Dienstag, 23. Februar 2021

Selbstverteidigung top down oder bottom up - Teil II

Warum Frauen sich nicht (allein) auf Luisa verlassen sollten...


Ist Luisa hier? Es ist eine einfache Frage, die aber in einer schwierigen Situation helfen soll: Wenn Frauen sich beim Ausgehen sexuell belästigt fühlen. Ist Luisa hier?

Die Idee: Wenn eine Frau bedrängt wird, kann sie sich an die Mitarbeiter wenden und nach der imaginären Luisa fragen. Das Barpersonal soll dann helfen. Ein Taxi rufen, zum Beispiel. Oder an einem ruhigen Ort das weitere Vorgehen besprechen. Diese Idee ist zurückzuführen auf eine Kampagne des Frauennotrufs Münster, die Ende 2016 ins Leben gerufen wurde. Natürlich überlegte ich, ob ich das Luisa-Konzept in meine Eigenschutz-Kurse mit einbeziehen könnte. Ich entschied mich dagegen. Und dies aus folgenden Gründen: 

Die Methode ist für Frauen gedacht, die auf einer öffentlichen Party oder Disco, vielleicht auch beim Stadt-, Schützen- oder Betriebsfest belästigt werden. Dies ist meiner Meinung nach nur ein kleiner Bereich, in dem Frauen Schutz benötigen könnten - ich denke, es macht mehr Sinn, Lösungen anzubieten, die breiter, situationsübergreifend oder sogar grundsätzlich wirksam sind. 

Die Frau müsste in jedem Fall erst einmal die Gelegenheit bekommen, in die Nähe einer Theke zu gelangen, um das Barpersonal anzusprechen. Das wird vermutlich nicht immer möglich sein - vor allem nicht bei größeren Veranstaltungen oder wenn sich z. B. bei einem Stadtfest lange Schlangen an der Getränketheke gebildet haben.

Das Barpersonal muss geschult sein. Laut Seite des Frauennotrufs Münster sind bereits in zahlreichen Städten in Deutschland und auch in der Schweiz einige Lokale an der Aktion beteiligt. Aber was ist, wenn die Frau sich in einem anderen Lokal befindet oder z. B. auf einem Stadtfest? Bei der hohen Fluktuation des Personals im Gastgewerbe ist es vermutlich auch in den teilnehmenden Lokalen nicht immer möglich, ständig alle Personen über die Kampagne zu informieren. Schlimmstenfalls heißt es dann "Luisa? - Nee, kenn ich nicht." 

Oder die Bedienung hinter dem Tresen kennt die Kampagne, hat aber gerade drei Bestellungen zu erledigen und ist bemüht, den Überblick zu behalten - nicht immer kann dann sofort reagiert werden. Hat die Frau dann keine andere Möglichkeit erlernt, sich zu helfen, wäre das eine sehr unglückliche Situation. 

Ist zudem noch Alkohol im Spiel oder empfindet die Frau Angst, so kann dies Stress auslösen und die Abruffähigkeit vermindern, so dass der Frau vielleicht der Name Luisa nicht einfällt. 

Zudem haben ja inzwischen durch die groß angelegte Kampagne auch Männer von dem "Luisa-Code" gehört und das, was ja ursprünglich bezweckt worden war, nämlich, dass eine Frau unbemerkt und quasi auch in Gegenwart des Belästigers durch Nennung des "Codes" um Hilfe bitten kann, kann dann zumindest nicht mehr unbemerkt funktionieren. 

Ich denke daher, dass es sinnvoller ist, Frauen ein breiteres Repertoire für ihren Eigenschutz zur Verfügung zu stellen. Sie sollen in meinen Angeboten lernen,

- ihrer inneren Stimme zu folgen und ihrem Bauchgefühl zu vertrauen, wenn sie sich in Gegenwart eines Mannes (es kann natürlich auch eine Frau sein) nicht wohl fühlen 

- erwünschte Annäherung von Belästigung zu unterscheiden und ihre eigenen Grenzen zu definieren 

- die Fähigkeit zu entwickeln, sich abzugrenzen und in diesem Prozess kreativ zu sein 

- klar zu formulieren, was sie wollen und was sie nicht wollen

- ein sicheres Auftreten zu erlangen durch eine starke Stimme und eine selbstsichere Körperhaltung 

