Metro, Bus und Bahn beinahe immer mega pünktlichTarifsystem der Metro erschließt sich nicht auf den ersten Blick, da viele Linien, viele Zonen und verschiedene Anbieter (u. a. JR-Line, die nicht zu den städtischen Linien zählt). Manchmal muss man dann beim Ausgang aus einer Metro-Station nachlösen. Die Höhe der Nachlösesumme hat sich mir nicht erschlossen. Ratschlag: Vor Lösen eines Tickets das Endziel angeben und dann den entsprechenden Betrag einlösen, dann klappt es meistens
Kein Diebstahlrisiko
Viele Türen unverschlossen bzw. es steckt sogar von außen ein Schlüssel drin! Wenn jemandem etwas aus der Tasche fällt, bücken sich gleich fünf Passanten, um darauf aufmerksam zu machen oder den Gegenstand hinterher zu bringen. In Großstädten findet man zudem an jeder Ecke eine police-box, ein kleines Büro, in dem die Polizei Präsenz zeigt - vielleicht mit dem klassischen Streifenpolizisten vergleichbar.
Sauberkeit und Ordnung in öffentlichen Bereichen
Auffällig war, dass Japan sehr sauber ist! Dies beziehe ich auf alle öffentlichen Bereiche. Selbst in Metrostationen, auf Bahnhöfen - Bereiche, die in westlichen Ländern häufig total vermüllt sind und - zumindest dem Geruch nach - gerne mal als "Gelegenheitstoilette" benutzt werden, sind in Japan auffallend sauber! Kein Müll, kein Unrat, kein unangenehmer Geruch beleidigen Auge und Nase und weit und breit ist niemand zu sehen, der bedrohlich wirken könnte oder in irgendeiner Form bettelt oder "abhängt".
Rauchen
Ein bisschen schade fanden es Torsten und ich, dass in japanischen Restaurants und auch in Hotels das Rauchen Gang und Gäbe ist! Das hat uns so manches Mal den Genuss des Essens verdorben oder verkürzt oder sogar komplett vom Betreten einer Lokalität abgehalten. Verfügte ein Restaurant über einen Nichtraucherbereich, so war dieser allenfalls durch eine hüfthohe Trennwand vom Raucherbereich abgetrennt und gerne in eine fensterlose Ecke verbannt! Hotelzimmer für Nichtraucher waren gerne in den allerobersten Stockwerken und meist gelangte durch die Lüftungsanlage dann doch noch der Qualm aus anderen Zimmern in die eigene Schlafstätte.
Witziger Weise ist auf der Straße das Rauchen meist strickt verboten! Klar, so hält man die Stadt ja auch sauber! Wer draußen rauchen möchte, muss sich dort eine spezielle Raucherzone suchen. In Zügen, Metrowaggons etc. ist das Rauchen zum Glück auch verboten.
Kein Trinkgeld
Das Geben oder Empfangen von Trinkgeld ist nicht nur unüblich, sondern kann sogar als Beleidigung aufgefasst werden. Selbst 3 Yen wurden mir erstattet (100 Yen = 1 Euro)!
Häufiger Schuhwechsel
Beim Betreten einer Wohnung Straßenschuhe ausziehen und Hausschuhe an, beim Betreten des Wohn/Schlafbereichs auch Hausschuhe aus (auf Tatamis auf Socken oder barfuß laufen); vor Betreten des Badezimmers / der Toilette, Hausschuhe ausziehen und "Kloschuhe" anziehen! Mit dem Kloschuhen niemals die übrige Wohnung betreten!!!
Die Badeanstalt
Hotelzimmer ohne Duschen sind in westlichen Ländern dem Low-Budget-Reisen vorbehalten. In Japan nicht. In Kyoto hatten wir etwa eine sehr schöne Unterkunft, allerdings nur mit Toilette und Waschbecken. Die Körperreinigung führte man in dem angeschlossenen Onsen durch - einem (in diesem Fall: öffentlichen) Badehaus, in dem nach Geschlechtern getrennt gebadet wird. Der Begriff "Badeanstalt" wird hier also noch seiner ursprünglichen Bedeutung gerecht! Den Weg vom Hotelzimmer zum Onsen beschreitet man in einem Yukata (einfacher Hausmantel), den man im Hotelzimmer vorfindet (und meist bekommt man jeden Morgen einen frischen Yukata). Man betritt die nach Geschlechtern getrennten Umkleideräume mit Schrankfächern oder Plastikkörben, in denen man seine Kleidung und Habseligkeiten (auch Zimmerschlüssel etc., denn es klaut ja keiner!) verstaut und betritt unbekleidet und am Besten auch komplett ohne Handtuch o. ä. den Baderaum.
Hier befinden sich zahlreiche Waschtische mit Waschbecken und Brausekopf, vor denen man sich auf einem Plastikhocker niederlässt. Duschdas, Shampoo und Conditioner stehen ausreichend (und für meine Begriffe in guter Qualität) zur Verfügung, braucht man also alles nicht mitzuschleppen. Hier wird erwartet, dass man sich mindestens 15-20 min ausgiebig reinigt (mit Haarewaschen etc.), bevor man das große Badebecken betritt. Das Badewasser ist zuweilen sehr warm! Es entspringt (immer?) Thermalquellen, die in Japan allgegenwärtig sind. Meist gibt es Massagedüsen oder -brausen im Wasser, die man nutzen kann. Die Badehäuser sind ein Treffpunkt der Nationen, der Generationen, der Kulturen und eine schöne Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Manchmal gibt es auch noch eine Sauna. Ruheliegen oder Außenbereiche habe ich nirgends entdecken können. Die Stätte dient wohl tatsächlich in erster Linie der Körperreinigung. Nach dem Bad findet man im Umkleideraum Handtücher in Hülle und Fülle, die man nutzt und dann in einen aufgestellten Behälter wirft. Ein Traumort für diese Onsen soll der Ort Beppu auf der Halbinsel Kyushu sein. Leider konnten wir diesmal dort keine Unterkunft bekommen, sonst hätten wir das gerne ausprobiert.
Verbeugen, verbeugen, verbeugen
Das wird einem als Karateka ziemlich schnell zur Routine, so dass ich jetzt zu Hause aufpassen muss, es hier nicht weiter zu pflegen und meine Mitmenschen zu irritieren :-) Gelegentlich bietet jemand einen Händedruck an (Menschen mit viel Kontakt zu "Westlern"). Sehr selten gibt es mal eine freundschaftliche Umarmung. Körperkontakt in der Öffentlichkeit kommt beinahe nicht vor (außer zwischen Eltern und ihren kleineren Kindern). Das Verbeugen kann, wenn man es sehr "japanisch" betrachtet, recht kompliziert werden, da unter anderem die soziale Stellung darüber entscheidet, wie lange und wie tief man sich verbeugen soll, darf, muss. Als Faustregel gilt: je tiefer, desto ehrerbietiger. Ein Beugewinkel von 45 Grad ist z. B. für einen Schrein- oder Tempelbesuch, die Entschuldigung schwerwiegender Fehler oder besonders wichtiger Personen vorbehalten. Ein Winkel von 30 Grad ist bei einer förmlichen Bitte angebracht, gegenüber dem Boss, einem Lehrer (oder Karate-Sensei) oder einer deutlich älteren Person. Neutral werden Gleichgestellte, Kollegen, Freunde und Familienmitglieder begrüßt (Beugewinkel etwa 15 Grad) und für alle anderen reicht eine Oberkörperbeugung von 5 Grad aus. Japaner lernen das Verbeugen von Kindesbeinen an und haben es tief verinnerlicht. So ist es nicht ungewöhnlich, wenn man Japaner beobachtet, die sich während eines Telefonats mehrfach verbeugen (beim Entgegennehmen eines Telefonats meldet man sich übrigens mit "moshi, moshi").
Japanische Küche
Es wäre vermessen von mir, hierüber etwas zu schreiben, das den Anspruch auf Vollständigkeit erfüllt! Ich kann nur so viel sagen: lecker, lecker, lecker, meist sehr sättigend und sehr, sehr frisch! Wir haben sehr viele Speisen getestet, die mit unserer fleischlosen Ernährung kompatibel waren (und manchmal auch nicht ganz, das hat man dann erst beim Essen gemerkt ;-) ). Sushi war allgegenwärtig, aber dadurch, dass wir das hier in Deutschland auch in Hülle und Fülle genießen können, nicht spektakulär. Die Verpflegung während des JKA-Spring Camps (musste bei der Anmeldung bestellt werden) erfolgte mittels Bento-Boxen, in denen sich Sprossen, Fisch und Gemüse tummelten. Beim Frühstücksbuffet war die "Delikatesse" Natto allgegenwärtig, eine kleine Portion vergorener Bohnen, die beim Essen schleimige Fäden zieht und "gewöhnungsbedürftig" riecht und schmeckt. Nach allem, was ich im Vorfeld darüber gelesen hatte, fiel der Schritt, es auszuprobieren, sehr schwer! Aber ich habe es getan (anders als Torsten, der sich nicht getraut hat ;-) ). Und es war nicht sooooo schlimm :-) Wann mal einen Blick auf die Tabletts der japanischen Hotelgäste warf, sah man überall die kleinen Natto-Töpfchen, die vor dem Verzehr der Paste luftdicht mit Folie überzogen sind.
Tee in zahlreichen Variationen gehören zum japanischen Alltag und kosteten mich einiges an Überwindung. Aber irgendwann freut man sich nach einem langen Tag des Ansehens und Umherlaufens oder Trainierens im Appartement doch über eine Tasse frisch aufgebrühten grünen Tees! Zum Glück gibt es aber an Frühstücksbuffets und in zahlreichen Cafés (Caffees) ausreichend koffeinhaltige Heiß- oder Kaltgetränke (Eiskaffee ist wohl sehr populär!).
Das geilste Sashimi (roher Fisch) hatten wir wohl in Kyoto, in einer kleinen Eckkneipe unweit unseres Hotels - daumendicke Stücke Thunfisch und Lachs, Oktopus und weitere Fischarten, die ich nicht zuordnen konnte, verwöhnten unsere Gaumen. Noch vor wenigen Wochen hätte ich nicht geglaubt, jemals so große Stücke rohen Fisches verspeisen - und genießen! - zu können! In dieser kleinen Restaurant-Kneipe lernte ich Ochazuke kennen: Reis vom Vortag (oder auch nicht) kann mit heißem grünen Tee aufgewärmt werden. Hinzufügen kann man alles, was Spaß macht: Tofu, Lachs, Reiscracker, Algen .... da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt!
Eine weitere Spezialität war Okonomiyaki: Okonomi bedeutet „Geschmack“, „Belieben“ im Sinne von „was du willst“; yaki bedeutet „gebraten“ oder „gegrillt“.Traditionell wird Okonomiyaki am Tisch auf einer heißen Eisenplatte (jap. Teppan) mithilfe eines Spatels gebraten. Die Grundzutaten sind Wasser, Kohl, Mehl, Ei und Dashi (Fischsud). Weitere Zutaten werden nach Belieben hinzugefügt; sie variieren je nach Region Japans. Dafür eignen sich unter anderem alle Fleisch- und Fischsorten, Gemüse, Mochi oder Käse. Man mischt die Zutaten in einer Schüssel und leert diese auf den heißen, gefetteten Teppan, wo der Fladen durchgebraten wird. Okonomiyaki haben in etwa die Form eines Eierkuchens. Gewürzt wird mit einer speziellen Okonomiyaki-Sauce und Katsuobushi (getrockneter und zerriebener Thunfisch). Aufgrund der Zubereitungsweise und den variablen Zutaten wird das Gericht auch Japanische Pizza genannt, allerdings hat das Gericht sonst keine Ähnlichkeit mit Pizza. Bei der Version aus Hiroshima (wo wir das Gericht aßen) auch Hiroshima-yaki (広島焼き) genannt, wird zuerst ebenfalls eine Art Crêpe auf dem Teppan zubereitet. Auf diesem wird der in feine Streifen geschnittene Kohl und die Gewürze, darauf klein geschnittenes Fleisch und Meeresfrüchte geschichtet und zusammen gegart. Während dessen werden gekochte Soba (Buchweizennudeln) gesondert auf dem Teppan gebraten und anschließend auf dem Fladen verteilt. Das Ganze wird auf der Platte gewendet und mit den Nudeln nach unten weiter gebacken. Dann wird das Okonomiyaki auf ein extra vorbereitetes Ei gelegt, gebraten und anschließend noch einmal umgedreht. Die Portionen werden mit einem Spachtel portionsweise abgestochen und auf das eigene Essgeschirr gelegt und mit Okonomiyaki-Sauce verzehrt.
Sanitäre Sauberkeit
Aus dem Reiseführer kannten wir schon das ausgeklügelte Toilettensystem: In Japan nutzt man traditionell Toiletten, bei denen man sich für das große und kleine "Geschäft" abhocken muss. Diese Variante wird größtenteils inzwischen durch "westliche" Toiletten-Modelle abgelöst. Für "Anfänger" ist auf den "Hock-Toiletten" meist noch eine piktografische Anleitung vorhanden.
Auch die "westlichen" Toiletten sind meist etwas "anders", als wir sie kennen: Sie verfügen größtenteils über eine oder mehrere Bidet-Funktionen, bei denen man zum Teil nicht nur die Sprüh-Funktion wählen kann, sondern auch die Temperatur und meist noch weitere Attribute. In der japanischen Kultur sind Körpergeräusche aller Art verpönt und daher ertönt meist bei der Toilettenbenutzung so einer High-Tech-Toilette ein Wasserplätschern vom Band oder Musik, die eigene Körpergeräusche übertönt. Fanden wir diese Toilettenarten am Anfang vielleicht befremdlich oder witzig, so gewöhnten wir uns doch schnell daran und lernten sie zu schätzen. Aber: immer schön an die Klo-Schuhe denken :-)
Mundschutz
Viele Japaner tragen einen Mundschutz und Mundschützer sind in allen Supermärkten in Hülle und Fülle erhältlich! Grund ist zum Einen eine panische Angst vor Infektionen aller Art! Zum Anderen dient der Schutz auch der Verbreitung eigener Keime. In Japan ist z. B. Naseputzen verpönt. Es gibt auch keine Tempotaschentücher zu kaufen. Statt dessen wird die Nase hinter dem Mundschutz verborgen.
Kirschblüte
Torsten und ich hatten das große Glück, zur Zeit der Kirschblüte in Japan zu sein. Die Kirschblüte, Sakura genannt, verzaubert das Land und bedeutet für Japan eine ähnlich festliche Zeit wie bei uns die Adventszeit! Die ganze Welt scheint in ein rosarotes Blütenmeer getaucht zu sein! Menschen fotografieren einander oder sich selbst vor, unter, zwischen Kirschblüten und wer Zeit hat, veranstaltet ein Hanami, ein Picknick unter Kirschbäumen! Herrlich!
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Donnerstag, 20. April 2017
Dienstag, 26. Oktober 2010
Berlin mit Johanna - 18.-22.10.2010
Berlin - Ein dichter Klangteppich liegt über der Stadt und erstickt die Stille - überall Verkehrslärm, Musik, Lautsprecheransagen oder allgemeines Stimmengewirr! Das war mein erster Eindruck! Egal, wo man sich befand - es war wegen der zahlreichen Nebengeräusche z. B. unmöglich, mal eben zu Hause anzurufen und Bescheid zu geben, dass man gut angekommen war! Ein blitzeblauer Himmel war unser treuer Weggefährte während der Bus- und Bahnfahrt gewesen. Im Zug hatten uns geduldig unsere zwei reservierten Sitze erwartet und boten uns Asyl für die recht kurzweilige Fahrt. Fix fanden wir in der Hauptstadt durch das S- und U-Bahn-Labyrinth und nahmen dann, unendlich dankbar, die schwere Reisetasche abstellen zu können, den Wohnungsschlüssel in Empfang. Hinter der Haustür unseres hübsch renovierten Wohnblock-Komplexes begrüßte uns der Duft von Bohnerwachs und Kochgerüchen. Eine echte Überraschung war dann das wirklich außerordentlich nette Appartement, welches uns die nächsten Tage über beherbergen sollte. Johanna machte uns direkt erstmal das Bett (Schlafcouch) und den Fernseher klar, so dass die wichtigsten Bedürfnisbefriedigungen für die kommende Zeit gesichert waren. Kurzes Relaxen bei TV (Johanna) und einem Kaffee aus der Senseo-Maschine (ich) und wir waren wieder fit für die ersten Exkursionen!
Zunächst zu Fuß ging es erst einmal durch das Wohnviertel, welches größtenteils grade saniert bzw. renoviert wird, und dennoch nicht eines etwas alternativen und gemütlichen Sponti-Charmes der Kreuzberger Hausbesetzerszene entbehrt: Alles bunt, einfallsreich, lebendig und cool - Kneipen, Bäckereien, ein Frauenladen, Shops und sogar Erotik-Boutiquen - wozu eigentlich noch in die City fahren? ;-)
Wir erreichten die Hauptstraße, die als Achse direkt auf den Fernsehturm am Alexanderplatz führt und ich war irgendwie überrascht, dass sie den Namen Karl-Marx-Allee trug, den Namen des deutschen Nationalökonomen und Philosophen, Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus. Auch die fast erdrückende, irgendwie unheimliche aber im Grunde auch beeindruckende Bebauung der Allee im Stil des sozialistischen Klassizismus erstaunte mich. War hier irgendwie die Zeit stehen geblieben? Ich erfuhr, dass die Karl-Marx-Allee bis 1961 Stalinallee hieß – naja, dann ist Karl-Marx-Allee ja doch eindeutig die bessere Wahl! Schon von weitem grüßten uns die Türme am Frankfurter Tor, die den Gontardschen Kuppeln des Französischen und des Deutschen Doms am Gendarmenmarkt nachempfunden sein sollen. Unterwegs kamen wir an einem Ladenlokal vorbei, vor dem etliche Quadratmeter des Bürgersteigs mit großen, unter der Last zahlreicher gebrauchter Bücher, CDs, LPs und Spiele bald zusammenbrechenden Tischen belegt waren. "Buch 1 Euro", lockte ein Schild. Wir betraten das Ladenlokal, das sich als ein Café mit angeschlossenem Antiquariat entpuppte und uns fast unmittelbar verzauberte! Was gab es hier alles zu entdecken! Da waren nicht nur alte Kinderbücher, die mich per Zeitmaschine in meine ersten Lebensjahre zurückkatapultierten, sondern auch zahlreiche, zum Teil irgendwie kurios wirkende Bücher aus DDR-Zeiten aber auch westliches Lesegut mit längst überholten Ratschlägen und Lebensweisheiten. Als ich einen Kaffee bestellen wollte, famd ich im Angebot des Cafés ein Bier namens Pinkus - aus Münster! Es sei ein tolles Bio-Bier, sagte die Bedienung mir und erklärte damit, warum man es in diesem Café mit Öko-Touch auf der Karte habe. Also, der Laden war eine echte Oase im lauten und konsumfreudigen Berlin, werde ich mir sicher für den nächsten Besuch merken! Ich muss sagen, dass ich wohl sonst nirgends im öffentlichen Raum in Berlin so zufriedene Menschen gesehen habe, die, still vor sich hinlächelnd, pures Glück ausstrahlten.
Johanna hatte jetzt Hunger. Und sie rief einen Laufstreik aus. Also suchten wir die nächste U-Bahn-Station auf und besorgten uns ein Berlin-Welcome-Ticket. Das war echt ein großer Glücksgriff: freie Fahrt mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln und ermäßigter Eintritt in fast alle öffentlichen Einrichtungen (Museen, Theater, Kabarett...). Wir steuerten das KaDeWe an der Tauentzienstraße an. Vorher kamen wir noch an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche vorbei, dessen verstümmelter Turm wie ein mahnender Zeigefinger in den inzwischen dunklen Himmel ragte. Größer als hier, auf dem Ku-Damm, konnte der Kontrast zu der friedlichen Öko-Atmosphäre des Antiquariats nicht sein - Lärm, Gestank, Konsum. Irgendwie hetzten alle nur durch die Gegend auf der Suche nach - ja, nach was eigentlich? Jedenfalls konnten weder Johanna, noch ich den Besuch im KaDeWe genießen und fanden auch nichts Tolles an der viel gepriesenen Delikatessenabteilung im Obergeschoss.
Bald ging es dann heimwärts ins Samariterviertel in Friedrichshain, wo wir bei einem Italiener noch eine Pizza bzw. eine Portion Nudeln aßen, um schließlich total erschöpft in die Betten zu fallen.
Dienstag schlief Johanna erstmal ausgiebig aus - schließlich waren ja auch Ferien! Um 11 Uhr holte uns Familie Araee ab: Vater, Mutter und Shirin, Johannas Freundin aus dem letzten Italienurlaub. Leider war vom schönen Wetter des Vortags nichts mehr zu sehen - regnerisch und windig zeigte uns Berlin sein Alltagsgesicht. Mit dem PKW fuhren wir zunächst zum Park Friedrichshain, in dem sich ein reiseführerwürdiger Märchenbrunnen befinden sollte. Nach einigem - recht lustlosen - Herumlaufen fanden wir ihn dann auch. Er spuckte aber, ausgeschaltet, kein Wasser aus und war daher wenig spektakulär. Aber wenigstens hatten die Mädels etwas Auslauf und auch wir konnten uns die Beine ein wenig vertreten. Wieder im Auto fuhr uns Amir Araee durch "sein" Berlin - es ging zum Offiziersbunker nach Treptow, durch das Regierungsviertel, zum Checkpoint Charly und nach Kreuzberg, wo wir schließlich in einem türkischen Imbiss allerlei Leckereien zu uns nahmen. Am Ostbahnhof kam mir einiges sehr bekannt vor: Ich erkannte die Stahlkonstruktion des Bahnhofs und auch die noch bestehenden, mit Graffiti verschönten, Mauerreste wieder: Hier war ich bei meinem ersten Berlinbesuch vor über vier Jahren zu einer Erkundungstour durch Berlin losgelaufen! Mit Shirins Mutter Arzu und den Kids begab ich mich anschließend im Ortsteil Wilmersdorf, unweit der Wohnung von Familie Araee, in eine kleine Kletterhalle, wo die Mädels sich konditionell für diesen Tag den Rest gaben! Abends wurden wir von Amir in der Landhausstraße empfangen: Er hatte für uns ein festliches Mahl, bestehend aus Fisch, Ente, Nudeln und Gemüse zubereitet. Dazu gab es den von uns mitgebrachten Rotwein. Hmmmmm! Den Tag beschlossen die Kids und ich mit einem ausgiebigen Monopolyspiel, bevor Johanne und ich die Heimfahrt nach Friedrichshain antraten.
