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Freitag, 26. Mai 2017

Kata Special Course 2017

In diesem Jahr hatten wir eigentlich vor, auf die Teilnahme am KS zu verzichten, da uns Wangen im Allgäu doch zu weit weg war. Als wir dann hörten, dass Kurihara Sensei geladen war, änderte dies für uns aber alles! Zu viel hatten wir von diesem brillanten Kata-Mann schon gesehen und gehört! Also war kurzfristig ein Zimmer im nahe Wangen gelegenen Dörfchen Kißlegg gebucht und der Termin eingetragen. Termin? Moment - am Abend stand schon was im Kalender "Foreigner Konzert in Düsseldort"....das bedeutete dann An- und Rückfahrt mit Konzert am Mittwoch - im Bett war ich um viertel vor 1 und habe dann knapp zwei Stunden geschlafen, da Torsten mich um 3 Uhr in der Nacht abgeholt hat. Schließlich wollten wir um 10 Uhr am Morgen bei Kurihara Sensei in der Reihe stehen! Vorteil war, dass wir ohne jeden Stau über die Bahn geflogen sind :-)

Kurihara Sensei lehrte uns die Unsu. Hier verwies er vor allem auf folgende Schwerpunkte:
- Tate Shuto Uke und Gyaku Tsuki: den Tate Shuto Uke mit Kime und nicht zu hastig ausführen, sonst wirkt es "geschlabbert"
- beim Anschließenden zu Boden Fallen diagonal über das vordere Knie sinken (nicht: vorderen Fuß zurück ziehen)
- Mawashi Geri: eigentlich nicht mit dem Becken hoch kommen, wenn man treffen will, muss man das aber (sagte auch Kurihara Sensei)
- bei der Wendung etwas vor und 45 Grad positionieren (hierzu gab es auch dann eine Partnerübung)
- beim Hochkommen in den Kiba Dachi Arme und Beine zeitgleich abschließen
- anschließend Hüfteinsatz beim ZK mit Ippon Nukite vorne und Teisho Uke (!) hinten
- Besonderen Wert legte der Sensei auf den häufigen Wechsel vom Fudo Dachi in den Zenkutsu Dachi in der Kata.
Es war einfach fantastisch, dem Sensei bei der Ausführung der Unsu zuzusehen! Soviel Präzision und Kraft! Wahnsinn!




Nach einer Mittagspause in der Sonne forderte uns Toribio Sensei mit einer erstklassigen Einheit zur Nijushiho:
Wir starteten mit einigen Runden Randori, im Wechsel mit vorbereitender Gymnastik.
Anschließend ging es mit dem Partner weiter in einer Gohon-Kumite-Übung: Angriff Tsuki Chudan, Abwehr rückwärts in KK mit Te Osae Uke (Beginn Nijushiho) und dies fünfmal. Nach dem fünften Mal Gyaku Tsuki, aber den anderen Arm nicht stehen lassen, sondern Hikite.
Als nächstes dann Konter mit dem anderen Arm in der Te-Osae-Uke-Position und anschließend den linken Ellenbogen zum Hebel ansetzen.
Dann gab es eine neue Kombination: Tori sollte jetzt links zurück gehen und zunächst mit Tsuki Jodan angreifen. Uke geht links zurück und führt den Angriff mit Jodan Age Empi seitlich am Ohr vorbei. Tori: Gyaku Tsuki und Uke gleitet ein Stück in den Angriff rein mit Jodan Soto Uke rechts, linken Arm dem Partner entgegen strecken. Dritter Angriff chudan Tsuki, der mit einem Gedan Barei geblockt wird, den Uke im leicht rausgleitenden KB ausführt.
Im folgenden wurde der letzte Tsuki durch einen Mae Geri ersetzt, den Tori hinten absetzen sollte. Ich entschied mich dafür, den Keri mit der Rückseite des Arms blocken, so war für mich der Block am wirkungsvollsten.
Dann gab es die Kata am Stück und Kata auf einer Linie, wobei die Techniken zum Teil nicht in der selben Richtung ausgeführt wurden, wie bei dem normalen Ablauf. Eine Drehung wurde z. B. beim Heito Uchi durch einen Schritt rückwärts ersetzt und so gab es zahlreiche Varianten. Das war recht anspruchsvoll, aber im Ende gut machbar und sehr interessant, zumal wir auch die Ausgangslage mehrere Male um 180 Grad drehten.
Zum Abschluss teilte Toribio Sensei die Gruppe in zwei Untergruppen aus: Gruppe 1 bildete einen Außenkreis am Hallenrand entlang, alle den Blick in dieselbe Richtung. Die andere Gruppe stellte sich innen daneben. Zunächst führten wir die Kata dann quasi im Kreis aus - alle in dieselbe Richtung. Im Folgenden drehte der Innenkreis sich anders herum und die Kreise bewegten sich entgegengesetzt.
Fazit: eine vielseitige Einheit mit spannenden Aufgaben!

