Freitag, 15. März 2019

Anti-Mobbing-Training

In letzter Zeit häufen sich die Anfragen von Eltern, die sich Sorgen machen, weil ihre Kinder in der Schule gemobbt werden. Sie wenden sich an uns Trainerinnen und Trainer der Karateschule Fuji San Münster, weil sie hoffen, durch Karateunterricht ein "Schwert" gegen Mobbing in der Hand zu haben. Diese Anfragen ehren mich und ich gehe sehr bedacht mit meinen Ratschlägen um. 
Die Empfehlung "Wenn Dich auf dem Schulhof einer haut, dann hau zurück!", ist für mich nicht empfehlenswert. Ganz aktuell hatte sich ein Grundschüler, der auch ein Fuji ist, nach Schlägen, die ihn ins Gesicht getroffen haben, handgreiflich gewehrt. Und wann hat die Aufsichtsperson hingeschaut? Richtig: Beim Gegenschlag! So nachvollziehbar die Reaktion des Kindes war - ich kann sie leider nicht als "Faustregel" oder Lösungsansatz empfehlen!
Mobbing ist sehr komplex und vielschichtig und im Rahmen des Ausbildungsganges No Blame Approach bei der Fairaend-Akademie habe ich gelernt, Mobbing als ein systemische Phänomen zu betrachten. 
Im Extremfall ist die beste Lösung leider die, dass die unter Mobbing leidende Person das System verlässt. Das ist aber nicht immer leicht möglich und daher müssen Ansätze zum Einsatz kommen, die das ganze System (z. B. die Schulklasse und auch das Lehrpersonal) mit einbeziehen. 
Zuvor steht jedoch die Frage, ob es sich tatsächlich um Mobbing handelt - oder ob "nur" ein Kind immer wieder von einem anderen drangsaliert wird. Der Mobbing-Begriff aus soziologischer Sicht beschreibt nämlich "das wiederholte und regelmäßige, vorwiegend seelische Schikanieren, Quälen und Verletzen eines einzelnen Menschen durch eine beliebige Art von Gruppe". Hier muss man m. E. im System ansetzen und als Konfliktberater z. B. in die Schule / Klasse gehen und mit allen Kindern arbeiten. Handelt es sich um immer wieder aufflammende Streitigkeiten zwischen zwei Kindern, so ist z. B. Hilfe durch Selbstbehauptungstraining im Karateunterricht sinnvoll. 
Wie auch immer: Die Karateschule Fuji San Münster kann in beiden Fällen Hilfe anbieten! Sprecht uns an!

Samstag, 27. Oktober 2018

Street Combatives - realitätsbasierende Messerabwehr

.....bzw. Abwehr scharfkantiger Gegenstände.

Carsten Zimmermann von Street Combatives war bereits zum dritten Mal bei uns zu Gast. Die ersten beiden Male hatten wir uns mit dem Basis-Programm von Street Combatives beschäftigt. Aber jetzt war ich mal gespannt darauf, was SC im Bereich der Messerabwehr zu bieten hatte. „Wir nennen es ungern Messerabwehr“, so Carsten im gut einstündigen Theorie-Intro, „sondern Abwehr scharfkantiger Gegenstände.“ Denn eine Schere, ein Schraubenzieher, eine kaputt geschlagene Flasche – all das kann genauso verletzen wie die verschiedenen Messertypen, die Carsten zu Anschauungszwecken mitgebracht hatte. Wir sollten jetzt also Abwehr gegen diese fiesen, zum Teil zu hohem Blutverlust führenden Angriffe erlernen. Ob das auch in der Realität funktioniert? Ist das Training realistisch? „Wenn wir realistisch trainieren wollten, müssten wir Andrea bitten, uns zu sagen, wo wir in Münster die Niederlassung der Hells Angels finden,“ so Carsten weiter. Da sich die Zustimmung in der Trainingsgruppe zu diesem Vorschlag in Grenzen hielt und ich zudem auch gar nicht gewusst hätte, wohin ich die Jungs und Mädels hätte führen müssen, trainierten wir eben dann doch „nur“ realitätsbasierend, also so nah an der Realität, wie unter diesen Umständen möglich. 