Mittwoch - Johanna war nicht wach zu kriegen! Dabei wollten wir doch an diesem Tag ins Deutsche Historische Museum (DHM), uns die Ausstellung "Hitler und die Deutschen" ansehen! Erst gegen Mittag zogen wir los, erstmal wieder zu Fuß bis zum Frankfurter Tor, wo ich mir gerne das viergeschossige Second-Hand-Kaufhaus Humana ansehen wollte. Hier gab es - ähnlich wie im Antiquairat, ein paar hundert Meter weiter - wieder unendliche Schätze aus aktueller Zeit und auch aus vergangenen Jahrzehnten! Ich erstand ein paar nette Kleidungsstücke für Johanna und für mich sowie DIE Handtasche, die ich schon so lange suchte! Als wir dann schwer bepackt die U-Bahn Richtung Alex bestiegen, beschlich mich doch der Zweifel, ob es eine so gute Idee war, zu Tagesbeginn diese Einkäufe zu tätigen.... wohin bloß mit den vielen Tüten! Ohje! Im DHM zahlte ich Dank Welcome-Karte nur 3,50 Euro für uns beide, einschließlich der Kosten für die Sonderausstellung! Abgabe von Garderobe und Gepäck war zudem kostenlos! Der Mann an der Kasse warnte uns schon, dass wir am Eingang der Ausstellungsräume vermutlich lange anstehen müssten. So war es dann auch. Aber die beeindruckende Ausstellung entschädigte mehr als ausreichend! Selten war zuvor so komprimiert der Versuch gestartet worden, zu erklären, auf welcher bösen Magie und welchen schrecklichen Zufällen sich die Anziehungskraft Hitlers und seines Gefolges begründete! Zwischendurch war ich immer wieder beeindruckt von der Auffassungsgabe meiner 10-jährigen Tochter: Ich selber wäre in dem Alter vermutlich total überfordert gewesen mit so einem schwierigen Thema! Sie aber begriff schnell, stellte kluge Fragen und freute sich diebisch über Hitler in der Figur des "Kleinen Arschlochs" von Walter Moors. Die Ausstellung macht eben nicht beim Ende des 2. Weltkriegs Halt, sondern beleuchtet auch, wie die Deutschen anschließend und bis in die Gegenwart hinein, mit dem Thema Hitler umgingen und -gehen.
Im Museumscafé gönnten wir uns eine ausgiebige Pause! Anschließend besorgte ich noch ein Buch für Familie Araee (Die Bücherdiebin), über das wir am Vorabend gesprochen hatten und dann brachte ich Johanna zu ihrer "neuen besten Freundin", damit sie dort die Nacht verbringen sollte. Ich selber beeilte mich, denn ich wollte den Abend nicht nutzlos verstreichen lassen, sondern mir entweder die Show "We Will Rock You" oder eine Vorstellung im ehemaligen DDR-Kabarett Die Distel ansehen. Da die Rock-Show bereits ausverkauft war, fuhr ich fix zum kleinen ehemaligen Osttheater am Bahnhof Friedrichstraße und besorgte mir eine Eintrittskarte: Reihe 1, Platz 1! Selbst beim Kabarett hätte ich mit meiner Berlin Welcome-Card 25 % des Eintrittspreises gespart - hätte ich nur beim Kartenkauf in der Eile daran gedacht! Die Vorstellung "Das Guido-Prinzip" war zwar nicht der Hammer, aber ganz unterhaltsam. Das Durchschnittsalter des Publikums lag bei gefühlten 50 Jahren! Am meisten hat mich der "Geist der alten Tage" in diesem Theater berührt, die Atmosphäre des steten kleinen Widerstands zu DDR-Zeiten!
Donnerstag - ich konnte es kaum fassen - ein ganzer Tag für mich allein! Johanna hatte ja bei Shirin geschlafen und ich konnte mich mal kulturell so richtig austoben! Gegen 09:30 Uhr zog ich los, zunächst zu den Hackeschen Höfen. Dort erstand ich zunächst ein paar Souvenirs für meine Kids daheim. Anschließend suchte ich das vielgepriesene Pergamonmuseum auf. Es waren zwar einige Kinder, auch kleinere, mit ihren Eltern unter den Besuchern, aber ich war doch froh, keine genervte und hier sicherlich gelangweilte Johanna an meinen Beinen hängen zu haben. Das war doch schon sehr schwere Kost für ein Kind, diese "alten Steine"...Bei mir verursachten die Bauten aus vergangenen Jahrhunderten - ja: Jahrtausenden - aber eine Gänsehaut nach der anderen - wow, so viele Geschichte auf einem Fleck! Echt der Hammer! Der Eintritt ins Museum war zwar ausnahmsweise mal nicht Welcome-Card-subventioniert, dafür war aber das Leihen des Audio-Guides kostenlos! Und das hatte sich hier echt gelohnt! Ich gebe zu, dass ich komplett ohne Vorinformationen in das Museum gegangen war. Unter einem "Altar" hatte ich mir in etwa das vorgestellt, was bei uns als Gabentisch in der Kirche steht. Daher war ich natürlich total erschlagen von der Größe des dem Museum den Namen gebenden Pergamonaltars! Das ist ja ein kompletter Tempel! Wow, wie riesig und beeindruckend! Auch die Geschichten, die durch die sich ihn schmückenden Figuren und Reliefs erzählt werden, waren spannender als jedes TV-Programm!
Fast noch beeindruckender fand ich das Tor von Milet (2. Jahrhundert n. Chr.) mit seinen filigranen Ornamenten! Auch das Ishtar-Tor zu Babylon, das aus Zeiten Nebukadnezars (ca. 600 v. Chr.) stammen soll, ließ mich schaudern. Sollte ich tatsächlich an einem einzigen Vormittag so vielen Zeugen des Altertums gegenüberstehen? Unfassbar! Nicht ganz so alt, aber ebenso beeindruckend war dann im Flügel für islamische Kunst das Aleppo-Zimmer, welches etwa aus dem Jahre 1600 n. Chr. stammt und komplett aus Holz besteht!
Puh, nach soviel Kultur brauchte ich erstmal frische Luft! Ich lief zu Fuß zum Gendarmenmarkt, an dem ich von den prächtigen Wiederaufbauten des Französischen und des Deutschen Doms begrüßt wurde. Ich erfuhr, dass es sich bei den Bauten nicht um Kirchen handelte, sondern dass der Name Dom vom französischen dôme = Kuppelbau stammt. Ich folgte einem Hinweis in das kleine Hugenottenmuseum um die Ecke, an dem auch die Zeit stillzustehen schien! Was für ein verzauberter, fast andächtiger Ort!
Schließlich zog ich weiter am Checkpoint Charly vorbei, an der Zimmerstraße dem Mauerrundgang folgend, zur Topografie des Terrors. Leider näherte ich mich der Ausstellung von der falschen Seite aus und begann, die Geschichte des Naziterrors gegen Juden, Behinderte und Homosexuelle vom Ende des zweiten Weltkrieges an rückwärts zu erkunden. Aber beeindruckend war es dennoch und die nasse Kälte, die mir allmählich durch die Kleider drang, unterstrich den grausigen Eindruck noch.
Eine richtig knifflige Aufgabe war es dann, von dort aus zu meinem nächsten Kulturziel zu kommen, zum Bauhaus-Archiv an der ... ! Hier gab es weder eine gescheite S-, noch U-Bahnverbindung und mit dem Busnetz kannte ich mich nicht so recht aus. Also was blieb mir anderes, als ab dem Nollendorfplatz zu laufen? Es war ein ganz schönes Stückchen, vorbei an einigen Botschaften und auch am Chinesischen Haus, dem ich einen kleinen Besuch abstattete. Hier gab es eine kostenlose Ausstellung mit einigen chinesischen Vasen und Keramiken und auch Werken eines Fotografen, der Orte in China, überwiegend in Shanghai, aufgenommen hatte. Da kamen einige Erinnerungen an meinen China-Trip mit Franzi vor zweieinhalb Jahren auf! Außerdem war es im China-Haus schön warm ;-) Endlich am Bauhaus-Archiv angelangt, erfuhr ich, dass es bereits eine Dreiviertelstunde später geschlossen werden sollte. Aber ehrlich gesagt gab es auch nicht soviel her, und ich war sogar noch vor Toresschluss wieder auf der Straße!
Bei Familie Araee gab es dann ein großes Trennungsdrama - unsere Girlies konnten und wollten einfach nicht voneinander lassen, so dass ich doch noch zum Abendessen blieb. Es ist schon irgendwie lustig, wenn ein Perser und eine Tscharkessin (aus dem Kaukasus) zum Abendessen Handkäse mit Musik anbieten ;-) Aber leeeecker!!!
Eigentlich wollten Johanna und ich am letzten Urlaubstag in Berlin ausschlafen - wurden aber von den Handwerkern am Dach unserer Unterkunft geweckt. Wir frühstückten in Ruhe und brachten die Wohnung in Ordnung. Dann verfluchte ich sämtliche Museumsführer, Nachschlagewerke und Mitbringsel, die wir während unseres Aufenthalts in der Hauptstadt erworben hatten - denn meine Reisetasche drohte, mit ihrem Gewicht eine tiefe Kerbe in meinen Schultergürtel zu schneiden. Boh, war dat schweeer! Die letzten Urlaubsstunden wollten wir im Zoologischen Garten verbringen und ich folgte zuvor meiner glorreichen Idee, unser Gepäck auf dem Weg dorthin bereits am Bahnhof abzugeben. Für schlappe fünf Euro war ich also nun meine schwere Last bis zur Abfahrt um halb sieben los! Unbeschwert zogen wir nun durch den Zoo in der Berliner Innenstadt und ich musste mich erst einmal daran gewöhnen, dass das Gebrüll der Löwen und Affen mit Verkehrsgeräuschen und den quäkenden Ansagen des Nahen Bahnhofs Zoo vermischt war! Der Zoo selber war mit seinem alten Baum- und Gebäudebestand recht nett anzuschauen. Aber wie immer taten mir die unter dem Vorwand der Arterhaltung eingesperrten Tiere irgendwie nur Leid! Vor allem Pandabär Bao Bao machte einen kreuzunglücklichen Eindruck! Vielleicht am Besten unter den Tieren hatten es noch die zahlreichen Affenarten, denen wir zum Teil sicher mindestens eine halbe Stunde lang bei ihrem munteren Treiben zusahen.
Den Weg zum Bahnhof nahmen wir über den Potsdamer Platz, an dem wir den Schlund der unterirdischen Fahrmöglichkeiten verließen und zu Fuß am Tiergarten entlang (Denkmal der von den Nazis verfolgten Homosexuellen und Goethe-Denkmal) liefen. Wir machten eine Pause am Holocaust-Denkmal und passierten dann noch das Brandenburger Tor und den Reichstag, bis wir schließlich nach der Spreeüberquerung den Bahnhof erreichten. Dann hieß es auch schon bald Abschiednehmen von der Hauptstadt und mit vielen Eindrücken in Kopf und Herz fuhren wir wieder westwärts in die Provinz.
Zunächst zu Fuß ging es erst einmal durch das Wohnviertel, welches größtenteils grade saniert bzw. renoviert wird, und dennoch nicht eines etwas alternativen und gemütlichen Sponti-Charmes der Kreuzberger Hausbesetzerszene entbehrt: Alles bunt, einfallsreich, lebendig und cool - Kneipen, Bäckereien, ein Frauenladen, Shops und sogar Erotik-Boutiquen - wozu eigentlich noch in die City fahren? ;-)
Wir erreichten die Hauptstraße, die als Achse direkt auf den Fernsehturm am Alexanderplatz führt und ich war irgendwie überrascht, dass sie den Namen Karl-Marx-Allee trug, den Namen des deutschen Nationalökonomen und Philosophen, Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus. Auch die fast erdrückende, irgendwie unheimliche aber im Grunde auch beeindruckende Bebauung der Allee im Stil des sozialistischen Klassizismus erstaunte mich. War hier irgendwie die Zeit stehen geblieben? Ich erfuhr, dass die Karl-Marx-Allee bis 1961 Stalinallee hieß – naja, dann ist Karl-Marx-Allee ja doch eindeutig die bessere Wahl! Schon von weitem grüßten uns die Türme am Frankfurter Tor, die den Gontardschen Kuppeln des Französischen und des Deutschen Doms am Gendarmenmarkt nachempfunden sein sollen. Unterwegs kamen wir an einem Ladenlokal vorbei, vor dem etliche Quadratmeter des Bürgersteigs mit großen, unter der Last zahlreicher gebrauchter Bücher, CDs, LPs und Spiele bald zusammenbrechenden Tischen belegt waren. "Buch 1 Euro", lockte ein Schild. Wir betraten das Ladenlokal, das sich als ein Café mit angeschlossenem Antiquariat entpuppte und uns fast unmittelbar verzauberte! Was gab es hier alles zu entdecken! Da waren nicht nur alte Kinderbücher, die mich per Zeitmaschine in meine ersten Lebensjahre zurückkatapultierten, sondern auch zahlreiche, zum Teil irgendwie kurios wirkende Bücher aus DDR-Zeiten aber auch westliches Lesegut mit längst überholten Ratschlägen und Lebensweisheiten. Als ich einen Kaffee bestellen wollte, famd ich im Angebot des Cafés ein Bier namens Pinkus - aus Münster! Es sei ein tolles Bio-Bier, sagte die Bedienung mir und erklärte damit, warum man es in diesem Café mit Öko-Touch auf der Karte habe. Also, der Laden war eine echte Oase im lauten und konsumfreudigen Berlin, werde ich mir sicher für den nächsten Besuch merken! Ich muss sagen, dass ich wohl sonst nirgends im öffentlichen Raum in Berlin so zufriedene Menschen gesehen habe, die, still vor sich hinlächelnd, pures Glück ausstrahlten.
Johanna hatte jetzt Hunger. Und sie rief einen Laufstreik aus. Also suchten wir die nächste U-Bahn-Station auf und besorgten uns ein Berlin-Welcome-Ticket. Das war echt ein großer Glücksgriff: freie Fahrt mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln und ermäßigter Eintritt in fast alle öffentlichen Einrichtungen (Museen, Theater, Kabarett...). Wir steuerten das KaDeWe an der Tauentzienstraße an. Vorher kamen wir noch an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche vorbei, dessen verstümmelter Turm wie ein mahnender Zeigefinger in den inzwischen dunklen Himmel ragte. Größer als hier, auf dem Ku-Damm, konnte der Kontrast zu der friedlichen Öko-Atmosphäre des Antiquariats nicht sein - Lärm, Gestank, Konsum. Irgendwie hetzten alle nur durch die Gegend auf der Suche nach - ja, nach was eigentlich? Jedenfalls konnten weder Johanna, noch ich den Besuch im KaDeWe genießen und fanden auch nichts Tolles an der viel gepriesenen Delikatessenabteilung im Obergeschoss.
Bald ging es dann heimwärts ins Samariterviertel in Friedrichshain, wo wir bei einem Italiener noch eine Pizza bzw. eine Portion Nudeln aßen, um schließlich total erschöpft in die Betten zu fallen.
Dienstag schlief Johanna erstmal ausgiebig aus - schließlich waren ja auch Ferien! Um 11 Uhr holte uns Familie Araee ab: Vater, Mutter und Shirin, Johannas Freundin aus dem letzten Italienurlaub. Leider war vom schönen Wetter des Vortags nichts mehr zu sehen - regnerisch und windig zeigte uns Berlin sein Alltagsgesicht. Mit dem PKW fuhren wir zunächst zum Park Friedrichshain, in dem sich ein reiseführerwürdiger Märchenbrunnen befinden sollte. Nach einigem - recht lustlosen - Herumlaufen fanden wir ihn dann auch. Er spuckte aber, ausgeschaltet, kein Wasser aus und war daher wenig spektakulär. Aber wenigstens hatten die Mädels etwas Auslauf und auch wir konnten uns die Beine ein wenig vertreten. Wieder im Auto fuhr uns Amir Araee durch "sein" Berlin - es ging zum Offiziersbunker nach Treptow, durch das Regierungsviertel, zum Checkpoint Charly und nach Kreuzberg, wo wir schließlich in einem türkischen Imbiss allerlei Leckereien zu uns nahmen. Am Ostbahnhof kam mir einiges sehr bekannt vor: Ich erkannte die Stahlkonstruktion des Bahnhofs und auch die noch bestehenden, mit Graffiti verschönten, Mauerreste wieder: Hier war ich bei meinem ersten Berlinbesuch vor über vier Jahren zu einer Erkundungstour durch Berlin losgelaufen! Mit Shirins Mutter Arzu und den Kids begab ich mich anschließend im Ortsteil Wilmersdorf, unweit der Wohnung von Familie Araee, in eine kleine Kletterhalle, wo die Mädels sich konditionell für diesen Tag den Rest gaben! Abends wurden wir von Amir in der Landhausstraße empfangen: Er hatte für uns ein festliches Mahl, bestehend aus Fisch, Ente, Nudeln und Gemüse zubereitet. Dazu gab es den von uns mitgebrachten Rotwein. Hmmmmm! Den Tag beschlossen die Kids und ich mit einem ausgiebigen Monopolyspiel, bevor Johanne und ich die Heimfahrt nach Friedrichshain antraten.
Mittwoch - Johanna war nicht wach zu kriegen! Dabei wollten wir doch an diesem Tag ins Deutsche Historische Museum (DHM), uns die Ausstellung "Hitler und die Deutschen" ansehen! Erst gegen Mittag zogen wir los, erstmal wieder zu Fuß bis zum Frankfurter Tor, wo ich mir gerne das viergeschossige Second-Hand-Kaufhaus Humana ansehen wollte. Hier gab es - ähnlich wie im Antiquairat, ein paar hundert Meter weiter - wieder unendliche Schätze aus aktueller Zeit und auch aus vergangenen Jahrzehnten! Ich erstand ein paar nette Kleidungsstücke für Johanna und für mich sowie DIE Handtasche, die ich schon so lange suchte! Als wir dann schwer bepackt die U-Bahn Richtung Alex bestiegen, beschlich mich doch der Zweifel, ob es eine so gute Idee war, zu Tagesbeginn diese Einkäufe zu tätigen.... wohin bloß mit den vielen Tüten! Ohje! Im DHM zahlte ich Dank Welcome-Karte nur 3,50 Euro für uns beide, einschließlich der Kosten für die Sonderausstellung! Abgabe von Garderobe und Gepäck war zudem kostenlos! Der Mann an der Kasse warnte uns schon, dass wir am Eingang der Ausstellungsräume vermutlich lange anstehen müssten. So war es dann auch. Aber die beeindruckende Ausstellung entschädigte mehr als ausreichend! Selten war zuvor so komprimiert der Versuch gestartet worden, zu erklären, auf welcher bösen Magie und welchen schrecklichen Zufällen sich die Anziehungskraft Hitlers und seines Gefolges begründete! Zwischendurch war ich immer wieder beeindruckt von der Auffassungsgabe meiner 10-jährigen Tochter: Ich selber wäre in dem Alter vermutlich total überfordert gewesen mit so einem schwierigen Thema! Sie aber begriff schnell, stellte kluge Fragen und freute sich diebisch über Hitler in der Figur des "Kleinen Arschlochs" von Walter Moors. Die Ausstellung macht eben nicht beim Ende des 2. Weltkriegs Halt, sondern beleuchtet auch, wie die Deutschen anschließend und bis in die Gegenwart hinein, mit dem Thema Hitler umgingen und -gehen.
Im Museumscafé gönnten wir uns eine ausgiebige Pause! Anschließend besorgte ich noch ein Buch für Familie Araee (Die Bücherdiebin), über das wir am Vorabend gesprochen hatten und dann brachte ich Johanna zu ihrer "neuen besten Freundin", damit sie dort die Nacht verbringen sollte. Ich selber beeilte mich, denn ich wollte den Abend nicht nutzlos verstreichen lassen, sondern mir entweder die Show "We Will Rock You" oder eine Vorstellung im ehemaligen DDR-Kabarett Die Distel ansehen. Da die Rock-Show bereits ausverkauft war, fuhr ich fix zum kleinen ehemaligen Osttheater am Bahnhof Friedrichstraße und besorgte mir eine Eintrittskarte: Reihe 1, Platz 1! Selbst beim Kabarett hätte ich mit meiner Berlin Welcome-Card 25 % des Eintrittspreises gespart - hätte ich nur beim Kartenkauf in der Eile daran gedacht! Die Vorstellung "Das Guido-Prinzip" war zwar nicht der Hammer, aber ganz unterhaltsam. Das Durchschnittsalter des Publikums lag bei gefühlten 50 Jahren! Am meisten hat mich der "Geist der alten Tage" in diesem Theater berührt, die Atmosphäre des steten kleinen Widerstands zu DDR-Zeiten!
