Mittwoch, 11. Juli 2018

Czech Gasshuku 2018

Ich ahne: Dies wird eine Tekki-Woche! Wir starteten heute früh um acht mit einem Training bei Richard Ruzicka Sensei und Tekki Shodan, bei dem keine didaktischen und methodischen Wünsche offen blieben! Sehr gut und dekuji, Richard Sensei! 
Es folgte Okuma Sensei mit Tekki Shodan und Tekki Sandan. Die Tekki Nidan hatte er nur am Rande gestreift mit dem Hinweis, dass wir diese bei Naka Sensei noch ausführlich thematisieren würden. Okuma Sensei legte zunächst mal einen großen Fokus auf die Verbindung zwischen Ober- und Unterkörper. Wir übten zunächst Kizami Tsuki / Gyaku Tsuki in einem verkürzten Zenkutsu Dachi - also in relativ bequemem Stand mit Fokus auf die Armtechiken. Später forderte Okuma Sensei allerdings von uns auch sehr intensiv Tachi Waza und hier vor allem den für die Tekkis typischen Kiba Dachi: Wir führten mehrere Durchgänge Tekki I und III im Wechsel und ohne Pause im Kiba Dachi aus, wobei wir die Füße an der Stelle ließen, uns nur auf Arme, Rumpf, Hüfte und Blick konzentrieren sollten. Etwas verwirrend fand ich zuweilen die Zählweise, weil wir ja keine Schritte ausführten, jeder in den Kata vorkommende Schritt aber mit einer Zählzeit bedacht wurde. Es konnte also sein, dass 1-2-3 gezählt wurde, ohne dass wir uns bewegten. Am Ende entwickelte Okuma Sensei mit uns noch eine Partner/innen-Übung aus Tekki-Kombinationen, bei der die Gleichzeitigkeit von Block und Konter im Vordergrund stand: Tori griff an mit Oi Tsuki aus größerer Distanz und Uke zog den vorderen Fuß kurz zurück (Kiri Kaeshi), um dann einen Schritt nach vorne zu gehen mit links Gyaku Haiwan Nagashi Uke Jodan und gleichzeitigem Oi Tsuki (Höhe relativ egal, zunächst Chudan, aber auch Jodan möglich, in der Kata eher Gedan). Wichtig war dem Sensei, dass wir nicht seitlich auswichen, sondern gradeaus in die Gegnerin / den Gegner rein gingen. Diese Übung bauten wir noch aus mit dem Gedanken, dass Folgetechniken immer eine Option sein sollten: Nach dem Konter wieder kurz zurück in Kamae und Gewicht etwas nach hinten verlagern, dann einen neuen Angriff von derjenigen oder demjenigen, die/der vorher abgewehrt und gekontert hatte.

Hier gibt es ein kleines Video von Davide Galli: Czech Gasshuku Trainingsimpressionen

Ohne Iki läuft nix :-)
Das war heute mal eine schöne neue Erkenntnis im Training bei Naka Sensei! Es war bereits das dritte Training dieses Tages und ich hätte ja auf eine weitere Tekki-Einheit gewettet! Gut, dass ich es nicht getan habe, denn ich hätte wohl verloren. Zwar starteten wir mit Seitwärtsbewegungen im Kiba Dachi - aber das war dann Tekki-mäßig auch schon der größte gemeinsame Nenner. Offensichtlich war der Meister nicht mit unseren Bewegungen einverstanden, denn nach ein paar "Runden" ließ er uns zusammen kommen und enthüllte uns den Kern der heutigen Einheit: Wir sollten bei allen Karatebewegungen den Fokus legen auf Körperhaltung, Atmung und Schwerpunktverlagerung. 
Zur Körperhaltung wiederholten wir einige der Übungen, die Naka Sensei auch bei anderen Lehrgängen bereits angeleitet hatte - und die mit jedem Mal mehr Sinn ergeben, besser funktionieren: Angefangen mit dem achtsamen Niederknien, dem sorgfältigen Verbeugen und dem korrekten Sitz im Seiza - wenn das Becken in der korrekten Position ist, kann man sich erheben, obwohl jemand von oben mit großer Kraft auf die Schultern drückt. 
Es folgte eine Überleitung zum Neko Ashi Dachi, bei dem wir vorwärts gehen sollten, in dem wir den Fuß zunächst mit der Ferse aufsetzen. Das war sehr ungewöhnlich und als wir damit die Taikyoku Shodan ausführten, musste ich ganz schön überlegen! Diese Art, sich zu bewegen, also über das vorzeitige Absetzen der Ferse einen guten Stand und eine gute Haltung zu generieren, übertrugen wir dann nochmal auf die Kiba-Dachi-Seitwärtsbewegung und achteten hierbei auf die korrekte Schwerpunktverlagerung. Haltung hat aber nicht nur etwas mit Körperkraft zu tun, sondern auch etwas mit der inneren Einstellung. Es sei wichtig, diese innere Einstellung in der äußeren Haltung wiederzuspiegeln, so der Sensei. 
Einen großen Einfluss auf die Haltung hat schließlich auch die Atmung. Ich muss gestehen, dass mir der japanische Name für Atem bis heute nicht bekannt war: Iki! Wie schön! Ich weiß nicht, wieviele meiner heutigen Karatefreunde es wissen, aber Atem auf japanisch klingt genauso wie mein Spitzname aus Jugendzeiten und meinem ersten und zweiten Karateleben, der sich allerdings Icky schreibt. Erst in den letzten Jahren habe ich mich mehr und mehr von diesem Namen verabschiedet und mich mit Andrea vorgestellt bzw. wurde einfach "Pandachen" genannt ^^ ;-) Eins steht fest, den japanischen Namen für Atem werde ich jetzt nicht mehr vergessen :-)
Naka Sensei ließ uns die drei Prinzipien dieses Nachmittags dann noch ausgiebig mit der Kata - nein, keine Tekki, sondern: Gojushiho Dai üben.

Tekki Nidan mit Naka Sensei
Wie von Okuma Sensei bereits angekündigt gab sich heute Naka Sensei mit Tekki Nidan die Ehre. Zu Beginn der Einheit griff Naka Sensei thematisch den roten Faden des Vortages wieder auf, in dem er uns im Kiba Dachi seitwärts bewegen ließ, mit Fokus auf die Schwerpunkverlagerung durch das Absetzen der (hinteren) Ferse, also der Ferse des übersetzenden Fußes. Anschließend führten wir die Seitwärtsbewegung mit hochgezogenem Knie aus. Beim Übersetzen des Fußes sollten wir darauf achten, zunächst den Ballen aufzusetzen, nicht die Fußaußenkante. Mit dem Absetzen der Ferse folgt dann wieder die Schwerpunktverlagerung. 
Zur Kata gab es zahlreiche interessante Details: So sollten wir als dritte Armbewegung nach dem Hasami Uke beide Arme im Bogen seitlich in den Chudan Block bzw. Kage Tsuki bewegen. Intuitiv hätte ich beide Techniken bisher eher seitlich gestoßen. Eine Anwendung für den Empi, der in dieser Kata über die Mittelachse des Körpers gestoßen wird, übten wir später als Gelenkhebel. An mehreren Stellen kommen in der Tekki Nidan durch einen zweiten Arm unterstützte Blocktechniken vor. Hier wies uns Naka Sensei an, mehr Kraft in den unterstützenden Arm zu geben. Es war ein klasse Effekt, der sich daraus generieren ließ! Ist ein Arm zur Unterstützung am anderen angelegt, so kann dies auch eine Vorbereitung für eine Angriffstechnik sein, da der unterstützende Arm ja schon „fast im Ziel“ ist. So übten wir seitliches Herausgleiten mit Uchi Uke, unterstützt vom anderen Arm, der mit der flachen Hand am Unterarm angelegt war und ließen den angelegten Arm anschließend zum Tsuki „ausfahren“. In der Folge wurde der Angriffsarm des Gegners gepackt und gedreht, der Angreifend zu Fall gebracht. Naka Sensei demonstrierte dies zur offenen Körperseite des Angreifers hin aus. Meiner Meinung nach ist aber da der andere Arm des Angreifers noch zu gefährlich. Vielleicht kann man auch zur geschlossenen Seite rausgehen, dann ist keine Gefahr mehr im Verzug. Torsten und ich haben hier beides ausprobiert und fanden die zweite Variante sicherer. 
Wenn Blicke töten können – dann war vielleicht eine starke Blickwendung im Spiel! Durch die Blickwendung kann man nämlich die Körperenergie maßgeblich beeinflussen! Hierzu sollen wir nicht nur "aus den Augenwinkeln" zur Seite blicken, sondern den Kopf möglichst weit zur Seite drehen. Ich hatte mich schon gefragt, warum abweichend von dem, was ich früher gelernt habe, in den meisten Kata keine Blickwendungen mehr trainiert werden, mit Ausnahme der Kata aus der Tekki Gruppe! Es ist tatsächlich so, dass die Körperspannung besser ist, wenn der Kopf deutlich zu der Seite gedreht ist, zu der sich der Körperschwerpunkt verlagern soll!