Den Nachmittag und Abend verbrachtem wir zunächst in der hoteleigenen Sauna und anschließend in einem von außen recht unscheinbar aussehenden italienischen Restaurant (es sah irgendwie sogar geschlossen aus), das eine spitzenmäßige Küche hatte (Oktopustartar!). Auf dem Zimmer holte Torsten dann noch seine mitgebrachte Les Pauls heraus und wir jammten sicher noch eine Stunde Bon Jovi, BAP, Brian Adams und co., bevor wir tot in die Betten vielen!

Tag 2 begann mit einem köstlichen Frühstück im Hotel. An der Halle angekommen freuten wir uns auf eine Einheit mit Thomas Schulze Sensei, der mit uns die Meikyo trainierte. Eigentlich ist das keine Kata, die bei mir eine Vorfreude auslöst, aber ich trainiere sehr gerne bei Thomas Sensei und darum war ein interessanter und lehrreicher Vormittag garantiert.

Thomas übte mit uns einige Etappen der Kata. Er legte z. B. einen großen Schwerpunkt auf die Gleichzeitigkeit der Arme und Beine bei der ersten Bewegung. Bunkai gab es vor allem zu den Bo Ukes, die wir als Block- und Konter-Kombinationen anwandten. Auch zum Sprung gab es eine Anwendung. Zum Abschluss der Einheit ließ er uns mit einem Partner die Kata ausführen, wobei der Partner uns korrigieren sollte.

Nachdem wir am Mittag in örtlichen Geschäften für Essen und Trinken gesorgt hatten, ging es zur Einheit mit Julian Chees Sensei und der Gojushiho Sho.
Julian startete mit Kihon-Sequenzen: Oi Tsuki und Gyaku Tsuki mit Hüfteinsatz. Dann kam der Mae Geri dazu: Zur Förderung unseres Hiki Ashi sollten wir nach dem Zurückschnappen den Unterschenkel kurz festhalten. So ging es weiter mit zahlreichen Sequenzen aus der Kata.
In der Anwendung ließ uns Julian eine Sequenz am Anfang der Kata in zwei Richtungen üben.

Abends ging es in ein Lokal im Zentrum Wangens. Leckeres Essen und sehr nette Gesellschaft mit Petra und Fred Fritzel sowie Vladi. Ein kleiner Abstecher zum Festzelt konnte uns nicht zum Bleiben bewegen und wir sind dann zurück zum Hotel.

Samstagmorgen startete mit einer Einheit "Chinte" beim Chef! Die Chinte haben wir tatsächlich dreimal ausgeführt - ansonsten gab es das volle Shotokan-Kata-Programm, wie donnerstags im Arawashi Dojo! Die Bassai Dai sowie Heian Shodan und Niedan liefen wir (auch) ura!

Mittagspause im herrlichen Sonnenschein - bzw. möglichst im Schatten! Auch ein Eis auf die Hand saß drin, bevor uns Kurihara Sensei mit Sochin forderte. Die Sochin war (und ist?) ja seine Wettkampfkata,  so dass der Mann weiß, wovon er redet :-)

Wir starteten nach einem Warmup bei Michi Jarchau mit einigen Kihon-Vorübungen, bei denen es dem Sensei vor allem auf den Hüfteinsatz ankam. So machten wir z. B. Gyaku Tate Shuto Uke und Oi Tsuki, die Hüfte sollte vor dem Tsuki kurz gelockert werden, damit sie beim Tsuki wieder einrasten konnte.