Donnerstag - ich konnte es kaum fassen - ein ganzer Tag für mich allein! Johanna hatte ja bei Shirin geschlafen und ich konnte mich mal kulturell so richtig austoben! Gegen 09:30 Uhr zog ich los, zunächst zu den Hackeschen Höfen. Dort erstand ich zunächst ein paar Souvenirs für meine Kids daheim. Anschließend suchte ich das vielgepriesene Pergamonmuseum auf. Es waren zwar einige Kinder, auch kleinere, mit ihren Eltern unter den Besuchern, aber ich war doch froh, keine genervte und hier sicherlich gelangweilte Johanna an meinen Beinen hängen zu haben. Das war doch schon sehr schwere Kost für ein Kind, diese "alten Steine"...Bei mir verursachten die Bauten aus vergangenen Jahrhunderten - ja: Jahrtausenden - aber eine Gänsehaut nach der anderen - wow, so viele Geschichte auf einem Fleck! Echt der Hammer! Der Eintritt ins Museum war zwar ausnahmsweise mal nicht Welcome-Card-subventioniert, dafür war aber das Leihen des Audio-Guides kostenlos! Und das hatte sich hier echt gelohnt! Ich gebe zu, dass ich komplett ohne Vorinformationen in das Museum gegangen war. Unter einem "Altar" hatte ich mir in etwa das vorgestellt, was bei uns als Gabentisch in der Kirche steht. Daher war ich natürlich total erschlagen von der Größe des dem Museum den Namen gebenden Pergamonaltars! Das ist ja ein kompletter Tempel! Wow, wie riesig und beeindruckend! Auch die Geschichten, die durch die sich ihn schmückenden Figuren und Reliefs erzählt werden, waren spannender als jedes TV-Programm!
Fast noch beeindruckender fand ich das Tor von Milet (2. Jahrhundert n. Chr.) mit seinen filigranen Ornamenten! Auch das Ishtar-Tor zu Babylon, das aus Zeiten Nebukadnezars (ca. 600 v. Chr.) stammen soll, ließ mich schaudern. Sollte ich tatsächlich an einem einzigen Vormittag so vielen Zeugen des Altertums gegenüberstehen? Unfassbar! Nicht ganz so alt, aber ebenso beeindruckend war dann im Flügel für islamische Kunst das Aleppo-Zimmer, welches etwa aus dem Jahre 1600 n. Chr. stammt und komplett aus Holz besteht!
Puh, nach soviel Kultur brauchte ich erstmal frische Luft! Ich lief zu Fuß zum Gendarmenmarkt, an dem ich von den prächtigen Wiederaufbauten des Französischen und des Deutschen Doms begrüßt wurde. Ich erfuhr, dass es sich bei den Bauten nicht um Kirchen handelte, sondern dass der Name Dom vom französischen dôme = Kuppelbau stammt. Ich folgte einem Hinweis in das kleine Hugenottenmuseum um die Ecke, an dem auch die Zeit stillzustehen schien! Was für ein verzauberter, fast andächtiger Ort!
Schließlich zog ich weiter am Checkpoint Charly vorbei, an der Zimmerstraße dem Mauerrundgang folgend, zur Topografie des Terrors. Leider näherte ich mich der Ausstellung von der falschen Seite aus und begann, die Geschichte des Naziterrors gegen Juden, Behinderte und Homosexuelle vom Ende des zweiten Weltkrieges an rückwärts zu erkunden. Aber beeindruckend war es dennoch und die nasse Kälte, die mir allmählich durch die Kleider drang, unterstrich den grausigen Eindruck noch.
Eine richtig knifflige Aufgabe war es dann, von dort aus zu meinem nächsten Kulturziel zu kommen, zum Bauhaus-Archiv an der ... ! Hier gab es weder eine gescheite S-, noch U-Bahnverbindung und mit dem Busnetz kannte ich mich nicht so recht aus. Also was blieb mir anderes, als ab dem Nollendorfplatz zu laufen? Es war ein ganz schönes Stückchen, vorbei an einigen Botschaften und auch am Chinesischen Haus, dem ich einen kleinen Besuch abstattete. Hier gab es eine kostenlose Ausstellung mit einigen chinesischen Vasen und Keramiken und auch Werken eines Fotografen, der Orte in China, überwiegend in Shanghai, aufgenommen hatte. Da kamen einige Erinnerungen an meinen China-Trip mit Franzi vor zweieinhalb Jahren auf! Außerdem war es im China-Haus schön warm ;-) Endlich am Bauhaus-Archiv angelangt, erfuhr ich, dass es bereits eine Dreiviertelstunde später geschlossen werden sollte. Aber ehrlich gesagt gab es auch nicht soviel her, und ich war sogar noch vor Toresschluss wieder auf der Straße!
Bei Familie Araee gab es dann ein großes Trennungsdrama - unsere Girlies konnten und wollten einfach nicht voneinander lassen, so dass ich doch noch zum Abendessen blieb. Es ist schon irgendwie lustig, wenn ein Perser und eine Tscharkessin (aus dem Kaukasus) zum Abendessen Handkäse mit Musik anbieten ;-) Aber leeeecker!!!
Eigentlich wollten Johanna und ich am letzten Urlaubstag in Berlin ausschlafen - wurden aber von den Handwerkern am Dach unserer Unterkunft geweckt. Wir frühstückten in Ruhe und brachten die Wohnung in Ordnung. Dann verfluchte ich sämtliche Museumsführer, Nachschlagewerke und Mitbringsel, die wir während unseres Aufenthalts in der Hauptstadt erworben hatten - denn meine Reisetasche drohte, mit ihrem Gewicht eine tiefe Kerbe in meinen Schultergürtel zu schneiden. Boh, war dat schweeer! Die letzten Urlaubsstunden wollten wir im Zoologischen Garten verbringen und ich folgte zuvor meiner glorreichen Idee, unser Gepäck auf dem Weg dorthin bereits am Bahnhof abzugeben. Für schlappe fünf Euro war ich also nun meine schwere Last bis zur Abfahrt um halb sieben los! Unbeschwert zogen wir nun durch den Zoo in der Berliner Innenstadt und ich musste mich erst einmal daran gewöhnen, dass das Gebrüll der Löwen und Affen mit Verkehrsgeräuschen und den quäkenden Ansagen des Nahen Bahnhofs Zoo vermischt war! Der Zoo selber war mit seinem alten Baum- und Gebäudebestand recht nett anzuschauen. Aber wie immer taten mir die unter dem Vorwand der Arterhaltung eingesperrten Tiere irgendwie nur Leid! Vor allem Pandabär Bao Bao machte einen kreuzunglücklichen Eindruck! Vielleicht am Besten unter den Tieren hatten es noch die zahlreichen Affenarten, denen wir zum Teil sicher mindestens eine halbe Stunde lang bei ihrem munteren Treiben zusahen.
Den Weg zum Bahnhof nahmen wir über den Potsdamer Platz, an dem wir den Schlund der unterirdischen Fahrmöglichkeiten verließen und zu Fuß am Tiergarten entlang (Denkmal der von den Nazis verfolgten Homosexuellen und Goethe-Denkmal) liefen. Wir machten eine Pause am Holocaust-Denkmal und passierten dann noch das Brandenburger Tor und den Reichstag, bis wir schließlich nach der Spreeüberquerung den Bahnhof erreichten. Dann hieß es auch schon bald Abschiednehmen von der Hauptstadt und mit vielen Eindrücken in Kopf und Herz fuhren wir wieder westwärts in die Provinz.
Sonntag, 2. Mai 2010
1. Mai 2010 - Radtour zum Haus Rüschhaus
Am 1. Mai gabs wieder mal eine traditionelle Radtour mit der Familie (ohne Felix, da er zum Geburtstag eines Freundes eingeladen war, dafür mit Johannas Freundin Tashmina). Da das Wetter recht unbeständig war, fuhren wir nicht weit, sondern nur zum ca. 5 km (mit Umweg) entfernten Haus Rüschhaus nach Nienberge. Das Rüschhaus wurde in den Jahren 1745 bis 1749 nach einem Entwurf von Johann Conrad Schlaun erbaut, der dort zunächst auch wohnte. Von 1826 bis 1846 lebte Münsters wohl bekannteste Dichterin, Annette von Droste Hülshoff, zeitweise im Rüschhaus (Hauptwohnsitz war Burg Hülshoff und dann hatte sie noch ein Domizil am Bodensee, die Meersburg). Die "Droste" war für ihre Zeit eine echt coole und emanzipierte Braut! Ihre wohl bekanntesten Werke sind Die Judenbuche (ein Psycho-Krimi aus dem Weserbegland nach einer wahren Begebenheit) und das schaurige Gedicht Der Knabe im Moor, das ich als Kind noch auswendig lernen musste. Für Fotos auf den Post-Titel klicken!
Ausflug zum Malepartus
Am 24.4. machte ich mit meiner Ma und meinen beiden Mädels einen Ausflug nach Bad Iburg. Wir parkten am Hotel Felsenkeller und wanderten ein Stück auf dem Hermannsweg bis zum Waldlokal Malepartus. Dort gab es für Franzi einen der legendären Windbeutel (echt klasse Teile: Unmengen von Eis in Verbindung mit einer Riesnportion Sahne, eingebettet in eine Blätterteighülle - das können sich nur zwölfjährige Mädchen ohne schlechtes Gewissen erlauben!) und für Johanna eine Riesenportion Zitroneneis mit Sahne. Meine Ma gönnte sich eine Portion Spargel mit Sauce Hollandaise (die ihr auch noch die Franzi halb wegstibitzte) und mir einen bescheidenen Salat (hätte ich mal auch den Spargel genommen!).
Der Name Malepartus stammt aus der Fabel Reinecke Fuchs und ist der Name des Schlosses, in dem der Fuchs hauste. Der Name setzt sich übersetzt zusammen aus den Wortteilen mal = "schlecht, schlimm" und pertuis = "Durchgang/Loch". Allerdings ist das Lokal weder schlimm, noch ein Loch - das einzige, was es mit dem Namens-Ursprung verbindet, ist, dass es dort ziemlich fabelhaft ist ;-) Die ca. 5 km lange Wanderung von Bad Iburg zum Lokal führte durch gut begehbare und schön schattige Wanderwege. Unterwegs gab es einige kleine Sehenswürdigkeiten wie den alten Grenzstein, der die Landesgrenze zwischen den ehemaligen Königreichen Hannover und Preußen markierte und Schaipers Pütt, die höchstgelegene Quelle des Teutoburger Waldes. Früher wurden hier Schafe getränkt - damals gab es hier noch keinen Wald, sondern überwiegend Weiden und Wiesen. Für Fotos auf den Post-Titel klicken!
Der Name Malepartus stammt aus der Fabel Reinecke Fuchs und ist der Name des Schlosses, in dem der Fuchs hauste. Der Name setzt sich übersetzt zusammen aus den Wortteilen mal = "schlecht, schlimm" und pertuis = "Durchgang/Loch". Allerdings ist das Lokal weder schlimm, noch ein Loch - das einzige, was es mit dem Namens-Ursprung verbindet, ist, dass es dort ziemlich fabelhaft ist ;-) Die ca. 5 km lange Wanderung von Bad Iburg zum Lokal führte durch gut begehbare und schön schattige Wanderwege. Unterwegs gab es einige kleine Sehenswürdigkeiten wie den alten Grenzstein, der die Landesgrenze zwischen den ehemaligen Königreichen Hannover und Preußen markierte und Schaipers Pütt, die höchstgelegene Quelle des Teutoburger Waldes. Früher wurden hier Schafe getränkt - damals gab es hier noch keinen Wald, sondern überwiegend Weiden und Wiesen. Für Fotos auf den Post-Titel klicken!
Samstag, 2. Januar 2010
Mittwoch, 3. Juni 2009
Sonntag, 3. Mai 2009
Auf den Spuren Luthers, Goethes, Schillers und co.


Das wohl schönste Mai-Wochenende aller Zeiten liegt (leider) hinter uns: Mit den Kids waren wir in Eisenach, um die Wartburg zu besichtigen, den Rennsteig zu erwandern und im nahegelegenen Weimar auf Goethes und Schillers Spuren zu wandeln.
Wir starteten Donnerstagnachmittag und durchfuhren bei Starkregen die Rhön und den westlichen Thüringer Wald. Leider konnten wir wegen der starken Niederschläge und der dunklen Wolken statt der Landschaft nur die Blitze zucken sehen. Kurz vor Eisenach dann noch ein schier endloser Stau! Aber dann waren wir auch bald am Ziel! Unser Navi zeigte uns die Richtung - allerdings konnte es die schmale Einfahrt zur Jugendherberge nicht erkennen und so fuhren wir zweimal "um den Pudding", bis wir einsahen, dass wir uns mit unserem großen Auto wohl doch die schmale, kleine Einfahrt den Berg hinauf quälen mussten! Im Vorfeld war ich ja doch etwas skeptisch gewesen - eine ehemalige DDR-Jugendherberge....was sollte man da schon erwarten? Die Überraschung hätte nicht größer und angenehmer sein können: eine ehemalige Jugendstilvilla mit feinsten Stuckverzierungen, ein Sechserzimmer mit Dusche und WC - alles prima! Dazu noch ein netter Service, was will man mehr?
Am selben Abend zogen wir dann nach dem Bettenbeziehen und dem Frischmachen noch in den Ort. Wir aßen gemütlich in einem sehr "authentischen" Kellergewölbe zu Abend und fanden auf dem Rückweg zum Auto noch das Luther- und das Bachhaus. Erstaunlich schnell schliefen wir in der Jugendherberge dann alle ein.
Am nächsten Morgen erwartete uns ein ergiebiges Frühstück. Frisch gestärkt gingen wir dann auf unsere Rennsteig-Wanderung. Ich hatte im Wanderführer extra eine "anspruchsvolle" Wanderung ausgesucht mit "interessanten Sehenswürdigkeiten" und "grandiosen Ausblicken". Naja - also, WENN es an diesem Wochenende etwas auszusetzen gab, dann wohl meine Wander-Planung! Statt erstmal 50 km Richtung Osten zu fahren und in dem angepeilten Ort dann feststellen zu müssen, dass der Einstieg ins Wandergebiet inzwischen einem Steinbruch gewichen ist, statt eines "Bergsees" nur einen kleinen Steinbruch-Teich zu finden und dann noch den einzig wirklich interessanten Wanderteil wie die Stecknadel im Heuhaufen suchen zu müssen - also, statt dessen hätten wir lieber gleich den Wanderweg an der Jugendherberge hinauf zur Wartburg, zur "Hohen Sonne" oder zur "Drachenschlucht" nehmen sollen. Nun, vielleicht nächstes Mal. Bis zur Wartburg kamen wir ja immerhin noch am letzten Tag - aber dazu später.
Nachdem von der Wanderung doch alle Füße müde waren, ging es wieder zur Jugendherberge und dann - trotz Ermüdung zu Fuß - wieder in den Ort. Hier besichtigten wir jetzt das Lutherhaus von innen, ließen uns von einer netten Frau Saft verkaufen und das Vogtland schmackhaft machen und erkundeten so manchen Winkel und manche Sehenswürdigkeit des Städtchens Eisenach. Hier war trotz Maifeiertags nichts los. Wir waren schon tagsüber ganz überrascht: Es gab kaum Mai-Feierlichkeiten, auch am Abend vorher keinen Tanz in den Mai oder ähnliches! Nur auf dem Rückweg von unserer Rennsteig-Wanderung hatten wir in einem Ort auf einem Marktplatz einen Volkstanz um den Maibaum gesehen. Zum Abendessen kehrten wir in ein modernes Lokal an einer Fußgängerzone ein, das Franzi sich schon am Vorabend wegen der vielfältigen Speisekarte (Schnitzel mit Kroketten, Schnitzel mit Pommes, Schnitzel mit ...) ausgesucht hatte. Die nette Bedienung verwöhnte uns nach Strich und Faden und alle sanken nach der Rückkehr in die Herberge zufrieden, müde und satt in die Betten.
Samstag - das sollte MEIN Tag werden! Endlich ging es nach Weimar, der Stadt Goethes, Schillers, Anna-Amalias und co.! Bereits vor vier Jahren war ich einmal dort und hatte die Stadt auf Anhieb lieb gewonnen. Nicht gesehen hatte ich damals Buchenwald, das ehemalige Konzentrationslager. Das wollte ich jetzt nachholen. Den Kids konnte es doch nicht schaden, oder? Bei der Eingabe des Zielorts ins Navi musste ich dann doch gleich schlucken: KZ Buchenwald liegt sinniger Weise an der Blutstraße! Wie grauselig! Es muss ja nicht grade die Gänseblümchenallee sein - aber der Name eines Widerstandskämpfers oder eines denkwürdigen Insassen hätte es doch auch getan, oder? Bereits der Weg zum Besucherparkplatz war gesäumt von Gedenksteinen und Erinnerungsstätten, so dass einem trotz des strahlenden Sonnenscheins und der angenehmen Temperaturen ein Schauer über den Rücken lief. Frank, der bereits einige Gedenkstätten dieser Art besichtigt hatte, machte uns keine großen "Hoffnungen", am Ort des Grauens viel zu sehen zu bekommen. Umso überraschter waren wir, als hier nicht nur etliche Gebäude erhalten und kommentiert waren, sondern sich auch ein umfangreiches Museum anschloss. Auf uns alle wirkte die Gedenkstätte sehr intensiv und recht nachdenklich und auch froh, wieder fort zu können, fuhren wir anschließend Richtung Weimar-Zentrum. Wenn ich heute in der Zeitung über das Gefangenenlager Guantanamo lese, bin ich doch sehr erschrocken, dass diese grausige Häftlingswelt noch immer Gegenwart ist! Ich bin allerdings nicht sicher, ob diese Zurschaustellung des Horrors, wie sie in Buchenwald praktiziert wird, auf alle Betrachter die beabsichtigte Wirkung hatte - vielleicht war alles zusammen, all die Folterinstrumente, Verbrennungsöfen und Mordstätten, doch etwas zu sensationsheischend?
In Weimar konnten wir alle schnell die düsteren Gedanken abschütteln - und das, obwohl wir zunächst wohl in einem der heruntergekommensten Vierteln mit besetzten und beschmierten Häusern gelandet waren. Der erste Weg ging gleich zum Marktplatz, an dem sich, unmittelbar vor dem Nationaltheater, das berühmte Denkmal der Dichterfürsten Goethe und Schiller befindet. Es wundert wohl nicht, dass beide Herren auch kommerziell "ausgeschlachtet" wurden und der Platz fast unmittelbar von je einem Goethe-, als auch einem Schillerkaufhaus gesäumt ist! Welch eine Ironie aber, dass es ausgerechnet im Goethekaufhaus weder Stift, noch Notizblock zu kaufen gab!
Direkt am Marktplatz steht das Bauhausmuseum. Johanna hatte hier einen süßen, kindgerechten, freudschen "Verhörer": "Oh, prima, ein Baumhausmuseum!", freute sie sich schon auf der Fahrt nach Weimar ;-) Da ich das Museum als nicht allzu spektakulär in Erinnerung hatte, beschlossen wir, uns das Eintrittsgeld und den Kindern die Kultur-Qual zu ersparen. Statt durchs Museum wandelten wir nur durch den Shop und Frank erklärte den Kids fast soviel um das Design von Gropius und co., als sie auch im Museum erfahren hätten - vielleicht sogar mehr. Die Ersparnis des Eintrittsgeldes wurde dann durch die Anschaffung eines Buches über den Bauhauskult relativiert. Egal - mit dem Buch hatten alle Kinder viel Spaß und warteten auf der Rückfahrt am nächsten Tag ungeduldig darauf, auch mal darin blättern (und insgeheim Möbel-Wunschzettel schreiben) zu dürfen.
Die Besichtigung der Wohnhäuser Goethes und Schillers durfte bei dem Besuch der Stadt natürlich nicht fehlen! Für das Goethehaus zahlten wir artig Eintritt. Eine Führung wurde grade nicht angeboten - aber wir erhielten einen Handzettel, der uns eine Anleitung zum Rundgang durch das Haus bot. Zudem hatte ich das alles ja schon einmal MIT Führung gesehen und konnte einiges aus dem Gedächtnis berichten. Es gibt einem schon ein erhabenes Gefühl, sich an so historischer Stätte zu befinden und hier tatsächlich dem Originalbesitz Goethes gegenüber zu stehen! Anschließend gab es noch eine Multi-Media-Vorführung im Untergeschoss. Beim Verlassen des Hauses fiel uns grade noch auf, dass wir wohl einige der letzten Besucher dieses Tages waren: Aus Denkmalschutzgründen ist die Anzahl der Besucher auf eine bestimmte Menge begrenzt. Dasselbe stellten wir dann bei der Anna-Amalia-Bibliothek fest, wo wir leider zu spät ankamen und uns ein Rundgang durch die historischen Räume verwehrt wurde. Nun, ein weiter Grund, noch einmal wiederzukommen!