Naka Sensei bleibt seinem Thema treu: Heute Nachmittag ging es wieder um das Thema der optimalen Schwerpunktverlagerung bzw. Kraftübertragung. Wir starteten mit einer Kihon-Vorübung im Stand, bei der wir Choku Tsuki auf einem Bein ausführten - das Bein auf der Seite des Tsuki stand fest am Boden und auf der Hikite-Seite hatten wir das Knie hochgezogen. Dies übten wir auch in der Vorwärtsbewegung, wobei Naka Sensei erneut die Methode, mit der Ferse zuerst aufzusetzen empfahl: Der Stand sei anschließend fester und kompakter, so der Sensei. Wichtig war hierbei auch, den Rumpf in der Horizontalachse zu komprimieren. 
Geht's noch kompakter? Aber ja! Und zwar im Kosa Dachi! wir sollten aus Zenkutsu Dachi mit Gedan Barei vorwärts gehen und mit Oi Tsuki im Kosa Dachi landen. Vorwärtsgehen auch hier wieder mit der Ferse zuerst. 
Diese Übung wurde ausgebaut zu Oi Tsuki in Kosa Dachi, anschließend den hinteren Fuß zurück setzen und Gyaku Tsuki. Hierbei war wichtig, dass wir den Druck vorne ließen (Sensei Naka zog zum Vergleich den Anfang der Kata Jion heran). Ging man jetzt mit dem nächsten Oi Tsuki vor, hieß es, den Gyaku Tsuki Arm kurz zurück zu ziehen und dann wieder für den nächsten Tsuki zu benutzen. Eigentlich wie immer bei Oi- und Gyaku-Tsuki-Kombinationen, vielleicht fiel es mir wegen der ungewohnten Tachi Waza in diesem Zusammenhang schwerer als sonst. Die erste Bahn (Kosa Dachi mit rechts vorne und Oi Tsuki mit rechts) bekam ich immer ganz gut hin, auf der Bahn zurück kam ich meistens durcheinander. Eine schöne Übung, die ich sicher im Dojo aufgreifen werde! 
Doch wir waren noch nicht fertig mit dieser Kombination! Es folgte ein Oi Tsuki mit Kiri Kaeshi, wobei wir die Instabilität nutzen sollten, um mehr Geschwindigkeit zu generieren! Insgesamt also: vor mit Kosa Dachi und Oi Tsuki, hinteren Fuß zurück mit Gyaku Tsuki, Kiri Kaeshi und Oi Tsuki. 
Dann ging es zum Partner/zur Partnerin: Zunächst wurden wir in Zweierreihen aufgestellt. Etwas ungewöhnlich war der Start: Die Reihen 1, 3, 5 und 7 sollten sich abknien und die Partner/innen sollten Mae Geri treten. Wohin - war nicht ganz klar - und vielleicht auch egal. Der kniende Partner bzw. die Partnerin sollte zunächst nicht als Ziel fungieren, vielmehr sollten sich die anderen wohl einfach ein bisschen "einschießen". Dann gabs natürlich auch einen Wechsel. In der Folge dann Kumite aus links vor Kamae mit Angriff Mae Geri, der/die andere ging raus mit Tai Sabaki / Suri Ashi und Gedan Barei, Konter Gyaku Tsuki. In der Folge hängten wir noch Kiri Kaeshi mit Oi Tsuki Jodan an. Später wurde aus dem Oi Tsuki ein Uraken und letztlich rundeten wir mit einem weiteren Gyaku Tsuki ab. Für den letzten Gyaku Tsuki passte die Distanz bei Torsten und mir leider nicht. Wir hatten halt versucht, das zuvor Gelernte umzusetzen und den Druck immer weiter nach vorne auszuüben. Entweder sitzt dann der erste Gyaku Tsuki und für den Rest ist man zu nah dran - oder für den Block mit dem ersten Gyaku Tsuki gleitet man weiter raus - dann passen zwar die letzten Techniken, aber der erste Gyaku Tsuki ist "verschenkt". Ich denke, wenn der Erst-Angreifer nach dem ersten Gyaku Tsuki etwas zurückweicht (was ja vielleicht auch ein normaler Reflex wäre), würde der Rest auch noch von der Distanz her passen. 
Naka Sensei rundete die Einheit noch mit einer Viertelstunde Enpi ab, so dass heute Nachmittag vermutlich alle auf ihre Kosten kamen 


"Last year wie did Jitte, this year we do ....." (Jitte 😉 ) Mit diesem Satz pflegte uns Okuma Sensei häufig zu motivieren aber in diesem Jahr ging das Gerücht, dass diese Kata von Ogane Sensei präsentiert würde. Dieser hatte nämlich das Pech, bei den All Japan Championships zwei Techniken zu vergessen und disqualifiziert zu werden. Und so kam es auch: Ogane Sensei startete mit einigen Kihon-Bahnen und zwar Oi Tsuki im Zenkutsu Dachi, Oi Tsuki im Kokotsu Dachi und Oi Tsuki im Kiba Dachi, um uns auf die Bewegungsbahn in der Jitte mit Kiba Dachi und Teisho vorzubereiten. Ogane Sensei führte dann den Beginn der 24 Zählzeiten umfassenden Kata so aus, wie wir es von Okuma Sensei schon kannten, nämlich die Hüfte erst Hanmi und dann Shomen. Wir sollten große Bewegungen machen, vor allem bei den ersten beiden Sequezen der Kata. Mit Partner/in übten wir die Kombination des Fumikumi in Verbindung mit Yama Uke (Uchi), wobei der Partner/die Partnerin darauf achten sollten, dass wir den Schwerpunkt möglichst spät drehten und nach vorne brachten. Ebenfalls mit Partner/in übten wir das korrekte Zählen der Kata. Schließlich wies uns Ogame Sensei noch auf die beiden "wichtigsten" Techniken der Kata hin: Manji Uke vor den abschließenden Age Uke - am "Wichtigsten" vor allem für ihn deshalb, weil das die beiden Techniken waren, die er beim Wettkampf vergessen hatte 🙂 Ich fand das sehr sympathisch und erfrischend, dass er diese Anekdote mit uns teilte. Zum Abschluss führten wir die Kata in zwei Gruppen und einmal gemeinsam aus. Kurzum: eine schöne Einheit mit einer weniger schönen Kata  

