hierbei war wichtig, dass wir den Druck vorne ließen (Sensei Naka zog zum Vergleich den Anfang der Kata Jion heran). Ging man jetzt mit dem nächsten Oi Tsuki vor, hieß es, den Gyaku Tsuki Arm kurz zurück zu ziehen und dann wieder für den nächsten Tsuki zu benutzen. Eigentlich wie immer bei Oi- und Gyaku-Tsuki-Kombinationen, vielleicht fiel es mir wegen der ungewohnten Tachi Waza in diesem Zusammenhang schwerer als sonst. Die erste Bahn (Kosa Dachi mit rechts vorne und Oi Tsuki mit rechts) bekam ich immer ganz gut hin, auf der Bahn zurück kam ich meistens durcheinander. Eine schöne Übung, die ich sicher im Dojo aufgreifen werde!
Doch wir waren noch nicht fertig mit dieser Kombination! Es folgte ein Oi Tsuki mit Kiri Kaeshi, wobei wir die Instabilität nutzen sollten, um mehr Geschwindigkeit zu generieren! Insgesamt also: vor mit Kosa Dachi und Oi Tsuki, hinteren Fuß zurück mit Gyaku Tsuki, Kiri Kaeshi und Oi Tsuki.
Dann ging es zum Partner/zur Partnerin: Zunächst wurden wir in Zweierreihen aufgestellt. Etwas ungewöhnlich war der Start: Die Reihen 1, 3, 5 und 7 sollten sich abknien und die Partner/innen sollten Mae Geri treten. Wohin - war nicht ganz klar - und vielleicht auch egal. Der kniende Partner bzw. die Partnerin sollte zunächst nicht als Ziel fungieren, vielmehr sollten sich die anderen wohl einfach ein bisschen "einschießen". Dann gabs natürlich auch einen Wechsel. In der Folge dann Kumite aus links vor Kamae mit Angriff Mae Geri, der/die andere ging raus mit Tai Sabaki / Suri Ashi und Gedan Barei, Konter Gyaku Tsuki. In der Folge hängten wir noch Kiri Kaeshi mit Oi Tsuki Jodan an. Später wurde aus dem Oi Tsuki ein Uraken und letztlich rundeten wir mit einem weiteren Gyaku Tsuki ab. Für den letzten Gyaku Tsuki passte die Distanz bei Torsten und mir leider nicht. Wir hatten halt versucht, das zuvor Gelernte umzusetzen und den Druck immer weiter nach vorne auszuüben. Entweder sitzt dann der erste Gyaku Tsuki und für den Rest ist man zu nah dran - oder für den Block mit dem ersten Gyaku Tsuki gleitet man weiter raus - dann passen zwar die letzten Techniken, aber der erste Gyaku Tsuki ist "verschenkt". Ich denke, wenn der Erst-Angreifer nach dem ersten Gyaku Tsuki etwas zurückweicht (was ja vielleicht auch ein normaler Reflex wäre), würde der Rest auch noch von der Distanz her passen.
