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Dienstag, 19. März 2019

The More Relaxed - The More It Hits! - Lehrgang mit André Bertel Sensei in Freital bei Dresden

Such A Shame! - Lehrgang auf der Reservebank

Im März 2019 stand für mich der bereits fünfte Lehrgang mit André Bertel Sensei in Deutschland  an. Leider hatte ich unter den ungeplant ungünstigen Folgen eines kleinen chirurgischen Eingriffs zu leiden, so dass ich froh war, von meiner Ärztin grünes Licht für "ein Wochenende in Dresden" bekommen zu haben. Nach Karatetraining zu fragen hatte ich irgendwie vergessen - aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich den Gi auch nur "vorsichtshalber" mitgenommen, falls ich am Hallenrand mal ein paar Tsuki mitmachen wollte. Schließlich hatte ich die Lehrgangsgebühr ja bereits bezahlt! :-)
Ich sollte also mehr oder weniger nur auf der Reservebank sitzen und mich entspannen.


Relax - Don't Do It! - Die Kunst der Entspannung

Entspannung war dann in der Tat auch ein wichtiges Thema des Lehrgangs - oder André`s Karate insgesamt: Neben den uns schon von anderen Meistern bekannten Prinzipien zur Effektivitätssteigerung unserer Karatetechniken (Schwerkraft, Rotation, Kompression und Schwerpunktverlagerung) kam bei diesem Lehrgang auch ganz besonders wieder die "Entspannung" unseres Körpers in den Fokus. Durch Lockersein sollten unsere Techniken an Geschwindigkeit gewinnen und an Dynamik. Zudem - das hat André Sensei zwar so im Training nicht beschrieben, aber mir kommt der Gedanke grade - kommen die "lockeren", peitschenartigen Techniken aus André`s bzw. aus Asai Senseis Konzept auch wie aus dem Nichts und sind in der Lage, den Gegner zu überraschen.




You Spin Me Round (Like A Rekord)! - Kihon Training völlig abgedreht

André Bertel Senseis Karate weicht in vielen Aspekten von anderen traditionellen Karate-Trainings ab: Schon zu Beginn der Einheiten gibt es nicht die klassischen Kihon-Bahnen mit verschiedenen Technik-Kombinationen. Auf beinahe allen bisherigen Bertel-Lehrgängen hatten Choku-Tsuki-Variationen (in verschiedene Richtungen, mit halber, viertel oder ganzer Körperdrehung) einen wichtigen Platz - André Sensei räumt diesen Koordinationsübungen einen großen Stellenwert ein, da wir durch das regelmäßige Üben dieser Sequenzen Stabilität und "Groundpower" generieren können und dennoch dabei locker sein müssen (sonst kann man z. B. keine 180- oder 360-Grad-Drehung ausüben). Tsuki Kihon


Do You Really Want To Hurt Me? - Kihon mit dem Partner

Zu André Senseis Karate-Konzept gehören selbstverständlich in großem Umfang auch PartnerInnen-Übungen: Interessant fand ich seine Erklärung, dass seiner Meinung nach die Kihon-Kumite-Formen (Kihon-Ippon-Kumite, Gohon- oder Sanbon-Kumite) kein Kumite im engeren Sinne sind, sondern "Kihon mit einem Partner". Das geht ja in die Richtung, wie auch Risto Sensei es beschreibt, wenn er sagt: "Wir machen jetzt Tsuki Bunkai" und damit Impact-Training meint. Wie es auch unser Trainer und Freund Andreas Klein beschreibt, so verlangt auch André Sensei von uns, dass wir nicht nur Arme und Beine gleichzeitig ins Ziel bringen, sondern die Arme noch etwas eher auf den Weg schicken können. So hat man z. B. beim Gohon Kumite  mit Angriff Tsuki Chudan eine erheblich höhere Trefferchance bzw. für den Abwehrenden ist es viel schwerer, zu blocken. Dasselbe Prinzip behandelt ja auch der "direkte Gyaku Tsuki" aus dem Hause Kiiskilä: Der Fuß setzt vor dem Bein ab und die Technik gewinnt dann an Dynamik.


Beat It! - Selbstverteidigung aus Kata-Sequenzen

Auch wenn die Kihon-Kumite-Sequenzen bei André Sensei mit hoher Intensität geübt werden (kurze Distanz vor dem ersten Angriff, voller Fokus als Tori und Präzision als Uke), so werden die richtig interessanten PartnerInnen-Übungen eigentlich alle aus Kata-Sequenzen abgeleitet. Anders als bei speziellen Kata-Workshops, bei denen zunächst eine Kata vom Ablauf her einstudiert wird, bevor daraus Anwendungen abgeleitet werden, streut André Sensei auf seinen Lehrgängen immer mal wieder Gegenwehr-Kombinationen ein und nimmt dabei eher beiläufig Bezug auf bestimmte Kata-Technikabfolgen. Das hat den Vorteil, dass auch Karateka aus anderen Stilrichtungen mithalten können, obwohl die kompletten Kata-Abläufe unbekannt bleiben. Beim Lehrgang in Freital hatten wir uns am Beginn der Kata Enpi auszuprobieren und auch der Anfang der Bassai Dai wurde zu einem schmerzvoll-effektiven Event! Aus der Jion nahmen wir uns zwei Abfolgen vor, unter anderem hier die Schlusssequenz. Empi Torsten

Highway To Hell - Was zur Hölle ist eigentlich Budo-Karate?

André Sensei hat seinen Schwerpunkt auf dem Budo-Karate. Es lohnt sich, sich die Frage zu stellen, was genau Budo-Karate ist - was macht es aus? Klar dürfte sein, dass es im Gegensatz zum Sportkarate beim Budo nicht darum geht, Trefferpunkte zu erzielen, die von einem Gremium festgelegt und von einer Jury bewertet werden. Es geht auch nicht um Ästhetik oder Athletik. Budo-Karate zeichnet sich m. E. durch die Effektivität der einzelnen Techniken aus und zwar in Bezug auf die Frage, ob sie denjenigen, den ich abwehren möchte, so ausschalten, dass kein weiterer Angriff zu befürchten ist (Ippon-Gedanke oder Ikken Hissatsu). Weiteres Kriterium des Budo-Karate ist m. E. eine relativ kurze Kampf-Distanz. Während beim Sport-Karate vom Angreifer versucht werden muss, die Distanz vor einem Angriff zu verkürzen, um eine effektive und wertbare Technik zu platzieren, so geht man beim Budo-Karate m. E. davon aus, dass die Distanz schon vor der ersten Aktion so kurz ist, dass man unmittelbar am Gegner/Partner agieren muss/kann. Wenn wir Budo unter Selbstverteidigungsaspekten betrachten, dann würde die Distanz, aus der im Sportkarate heraus agiert wird, wohl noch eine Möglichkeit eröffnen, einen Konflikt auf andere Weise zu beenden (etwa durch Flucht, oder Deeskalation). Beim Sportkarate wird daher eine Dynamik verlangt, die es ermöglicht, große Distanzen schnell zu überbrücken. Die Kraft-Generierungsprinzipien der Rotation, Kompression, Schwerkraft und Schwerpunktverlagerung kommen dabei so gut wie gar nicht zum Ausdruck. Zudem ist beim klassischen Sportkarate die Technikvarianz stark eingeschränkt: Kizami Tsuki, Gyaku Tsuki, Mae Geri, Mawashi Geri, vielleicht noch Ushiro Geri und Ashi Barei - viel mehr wird doch in Wahrheit nicht eingesetzt. Im Budo dagegen können wir die große Vielfalt unserer Kampfkunst-Techniken einsetzen. Nicht falsch verstehen: Ich denke, dass beide Trainingsformen ihre Bedeutung und ihren Reiz haben - für mich persönlich merke ich aber auch: Beides hat seine Zeit! Als junger Mensch mit 15, 20, 30 Jahren ist Sportkarate total reizvoll und spannend. Wer wie ich das große Glück hat, Karate über mehrere Jahrzehnte hinweg zu praktizieren, für den bedeutet das Sport- oder nennen wir es besser: Wettkampfkarate auf Dauer einen zu hohen körperlichen Verschleiß (speziell Kumite-Wettkampf). Budo-Karate hingegen lässt sich (hoffentlich) ein Leben lang ausführen! Tsuki Budo


Confusion - Standhaft bleiben bei Orientierungslosigkeit

Wer eine breite Masse an Menschen mit seinem Training erreichen möchte, muss sich bei einem Lehrgang auf wenige Aspekte beschränken. Mich beeindruckt daher immer sehr, wenn ich erkenne, dass André Sensei (und natürlich andere TrainerInnen auch!) uns noch viel, viel mehr zeigen und erklären könnten! Ich bin vor allem beeindruckt von André Senseis stetem Fokus auf der Selbstschutzwirksamkeit des Karate. Wie kaum ein anderer Trainer integriert er auch nicht-technische Aspekte in das Lehrgangskonzept, die ich sonst eher z. B. aus dem Street-Combatives-Training kenne: So wird z. B. durch eine vorgegebene Anzahl an Körperdrehungen das Bewusstsein getrübt und dann im Anschluss verlangt, dass man stabil auf der Stelle stehen kann. Übertragen würde das für mich bedeuten, z. B. in einem Gerangel die Orientierung zu verlieren und dennoch anschließend gezielt agieren zu können. Einen derartigen Realitätsbezug erkenne ich aktuell sonst beinahe ausschließlich noch in den Trainings mit unserem Leistungstrainer und Freund Andreas Klein Sensei. Der einzige Vorschlag Sensei Andrés, den ich für mich nicht passend finde, ist der Ansatz, im Fall einer Bodenlage zu versuchen, sich den Angreifer mit ausgestreckten Armen vom Leibe zu halten. André Sensei argumentierte, dass der Angreifer dann nicht weiter ins Gesicht schlagen könne, da die Fäuste dieses nicht mehr erreichen könnten. Das mag wie im Video anbei unter etwa gleichstarken Männern funktionieren - wenn ich aber von einem größeren und stärkeren Mann angegriffen und zu Boden gebracht würde, so würde ich wohl eher seinen Kopf an mich ziehen, dann drum herum in Auge und Nase zu greifen ("Bowlingkugel") - auch auf diese Weise hat der Angreifer keine Möglichkeit mehr, mein Gesicht zu treffen und ich komme mit großer Wahrscheinlichkeit von ihm los. SV am Boden