- einen Gefahrenradar zu entwickeln und zu wissen, in welchen Situationen sich welches Maß an Aufmerksamkeit empfiehlt 

- ihr Freizeitverhalten so zu gestalten und ggf. zu planen, dass sie sich weitgehend sicher fühlen (z. B. rechtzeitig zu überlegen, wie sie zu einer Party hinkommen und vor allem: nachts wieder zurück nach Hause)

- intuitive Selbstverteidigungs-Handlungen zu entwickeln

Die "Luisa-Kampagne" ist ganz unbestritten eine gute Gelegenheit, um auf den Umstand der sexuellen Belästigung im öffentlichen Raum aufmerksam zu machen - für den effektiven Eigenschutz ist sie m. E. aber nur sehr begrenzt einsetzbar. Es ist zudem ein "top down"-Konzept und damit sehr Kopf-gesteuert, da die Frauen in einer bestimmten, brenzligen Situation, die möglicherweise mit Angst und Stress behaftet ist, einen bestimmten Satz abrufen sollen. Aus meiner Sicht sollte Eigenschutz möglichst intuitiv und damit "bottom up" - als quasi "aus dem Bauch heraus" erfolgen. 

Ähnlich geht es mir mit dem Konzept aus Kinder-Kursen, bei dem ein "Passwort" zwischen Eltern und Kindern vereinbart werden soll, damit die Kinder nicht mit fremden Personen mitgehen. Die Personen sollten dann durch das Kind nach dem Passwort gefragt werden und nur wenn das richtige Passwort gesagt wird, geht das Kind mit. Ganz ehrlich? - Als Kind hätte ich in einer Situation, in der ich Angst habe, weil mich z. B. ein fremder Erwachsener anspricht, bestimmt nicht an so eine Frage gedacht! Und leider geschehen die meisten Übergriff auf Kinder nicht durch wildfremde Personen - sondern z. B. durch Verwandte, Lehrer*innen, Priester etc. Ich bezweifle, dass hier eine Passwort-Regel funktioniert. Es ist demnach wieder eine "top down"-Regel, die ich für unpraktisch halte. Meine Empfehlung: Das Kind geht grundsätzlich nicht mit fremden Personen mit. Sollte es Ausnahmen geben, müssen diese EINZELFÄLLE im Familienkontext vereinbart werden. 

Selbstverteidigung "top down" oder "bottom up"? - Teil I

In der Karateschule Fuji San Münster verfolgen wir ein ganzheitliches Eigenschutz-Konzept, das weit über die körperliche Selbstverteidigung hinaus geht. Wie es der Name der Schule vermuten lässt, liegt unser Ursprung im Karate. Karate ist eine asiatische Kampfkunst, die ihre Wurzeln in der Selbstverteidigung hat. Als Kampfkunst beinhaltet sie Basistechniken, Partner*innen-Training und Formenläufe (Kata). Dadurch unterscheidet sich Karate von Systemen, die ausschließlich den Verteidigungsaspekt fokussieren. Gelegentlich führt dies dazu, dass Karateka bei der Begegnung mit Personen, die in den Verteidigungssystemen zu Hause sind, belächelt werden, da unsere Techniken für die Verteidigung nicht wirklich tauglich seien. Von außen betrachtet mag dieser Eindruck nachvollziehbar sein. 