Naka Sensei rundete die Einheit noch mit einer Viertelstunde Enpi ab, so dass heute Nachmittag vermutlich alle auf ihre Kosten kamen ![]()
"Last year wie did Jitte, this year we do ....." (Jitte
😉 ) Mit diesem Satz pflegte uns Okuma Sensei häufig zu motivieren aber in diesem Jahr ging das Gerücht, dass diese Kata von Ogane Sensei präsentiert würde. Dieser hatte nämlich das Pech, bei den All Japan Championships zwei Techniken zu vergessen und disqualifiziert zu werden. Und so kam es auch: Ogane Sensei startete mit einigen Kihon-Bahnen und zwar Oi Tsuki im Zenkutsu Dachi, Oi Tsuki im Kokotsu Dachi und Oi Tsuki im Kiba Dachi, um uns auf die Bewegungsbahn in der Jitte mit Kiba Dachi und Teisho vorzubereiten. Ogane Sensei führte dann den Beginn der 24 Zählzeiten umfassenden Kata so aus, wie wir es von Okuma Sensei schon kannten, nämlich die Hüfte erst Hanmi und dann Shomen. Wir sollten große Bewegungen machen, vor allem bei den ersten beiden Sequezen der Kata. Mit Partner/in übten wir die Kombination des Fumikumi in Verbindung mit Yama Uke (Uchi), wobei der Partner/die Partnerin darauf achten sollten, dass wir den Schwerpunkt möglichst spät drehten und nach vorne brachten. Ebenfalls mit Partner/in übten wir das korrekte Zählen der Kata. Schließlich wies uns Ogame Sensei noch auf die beiden "wichtigsten" Techniken der Kata hin: Manji Uke vor den abschließenden Age Uke - am "Wichtigsten" vor allem für ihn deshalb, weil das die beiden Techniken waren, die er beim Wettkampf vergessen hatte
🙂 Ich fand das sehr sympathisch und erfrischend, dass er diese Anekdote mit uns teilte. Zum Abschluss führten wir die Kata in zwei Gruppen und einmal gemeinsam aus. Kurzum: eine schöne Einheit mit einer weniger schönen Kata
Okuma Sensei lässt es krachen!
In der Pause munkelten wir schon, dass es jetzt aber mal Zeit sei für Kumite! Und das hatte sich wohl auch Okuma Sensei gedacht, denn abgesehen von einigen einleitenden Kihon-Bahnen gab es nun Partner/innen-Training! Zunächst ging es je fünfmal vorwärts mit Tsuki Jodan und rückwärts mit Age Uke und eigentlich sollte daraus Gohon Kumite werden. Aus Platzgründen ließ uns der Sensei dann aber nur Sanbon Kumite ausführen. Torsten und ich versuchten zunächst miteinander unser aktuelles Thema umzusetzen, nämlich den Tsuki gleichzeitig mit der Hüfte in Bewegung zu setzen. Dadurch kommt er schneller ins Ziel - optimaler Weise exakt mit dem Absetzen des vorderen Beines - oder vielleicht sogar ein Ideechen früher. Dann gab es fortwährend Partner/innenwechsel und es war mal wieder schön, so eine Vielfalt an Partner/innen erleben zu können mit allen Stärken und Schwächen, sich schnell auf neue Personen - größer, kleiner, schneller, langsamer, jünger, älter etc. - einstellen zu müssen. Häufig passte leider von Beginn an die Distanz gar nicht richtig, da die Partner/innen meist aus zu großer Entfernung angriffen. Ein Block war dabei eigentlich gar nicht nötig. Unsere Block-Konter-Reaktion sollte go-no-sen sein, also erst blocken, dann kontern. Als Kontertechnik bot Okuma Sensei uns Gyaku Tsuki und später auch Mae Geri an, wobei beim Mae Geri die Distanz bei vielen wohl nicht passte, was Okuma Sensei zum Anlass nahm, uns Tipps zu geben: Zur Vorbereitung des Mae Geri musste das vordere Bein gut belastbar sein (beim Gyaku Tsuki natürlich das hintere), wir sollten für den Tritt nicht hochkommen und falls wir das Gefühl hatten, für den Tritt zu nah dran zu sein, sollten wir versuchen, dies beim letzten Schritt zurück schon mit einer Art Suri Ashi auszugleichen und nicht - wie ich es bis dahin gemacht hatte - durch Zurückziehen des vorderen Fußes unmittelbar vor dem Tritt (wobei ich gestehen muss, dass das auch ganz gut funktioniert hatte
😉 ).