Okuma Sensei lässt es krachen!
In der Pause munkelten wir schon, dass es jetzt aber mal Zeit sei für Kumite! Und das hatte sich wohl auch Okuma Sensei gedacht, denn abgesehen von einigen einleitenden Kihon-Bahnen gab es nun Partner/innen-Training! Zunächst ging es je fünfmal vorwärts mit Tsuki Jodan und rückwärts mit Age Uke und eigentlich sollte daraus Gohon Kumite werden. Aus Platzgründen ließ uns der Sensei dann aber nur Sanbon Kumite ausführen. Torsten und ich versuchten zunächst miteinander unser aktuelles Thema umzusetzen, nämlich den Tsuki gleichzeitig mit der Hüfte in Bewegung zu setzen. Dadurch kommt er schneller ins Ziel - optimaler Weise exakt mit dem Absetzen des vorderen Beines - oder vielleicht sogar ein Ideechen früher. Dann gab es fortwährend Partner/innenwechsel und es war mal wieder schön, so eine Vielfalt an Partner/innen erleben zu können mit allen Stärken und Schwächen, sich schnell auf neue Personen - größer, kleiner, schneller, langsamer, jünger, älter etc. - einstellen zu müssen. Häufig passte leider von Beginn an die Distanz gar nicht richtig, da die Partner/innen meist aus zu großer Entfernung angriffen. Ein Block war dabei eigentlich gar nicht nötig. Unsere Block-Konter-Reaktion sollte go-no-sen sein, also erst blocken, dann kontern. Als Kontertechnik bot Okuma Sensei uns Gyaku Tsuki und später auch Mae Geri an, wobei beim Mae Geri die Distanz bei vielen wohl nicht passte, was Okuma Sensei zum Anlass nahm, uns Tipps zu geben: Zur Vorbereitung des Mae Geri musste das vordere Bein gut belastbar sein (beim Gyaku Tsuki natürlich das hintere), wir sollten für den Tritt nicht hochkommen und falls wir das Gefühl hatten, für den Tritt zu nah dran zu sein, sollten wir versuchen, dies beim letzten Schritt zurück schon mit einer Art Suri Ashi auszugleichen und nicht - wie ich es bis dahin gemacht hatte - durch Zurückziehen des vorderen Fußes unmittelbar vor dem Tritt (wobei ich gestehen muss, dass das auch ganz gut funktioniert hatte 😉 ).
Als nächstes führte uns Okuma Sensei in die Welt der Samurai! Wir sollten uns vorstellen, der Angreifer/die Angreiferin habe eine Machete in der Hand, mit wir von oben herab geschlagen würden. Jetzt sollten wir versuchen, so schnell auf den Gegner / die Gegnerin zu reagieren, dass wir mit unserer Aktion den Angriff verhinderten, also mindestsens sen-no-sen. Hierzu sollten wir aus dem Shizen Tai den nahenden Gegner / die nahende Gegnerin z. B. mit Kizami Tsuki abschießen oder mit einem kraftvollen Mae Geri oder Yoko Geri. Mein Partner war eineinhalb Köpfe größer als ich und ich versuchte mit aller Kraft, ihn zu stoppen, was gelegentlich auch ganz gut gelang - hätte er aber echt eine Machete in der Hand gehalten, wäre ich vermutlich um zwei Arme und einen Kopf ärmer - ich würde sagen, wir hätten uns auf unentschieden einigen können 😉
Zum Ende der Einheit hin steigerte sich die Trainingsintensität noch einmal, als wir mit neuem Partner / neuer Partnerin folgende Übung ausführen sollten: vor mit Oi Tsuki und Gyaku Tsuki, Uke sollte den ersten Tsuki Jodan seitlich weg blocken und den Gyaku Tsuki von oben nach unten und nicht seitlich weg á la Gedan Barei. Ist ja einfach, dachte ich erst, aber ich erwischte mich doch tatsächlich dabei, wie ich den einen oder anderen Gyaku Tsuki zur Seite wegblockte. Also mehr Konzentration - und mehr Groundpower á la Andre Bertel Sensei! Und siehe da: Das Blocken der Gyaku Tsuki klappte immer besser! Etwas weiter wurde die Kombination final noch ausgebaut, als wir nach Oi Tsuki und Gyaku Tsuki noch Kizami Tsuki und Gyaku Tsuki angreifen sollten. Schade, dass dies schon ziemlich am Schluss der Einheit geschah und wir nicht mehr viel Zeit hatten! Bei vielen meiner Partner - und wohl auch bei mir - waren die Angriffe nicht mehr so präzise, es war häufig mehr ein Vorwärtsstolpern. Ziemlichen Respekt hatte ich vor der Begegnung mit Tobias Prüfert als Partner, den ich aus den Augenwinkeln schon hatte agieren sehen - schnell, stark und präzise! Aber in unserer Begegnung hat er mich netter Weise leben lassen, danke dafür 😉 
Jetzt gleich gehts auf zur dritten Runde für heute. Mal schauen, was uns jetzt erwartet..... :-)


Ogane Sensei, die Zweite!
Nach der Mittagspause überraschte uns Ogane Sensei mit einer weiteren Einheit! Wir starteten mit einigen Kihon Bahnen, bei denen wir unter anderem Gyaku Tsui aus Kokotsu Dachi und Kiba Dachi ausführen sollten. Danach ging es vor mit Mae Geri, absetzen mit Oi Tsuki, später zusätzlich Gyaku Tsuki. Vor dem Gyaku Tsuki sollten wir das Gewicht deutlich auf das hintere Bein verlagern. Die Bahn zurück ging es rückwärts mit Gedan Barei in Zenkutsu Dachi, selber Arm Age Uke, später auch noch Soto Uke. Diese Kombinationen setzten wir anschließend im Partner/innen-Training um, wobei wir als Angreifer/in weit vor- und als Abwehrende weit zurück gleiten sollten.
Anschließend folgte ein ziemlicher Paradigmenwechsel mit Kata Gankaku! Diese übten wir am Stück, in Etappen, gaaanz laaaangsam und ganz schnell (einschließlich der eigentlich langsamen Passagen). Auch Partner/innen-Übungen generierten wir aus der Kata, speziell aus den Anfangssequenzen bis zum Gyaku Tsuki und aus der Sequenz bis zur Drehung im Tsuro Ashi Dachi. Abschließend wurde die Kata noch in Gruppen und einmal gemeinsam ausgeführt.
Fazit: schöne, intensive Einheit!

TEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDANTEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDANTEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDANTEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDANTEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDAN .... alles im Kiba Dachi, ohne Übersetzschritte, so trainierten wir es bei Okuma Sensei am Nachmittag. Ich wusste es doch, dass es eine Tekki-Woche wird und dieser Eindruck hat sich auch zwischendurch immer wieder bestätigt! Heute Nachmittag ließ uns der Sensei dann mal unsere Oberschenkelmuskeln kräftigen durch eine gute halbe Stunde den eisernen Reiter spielen und auf dem imaginären Ross hocken! Die Tekki I-III wurden - ohne die Ausgangsstellung im Kiba Dachi zu ändern - mehrfach am Stück ausgeführt. Dann ging es - wie im Video sehr schön zu sehen - mit Partner/in weiter, wobei eine/r von beiden "student" war und der/die andere "master": "student" sollte die Kata "richtig rum" ausführen und "master" seitenverkehrt. Im nächsten Durchgang wurden die Rollen getauscht und getauscht und getauscht und noch einmal und immer wieder! Insgesamt war einschließlich Warmup über die Hälfte der Einheit herum, als wir ein neues Thema begannen. Aber das sei noch gar nichts, so Okuma Sensei! Er mache das sehr oft 10 Minuten, 30 Minuten oder auch mal eine Stunde lang am Stück (also nicht wie bei uns jetzt mit Hochkommen, Seitenwechsel etc.!). Das präge die Oberschenkelmuskulatur aus und sorge für Stabilität und einen guten Stand! Glaub ich gerne, jetzt wo ich es mal live im Ansatz ausprobieren durfte 😉  Hier einige Impressionen von dem Tekki-Training: https://www.youtube.com/watch?v=U0tD6RVO9hU