Knockin' On Heavens Door - Eine Öffnungstechnik zum Auftakt

Das Prinzip "Iriguchi Waza" - auf Deutsch etwa "Eingangs- oder Öffnungstechnik"- spielt bei André Sensei ebenfalls eine große Rolle. Iriguchi Waza dient z. B. dazu, einen kleinen zeitlichen Vorteil zu verschaffen, in dem wir den Angreifer vor Ausführung der Kontertechnik kurz ablenken. Oder wir können durch die geeignete Eingangstechnik dafür sorgen, dass sich ein viel größerer Angreifer (vor Schmerz) beugen muss und "kleiner" bzw. "handlicher" wird. Selbstverständlich kann man mit einer gezielten Eröffnungstechnik (André Sensei empfiehlt Schläge vor die Augen, den Hals oder den Genitalbereich) einen ersten Schmerz und Schock setzen, so dass ein eventuell weiterer Angriff von der anderen Seite schwächer ausfällt, als geplant. Also ein weiterer taktischer Selbstverteidigungsansatz, den ich gerne mit aufnehme in meine eigenen Trainingsgedanken.

Cranes In The Sky - Kakuyoku Shodan

Besonders gefreut hat es mich für meinen Katamann Torsten, dass die Kata Kakuyoku Shodan einen weiteren Lehrgangsschwerpunkt bildete. Er hatte sie vor einigen Jahren in einem Privattraining mit André Sensei bei unserem Karatefreund Frank in dessen Haus-Dojo kennen gelernt und wir haben sie seither auch in unserem regelmäßigen Dojo-Kataplan aufgenommen. Torsten kann sie daher quasi im Schlaf. Und so konnte er auch mit einigen anderen Karatefreunden einige Male diese schöne Kata vorführen. Wir anderen lernten den Ablauf in mehreren Sequenzen und ich hoffe, sie bleibt mir jetzt wieder eine Weile im Gedächtnis :-) Kakuyoku Shodan


Talk Talk - Ganz nebenbei war es auch noch sehr nett!

Eins vorneweg: Das von mir ausgesuchte Quality Hotel Dresden kann ich nicht empfehlen! Bitte, geht dort nicht hin, es sei denn, ihr möchtet günstig wohnen (denn das war es wirklich!) - In einem Gespräch kam mir die Idee "Quality Hotel Dresden - jedes Wort eine Lüge" (von Qualität keine Spur, Wohnen in einem ehemaligen Stasi-Bunker und die Lage mitten in einem Industriegebiet ließen Gedanken an die Semper-Oper oder die Frauenkirche schnell verblassen! Ein schöner Nebeneffekt, in  diesem Hotel untergekommen zu sein, war allerdings die gemeinsame Zeit mit unserem Karatefreund Punito, mit dem wir endlos fachsimpeln konnten!
Auch zwischen den Einheiten konnten wir uns im hervorragend organisierten Pausensaal des Dojos Freital nicht nur stärken, sondern auch viele intensive Gespräche mit vielen netten Karatemenschen führen.



Besonders gut gefallen hatte mir diesmal aber auch die Lehrgangsparty. Sie fand wieder einmal in dem Feldschlösschen-Stammhaus statt, in dem wir bereits anlässlich eines Takudai-Lehrgangs waren. Besonders schön finde ich es bei Lehrgängen bei André Sensei immer, dass er es sich nicht nehmen lässt, persönlich vermutlich jeden Gast anzusprechen und sich auszutauschen! So etwas habe ich sonst noch nie erlebt! André wartet hierbei nicht, bis die Karateka zu ihm kommen, sondern er geht von Tisch zu Tisch und lernt die Menschen kennen. Und bei dem Lehrgang in Freital haben sich hinsichtlich dieser Geste auch die Ausrichter angeschlossen: Auch sie gingen im Lokal herum und blieben bei uns sicher eine halbe Stunde sitzen - wir kamen hier weit über den Smalltalk hinaus!

Einen ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an André Sensei und an das Dojo Freital für ein unvergessliches Wochenende! Osu!









Dienstag, 4. September 2018

Meikyo Bunkai

1. erste Sequenz bis Oi Tsuki
Tori greift von vorne an mit Griff am Kragen.
Uke reißt die Arme nach oben und lässt sie kraftvoll auf die Arme des Tori fallen, Handflächen nach innen. Tori wird von der Wucht nachgeben und etwas runter sacken. Uke sticht anschließend mit den Fingerspitzen beider Hände, die er mit den Handflächen zu sich gedreht vor dem Körper hoch stößt, von unten gegen die untere Kopf/Kinnpartie des Tori.
Dann linke Handfläche drehen und Tori mit der Außenkante der linken Hand nach links drücken.
Ausholbewegung für Gedan Barei nutzen für Kopfdeckung an der rechten Kopfseite mit dem linken Arm (falls Tori einen erneuten Angriff dorthin versuchen sollte) und Bauchstoß mit dem rechten, gestreckten Arm. Mit links Tori an der linken Schulter packen und einen Schritt vorgehen, um Tori zu Fall zu bringen (Oi Tsuki kann, aber muss nicht ausgeführt werden.)

2. erste Sequenz, andere Möglichkeit
Tori greift an mit einem Schwinger und Uke blockt den mit links mit Shuto Uke (gestreckter Arm) frontal weg. Der rechte Arm macht Heito Uchi gegen den Hals des Tori und Uke geht weiter rum, bis er hinter Tori steht und packt diesen dann am Kragen, reißt ihn zu Boden und setzt nach.

3. Bo Uke
Angriff von Tori mit Schwinger, Uke geht in den Angriff rein mit einer Art Kokotsu Dachi, dabei den linken Arm mit offener Hand wie Age Uke halten und den rechten gestreckt wie Gedan Nukite. Mit der rechten Hand dann im Schritt greifen und einmal fest nachstoßen. Dann auf der Stelle umdrehen und den Tori zu Fall bringen.


Donnerstag, 23. August 2018

Bunkai Heian Shodan

Bunkai Heian Shodan

1. Anfang:
1.1 Tori steht im 90 Grad Winkel vor Uke (Ukes linke Schulter zeigt zu Tori)
Tori steht links vor im Gedan Barei, Kamae
Angriff Mae Geri mit dem rechten Bein, vorne absetzen
Uke blockt, indem er etwas seitlich und nach hinten ausweicht, so dass Toris offene Seite zugänglich ist, Blocktechnik Gedan Barei
Dann einen Schritt vor mit Tsuki Jodan, wenn man zu nah dran steht, fast einen überlaufenen Gyaku Tsuki machen und beim Absetzen des Beines den Tsuki schon wieder zurück schnappen, Tori beinahe überrennen

1.2 Tori steht wie oben vor Uke, aber mit rechts vor, Angriff mit links
Uke weicht aus wie oben, und geht auch wieder vor, aber nicht mit der Absicht, Tori mit dem Tsuki zu treffen, sondern mit dem Hintergrund, sein vorderes, rechtes Bein unter den Schwerpunkt von Tori zu setzen. Den "Tsuki"-Arm als Hebel nehmen und Tori über das vordere Bein werfen.

1.3 Tori steht wieder seitlich von Uke, aber dicht dran und greift Uke am Kragen. Uke fasst mit der linken Hand eine der Greif-Hände von Tori und mit der rechten stößt er die Ausholbewegung für den Gedan Barei vor den Bauch des Tori. Dann Gedan Barei ausführen und dabei den linken Fuß. Dann einen Schritt vor setzen und den Partner zu Boden bringen.

2.1 Tori steht hinter Uke, will seinen Kopf treffen
Uke dreht sich um, fängt mit der linken, offenen Hand den Schlag ab und stößt mit der rechten Faust in Richtung Tori (vielleicht treffend, vielleicht als Abstandhalter) - alternativ den rechten Arm schützend vor den Rumpf halten. Dann kommt ein chudan Angriff von Tori, den Uke mit Gedan Barei und leicht nach hinten gleitend aufnimmt. Dann Schritt vor mit Tsuki

3.1 Tori greift an mit Tsuki Jodan
Uke geht nen Schritt zurück, greift den Arm und einen Schritt vor mit Age Uke unter den Arm des Angreifers,

3.2 dann den Angreifer nochmal packen, seitlich drehen und mit einem Age Uke oder vielleicht auch Ellbogenstoß seitlich zu Boden bringen

4. Kokotsu Dachi
4.1 Tori steht li vor, Angriff Tsuki Chudan mit rechts
Uke weicht nach rechts hinten aus mit KK Shuto Uke, dann Kiri Kaeshi und KK Shuto Uke vor zum Konter vor die Halsschlagader, mit der rechten Hand am Kragen greifen, linkes Bein vorsetzen und mit dem rechten Arm den Tori über das vordere Bein werfen

4.2 Tori greift an mit einem Schwinger von links, Uke kauert sich zusammen, zieht reflexartig den linken Arm vor die Kopfseite und den rechten vor den Körper, so dass die Arme wie ein Korb schützend um den Körper gelegt sind. Anschließend mit dem rechten Arm den Torso von Tori zu fassen versuchen und mit der linken Hand eine Backpfeife erteilen, ggf. noch einmal auf der Stelle wechseln