Als nächstes führte uns Okuma Sensei in die Welt der Samurai! Wir sollten uns vorstellen, der Angreifer/die Angreiferin habe eine Machete in der Hand, mit wir von oben herab geschlagen würden. Jetzt sollten wir versuchen, so schnell auf den Gegner / die Gegnerin zu reagieren, dass wir mit unserer Aktion den Angriff verhinderten, also mindestsens sen-no-sen. Hierzu sollten wir aus dem Shizen Tai den nahenden Gegner / die nahende Gegnerin z. B. mit Kizami Tsuki abschießen oder mit einem kraftvollen Mae Geri oder Yoko Geri. Mein Partner war eineinhalb Köpfe größer als ich und ich versuchte mit aller Kraft, ihn zu stoppen, was gelegentlich auch ganz gut gelang - hätte er aber echt eine Machete in der Hand gehalten, wäre ich vermutlich um zwei Arme und einen Kopf ärmer - ich würde sagen, wir hätten uns auf unentschieden einigen können
😉
Zum Ende der Einheit hin steigerte sich die Trainingsintensität noch einmal, als wir mit neuem Partner / neuer Partnerin folgende Übung ausführen sollten: vor mit Oi Tsuki und Gyaku Tsuki, Uke sollte den ersten Tsuki Jodan seitlich weg blocken und den Gyaku Tsuki von oben nach unten und nicht seitlich weg á la Gedan Barei. Ist ja einfach, dachte ich erst, aber ich erwischte mich doch tatsächlich dabei, wie ich den einen oder anderen Gyaku Tsuki zur Seite wegblockte. Also mehr Konzentration - und mehr Groundpower á la Andre Bertel Sensei! Und siehe da: Das Blocken der Gyaku Tsuki klappte immer besser! Etwas weiter wurde die Kombination final noch ausgebaut, als wir nach Oi Tsuki und Gyaku Tsuki noch Kizami Tsuki und Gyaku Tsuki angreifen sollten. Schade, dass dies schon ziemlich am Schluss der Einheit geschah und wir nicht mehr viel Zeit hatten! Bei vielen meiner Partner - und wohl auch bei mir - waren die Angriffe nicht mehr so präzise, es war häufig mehr ein Vorwärtsstolpern. Ziemlichen Respekt hatte ich vor der Begegnung mit Tobias Prüfert als Partner, den ich aus den Augenwinkeln schon hatte agieren sehen - schnell, stark und präzise! Aber in unserer Begegnung hat er mich netter Weise leben lassen, danke dafür
😉
Jetzt gleich gehts auf zur dritten Runde für heute. Mal schauen, was uns jetzt erwartet.....
:-)
Ogane Sensei, die Zweite!
Nach der Mittagspause überraschte uns Ogane Sensei mit einer weiteren Einheit! Wir starteten mit einigen Kihon Bahnen, bei denen wir unter anderem Gyaku Tsui aus Kokotsu Dachi und Kiba Dachi ausführen sollten. Danach ging es vor mit Mae Geri, absetzen mit Oi Tsuki, später zusätzlich Gyaku Tsuki. Vor dem Gyaku Tsuki sollten wir das Gewicht deutlich auf das hintere Bein verlagern. Die Bahn zurück ging es rückwärts mit Gedan Barei in Zenkutsu Dachi, selber Arm Age Uke, später auch noch Soto Uke. Diese Kombinationen setzten wir anschließend im Partner/innen-Training um, wobei wir als Angreifer/in weit vor- und als Abwehrende weit zurück gleiten sollten.
Anschließend folgte ein ziemlicher Paradigmenwechsel mit Kata Gankaku! Diese übten wir am Stück, in Etappen, gaaanz laaaangsam und ganz schnell (einschließlich der eigentlich langsamen Passagen). Auch Partner/innen-Übungen generierten wir aus der Kata, speziell aus den Anfangssequenzen bis zum Gyaku Tsuki und aus der Sequenz bis zur Drehung im Tsuro Ashi Dachi. Abschließend wurde die Kata noch in Gruppen und einmal gemeinsam ausgeführt.
Fazit: schöne, intensive Einheit!