Schiller hatte es schon zu Lebzeiten nicht leicht. Auch im Gedächtnis der Deutschen wird er vermutlich immer einen Platz knapp hinter seinem Kollegen Goethe haben. Leider ist auch sein Wohnhaus ein Stück weniger "schillernd", als das seines italienliebenden Freundes Goethe: War im Goethehaus nahezu alles Inventar original aus dem Besitz des Dichters und Staatsmannes, so war bei Schiller doch alles nur "aus Zeiten Schillers", "aus dem Familienbesitz" oder "nachgebaut". Freien Eintritt in das Haus hatten wir Franzi zu verdanken, die, stets wachsam die Umgebung betrachtend, auf der Straße eine gültige Eintrittskarte gefunden hatte! Wir leisteten uns daher hier zwei Audio-Guides mit je zwei Kopfhörern. Alle bestanden auf die Hör-Dinger, so dass nur ich leer ausging. Nicht schlimm, ich kannte ja auch dieses Gebäude bereits. Die Frau an der Ausgabe versuchte mich zudem zu trösten: "Die Kleine (Johanna) wird ja eh nicht lange hören, dann können Sie ja die Hörer nutzen." Tja, da hatte sie die Rechnung wohl ohne den Knirps gemacht, denn Johanna lauschte andächtig bis zum Schluss. Allerdings gab sie mir gnädig einen ihrer beiden Hörvorrichtungen ab, so dass auch ich mein Wissen auffrischen konnte. Der Besuch Weimars war natürlich gesäumt von zahlreichen Eis-Stopps und einem Spielplatzbesuch, bei dem Johanna so doll stürzte, dass ihr Geschrei mich befürchten ließ, auch noch in den Genuss der Innenbesichtigung des lokalen Krankenhauses kommen zu müssen. Dann war aber bald wieder alles gut und wir konnten nach einem weiteren kleinen Eis die Heimfahrt antreten. Mit einem leckeren Essen war dann auch dieser schöne Tag leider viel zu schnell zu Ende!
Beim Aufwachen am letzten Tag verspürten wir alle eine leise Wehmut - wir wollten noch nicht nach Hause! Nach dem wieder einmal sehr leckeren Frühstück ging es aber zuvor noch zur Wartburg. Wir hatten ja längst schon erkundet, dass es von der Jugendherberge aus einen Fußweg gab. Daher ließen wir das Auto nach dem Auschecken aus unserer Unterkunft noch voll beladen auf dem Parkplatz der Herberge stehen und liefen los. Durch das Liliental wanderten wir durch ein absolut herrliches Stück Wald und Berg! Wir waren die einzigen Wanderer und fürchteten schon, falsch gelaufen zu sein! Dann sahen wir sie plötzlich von einer Lichtung aus in ihrer gesamten Pracht - die Wartburg! Wow, was für ein Anblick! Ungestüm zogen die Kids direkt weiter und bald schon waren wir vor den Toren der Burg, an der einst Luther schon, als Junker Jörg verkleidet, um Einlass gebeten hatte. Wir buchten eine Führung und fanden uns bald mit zahlreichen weiteren Besuchern in internationaler Besetzung (sogar Finnen waren dabei!) in den geschichtsträchtigen Räumlichkeiten. Wir erfuhren von der tausendjährigen Geschichte der Burg, die wohl immer eher eine "Freizeit-Anlage" war und nie eine Festung, von dem Erbauer, den (wenigen) Rittern, der heiligen Elisabeth, natürlich von Luther (der übrigens ursprünglich den Nachnamen Luder trug) und auch von dem sagenumwobenen Sängerkrieg, den Komponist Richard Wagner in seinem Tannhäuser verwurstet hat. Felix kommentierte diesen Wettstreit salopp mit: "Das war dann nicht DSDS (Deutschland such den Superstar), sondern WSDS - Wartburg sucht den Superstar!" Luthers Schreibstube mit dem ehemaligen legendären Tintenfleck war dann wieder "schiller-like" nicht original, sondern "aus der Zeit" oder "ähnlich" eingerichtet. Aber vermutlich darf man bei so alten Gedenkstätten, die zudem heute noch aktiv genutzt werden (Konzerte, Feierlichkeiten etc.), einfach nicht den Anspruch auf Ursprünglichkeit haben. Schön und beeindruckend war der Besuch der Burg trotzdem. Sinn und Zweck von Besichtigungen dieser Art ist ja auch wohl vor allem, dass man seinen Horizont erweitert und sich vielleicht einmal mit einer Geschichtsepoche beschäftigt, die man bislang nicht kannte. Das taten wir dann auch auf dem Rückweg, als wir die Lebensgeschichte Luthers noch einmal von CD hörten.
Nach der Heimfahrt im Regen und der Ankunft bei Temperaturen weit unter denen der letzten Tage wunderte ich mich mit Frank noch darüber, dass die Kids so interessiert an Geschichte waren. "Sie sind nicht interessiert an GESCHICHTE, sondern eher an GESCHICHTEN, die sie drum herum gehört haben.", so mein Mann. Ja, da hat er wohl Recht. Es ging ja nicht darum, sich Daten und Fakten zu merken, sondern kleinen Anekdoten zu lauschen und skurrilen Begebenheiten aus längst vergangenen Zeiten. Vielleicht aber legt grade das einen Grundstock für ein umfassenderes Geschichtsinteresse....warten wirs mal ab....
Montag, 27. April 2009
Bahnfahren
Am Wochenende bin ich nach Freiburg und zurück gefahren. Auf dem Hinweg fuhr ich mit einem Schweizer EC. Es gab wohl einen "Unfall mit Personenschaden am Gleis zwischen Duisburg und Düsseldorf" und danach eine Verspätung von 45 Minuten (die dann letztlich auf 30 Minuten geschmolzen ist). Für mich war klar - ich hätte den Anschluss-ICE verpasst. Das wäre schade gewesen, da mir doch der Komfort des ICE im Vergleich zu dem des rappeligen Schweizer EC lieber gewesen wäre. Der EC fuhr aber auch bis zu meinem Zielort Freiburg durch und so trug ichs mit Fassung. Wie das Schicksal es so wollte, hatte dann auch der ICE dieselbe Verspätung und ich konnte doch noch passend umsteigen!
Auf dem Rückweg saß ich wieder im EC und hatte keine Umstiegmöglichkeit. Also volle sechs Stunden "Rappelkiste". Eigentlich ist der EC mit dem deutschen IC vergleichbar aber wenn man das fast lautlose Schweben des ICE gewohnt ist....also ich kam mir vor allem an meinem Sitzplatz vor wie in einem südländischen Verkehrsmittel: Vor, neben mir und schräg gegenüber ältere Frauen, deren Deo allmählich versagte. Eine von ihnen hatte noch eine Katze dabei, die permanent gequält miaute und die Frau mir gegenüber hatte einen permanenten Hustenreiz (für den sie sicher nichts konnte, die Arme, aber nerven tats trotzdem). Die Enge war beklemmend: Meine Zeitung musste ich umständlich falten, bevor ich sie lesen konnte und ich wagte kaum, mal an meinen Rucksack zu langen, um etwas zu trinken rauszuholen, weil ich meine Nachbarin nicht fortwährend anstupsen wollte. Mein Gegenüber las in der Bild der Frau grade einen Artikel zu dem Thema "Gewichtsprüfung beim Hamster?", als ich dachte: Das halte ich jetzt nicht mehr aus! Ich brauch jetzt hier ne Auszeit - wo ist das Zugrestaurant?
Ich lief zwei Waggons weiter, zu Wagen 260, in dem sich das Bistro befinden sollte. Vor der letzten Tür stutzte ich - war hier der Zug zuende? Sah so komisch aus....zum Glück täuschte aber der erste Eindruck. Vielleicht hatten mehrere Leute, wie ich beinahe auch, vor dem Ziel kehrt gemacht - jedenfalls war das Bistro dann eine volle Entschädigung für Omis, Katzen und Hamster: purer Luxus mit (Kunst?-)Ledersitzen und viiiiiel Platz. Dazu ein Schweizer Kellner, bei dem ich nicht richtig einschätzen konnte, ob sein Verhalten genervt war oder ob er komödiantische Einlagen bot und uns auf den Arm nahm mit seinen empörten Bemerkungen, z. B. dazu, ob wir tatsächlich schon zahlen wollten o. ä.
Irgendwann am Rhein setzte sich eine Frau zu mir an den Tisch und wir begannen ein nettes Gespräch. Wir quatschten sicher ne Stunde lang und es war total interessant! Da fiel mir doch glatt das Gespräch mit der Frau ein, die ich auf der Fahrt nach München Ende Januar kennengelernt hatte - Katharina, die Zen-Meisterin, die ich ja tatsächlich anschließend in Bottrop besucht hatte! Beide Frauen total interessant und beide in etwas im selben Alter, so Ende 50, Anfang 60. Ich fragte mich kurz, warum ich nur mit älteren Menschen im Zug ins Gespräch kam - aber die Lösung fiel mir dann sofort ein, als ich wieder zu meinem Platz kam: Die Omis waren nebst Haustieren verschwunden und die "Besetzung" hatte sich während meines Bistro-Besuchs um 30 Jahre verjüngt. Mir frontal sowie schräg gegenüber und neben mir saßen Leute in meinem Alter und etwas jünger - und alle hatten einen "Knopf im Ohr" und sich so von der Außenwelt abgeschottet. Jeder blieb in seiner Welt und in seinen Gedanken - kein Wunsch zur Kommunikation. Schade, sie wissen nicht, was sie verpassen....
Auf dem Rückweg saß ich wieder im EC und hatte keine Umstiegmöglichkeit. Also volle sechs Stunden "Rappelkiste". Eigentlich ist der EC mit dem deutschen IC vergleichbar aber wenn man das fast lautlose Schweben des ICE gewohnt ist....also ich kam mir vor allem an meinem Sitzplatz vor wie in einem südländischen Verkehrsmittel: Vor, neben mir und schräg gegenüber ältere Frauen, deren Deo allmählich versagte. Eine von ihnen hatte noch eine Katze dabei, die permanent gequält miaute und die Frau mir gegenüber hatte einen permanenten Hustenreiz (für den sie sicher nichts konnte, die Arme, aber nerven tats trotzdem). Die Enge war beklemmend: Meine Zeitung musste ich umständlich falten, bevor ich sie lesen konnte und ich wagte kaum, mal an meinen Rucksack zu langen, um etwas zu trinken rauszuholen, weil ich meine Nachbarin nicht fortwährend anstupsen wollte. Mein Gegenüber las in der Bild der Frau grade einen Artikel zu dem Thema "Gewichtsprüfung beim Hamster?", als ich dachte: Das halte ich jetzt nicht mehr aus! Ich brauch jetzt hier ne Auszeit - wo ist das Zugrestaurant?
Ich lief zwei Waggons weiter, zu Wagen 260, in dem sich das Bistro befinden sollte. Vor der letzten Tür stutzte ich - war hier der Zug zuende? Sah so komisch aus....zum Glück täuschte aber der erste Eindruck. Vielleicht hatten mehrere Leute, wie ich beinahe auch, vor dem Ziel kehrt gemacht - jedenfalls war das Bistro dann eine volle Entschädigung für Omis, Katzen und Hamster: purer Luxus mit (Kunst?-)Ledersitzen und viiiiiel Platz. Dazu ein Schweizer Kellner, bei dem ich nicht richtig einschätzen konnte, ob sein Verhalten genervt war oder ob er komödiantische Einlagen bot und uns auf den Arm nahm mit seinen empörten Bemerkungen, z. B. dazu, ob wir tatsächlich schon zahlen wollten o. ä.
Irgendwann am Rhein setzte sich eine Frau zu mir an den Tisch und wir begannen ein nettes Gespräch. Wir quatschten sicher ne Stunde lang und es war total interessant! Da fiel mir doch glatt das Gespräch mit der Frau ein, die ich auf der Fahrt nach München Ende Januar kennengelernt hatte - Katharina, die Zen-Meisterin, die ich ja tatsächlich anschließend in Bottrop besucht hatte! Beide Frauen total interessant und beide in etwas im selben Alter, so Ende 50, Anfang 60. Ich fragte mich kurz, warum ich nur mit älteren Menschen im Zug ins Gespräch kam - aber die Lösung fiel mir dann sofort ein, als ich wieder zu meinem Platz kam: Die Omis waren nebst Haustieren verschwunden und die "Besetzung" hatte sich während meines Bistro-Besuchs um 30 Jahre verjüngt. Mir frontal sowie schräg gegenüber und neben mir saßen Leute in meinem Alter und etwas jünger - und alle hatten einen "Knopf im Ohr" und sich so von der Außenwelt abgeschottet. Jeder blieb in seiner Welt und in seinen Gedanken - kein Wunsch zur Kommunikation. Schade, sie wissen nicht, was sie verpassen....
Samstag, 27. Dezember 2008
Montag, 15. Dezember 2008
Rom 2008
Als mein Sohn Felix sich in der Schule noch mit Latein herumgeplagt hatte, nahm ich mir vor, ihm zu zeigen, dass dies mal eine lebendige Sprache war - und plante eine Reise nach Rom mit ihm. Intensiv suchte ich nach einer bezahlbaren Variante - war nix mit Flug für 29 Euro! Unter rund 170 Euro pro Person (Flug!!!) lief nichts und dafür hatte man noch nicht mal eine Bleibe oder etwas zu Essen!
Dann fand ich doch noch einen günstigen Anbieter, der uns für knapp 400 Euro ein viertägige Reise unter dem Motto "Weihnachtsshopping" bot. Also werden wir am kommenden Donnerstag Mann und Mädchen allein zu Hause lassen und die italienische Hauptstadt besuchen.
Einen besonderen Kick gibt es derzeit noch: Haben sich die Regenfälle und daraus resultierenden Überschwemmungen bis dahin gelegt?
Dann fand ich doch noch einen günstigen Anbieter, der uns für knapp 400 Euro ein viertägige Reise unter dem Motto "Weihnachtsshopping" bot. Also werden wir am kommenden Donnerstag Mann und Mädchen allein zu Hause lassen und die italienische Hauptstadt besuchen.
Einen besonderen Kick gibt es derzeit noch: Haben sich die Regenfälle und daraus resultierenden Überschwemmungen bis dahin gelegt?
Dienstag, 8. Juli 2008
Großarl 2008
Samstag Ankunft
Sonntag Frank und Zissi Felix Fahrt nach Neukirch, Zissi und ich Aigenalm
Montag Wanderung mit den Kindern zur Filzmoos, Losbühel, Weiß- und Ellmaualm
Dienstag F und A: Kreuzkogl über Mandelkarscharte, Oma und Kinder Radtour und Grillen Talschluss Kinder klettern und Heuübernachtung
Mittwoch Basketballturnier Nordic Talking, BBP,
Donnerstag Wanderung mit Sepp zur Saukaralm
Freitag Salzburg
Samstag Schuhflicker
Sonntag Aigenalm, Pucherhütte, Schmalzscharte, Frauenkogel, Gamskarkogel, Harbachalm, Toferalm, Hüttschlag, von Sepp abholen lassen
Montag Eisriesenwelt
Dienstag Aualm (vom Tal, A allein), Mit F und Z Schiedalm, Schiedereitspitz - Schlammschlacht und echtes Sauwetter! Arme Franzi!
Mittwoch Geburtstag! Prosecco und Torte zum Frühstück! St Johann. Mittags Aufstieg zur Moar-Gut-Alm (ca. 2 h), Rest vom Hotel ist mit dem Auto rauf. Dort Grillen mit Ständchen und so. Dann zu Fuß zurück. Abends Schwimmen im Hotel und nett an der Bar gesessen. Besuch von Ex-Koch Alex mit Frau!
Donnerstag Wanderung mit Sepp über Filzmoosalm und -sattel zum -hörndel und zur Bichelalm. Frank trinkt dort zwei Weizen - Auto bleibt über Nacht am Parkplatz Grund.
Freitag - Relaxtag! Packen, Baden, Sauna, Ausklang.
Samstag Rückfahrt mit kurzem Stopp in Frankfurt.
Sonntag Frank und Zissi Felix Fahrt nach Neukirch, Zissi und ich Aigenalm
Montag Wanderung mit den Kindern zur Filzmoos, Losbühel, Weiß- und Ellmaualm
Dienstag F und A: Kreuzkogl über Mandelkarscharte, Oma und Kinder Radtour und Grillen Talschluss Kinder klettern und Heuübernachtung
Mittwoch Basketballturnier Nordic Talking, BBP,
Donnerstag Wanderung mit Sepp zur Saukaralm
Freitag Salzburg
Samstag Schuhflicker
Sonntag Aigenalm, Pucherhütte, Schmalzscharte, Frauenkogel, Gamskarkogel, Harbachalm, Toferalm, Hüttschlag, von Sepp abholen lassen
Montag Eisriesenwelt
Dienstag Aualm (vom Tal, A allein), Mit F und Z Schiedalm, Schiedereitspitz - Schlammschlacht und echtes Sauwetter! Arme Franzi!
Mittwoch Geburtstag! Prosecco und Torte zum Frühstück! St Johann. Mittags Aufstieg zur Moar-Gut-Alm (ca. 2 h), Rest vom Hotel ist mit dem Auto rauf. Dort Grillen mit Ständchen und so. Dann zu Fuß zurück. Abends Schwimmen im Hotel und nett an der Bar gesessen. Besuch von Ex-Koch Alex mit Frau!
Donnerstag Wanderung mit Sepp über Filzmoosalm und -sattel zum -hörndel und zur Bichelalm. Frank trinkt dort zwei Weizen - Auto bleibt über Nacht am Parkplatz Grund.
Freitag - Relaxtag! Packen, Baden, Sauna, Ausklang.
Samstag Rückfahrt mit kurzem Stopp in Frankfurt.
Montag, 24. März 2008
Sonntag, 21. Oktober 2007
Wir sind dann mal weg - Wandern auf dem Hermannsweg 20. - 21.10.2007
Vom 20. auf den 21.10.2007 durften wir fleißig wandern, um unsere Doppelkopfkasse zu verbraten. Naja, das Wandern hatte eigentlich nichts gekostet - außer viel Muskelkraft und Puste! Das Geld wurden wir trotzdem los: Im Verwöhnhotel Zum Teutoburger Wald in Brochterbeck. Dort ließen wir es uns nach dem ersten Wandertag so richtig gut gehen!
Vorher hatten wir aber eine wahre Tor-Tour auf bzw. neben dem Hermannsweg zu bewältigen! Am ersten Tag liefen wir von Bad Iburg 25 km bis nach Brochterbeck und am zweiten Tag ging es von dort aus ca. 15 km weiter über Ibbenbüren nach Hörstel/Riesenbeck zum "Nassen Dreieck"*.
Wir ließen uns am Samstagvormittag von zweien unserer Männer zum Ausgangsort bringen. Es ging an Lengerich vorbei, wo wir den beeindruckenden Steinbruch der Firma Dyckerhoff bestaunten. Leider waren wir offenbar zu beeindruckt, so dass wir anschließend falsch abbogen und uns fürchterlich verliefen! So verloren wir wertvolle Zeit, die hinterher zu Lasten der Wellnessphase ging :-(
Zudem waren wir vom Hermannsweg abgekommen und folgten nun dem Wanderweg Teutoburger Wald. Ein weiters Mal machten wir einen kleinen Umweg bei Tecklenburg: Statt die schnellere Ortsumgehung zu nehmen, kraxelten wir hinauf ins Dorf, wo wir allerdings mit dem malerischen Anblick der Fachwerkhäuschen belohnt wurden! Dann waren es nur noch ca. drei Kilometer bis zu unserem Hotel in Brochterbeck, welches wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten. Schnell waren die Zimmer be- und die Bademäntel angezogen und es ging in die Saunalandschaft, in der wir unsere mehr oder weniger schmerzenden Gliedmaßen pflegen konnten! Anschließend genossen wir das leckere Essen der Hotelküche, welches von zwei Kellnern mit beeindruckenden Augenaufschlägen serviert wurde. Bei Wein, Bier oder alkoholfreien Getränken ließen wir den Abend ausklingen. Die letzten von uns gingen gegen halb eins auf die Zimmer, während die anderen dort schon erschöpfte Schnarchkonzerte veranstalteten.
Am nächsten Morgen die Enttäuschung: Statt des strahlenden Sonnenscheins vom Vortag, der von fast frostigen Temperaturen begleitet wurde, erwartete uns nun der klassische "Westfälische Landregen" :-( Es war aber recht mild und als wir dann ganz tapfer losliefen, merkten wir, dass es eigentlich nur nieselte und gar nicht so schlimm war. Nach einer Weile erreichten wir die Dörenther Klippen und das Hockende Weib. Wegen des nassen Untergrundes verzichteten wir aber auf eine Kletterpartie. Schnell war der den "Klippen" am nächsten liegende Parkplatz erreicht. Es ging kurz über die Straße und direkt wieder in den nächsten Wald, der sich nun recht urwüchsig darbot. Nun schien auch endlich die Sonne und belohnte unsere Tapferkeit. Sehr beeindruckend auf dieser Etappe: die Kletterwand der Firma Bergsport Sundermann, an der wir eine Rast einlegten. Nun war es auch nicht mehr allzu weit, bis wir in Riesenbeck die "Schöne Aussicht" genießen und schließlich am "Nassen Dreieck"* auf zwei weitere unserer Männer treffen konnten, die uns nach einer kleinen Kaffee-Rast wieder nach Münster brachten. Jetzt fehlte eigentlich nur ein weiterer Aufenthalt in einer schönen Sauna-Landschaft.....Nun, nächstes Jahr wollen wir die "verpasste" Etappe des Hermannsweges nachholen.
* ein Schelm, wer Arges bei diesem Begriff denkt - es handelt sich um die Schnittstelle des Mittelland´- und des Dortmund-Ems-Kanals
Vorher hatten wir aber eine wahre Tor-Tour auf bzw. neben dem Hermannsweg zu bewältigen! Am ersten Tag liefen wir von Bad Iburg 25 km bis nach Brochterbeck und am zweiten Tag ging es von dort aus ca. 15 km weiter über Ibbenbüren nach Hörstel/Riesenbeck zum "Nassen Dreieck"*.