Im traditionellen Karatetraining liegt der Fokus zunächst auf dem Erlernen der Grundtechniken. Hier bietet Karate eine reiche Technikvielfalt an, die es ermöglicht, zu lernen, wie beinahe jeder Teil des Körpers im Verteidigungsfall als Waffe eingesetzt werden kann. Anschließend werden Grundtechniken in Kata (Formen) zusammengefügt, so dass eine Art Kampfkunst-Choreografie entsteht.  Das Partner*innen-Training ist anfangs stark stilisiert, so dass ein offenkundiger Bezug zur realen Selbstverteidigung schwerfallen mag. Die Kata können in einzelne Elemente zerlegt und zu für die Selbstverteidigung nützlichen Sequenzen zusammengefügt werden. Diese anwendungsorientierte Formen-Analyse steht bei Anhänger*innen von reinen Kampfsystemen gelegentlich in der Kritik: Es wird unterstellt, Karateka konstruierten sich die Realität passend zur festgelegten Abfolge der Form. Diese Vorgehensweise wäre dann komplett kopfgesteuert, also "top down" (von oben - vom Kopf - nach unten - in die Anwendung, in die Realität oder auch in die Intuition). Es ist tatsächlich ziemlich unwahrscheinlich, dass ein realer Angreifer einige Angriffstechniken so platziert, dass sie z. B. zu den (stilisierten) Techniken Nr. 1-5 aus der Kata Bassai Dai passen. Gleichwohl werden mögliche Bewegungsfolgen durch diese Trainingsform eingeübt, die es ermöglichen, in einer körperlichen Auseinandersetzung einen "Flow" zu entwickeln, der nicht nach einer Technik aufhört. Zweifellos darf das Einüben möglicher Abfolgen nicht dazu führen, dass ausschließlich bestimmte Techniksequenzen automatisiert werden und nichts anderes in Frage kommt! Dies würde genau das Gegenteil dessen auslösen, wofür meiner Meinung nach das aus den Kata generierte freiere Training gedacht ist - es würde Flexibilität einschränken, statt sie zu erweitern! 

Allerdings hat das Kampfkunst-Training noch einige andere Elemente, die einen möglichen top-down-Charakter ausgleichen oder zumindest ergänzen können. Viele Karate Dojos bieten zusätzlich zu ihren Karate-Trainings gesonderte Selbstverteidigungs-Trainings an. Leider haben diese dann meistens gar keinen Bezug zu dem Technik-Repertoire in den Karate-Stunden! Diese Diskrepanz tritt umso mehr auf, je mehr das Training in den Dojos auf das reine Absolvieren von Prüfungsprogrammen beschränkt ist. Darum ist es meiner Meinung nach wichtig, möglichst in jedem Training einen direkten Bezug zwischen der stilisierten Trainingsform und der Realität herzustellen. Ich persönlich achte regelmäßig darauf und setze ein hohes Augenmerk auf den Transfer zwischen Kampfkunst und Realität. Dies geschieht unter anderem auch durch Schlagkissentraining und Trainingselemente zur Abhärtung des Körpers, aber auch taktische Trainingselemente wie "niemals am Boden liegen bleiben", Flucht üben nach einer erfolgreichen Abwehr etc. Und ganz besonders üben wir, auf die Intuition zu achten - was wäre mein erster Impuls und warum? Wie schaffe ich es vielleicht, Angst in konstruktive Aggression umzuwandeln und eine Schreck-Starre zu verhindern? Trainingselemente wie diese sorgen dafür, dass das Training auch "bottom-up" funktioniert - also vom Bauchgefühl in die Technik. 

Als Fazit lässt sich aus meiner Sicht zusammenfassen, dass Karate sehr gute Voraussetzungen für effektive Selbstverteidigung bietet - wenn in den Trainings neben dem reinen "top down"-Techniktraining auch regelmäßig und ausreichend "bottom up" trainiert wird. Regelmäßiges und intensives Karate-Training bietet mit diesem ausgewogenen Mix aus "top down" und "bottom up" gute Voraussetzungen für ein selbstsicheres Auftreten und für die Möglichkeit, sich zu schützen. Zugleich ist Karate durch die Trainingsdisziplin und die permanente Arbeit an sich selbst ein Lebensweg, der die Fähigkeit der Selbstreflexion stärkt und für Ausgeglichenheit sorgt und auf diesem Weg die Fähigkeiten, mit Konflikten konstruktiv um zugehen und sie ohne Gewalt zu lösen, stärkt. 

Wer sich allerdings - z. B. aus beruflichen Gründen - schnell und gezielt auf spezielle Selbstverteidigungssituationen vorbereiten will oder muss, dem könnte das traditionelle Shotokan-Karate-Training nicht zielgerichtet genug sein und der Erfolg mag zu lange auf sich warten lassen. Da bieten sich vielleicht eher Konzepte wie Street Combatives an, welches ich sehr empfehlen kann. Allerdings stellt sich auch hier der Erfolg nicht auf Knopfdruck ein und es muss regelmäßig und konsequent trainiert werden. 