Donnerstag, 13. November 2014

Technik Details Bunkai Lehrgang mit Iain Abernethy

Tekki Shodan
- erste Sequenz (aus einer anderen Stilrichtung) Yoi: Hände erst überkreuz mit den Handflächen zur Brust zeigend und dann runter bewegen zur Shotokan-Yoi-Position: Tori stürmt auf Uke zu, Uke nimmt die Hände an den Kopf (Handflächen auf die Haare) und schützt den Kopf so. Jetzt nimmt Uke die Handflächen auf den Kopf des Tori und drückt den Kopf des Tori runter. Wenn das gelingt, direkt weglaufen.
Kata weiterführen: Arme strecken und überkreuzen und mit den Händen würgen.
- Wenn es nicht gelingt, weil Tori zu stark ist und der Kopf nicht runter geht, diesen mit Empi traktieren; wenn Tori blockt, andere Seite; wenn er da auch blockt, beide Arme auf eine Schulterseite nehmen, mit dem gestreckten Arm / Rückseite der Hand vor das Ohr des Tori und nochmal Empi. Jetzt den Kopf greifen und drehen und nach rechts ziehen, dann nach links schmeißen
Statt den Arm zum Kopf zu schlagen, kann man auch den gestreckten Arm als Heel nutzen und den Gegner einmal um die eigene Achse drehen, von hinten  in die Kniekehle treten und an die Gurgel greifen.
- Im Clinch (beide greifen je an den Hals des anderen)

Drills:

1. Beide stehen rechts vor, Kamae, mit rechts den Arm touchieren, mit links halten, mit dem rechten Arm gestreckt zum Hals; ausweiten: mit links anfangen, rechts, links, rechten Arm zum Hals - das auch abwechselnd und schneller werden!
2. Einer fasst den anderen an den Handgelenken
a) Handgelenke sind oben (Arme des Uke nach oben eingeknickt): Uke nimmt den Ellenbogen eines Armes nach oben und dreht ihn dann wieder runter. Durch eine Hebelbewegung müsste die Hand des Tori sich lösen
b) Handgelenke sind auf Hüfthöhe - Hände werden nach innen gedreht und gelöst.
Hier kann man ein Spiel draus machen: Beide sollen versuchen, die Hände zu befreien und jeweils mit der flachen Hand auf den Kopf des anderen zu klopfen. Der andere darf blocken. Nach Punkten....
c) Tori fasst Ukes rechtes Handgelenk, Uke dreht sich so, dass Unterarm an Unterarm stoßen und die Hand sich löst, dann Schlag mit dem gestreckten Arm gegen den Kopf des Tori (mit der Handaußenkante)
d) Beide umfassen sich (je einen Arm oberhalb und einen unterhalb der gegnerischen Arme) - Ziel ist es, hinter den Partner zu gelangen und diesen mit beiden Armen zu umfassen
e) Griff in die "Genitalien" (statt dessen im Training: Griff an den Gürtelknoten): Beide stehen voreinander im Clinch und versuchen, je den Knoten des anderen zu greifen.

Tekki Nidan - Anfang: Tori greift an, wir gehen im Clinch mit den Fingerknöcheln unter die Ohren und ziehen Tori hoch

Selbstverteidigungs-Wettkampf: Man kann eine Situation inszenieren, z. B. einer steht im Kreis, viele drumherum, die ihn angreifen. Was ist die beste Verteidigung? Beste Lösung: Einfach durch den Kreis brechen und weglaufen! Gewonnen hat, wer gar nicht erst

Sonntag, 2. November 2014

Bunkai Drills mit Iain Abernethy

Am ersten Novemberwochenende 2014 richtete das Dojo Halle / Westfalen einen der in dieser Region äußerst seltenen Lehrgänge mit Sensei Iain Abernethy aus. Ich hätte jetzt fast gesagt, Iain sei Schotte, aber er stammt aus dem District Cumbria, kurz vor der schottischen Grenze. Sein Akzent ist für meine Begriffe allerdings schon arg schottisch geprägt, was das Verständnis seiner umfassenden Vorträge zuweilen etwas schwierig gestaltete. Er selbst meinte schmunzelnd am Ende des Lehrgangs, dass wir viel geleistet hätten - zunächst hätten wir seine Vorträge ins Englische und dann ins Deutsche zu übertragen gehabt ;-) Iain trägt den 6. Dan der World Combat Association und der British Combat Association sowie dem Britischen Karate Verband. Sein Alter habe ich nirgends gefunden - ich schätze ihn auf Anfang, Mitte vierzig.

Obgleich Iain seine Wurzeln im Karate hat, sind seine Seminare für meine Begriffe recht stiloffen. Bei dem Lehrgang, den der Verein aus Halle ausgerichtet hat, trainierten z. B. Karateka aller Graduierungen gemeinsam - es wurden daher keine graduierungsspezifischen Kenntnisse voraus gesetzt. Obgleich das Thema am Samstag schwerpunktmäßig die Kata Naihanchi (Tekki Shodan) war, führten wir die Kata nicht einmal "am Stück" aus, sondern beschäftigten uns ausschließlich mit den Anwendungen. Iain machte jeweils Etappen der Kata vor und zeigte dann seine Interpretation. Diese waren ausschließlich Nahkampf-orientiert. Wer auf diesem Lehrgang klassische Kihon-Techniken erwartet hat (z. B. Bunkai Sequenzen, bei denen der Angreifer aus dem Zenkutsu Dachi heraus mit Oi Tsuki angreift), der wurde enttäuscht - oder wäre zumindest verwirrt gewesen: Es gab überhaupt keine klassischen bzw. klassisch-tiefen Karatestände, und auch auf das traditionelle An- und Abgrüßen im Zeisa wurde verzichtet, was mir sehr entgegen kam, da der Lehrgang so sehr knieschonend war :-)

Auch sonst lag der Lehrgang ganz auf meiner aktuellen Linie des angewandten und Selbstverteidigungs-orientierten Karatetrainings: Wie auch am vergangenen Wochenende in Olpe so gab es jetzt viele Clinches, Drills und ausschließlich Nahkampf-Kombinationen - viele Empis und Schläge mit der offnen Hand, aber auch zahlreiche Hebel (joint locks) und Drills, die nicht ganz so simpel und effektiv waren wir die Übungen beim Street Combative Seminar in Olpe.

Der Lehrgang schien mir zu Beginn fast enttäuschend wenig schweißtreibend! Mein Partner des ersten Tages (ein netter Frank aus Minden) und ich kamen erst in der zweiten Trainingseinheit am Nachmittag ein Bisschen auf Touren. Und die Betonung liegt auf "ein Bisschen" - den Gi konnte ich tatsächlich am zweiten Trainingstag wieder anziehen. Gleichwohl war es ein sehr anstrengender erster Trainingstag - denn wir trainierten (mit Pausen) von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Irgendwann war einfach meine Festplatte voll und ich merkte, wie in den letzten beiden Einheiten meine Konzentration nachließ und gegen Ende sogar mein Trainingswille. Dass es schon ganz gut zur Sache ging, merkte ich vor allem an der Tatsache, dass Muskelkater und blaue Flecke auch bei diesem Lehrgang inklusive waren.

Die Anwendungen zur Tekki überzeugten mich vollumfänglich. Als der Sensei dann Wunsch-Katas der Teilnehmer aufgriff (Gojoshiho Sho und - für mich - Chinte), war ich allerdings ein bisschen enttäuscht. Als ich die Chinte erwähnte, schien ich den Sensei fast ein bisschen in Verlegenheit zu bringen, als hätte er sich bisher noch nicht so intensiv mit dieser Kata beschäftigt. Er ging dann auch nur auf die drei Sprünge rückwärts am Ende ein (trug hierzu aber eine herrlich brutale Anwendung vor). Nicht viel anfangen konnte ich mit seinen etwas umfassenderen Anwendungsvorschlägen zur Gojoshiho Scho, bei der ich manches Mal intuitiv aus der Situation heraus etwas ganz anderes gemacht hätte.

Am Sonntag wurde nur vier Stunden trainiert. Von den 150 Trainierenden am Vortag waren nur noch 40 übrig geblieben. Dies mag damit zusammen gehangen haben, dass am ersten Tag das Training (wegen des Feiertags Allerheiligen in NRW) nach Niedersachsen und zwar ins beschaulicher Hilter / Wellendorf bei Osnabrück verlegt werden musste. Am zweiten Tag fand es dann tatsächlich in Halle statt. Am zweiten Trainingstag wiederholten wir Sequenzen vom Vortag, ohne noch einmal in die Tiefe gehen zu müssen. Ich hatte jetzt einen DKV-ler aus Willich als Partner, der sehr Bunkai-erfahren war und mit dem ich ebenfalls viel Spaß hatte :-) Nach Tekki Shodan gab es am Sonntag noch Sequenzen aus der Tekki Nidan und einige Wurftechniken sowie einige Drills zum "Aufwärmen".

Schön waren für mich die Karate-Geschichten, die Iain zwischendurch erklärte und auch viele der Grundsätze und Prinzipien, die er vermittelte. Er differenzierte immer gerne zwischen "Martial Arts", "Fights" und "Self Defense" und stellte mehrfach die Unterschiede heraus (Kampfkunst ist detailverliebt und man trainiert es aus Spaß und Freude, Freikampf ist sportlich, taktisch und "jeder ist mal dran" und bei der SV muss alles schnell geschehen, es muss simpel sein, sollte nur einen Aktiven geben (nämlich den Verteidiger) und es gibt nur ein Prinzip:"Down - Him - Now!" Sehr schön waren dann so kleine Details wie die Tatsache, dass man beim SV-Training dem Trainingspartner nach einer Bodensequenz nicht aufhelfen sollte - das könne sich so einschleifen, dass man es im Ernstfall aus Versehen auch macht ;-)

Durch unseren Trainer Andreas Klein haben wir in der Karateschule Fuji San Münster sicherlich schon einen sehr guten Zugang zu dieser Art der Kata-Interpretation, da Andi auch die Brücke vom traditionellen Bunkai zur SV schlägt. Alles in allem hat mir der Lehrgang mit Iain sehr gut gefallen und ich werde mich sicherlich mit der Art, wie Iain an Katas heran geht weiter beschäftigen.