Damit wir aber in der Reiterstellung nicht nur die Arme bewegten, sondern auch ohne die Beine zu versetzen Ganzkörpertechniken ausführten, sei es wichtig, vor allem Rumpf und Hüfte mit einzusetzen. Und das war eine gute Überleitung für die anschließenden Partnerübungen, die auch "Zeilen" aus Sochin, Heian Sandan und Enpi "zitierte": Tori greift an mit Tsuki Jodan, Uke geht vor - ähnlich wie in der Sochin beim ersten Kiai - mit Block Nagashi Uke Jodan und gleichzeitigem Konter Uraken (oder auch Tsuki, wichtig war halt, zeitgleich mit dem Angriff vor und in den Gegner/die Gegnerin rein zu gehen, die Distanz zu verkürzen). Im weiteren Verlauf sollte Uke den Partner/die Partnerin am Schlag-Arm packen (am Besten vorne, Nähe Handgelenk und kurz vor der Schulter am Oberarm), den hinteren Fuß 90 Grad hinten rum versetzen (ähnlich wie bei der vorletzten Technik der Heian Sandan) und wie in Enpi landen - mit "Groundpower"! 
Zum Abschluss der Einheit griff Okuma Sensei noch einmal den Tekki-Faden auf und spulte daraus eine Partner/innenübung ab, bei der der/die Abwehrende nur einen Arm für Block und Konter nutzen sollte: Tori greift an mit Kizami Tsuki, Uke blockt mit dem vorderen Arm den Schlag zur Seite und kontert direkt mit demselben Arm. Es folgt Chudan Gyaku Tsuki, Uke blockt den Schlag mit Hüfteinsatz (das vordere Bein wird dabei ein Stück herangezogen) nach unten weg und kontert wieder mit dem selben Arm. Hier war für mich leider wieder die Trainingszeit zu knapp, das hätte ich gerne noch etwas intensiver geübt. Aber man kann ja alle Übungen mit nach Hause nehmen und da intensiver trainieren. 
Jetzt gibts morgen für uns noch eine Einheit Kata am Morgen. Was es wohl gibt? Naka Sensei? Und die Nijushiho hatten wir noch gar nicht 

Jitte, Ji‘in, Jion - das waren die Kata des letzten Morgens beim diesjährigen Czech Gasshuku in Kadan. Die Reihen hatten sich schon deutlich gelichtet, als Naka Sensei heute mit Heian Sandan begann, die zu dem Kata-Triplet passt, da sie ähnliche Bewegungsmuster enthält. Der erste Fokus der Einheit lag dann auf der Ji‘in, die aktuell nicht mehr zum offiziellen Repertoire der JKA gehört. Bei der Bahn im Kiba Dachi mit Shuto Uchi schlug Naka Sensei vor, alternativ auch Teisho auszuprobieren. Ich meine mich zu erinnern, dass Naka Sensei vor zwei oder drei Jahren noch auf Teisho bestanden und uns nicht die Wahl gelassen hatte. Aber offenbar wird uns Karateka mehr und mehr Verantwortung übertragen, Techniken zu studieren und den Sinn dahinter zu erkennen. Ähnlich verhielt es sich nämlich bei der Frage, ob wir den Tetsui Uchi an der Schulter oder unter dem Arm ausholen: Beides scheint „erlaubt“ zu sein und hat Vor- und Nachteile - an der Schulter ausgeholt ist die Technik schneller, unterm Arm stärker. 
Nachdem wir die Ji‘in in groben Zügen durchgegangen waren, ging es zur Jitte und schließlich zur Jion über. Naka Sensei klärte uns auf, dass die Jion ursprünglich die höchste dieser drei Kata gewesen sei und die Jitte am Anfang der Skala gestanden habe. Die Jitte ist mit 24 Zählzeiten die kürzeste Kata dieser Gruppe, gefolgt von Ji‘in (35) und Jion (47). Alle drei Kata übten wir dann noch in Fünfergruppen, wobei auch auf das korrekte Zählen geachtet werden sollte. 
Zum Abschluss gab es noch zwei Durchgänge Ji‘in, bevor wir den Heimweg antraten.

Sonntag, 1. Juli 2018

"Alle Techniken sind gleich," - erstklassiger Lehrgang mit André Bertel Sensei in Halle (Westf.)



Am 30.06. und 01.07.2018 fand in Halle (Westfalen) der inzwischen vierte Lehrgang mit André Bertel Sensei statt. Mein Katamann Torsten war schon viele Jahre lang ein großer Bewunderer von André und seiner Art, Karate zu trainieren und zu lehren, als vor vier Jahren unsere Karatefreunde Frank Köhler und Peter Lampe erstmals André nach Deutschland (Krefeld) brachten. Es folgten weitere Lehrgänge in Krefeld und Ahrensburg und inzwischen waren Torsten und ich auch zweimal bei André in Japan zu Gast. Jetzt konnten Peter und sein Dojo sich als hervorragende Gastgeber beim Lehrgang in Halle präsentieren - für uns Münsteraner fast ein Heimspiel und für viele der von England, Spanien, Polen oder Frankreich angereisten Karatefreunde wieder eine weite Reise! Begleitet wurden wir diesmal durch Gerrit und Kai - zwei weiteren Fujis, die sich sehr gut in die hochkarätige Trainingsgruppe und "Bertelianer" eingereiht hatten. Vor allem der erst 13-jährige Kai hatte offenbar überhaupt keine Probleme damit, sich die für uns alle neue Kata Kakuyoku Sandan aus der Asai-Schule anzueignen!

Gerrit, Kai, André Sensei, ich und Torsten
Doch egal ob weit oder nah - der Lehrgang war jede Reise Wert! Für Torsten und mich sind die  Trainings mit André Sensei vor allem auch deshalb so wertvoll, weil sie wie maßgeschneidert auf unseren derzeitigen Karateweg passen: Ausgelöst wurde dieser Weg vor knapp 20 Jahren durch meine erste Begegnung mit Risto Kiiskilä Sensei, der mir durch die Offenbarung seines Karate-Systems wie kein anderer beibrachte, dass "alle Techniken gleich" sind und wie Physik und Gravitation die Effektivität von Karatetechniken bestimmen. Viele Jahre später verkündete vom anderen Ende der Welt der großartige Naka Sensei sehr ähnliche Prinzipien, die wie Puzzleteilchen in meinen neuen Karate-Kosmos passten. Zu allem Glück verfolgt auch unser Karatefreund Andreas Klein Sensei sehr ähnliche Grundsätze. Dass nun auch Übungen von André Bertel ebenfalls in dieses Konzept passen, zeigt einfach, dass all diese Lehrmeinungen nicht so ganz verkehrt sein können. So kam es auch am vergangenen Wochenende immer wieder vor, dass Torsten und ich uns leise lächelnd anblickten, wenn André z. B. erklärte, dass ein Fuß, den man zum Einnehmen einer Karatestellung vorwärts schiebt, weder auf dem Ballen, noch auf der Ferse bewegt werden darf, sondern mit dem kleinen Zeh voran. Auch Risto erklärt dies schon seit Jahren so: "Der Fuß darf nicht stottern, darum muss der kleine Zeh zuerst vor gehen."

Vor dem eigentlichen Training gab es einige Informationen zur Budo-Etikette. Dies scheint generell in Japan aktuell ein großes Thema zu sein, denn auch Naka Sensei hatte ja zuletzt einen großen Wert auf das Niederknien, Verbeugen und Aufstehen gelegt. So versäumte es auch André Sensei nicht, uns hier ein paar Hinweise zu geben: Niederknien und Aufstehen mit aufrechter Haltung und natürlich ohne Zuhilfenahme der Hände. Bei der Verbeugung sollte der Kopf nicht bis zum Boden geführt werden - dies sei der große Unterschied zu einer religiösen Verbeugung, die bis zum Boden geführt würde. Beim Aufstehen erklärte auch André, dass zunächst der rechte Fuß aufgestellt und dann der Körper erhoben werden sollte. Nun zum Training: Am Anfang stand der Tsuki - zumindest bei diesem Lehrgang in Halle im Sommer 2018. Insgesamt muss gesagt werden, dass André San, der Fußtechniken liebt, uns diesmal auffallend wenige Keri Waza trainieren ließ. Das Seminar in Halle war einerseits gespickt mit Technikdetails auf höchstem Niveau - andererseits aber auch sehr basisorientiert. Für mich war es ein gutes Gefühl, bei vielen bereits bekannten Übungen auf neue Details achten zu können. Und ich denke, es ging vielen anderen Lehrgangsteilnehmenden ebenso, denn es gab sehr viele "Wiederholungstäter/innen", sehr viele regelrechte André-Bertel-Fans, die schon viele seiner Prinzipien verinnerlichen. Der Tsuki, z. B. , wurde nicht nur als Choku-Tsuki im Stand gradeaus trainiert, sondern auch 45 Grad diagonal, 90 Grad, mit Viertel-, halber und 360-Grad-Drehung. Die Kunst ist, auch bei einer vorher durchgeführten Körperdrehung, den Tsuki anschließend auf den Punkt auszuführen. Die Drehung sollte am Besten auf dem Ballen ausgeführt werden, um die Körperachsen grade zu halten und nicht zu schlingern. Eine schöne Variante war es dann, auch den Soto Uke aus der Drehung heraus auszuführen und dann mit Partner eine Angriffs-Konter-Kombination daraus zu machen: Einer dreht sich um 360 Grad rechts herum und führt anschließend Tsuki aus, der andere führt gegenüber die volle Drehung aus und versucht, genau im richtigen Moment zu "landen" und den Tsuki mit dem Soto Uke zu blocken.