Samstag, 25. Juli 2020

Training "Starke Kinder bei Schulbeginn und Schulwechsel"

Ziel: Förderung der Konzentration, des Körperbewusstseins, der Aufmerksamkeit, der Wehrhaftigkeit

- Link-rechts-links: Vor dem Überqueren einer Straße müssen Fußgänger*innen den Straßenverkehr beachten. Hierzu bleibt man am Straßenrand stehen und blickt erst nach links, dann nach rechts, dann noch einmal nach links. Wenn die Straße frei ist, kann sie überquert werden.

Im Training üben wir das so:
Vorbereitung / Warmup auf der Stelle (Corona) mit Laufen und Hampelmann, danach Tsuki und Keri

Anschließend war die Koordinationsleiter ausgelegt und davor im Abstand von ca. 1,5 m die kleinen Handpratzen (eine oder zwei mehr als Kinder im Training sind).

Die Kinder nehmen je Aufstellung neben einer Pratze, ein Kind kann sich schon an die erste Sprosse der Leiter stellen.
Nun läuft das erste Kind durch die Leiter, die anderen Kinder haben die Aufgabe, sehr aufmerksam zu sein und sofort wenn die Pratze vor dem Kind "frei" wird, aufzurücken (wie beim "Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel" ein Feld vorzurücken); zwei oder drei Durchgänge, bis das klappt.

Anschließend an der Pratze stehend Blick zum Spiegel ausrichten. Die Kinder werden gefragt, wo "links" ist. Bei uns in der Karateschule wissen alle Kinder "da, wo das Logo auf der Jacke ist, da ist links". Die Kinder üben dann, den Kopf abwechselnd nach links und rechts zu drehen. Im Folgenden heißt es dann: "Links, rechts, links" und dann wieder den Kopf gradeaus zum Spiegel - das wird ca. 10 Mal wiederholt. Es wird erklärt, warum es wichtig ist, erst nach links zu blicken und vor dem Losgehen noch einmal: Durch den Rechtsverkehr in Deutschland kommen die Autos, die dem Kind am Straßenrand am nächsten sind, von links.

Dann drehen sich an ihrer Pratze wieder alle in Richtung Leiter und das erste Kind geht zur ersten Sprosse. Nun blickt es nach links-rechts-links, bevor es über die "Straße" (in Form der Leiter) laufen darf. Die anderen Kinder haben weiter die Aufgabe, aufmerksam zu sein und immer aufzurücken; drei Durchgänge. Wenn wir feststellen, dass die Kinder nur "mit dem Kopf wackeln" und gar nicht richtig zur Seite blicken, können sich die Trainer*innen an die Seiten hocken und - wenn die Kinder schauen - lustige Grimassen schneiden :-)

Verschärfung: Die Kinder sollen lernen, ihre Aufmerksamkeit auf die Straße zu richten, auch wenn eine Freundin ruft oder ein süßer kleiner Hund auf dem Gehweg entlang geht. Wir üben weiter an der Leiter: Ein Kind steht an der ersten Sprosse - Aufgabe ist weiter, links-rechts-links zu schauen und dann die Leiter zu durchqueren, ohne die gelben Leisten oder die grüne Schnur am Rand zu berühren.  Es ist das Ziel, sich nicht ablenken zu lassen! Ablenkung wird bei dieser Übung nun dadurch hergestellt, dass alle anderen Kinder mit ihrer Pratze am Rand der Leiter im Abstand von ca. 1 m zur Leiter und 1,5 m voneinander Aufstellung nehmen, so dass das durch die Leiter laufende Kind quasi einen Spießrutenlauf erlebt. Die Kinder am Rand können
- bei der Pandagruppe einfach nur "da stehen"
- bei der Fuchsgruppe Hampelmann machen, Tsuki machen oder Mae Geri
Mit den Kindern sollte auch intensiv besprochen werden, welchen Zweck die Übungen haben, damit der Transfer von der Laborsituation im Dojo zur Realität gelingt.


Mittwoch, 22. April 2020

Tokugawa Tsunayoshi - der Hunde-Shogun

Foto: Wikipedia
In der Dojo-freien Corona-Zeit beschäftige ich mich grade über verschiedene Medien mit dem Leben der Samurai. Hierzu habe ich mir ein E-Book zugelegt (Die Samurai von Wolfgang Schwentker, Beck-Verlag) und es gibt eine kurzweilige, dreiteilige Doku bei ZDF Info via youtube Doku Samurai 2015 - Japans Krieger. Hier wird in Teil drei der Shogun Tokugawa Tsunayoshi erwähnt, der von seinen Zeitgenossen den Spitznamen "Hunde-Shogun" erhielt.