Wichtige Aspekte zur Sochin:
- Startbewegung mit Beinbewegung über Neko Ashi Dachi denken
- rechten Arm "natürlich" hochstrecken, nicht übertreiben und nicht nach hinten zum Ausholen
- rechten Arm relativ grade fallen lassen, der Ellenbogen beugt sich so, dass die Faust nach innen zeigt. Nicht: Ellenbogen seitlich am Körper rausragen lassen. Die Faust zeigt zur Mittelachse und steht nicht in der Linie über dem hinteren Bein.
- Kurihara Sensei verwendete viel Zeit darauf, den Sochin Dachi zu erklären: man sollte ihn nicht über den Kiba Dachi entwickeln, sondern über den Zenkutsu Dachi. Das hintere Knie muss deutlich seitlich rausragen. Beim Hüfteinsatz bewegt sich das vordere Knie nicht.
- Wir übten viel "Vorgehen im Sochin Dachi mit Oi Tsuki und dann Gyaku Tsuki. Hier die Hüftbewegung beachten - der Oi Tsuki ist fast wie sonst Kizami Tsuki
- Nach den Yoko Geris darauf achten, dass wir beim Absetzen mit Empi nicht das Gewicht zu weit nach vorne nehmen, sondern so absetzen, dass der Sochin Dachi noch korrekt ist.
- Sehr interessant war Kurihara Senseis Erklärung zur ersten Drehung in KK mit Shuto Uke: Hier kann man wählen zwischen zwei Varianten des Hüfteinsatzes - einer "geschnittenen" und einer "starken", wenn ich das richtig verstanden habe. Bei der geschnittenen wird nach der Drehung die Hüfte zunächst grade gestellt und dann schnell ("schneidend") seitlich abgedreht (koshi gyaku kaiten). Bei der starken (koshi jun kaiten) Variante wird die Hüfte des nach der Drehung vorderen Beins durch kraftvolle Drehung des vorderen Oberschenkels arretiert. Hier gibt es nur eine Hüftbewegung. Die anderen Shuto Uke im KK sind alle "starke" Varianten. Kurihara verglich die "schneidende" Variante mit dem Auftakt und den großen Wendungen in der Heian Shodan.
- Die Armbewegungen bis zum ersten Kiai (Uraken und Jodan Uke mit Seitenwechsel) beschrieb Kurihara Sensei so, dass der Jodan Uke eng am Kopf sein muss, der Ellenbogen eher nach unten zeigt.
- Zum Mikazuki Geri nach dem ersten Kiai bestätigte Kurihara Sensei das, was wir bei Chubachi Sensei schon gehört hatten: Der Arm, in den der Mikazuki Geri tritt, ist nicht gestreckt, sondern angewinkelt und die Hand möglichst nah am eigenen Kopf.
- Bei den folgenden Uchi Ukes im Sochin Dachi wies Kurihara auf den korrekten Hüfteinsatz hin, den wohl nur wenige in der Gruppe richtig ausgeführt hatten: Die Hüfte bleibt beim Vorgehen grade, bis der Block folgt, dann wird sie stark ausgedreht.
- nach dem Mae Geri soll das Knie (natürlich, wir machen ja Shotokan ;-) ) oben bleiben. Danach soll der Fuß so langsam nach hinten gesetzt werden, wie die Arme für das Auseinanderziehen brauchen. Ich hatte hier Kirsten Manske als spitzenmäßiges Vorbild vor mir. Wahnsinn! So muss das!

Nach der Sauna kamen und Margot und Christian in Kißlegg besuchen und wir gingen ins Dolce Vita essen. Ein sehr schöner Ausklang des Tages!

Dienstag, 2. August 2016

Gasshuku 2016 in Konstanz - ein Pflichttermin!

Schnell stand in diesem Jahr fest, dass wir zum Gasshuku unseres Verbandes fahren! - Denn  Konstanz ist für meine Begriffe der schönste Austragungsort für dieses Karate-Event! Die Lage am Bodensee, die malerische Stadt mit ihren bunt verputzten Häuschen und nicht zuletzt die Tatsache, dass augenscheinlich wirklich jeder Karateka hier teilzunehmen scheint, machen die Gasshuku in Konstanz immer zu besonderen Ereignissen.

Vom Training her würde ich sagen, dass hier die Vielfalt der Trainerinnen und Trainer im Vordergrund steht (dieses Jahr hatten wir mit Hirayama Sensei tatsächlich einmal eine weibliche Instructorin dabei!) - und weniger ein einheitliches Karate-Konzept, dass sich - wie etwa beim Gasshuku in Tschechien - durch alle Einheiten zieht. Beim DJKB-Gasshuku haben die Karateka die Möglichkeit, viele verschiedene Senseis und Trainingsformen kennen zu lernen.

Wir starteten mit rund 600 Dan-Trägern (1.-3. Dan gemeinsam) am frühen Montagmorgen um 07.00 Uhr bei Shihan Ochi mit der Kata Gojushiho Sho. Das war schon super eng - aber diese Menge sollte sich so nicht wiederholen. Alle wollen halt gerne beim "Chef" trainieren und so sind seine Trainings eben immer besonders gut besucht.