Nach der Mittagspause überraschte uns Ogane Sensei mit einer weiteren Einheit! Wir starteten mit einigen Kihon Bahnen, bei denen wir unter anderem Gyaku Tsui aus Kokotsu Dachi und Kiba Dachi ausführen sollten. Danach ging es vor mit Mae Geri, absetzen mit Oi Tsuki, später zusätzlich Gyaku Tsuki. Vor dem Gyaku Tsuki sollten wir das Gewicht deutlich auf das hintere Bein verlagern. Die Bahn zurück ging es rückwärts mit Gedan Barei in Zenkutsu Dachi, selber Arm Age Uke, später auch noch Soto Uke. Diese Kombinationen setzten wir anschließend im Partner/innen-Training um, wobei wir als Angreifer/in weit vor- und als Abwehrende weit zurück gleiten sollten.
Anschließend folgte ein ziemlicher Paradigmenwechsel mit Kata Gankaku! Diese übten wir am Stück, in Etappen, gaaanz laaaangsam und ganz schnell (einschließlich der eigentlich langsamen Passagen). Auch Partner/innen-Übungen generierten wir aus der Kata, speziell aus den Anfangssequenzen bis zum Gyaku Tsuki und aus der Sequenz bis zur Drehung im Tsuro Ashi Dachi. Abschließend wurde die Kata noch in Gruppen und einmal gemeinsam ausgeführt.
Fazit: schöne, intensive Einheit!
TEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDANTEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDANTEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDANTEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDANTEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDAN .... alles im Kiba Dachi, ohne Übersetzschritte, so trainierten wir es bei Okuma Sensei am Nachmittag. Ich wusste es doch, dass es eine Tekki-Woche wird und dieser Eindruck hat sich auch zwischendurch immer wieder bestätigt! Heute Nachmittag ließ uns der Sensei dann mal unsere Oberschenkelmuskeln kräftigen durch eine gute halbe Stunde den eisernen Reiter spielen und auf dem imaginären Ross hocken! Die Tekki I-III wurden - ohne die Ausgangsstellung im Kiba Dachi zu ändern - mehrfach am Stück ausgeführt. Dann ging es - wie im Video sehr schön zu sehen - mit Partner/in weiter, wobei eine/r von beiden "student" war und der/die andere "master": "student" sollte die Kata "richtig rum" ausführen und "master" seitenverkehrt. Im nächsten Durchgang wurden die Rollen getauscht und getauscht und getauscht und noch einmal und immer wieder! Insgesamt war einschließlich Warmup über die Hälfte der Einheit herum, als wir ein neues Thema begannen. Aber das sei noch gar nichts, so Okuma Sensei! Er mache das sehr oft 10 Minuten, 30 Minuten oder auch mal eine Stunde lang am Stück (also nicht wie bei uns jetzt mit Hochkommen, Seitenwechsel etc.!). Das präge die Oberschenkelmuskulatur aus und sorge für Stabilität und einen guten Stand! Glaub ich gerne, jetzt wo ich es mal live im Ansatz ausprobieren durfte
😉 Hier einige Impressionen von dem Tekki-Training: https://www.youtube.com/watch?v=U0tD6RVO9hU
Damit wir aber in der Reiterstellung nicht nur die Arme bewegten, sondern auch ohne die Beine zu versetzen Ganzkörpertechniken ausführten, sei es wichtig, vor allem Rumpf und Hüfte mit einzusetzen. Und das war eine gute Überleitung für die anschließenden Partnerübungen, die auch "Zeilen" aus Sochin, Heian Sandan und Enpi "zitierte": Tori greift an mit Tsuki Jodan, Uke geht vor - ähnlich wie in der Sochin beim ersten Kiai - mit Block Nagashi Uke Jodan und gleichzeitigem Konter Uraken (oder auch Tsuki, wichtig war halt, zeitgleich mit dem Angriff vor und in den Gegner/die Gegnerin rein zu gehen, die Distanz zu verkürzen). Im weiteren Verlauf sollte Uke den Partner/die Partnerin am Schlag-Arm packen (am Besten vorne, Nähe Handgelenk und kurz vor der Schulter am Oberarm), den hinteren Fuß 90 Grad hinten rum versetzen (ähnlich wie bei der vorletzten Technik der Heian Sandan) und wie in Enpi landen - mit "Groundpower"!