Tsunayoshi war ein Urenkel des Dynastie-Begründers Tokugawa Ieyasu, der nach dem Sieg bei der Schlacht von Sekigahara im Jahre 1600 Japan von der so genannten Sengoku-Zeit ("Zeit der kriegführenden Lande") in die Edo-Zeit überführte (benannt nach der Hauptstadt Edo, heute Tokio). Die Edo-Zeit beinhaltet die längste Friedenszeit der japanischen Geschichte, die über 250 Jahre andauerte. Die Kultur der Samurai änderte sich in diesen 250 Jahren grundlegend, da kriegerische Einsätze nur noch sehr selten vorkamen. Gleichwohl war es üblich, dass die Tokugawa Shogune eine Samurai-Ausbildung erhielten - so auch Tsunayoshis älterer Bruder, der für das Amt des Shogun vorgesehen war. Tsunayoshi selbst wurde nicht kriegerisch ausgebildet und nicht auf politische Ämter vorbereitet, sondern genoss eine allgemeinere Schulbildung, geprägt von den Lehren des Buddhismus und des Konfuzianismus.

Als Tsunayoshi nach dem frühen Tod seines Bruders das Amt des Shogun übernahm, führte dies daher zu einem Wandel der japanischen Gesellschaft: Tsunayoshi waren Bildung und Kultur wichtiger als kriegerische Heldentaten und Kriegsherren, die seine Gunst erringen wollten, konnten sich eher durch die Förderung der Künste und des Buchdrucks hervortun, als durch martialisches Kräftemessen. Die Regentschaft Tsunayoshis wurde somit zu einer Zeit der kulturellen Blüte Japans.

Auch wenn er einerseits durchaus ein machtbewusster Politiker war, der nicht davor zurückscheute, intrigante Einflussgeber beseitigen zu lassen, verurteilte Tokugawa Tsunayoshi bedingt durch seine Erziehung Gewalt grundsätzlich. So erließ er unter anderem die "Gesetze zum Mitleid gegenüber Lebewesen" (Shōrui Awaremi no Rei). Dieses Gesetz schützte erstmals z. B. auch Menschen aus den unteren Schichten, speziell auch Kinder. Zur damaligen Zeit war es nicht unüblich, dass Familien, Kinder, die sie nicht ernähren konnten, aussetzen. Diesen Kindern drohte meist ein hartes Schicksal, oftmals mussten sie schlichtweg verhungern! Tsunayoshi verfügte, dass sich Beamte um die Kinder sorgen und ihnen ein neues Zuhause finden mussten.

Tsunayoshi war im Jahr des Hundes geboren. Ob dies nun den Ausschlag gab, dass ihm besonders auch das Wohl der Hunde am Herzen lag? Jedenfalls erließ der Schogun auch ein striktes - und für damalige Zeiten vermutlich höchst ungewöhnliches - Gesetz zum Schutz von (und vor) Hunden: Viele der Samurai hielten nämlich zahlreiche Hunde in ihren Palästen. Oftmals entliefen die Tiere oder wurden ausgesetzt, so dass eine große Anzahl frei herumlaufender Hunde Edo unsicher machte und vor allem auch schutzlose Kinder angriffen und verletzten. Manch anderer Herrscher hätte die Tiere vermutlich einfangen und töten lassen, um der Plage Herr zu werden. Nicht so Tsunayoshi: Er verfügte, dass die Tiere eingesammelt und in Heimen für Hunde untergebracht und gefüttert werden sollten. Die Daimyo Edos mussten für die Kosten aufkommen. Wenn Hunde starben, so sollten sie in die Berge gebracht und dort begraben werden - nicht weniger aufwendig als Menschen. Der Legende nach beschwerte sich einst ein Bauer, der seinen Hund beschwerlich in die Berge tragen musste, darüber gegenüber seinem Nachbarn. Dieser soll geantwortet haben: "Sei froh, dass der Shogun im Jahr des Hundes geboren ist! Wäre er im Jahr des Pferdes geboren, hättest Du noch viel schwerer zu tragen." Dieses für damalige Zeiten ungewöhnliche Gesetz zum Wohle der Hunde brachte Tokugawa Tsunayoshi den Spitznamen Hunde-Shogun (Inu Kubō) ein.