SV-Warmup:
- Versuchen, an den Gürtelenden zu ziehen (Symbol für die Weichteile). Jeder Treffer ein Punkt.
- Gegenseitig "umarmen" - ein Arm auf Höhe der Schulter, ein Arm unter dem Arm des anderen. Versuchen, hinter den anderen zu gelangen und ihn mit beiden Armen von hinten zu umfassen.



Sonntag, 9. Juni 2013

Instructorlehrgang Juni 2013 in Bochum

Dieser Instructorlehrgang fand parallel zur ersten Deutschen Meisterschaft Jugend, Junioren und Senioren im RuhrCongress, Bochum statt. Wegen der zeitlichen Überschneidungen war vermutlich die Teilnehmerzahl etwas geringer als sonst. Im Gegenzug waren aber einige Karateka angereist, die von dem Umstand profitierten, dass dieser Instructor-Lehrgang nur einen Tag dauerte und die Einheit am Sonntagvormittag entfiel - so brauchten sie keine bzw. eine Übernachtung weniger einzuplanen und zu bezahlen. Da Shihan Ochi derzeit wegen seiner Hüft-OP noch nicht einsatzbereit ist, hatte Prüfungsreferent Rolf Hecking die Lehrgangsleitung diesmal komplett übernommen.

Was uns erwartete war ein Mix aus Trainerworkshop, Schulung der Beobachtungsfähigkeit und Augenmerk auf die eigene Achtsamkeit und Konzentration.

Wir starteten mit einem Aufwärmteil zu zweit: Abwechselnd sollten wir uns gegenseitig Übungen vorgeben, die im Verlauf der Aufwärmphase möglichst aufeinander aufbauen sollten.

Als nächstes gab es einen Technikteil, der mich ein bisschen an die Trainingsmethoden von Naka und Akita erinnerte: Im Heiko Dachi stehend sollten wir verschiedene Empi-Variationen ausführen (je rechts und links). Wir starteten mit Age Empi, dann Mawashi Empi (zur Schläfe), gefolgt von Mae Empi (seitlich und Richtung Solar Plexus) und Yoko Empi (Hinweis von Rolf: diesmal nicht unterm Arm ausholen, sondern drüber), schließlich noch Ushiro Empi ("Hikite" - mit beiden Armen gleichzeitig). Zum Schluss sollten wir Otoshi Empi ausführen und dabei zunächst rechts in Sochin Dachi vorgehen, dann mit Kiri Kaeshi wechseln.

Eine weitere Übung bestand aus Sanbon-Tsuki-Varianten: Start im ZK li vor mit Tsuki Jodan, Chudan, Chudan, dann Wendung 45 Grad nach re mit Chudan, Jodan, Jodan und nach links - ebenfalls Chudan, Jodan, Jodan.

Als nächstes sollten wir uns dann gegenseitig bei verschiedenen Kihon-Übungen korrigieren. Ich hatte leider einen Partner, der bei meinen Übungen überhaupt nicht hinsah und selber immer verärgert oder irritiert schien, wenn ich ihn korrigierte. Vielleicht wähnte sich dieser Karateka auf einem gewöhnlichen Karatelehrgang und nicht auf einem Instructor-Kurs?! Keine Ahnung, jedenfalls ist das Üben so m. E. nicht zielführend, da wir doch hier unser Auge schulen sollten.

Kihon Kumite: Block und Konter mit demselben Arm. Age-Uke, Soto-Uke, Gedan-Barei - war ganz schön schwer, erst alleine geübt mit Vorgaben von Rolf hinsichtlich des Konters, dann mit Partner und dann ohne Vorgaben, also Konter frei, schließlich war auch der Angriff nicht mehr von Tori angesagt, man musste also schnell und möglichst richtig reagieren.

Eine weitere Übung: Mae Geri Chudan, der andere musste ohne Block ausweichen (einen Schritt zurück) und dann selber Mae Geri treten - zunächst auf zählen, dann eigene Zeit mit zunehmendem Tempo.

Übungen zum Jiyu Ippon Kumite standen auch auf dem Programm. Hierzu sollten zu zehnt einen Doppelkreis bilden - Karatekas im Innenkreis blicken nach außen und im Außenkreis nach innen, so dass jede(r) eine(n) Partner(in) hat. Angriff mit Ansage / Block und Konter und mit steigendem Tempo, dann Wechsel Innen-/Außenkreis.

Warmup zweite Einheit mit SV: Zu zweit zusammen, einer greift an nach Vorgabe von Rolf (Umklammerung von vorne oder von hinten), der andere versucht, sich mit karatebasierten SV-Techniken zu befreien und zu kontern. Da kamen wir alle schnell auf Touren und es hat mächtig Spaß gemacht! Ich hatte Thomas Feig aus Annaberg als Trainingspartner, dem ich anmerken konnte, dass er schon häufig ähnliches geübt hatte. Zum Abschluss der SV-Warmup-Übung ging es dann noch auf den Boden: Rolf gab die Anweisung, dass sich einer von uns in die "Bank"-Position begeben, also Hände und Knie auf den Boden bringen sollte. Der andere sollte den in der Bankposition nun angreifen - aber nicht durch Tritte oder Schläge, sondern durch Umklammern. Sobald die/der Kniende den Angriff spürt, sollte diese/r sich wehren und kontern. Thomas bemerkte gleich zu Beginn der Übung leicht gequält, dass er zwar mal in Techniken des Krav Maga hinein geschnuppert hätte, nicht aber in das Judotraining. Naja, da habe ich ja leider auch keine Erfahrung. Und wir gingen beide gleichermaßen dilettantisch aber beherzt zur Sache. Als ich in der defensiven Rolle war und auch noch grade in einer recht hoffnungslosen Position, kam Rolf zufällig grade vorbei und gab mir ein paar Tipps. Ich konnte zwar diese grade nicht umsetzen - mobilisierte aber meine letzten Willensreserve und konnte den Spieß - pardon: den Thomas - im wahrsten Sinne des Wortes herumdrehen und die Oberhand gewinnen. Ach, ich liebe solche Raufereien ja! :-)

In beiden Einheiten übten wir das Vorwärtsgleiten mit Suri-Ashi und zwar mit Kizami Tsuki sowie darauf aufbauenden Kombinationen: + Gyaku Tsuki, + Mae Geri + Mawashi Geri + Gyaku Tsuki. Wir sollten versuchen, möglichst weit vorzugleiten und auch jeweils das Standbein bei den Geris zum Vorrutschen zu benutzen, ohne jedoch den Bodenkontakt zu verlieren (also nicht "hopsen"). In Einheit eins übten wir dies alleine, am Nachmittag wurde daraus eine Partnerübung, bei der der/die Partner/in jeweils ebenfalls zurückgleiten bzw. einen Schritt zurück gehen sollte. Auch hier hatte ich am Nachmittag Thomas als Partner und ich hatte meine liebe Mühe, ihm auszuweichen, weil er doch eine erheblich größere Distanz überwinden konnte als ich!

Rolf bemerkte gegen Ende des Lehrgangs, dass niemand Herrn Ochi ersetzen könne, man könne höchstens kurzfristig seinen Platz einnehmen. Und so fehlte durch die Abwesenheit des Chiefinstructors vor allem die Einheit Katatraining, die sonst obligatorischer Bestandteil eines Instructorlehrgangs ist. Auch angesichts der gekürzten Trainingszeit konnte Rolf das Thema Kata nur anschneiden. Wir arbeiteten an den Katas Hangetsu und Wankan. Zu beiden Katas gab es Ablauftraining mit Korrektur durch den Partner. Zur Hangetsu machten wir noch eine Bunkai-Sequenz in einer Gruppe zu viert und zwar die Kombination Uchi Uke, Ren Tsuki: eine(r) stand in der Mitte und drei andere Karateka davor bzw. re und li daneben. Der rechts vom Mittigen stehende stand rechts vor, die anderen je links. Rechts griff zuerst an mit Oi Tsuki, der/die Mittige blockte Uchi Uke und konterte mit Ren Tsuki. Dann griff die linke Position an, der/die in der Mitte drehte sich um 180 Grad mit Block und Konter und schließlich kam der Angriff aus der jetzt wieder rechten Position (von dem Angreifer, der anfangs frontal zur/zum Mittigen stand) - Block/Konter.





Freitag, 21. Dezember 2012

Lehrreiches Training mit Andreas Klein im Dojo

Erstmals war Landesstützpunkttrainer Andreas Klein auch einmal unter der Woche bei uns zu Gast. Er leitete heute das Training in der Unter- und Oberstufe. Alle Trainer/innen des Vereins waren auch ausdrücklich dazu eingeladen, am Training der Unterstufe teilzunehmen.

Zunächst übten wir reine "Basics" - erst Tsuki, später Age-Uke im Stand. Wie auch Sensei Micha in den vergangenen Wochen, achtete auch Andreas darauf, dass wir beim Zurückziehen des jeweils vorderen Armes immer den Ellenbogen eng am Körper führten. Beim Tsuki war hierfür die Faust schon vor dem Zurückziehen einzudrehen. Auch beim Age-Uke zogen wir direkt den Ellenbogen des Arms nach dem Block zum Körper, so dass der Unterarm quasi senkrecht neben dem Kopf stand, bevor wir den Ellenbogen weiter zur Hüfte führten.

Beim Vorwärtsgehen im ZK legte Andreas Wert auf denselben Schwerpunkt wie auch schon Sensei Micha am Dienstag und wie wir es von Risto kennen: belasten - fließend am Standbein vorbei - hinteres Bein strecken!