Wir ließen uns am Samstagvormittag von zweien unserer Männer zum Ausgangsort bringen. Es ging an Lengerich vorbei, wo wir den beeindruckenden Steinbruch der Firma Dyckerhoff bestaunten. Leider waren wir offenbar zu beeindruckt, so dass wir anschließend falsch abbogen und uns fürchterlich verliefen! So verloren wir wertvolle Zeit, die hinterher zu Lasten der Wellnessphase ging :-(
Zudem waren wir vom Hermannsweg abgekommen und folgten nun dem Wanderweg Teutoburger Wald. Ein weiters Mal machten wir einen kleinen Umweg bei Tecklenburg: Statt die schnellere Ortsumgehung zu nehmen, kraxelten wir hinauf ins Dorf, wo wir allerdings mit dem malerischen Anblick der Fachwerkhäuschen belohnt wurden! Dann waren es nur noch ca. drei Kilometer bis zu unserem Hotel in Brochterbeck, welches wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten. Schnell waren die Zimmer be- und die Bademäntel angezogen und es ging in die Saunalandschaft, in der wir unsere mehr oder weniger schmerzenden Gliedmaßen pflegen konnten! Anschließend genossen wir das leckere Essen der Hotelküche, welches von zwei Kellnern mit beeindruckenden Augenaufschlägen serviert wurde. Bei Wein, Bier oder alkoholfreien Getränken ließen wir den Abend ausklingen. Die letzten von uns gingen gegen halb eins auf die Zimmer, während die anderen dort schon erschöpfte Schnarchkonzerte veranstalteten.
Am nächsten Morgen die Enttäuschung: Statt des strahlenden Sonnenscheins vom Vortag, der von fast frostigen Temperaturen begleitet wurde, erwartete uns nun der klassische "Westfälische Landregen" :-( Es war aber recht mild und als wir dann ganz tapfer losliefen, merkten wir, dass es eigentlich nur nieselte und gar nicht so schlimm war. Nach einer Weile erreichten wir die Dörenther Klippen und das Hockende Weib. Wegen des nassen Untergrundes verzichteten wir aber auf eine Kletterpartie. Schnell war der den "Klippen" am nächsten liegende Parkplatz erreicht. Es ging kurz über die Straße und direkt wieder in den nächsten Wald, der sich nun recht urwüchsig darbot. Nun schien auch endlich die Sonne und belohnte unsere Tapferkeit. Sehr beeindruckend auf dieser Etappe: die Kletterwand der Firma Bergsport Sundermann, an der wir eine Rast einlegten. Nun war es auch nicht mehr allzu weit, bis wir in Riesenbeck die "Schöne Aussicht" genießen und schließlich am "Nassen Dreieck"* auf zwei weitere unserer Männer treffen konnten, die uns nach einer kleinen Kaffee-Rast wieder nach Münster brachten. Jetzt fehlte eigentlich nur ein weiterer Aufenthalt in einer schönen Sauna-Landschaft.....Nun, nächstes Jahr wollen wir die "verpasste" Etappe des Hermannsweges nachholen.
* ein Schelm, wer Arges bei diesem Begriff denkt - es handelt sich um die Schnittstelle des Mittelland´- und des Dortmund-Ems-Kanals
Freitag, 28. September 2007
Berlin - wie im Movie-Park!
Herbstferien - sie bieten sich an für einen Urlaub oder für eine Kurz-Städtereise, warum nicht mal nach Berlin?
Darum hatte ich kurzer Hand Bahn-Tickets für meine Kids und mich besorgt (mit BahnCard 75 Euro für alle zusammen, Hin- und Rückfahrt) und einen praktischen Reiseführer.
Berlin liegt ja nicht grade vor den Toren Münsters und darum hieß es am Donnerstag, den 27.09.2007 morgens früh um 04.30 Uhr aufstehen, denn um 05.38 Uhr sollte der Zug losfahren. Glücklicher Weise brachte uns die Oma zum Bahnhof und der Zug wartete schon auf uns, da er erst in Münster startete. Wir konnten uns also in Ruhe Plätze suchen (reserviert hatten wir wegen der frühen Zeit nicht) und uns niederlassen.
Ich hatte müde Kinder erwartet, die die kurze Nachtruhe durch ein Nickerchen im Zug ausgleichen. Daher hatte ich extra Kuschelkissen mitgenommen, die aber mehr auf dem Boden herumflogen, als dass sich jemand sein Köpfchen darauf gebettet hätte - natürlich waren meine Kids hellwach und sorgten dafür, dass alle anderen Reisenden es auch bald waren. Um uns die "gefühlte" Fahrzeit zu verkürzen, begaben wir uns dann hinter Hannover in das Board-Restaurant, um uns einen Kakao bzw. einen Kaffee zu gönnen.
Der neue Hauptbahnhof Berlin beeindruckte vor allem wieder mal Felix, der versuchte, seine Begeisterung auf Johanna zu übertragen. Für die kleine Maus war alles aber wohl "unfassbar" groß und gewaltig und sie konnte darum gar nicht nachvollziehen, was denn jetzt genau so toll an diesem Bauwerk sein sollte.
Um halb 10 morgens sollte doch wohl noch keine so lange Schlange vor dem Eingangsbereich des Reichstagsgebäude sein, oder? Oh doch! Und so erwogen wir kurz, den Insider-Tipp mit der linken Tür ("für Gruppen oder Vorstellungen") zu nutzen. Die Schlange war aber genau so lang und wir entschlossen uns daher, an der "richtigen" Schlange anzustehen. Ein Mann mit Informationsprospekten zum Reichstag sprach mich an, wie alt denn Johanna sei. "7", war die Antwort. "Na, für Familien mit Kindern bis 6 Jahre ist der Eingang rechts vorgesehen, damit die nicht so lange anstehen müssen", sagte er und zwinkerte mir vielsagend zu. "Sagen sie einfach, dass ich sie geschickt habe und dann dürfen Sie da auch durch." Na, das nenn ich Service im Sinne des Bürgers - und so zogen wir ohne Wartezeit an der langen Schlange vorbei in das geschichtsträchtige Gebäude. Mit dem Aufzug ging es hinauf in die Kuppel. Dort gab es allerhand Informatives rund um die Geschichte des Reichstages zu sehen. Über den spiralförmigen Aufgang ging es dann zum Kuppeldach. Felix war ganz fasziniert davon, dass dieses oben offen ist und dass es quasi hineinregnen kann. "Das Loch ist für die Abluft aus dem Plenarsaal", klärte uns ein Angestellter auf. Und man weiß ja, wie viel "heiße Luft" Politiker fabrizieren können ;-) "Manchmal regnet es tatsächlich bis unten hinein und die oberen Sitze sind nass." Johanna musste plötzlich Pipi und Felix lief mit ihr ganz unbedarft (und ohne zu Fragen) in das angrenzende Nobel-Café Käfer. Den ausdrücklichen Hinweis an der Eingangstür "Toilettennutzung nur für Gäste des Cafès" hatten sie wohl übersehen. Beim Café Käfer hatte Franziska ihren ganz persönlichen kleinen Triumph - hatte ich doch aus irgendeinem Grund mit ihr gewettet, dass wir allerhand zu sehen bekommen werden "bloß keinen Marienkäfer" - und hier war nun Café Käfer mit vielen Marienkäfern auf den Servietten und sonstigen Deko-Utensilien!
Anschließend wollten wir zum nahe gelegenen Brandenburger Tor laufen. Auf dem Weg dorthin entdeckte ich jedoch Hinweisschilder zum Jüdischen Denkmal, welches sich unweit des Stadttores befinden sollte. Also erstmal dorthin. Die unterschiedlich hohen grauen Stelen luden natürlich Johanna geradezu dazu ein, zwischen ihnen Verstecken zu spielen! Der Besuch des zum Denkmal gehörenden Museums hätte eine Wartezeit von 30 Minuten zur Folge gehabt, auf die wir gerne verzichteten. Also kein Jüdisches Museum, sondern stattdessen ab zum Alexanderplatz, genauer genommen zum Fernsehturm. Der Weg dorthin zog sich ganz schön hin, obwohl wir den "Telespargel" schon von weitem sehen konnten. Die relativ langweilige Umgebung auf der Parallelstraße zu "Unter den Linden" förderte dann natürlich das Quengeln der Kids, vor allem bei Johanna. Aber endlich war der Turm - pünktlich zur Mittagspause - erreicht. Im Vergleich zu den Frankfurter Main-Towers war der Turm zumindest designtechnisch eine herbe Enttäuschung: vermutlich erbaut in den 1960er Jahren strahlte das Innere im Spießerdesign mit Resopal-Wandverkleidung, grünem Teppich im Aufzug und ziemlich hässlichen Butzenglasscheiben. Da es leicht diesig war, konnten wir die tolle Aussicht von der Panoramaetage nur bedingt genießen. Immerhin wiesen uns aber Hinweisschilder auf die von oben zu sehenden Gebäude bzw. Stadtbezirke hin. Da konnte man sogar den Ost-Bahnhof und den Stadtteil Marzahn sehen (kann das wirklich sein???)! Wie gerne hätte ich jetzt dem dortigen Karate-Dojo einen Besuch abgestattet! Die wahre Attraktion war allerdings nicht nur die atemberaubende Aussicht, sondern das sich auf einer Drehplattform befindliche Restaurant. Hier waren die Kinder nicht mehr zu bändigen und tobten aufgeregt herum. Einem Herrn am Nachbartisch platzte daraufhin der Kragen und er rief sie zur Raison. Ich fragte mich nur wieder einmal, warum andere Kinder still und artig mit ihren Eltern am Tisch sitzen und essen, während meine so lebhaft herumquietschten. Temperament? Schlechte Erziehung? Seufz!
Nachdem wir in luftigen Höhen jeder ein Getränk genossen und die Kids mal von meiner Berliner Weiße mit Waldmeister-Schuss gekostet hatten, zogen wir weiter, erst einmal beim gegenüberliegenden Nordsee-Restaurant etwas essen (ungleich preiswerter als im Fernsehturm-Restaurant!).
Nun hieß es, langsam den Rückweg antreten, denn um 15.30 Uhr wollten wir auf Johannas ausdrücklichen Wunsch hin mit einem Ausflugsboot noch einmal professionelles Sightseeing genießen! Für den Rückweg nutzten wir die Prachtallee Unter den Linden. Felix war beeindruckt ob der vielen historischen Gebäude. "Sieht aus wie im Movie Park, Mama!", meinte er (dort war er kürzlich gewesen und fand es witzig, dass die Kulisse aus nachgebauten Weltstädten bestand). Unterwegs kamen wir an der Museumsinsel vorbei. Hier lockte uns das Historische Deutsche Museum und wir machten eine kleine Stippvisite bei Karl dem Großen, Martin Luther und co. Leider drängte die Zeit und wir mussten schon nach einer Dreiviertelstunde weiter. Jetzt aber flott Richtung Brandenburger Tor! Wir mussten wirklich rennen und bald versagten Johanna die kleinen Füßchen! Also nahm ich sie auf die Schultern und rannte mit ihr weiter. Ganz knapp erreichten wir das Boot und als wir endlich saßen und Luft holten, froh, das Boot noch erwischt zu haben, kam Johannas Kommentar: "Boh - ist das hier langweilig!" Also, manchmal könnte man sie ja......! Ich fand die Fahrt dann aber sehr schön, denn über Lautsprecher wurden interessante Details zu den an uns vorbeiziehenden Sehenswürdigkeiten mitgeteilt. Wir fuhren zunächst zurück Richtung Unter den Linden. Dort am Palast der Republik vorbei, "Erichs Lampenladen", der wegen Asbestverseuchung derzeit abgerissen wird. Interessant auch Details zu den verschiedenen Brücken, unter denen wir her fuhren. Leider fuhren wir nicht durch die Schleuse, sondern drehten kurz vorher um, um wieder zurück zu fahren. Wir fuhren dann am Startpunkt (dem Hauptbahnhof gegenüber) vorbei durch das Regierungsviertel. Dort erfuhren wir z. B., dass ein aufwändiges, eigens für Regierungsangestellte errichtetes Wohngebäude nur zum Teil von diesen bewohnt wird und nun auch an Externe vermietet wird. Im "Garten" des Kanzleramts konnte man ein ca. 10 Meter hohes, graues Metallgebilde sehen: ein Glockenturm, und zwar der höchste freistehende Glockenturm Europas. Dieser wurde Berlin zur 750 Jahrfeier geschenkt und zwar von der Firma Daimler Chrysler. Im Volksmund wird das Glockenspiel daher "Big Benz" genannt.
Nach einer Stunde war die Bootsfahrt beendet und wir stiegen im leichten Nieselregen aus. Wir hatten noch knapp 90 Minuten Zeit, bis der Zug ging und nutzten diese, um zum dritten Mal an diesem Tag zum Brandenburger Tor zu laufen. Dort machten wir ein paar typische Touristenfotos und bewunderten die Wechselskulptur auf dem Vorplatz des Tores. Anschließend ging es noch in den -recht günstigen- Souvenir-Shop, wo sich jeder ein Andenken aussuchen durfte und ich mir ein Buch über die Berliner Mauer zulegte.
Nun wieder im Pendlerstrom Richtung Bahnhof, schnell noch ein Eis auf die Hand und ab zum Gleis 13. Ganz schön naiv hatte ich erwartet, nun müde, ruhige Kinder bei mir zu haben - aber sie waren durch das Erlebte nun so überdreht, dass sie echt anstrengend waren. Als ich es satt war, sie zur Ruhe zu rufen und mich aufzuregen, weil sie nicht hörten, flüchtete ich irgendwann einfach in das Zugrestaurant, genoss dort einen Kaffee und mein neues Buch und versuchte, die abwechselnd in verschiedenen Richtungen an mir vorbei fliegenden Kinder zu ignorieren!
Der Zug hatte eine kleine Verspätung. Der Fahrkartenkontrolleur teilte uns aber mit, dass unser Anschlusszug in Hamm auf uns warten würde, dies sei soeben per sms bestätigt worden. Auf dem Bahnsteig in Hamm fragten wir noch schnell das dortige Bahnpersonal nach dem richtigen Gleis. "Gleis 4, aber sie müssen sich beeilen, sie haben noch genau 30 Sekunden!" Interessant, was die Bahn unter dem Begriff "warten" versteht! Nun also im gestreckten Galopp von Gleis 10 zu Gleis 4. Felix und Franziska rannten vor und ich mit der armen kleinen Johanna am Ärmel hinterher. Die Treppe hoch hörten wir schon den Pfiff für die Abfahrt! Felix hatte glücklicher Weise schon fast die Lok erreicht und der Schaffner stand noch davor und wies uns an, schnell zu ihm zu kommen! Wie die Blöden starteten wir zum Endspurt und - erreichten in letzter Sekunde die Tür! Mit zum Platzen geweiteten Lungen sanken wir japsend aber glücklich auf die Sitze!
In Münster holte uns dann Frank vom Bahnhof ab. Daheim erst mal ein Pott Nudeln gekocht und vom Erlebten erzählt. Gegen 23 Uhr fielen die Kids dann komatös in ihre Bettchen und konnten am nächsten Tag zum Glück ausschlafen!
Darum hatte ich kurzer Hand Bahn-Tickets für meine Kids und mich besorgt (mit BahnCard 75 Euro für alle zusammen, Hin- und Rückfahrt) und einen praktischen Reiseführer.
Berlin liegt ja nicht grade vor den Toren Münsters und darum hieß es am Donnerstag, den 27.09.2007 morgens früh um 04.30 Uhr aufstehen, denn um 05.38 Uhr sollte der Zug losfahren. Glücklicher Weise brachte uns die Oma zum Bahnhof und der Zug wartete schon auf uns, da er erst in Münster startete. Wir konnten uns also in Ruhe Plätze suchen (reserviert hatten wir wegen der frühen Zeit nicht) und uns niederlassen.
Ich hatte müde Kinder erwartet, die die kurze Nachtruhe durch ein Nickerchen im Zug ausgleichen. Daher hatte ich extra Kuschelkissen mitgenommen, die aber mehr auf dem Boden herumflogen, als dass sich jemand sein Köpfchen darauf gebettet hätte - natürlich waren meine Kids hellwach und sorgten dafür, dass alle anderen Reisenden es auch bald waren. Um uns die "gefühlte" Fahrzeit zu verkürzen, begaben wir uns dann hinter Hannover in das Board-Restaurant, um uns einen Kakao bzw. einen Kaffee zu gönnen.
Der neue Hauptbahnhof Berlin beeindruckte vor allem wieder mal Felix, der versuchte, seine Begeisterung auf Johanna zu übertragen. Für die kleine Maus war alles aber wohl "unfassbar" groß und gewaltig und sie konnte darum gar nicht nachvollziehen, was denn jetzt genau so toll an diesem Bauwerk sein sollte.
Um halb 10 morgens sollte doch wohl noch keine so lange Schlange vor dem Eingangsbereich des Reichstagsgebäude sein, oder? Oh doch! Und so erwogen wir kurz, den Insider-Tipp mit der linken Tür ("für Gruppen oder Vorstellungen") zu nutzen. Die Schlange war aber genau so lang und wir entschlossen uns daher, an der "richtigen" Schlange anzustehen. Ein Mann mit Informationsprospekten zum Reichstag sprach mich an, wie alt denn Johanna sei. "7", war die Antwort. "Na, für Familien mit Kindern bis 6 Jahre ist der Eingang rechts vorgesehen, damit die nicht so lange anstehen müssen", sagte er und zwinkerte mir vielsagend zu. "Sagen sie einfach, dass ich sie geschickt habe und dann dürfen Sie da auch durch." Na, das nenn ich Service im Sinne des Bürgers - und so zogen wir ohne Wartezeit an der langen Schlange vorbei in das geschichtsträchtige Gebäude. Mit dem Aufzug ging es hinauf in die Kuppel. Dort gab es allerhand Informatives rund um die Geschichte des Reichstages zu sehen. Über den spiralförmigen Aufgang ging es dann zum Kuppeldach. Felix war ganz fasziniert davon, dass dieses oben offen ist und dass es quasi hineinregnen kann. "Das Loch ist für die Abluft aus dem Plenarsaal", klärte uns ein Angestellter auf. Und man weiß ja, wie viel "heiße Luft" Politiker fabrizieren können ;-) "Manchmal regnet es tatsächlich bis unten hinein und die oberen Sitze sind nass." Johanna musste plötzlich Pipi und Felix lief mit ihr ganz unbedarft (und ohne zu Fragen) in das angrenzende Nobel-Café Käfer. Den ausdrücklichen Hinweis an der Eingangstür "Toilettennutzung nur für Gäste des Cafès" hatten sie wohl übersehen. Beim Café Käfer hatte Franziska ihren ganz persönlichen kleinen Triumph - hatte ich doch aus irgendeinem Grund mit ihr gewettet, dass wir allerhand zu sehen bekommen werden "bloß keinen Marienkäfer" - und hier war nun Café Käfer mit vielen Marienkäfern auf den Servietten und sonstigen Deko-Utensilien!
Anschließend wollten wir zum nahe gelegenen Brandenburger Tor laufen. Auf dem Weg dorthin entdeckte ich jedoch Hinweisschilder zum Jüdischen Denkmal, welches sich unweit des Stadttores befinden sollte. Also erstmal dorthin. Die unterschiedlich hohen grauen Stelen luden natürlich Johanna geradezu dazu ein, zwischen ihnen Verstecken zu spielen! Der Besuch des zum Denkmal gehörenden Museums hätte eine Wartezeit von 30 Minuten zur Folge gehabt, auf die wir gerne verzichteten. Also kein Jüdisches Museum, sondern stattdessen ab zum Alexanderplatz, genauer genommen zum Fernsehturm. Der Weg dorthin zog sich ganz schön hin, obwohl wir den "Telespargel" schon von weitem sehen konnten. Die relativ langweilige Umgebung auf der Parallelstraße zu "Unter den Linden" förderte dann natürlich das Quengeln der Kids, vor allem bei Johanna. Aber endlich war der Turm - pünktlich zur Mittagspause - erreicht. Im Vergleich zu den Frankfurter Main-Towers war der Turm zumindest designtechnisch eine herbe Enttäuschung: vermutlich erbaut in den 1960er Jahren strahlte das Innere im Spießerdesign mit Resopal-Wandverkleidung, grünem Teppich im Aufzug und ziemlich hässlichen Butzenglasscheiben. Da es leicht diesig war, konnten wir die tolle Aussicht von der Panoramaetage nur bedingt genießen. Immerhin wiesen uns aber Hinweisschilder auf die von oben zu sehenden Gebäude bzw. Stadtbezirke hin. Da konnte man sogar den Ost-Bahnhof und den Stadtteil Marzahn sehen (kann das wirklich sein???)! Wie gerne hätte ich jetzt dem dortigen Karate-Dojo einen Besuch abgestattet! Die wahre Attraktion war allerdings nicht nur die atemberaubende Aussicht, sondern das sich auf einer Drehplattform befindliche Restaurant. Hier waren die Kinder nicht mehr zu bändigen und tobten aufgeregt herum. Einem Herrn am Nachbartisch platzte daraufhin der Kragen und er rief sie zur Raison. Ich fragte mich nur wieder einmal, warum andere Kinder still und artig mit ihren Eltern am Tisch sitzen und essen, während meine so lebhaft herumquietschten. Temperament? Schlechte Erziehung? Seufz!
Nachdem wir in luftigen Höhen jeder ein Getränk genossen und die Kids mal von meiner Berliner Weiße mit Waldmeister-Schuss gekostet hatten, zogen wir weiter, erst einmal beim gegenüberliegenden Nordsee-Restaurant etwas essen (ungleich preiswerter als im Fernsehturm-Restaurant!).