Zum Abschluss der Einheit griff Okuma Sensei noch einmal den Tekki-Faden auf und spulte daraus eine Partner/innenübung ab, bei der der/die Abwehrende nur einen Arm für Block und Konter nutzen sollte: Tori greift an mit Kizami Tsuki, Uke blockt mit dem vorderen Arm den Schlag zur Seite und kontert direkt mit demselben Arm. Es folgt Chudan Gyaku Tsuki, Uke blockt den Schlag mit Hüfteinsatz (das vordere Bein wird dabei ein Stück herangezogen) nach unten weg und kontert wieder mit dem selben Arm. Hier war für mich leider wieder die Trainingszeit zu knapp, das hätte ich gerne noch etwas intensiver geübt. Aber man kann ja alle Übungen mit nach Hause nehmen und da intensiver trainieren.
Jetzt gibts morgen für uns noch eine Einheit Kata am Morgen. Was es wohl gibt? Naka Sensei? Und die Nijushiho hatten wir noch gar nicht ![]()
Jitte, Ji‘in, Jion - das waren die Kata des letzten Morgens beim diesjährigen Czech Gasshuku in Kadan. Die Reihen hatten sich schon deutlich gelichtet, als Naka Sensei heute mit Heian Sandan begann, die zu dem Kata-Triplet passt, da sie ähnliche Bewegungsmuster enthält. Der erste Fokus der Einheit lag dann auf der Ji‘in, die aktuell nicht mehr zum offiziellen Repertoire der JKA gehört. Bei der Bahn im Kiba Dachi mit Shuto Uchi schlug Naka Sensei vor, alternativ auch Teisho auszuprobieren. Ich meine mich zu erinnern, dass Naka Sensei vor zwei oder drei Jahren noch auf Teisho bestanden und uns nicht die Wahl gelassen hatte. Aber offenbar wird uns Karateka mehr und mehr Verantwortung übertragen, Techniken zu studieren und den Sinn dahinter zu erkennen. Ähnlich verhielt es sich nämlich bei der Frage, ob wir den Tetsui Uchi an der Schulter oder unter dem Arm ausholen: Beides scheint „erlaubt“ zu sein und hat Vor- und Nachteile - an der Schulter ausgeholt ist die Technik schneller, unterm Arm stärker.
Nachdem wir die Ji‘in in groben Zügen durchgegangen waren, ging es zur Jitte und schließlich zur Jion über. Naka Sensei klärte uns auf, dass die Jion ursprünglich die höchste dieser drei Kata gewesen sei und die Jitte am Anfang der Skala gestanden habe. Die Jitte ist mit 24 Zählzeiten die kürzeste Kata dieser Gruppe, gefolgt von Ji‘in (35) und Jion (47). Alle drei Kata übten wir dann noch in Fünfergruppen, wobei auch auf das korrekte Zählen geachtet werden sollte.
Zum Abschluss gab es noch zwei Durchgänge Ji‘in, bevor wir den Heimweg antraten.
Nachdem wir die Ji‘in in groben Zügen durchgegangen waren, ging es zur Jitte und schließlich zur Jion über. Naka Sensei klärte uns auf, dass die Jion ursprünglich die höchste dieser drei Kata gewesen sei und die Jitte am Anfang der Skala gestanden habe. Die Jitte ist mit 24 Zählzeiten die kürzeste Kata dieser Gruppe, gefolgt von Ji‘in (35) und Jion (47). Alle drei Kata übten wir dann noch in Fünfergruppen, wobei auch auf das korrekte Zählen geachtet werden sollte.
Zum Abschluss gab es noch zwei Durchgänge Ji‘in, bevor wir den Heimweg antraten.
Abonnieren
Posts (Atom)