Eine schöne Nuance, die wir - wenn auch mit anderen Worten erklärt - auch von Risto kennen, war die Aufforderung, den Tsuki-Arm möglichst spät zu drehen: Durch eine Drehung der Faust kurz vor dem Ziel hat der Tsuki mehr "Bumms" und viel mehr Kraft und Dynamik. Um uns dies anschaulich zu demonstrieren, wies André Sensei uns an, eine Partner/innen-Übung durchzuführen, bei der eine/r Choku Tsuki ausführt und der andere versucht, diesen aus einer Kamae-Haltung mit den Armen abzuleiten: Wurde die Faust des Tsuki früh gedreht, war ein Ableiten meist kein Problem. Erfolgte die Drehung erst kurz vor dem Ziel, konnte die Technik fast nicht mehr abgeleitet werden. Und auch Risto erklärt uns dies seit Jahren, allerdings so: "Die Faust trifft nur, geschlagen wird mit dem Ellenbogen. Der Ellenbogen muss voll hinter der Faust stehen und sie ins Ziel bringen." Von Risto kennen wir die Beschreibung, dass der Ellenbogen des Tsuki-Arm nach unten zeigen und die Schulter des gestreckten Arms nicht eine Linie mit dem Oberkörper bilden soll, sondern möglichst weit vor geht. Hierdurch kommt man dem Ziel nicht nur viele Zentimeter näher - die optimale Gelenkstellung bewirkt zudem noch eine optimale Kraftübertragung, ohne dass große Muskelkräfte erforderlich sind. Und auch André forderte diese Armhaltung und Gelenkstellung von uns!

Das Prinzip, Techniken ohne viel Kraft auszuführen, dafür mit mehr Schnelligkeit und Lockerheit,  gehört ebenfalls zum Konzept unseres aus Neuseeland stammenden Karatefreundes André San. Um uns den "Dampf" aus den Techniken zu nehmen, ließ er uns zur Vorbereitung auf eine neue Übung z. B. zehn Sekunden lang Tsuki schlagen, so schnell wir konnten. Das ist nicht nur ziemlich anstrengend, sondern macht auch locker für die Folgetechniken, weil man anschließend einfach nicht mehr mit so viel Anspannung schlagen KANN! Ich kann mich erinnern, dass mein Sensei Michael Jarchau vor vielen Jahren auch schon so eine Vorbereitungsübung unterrichtet hat.

Auch für das Hikite wurde uns eine Anwendungsidee gegeben: Mit dem Arm, der das Hikte durchführt, sollten wir unserem Partner am Ärmel fassen und ihn durch den Ruck aus dem Gleichgewicht bringen und anschließend außen am Arm des Partners vorbei gehen. Als Folgetechnik schlug André einen Soto Uke, Gedan Barei oder Age Uke vor, um am Arm des Partners (knapp oberhalb des Ellbogengelenks) einen Hebel anzusetzen. Wie schon vor einigen Jahren in Krefeld kam auch jetzt wieder der Hinweis, dass der Block-Arm möglichst mit der Arm-Rückseite auftreffen sollte, statt seitlich mit der Elle: Die Rückseite des Armes hat zwei stabile Knochen und noch Muskelmasse darüber, während die Elle ein einzelner, recht fragiler Knochen ist, der zudem meist ungeschützt auf den Widerstand trifft und schneller brechen kann. Vor allem beim Block eines Mae Geri mit Gedan Barei habe ich dies auch in der Vergangenheit schon mit Erfolg umgesetzt. Für eine andere Variante, den Partner mit einem Hebel zu fixieren, führten wir zunächst eine Art Tanz aus: Der Partner wurde mit beiden Händen an einem Arm gefasst und es wurden mit ihm Drehungen wie beim Tanzen ausgeführt, durch die mal der eine, mal der andere unter den Armen her tauchen musste.

André erklärte uns aber nicht nur, wie wir den Partner hebeln und fixieren - er gab uns auch Tipps, wie man aus einer Fixierung wieder herauskommt - ganz nach der Idee von Armin Hutter, der mich kürzlich im Rahmen meines Studiengangs zur geprüften Selbstverteidigungstrainerin unterwiesen hat: Wenn der eigene Arm auf der Schulter des Partners liegt und der Ellbogen blockiert wird, kann man durch einen Stich mit den Fingern in den Rücken des Partners (etwa auf Höhe der unteren Rippen) dafür sorgen, dass der Partner zusammensackt und die Blockade gelöst wird.

Nanu? Was war denn hier passiert? Wir waren ja über recht banale Basistechniken plötzlich in den Bereich der Selbstverteiedigung gerutscht! Einfach fantastisch, wie André es schafft, ohne großen Schnickschnack Kihon zur Anwendung zu bringen! Und so ging es gleich weiter - mit interessanten Applikationen zu verschiedenen Kata, zum Beispiel, indem Technikfolgen der Bassai Dai (Anfang) und Heian Sandan (Mikazuki Geri) und Folgetechnik als Selbstverteidigung à la Schwitzkasten genutzt wurden. So führten wir z. B. mit dem rechten Arm eine Bewegung aus, die dem Kraulschlag beim Schwimmen ähnelt und fädelten den Arm so hintenrum um den Hals des Partners, führten den Arm dann mit der Hand an unsere Hüfte wie bei Heian Sandan im Zusammenhang mit den Mikazuku Geri. Natürlich kann man so einen Schwitzkasten nicht "aus dem Nichts" ansetzen. Deshalb schlug André uns vor, zuvor eine Eingangstechnik - japanisch: iriguchi - auszuführen, z. B. mit einem kurzen "Peitschenschlag" (siehe mehr dazu zur Beschreibung von Tag 2) gegen den Oberschenkel oder einen anderen Körperteil des Partners. Es ging munter weiter, in dem der Haltende die Fixierung des Partners im Schwitzkasten nutzte, sich hinhockte und schließlich absetzte, wobei der Partner beinahe zwangsläufig über den Kopf des Haltenden gerollt und hinter diesem zu Boden gebracht wurde. Ich hatte anfangs Probleme mit dieser Übung, weil Torsten immer genau über mein Gesicht gerollt war. Nach zwei, drei Versuchen hatte ich es raus, ihn etwas seitlich "rüberrollen" zu lassen. Die hohe Kunst war es dann, sofort wieder auf dem Partner zu sitzen zu kommen und die Arme des Partners mit den Knien zu fixieren. Zunächst gelang dies weder Torsten, noch mir und es entwickelten sich spaßige Rangeleien am Boden :-)

Die zweite Trainingseinheit leitete Peter Lampe mit einem exakt auf den Punkt passenden Aufwärmtraining ein: keine Sekunde zu lang, alle Körperteile vorbereitend! Wir begannen den Technikteil dann mit Oi Tsuki aus dem Zenkutsu Dachi. Bereits während unserer Japan-Fortbildung in Oita lernten wir bei André, dass die Arme früher zu starten haben. Und, ja, auch unser Freund Andreas Klein hat mit dem aus Neuseeland stammenden Karatemeister Bertel nicht nur den Vornahmen (beinahe) gemein, sondern auch dieses Trainingsprinzip, denn auch in den letzten Einheiten bei Andreas lernten wir, den Tsuki schneller auf den Weg zu schicken. In einigen Runden Gohon Kumite probierten wir jetzt in Halle aus, ob wir den Partner durch diese Veränderung besser unter Druck bringen konnten. Konsequenter Weise musste aber auch der Block schneller losgeschickt werden, so dass sich - wenn beide das Prinzip umsetzten - zwar kein Vorteil ergab, das Kumite im Ganzen aber dynamischer und explosiver ausfiel. "All techniques are the same," sagte André Sensei dann irgendwann und obwohl Torsten grade nicht in meiner Sichtweite stand, ahnte ich doch, dass ihm ein Grinsen auf dem Gesicht lag, weil auch er daran denken musste, dass dieses auch die mit schöner Regelmäßigkeit wiederholten Worte unseres geschätzten finnischen Instructors sind! Und weil ja alle Techniken gleich sind, muss das Prinzip, dass die Arme schneller starten müssen, als die Beine, ja auch für Kata gelten! Wir übten daher Heian Shodan unter dem Aspekt dieses neuen Trainingsdetails. Es war fantastisch, wie viel effektiver sich plötzlich Kata anfühlte!