Der erste Impuls beim Rückwärtsgehen im ZK war die Gewichtsverlagerung nach hinten durch das Einknicken des hinteren Beins, also auch wieder "belasten - fließend am Standbein vorbei - strecken". Andreas ließ die Unterstufenkaratekas das immer und immer wieder üben. Er wies darauf hin, dass diese Bewegungsmuster schon in der Heian Shodan vorkämen und dass diese Kata dadurch im Grunde eine gute Vorbereitung für das Kumite sei - wer hätte das gedacht!? :-)

Es gab hierzu auch eine kurze Partnerübung mit Okuri Kumite: A geht rechts zurück mit Gedan Barei, Angriff Tsuki Jodan - B blockt mit Age-Uke, greift wieder an mit Tsuki Chudan, A blockt Soto-Uke und greift gleich wieder an mit Mae-Geri, den B mit Nagashi-Uke leicht seitlich raus blockt. Wie gesagt lag hierbei der Fokus nicht auf den korrekt ausgeführten Blocktechniken, sondern ausschließlich auf der korrekten Rückwärtsbewegung.

Anschließend übten wir Heian Sandan - und zwar unter Beachtung der grade vermittelten Basics. Zudem wies Andreas darauf hin, dass wir bei den Drehungen für den folgenden Block keine unnötig großen Ausholbewegungen machen sollten: einfach in die Ausholbewegung hineindrehen! Bei der Drehung aus ZK mit Nukite in Kiba Dachi sollten wir darauf achten, nicht zu weit zu drehen, sondern "in der Richtung" zu bleiben. Apropos drehen: immer schön auf der Ferse!

Zur letzten Technik der Kata hört man oft, dass man mit der oberen Faust möglichst weit über die Schulter schlagen soll (da dahinter ja der imaginäre Gegner steht). Andreas hat hier eine andere Herangehensweise: Wir sollten an den Hikite-Arm denken und durch eine ausgeprägte Rumpfrotation ein besonders starkes Hikite ausführen - der obere Arm geht dann wie automatisch weit über die Schulter!

Zum Abschluss der Einheit gab es noch eine kurze Bunkai-Sequenz: Tori links zurück mit Gedan Barai - Angriff Tsuki Chudan. Uke dreht sich aus Shizen Tai mit links 90 Grad nach hinten raus und blockt mit dem Ellenbogen, danach - im Sinne der "klebenden Hände" am Gegner dranbleiben und Uraken Jodan ausführen. In der Kata gehts jetzt weiter vor in ZK mit Oi Tsuki. Wir gingen jetzt mit dem linken Bein am vorderen Bein des Angreifers vorbei und den linken Arm nutzten wir, um den Angreifer zu Boden zu werfen. Es war hierbei darauf zu achten, dass man mit dem Bein nicht zu weit am vorderen Bein des anderen vorbei gingen - Knie an Knie, das war optimal!

Auch bei der Oberstufeneinheit ging es zunächst an die Basics, allerdings mit anderem Fokus: Wie könnte ich es besser beschreiben als mit der "Risto-Hüfte"? Andreas fragte uns zwar nicht, wo die Hüfte liegt ("Im Oberschenkel"), aber er beschrieb die Bewegungen genauso wie der Finne. Wir übten einige Male Hüftein- und -ausdrehen im ZK. Dann hatte Andreas hierzu ein paar Zusatzaufgaben: Zunächst sollten wir auf die bewusste Belastung der Fersen achten: Beim Hüfte-Eindrehen kam der Druck von der hinteren Ferse, beim Ausdrehen von der vorderen. Anschließend übten wir dies mit angehobenen Fersen - eine Übung, die wohl auch Sensei Okuma so ausführen läßt.

Am Ende der Einheit gab es noch eine kurze Kihon-Sequenz, bei der wir uns wieder in Erinnerung rufen sollten, was wir den Abend über vermittelt bekamen: fünf mal vor mit Tsuki, dann rückwärts mit Soto-Uke, Umsetzen in KB mit Yoko-Empi und Tate Uraken, wieder umsetzen in Gyaku-Tsuki: Beim Soto-Uke sollten wir nicht zu weit hinten ausholen,. Das Umsetzen in KB sollte durch Gewichtsverlagerung erfolgen und beim abschließenden Gyaku-Tsuki sollten wir auf keinen Fall den vorderen Fuß ranziehen, sondern eher weiter nach vorne. Das hatten wir doch alles schonmal gehört? Der Risto läßt grüßen! ;-)

Dazwischen gab es die Nijushiho: Es gab viele Bestätigungen des auch bisher schon von uns Geübten. Die Anfangsbewegung führt Andreas aber etwas schlichter aus als wir sie in unserer sonntäglichen Kata-Einheit machen: Der linke Arm holt grade vorne aus mit geöffneter Handfläche (und nicht im großen Bogen). Den Empi sollten wir höchstens auf Kinnhöhe stoßen und hierbei in einem sehr kurzen ZK stehen - den hinteren Fuß also nicht zu nah an das vordere Bein heranziehen.

Einen Fokus legte Andreas dann auf die nun folgende Drehung, die wir stark aus der Hüfte ausführen sollten. Nach der Drehung erfolgte ein Akzent durch das Heranziehen der Fäuste an die Hüfte und die Arme wurden dann durch einen erneuten Hüftimpuls nach vorne gestoßen.

Bei dem nun folgenden Age-Uke sollten wir bereits die Ausholbewegung als Block ansehen. Der Age-Uke sollte dann als Angriff gedeutet werden, also als Age-Uchi. Achtung beim folgenden Age-Empi: bitte nicht zu hoch schlagen und die Rumpfdrehung nicht zu sehr übertreiben - sie sollte nicht ausgeprägter ausfallen, als beim Gyaku-Tsuki und wir übten diese Passage tatsächlich auch ein paar mal mit Gyaku-Tsuki vor dem Age-Empi.

Viele von Andeas' Erklärungen waren Wiederholungen von Aspekten, die ich persönlich schon gehört hatte. Eine Besonderheit war noch die Ausführung des Zanshin-Dachi, den Shihan Ochi derzeit so ausführt, dass man fast auf einer Linie steht - mindestens die Ferse des einen Fußes in einer Linie mit den Zehen des anderen.

Zum Abschluss der eine Eindreiviertelstunde dauernden Einheit gab es noch drei Bunkai-Sequenzen:

1. Haisho-Uke mit links im KK, vor mit Empi in die offene Hand im KB, Gedan-Barai mit rechts (linker Arm bleibt), linker Fuß geht am rechten vorbei in KB mit Haisho-Uke: Partner rechts vor im ZK, Angriff mit links Oi Tsuki, Abwehrender weicht nach hinten rechts aus mit Suri Ashi in KK, linker Arm Tate-Shuto-Uke, vorgleiten mit Yoko-Empi an den Rumpf/die Rippen des Partners, Gedan Barai vor die Genitalien, rechten Arm strecken, weiter am Partner vorbei gehen und den Partner so zu Fall
2. Sequenz beim ersten Kiai: Drehung mit (Gedan Shuto-Uke) und nachfolgendem Jodan Heito-Uchi, Hände öffnen und nach unten stoßen ("Mae Geri blocken"), Fäuste zur Hüfte ziehen und nach unten stoßen ("auf das Knie/Schienbein).

2. Sequenz am ersten Kiai: Partner stehen hintereinander, A fasst B mit rechts von hinten an die Schulter. B dreht sich um und schlägt den Arm des A mit dem gestreckten linken Arm weg, gleich darauf Heito-Uchi vor den Hals des A. Die folgenden Techniken nicht wie in der Kata als Block und Konter gegen Mae-Geri nutzen, sondern als Angriff zum Hals / Gesicht des Partners: rechte Hand greift in den Nacken, links ins Gesicht, eventuell mit geöffneten Fingern, so dass man die Augen trifft. Die rechte Hand wird jetzt nach vorne gegen den Kopf geschoben und die linke zieht z. B. an der Jacke dagegen. Ggf. noch einmal nachstoßen.

3. Letzte Techniken: Partner fasst den anderen mit rechts am Revers. Der andere greift mit der rechten Hand die Faust am Revers und schlägt mit dem linken Arm von außen gegen den Ellenbogen des fassenden Arms. (An dieser Stelle war eigentlich für Seibel und mich schon die Übung beendet - wir hätten jetzt entweder einen Tritt gegen das Knie durchgeführt oder den anderen einfach weiter zu Boden gebracht, aber Andreas führte die Übung anders weiter:) Der rechte Arm übernimmt den gefassten Arm und beide Arme gehen zunächst zur Hüfte, bevor der Abwehrende einen Schritt vor geht und den Gegner mit gestreckten Armen nach hinten weg stößt.





Sonntag, 7. Oktober 2012

Kata-Bunkai-Lehrgang mit Andreas Klein beim SKDM

Am 22. und 23. September war Landesstützpunkttrainer Andreas Klein wieder bei uns zu Gast. Nachdem er im Juli bereits exklusiv für die Mitglieder des SKDM einen eintägigen Katalehrgang geleitet hatte, bei dem es überwiegend auf die korrekte Ausführung verschiedener Katas ankam, sollte bei dem jetzt zwei Tage dauernden Lehrgang der Schwerpunkt auf Kata-Bunkai, also den in der Form versteckten Anwendungen, liegen.

Die Unterstufe wurde in den Katas Heian Nidan und Heian Yondan unterwiesen. Andreas erklärte sehr anschaulich den Ablauf und verschiedene Anwendungsmöglichkeiten. Die Resonanz der Unterstufe war durchweg positiv. Sehr erfreulich war die hohe Anzahl der Jugendlichen, die hier sehr engagiert und diszipliniert teilnahmen.

Die Oberstufenkaratekas konnten sich auf die Katas Chinte und Tekki Nidan freuen. Sollte dem ein- oder anderen der Ablauf einer der Katas noch nicht ganz geläufig gewesen sein, so war dies binnen kürzester Zeit "Geschichte".  Andreas hatte einen ganz speziellen Fokus auf den korrekten Hüfteinsatz bei den Katas. Aber es gab auch viele weitere interessante Details, an denen wir arbeiteten. Wie sagt ein bekannter Karate-Instructor immer so schön? Es kommt auf die Kleinigkeiten an.