Wie gewohnt führte Carsten uns durch einen abwechslungsreichen, methodisch und didaktisch optimal strukturierten Theorie- und Praxismix. Die Praxis startete mit einem Lauf-Warmup und danach ging es zunächst an die Pratzen, um Reaktions- und Konzentrationsvermögen zu schulen. Schließlich kamen dann aber auch Übungsmesser und Messerattrappen ins Spiel. 

Die praktischen Übungen bestanden den ganzen Nachmittag über eigentlich aus einem einzigen Prinzip, das etwas variiert und ausgebaut wurde. Zudem leitete Carsten uns durch verschiedene Bedrohungsszenarien: vom stakkatoartigen Zustechen auf Bauchhöhe über die Forderung zur Herausgabe von Geld und Wertgegenständen mit vorgehaltener Waffe bis hin zur Situation, bei der uns das Messer buchstäblich am Hals stand. Besonders realitätsbasierend finde ich persönlich den Trainingsansatz, nach der erfolgreichen Abwehr vom Tatort wegzulaufen, einen Bodycheck vorzunehmen („Bin ich verletzt, wenn ja, wie schwer?“) und die Polizei zu informieren (immer zuerst das „Wo“ nennen). „Pfeffer“ gab es für uns in Übungssequenzen, bei denen körperlicher Stress durch 30 sekündiges Sprinten auf der Stelle gefolgt von 30 Sekunden Liegestützen und weiteren 30 Sekunden drehen des eigenen Körpers auf der Stelle (vorn übergebeugt und mit zugehaltener Nase) simuliert wurde, bevor der Angriff und die dazugehörige Abwehr starteten. Ebenfalls spannend eine Partner/innen-Übung, bei der in der Mitte der Halle ein „Messer“ ausgelegt wurde und die beiden Übungsparteien sich je am Rand der Halle auf den Boden legen sollten. Auf Kommando wurde „zur Waffe“ gesprintet und wer sie zuerst in den Händen hatte, wurde Angreifer/in, der/die andere musste abwehren. Besonderes Highlight war dann aber wohl für alle ein Szenario mit Kunstblut, bei dem wir zu spüren bekamen, was Kämpfen für eine glitschige und eklige Angelegenheit sein kann, wenn Körperflüssigkeiten im Spiel sind J

Carsten schaffte es wieder einmal hervorragend, die 15 Teilnehmenden – zum Teil bereits SC-erfahren, zum Teil aus dem Karate aber vereinzelt auch ohne jegliche Vorkenntnisse – fünf Stunden lang unter einen Hut zu bringen, gemeinsam anzuleiten und trainieren zu lassen. Ein klasse Nachmittag, bei dem die Gruppe super zusammen passte und es keine Berührungsängste gab. Wir waren uns alle einig, dass das SC-Konzept großartig und eine super Ergänzung zu verschiedenen Kampf(kunst)konzepten ist. Alle wünschten sich unbedingt mehr Carsten und mehr Street Combatives!