Nun hieß es, langsam den Rückweg antreten, denn um 15.30 Uhr wollten wir auf Johannas ausdrücklichen Wunsch hin mit einem Ausflugsboot noch einmal professionelles Sightseeing genießen! Für den Rückweg nutzten wir die Prachtallee Unter den Linden. Felix war beeindruckt ob der vielen historischen Gebäude. "Sieht aus wie im Movie Park, Mama!", meinte er (dort war er kürzlich gewesen und fand es witzig, dass die Kulisse aus nachgebauten Weltstädten bestand). Unterwegs kamen wir an der Museumsinsel vorbei. Hier lockte uns das Historische Deutsche Museum und wir machten eine kleine Stippvisite bei Karl dem Großen, Martin Luther und co. Leider drängte die Zeit und wir mussten schon nach einer Dreiviertelstunde weiter. Jetzt aber flott Richtung Brandenburger Tor! Wir mussten wirklich rennen und bald versagten Johanna die kleinen Füßchen! Also nahm ich sie auf die Schultern und rannte mit ihr weiter. Ganz knapp erreichten wir das Boot und als wir endlich saßen und Luft holten, froh, das Boot noch erwischt zu haben, kam Johannas Kommentar: "Boh - ist das hier langweilig!" Also, manchmal könnte man sie ja......! Ich fand die Fahrt dann aber sehr schön, denn über Lautsprecher wurden interessante Details zu den an uns vorbeiziehenden Sehenswürdigkeiten mitgeteilt. Wir fuhren zunächst zurück Richtung Unter den Linden. Dort am Palast der Republik vorbei, "Erichs Lampenladen", der wegen Asbestverseuchung derzeit abgerissen wird. Interessant auch Details zu den verschiedenen Brücken, unter denen wir her fuhren. Leider fuhren wir nicht durch die Schleuse, sondern drehten kurz vorher um, um wieder zurück zu fahren. Wir fuhren dann am Startpunkt (dem Hauptbahnhof gegenüber) vorbei durch das Regierungsviertel. Dort erfuhren wir z. B., dass ein aufwändiges, eigens für Regierungsangestellte errichtetes Wohngebäude nur zum Teil von diesen bewohnt wird und nun auch an Externe vermietet wird. Im "Garten" des Kanzleramts konnte man ein ca. 10 Meter hohes, graues Metallgebilde sehen: ein Glockenturm, und zwar der höchste freistehende Glockenturm Europas. Dieser wurde Berlin zur 750 Jahrfeier geschenkt und zwar von der Firma Daimler Chrysler. Im Volksmund wird das Glockenspiel daher "Big Benz" genannt.
Nach einer Stunde war die Bootsfahrt beendet und wir stiegen im leichten Nieselregen aus. Wir hatten noch knapp 90 Minuten Zeit, bis der Zug ging und nutzten diese, um zum dritten Mal an diesem Tag zum Brandenburger Tor zu laufen. Dort machten wir ein paar typische Touristenfotos und bewunderten die Wechselskulptur auf dem Vorplatz des Tores. Anschließend ging es noch in den -recht günstigen- Souvenir-Shop, wo sich jeder ein Andenken aussuchen durfte und ich mir ein Buch über die Berliner Mauer zulegte.
Nun wieder im Pendlerstrom Richtung Bahnhof, schnell noch ein Eis auf die Hand und ab zum Gleis 13. Ganz schön naiv hatte ich erwartet, nun müde, ruhige Kinder bei mir zu haben - aber sie waren durch das Erlebte nun so überdreht, dass sie echt anstrengend waren. Als ich es satt war, sie zur Ruhe zu rufen und mich aufzuregen, weil sie nicht hörten, flüchtete ich irgendwann einfach in das Zugrestaurant, genoss dort einen Kaffee und mein neues Buch und versuchte, die abwechselnd in verschiedenen Richtungen an mir vorbei fliegenden Kinder zu ignorieren!
Der Zug hatte eine kleine Verspätung. Der Fahrkartenkontrolleur teilte uns aber mit, dass unser Anschlusszug in Hamm auf uns warten würde, dies sei soeben per sms bestätigt worden. Auf dem Bahnsteig in Hamm fragten wir noch schnell das dortige Bahnpersonal nach dem richtigen Gleis. "Gleis 4, aber sie müssen sich beeilen, sie haben noch genau 30 Sekunden!" Interessant, was die Bahn unter dem Begriff "warten" versteht! Nun also im gestreckten Galopp von Gleis 10 zu Gleis 4. Felix und Franziska rannten vor und ich mit der armen kleinen Johanna am Ärmel hinterher. Die Treppe hoch hörten wir schon den Pfiff für die Abfahrt! Felix hatte glücklicher Weise schon fast die Lok erreicht und der Schaffner stand noch davor und wies uns an, schnell zu ihm zu kommen! Wie die Blöden starteten wir zum Endspurt und - erreichten in letzter Sekunde die Tür! Mit zum Platzen geweiteten Lungen sanken wir japsend aber glücklich auf die Sitze!
In Münster holte uns dann Frank vom Bahnhof ab. Daheim erst mal ein Pott Nudeln gekocht und vom Erlebten erzählt. Gegen 23 Uhr fielen die Kids dann komatös in ihre Bettchen und konnten am nächsten Tag zum Glück ausschlafen!
Montag, 9. Juli 2007
Moargut - der Mercedes unter den Urlauben!
Vom 23.6. bis 07.07.2007 verbrachten wir wieder einmal unseren heiß ersehnten Urlaub in Großarl. Bei Sepp und Liesbeth im Hotel Moargut ist es doch immer am Schönsten! Ungelogen, denn wo kann man sich mehr entspannen und den Alltag außen vor lassen, als in einem Hotel, bei dem man schon bei der Ankunft von Koch Alex und Allround-Servicetalent Markus gedrückt und geherzt wird? Wie kann ein Urlaub noch getoppt werden, bei dem einem alle Wünsche bereits von den Augen abgelesen werden, noch bevor man sie selber kennt? Ein Beispiel: Gleich bei der Ankunft begrüßte mich Koch Alex mit den Worten: "Andrea an einem Tag werd ich extra für Dich das Rollschinkenmousse* machen!" Und das tat er auch - am Donnerstag der zweiten Woche gab es eine Portion Rollschinkenmousse, NUR FÜR MICH! Schade, dass Frank da schon abgereist war, er hätte das auch sehr genossen!
So freuten wir uns also wieder auf einen Super-Urlaub - mit den Kids und doch auch ohne, denn wenn sie nicht mit auf die Berge wollten, blieben sie halt im Hotel bei der Kinderbetreuung. Ein Urlaub im Moargut ist halt der Mercedes unter den Urlauben!
Vom Wetter waren wir in Deutschland nicht grade verwöhnt worden diesen Sommer! Der April war ungewöhnlich heiß gewesen und pünktlich zur Öffnung der Freibäder schlug das Wetter Anfang Mai um. Seitdem hatten wir wettertechnisch in die Röhre geguckt! Welch Überraschung, als uns dann in den österreichischen Alpen der Hochsommer begrüßte! Aber selbst als das Wetter nach gut einer Woche umschlug, machte uns dies fast nichts aus. Wanderten wir halt bei Wolken und auch mal bei leichtem Nieselregen. Schade nur, dass die (extra für mich?!?!?!) als Hotelführung geplante Gletschertour dann doch dem Schneefall zum Opfer fiel! Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben und so hoffe ich, dass ich hier im kommenden Sommer auf meine Kosten komme.
Die Kids waren wie immer sehr gut zufrieden. Kindertechnisch war es also fast wieder ein "Selbstläufer" und genau richtig für uns "Rabeneltern" ;-)) Johanna und Franziska genossen alle nur erdenklichen Aktivitäten der Kinderbetreuung, wie z. B. Heuhüpfen mit anschließender Übernachtung in selbigem, Treckerfahren bei Sepp in der Treckerschaufel (als Versicherungsfachwirtin und Möchte-Gern-Juristin muss ich ja sagen: ganz schön mutig, Sepp!), T-Shirt-Gestalten und Vieles mehr. Felix war ja nie wirklich für die Kinderbetreuung zu erwärmen, da er ja wie auch daheim, im Urlaub gerne seinen eigenen Weg geht. Dieser Weg führte in diesem Urlaub jedoch nicht selten an unserer Seite entlang, da Felix es sich nicht nehmen ließ, etliche Bergwanderungen mit zu machen, vor allem, wenn sein Freund Tom Belling aus Detmold mit dabei war. An einem Tag wurde Felix von Familie Belling mit zum Fernsehbauernhof Gut Aiderbichel genommen. Tom und Felix wurden so dicke Freunde, dass Felix Tom in den Herbstferien sogar einen 5-tägigen Besuch in Detmold abstattete!
Franziska wollte unbedingt gerne in das Salzbergwerk nach Hallein und so unternahmen wir mit der Familie (außer Felix, der da grade am Gut Aiderbichel war) und Oma einen Tagesausflug. Das Wetter war ziemlich mies an dem Tag, aber wir weilten ja unter Tage, ließen uns die Geschichte des Salzbergwerkes erzählen, hörten von Kelten und Kaisern, Knechten und (Salz-)Kammern, ließen uns mit einem Boot über einen unterirdischen Salzsee fahren und überquerten unter Tage sogar die österreichische Grenze. Durch die Erzählungen der Führerin wurde Franziskas Interesse an der Geschichte der Kelten geweckt, so dass wir an einem anderen Ferientag noch einmal nach Hallein fahren mussten, um das Keltenmuseum anzuschauen. Diesmal war auch Tom mitgefahren und wir konnten uns etwas für den Ausflug zum Gut Aiderbichel revanchieren. Bei diesem Ausflug nutzte ich auf dem Rückweg einen kurzen Stadtbummel, um mir einen lang gehegten Traum zu erfüllen: ich schenkte mir quasi selber ein hübsches Dirndl zum Geburtstag!
Frank war in der zweiten Woche bereits am Donnerstagmorgen zu einem Motorradtreffen in den Schwarzwald aufgebrochen. Er hatte aber bis dahin auch schon allerlei erlebt. So waren wir unzählige Kilometer gewandert, teils alleine, teils mit unserer Freundin Doris aus Coesfeld, teils mit Felix und/oder anderen Hotelgästen. Felix hatte sich gleich am ersten Tag vorgenommen, den "Badeschlappenweg" zur Aigenalm (hier gibt es -leider- einen neuen Güterweg) mit dem Fahrrad hinaufzufahren. Mann, hat der Gas gegeben! Auch wenn er einige Etappen schieben musste, so war das dennoch eine beachtliche Leistung! Als ich ihn auf dem Rückweg mit Vollgas den Hang hinunter fahren sah, bat ich Frank besorgt, ihm bitte schnell zu folgen und für seine Sicherheit zu sorgen. Felix war allerdings längst schon -im wahrsten Sinne des Wortes- über alle Berge und gar nicht mehr zu sehen!
Wie immer hatte der Sepp pro Woche eine Familienwanderungen geplant: Die erste war gleich eine echte Herausforderung! Es ging zur Filzmoosalm, Lohsbühelalm, Weißalm und Groß Elmaualm. Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch knalle heißes Sommerwetter und Franziska war total am Ende und bekam kurz vor der letzen Alm einen hysterischen Anfall! An einem Freitag gab es ein Kaffeetrinken auf der Bachalm. Sepp und Liesbeth hatten dort für uns eine Kaffeetafel mit Apfelstrudel und anderen Leckereien angerichtet! Viele waren hier mit den Autos hinauf gefahren. Thomas (Papa von Zissis Freundin Nathalie) und ich waren jedoch den gesamten Weg gelaufen - und froh, als wir wieder unten waren! Wir hatten hier echt Vollgas gegeben und konnten wegen des -langweiligen- Güterwegs fast hinauf und hinab joggen!
Auch für die „Großen“ gab es spezielle Wandertouren. Eine führte uns die bereits bekannte Strecke zum Frauenkogel hinauf. Ich war etwas enttäuscht, weil wir erst mit Autos zur Bachalm gefahren waren. So richtig ausgelastet war ich dann ja vom Wandern nicht. Was mir eher zu schaffen machte, war die an diesem Tage herrschende Witterung: das Wetter war umgeschlagen und oben erwarteten uns nicht nur Schneefelder, sondern auch Schneegriesel! Und ich blöder Flachlandtiroler war ganz unbedarft mit kurzer Hose hinaufgegangen! Das sollte mir nicht wieder passieren! Eine weitere Wanderung ging dann am letzten Donnerstag zum Draugstein. Leider ging es mir nicht so gut an dem Tag. Zudem war Frank bereits abgereist. So musste Felix alleine mit wandern und tat das auch. Er war wohl wieder nur voran gelaufen. Leider hatte er keine Jacke dabei und das Wetter ließ wieder mal nur zu wünschen übrig. Aber ihm machte das nichts aus und er kehrte glücklich und stolz zum Hotel zurück.
Frank und ich hatten einige weitere schöne und auch nicht so schöne Wanderungen bewerkstelligt. Es ist doch erstaunlich und irgendwie auch enttäuschend, wie sich das Großarltal seit unserem letzten Sommerurlaub teilweise verändert hatte! So wollten Frank und ich zur Kreealm mit Kreehütte und Bichlhütte hinauf. Diese Tour hatten wir noch so gut in Erinnerung, da wir von dort aus doch einmal an einem zweiten Urlaubstag ganz naiv bis zum Murtörl gekraxelt waren. Das Wetter war recht wechselhaft und wir hatten diesmal nicht vor, so hoch zu steigen. Wir wollten nur den schönen Kraxelsteig bis zu den Almhütten nehmen - aber - der war weg! Statt dessen begrüßte uns der frische Kiesweg mit seitlich deutlich sichtbaren Sprengspuren! Ein weiterer, ganz neuer Güterweg also! Wie blöd! Nun ja, aber die Almbauern müssen ja auch leben und es ist eben kein alpines Disneyland, wo alles nur auf die Touristen abgestellt ist!
Mit Doris, Jan, Tim und unseren Kids hatten wir noch einen schönen Ausflug auf der anderen Talseite: Am Vorderstadtluck parkten wir und gingen auf zwei verschiedenen Wegen zur Saukaralm und zum Teil sogar zum Saukarkopf. Jan hatte doch erhebliche konditionelle Probleme und ging darum mit Doris eine einfachere Strecke. Tim marschierte derweil mit uns. Auf dem Saukarkopf verloren wir Felix wieder einmal, weil er einfach schon wieder unten war, als wir ihn noch oben suchten...
Schön war auch Franks und mein Aufstieg zur Höllwand! Selbst Doris ließ sich von dem schaurigen Namen nicht abschrecken und kam mit, unter dem Vorbehalt, nicht die eigentliche Höllwand zu besteigen. So kraxelten wir, obgleich wir einen skelettierten Kuhkopf auf einer Wiese hinter uns gelassen hatten, entschlossen am Schuhflicker vorbei und näherten uns der Höllwand. Diese machte dann, besonders auf den letzten Metern, ihrem Namen alle Ehre! Hui, war das hoch und steil! Ich musste mich quasi am Berg festkrallen, um die letzten Meter bis zum Gipfelkreuz zu schaffen! Bloß nicht runtergucken jetzt! Und dann wäre es beinahe doch passiert - vor lauter falschem Ehrgeiz wäre ich doch glatt abgeschmiert! Ich griff nämlich in den Hang und spürte einen stechenden Schmerz, als mir nichts außer einem Büschel Brennnessel Halt bot! Als ich dann auf dem Kamm saß, klopfte mein Herz wie wild! Ich beschloss, noch nicht an den Abstieg zu denken und die atemberaubende Aussicht zu genießen! Das war echt toll, wie man weit über die Gipfel und Täler blicken konnte! Selten hab ich so einen schönen Ausblick gehabt! Nachdem ich dann die ersten Meter des Abstiegs geschafft hatte, war dann auch alles wieder ganz easy!
Am Folgetag beschlossen wir, auch noch den Schuhflicker zu "schaffen", an dem wir zuvor ja nur vorbei gelaufen waren. Da dieser alleine aber keine echte Herausforderung für uns darstellte, beschlossen Frank und ich, anschließend vom Schuhflicker zum Kreuzkogel zu wandern und von dort aus in unser „Heimattal“, in dem sich die Aigenalm befindet, zu laufen. Morgens hatten wir den Sepp gefragt, ob wir oben vom Kamm ins Tal steigen könnten, es war dort nämlich kein Wanderweg eingezeichnet. "Klar, des passt, ist allerdings etwas unwegsam. Ihr schaffts des schon!". Nun konnten wir Doris aber nicht mehr überreden, mit uns zu gehen. Hinterher war ich ehrlich gesagt ganz froh, denn nachdem wir den Schuhflicker mal eben "abgefrühstückt" hatten, sollte unser ganz großes Urlaubsabenteuer beginnen.....
Erst zögerten wir noch, an welcher Stelle wir den Abstieg in "unser" Tal wagen sollten. Dann sahen wir bereits vom Kamm aus die Almhütten - na, dann kann ja nix mehr schief gehen! - Wie sehr man sich doch irren kann! Wir gingen ein kleines, recht gut bezwingbares und überschaubares Gefälle hinab. Dann veränderte sich der Untergrund. Das Gras wurde höher - Moment - Gras? Da war alles andere, aber nicht mehr das, was man sich als Flachlandtiroler als Gras vorstellt! Zwar bin ich botanisch ohnehin nicht so unglaublich bewandert, die Namen der sich mir dort nun präsentierenden Pflanzen stehen aber bestimmt in keinem handelsüblichen Biologiebuch! Und es waren ja nicht nur nett anzuschauende Blühpflanzen - nein: ungefähr 80 % der floralen Umgebung bestanden aus bedrohlich ausschauenden, mit Dornen und Stacheln bewehrten ganz bestimmt mindestens Fleisch fressenden Pflanzen! Hier fühlte ich mich nicht erst unwohl, als Frank meinte: "Guck mal, eine Schlange!" Quiekend suchte ich nach einem anderen Weg und glaubte mich in einer nahen Nadelwaldschonung in Sicherheit. Dort angekommen, atmete ich auf - um gleich darauf auf dem schmierseifenglatten Tannennadeluntergrund auf den Po zu fallen. Frank, der mir inzwischen gefolgt war, schlitterte mit mir auf dem steilen Gefälle zum nächsten Baum. Hier also auch nicht gut. Während einer Pause hörte ich ein Plätschern. Ein Bachlauf! Ja, ich hatte noch genau vor Augen, wie unser Sohn Felix am Vortag bei der Wanderung mit seinem Freund Tom lustig durch einen Bachlauf spazierte. Das wäre doch jetzt optimal: die sich im Bach befindlichen Steine würden uns sicheren Halt geben. Durch das pieksende, urwaldähnliche Gestrüpp wagten wir uns Richtung Plätschern. Gut, dass ich mir just an diesem Morgen eine superteure lange Wanderhose gekauft hatte! Diese schonte die Haut an meinen Beinen und gab mir die Illusion, vor Schlangen, Spinnen, Zecken und Co. einigermaßen sicher zu sein. Da! Der Bach! Voller Vorfreude und mit der Gewissheit, es bald geschafft zu haben, retteten wir uns in das kühle Nass und wurden gleich mit einer Rutschpartie auf dem Hosenboden belohnt! Das Bild des Vortages (Felix und Tom idyllisch im Bach....) zerfiel schlagartig in tausend kleine Trümmerstücke! Halb rutschend und schlitternd und zwischendurch immer wieder einen Weg am Festland ausprobierend, kamen wir nur langsam etwas weiter ins Tal. Langsam bekam ich Panik: Was, wenn einer von uns sich hier verletzt, den Fuß verknickt oder tatsächlich von einer Schlange gebissen wird? Wie sollen wir hier jemals wieder weg kommen? Wie sollte uns hier jemand finden oder retten können? Aber es half ja nichts, wir mussten irgendwie weiter. Gegenseitig machten wir uns immer wieder Mut, versuchten der Situation etwas Komisches abzugewinnen und etwas Galgenhumor aufzubringen. Und dann endlich - der erste Kuhfladen! Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals so über den Anblick eines Kuhfladens gefreut zu haben! Jauchzend trat ich mit meinen ohnehin total zugesauten Wanderschuhen feste hinein! Jetzt konnte nicht mehr viel schief gehen! Nach nur mehr wenigen Minuten erreichten wir dann die Almhütte und stießen mit einem kühlen Bier auf unser zweites Leben an! Eins war sicher: so leichtsinnig würden wir nicht so schnell wieder sein. Der Almwirt zollte uns auch seine hohe Anerkennung für unseren Abstieg. Das würden nur geübte Bergsteiger schaffen! Jaja....
Der Sepp nahm unseren kleinen Vorwurf, er hätte uns ja warnen können, gelassen hin: "I hoab ja g'sogt, des des unwegsam is!" So, so, unwegsam....
Nun, mal schauen, was wir uns im nächsten Jahr für feine Strecken aussuchen...ich glaub, der Ankogl-Gletscher ist noch nicht ganz vom Tisch....
*das Rollschinkenmousse hat eine Vorgeschichte: Im Moargut werden stets die feinsten Schmankerl serviert. Dies gilt natürlich besonders, seit Koch Alex an den Töpfen steht. Aber auch zuvor war die Speisekarte äußerst erlesen. So gab es, und diese Bezeichnung werden wir wohl nie vergessen, "das Rollschinkenmousse, ins Schusterleibchen dressiert". Das Schusterleibchen entpuppte sich dann als zwei kleine Brotscheiben und das Rezept des Rollschinkenmousses wollte uns Mutter Prommegger leider nie verraten...
So freuten wir uns also wieder auf einen Super-Urlaub - mit den Kids und doch auch ohne, denn wenn sie nicht mit auf die Berge wollten, blieben sie halt im Hotel bei der Kinderbetreuung. Ein Urlaub im Moargut ist halt der Mercedes unter den Urlauben!