Sehr interessant fand ich Andreas' Ausführung der  Techniken 15 und 16 der Chinte: Bisher bekam ich immer erklärt, die Arme müssten während einer Seitwärtsbewegung mit Suri Ashi kreisförmig bewegt werden. In der Fachliteratur habe ich zu dieser Stelle folgendes gefunden: In Albrecht Pflüger's "27 Shotokan-Katas" heißt es etwa:"Nach rechts weggleiten mit Gedan Haito-Uke, dasselbe in die andere Richtung". In Fiore Tartaglia's "Bunkai der Shotokan Katas ab Schwarzgurt" habe ich dazu gefunden: "Sokumen haito uke - chudan Kamae in Kiba Dachi...und kreisförmig die Armbewegung fortsetzend im Chudan-Bereich kontern".  Andreas führt die Stelle in beide Richtungen als Bo-Ukes aus - ähnlich der Passage gegen Ende der Enpi. Dieser Ansatz war für mich ein Anlass, mich neu mit dieser Technik zu beschäftigen.

Ich war wohl nicht die Einzige, die sich im Vorfeld ein bisschen sorgte, ob sie den Ansprüchen eines Landesstützpunkttrainers hinsichtlich des Kata-Bunkai gerecht werden würde. Diese Sorge war aber absolut unbegründet. Andreas machte gleich zu Beginn deutlich, dass er nicht viel von "durchchoreografierten" und nachmittagsausfüllenden Bunkaisequenzen hält. Man kann so weit ohnehin im Ernstfall nicht vorausplanen und wozu soll das Partnertraining aus einer Kata heraus dienen, wenn nicht zur effektiven Selbstverteidigung?

Andreas begann damit, uns aus jeder Kata eine Technikfolge von maximal fünf Einzeltechniken vorzugeben, aus der dann ein Partnertraining entwickelt wurde. In der nächsten Stufe gab er vor, dass wir aus dem grade Erarbeiteten die Selbstverteidigung auf eigene Faust so weiterentwickeln sollten, wie es sich aus der Situation grade ergibt. Mir persönlich passiert es leider häufig, dass ich im Eifer des Gefechts plötzlich mit dem anderen Bein vorne stehe, als in der Kata vorgesehen. Und jetzt? Es muss ja trotzdem irgendwie weitergehen! Ich persönlich wurde durch das Wegfallen der ganz starren Vorgaben unbefangener, mutiger und hatte nicht mehr die Sorge, es nicht mehr machen zu können "wie in der Kata". In der dritten Einheit (am Sonntagmorgen) waren dann nur noch der Angriff und die erste Verteidigungstechnik vorgegeben, der Rest durfte frei "erfunden" werden. Hier hatte ich Matthes als Trainingspartner - und zahlreiche blaue Flecken als Erinnerung an diese 90 Minuten ;-)

Fazit: Andreas' Training war für meine Begriffe perfekt aufgebaut und hat mir persönlich das Thema Kata-Bunkai sehr viel näher gebracht, als es bisher jeder andere Trainer geschafft hat. Die Intensität des Trainings und das Verständnis für die Katas und deren Anwendungen wuchs für mich persönlich in jeder Einheit. Andreas ist für mich derzeit eine der höchsten Instanzen in Sachen Kata uns ich hoffe, ihn sehr bald wieder bei uns begrüßen zu können.

Sonntag, 16. September 2012

Heian Nidan Bunkai (Heero)

http://www.youtube.com/watch?v=UM8WpINiY7I&feature=share

Samstag, 2. Juni 2012

Bunkai Enpi mit Torsten

Erste Technik ist bereits das Yoi!, bei dem die rechte Faust an die linke Seite geführt wird und die linke Hand flach dagegen gedrückt. Tori fasst überkreuz die linke Hand des Uke. Dieser bohrt mit Ippon-Ken den Mittelfingerknochen in das Handgelenk des Tori (Kyusho-Punkt....). Dann mit der linken Hand (die, die festgehalten wurde) umgreifen, so dass Tori durch den Hebel zu Boden geht. Anschließend einmal um Tori herumlaufen, so dass er unter Kontrolle ist.

Tori Angriff Mae-Geri, Uke geht in den Angriff hinein und verkürzt die Distanz mit Gedan-Barai links vor. Age Tsuki zum Hals, Griff zum Nacken durch Drehen des Handgelenks, mit rechts Hiza Geri, Vordrücken mit Gedan-Tsuki links und Schutz ähnlich Soto-Uke rechts (zum linken Ohr). Drehung und Gedan-Barai als Schlag in die Genitalien.

Spungübungen: mit Sprungbein abdrücken, Schwungbein nachziehen (Fersen zum Gesäß oder Knie zur Brust?) und mit beiden Beinen gleichzeitig absetzen. Zu zweit, einer liegt auf dem Boden, der andere springt mit Drehung drüber. Anschließend legt der auf dem Boden sich auf die Seite, damit der andere höher springen muss.

Montag, 30. Januar 2012

Lehrgang mit Julian Chees 28.01.2012

Traditionell beehrte uns auch im Januar 2012 Sensei Julian Chees in Münster. Bereits in der Unterstufeneinheit platzte Die Halle aus allen Nähten und das war auch in der ersten Einheit ab 5. Kyu der Fall. Merkwürdiger Weise lichteten sich die Reihen bereits am Nachmittag - 20 Euro Lehrgangsgebühr für nur eine Einheit? Naja, manche müssen es halt dicke haben!

Da meine Tochter Johanna als recht frisch gebackener Weißgurt an ihrem ersten Karatelehrgang teilnahm, war ich bereits um 10.30 Uhr zur ersten Einheit erschienen und schaute mir an, was dort eingeübt wurde. Julian begann das Training mit ausgiebigen Laufrunden um die Halle, um den Kreislauf der Trainierenden mal so richtig schön auf Touren zu bringen. Die Stimmung lockerte sich merklich auf, als er begann, durch lautes Ausrufen der Namen von Karatetechniken eine Art Laufgesang anzustimmen, wie man es aus dem Kino von Angehörigen der US-Streitkräfte kennt. Das kam sichtbar gut an und so etwas kann ich mir wirklich bei keinem anderen Trainer vorstellen ;-)

Die Unterstufe begann mit für viele der Teilnehmer offensichtlich verwirrenden Bunkaiübungen zu Heiankatas. Ich hatte den Eindruck, dass ca. 80 % der Karateka bereits mit der ersten Kombination überfordert war....wie bitte? Keine Kihonbahnen im Vorwärtsgehen sondern rückwärtiges Ausweichen mit Gedan Barai? Meine Tochter hatte leider einen noch kleineren Weißgurtknirps als Partner, der wirklich keinen blassen Schimmer hatte, was da vor sich ging. Waren die Kids doch noch zu klein für einen Karatelehrgang? Oder war das Niveau einfach zu hoch?

In unserer ersten Einheit begann der Sensei mit einer durchdachten Aufwärmgymnastik. Als er dann mit den ersten Techniken begann, wurde mir schnell klar, dass es gleich mit Bunkai losging und zwar mit der Nijushiho! Mein Trainingspartner Torsten stand mir zu diesem Zeitpunkt gegenüber - allerdings am entgegengesetzten Hallenende! Und um mich herum nur Violettgurte. Au Backe! Und wer erklärt MIR das Bunkai???? Fix war durch Augenkontakt ein Abkommen geschaffen und ich flitzte - der Etikette entgegen - quer durch die Halle. Puh!

Das Bunkai begann mit Sequenz nach der ersten Drehung:
Tori greift an mit Oi-Tsuki/Gyaku-Tsuki.
Uke steht im Shizentai und blockt den ersten Tsuki, in dem er die Arme seitlich gestreckt von oben nach unten/außen führt in einen doppelten Gedan-Barai (seitlich vom Körper).  Die Fäuste werden dann seitlich an die Hüftseiten geführt (ins Hikite), um dann mit einem Doppeltsuki (re jodan, li chudan) nach vorne gestoßen zu werden. Der rechte Arm blockt hierbei den Gyaku-Tsuki (Jodan).
Mit der linken Hand (die chudan geschlagen hatte) fasst Uke jetzt die linke Hand des Tori und geht einen Schritt vor, dabei mir rechts Empi vor den Ellenbogen des Tori, ggf. weiterschieben, bis Tori zu Boden geht.

Zweite Sequenz: nach dem zweiten Yoko-Geri mit Gyaku-Tsuki;
Uke steht im KB mit Gyaku-Tsuki nach rechts. Tori steht davor, links vor ZK und greift an mit Tsuki chudan. Uke blockt, indem er die rechte Hand öffnet und dreht, hiermit die Faust des Tori fixiert. Jetzt geht Uke einen Schritt vor und schlägt Tori mit der offenen linken Hand (Handballen) vor das Kinn. Die rechte Hand kann mit dem Handballen gedan oder chudan geschlagen werden.

Dritte Sequenz:  Schlussteil der Kata
Uke kann im Shizentai stehen. Tori greift an mit Tsuki Jodan (Seite egal). Uke blockt mit links (offene Handfläche, Schlag nach rechts), rechte Hand übernimmt Hand des Tori (mit abgewinkelter Hand/Handrücken), einen Schritt vorgehen, mit dem linken Handballen vor das Kinn des Tori, rechts wieder chudan oder gedan.