Mittwoch, 12. September 2018

Alexander

Ich möchte von Alexander berichten. Alexander ist 6 Jahre alt und seit genau einem Jahr Mitglied der Karateschule Fuji San Münster. Er hat bis zu Beginn der Sommerferien in der Panda-Gruppe trainiert und war so fleißig und mit Leidenschaft bei der Sache, dass ich ihn vor den Ferien in die Füchse Gruppe eingeladen habe. In der Füchse-Gruppe trainieren wir schon Shotokan-Karate, da ist nicht mehr viel Spielerisches dabei, vielleicht mal ein Aufwärmspiel mit Karate-Bezug, aber sonst eine Stunde lang Kihon, Kata, Kumite. Mit sechs Jahren in diese Gruppe zu rutschen ist schon früh - aber bei Alexander wusste ich, dass er es schafft und auch mehr Input braucht. 
Nach den Ferien hatte er dann einmal an dem Training in der Füchse-Gruppe teilgenommen. Danach hörte ich, dass er sich in der Schule den Fuß gebrochen hatte! Wie bedauerlich!
Umso größer war meine Überraschung, als gestern Alexander mit seiner Mutter und zwei Gehhilfen bewaffnet vor der Dojo-Tür stand, entschlossen, dem Training beizuwohnen!
Er nahm mit einem traurigen Gesicht auf der Bank im Dojo Platz und stellte seine Gehhilfen neben sich ab. 
Ich variierte spontan den Trainingsablauf, ließ die Gruppe nicht wie üblich vor der Shomen Seite aufstellen, sondern seitlich im Dojo, so dass sie Alexander anblicken konnten. Die ersten Techniken durfte Alexander für die Gruppe zählen und dann begann er, alles, was er mit seinem Handicap machen konnte, mitzumachen: Tsuki, Age uke, Soto Uke im Sitzen und Mae Geri dann eben nur mit dem gesunden Bein. 
Als die Gruppe als "Motivationshilfe" zehn Liegestütze machen musste, rutschte er von der Bank und machte auch zehn Liegestütze - mit einem Bein in der Luft! 
Ich weiß nicht, ob er mit der Verletzung noch einmal wieder kommt - oder erst, wenn der Fuß verheilt und belastbar ist. Aber wenn er wieder kommt, werde ich ihn wieder in das Training integrieren. Ich werde alles tun, um diese Motivation, diese Leidenschaft für Karate in diesem kleinen Kerl zu erhalten.
Ich wünschte mir, in mir und vielen weiteren Fujis würde etwas mehr "Alexander" stecken. 
Osu.

Freitag, 7. September 2018

Kata Wettkampf im Training

zu zweit bis viert zusammentun

Einer beginnt mit einer beliebigen Technik. Der nächste führt diese Technik aus und fügt eine hinzu, der nächste die ersten beiden Techniken und eine weitere. Wer sich vertut, muss ausscheiden oder eine Strafaufgabe machen.

Am Ende der Übung muss jede Gruppe ihre Kata gemeinsam vorführen.

Kinder Selbstbehauptung und Selbstverteidigung

Die Übung, bei der mehrere im Kreis stehen und einer sich in der Mitte befindet, der versuchen soll auszubrechen, so umwandeln, dass ein Kind außen ist und versuchen soll, in den Kreis hinein zu kommen. Diese Übung auch als Mobbing-Übung verstehen: Was ist das für ein Gefühl, wenn man nicht in den Kreis kommen kann?
Die Kids im Kreis können sich wahlweise mit dem Gesicht nach außen oder nach innen drehen.

Dienstag, 4. September 2018

Meikyo Bunkai

1. erste Sequenz bis Oi Tsuki
Tori greift von vorne an mit Griff am Kragen.
Uke reißt die Arme nach oben und lässt sie kraftvoll auf die Arme des Tori fallen, Handflächen nach innen. Tori wird von der Wucht nachgeben und etwas runter sacken. Uke sticht anschließend mit den Fingerspitzen beider Hände, die er mit den Handflächen zu sich gedreht vor dem Körper hoch stößt, von unten gegen die untere Kopf/Kinnpartie des Tori.
Dann linke Handfläche drehen und Tori mit der Außenkante der linken Hand nach links drücken.
Ausholbewegung für Gedan Barei nutzen für Kopfdeckung an der rechten Kopfseite mit dem linken Arm (falls Tori einen erneuten Angriff dorthin versuchen sollte) und Bauchstoß mit dem rechten, gestreckten Arm. Mit links Tori an der linken Schulter packen und einen Schritt vorgehen, um Tori zu Fall zu bringen (Oi Tsuki kann, aber muss nicht ausgeführt werden.)

2. erste Sequenz, andere Möglichkeit
Tori greift an mit einem Schwinger und Uke blockt den mit links mit Shuto Uke (gestreckter Arm) frontal weg. Der rechte Arm macht Heito Uchi gegen den Hals des Tori und Uke geht weiter rum, bis er hinter Tori steht und packt diesen dann am Kragen, reißt ihn zu Boden und setzt nach.

3. Bo Uke
Angriff von Tori mit Schwinger, Uke geht in den Angriff rein mit einer Art Kokotsu Dachi, dabei den linken Arm mit offener Hand wie Age Uke halten und den rechten gestreckt wie Gedan Nukite. Mit der rechten Hand dann im Schritt greifen und einmal fest nachstoßen. Dann auf der Stelle umdrehen und den Tori zu Fall bringen.