Der Schutz der Schwachen hatte aber ihren Preis und so stiegen die Staatsausgaben unter Tokugawa Tsunayoshi weiter an. Das Shogunat hatte ohnehin schon mit hohen Ausgaben zu kämpfen, da das Aufrechterhalten der Kriegerkaste, die aus Mangel an kriegerischen Auseinandersetzungen im Grunde überflüssig geworden war und nur zum Teil durch Verwaltungsaufgaben beschäftigt werden konnte, immense Kosten verursachte. Brände, Missernten und Erdbeben belasteten Japan in dieser Epoche zusätzlich. In die Zeit der Regentschaft Tokugawa Tsunayoshis fielen übrigens auch die Ereignisse der 47 Ronin, die im buddhistischen Tempel Sengaku-ji in Tokio begraben sind.

Montag, 20. April 2020

Kakuyoku Nidan

Kakuyoku Nidan

Im Shizen tai Hände vor dem Körper mit den Fingerspizen zueinander und den Handflächen nach oben zeigend zusammen (leicht bis Brustkorb mit dem Einatmen hochziehen, dann rechten Fuß nach vorne in ZK und Arme fast strecken, geöffnete Hände (Handflächen Richtung Boden) etwa auf Kopfhöhe, Finger berühren sich nicht, aber zeigen etwas zueinander.

Vorrutschen und Hände runderziehen und kraftvoll drehen zu doppel Shuto Uchi auf Brusthöhe, nochmal vorrutschen und mit den aufgestellten Handkanten / mit dem Handballen nach vorne stoßen

Wendung nach links mit Neko Ashi dachi links vor, linken Arm vor, Hand aufgestellt, beide Hände geöffnet. Rechte Hand ist aufgestellt an der rechten Schulter. Hände Wechseln (Stoß mit der aufgestellten Hand) und nochmal wechseln, Stoß mit der linken Faust, aber Tate tsuki, als Faust senkrecht – dasselbe zur anderen Seite. 

Im Stand mit dem linken Arm zur linken Seite Shuto Gedan Barei, Unterarm hoch, mit Teisho, Handfläche zur Decke zeigen lassen, Finger angezogen. 

Körper mitdrehen, Füße bleiben stehen, und zweimal Tsuki

Rechts vor ZK mit offenen Handflächen blocken, rechte Hand nach vorne und linke am Kopf
Dann links vor Neko Ashi Dachi und Hände wechseln
Rechte Hand stößt vor, dabei Vorgleiten in Gy ZK, Treffen mit der Handaussenkante, dann nochmal dopplten Tate Tsuki. 

Im Stand nach rechts Shuto Gedan Barei
Hinteren Fuß halb ranziehen (Mischung aus Heiko Dachi und Renoji Dachi) und rechten Arm hoch in Jodan Uchi Uke mit offener Hand. Enpi mit links, dabei Faust in die Hand zur Verstärkung.

Im Stand mit links Shuto Gedan Barei, hinteres Bein ranziehn, Jodan Uchi uke, Empi

Dann rechts rum drehen Füße Heisoku Dachi (ganz zusammen) und Arme seitlich doppelter Gedan Barei (wie in Jion). Vor wie in Jion

Dann zurück mit doppeltem Age Uke und links vor Neko Ashi DAchi.

Vorderen Fuß absetzen, hinteren ransezten, dabei Hände an die Hüfte und mit links Mae Geri, vorne Absetzen mit Doppel Tate tsuki

45 Grad vor in KB mit Shuto Uchi rechts vor, vorderen Fuß ranziehen in Neko Ashi Dachi , Hand Kakuyoku Uchi, vorderes Bein Mai Geri, absetzen links vor Oi Tsuki

Von da mit dem linken Bein und Arm KB Shuto Uchi und dasselbe zur anderen Seite , man steht schließlich rechts vor mit Oi  tsuki im ZK

Vorderes Bein umsetzen in KB mit Shuto Uchi, Arm groß ausholen und Otoshi Shuto Uchi (von oben wie ein Hackebeil). 