Beim Berlin-Lehrgang mit den Senseis Kiiskilä und Naka wurde das Risto-Training von einem unserer Karatefreunde noch abwertend belächelt, weil angezweifelt wurde, dass es mehrere Arten des Gyaku-Tsuki gibt. Ich hatte bereits an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass Risto gar nicht der Erste und erst Recht nicht der Einzige ist, der verschiedene Arten der Ausführung beim Gyaku-Tsuki erklärt und wer das als Schwarzgurt noch nie gehört hat, der muss sich eigentlich fragen, was er die letzten Jahre trainiert hat! Aber egal - nun eben auch André Sensei, der uns in Varianten dieser Technik unterwies. Zunächst wurde die Hüftstellung beim Tate Shuto Uke im Zenkutsu (hanmi) erklärt und wieder musste ich lächeln, als André erklärte, dass die Karate-Hüfte nicht in den Hüftknochen liegt, sondern im - na? - genau: hinteren Oberschenkel! Und wer hat's schon immer so erklärt? Richtig: Risto Sensei! :-) Dass beim Ausdrehen der Hüfte das hintere Bein nicht gestreckt ist, sondern gebeugt, war zwar den meisten Karateka beim Lehrgang klar, aber wohl nicht allen und so nahm André dies zum Anlass, die exakte Beinstellung zu erklären. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, dass das hintere Knie nicht wie beim Sochin Dachi nach außen zeigt, sondern nach unten. Wie auch Andreas Klein es immer erklärt, soll beim Kizami Tsuki im Zenkutsu Dachi der vordere Fuß belastet werden, während beim Gyaku Tsuki Druck vom hinteren Bein ausgelöst wird. Auch den Gyaku Tsuki im Zenkutsu übten wir in Verbindung mit einer Drehbewegung um das vordere Bein herum. Hierbei stabil zum Stehen zu kommen, ohne zu wackeln oder schräg im Raum zu stehen, das war schon eine echte Herausforderung! André San wies darauf hin, dass die Drehung im Zenkutsu auf der Hacke erfolgen sollte. Es kam dann zu einer allgemeineren Erklärung hinsichtlich der Frage, wann auf dem Ballen und wann auf der Hacke gedreht werden müsse und da muss ich gestehen, dass ich mit Andrés Erklärungen ausnahmsweise mal nicht 100 % konform bin. Torsten und ich hatten vor einigen Jahren im Rahmen des Czech Gasshuku mal in einer Diskussion unter uns die These aufgestellt, dass man bei einer Wendung (es sind dann beide Füße auf dem Boden) auf der Hacke drehen muss, während man bei einer Drehbewegung eines einzelnen Fußes (z. B. zur Ausführung eines Mawashi Geri oder Ushiro Geri) auf dem Ballen drehen muss, um die Körperachse nicht zu verschieben und nicht zuletzt auch um Bänder und Gelenke nicht zu gefährden. André hat einen anderen Denkansatz, der sich darauf bezieht, ob man sich vorwärts oder rückwärts bewegt. Bei einem Ushiro Geri (Rückwärtsdrehung) sollte man demzufolge auf der Hacke drehen. Als er es demonstrierte, meinten Torsten und ich aber gesehen zu haben, dass der erste Teil der Bewegung auf dem Ballen ausgeführt und erst am Ende von der Hacke aus abgedrückt wurde, um noch etwas Distanz zu überbrücken. Vielleicht ist André bei weiteren Trainings mit uns so freundlich, dieses Thema mit uns noch etwas zu diskutieren.

In Ahrensburg hatten wir vor zwei Jahren bei André die Kata Seiryu kennen gelernt - eine nach dem Weidenbaum benannte Kata von Asai Shihan. Der Bezug zur Weide ergibt sich durch die Idee, dass sich die Arme bei Ausführung der Kata wie Weidenzweige bewegen sollen. Und diese Armbewegung nutzten wir jetzt im Zusammenhang mit einer Partnerübung, um den Gyaku Tsuki abzuwehren: Uke sollte einfach mit einer peitschenählichen Bewegung von oben auf den Tsuki draufschlagen. Und ja - mir fällt so etwas immer noch sehr schwer! Diese Lockerheit habe ich einfach (noch) nicht! In der Folge sollten wir im Anschluss an den Peitschenblock seitlich am Partner vorbei gehen und mit der rechten Hand wieder peitschartig einen Konter am Kopf des Partners platzieren. Alternativ war es auch möglich, den Partner zu fegen.

Domo arigatou gozaimasu, André San! 
Den Abend verbrachten wir - zusammengefasst gesagt - eigentlich hauptsächlich mit unserer Karatefreundin Jutta vom Bushido Münster in einer Eisdiele :-) Naja, das wäre jetzt wohl doch etwas übertrieben, aber wir saßen rund zweieinhalb Stunden dort und unterhielten uns bestens, bevor es un im Schatten Trotz des sommerlichen Wetters zu kühl wurde und wir zur Trainingshalle zurückfuhren, wo wir feststellen mussten, dass wir wohl den Höhepunkt des Buffets schon verpasst hatten. Es waren aber noch genau drei Dinkelburger und Salat für uns übrig, so dass wir uns stärken konnten, bevor wir noch zahlreiche nette Gespräche führen und relativ zeitig ins Bett kamen.

Das zeitige Zubettgehen war gar nicht so dumm, denn am nächsten Morgen wartete André Sensei schon um 9 Uhr auf uns in der Halle. Ich hatte noch gar nicht erwähnt, dass es bei den Lehrgängen mit André San immer nur eine Trainingsgruppe gibt, bei der sich alle interessierten Karateka ab ca. Grüngurt tummelten. Eine Unterstufe gibt es demnach nicht.

Das Training begann mit einem weiteren Aufwärmtraining durch Peter Lampe, das uns wieder optimal vorbereitete! Weiter ging es mit einer Wiederholung der Choku-Tsuki-Kombinationen. Aber immer wenn man denkt, etwas in irgendeiner Form zu können, kommt eine kleine Variante und man (respektive: ich) steht auf dem Schlauch! In diesem Fall sollten wir Faust durch Teisho ersetzen, die Hand also nicht schließen, sondern mit dem Handballen treffen. Weiter gings mit Heian I-V - immer unter der Berücksichtigung des bisher Gelernten und natürlich auch mit neuen Details. So ist es z. B. wichtig, den Tetsui Uchi bei Heian Shodan in einer besonders großen Bewegung auszuführen, andernfalls könne er keinen Schaden anrichten, so André. Zu Beginn der Heian Nidan konnten wir schön die schnellere Ausführung der Arme üben - ebenso bei Heian Jondan. Den Uraken als Begleitung des Yoko Ger Keage in Heian Nidan sollten wir dem Vorschlag Andrés zufolge eher als Tate Tsuki denken und ihn parallel zum Bein stoßen. Dass André - wie Risto empfiehlt, beim Vorschieben eines Fußes den "kleinen Zeh zuerst" zu schieben, um ein "Stottern" des Fußes zu vermeiden, hatte ich ja bereits erwähnt.

Und plötzlich waren wir wieder in einer Selbstverteidigungssituation - und zwar in einem zünftigen Gerangel, ganz nach meinem Geschmack :-) Ein Partner sollte dem anderen am Kragen packen und der Festgehaltene sollte versuchen, sich durch Drehen seines Oberkörpers aus dem Griff herauszuwinden. Dies gelang dann, wenn man nicht versuchte, hierbei die Arme über die festhaltenden Arme zu erheben. Im weiteren Verlauf der Übung sollten wir auch versuchen, das Herauswinden mit einer Karatetechnik zu kombinieren (Empi, Tsuki, Uraken, Keri etc.).