Für die Mittagspause hatte ich meiner Tochter Johanna versprochen, dass ich mit ihr zum Chinesen gehe - gebratene Nudeln essen :-) Torsten begleitete uns und obwohl Johanna bereits um halb vier wieder dran war, war es eine schöne Pause :-)

Ab 17 Uhr hieß es für uns zwei Stunden lang: "Sochin"! Yeah! Besser hätte es für mich nicht kommen können! Auch wenn Torsten gequält etwas von "Erdmännchen-Kata" murmelte, freute ich mich sehr, denn so hatte ich einen schönen Ausgleich für die Nijushiho vorher :-)

Hier ergab es sich von selbst, dass ich mit Torsten trainierte. Ich habe keine Ahnung mehr, wie oft wir die Kata liefen! Jedenfalls befand ich mich irgendwann in einem wunderschön-leichten Zustand! Und so kam es, dass selbst das Bunkai (als die ersten Knoten aus Armen und Beinen gelöst und Torstens herzhaftes Lachen über meine Verrenkungen verklungen war) fast wie von selbst lief!

1. Wir starteten vor dem zweiten Yoko-Geri.
Uke steht links vor im ZK, mit Gyaku-Tsuki rechts.
Tori steht rechts vor und greift von der Rückseite aus an mit Tsuki Jordan links im ZK.
Uke dreht sich um 180 Grad und blockt mit links, mit gestrecktem Arm und offener Hand, greift Faust des Tori und kontert mit Yoko-Geri Keage chudan, beim Absetzen Yoko Empi in den Gegner
Uke zieht den vorderen Fuß zurück
Tori greift erneut an mit Tsuki rechts
Uke blockt mit Uraken links, fixiert mit der anderen Hand die Faust des Tori und verdreht die Arme nach rechts unten, so dass Tori zu Boden geht.

Variante (etwas leichter):
Uke links vor im ZK, Gyaku Tsuki rechts.
Tori steht rechts vor und greift von der Rückseite aus an mit Tsuki Jordan links im ZK.
Uke dreht sich um 180 Grad und blockt mit links, mit gestrecktem Arm und offener Hand, greift Faust des Tori und kontert mit Yoko-Geri Keage chudan, beim Absetzen Yoko Empi in den Gegner. Jetzt zieht Uke das linke Bein zurück, dreht sich etwas nach links und tritt nochmal Yoko Geri, diesmal mit dem rechten Bein, absetzen und Empi mit links - Variante: den Tori mit dem Uraken-Arm nach unten reißen, so dass man statt Yoko Empi Otoshi Empi von oben auf den Rücken machen kann.

2. Die Bahn vor dem erste Kiai!
Tori und Uke stehen im Shizentai voreinander. Tori umfasst Ukes Handgelenke.
Uke dreht seine Hände nach innen und befreit sich, geht ein Stück zurück, Zanshin!
Tori greift an mit Oi-Tsuki/Gyaku-Tsuki.
Uke gleitet rechts zurück in KK mit Shuto-Uke (Block gegen ersten Tsuki) und lässt den linken (vorderen) Arm waagerecht fallen (Block zweiter Tsuki). Konter Nukite mit waagerechter Hand vor den Kehlkopf des Tori und sofort Kizami Mae-Geri chudan hinterher.
Tori greift wieder an mit Kizami-Tsuki.
Uke blockt mit links nach außen Uchi-Uke jodan (der Arm wird aus der Waagerechten links nach außen hochgeschlagen).  Konter mit Ura-Tsuki rechts chudan, z. B. vor die kurze Rippe.

Torsten und ich gerieten richtig in Rage! Hey, das war ein Gemetzel! Ich war ganz enttäuscht, als das Yame des Senseis durch die Halle klang. Hatte ich doch tatsächlich vergessen, dass wir grade Kata-Bunkai gemacht hatten???? Unfassbar!

Zum Abschluss gab es dann noch einige Male Sochin zur Festigung des Ablaufs für die Farbgurte und dann war dieser super inspirierende Lehrgang auch leider schon vorbei.

Montag, 31. Januar 2011

Karate-Lehrgang in Münster bei Sensei Julian Chees

 (geschrieben von Torsten Uhlemann)

"Das ist doch nur Kata, kein richtiges Karate!“

Seit Monaten klingelt mir dieser Spruch unserer Vorsitzenden hinsichtlich meiner Kata-Leidenschaft in den Ohren! Der gestrige Lehrgang bei Sensei Julian Chees scheint nun, nach monatelanger harter Überzeugungsarbeit in sonntäglichen Kata-Workshops, auch bei „Kumite-Icky“ Wirkung gezeigt zu haben! In zwei über zweistündigen Einheiten „genossen“ die Lehrgangsteilnehmer Kata-Training vom Feinsten!

In der ersten Einheit lag der Schwerpunkt auf den Sentei-Katas. Schon der Beginn der Einheit forderte uns bis aufs Äußerste: „Yoi! Bassai Dai!“ kam es vom Sensei und dann ließ er uns die Kata vier-fünfmal ohne Pause laufen. Erst danach kamen die ersten Erläuterungen zur Eingangstechnik. Von vielen immer wieder falsch gemacht, erklärte uns der Sensei, dass das Hochreißen des Knies und die gleichzeitige Ausholbewegung keine separate Technik seien. Er demonstrierte dann eindrucksvoll, wie man sich nach vorne fallen lassen und sich durch das Hochreißen des Knies abfangen sollte. Das macht die Technik und den Auftakt der Kata bedeutend dynamischer und kraftvoller: „Die Festung stürmen“, die Übersetzung von Bassai, erhält ihre wahre Bedeutung! Anschließend übten wir dies ausführlich. Auch das Überdrehen der Hüfte in Gyaku-Hamni für die Gyaku-Uchi-Uke und Gyaku-Soto-Uke wurden noch einmal besonders betont. „Extra!“ beschrieb der Sensei immer wieder die Details, die er besonders betont haben wollte. „Extra“ waren in diesem Fall die Arbeit der Hüfte.

Abwechslung brachte dann eine Bunkai-Übung, wobei wir einen Mae-Geri mit Uchi-Uke fangen sollten und uns dann in einer eleganten Drehbewegung unter(!) dem Bein des Gegners hindurchdrehen sollten, um dann mit Chudan-Tsukis zu kontern. Sensei Chees demonstrierte sehr eindrucksvoll, dass diese Technik auch bei einem deutlich kleineren Gegner funktionieren kann. Wir mühten uns redlich und auch wenn unsere Trainingspartner freundlicherweise ihr Bein extrem hoch hielten, war bei den meisten von uns von Eleganz nicht mehr viel zu erkennen, wenn es den überhaupt auch nur ansatzweise gelang! Danach gab es wieder die Kata. Besonderes Gewicht legte Julian dann auf die letzten beiden Bewegungen. Er wollte die abgedrehte Shuto-Uke-Haltung vor dem Kiai als „verstecktes Kamae“ interpretiert sehen und deshalb sollten wir die Ausholbewegung für den abschließenden Shuto-Uke erst im letzten Augenblick machen und nicht schon vor oder beim Suri-Ashi. Dieses späte Ausholen und die daraus resultierende Dynamik war wieder ein „Extra“.

Ohne Pause ging es dann weiter mit der Kata Enpi. Auch hier liefen wir die Kata zunächst zwei-dreimal, bevor einige Aspekte herausgegriffen wurden. Als außerordentlich gefährlich erwies es sich hier, hinter Icky zu stehen: Voll Übereifer (gepackt vom Kata-Fieber?) wartete sie das Kommando für den Sprung nicht ab, sondern sprang – und landete beinahe auf mir! Zum Glück konnte ich gerade noch ausweichen, ansonsten wär’s wohl ein Ippon geworden!

Bei der Detailarbeit stand die Startbewegung im Fokus. Das Wegsetzen des linken Beines aus der Anfangshaltung sollte nur schulterbreit erfolgen. Beim „Abknien“ darf das Knie nur ca. eine faustbreit von der Ferse des vorderen Beines entfernt sein. Und das Knie darf nicht aufgesetzt werden, sondern muss knapp über dem Boden „schweben“.

Als nächstes kam das erste „Extra“ der Enpi dran: Hüfteinsatz beim Umsetzen von Zenkutsu-Dachi in Kiba-Dachi, Hüfteinsatz beim Age-Tsuki. Zur Vertiefung gab es Bunkai zur typischsten Technik-Kombination der Enpi: Gedan-Barai gegen Mae-Geri, Age-Tsuki als Block gegen den folgenden Gyaku-Tsuki, dann Soto-Uke gegen einen weiteren Tsuki mit Eintauchen und Gedan-Tsuki. Interessant war dann, dass wir das Zurückschnellen mit dem Gedan-Barai nach hinten quasi als Ashi-Barai ausführten, um unseren Partner zu Fall zu bringen. Der Gedan-Barai diente als Tetsui oberhalb des Knies dazu, den Ashi-Barai zu unterstützen. Auch diese Übung gestaltete sich in der Umsetzung als deutlich schwerer, als sie bei der Demonstration durch Sensei Julian ausgesehen hatte.

Zum Abschluss gab es noch ein paarmal die Kata. Während der Ausführungen wurde uns ein weiteres „Extra“ nahe gebracht: Das kontrollierte Absetzen nach dem ersten Kiai. Wir sollten die Balance halten und den Fuß sanft und kontrolliert, ohne Geräusch aufsetzen. Beeindruckt hat uns der Sensei noch mit Demonstration, wie die Techniken Kokutsu-Dachi/Gedan-Barai und Kiba-Dachi/Bo-Uke aussehen können.



Nach der Enpi stand Kanku Dai auf der Tagesordnung. Diese Kata liefen wir ebenfalls mehrmals, bevor es in die Detailarbeit ging. Als „Extra“ wurde wiederum besonderer Wert auf den Hüfteinsatz gelegt. Als zweites „Extra“ sollten wir den Kokutsu-Dachi mit Gedan-Shuto-Uke nach dem Abtauchen extrem tief und lang machen. Natürlich gab es auch wieder eine Bunkai-Übung zur Kanku Dai: Block eines Mae-Geris mit Nagashi-Uke und Tsuki aufs Knie, dann Jodan-Juji-Uke gegen Tsuki. Den Arm des Gegners fassen, darunterher drehen und ihn über den blockierten Ellenbogen zu Boden bringen.