Hinten rum drehen in Neko Ashi Dachi mit Shuto Gedan Barei,  Umsetzen in ZK Gedan Nukite, Jodan Gegenbewegung (wie Heian Godan). Vorderen Fuß etwas ranziehen, mit dem linken Arm Shuto Uchi Jodan, oi tsuki

Vordern Fuß ranziehen und umdrehen und in die andere Richtung dasselbe

Das rechte, hintere Bein, stehen lassen und einmal hinten rum drehen, links vor Neko Ashi Daschi Shuto Gedan Barei, Arm Hochklappen (Hand gehöffnet). Kizamitsuki und vor ZK absetzen Gyaku Tsuki
























Kakuyoku Shodan

Kakuyoku Shodan

Im Shizentai beide Arme von außen nach oben führen, Hände geöffnet, rechte Hand ist vorne

Rechtes Knie hochziehen, Fuß flex, rechte Hand gedan Shuto Uke, Blick nach rechts, linke Faust Hikite

Rechten Unterarm hoch mit geöffneter Hand, rechtes Bein absetzen in ZK mit mit Jodan Nukite (oder Heito Uchi?)

Zur anderen Seite genauso

Linkes Bein ransetzen, mit rechts vor Neko Ashi Dachi, offene Hände dabei überkreuzt und Kakiwake Uke mit offenen Händen

Zweimal Suri Ashi vorgleiten in Neko Ashi Dachi mit Block, Handaußenkante (Seiryoto Uchi?), dann noch einmal vorgleiten, Arme groß auf Kopfhöhe ausholen und doppel Heito Uchi Jodan 

Auf dem vorderen Bein um 270 Grad drehen in Neko Ashi Dachi mit Kakuyoku Block (Handrücken oben), Mae Geri, Fuß wieder im Neko Ashi Dachi absetzen, dann mit demselben Fuß nach vorne absetzen in ZK mit Mawashi Empi in die offene Hand

Rechten Fuß versetzen in KB mit Blick zur Ausgangsposition (rechts rum, kleine Viertelwendung), dabei mit rechts Tate Shuto Uke, dann links Mawashi Empi, rechte Hand geht Hikite (nicht in die Hand stoßen). 

Wendung wieder zurück nach links, linken Arm ausstrecken, linken Fuß in Heiko Dachi, Yoko geri Kekomi, dabei linke Hand Hikite, Absetzen ZK mit Gy Ts

Wendung 180 Grad, mit rechtem Arm Kakuyoku Block und das ganze zur anderen Seite 

Füße so stehen lassen, und auf der Stelle Wendung 180 Grad, rechte Hand Heito Uchi, links wie Uchi Uke

Rechts vor mit rechts Gedan Barei, links oi tsuki

Links vor Juji Uke, dann Arm tricherförmig auseinander (wie Anfang Hokkyokuko) und vor doppel Nukite (Heito)

Vorderes Bein stehen lassen, hinten rum drehen in Neko ashi dachi links vor mit rechts kakuyoku block, handfläche nach oben, vor in ZK mit Age Empi Jodan und im Stand Heito, dann einen Schritt vor Oi tsuki mit rechts

Vorderes Bein am hinerteren vorbei – große Wendung, mit rechts vor stehen, kakuyoku Block, Empi, Heito, oi Tsuki
Vorderen Fuß zurück ziehen und neben den anderen stellen in Kiba Dachi mit links Heito Uchi,

Im Stand den linken Arm nach unten vor den Körper und den rechten nach oben (quasi überkreuz)

Beide Füße etwas zusammen ziehen, beide Arme nach oben, Handflächen offen und nach vorne
Zurück gleiten in Neko ashi dachi, rechter Fuß vorne, Arme dabei runterstoßen