Und dann kam der Trainingsteil, auf den sich mein Katamann schon so gefreut hatte: eine Kata aus der Kakuyoku-Serie von Asai Shihan! Eigentlich hatte Torsten ein bisschen auf Kakuyoku Nidan spekuliert - die hatte André mit uns nämlich kürzlich in Japan trainiert! Dieser Wunsch ging zwar nicht in Erfüllung, aber die Alternative, nämlich mit Kakuyoku Sandan eine ganz neue Kata, war für ihn wohl nicht minder spannend! Wir übten in Etappen, wobei André haarklein die Details erklärte. ich blickte hin und wieder auf unsere Karateschüler Kai und Gerrit und musste neidvoll anerkennen, dass die beiden - und besonders Kai - mit spielerischer Leichtigkeit diese Kata erlernten und schnell fehlerfrei ausführten! Respekt! Ich bin leider eine sehr langsame Kata-Schülerin und muss mich immer sehr bemühen, neue Abläufe zu erlernen! Die Kata hat ihren Namen (Kakuyoku bedeutet Kranichschwinge) von besonderen Grifftechniken. Mir gefällt die Kata sehr gut und ich konnte sie am Ende auch eingermaßen mitlaufen. Torsten war natürlich sehr schnell "drin" und wurde von André zusammen mit drei anderen Karateka - darunter unsere Freunde Sergio und David aus Spanien - zu Demonstrationszwecken nach vorne gebeten. Ich habe mich sehr für Torsten über die Anerkennung gefreut, die ihm von André San bei diesem Lehrgang entgegen gebracht wurde: Mehrfach wurde er zum Vormachen und auch zum "Einstecken" ziemlich konsequenter Techniken nach vorne geholt und schließlich war seine Demonstration der Kata Kakuyoku Sandan auch noch sehr beeindruckend: Video: Torsten beim Lehrgang mit André Bertel Sensei in Halle 2018
Die Kata endet merkwürdiger Weise nicht an der Stelle, an der sie beginnt. Das mag keine große Rolle spielen, da sie keine Wettkampfkata ist. durch den Sprung am Ende der Kata kommt man dem Ausgangspunkt wohl ein bisschen entgegen, landet aber wohl nie an der Stelle, an der begonnen wurde. Ein Sprung ist nicht "cool" oder "schick", so André Sensei. Man springt vielmehr ausschließlich zu dem Zweck in die Höhe, weil man durch den Sprung den Körper vom Untergrund löst, um anschließend das Körpergewicht zur Verstärkung der Technik zu nutzen!

Nach einer kurzen Pause von ca. 45 Minuten läutete André Sensei den Endspurt des dann doch irgendwie zu kurzen Lehrgangs ein. Leider waren meine Knochen schon müde für die Besonderheiten dieser Einheit - Keri Waza und "Freikampf" aus der Hocke sowie ziemlich akrobatische Fußfege- und Wurftechniken (darunter auch den Überkopf-Wurf Tomo Nage) wollten einfach nicht recht gelingen! Wie auch immer, wir mussten uns der Herausforderung stellen und kamen auch irgendwie durch. Am Ende der letzten Einheit fühlte ich mich allerdings wie ein schlechter Weißgurt und war demnach deutlich ernüchtert, was mein "Karate-Können" angeht. Naja, das kann sicher auch nicht schaden.

in der Mitte: David und Sergio aus Spanien
Unser Karatefreund Peter hatte uns aber glücklicher Weise schon vor der zweiten Einheit dazu eingeladen, nach dem offiziellen Lehrgangsende noch für ein weiteres, privates Training mit André San zu bleiben. In einer sehr kleinen, beinahe familären Runde, bestehend aus Torsten, Jutta, Sergio, David, noch zwei oder drei weiteren Karateka und mir lernten wir dann Meikyo Nidan und Junro Godan - zwei sehr spannende neue Kata, die sich Torsten hoffentlich vom Ablauf her gemerkt hat :-) Ich bin sehr dankbar, dass ich an diesem etwa eine Dreiviertelstunde dauernden Sondertraining noch teilnehmen durfte. Das war ein richtig schöner Lehrgangsabschluss! Domo arigatou gozaimasu, André San und vielen Dank auch an das Dojo Halle mit den vielen Helferinnen und Helfern!

Donnerstag, 14. Juni 2018

Pfingstlehrgang mit Naka Sensei und Risto Sensei in Berlin

Die Pfingstlehrgänge unserer Freunde in Berlin-Marzahn (Bushido Berlin) sind schon legendär. Ich selbst war 2006 zum ersten Mal da – wow, schon 12 Jahre her! Damals war Akita Sensei an der Seite meines Senseis Risto dort und ich hab damals meinen Karatefreund Reijo Kangas aus Oulu kennen gelernt. Pfingsten 2012 war ich dann erstmals mit Torsten in Berlin – dies war der erste Lehrgang, den die Senseis Risto und Naka gemeinsam gaben. Damals war es eine kleine Sensation für die meisten der anwesenden Karateka, zu sehen, dass Risto und Naka im Grunde dieselben Karate-Prinzipien verfolgen. Torsten und ich haben dass seitdem immer wieder festgestellt und finden es fantastisch, dass auf diese Weise bei den Trainings dieser beiden hochkarätigen Karateka im Grunde genommen „alle Techniken gleich“ sind – wie Risto Sensei es seit über 20 Jahren propagiert. 

Es war ja schon immer so, dass Risto Sensei die Karate-Gemeinschaft polarisiert hat: Nicht alle können es gut leiden, wenn ihnen im Training schonungslos die Meinung gesagt wird. Viele halten auch gerne an alten Gewohnheiten fest und möchten sich nicht umstellen. Das ist zwar auf den ersten Blick verständlich, in meinen Augen aber auch sehr bedauerlich, denn wer heute immer so trainiert wie gestern, kann keinen wirklichen Fortschritt erfahren. Allerdings muss ich gestehen, dass es leichter ist, 90 Minuten mit einem charmanten und lächelnden Trainer in einer Turnhalle zu verbringen, der jedem das Gefühl gibt, etwas ganz Großartiges geleistet zu haben, als bei einem leicht griesgrämigen Brummbär, der keine Gelegenheit auslässt, den Trainer-Finger in jede Technik-Wunde zu legen. Aber für mich ist der schonungslose Weg unmittelbar, direkt und zielführend. Und ich ahne, dass sich auch hinter einem freundlichen Trainergesicht oft genug dieselbe Verzweiflung über unser technisches Unvermögen versteckt wie sie bei anderen durch offene Missbilligung ausgedrückt wird

However – jetzt war wieder Pfingsten und wieder Risto-und-Naka-Zeit. Und Torsten und ich waren natürlich wieder in Berlin. Es war schön, die vielen Bekannten wieder zu sehen, denen wir eigentlich grade erst beim Kata-Spezial in Tauberbischofsheim Tschüss gesagt hatten Nun also in Berlin schwitzen und schwatzen. Naka Sensei hatte zahlreiche Karateka aus ganz Deutschland aber auch aus vielen Nachbarländern (Frankreich, Schweiz, England, Tschechien, Russland etc.) angelockt. Aber auch der konstante Stamm der Risto-Fans war vertreten! Unsere Freunde vom Bushido Berlin hatten sich alle Mühe gegeben, den Lehrgang möglichst perfekt zu organisieren. Sogar an Übersetzer hatte man gedacht: bei Naka Sensei vom Japanischen ins Deutsche und von da aus dann ins Englische und bei Risto Sensei vom Risto-rischen ohne Umweg ins Englische, was schade war, da einige der Deutsch sprechenden Karateka zwar gehört hatten, was der Meister sagte, aber nicht verstanden hatten, was er meinte (kleiner Insiderwitz J).  Das führte dann dazu, dass z. B. einer meiner Karate-Bekannten nicht anerkennen wollte, dass es verschiedene Arten des Gyaku-Tsuki gibt (den direkten, den indirekten, den Konter-Gyaku-Tsuki, den Angriffs-Gyaku-Tsuki, den steigenden, den fallenden und seit einigen Jahren auch den überlaufenen Gyaku Tsuki etc.). Risto-Jünger kennen das natürlich und versuchen sich zum Teil seit vielen Jahren oder Jahrzehnten daran. Eigentlich unterrichtet Naka Sensei – unterrichten alle JKA-Senseis – nichts anderes. Sie benutzen allerdings andere Begriffe oder beschreiben den Ablauf anders. Aber letztlich, wenn man genau hinsieht, ist es nichts anderes! 