Vom Wetter waren wir in Deutschland nicht grade verwöhnt worden diesen Sommer! Der April war ungewöhnlich heiß gewesen und pünktlich zur Öffnung der Freibäder schlug das Wetter Anfang Mai um. Seitdem hatten wir wettertechnisch in die Röhre geguckt! Welch Überraschung, als uns dann in den österreichischen Alpen der Hochsommer begrüßte! Aber selbst als das Wetter nach gut einer Woche umschlug, machte uns dies fast nichts aus. Wanderten wir halt bei Wolken und auch mal bei leichtem Nieselregen. Schade nur, dass die (extra für mich?!?!?!) als Hotelführung geplante Gletschertour dann doch dem Schneefall zum Opfer fiel! Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben und so hoffe ich, dass ich hier im kommenden Sommer auf meine Kosten komme.
Die Kids waren wie immer sehr gut zufrieden. Kindertechnisch war es also fast wieder ein "Selbstläufer" und genau richtig für uns "Rabeneltern" ;-)) Johanna und Franziska genossen alle nur erdenklichen Aktivitäten der Kinderbetreuung, wie z. B. Heuhüpfen mit anschließender Übernachtung in selbigem, Treckerfahren bei Sepp in der Treckerschaufel (als Versicherungsfachwirtin und Möchte-Gern-Juristin muss ich ja sagen: ganz schön mutig, Sepp!), T-Shirt-Gestalten und Vieles mehr. Felix war ja nie wirklich für die Kinderbetreuung zu erwärmen, da er ja wie auch daheim, im Urlaub gerne seinen eigenen Weg geht. Dieser Weg führte in diesem Urlaub jedoch nicht selten an unserer Seite entlang, da Felix es sich nicht nehmen ließ, etliche Bergwanderungen mit zu machen, vor allem, wenn sein Freund Tom Belling aus Detmold mit dabei war. An einem Tag wurde Felix von Familie Belling mit zum Fernsehbauernhof Gut Aiderbichel genommen. Tom und Felix wurden so dicke Freunde, dass Felix Tom in den Herbstferien sogar einen 5-tägigen Besuch in Detmold abstattete!
Franziska wollte unbedingt gerne in das Salzbergwerk nach Hallein und so unternahmen wir mit der Familie (außer Felix, der da grade am Gut Aiderbichel war) und Oma einen Tagesausflug. Das Wetter war ziemlich mies an dem Tag, aber wir weilten ja unter Tage, ließen uns die Geschichte des Salzbergwerkes erzählen, hörten von Kelten und Kaisern, Knechten und (Salz-)Kammern, ließen uns mit einem Boot über einen unterirdischen Salzsee fahren und überquerten unter Tage sogar die österreichische Grenze. Durch die Erzählungen der Führerin wurde Franziskas Interesse an der Geschichte der Kelten geweckt, so dass wir an einem anderen Ferientag noch einmal nach Hallein fahren mussten, um das Keltenmuseum anzuschauen. Diesmal war auch Tom mitgefahren und wir konnten uns etwas für den Ausflug zum Gut Aiderbichel revanchieren. Bei diesem Ausflug nutzte ich auf dem Rückweg einen kurzen Stadtbummel, um mir einen lang gehegten Traum zu erfüllen: ich schenkte mir quasi selber ein hübsches Dirndl zum Geburtstag!
Frank war in der zweiten Woche bereits am Donnerstagmorgen zu einem Motorradtreffen in den Schwarzwald aufgebrochen. Er hatte aber bis dahin auch schon allerlei erlebt. So waren wir unzählige Kilometer gewandert, teils alleine, teils mit unserer Freundin Doris aus Coesfeld, teils mit Felix und/oder anderen Hotelgästen. Felix hatte sich gleich am ersten Tag vorgenommen, den "Badeschlappenweg" zur Aigenalm (hier gibt es -leider- einen neuen Güterweg) mit dem Fahrrad hinaufzufahren. Mann, hat der Gas gegeben! Auch wenn er einige Etappen schieben musste, so war das dennoch eine beachtliche Leistung! Als ich ihn auf dem Rückweg mit Vollgas den Hang hinunter fahren sah, bat ich Frank besorgt, ihm bitte schnell zu folgen und für seine Sicherheit zu sorgen. Felix war allerdings längst schon -im wahrsten Sinne des Wortes- über alle Berge und gar nicht mehr zu sehen!
Wie immer hatte der Sepp pro Woche eine Familienwanderungen geplant: Die erste war gleich eine echte Herausforderung! Es ging zur Filzmoosalm, Lohsbühelalm, Weißalm und Groß Elmaualm. Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch knalle heißes Sommerwetter und Franziska war total am Ende und bekam kurz vor der letzen Alm einen hysterischen Anfall! An einem Freitag gab es ein Kaffeetrinken auf der Bachalm. Sepp und Liesbeth hatten dort für uns eine Kaffeetafel mit Apfelstrudel und anderen Leckereien angerichtet! Viele waren hier mit den Autos hinauf gefahren. Thomas (Papa von Zissis Freundin Nathalie) und ich waren jedoch den gesamten Weg gelaufen - und froh, als wir wieder unten waren! Wir hatten hier echt Vollgas gegeben und konnten wegen des -langweiligen- Güterwegs fast hinauf und hinab joggen!
Auch für die „Großen“ gab es spezielle Wandertouren. Eine führte uns die bereits bekannte Strecke zum Frauenkogel hinauf. Ich war etwas enttäuscht, weil wir erst mit Autos zur Bachalm gefahren waren. So richtig ausgelastet war ich dann ja vom Wandern nicht. Was mir eher zu schaffen machte, war die an diesem Tage herrschende Witterung: das Wetter war umgeschlagen und oben erwarteten uns nicht nur Schneefelder, sondern auch Schneegriesel! Und ich blöder Flachlandtiroler war ganz unbedarft mit kurzer Hose hinaufgegangen! Das sollte mir nicht wieder passieren! Eine weitere Wanderung ging dann am letzten Donnerstag zum Draugstein. Leider ging es mir nicht so gut an dem Tag. Zudem war Frank bereits abgereist. So musste Felix alleine mit wandern und tat das auch. Er war wohl wieder nur voran gelaufen. Leider hatte er keine Jacke dabei und das Wetter ließ wieder mal nur zu wünschen übrig. Aber ihm machte das nichts aus und er kehrte glücklich und stolz zum Hotel zurück.
Frank und ich hatten einige weitere schöne und auch nicht so schöne Wanderungen bewerkstelligt. Es ist doch erstaunlich und irgendwie auch enttäuschend, wie sich das Großarltal seit unserem letzten Sommerurlaub teilweise verändert hatte! So wollten Frank und ich zur Kreealm mit Kreehütte und Bichlhütte hinauf. Diese Tour hatten wir noch so gut in Erinnerung, da wir von dort aus doch einmal an einem zweiten Urlaubstag ganz naiv bis zum Murtörl gekraxelt waren. Das Wetter war recht wechselhaft und wir hatten diesmal nicht vor, so hoch zu steigen. Wir wollten nur den schönen Kraxelsteig bis zu den Almhütten nehmen - aber - der war weg! Statt dessen begrüßte uns der frische Kiesweg mit seitlich deutlich sichtbaren Sprengspuren! Ein weiterer, ganz neuer Güterweg also! Wie blöd! Nun ja, aber die Almbauern müssen ja auch leben und es ist eben kein alpines Disneyland, wo alles nur auf die Touristen abgestellt ist!
Mit Doris, Jan, Tim und unseren Kids hatten wir noch einen schönen Ausflug auf der anderen Talseite: Am Vorderstadtluck parkten wir und gingen auf zwei verschiedenen Wegen zur Saukaralm und zum Teil sogar zum Saukarkopf. Jan hatte doch erhebliche konditionelle Probleme und ging darum mit Doris eine einfachere Strecke. Tim marschierte derweil mit uns. Auf dem Saukarkopf verloren wir Felix wieder einmal, weil er einfach schon wieder unten war, als wir ihn noch oben suchten...
Schön war auch Franks und mein Aufstieg zur Höllwand! Selbst Doris ließ sich von dem schaurigen Namen nicht abschrecken und kam mit, unter dem Vorbehalt, nicht die eigentliche Höllwand zu besteigen. So kraxelten wir, obgleich wir einen skelettierten Kuhkopf auf einer Wiese hinter uns gelassen hatten, entschlossen am Schuhflicker vorbei und näherten uns der Höllwand. Diese machte dann, besonders auf den letzten Metern, ihrem Namen alle Ehre! Hui, war das hoch und steil! Ich musste mich quasi am Berg festkrallen, um die letzten Meter bis zum Gipfelkreuz zu schaffen! Bloß nicht runtergucken jetzt! Und dann wäre es beinahe doch passiert - vor lauter falschem Ehrgeiz wäre ich doch glatt abgeschmiert! Ich griff nämlich in den Hang und spürte einen stechenden Schmerz, als mir nichts außer einem Büschel Brennnessel Halt bot! Als ich dann auf dem Kamm saß, klopfte mein Herz wie wild! Ich beschloss, noch nicht an den Abstieg zu denken und die atemberaubende Aussicht zu genießen! Das war echt toll, wie man weit über die Gipfel und Täler blicken konnte! Selten hab ich so einen schönen Ausblick gehabt! Nachdem ich dann die ersten Meter des Abstiegs geschafft hatte, war dann auch alles wieder ganz easy!
Am Folgetag beschlossen wir, auch noch den Schuhflicker zu "schaffen", an dem wir zuvor ja nur vorbei gelaufen waren. Da dieser alleine aber keine echte Herausforderung für uns darstellte, beschlossen Frank und ich, anschließend vom Schuhflicker zum Kreuzkogel zu wandern und von dort aus in unser „Heimattal“, in dem sich die Aigenalm befindet, zu laufen. Morgens hatten wir den Sepp gefragt, ob wir oben vom Kamm ins Tal steigen könnten, es war dort nämlich kein Wanderweg eingezeichnet. "Klar, des passt, ist allerdings etwas unwegsam. Ihr schaffts des schon!". Nun konnten wir Doris aber nicht mehr überreden, mit uns zu gehen. Hinterher war ich ehrlich gesagt ganz froh, denn nachdem wir den Schuhflicker mal eben "abgefrühstückt" hatten, sollte unser ganz großes Urlaubsabenteuer beginnen.....
Erst zögerten wir noch, an welcher Stelle wir den Abstieg in "unser" Tal wagen sollten. Dann sahen wir bereits vom Kamm aus die Almhütten - na, dann kann ja nix mehr schief gehen! - Wie sehr man sich doch irren kann! Wir gingen ein kleines, recht gut bezwingbares und überschaubares Gefälle hinab. Dann veränderte sich der Untergrund. Das Gras wurde höher - Moment - Gras? Da war alles andere, aber nicht mehr das, was man sich als Flachlandtiroler als Gras vorstellt! Zwar bin ich botanisch ohnehin nicht so unglaublich bewandert, die Namen der sich mir dort nun präsentierenden Pflanzen stehen aber bestimmt in keinem handelsüblichen Biologiebuch! Und es waren ja nicht nur nett anzuschauende Blühpflanzen - nein: ungefähr 80 % der floralen Umgebung bestanden aus bedrohlich ausschauenden, mit Dornen und Stacheln bewehrten ganz bestimmt mindestens Fleisch fressenden Pflanzen! Hier fühlte ich mich nicht erst unwohl, als Frank meinte: "Guck mal, eine Schlange!" Quiekend suchte ich nach einem anderen Weg und glaubte mich in einer nahen Nadelwaldschonung in Sicherheit. Dort angekommen, atmete ich auf - um gleich darauf auf dem schmierseifenglatten Tannennadeluntergrund auf den Po zu fallen. Frank, der mir inzwischen gefolgt war, schlitterte mit mir auf dem steilen Gefälle zum nächsten Baum. Hier also auch nicht gut. Während einer Pause hörte ich ein Plätschern. Ein Bachlauf! Ja, ich hatte noch genau vor Augen, wie unser Sohn Felix am Vortag bei der Wanderung mit seinem Freund Tom lustig durch einen Bachlauf spazierte. Das wäre doch jetzt optimal: die sich im Bach befindlichen Steine würden uns sicheren Halt geben. Durch das pieksende, urwaldähnliche Gestrüpp wagten wir uns Richtung Plätschern. Gut, dass ich mir just an diesem Morgen eine superteure lange Wanderhose gekauft hatte! Diese schonte die Haut an meinen Beinen und gab mir die Illusion, vor Schlangen, Spinnen, Zecken und Co. einigermaßen sicher zu sein. Da! Der Bach! Voller Vorfreude und mit der Gewissheit, es bald geschafft zu haben, retteten wir uns in das kühle Nass und wurden gleich mit einer Rutschpartie auf dem Hosenboden belohnt! Das Bild des Vortages (Felix und Tom idyllisch im Bach....) zerfiel schlagartig in tausend kleine Trümmerstücke! Halb rutschend und schlitternd und zwischendurch immer wieder einen Weg am Festland ausprobierend, kamen wir nur langsam etwas weiter ins Tal. Langsam bekam ich Panik: Was, wenn einer von uns sich hier verletzt, den Fuß verknickt oder tatsächlich von einer Schlange gebissen wird? Wie sollen wir hier jemals wieder weg kommen? Wie sollte uns hier jemand finden oder retten können? Aber es half ja nichts, wir mussten irgendwie weiter. Gegenseitig machten wir uns immer wieder Mut, versuchten der Situation etwas Komisches abzugewinnen und etwas Galgenhumor aufzubringen. Und dann endlich - der erste Kuhfladen! Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals so über den Anblick eines Kuhfladens gefreut zu haben! Jauchzend trat ich mit meinen ohnehin total zugesauten Wanderschuhen feste hinein! Jetzt konnte nicht mehr viel schief gehen! Nach nur mehr wenigen Minuten erreichten wir dann die Almhütte und stießen mit einem kühlen Bier auf unser zweites Leben an! Eins war sicher: so leichtsinnig würden wir nicht so schnell wieder sein. Der Almwirt zollte uns auch seine hohe Anerkennung für unseren Abstieg. Das würden nur geübte Bergsteiger schaffen! Jaja....
Der Sepp nahm unseren kleinen Vorwurf, er hätte uns ja warnen können, gelassen hin: "I hoab ja g'sogt, des des unwegsam is!" So, so, unwegsam....
Nun, mal schauen, was wir uns im nächsten Jahr für feine Strecken aussuchen...ich glaub, der Ankogl-Gletscher ist noch nicht ganz vom Tisch....
*das Rollschinkenmousse hat eine Vorgeschichte: Im Moargut werden stets die feinsten Schmankerl serviert. Dies gilt natürlich besonders, seit Koch Alex an den Töpfen steht. Aber auch zuvor war die Speisekarte äußerst erlesen. So gab es, und diese Bezeichnung werden wir wohl nie vergessen, "das Rollschinkenmousse, ins Schusterleibchen dressiert". Das Schusterleibchen entpuppte sich dann als zwei kleine Brotscheiben und das Rezept des Rollschinkenmousses wollte uns Mutter Prommegger leider nie verraten...
Sonntag, 8. Juli 2007
Donnerstag, 3. Mai 2007
Crodile Dundee - Kurzversion für Finnen
Mein finnischer Bekannter Reijo Kangas, der mir Ende Februar diesen Jahres eine wunderschöne und aufregende Lappland-Rundreise ermöglicht hatte, sollte vom 1. bis zum 7. Mai anlässlich des 60. Geburtstags unseres gemeinsamen Trainers Risto Kiiskilä nach Deutschland kommen. Er plante, am 1. Mai in Frankfurt-Hahn zu landen und sich dort von einem Freund abholen zu lassen. Der Freund ist wie Reijo und ich Karateka und wohnt in Frankfurt City. Die zwei hatten sich in der Zeit vor Reijos Deutschlandreise auf Englisch per E-Mail verabredet. Aber die Kommunikation schlug irgendwie fehl und so erreichte mich am 1. Mai abends ein Hilferuf: "Stehe hier seit Stunden am Flughafen und komme nicht weg, habe kein Bargeld mehr, meine Visakarte wird nicht akzeptiert und ich habe nur noch ein Sandwich!" Tja, Frankfurt-Hahn liegt von Münster aus nicht grade vor der Tür und so deutete ich an, dass ich hier wohl leider nicht helfen könne. "Aber du hast doch eine Schwester in Frankfurt....." Ohje, ob die so begeistert sein würde, einen fremden Finnen mal eben am Flughafen abzuholen? Womöglich hatte sie auch den 1. Mai gefeiert und dürfte sowieso gar nicht mehr Autofahren? Na ja, ich versprach, sie anzurufen und da ich die tollste Schwester auf der Welt habe, sagte sie zu, "mal eben" Taxifahrer zu spielen. Man muss sich hierbei klar machen, dass der Flughafen Frankfurt-Hahn mit dem Frankfurter Flughafen ungefähr genau soviel zu tun hat wie der Flughafen Düsseldorf mit dem in Münster-Osnabrück. Es waren pro Weg "mal eben" 130 km. Da mein Bekannter seinen Freund nach wie vor nicht erreichen konnte, durfte er auch bei meiner Schwester übernachten und bekam für den nächsten Tag noch ihren Haustürschlüssel. Das nenne ich deutsche Gastfreundschaft!
Am Mittwoch kam ich kurz vor dem ersten gemeinsamen Karatetraining in Frankfurt an. Nach dem Training gab es noch ein nettes Beisammensein und dann brachte ich Reijo und seinen Freund noch zu dessen Wohnung. Nun heim zu meiner Schwester. Mit Navigationsgerät wird das ja auch im nächtlichen Frankfurt am Main kein Problem sein - oder? Oder. Mein Navi, auch zärtlich "Else" genannt, dirigierte mich mit fester und überzeugter Stimme durch die Straßen und meinte dann ca. alle fünf Minuten "bei der nächsten Möglichkeit bitte wenden". Als ich zum 4. Mal an einem Haus mit der Aufschrift "Redisson" vorbeikam, ignorierte ich das protestierende Gemecker meiner virtuellen Beifahrerin und orientierte mich an der Ausschilderung Richtung Hanau. Bald war ich dann auch wieder in vertrauten Gefilden und nach fast einer Stunde "daheim". Else nahm mich und später auch Reijo und mich noch des Öfteren auf die Schippe und lotste uns am Samstagmorgen sogar durch ein Parkhaus!
Am Donnerstag wollte ich Reijo um 12 Uhr am Frankfurter Hauptbahnhof treffen. Pünktlichkeit scheint aber wahrlich eher eine deutsche Tugend zu sein, denn als er endlich -mit einer schweren Sporttasche, in der sich sein Karate-Anzug für das abendliche Training befand- eintraf, war es schließlich viertel nach eins. Ich hatte mich derweil schon in einem Cafe auf der gegenüberliegenden Straßenseite niedergelassen. Es störte mich auch fast gar nicht, dass ich genau zwischen "Beate Uhse" und "Erotic World" saß. Ist halt Frankfurt und ich denke, fast alle Bahnhofsgegenden sind diesbezüglich gleich. Alle Bahnhofsgegenden? Nun, zumindest in Deutschland, denn mein finnischer Bekannter war doch sichtlich überrascht, um nicht zu sagen schockiert über dieses Übermaß an industrieller Erotik. Aber die Bahnhofsgegend lag auf unserer nun beginnenden Sightseeing-Tour ja auch bald hinter uns. Ich erwartete, ihn nun in entspannterer Laune vorzufinden. Aber weit gefehlt. Er war immer noch wortkarg und wirkte ungewohnt verschlossen. Was war mit ihm los? "So viele Häuser und so viele Menschen - und überall diese Men in Black (Geschäftsleute in schwarzen Anzügen)!" Aber ich hatte mir schon einige Attraktionen überlegt, die ich ihm zeigen wollte und die meine Begeisterung für diese faszinierende, pulsierende Großstadt sicherlich auf ihn übertragen würden. Als erstes wollte ich mit ihm den Wolkenkratzer der Hessischen Landesbank "besteigen". Dort wird man für ein paar Euro per Aufzug in Sekundenschnelle in schwindelnde Höhen katapultiert und kann vom Aussichtsdach aus ganz Frankfurt und Umgebung anschauen. Ich bin jedes Mal wieder fasziniert - der Main schlängelt sich friedlich durch die Häuserschluchten, der Flughafen mit den zum Greifen nahen startenden und landenden Maschinen, der Bahnhof, viele Sehenswürdigkeiten winzigklein! Aber als ich dem Finnen sagte, dass wir jetzt auf einen Wolkenkratzer fahren würden, fragte er mich entsetzt: "Was soll ich dort?" Ein sattes Unwohlsein saß ihm wohl auch im Nacken, als wir uns für den Sicherheitscheck vor Besteigen des Aufzuges anstellten. Was wohl in der großen roten Tasche sei, die mein Bekannter bei sich führte, wollen die Kontrolleure wissen. Halbautomatische Handfeuerwaffen? Granaten oder Minibomben? Nein, nein, nur ein leise vor sich hinmüffelnder Karate-Anzug! Auch mein kleiner Scherz im Zusammenhang mit den Twin-Towers und dem nahe gelegenen Flughafen konnte meinen Bekannten nicht aufheitern. Als wir in einer kleinen Gruppe vor dem Aufzug warteten und Reijo diesen skeptisch beäugte, prustete ich plötzlich los: "Weißt du, wer du bist? Du bist absolut Crocodile Dundee in New York!" Zum ersten Mal heiterte sich seine Miene auf - ja, da hätte ich absolut Recht - genau so würde er sich fühlen! Und so war das dann unser geflügeltes Wort, jedes Mal, wenn der Kulturschock den Naturburschen aus Oulu zu übermannen drohte - "Crocodile Dundee"!