Arme zur Seite wie doppel Gedan Barei mit offenen Händen

Hände vorstoßen und vorrutschen in Neko Ashi dachi (wie Ende Gojushiho Sho

Rakuyo

Rakuyo 

1.     Li vor Sochin Dachi, re Arm Mawashi Empi vor den Kopf, linker Arm holt mit geöffneter Hand vor der Stirn aus und zieht seitlich rechts an den Kopf (wie Tigerkralle oder als wenn man jemanden zieht)
2.     Linken / vorderen Fuß nach hinten führen (große Wendung), Arme wechseln
3.     Re Fuß nach re setzen, mit re Tate Shuto Uke, dann mit links gyaku mawashi empi
4.     Mawate, genauso
5.     Nach vorne, genauso (die drei Bewegungsrichtungen sind ähnlich wie in der Unsu)
6.     Wendung nach hinten, hinteren Fuß ranziehen, so dass man im Heiko Dachi steht, linken Arm gestreckt (Shuto Uchi)
7.     Drehung in dieselbe Richtung aber hinten rum, Landung mit rechts im zk mit age yoko empi (ähnlich wie in Nijushiho, aber schneller)
8.     Blickwendung 180 Grad (nach vorne), Knie hochziehen, rechten Arm mit geöffneter Hand (Ellenbogen zur Decke, Finger zeigen schräg nach unten), linker Arm schräg nach unten, eine Linie mit dem oberen Arm bildend
9.     Absetzen in ZK mit re Shuto Uchi (Handfläche nach oben zeigend), links Ellenbogen nach vorne, Oberarm nach oben geklappt, Faust zeigt zum Kopf 
10.  Links uraken
11.  Rückwärts um das vordere Bein drehen 45 Grad nach vorne mit Uraken absetzen mit rechts Uraken, Kizami tsuki mit demselben Arm, Hüfte weiter ausdrehen
12.  Hinten rum drehen, Richtung beibehalten, zk mit rechts Shuto Uchi
13.  Sprungwechsel, Landung mit li vor oi tsuki in zk
14.  Mae geri hinten absetzen mit gyaku tsuki
15.  Hinten rum drehen und in V Richtung zur anderen Seite dasselbe
16.  Hände öffnen, re seitlich vom Körper führen, rechte Hand nach vorne oben und um das vordere (linke) Bein herum drehen, in der Endposition ist der linke Arm gestreckt, Handfläche aufgestellt, der rechte Arm ist mit aufgestellter Handfläche neben der rechten Brust
17.  Gyaku tsuki mit offener Hand (rechts)
18.  Vorderes Bein versetzen und Wendung, Hände wechseln, nochmal gyaku tsuki im Stand
19.  Um das vordere Bein herum drehen, ZK mit Uraken, gyaku tsuki – Kiai
20.  Wendung um 180 Grad, Hände ähnlich Bassai Sho, Landung in Neko Ashi Dachi, re vor
21.  Re vor zk, gestreckter Arm mit Koko Uchi
22.  Hinten rum drehen 180 Grad, Landung mit Shuto Gedan Barei, dabei das linke Bein beugen, rechtes Knie am Boden
23.  Wendung hinten rum, 360 Grad, Landung in Zk Mit Age Empi
24.  Wendung 360 Grad, Landung in KB mit Empi, 180 Grad umsetzen in ZK Gyaku Tsuki
25.  Drehung (große Wendung) 180 Grad, KB Empi, 180 Grad umsetzen Gy Ts
26.  Wendung auf der Stelle mit re Arm Tate Shuto Uke (Haltung nah am Körper wie Uchi uke), li Faust vor dem Körper
27.  Linken Fuß versetzen und umdrehen in Heiko dachi, so dass der Blick wieder nach vorne geht, linken Arm nach oben nehmen in Jodan Uchi Uke mit geöffneter Hand (Hand oberhalb Kopf)
28.  Drehung Oberkörper weit nach rechts, mit Rechts einen von oben auf den Brustkorb des gedachten Gegners stoßenden Empi
29.  Drehung  zurück und einen Schritt mit re vor zur seite mit Empi, 
30.  Hinten rum drehen mit Heito Uchi, anderer Arm Hikite (ähnlich Nijushiho vor erstem Kiai, nur eben mit Hikite
31.  Dasselbe zur anderen Seite, bis li vor Heito
32.  Vorderen, linken Fuß, nach links umsetzen in KB mit Uraken (Ausrichtung nach vorne)
33.  Wendung 180 Grad, ZK Age Empi
34.  Wendung nach vorne, in Neko Ashi Dachi, li vor, linken Arm uraken 
35.  Vorderes Bein Mae Geri, vorne wieder absetzen (Stellung nicht verändern)

36.  Bein nach vorne stoßen mit Gyaku Tsuki – Kiai