Torsten, Alexander, Jürgen, Dirk, Doreen, Mirko, René, Tom, ich und viele andere aus unserer „Risto-Peer-Group“ versuchen seit einer halben Ewigkeit, die Prizipien unseres finnischen Vorbilds umzusetzen. Es ist halt immer dasselbe und das ist nie gut genug. Das zu erkennen, ist mühselig und sich darauf einzulassen nicht immer einfach. Darum finde ich es zwar sehr schade, wenn Menschen aus meinem Karateumfeld nach einem Risto-Training behaupten, dies sei "das schlechteste Training" gewesen, "das sie jemals erlebt" hätten. Aber ich kann es auch ein stückweit verstehen: Trainiert man nur gelegentlich auf dieser Basis, sind Ristos Äußerungen verwirrend, kryptisch und eventuell wenig motivierend. Ist man aber einmal auf dem „Trip“ und von dieser Lehre überzeugt, gibt es daneben eigentlich nichts anderes mehr. Es sei denn, andere Trainerinnen und Trainer sprechen dieselbe "Sprache" – so wie die JKA-Instructorinnen und –Instructoren oder auch André Bertel Sensei. 

Soviel zum Grundsätzlichen, zu den Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden faszinierenden Senseis, die fernab und vollkommen unabhängig voneinander denselben Karate-Weg gefunden haben. Ich schrieb bereits 2012 einen Artikel hierüber, den Interessierte in meinem Blog unter diesem Link finden können (Link gerne kopieren und im Browser eingeben): https://andreahaeusler.blogspot.com/2012/06/zwei-meister-eine-meinung.html

Was gab es denn diesmal speziell? Risto führte uns – wie schon erwähnt – an die verschiedenen Formen des Gyaku-Tsuki heran. Eine seiner beliebten Trainingsaufforderungen lautet: „Mach mal Gyaku-Tsuki.“ , diesmal gerichtet an unseren Karate-Freund Christian aus Bremen. Dieser stellte sich artig in eine Gyaku-Tsuki-Position. Seine richtige Reaktion wäre aber gewesen, zu fragen: „Welchen?“ Andere Risto-Rismen sind Fangfragen wie: „Wo trifft die Technik?“ (Antwort: auf den Punkt) oder „Warum bleibt das Knie nach dem Mae Geri oben?“ (Antwort: Weil wir Shotokan Karate machen.) Ach ja, wir kennen das alles schon und durch Ristos finnisch-frischen Humor sind für mich und wohl auch für Torsten die Trainings bei unserem geschätzten Brummbär genauso lehrreich und unterhaltsam wie bei den charismatischen Trainern aus Japan. 

In der letzten Einheit gab es bei Risto noch die Kata Chinte. Die Reihen hatten sich am Pfingstmontag schon merklich geleert und auch Torsten und ich hatten kurz überlegt, nach dem Frühstück abzureisen, um dem Rückreisestau zu entgehen (auf der Hinfahrt hatten wir gut acht Stunden gebraucht). Aber wir überlegten wirklich nur ganz kurz. Und das war gut so. Denn die Chinte bei Risto war ein wahres Vergnügen und der Meister Trotz der Feier am Vorabend in Bestlaune! Die Chinte, gerne als Mädchen- oder Frauen-Kata verpönt, erhielt durch Ristos Erklärungen einen ganz neuen Anstrich und erschien in einem brutalen Selbstverteidigungs-Gewand! Am Ende der Einheit gab es noch Ristos klassisches Jiyu-Ippon-Kumite-Programm. Der arme Torsten hatte einen älteren Karateka, der von den Prinzipien des Belastens und Benutzens wohl noch nie etwas gehört hatte! Bei mir liefs rund und ich hatte Spaß und war sehr froh, dass wir diese Einheit noch genutzt hatten.

Naka Sensei hatten wir grade erst auf dem Kata-Spezial erlebt. Wir übten alle Heian Kata und die Kata Jion. Hier legte der Meister den Fokus auf zahlreiche Feinheiten und auf die korrekte Zählweise. Nicht zum ersten Mal führte uns Naka Sensei vor, wie dass Kata nicht nur gutes Übungsmedium für Koordination und Konzentration sind und nicht nur verschlüsselte Selbstverteidigung, sondern dass man sie auch hervorragend dazu nutzen kann, spezielle Bewegungsmuster zu trainieren. Bei anderen Gelegenheiten hatten wir z. B. aus der Taikyoku Shodan eine Übung für Jiyu Ippon Kumite gemacht. In Berlin übten wir an dieser Basis Kata Festigkeit und "Groundpower", indem wir die Oi Tsuki nicht im Zenkutsu Dachi, sondern im Kosa Dachi ausführten. Gerne hätte ich bei Naka-Sensei noch mehr Kumite trainiert, denn der Einblick, den wir hier bekamen, war wieder seh spannend! Es war eine Übung, die wir auch in beim Czech Gasshuku schon einmal so oder ähnlich gemacht hatten: Wir taten uns in einer Gruppe zu etwa acht Personen zusammen. Sieben stellten sich hintereinander in einer Art Zickzacklinie auf und der oder die Achte stellte sich frontal zur Gruppe und griff den oder die erste/n mit Kizami Tsuki an, die anderen mit Oi Tsuki. Hier wurde dann von Durchgang zu Durchgang die Intensität erhöht.

Einen großen Fokus legte Naka Sensei bei allen Basistechniken - angegangen beim Angrüßen und Verbeugen - auf die korrekte Körperhaltung in Verbindung mit der richtigen Atmung. Wir übten mit Partner/in z. B. die verstärkte Bodenhaftung durch korrekte Gelenkstellung und Muskelspannung. 

Bei Naka Sensei und bei Risto Sensei war es im Grunde in allen Einheiten ein reines Basis-Training! Und es lohnt sich immer, in jeder Trainingseinheit ganz am Anfang anzusetzen. Dies und die Tatsache, dass für alle, die gut aufpassen und nicht „nur hören, was einer sagt“, sondern auch verstehen, was er meint, eigentlich „alle Techniken gleich“ sind, machen die Naka-Risto-Lehrgänge immer zu etwas ganz Besonderem. Ich hoffe, dass wir in zwei Jahren wieder zu diesem Event nach Berlin eingeladen werden – und habe uns vorsorglich schon wieder zwei Zimmer reserviert..... J

Mittwoch, 23. Mai 2018

Kata zählen

Heian Shodan

Heian Nidan

Heian Sandan

Heian Yondan: 27 Zähler, Fuß stoppt vor dem Keri am Knie und das wird je Seite mitgezählt – dafür hat die Ausholbewegung vor dem Kiai keine Zählzeit. Die Ausholbewegung wird vor dem Kopf und nach vorne (nicht zum hinteren Bein) ausgeführt. 

Heian Godan 

Tekki Shodan

Tekki Nidan

Tekki Sandan

Bassai Dai

Kata Moves and Kiai Points
Kata
No. of Moves
Position of 1stKiai
Position of 2ndKiaia
Heian Shodan 
21
9
17
Heian  Nidan
26
11
26
Heian Sandan
20
10
20
Heian Yondan
27
13
25
Heian Godan
23
12
19
Tekki Shodan
29
15
29
Tekki Nidan
24
16
24
Tekki Sandan
36
16
36
Bassai-dai
42
19
42
Kanku-dai
65
15
65
Jion
47
17
47
Empi
37
15
36
Hangetsu
41
11
40
Jitte
24
13
24
Gankaku
42
28
42
Sochin
41
30
41
Nijushiho
34
18
33
Gojushiho -sho
65
57
64
Gojushiho - dai
67
59
66
Bassai - sho
27
17
22
Kanku - sho
48
6
48
Wankan
24
24
-
Meikyo
33
32
-
Chinte
32
28
32
Unsu
48
36
48