Auch an diesem Abend gab es wieder eine Trainingseinheit, die es in sich hatte. Nach vielen Kampfübungen mit wechselnden Partnern und steigendem Niveau sehnte ich dringend eine warme Dusche herbei. Oft ist das Wasser der Duschen in dem Frankfurter Dojo leider recht kalt und erschwert besonders das Haarewaschen. Sensei Risto meint hier drauf allerdings stets nur: "Wenn es noch fließt, ist es nicht zu kalt!" Typisch finnisch halt! Heute jedoch: Überraschung - das Wasser war nicht nur warm, sondern heiß. Und zwar so heiß, dass es einem die Haut verbrannte. Ich weiß, ich weiß, jeder, der dies hier liest, denkt: typisch Frau, man kann es ihr einfach nicht Recht machen! Aber es war wirklich so, dass ich nicht mal meinen Fuß unter die Dusche halten konnte, ohne mir den Fußrücken zu verbrennen! So warf ich mir nur hektisch ein paar Handvoll Wasser auf den Körper und nahm mir vor, in der Wohnung meiner Schwester das Duschen und Haarewaschen nachzuholen. Auch in der Männerdusche war offenbar ein ordnungsgemäßer Reinigungsvorgang nicht möglich. Selbst die Herren der Schöpfung beklagten sich über das zu heiße Wasser. "Das gibt’s ja nicht, einfach zu heiß!", meinte ein Sports-Kamerad, "nur der Finne duscht in Ruhe!" Ich muss sagen, jetzt war ich echt beeindruckt! Ich nahm meinen frisch duftenden finnischen Freund dann mit vom heißen Wasser krebsroter Haut auf unsere nächste Touristentour: ein Kneipenabend in Sachsenhausen! Die Lokalitäten sind dem münsterschen Kuh-Viertel sehr ähnlich - urige kleine Kneipen mit traditionellem Charme und vielen Touristen. Hier musste Reijo unbedingt die erste Frankfurter Spezialität testen:
Ebbelwoi! Als das Glas vor ihm stand und er mal dran geschnuppert hatte, meinte er voller Abscheu: "I don't drink this!" Aber er musste, auch wenn er sich noch so schüttelte! Und ich ergötzte mich an seinem angeekelten Gesichtsausdruck ;-)
Die Nacht verbrachte mein Bekannter wieder bei meiner Schwester, damit wir am folgenden Morgen gemeinsam unser nächstes Abenteuer antreten konnten: eine Radtour am Main entlang! So saßen wir also am späten Vormittag auf zwei Drahteseln und fuhren bei strahlendem Sonnenschein und "spanischen" Temperaturen am Main entlang. Es ist immer wieder beeindruckend, wie hier die augenscheinlich unberührte Natur direkt neben der Schwerindustrie liegt! Bald tauchte die Skyline der Stadtmitte vor uns auf und allmählich fing auch Reijo "Dundee" Kangas an, sich hierfür zu begeistern: alle paar Minuten mussten wir anhalten, damit ein Foto geschossen werden konnte! Unsere Mittagspause legten wir im Ruderdorf ein. Hier, in unmittelbarer Nähe der Gerbermühle, in der auch der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe schon zu speisen pflegte, haben zahlreiche Rudervereine ihre Heimat und es gibt auch einige Restaurants mit Biergärten. Wieder gab es eine Frankfurter Spezialität zu kosten: Schnitzel mit grüner Sauce! Der Kellner war so freundlich, die Sauce gesondert zu servieren, damit nicht das ganze Gericht verdorben ist, falls sie nicht schmeckt. Aber der Finne war jetzt sehr aufgeschlossen und es wurde alles ratzeputz aufgegessen. Auch wenn sich jetzt ein gewisses Siesta-Bedürfnis breit machte, zogen wir anschließend weiter Richtung City. Nun ging es auf abenteuerlichen Pfaden per Fahrrad durch die Hochhausschluchten. Reijo hatte sogar ein paar erfreute Deja Vus mit einigen Sehenswürdigkeiten, die ich ihm schon am Vortag gezeigt hatte.
Leider waren wir durch die ausgiebige Radtour spät für das abendliche Training und ich versuchte, die "verlorene" Zeit durch einen "Bleifuß" im Auto wieder wett zu machen. Leider hatte ich meine Rechnung ohne die Frankfurter "Sheriffs" gemacht und so war mein Fluchen laut, nachdem ich durch einen feuerroten Blitz auf den von mir gemachten Schnappschuss aufmerksam gemacht wurde. Mist - geblitzt! Und ganz schön schnell gewesen! Als ich Reijo erzählte, dass es hier in Deutschland fast "normal" sei, hin und wieder mal "geblitzt" zu werden und mir das so im Schnitt einmal im Jahr passiere, war er total schockiert! Ihm würde das höchstens einmal in fünf Jahren passieren! Na ja, vermutlich sind dafür in Finnland die Alkoholkontrollen häufiger als hier.
Das tolle und anspruchsvolle Karatetraining ließ mich meinen Ärger schließlich schnell vergessen und als wir alle anschließend von ganzem Herzen ein Geburtstagsständchen darboten, war die Welt wieder in Ordnung!
Am Samstag früh stellte Reijo fest, dass der Akku seines Handys leer war und sich das Ladegerät noch in der Wohnung seines Freundes befand. Ein finnischer Mann ohne sein Mobiltelefon - undenkbar! Also ließen wir uns von "Else" durch die Stadt (und durch ein Parkhaus...) lotsen, bevor wir zu dem Geburtstagslehrgang unseres Sensei nach Obertshausen fuhren. Der Lehrgang war gut besucht und sehr anspruchsvoll und schon während der ersten Einheit bereute ich, nicht ein zweites Brötchen gefrühstückt zu haben! Reijo ging es wohl ähnlich, denn bereits in der ersten Pause schaute er mich hungrig wie ein Wolf an und ich fürchtete schon, er könne mich anfallen und auffressen! Glücklicher Weise fanden wir bald ein Geschäft, in dem er Nahrungsmittel kaufen konnte, um seine alimentären Bedürfnisse zu befriedigen. Gleich nach der zweiten Einheit gegen 18 Uhr ging die Geburtstagsfeier los und ich war mir sicher, dass unter dem reichhaltigen Nahrungsangebot zwischen unzähligen Salaten und Würstchen für alle etwas dabei sei. Ein enttäuschtes Kopfschütteln war die finnische Antwort. Die Salate entsprachen nicht seinen Vorstellungen einer ausreichenden Ernährungsgrundlage und die Bratwürste wurden aus mir völlig unerfindlichen Gründen kategorisch abgelehnt. Was blieb mir anderes übrig, als mich mit ihm in mein Auto zu setzen und in Obertshausen nach einem Imbiss zu suchen? Eine Döner-Bude entsprach dann Reijos Geschmack. Kurz überlegte ich, ob ich ihm sagen soll, dass das es sich bei einem Döner nur um Pressfleisch handelt, ließ es dann aber aus pragmatischen Erwägungen sein. Schließlich wollte ich nicht noch mehr von der Feier verpassen, nur wegen der Suche nach einem adäquaten Nahrungsangebot. Wieder bei der Feier angekommen, überreichten wir weitere Geburtstagsgeschenke: Reijo hatte aus Lappland einen traditionellen Gürtel für Rentierzüchter mitgebracht, über den Risto sich sehr freute! Bis kurz vor Mitternacht feierten wir dann noch mit vielen Bekannten aus ganz Deutschland, Finnland und Estland ein rauschendes Fest.
Der Sonntag bildete dann den Abschluss meines deutschen Erlebnisses mit dem finnischen Crocodile Dundee. Als letzter Höhepunkt erwartete uns eine Einladung zum Brunch bei den Karate-Freunden Andi und Marion in Neu-Isenburg. Reijo bereitete sich ein lustiges finnisches Sandwich zu, bestehend aus Brötchen, Schinken, Paprika, Käse und ich glaube noch mal Schinken. Dann erzählte er ausgiebig von Finnland und finnischen Gewohnheiten. Auch wenn ich vieles zum wiederholten Male hörte, war es nicht langweilig und besonders amüsierte ich mich über seine Beschreibungen der finnischen Elchjagd: Mit authentischer Mimik berichtete er darüber, wie man die Tiere hypnotisieren muss, damit sie sich nicht erschrecken oder wie man ihnen mit der Waffe schnell zu folgen hat, wenn sie sich in gestrecktem Galopp davon machen wollten. In Andis Augen blitzte schon der Jagdinstinkt - als Reijo dann einräumen musste, dass solche lustigen und spannenden Momente doch sehr selten seien. Meist säße man nur stundenlang wartend im kalten Regen und es passiert gar nichts.
Bald hieß es dann Abschied nehmen und ich brachte Reijo noch zu seinem Freund in die Stadtmitte. Wir drückten uns noch mal und sagten "heippa" bis zu unserem nächsten Wiedersehen beim Karate-Sommercamp in Lohijärvi Ende Juli.
Am Mittwoch kam ich kurz vor dem ersten gemeinsamen Karatetraining in Frankfurt an. Nach dem Training gab es noch ein nettes Beisammensein und dann brachte ich Reijo und seinen Freund noch zu dessen Wohnung. Nun heim zu meiner Schwester. Mit Navigationsgerät wird das ja auch im nächtlichen Frankfurt am Main kein Problem sein - oder? Oder. Mein Navi, auch zärtlich "Else" genannt, dirigierte mich mit fester und überzeugter Stimme durch die Straßen und meinte dann ca. alle fünf Minuten "bei der nächsten Möglichkeit bitte wenden". Als ich zum 4. Mal an einem Haus mit der Aufschrift "Redisson" vorbeikam, ignorierte ich das protestierende Gemecker meiner virtuellen Beifahrerin und orientierte mich an der Ausschilderung Richtung Hanau. Bald war ich dann auch wieder in vertrauten Gefilden und nach fast einer Stunde "daheim". Else nahm mich und später auch Reijo und mich noch des Öfteren auf die Schippe und lotste uns am Samstagmorgen sogar durch ein Parkhaus!
Am Donnerstag wollte ich Reijo um 12 Uhr am Frankfurter Hauptbahnhof treffen. Pünktlichkeit scheint aber wahrlich eher eine deutsche Tugend zu sein, denn als er endlich -mit einer schweren Sporttasche, in der sich sein Karate-Anzug für das abendliche Training befand- eintraf, war es schließlich viertel nach eins. Ich hatte mich derweil schon in einem Cafe auf der gegenüberliegenden Straßenseite niedergelassen. Es störte mich auch fast gar nicht, dass ich genau zwischen "Beate Uhse" und "Erotic World" saß. Ist halt Frankfurt und ich denke, fast alle Bahnhofsgegenden sind diesbezüglich gleich. Alle Bahnhofsgegenden? Nun, zumindest in Deutschland, denn mein finnischer Bekannter war doch sichtlich überrascht, um nicht zu sagen schockiert über dieses Übermaß an industrieller Erotik. Aber die Bahnhofsgegend lag auf unserer nun beginnenden Sightseeing-Tour ja auch bald hinter uns. Ich erwartete, ihn nun in entspannterer Laune vorzufinden. Aber weit gefehlt. Er war immer noch wortkarg und wirkte ungewohnt verschlossen. Was war mit ihm los? "So viele Häuser und so viele Menschen - und überall diese Men in Black (Geschäftsleute in schwarzen Anzügen)!" Aber ich hatte mir schon einige Attraktionen überlegt, die ich ihm zeigen wollte und die meine Begeisterung für diese faszinierende, pulsierende Großstadt sicherlich auf ihn übertragen würden. Als erstes wollte ich mit ihm den Wolkenkratzer der Hessischen Landesbank "besteigen". Dort wird man für ein paar Euro per Aufzug in Sekundenschnelle in schwindelnde Höhen katapultiert und kann vom Aussichtsdach aus ganz Frankfurt und Umgebung anschauen. Ich bin jedes Mal wieder fasziniert - der Main schlängelt sich friedlich durch die Häuserschluchten, der Flughafen mit den zum Greifen nahen startenden und landenden Maschinen, der Bahnhof, viele Sehenswürdigkeiten winzigklein! Aber als ich dem Finnen sagte, dass wir jetzt auf einen Wolkenkratzer fahren würden, fragte er mich entsetzt: "Was soll ich dort?" Ein sattes Unwohlsein saß ihm wohl auch im Nacken, als wir uns für den Sicherheitscheck vor Besteigen des Aufzuges anstellten. Was wohl in der großen roten Tasche sei, die mein Bekannter bei sich führte, wollen die Kontrolleure wissen. Halbautomatische Handfeuerwaffen? Granaten oder Minibomben? Nein, nein, nur ein leise vor sich hinmüffelnder Karate-Anzug! Auch mein kleiner Scherz im Zusammenhang mit den Twin-Towers und dem nahe gelegenen Flughafen konnte meinen Bekannten nicht aufheitern. Als wir in einer kleinen Gruppe vor dem Aufzug warteten und Reijo diesen skeptisch beäugte, prustete ich plötzlich los: "Weißt du, wer du bist? Du bist absolut Crocodile Dundee in New York!" Zum ersten Mal heiterte sich seine Miene auf - ja, da hätte ich absolut Recht - genau so würde er sich fühlen! Und so war das dann unser geflügeltes Wort, jedes Mal, wenn der Kulturschock den Naturburschen aus Oulu zu übermannen drohte - "Crocodile Dundee"!
Auch an diesem Abend gab es wieder eine Trainingseinheit, die es in sich hatte. Nach vielen Kampfübungen mit wechselnden Partnern und steigendem Niveau sehnte ich dringend eine warme Dusche herbei. Oft ist das Wasser der Duschen in dem Frankfurter Dojo leider recht kalt und erschwert besonders das Haarewaschen. Sensei Risto meint hier drauf allerdings stets nur: "Wenn es noch fließt, ist es nicht zu kalt!" Typisch finnisch halt! Heute jedoch: Überraschung - das Wasser war nicht nur warm, sondern heiß. Und zwar so heiß, dass es einem die Haut verbrannte. Ich weiß, ich weiß, jeder, der dies hier liest, denkt: typisch Frau, man kann es ihr einfach nicht Recht machen! Aber es war wirklich so, dass ich nicht mal meinen Fuß unter die Dusche halten konnte, ohne mir den Fußrücken zu verbrennen! So warf ich mir nur hektisch ein paar Handvoll Wasser auf den Körper und nahm mir vor, in der Wohnung meiner Schwester das Duschen und Haarewaschen nachzuholen. Auch in der Männerdusche war offenbar ein ordnungsgemäßer Reinigungsvorgang nicht möglich. Selbst die Herren der Schöpfung beklagten sich über das zu heiße Wasser. "Das gibt’s ja nicht, einfach zu heiß!", meinte ein Sports-Kamerad, "nur der Finne duscht in Ruhe!" Ich muss sagen, jetzt war ich echt beeindruckt! Ich nahm meinen frisch duftenden finnischen Freund dann mit vom heißen Wasser krebsroter Haut auf unsere nächste Touristentour: ein Kneipenabend in Sachsenhausen! Die Lokalitäten sind dem münsterschen Kuh-Viertel sehr ähnlich - urige kleine Kneipen mit traditionellem Charme und vielen Touristen. Hier musste Reijo unbedingt die erste Frankfurter Spezialität testen:
Ebbelwoi! Als das Glas vor ihm stand und er mal dran geschnuppert hatte, meinte er voller Abscheu: "I don't drink this!" Aber er musste, auch wenn er sich noch so schüttelte! Und ich ergötzte mich an seinem angeekelten Gesichtsausdruck ;-)
Die Nacht verbrachte mein Bekannter wieder bei meiner Schwester, damit wir am folgenden Morgen gemeinsam unser nächstes Abenteuer antreten konnten: eine Radtour am Main entlang! So saßen wir also am späten Vormittag auf zwei Drahteseln und fuhren bei strahlendem Sonnenschein und "spanischen" Temperaturen am Main entlang. Es ist immer wieder beeindruckend, wie hier die augenscheinlich unberührte Natur direkt neben der Schwerindustrie liegt! Bald tauchte die Skyline der Stadtmitte vor uns auf und allmählich fing auch Reijo "Dundee" Kangas an, sich hierfür zu begeistern: alle paar Minuten mussten wir anhalten, damit ein Foto geschossen werden konnte! Unsere Mittagspause legten wir im Ruderdorf ein. Hier, in unmittelbarer Nähe der Gerbermühle, in der auch der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe schon zu speisen pflegte, haben zahlreiche Rudervereine ihre Heimat und es gibt auch einige Restaurants mit Biergärten. Wieder gab es eine Frankfurter Spezialität zu kosten: Schnitzel mit grüner Sauce! Der Kellner war so freundlich, die Sauce gesondert zu servieren, damit nicht das ganze Gericht verdorben ist, falls sie nicht schmeckt. Aber der Finne war jetzt sehr aufgeschlossen und es wurde alles ratzeputz aufgegessen. Auch wenn sich jetzt ein gewisses Siesta-Bedürfnis breit machte, zogen wir anschließend weiter Richtung City. Nun ging es auf abenteuerlichen Pfaden per Fahrrad durch die Hochhausschluchten. Reijo hatte sogar ein paar erfreute Deja Vus mit einigen Sehenswürdigkeiten, die ich ihm schon am Vortag gezeigt hatte.
Leider waren wir durch die ausgiebige Radtour spät für das abendliche Training und ich versuchte, die "verlorene" Zeit durch einen "Bleifuß" im Auto wieder wett zu machen. Leider hatte ich meine Rechnung ohne die Frankfurter "Sheriffs" gemacht und so war mein Fluchen laut, nachdem ich durch einen feuerroten Blitz auf den von mir gemachten Schnappschuss aufmerksam gemacht wurde. Mist - geblitzt! Und ganz schön schnell gewesen! Als ich Reijo erzählte, dass es hier in Deutschland fast "normal" sei, hin und wieder mal "geblitzt" zu werden und mir das so im Schnitt einmal im Jahr passiere, war er total schockiert! Ihm würde das höchstens einmal in fünf Jahren passieren! Na ja, vermutlich sind dafür in Finnland die Alkoholkontrollen häufiger als hier.
Das tolle und anspruchsvolle Karatetraining ließ mich meinen Ärger schließlich schnell vergessen und als wir alle anschließend von ganzem Herzen ein Geburtstagsständchen darboten, war die Welt wieder in Ordnung!
Am Samstag früh stellte Reijo fest, dass der Akku seines Handys leer war und sich das Ladegerät noch in der Wohnung seines Freundes befand. Ein finnischer Mann ohne sein Mobiltelefon - undenkbar! Also ließen wir uns von "Else" durch die Stadt (und durch ein Parkhaus...) lotsen, bevor wir zu dem Geburtstagslehrgang unseres Sensei nach Obertshausen fuhren. Der Lehrgang war gut besucht und sehr anspruchsvoll und schon während der ersten Einheit bereute ich, nicht ein zweites Brötchen gefrühstückt zu haben! Reijo ging es wohl ähnlich, denn bereits in der ersten Pause schaute er mich hungrig wie ein Wolf an und ich fürchtete schon, er könne mich anfallen und auffressen! Glücklicher Weise fanden wir bald ein Geschäft, in dem er Nahrungsmittel kaufen konnte, um seine alimentären Bedürfnisse zu befriedigen. Gleich nach der zweiten Einheit gegen 18 Uhr ging die Geburtstagsfeier los und ich war mir sicher, dass unter dem reichhaltigen Nahrungsangebot zwischen unzähligen Salaten und Würstchen für alle etwas dabei sei. Ein enttäuschtes Kopfschütteln war die finnische Antwort. Die Salate entsprachen nicht seinen Vorstellungen einer ausreichenden Ernährungsgrundlage und die Bratwürste wurden aus mir völlig unerfindlichen Gründen kategorisch abgelehnt. Was blieb mir anderes übrig, als mich mit ihm in mein Auto zu setzen und in Obertshausen nach einem Imbiss zu suchen? Eine Döner-Bude entsprach dann Reijos Geschmack. Kurz überlegte ich, ob ich ihm sagen soll, dass das es sich bei einem Döner nur um Pressfleisch handelt, ließ es dann aber aus pragmatischen Erwägungen sein. Schließlich wollte ich nicht noch mehr von der Feier verpassen, nur wegen der Suche nach einem adäquaten Nahrungsangebot. Wieder bei der Feier angekommen, überreichten wir weitere Geburtstagsgeschenke: Reijo hatte aus Lappland einen traditionellen Gürtel für Rentierzüchter mitgebracht, über den Risto sich sehr freute! Bis kurz vor Mitternacht feierten wir dann noch mit vielen Bekannten aus ganz Deutschland, Finnland und Estland ein rauschendes Fest.
Der Sonntag bildete dann den Abschluss meines deutschen Erlebnisses mit dem finnischen Crocodile Dundee. Als letzter Höhepunkt erwartete uns eine Einladung zum Brunch bei den Karate-Freunden Andi und Marion in Neu-Isenburg. Reijo bereitete sich ein lustiges finnisches Sandwich zu, bestehend aus Brötchen, Schinken, Paprika, Käse und ich glaube noch mal Schinken. Dann erzählte er ausgiebig von Finnland und finnischen Gewohnheiten. Auch wenn ich vieles zum wiederholten Male hörte, war es nicht langweilig und besonders amüsierte ich mich über seine Beschreibungen der finnischen Elchjagd: Mit authentischer Mimik berichtete er darüber, wie man die Tiere hypnotisieren muss, damit sie sich nicht erschrecken oder wie man ihnen mit der Waffe schnell zu folgen hat, wenn sie sich in gestrecktem Galopp davon machen wollten. In Andis Augen blitzte schon der Jagdinstinkt - als Reijo dann einräumen musste, dass solche lustigen und spannenden Momente doch sehr selten seien. Meist säße man nur stundenlang wartend im kalten Regen und es passiert gar nichts.
Bald hieß es dann Abschied nehmen und ich brachte Reijo noch zu seinem Freund in die Stadtmitte. Wir drückten uns noch mal und sagten "heippa" bis zu unserem nächsten Wiedersehen beim Karate-Sommercamp in Lohijärvi Ende Juli.
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