Abschließend liefen wir die Kata dann noch einige Male. Zum Doppeltritt am Ende gab uns Julian zwei Möglichkeiten: Als Nidan-Geri, also ohne Sprung (für diejenigen unter uns mit Knieproblemen) oder als Mae-Tobi-Geri.

Der ein oder andere unauffällige Blick zur Uhr zeigte: Nur noch wenige Minuten! Und eigentlich waren die Meisten von uns schon auf Yame und Abgrüßen eingstellt, als Julian die Jion ansagte. Wie gehabt liefen die Kata zweimal. Als letztes „Extra“ dieser Einheit wurde uns die Armhaltung bei der „Bogenschuss-Haltung“ am Ende der Kata ans Herz gelegt. Der zurückziehende Arm sollte mit der Faust an der Brust anliegen. Zusätzlich sollte der Daumenknöchel heraus gedrückt werden wie in der Hangetsu. Bunkai machten wir zu dieser Kata keine.
Wer nun dachte, nach der Jion sei die Einheit beendet, hatte sich geschnitten. Als Abschluss ließ uns der Sensei noch seine spezielle Übung zum Trainingsende absolvieren: Suri-Ashi vorsteppen mit Kizami-Tsuki. Einmal, zweimal, dreimal, dann Mawate und zurück. Die letzten zwei Bahnen mit Kiai bei jeder Technik. Dann endlich Yame!

Erschöpft ging es zum Duschen, die leider kein warmes Wasser mehr versprühten. Die viel zu lange Pause (3 Stunden) zwischen den Einheiten nutzten Connie, Icky, Holger, Andy und ich, um uns im Café Pablo ein wenig zu stärken und aufzuwärmen.

Vor der zweiten Einheit machte ein Gerücht die Runde: Die Oberstufe würde die Kata Unsu machen! Eine meiner Lieblingskatas und eine große Herausforderung. Ich hatte bereits das Vergnügen, diese Kata auf zwei Lehrgängen im letzten Herbst ausführlicher zu trainieren. Doch fehlten immer noch ein paar „Kleinigkeiten“ und von einem Unsu-Training bei Sensei Julian Chees „träume“ ich seit Jahren!

Nun, in der Trainingseinheit verschwendeten wir keine Zeit mit einem Aufwärmprogramm. Es ging sofort mit den „ersten“ Techniken der Kata los. Das waren jedoch keine Ippon-Nukite in Neko-Ashi-Dachi, wie viele bei der Unsu erwartet hätten. Also doch nicht die Unsu? Tja, wer Lehrgänge bei Julian kennt, weiß, dass er gerne mit dem Ende der Kata beginnt und später wieder darauf zurück kommt. Wir begannen also mit Mawashi-Ukes, Age-Uke und Gyaku-Tsuki den vier letzten Techniken der Unsu! Die Mawashi-Ukes übten wir dann zu dritt partnerweise: blocken, übernehmen, weiterführen und dann mit Teisho kontern.

Danach ging es Schritt für Schritt oder vielmehr Technik für Technik mit der Kata weiter. Die ersten „Extras“ waren die Ausführung des Ippon-Nukite senkrecht nach unten und die Fuß-und Hüftbewegung beim Vorgehen im Neko-Ashi-Dachi. Es folgten weitere, wie eine spezielle Fußhaltung des am Boden „liegenden Fußes“ bei den Mawashi-Geris oder auch wiederum die Idee des „versteckten Kamae“ bei den Keito-Uke/Teisho-Uke mit Wechselschritt. Durch die zahlreichen „Extras“ und seine grandiosen Demonstrationen, vermittelte uns Sensei Julian die Komplexität dieser außergewöhnlichen Kata. Als wir schließlich zum Höhepunkt der Kata kamen, dem Sprung, hatten wir schon viel Material zum Nachdenken und Üben aus dem Training mitgenommen. Zunächst ließ uns Julian den Mikazuki-Geri in zwei Möglichkeiten trainieren. Als erstes sollten wir den Mikazuki-Geri treten und uns dann um 360 Grad drehen, um dann abzutauchen und tief abzusetzen. Die zweite Variante sah vor, zunächst um 180 Grad zu drehen, dann den Mikazuki-Geri zu treten und weiterzudrehen. Für den Sprung an sich gab der Sensei dann aber nur den knappen Hinweis, dass man das rechte Bein, also das Schwungbein hochreißen solle und dann im Sprung das andere Bein ebenfalls hochschlagen solle. Er machte es vor und es sah mal wieder spielerisch einfach aus und gelang ihm auch mit tramwandlerischer Sicherheit. Über die meisten unserer Versuche, decken wir lieber den Mantel des Schweigens. Es wartet noch viel Arbeit auf uns!

Belebt und angereichert wurde das Training durch mehrere Bunkai-Einlagen. Zunächst nahmen wir die Neko-Ashi-Dachi/Ippon-Nukite Sequenz vom Anfang der Kata vor. Julian verlangte hier von uns, nach dem Keito-Uke den geblockten Arm des Gegners, ähnlich wie bei den Mawashi-Ukes, mit den anderen Arm herunterzuführen, um dann den Weg frei zu haben für den Konter mit Ippon-Nukite zum Kehlkopf. Mit Icky habe ich dann noch den Ashi-Barai versucht, um den Partner aus dem Gleichgewicht zu bringen, den Konter noch effektiver zu machen und noch näher an der Kata zu bleiben.

Eigentlich sollte es das dann schon gewesen sein, so dachte zumindest der Sensei kurzfristig, bis er auf die Uhr gesehen hatte und feststellte, dass er noch gut eine halbe Stunde Trainingszeit zu füllen hatte. Also ging es flugs an die nächste Bunkai-Kombination. Diesmal sollten wir die Sequenz unmittelbar vor dem ersten Kiai mit Partner trainieren. Ein Tsuki-Angriff wurde aus der Wendung mit Tate-Shuto-Uke geblockt. Dann folgte der Mae-Geri-Kekomi, Gyaku-Tsuki und im Ansetzen Oi-Tsuki. Für das Absetzen hatte sich julian aber noch etwas ganz besonders perfides ausgedacht: Wir sollten unseren rechten Fuß unmittelbar hinter der Ferse des vorderen Beins des Partners absetzen und ihn durch das Vorschieben des Knies und Unterschenkel zu Fall bringen. Der seitliche Druck auf den Unterschenkel des Partners hebelte ihn dann aus. Als durchaus schwierig gestaltete sich die Fixierung und der korrekte Ansatz für den Hebel. Aber an sich, erwies sich diese kleine, unscheinbare Bewegung als äußerst effektive Technik.

Um ein Gefühl für die Techniken zu bekommen, ließ uns Julian als Nächstes den Sprung am Partner trainieren. Mikazuki-Geri und anschließend Ushiro-Geri mit ständigem Bodenkontakt erwiesen sich als durchaus machbar. Eingesprungen sah es da schon ganz anders, obwohl wir im Prinzip nur die Hälfte der Rotation aus der Kata absolvieren mussten. Nach einigen zaghaften Versuchen gelang dann doch der ein oder andere eingesprungene Geri ganz passabel. Kontrolle, Zielgenauigkeit und technisch korrekte Ausführung bieten jedoch jedes für sich noch ein weites Feld für Verbesserungen!

Als letzte Bunkai-Übung beschäftigten wir uns wieder mit den Mawashi-Ukes und dem Ende der Kata. Der Verteidiger sollte mit Mawashi-Uke blocken, Teisho kontern, dann einen weiteren Angriff mit Age-Uke blocken und Gyaku-Tsuki kontern, bevor ein abschließender Mae-Geri mit Ryu-Yoko-Gedan-Barai beim Zurückgehen in die Yame-Position abgewehrt werden sollte. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten gelang uns auch diese Anwendung durch eine kleine Variation nahezu perfekt.

Abschließend liefen noch zweimal die Kata. Beim zweiten Mal ohne Kommando, getrennt nach Schwarzgurten und Farbgurten.

Wie zuvor in der ersten Einheit hatte Sensei Julian aber noch ein „Schmankerl“ zum Schluss: Aus einem hohen Kiba-Dachi sollten wir zunächst einmal einen Sprung rechtsherum um 90 Grad absolvieren, dann linksherum. Anschließend das Ganze jeweils um 180 Grad. Vermeintlicher Höhepunkt war dann der Sprung um 360 Grad je einmal links- und rechtsherum. Doch die Krone setzte dem Ganzen erst die letzte Forderung unseres Senseis auf: Im Sprung eine Drehung um 360 Grad und vor dem Aufsetzen auf dem Boden einen Rentsuki ausführen! Eigentlich ganz einfach, wenn man vom Springen, Drehen und Schlagen einmal absieht!

Diese „nette“ Übung setzte den Schlusspunkt unter einen denkwürdigen Lehrgang. Vielen Dank an Sensei Julian Chees, der uns durch seine freundliche und charismatische Art die Welt der Kata näher gebracht hat. Für die einen gab es viel Neues zu lernen und zu erfahren, für andere zahlreiche Details, mal größere, mal kleinere, an denen noch zu arbeiten ist. Auch unsere „Kumite-Icky“ ließ sich während des Lehrgangs dazu hinreißen, ihre Faszination für die Demonstrationen des Senseis zum Ausdruck zu bringen. Sie war von der Eleganz und Ästethik schier hin und weg! Und dass, wo sie mir doch immer wieder vorhält, dass Karate nur effektiv sein müsse und nicht gut aussehen! Aber effektiv war der Lehrgang ja auch: Er erwies sich als besonders nachhaltig. Zweimal zwei Stunden intensives Training zeigten ihre Wirkung. Abends auf dem Sofa war ich kaum noch in der Lage, auch nur einen Finger zu rühren. Und ich weiß, dass es nicht nur mir so ging!

Aber, es war ja „nur Kata, kein richtiges Karate“!