Anschließend begeisterte uns die JKA-Instructorin Hirayama Yuko Sensei! Es ist sehr selten, dass eine weibliche Instructorin zu einem Gasshuku oder einem ähnlichen Karate-Event eingeladen wird. Nach meinem Wissensstand sind aktuell nur 3 Frauen als Instrucotrin beim Honbu Dojo der JKA in Tokyo beschäftigt (und 20 Männer). Wir waren also gespannt, was Sensei Hirayma uns vermitteln würde und auch, welche Art sie hat, uns zu unterrichten und mitzureißen. Zunächst wurden wir durch eine Fülle von Kihon Basics geleitet, von denen viele Torsten und mir bereits durch die vielen Lehrgänge bei anderen JKA-Instructoren bekannt waren - ach, eigentlich war uns das Meiste schon von Risto Sensei bekannt, der ja fast dieselben Schwerpunkte seit über 20 Jahren in Deutschland "an den Mann bringt". Neben Hirayama Senseis technischer Brillanz begeisterten mich ihr Charme und ihr Humor! Sie hat eine sehr erfrischende Art, unsere (falschen) Bewegungsmuster nachzuahmen, ohne verletzend zu wirken! Am Ende ließ sie uns noch einige Male die Bassai Dai ausführen - nach der aktuellen JKA-Zählweise, die offenbar noch nicht allen bekannt war. Zudem wies sie auch auf die aktuellsten Bewegungsmuster der JKA-Version hin. Ein tolles Training mit einer sehr sympathischen Trainerin, von der ich gerne mehr lernen möchte.



Am Nachmittag brachte uns Ochi Sensei noch einmal ordentlich zum Schwitzen: Mit zahlreichen - zum Teil recht ungewöhnlichen - Kihon-Kombinationen ging es los und dann wechselten wir zu Kihon-Kumite-Sequenzen, bei denen zu Beginn die Angriffstechniken bekannt waren - später dann der Angreifer den Abwehrenden "überraschen" durfte: Es wurde dann nur noch "1" oder "2" angesagt und dann kam entweder ein Jodan- oder Chudan-Tsuki. Schließlich ließ uns der Chef noch Jiyu-ippon-Kumite ausführen, bei dem ich zahlreiche herausfordernde Partner hatte. Die Einheit ließ auch Ochi Sensei mit der Bassai Dai ausklingen.

Tag zwei begann mit Kata-Training bei Thomas Schulze Sensei - wir übten die Chinte. Mir hat das Training super gefallen und es war ein genialer Start in den Tag! Da ich die Chinte bereits einige Male bei Thomas Sensei habe trainieren dürfen, kamen technisch keine Überraschungen vor.

In der zweiten Einheit begeisterte mich Keith Geyer Sensei. Beim Niederschreiben meiner Notizen habe ich überlegt, wie alt der Sensei sein möge. Anhand eines Interviews, welches er für das JKA-Magazin im Jahr 2014 gab, habe ich rückgeschlossen, dass der Sensei jetzt etwa 62 Jahre alt sein muss. Seine Power und sein Charisma lassen ihn in meinen Augen aber erheblich jünger wirken! Für mich war es das erste Training bei dem Wahl-Australier. Ich war gespannt und hatte im Vorfeld schon viel über seine Freude am Kumite-Training gehört.


Los ging es mit einem erweiterten Warm-Up:  im Shizen-Tai einmal um 180 Grad gegen den Uhrzeigersinn (anti clockwise) springen und links vor Gyaku Tsuki in ZK - und wieder in die Ausgangsposition (Gesicht Shomen-Seite)
- dann "clockwise" und Gyaku Tsuki rechts vor - Rest wie oben
Dann mit Partner: Rücken an Rücken mit etwa 1 m Platz dazwischen, dann beide anti clockwise und li vor Gy Ts (damit es nicht zu Knochenbrüchen an den Händen kam, sollten wir vorher vereinbaren, dass einer den Gy Ts etwas höher schlägt) und anders rum und dann mit re Gy Ts.
Dann weiter so: Beide li vor in Kamae, beide gleichzeitig Gyaku Tsuki, geschlagen mit rechts,  mit dem linken Bein vor (auch wieder einer höher schlagen...) und dann rückwärts drehend am Gy Ts Arm des anderen vorbei - erst links außen vorbei und beim zweiten Mal rechts dran vorbei.

Dann starteten wir mit einigen Kihon-Kombinationen und zwar so:
- aus Kamae vor mit Kizami-Gyaku-Tsuki, nächster Step: Kizami und für den Gyaku Tsuki die vordere Hüfte ein Stück zurück ziehen, dann Kizami Tsuki und mit Suri Ashi vor zum Gyaku Tsuki. In der Rückwärtsbewegung dasselbe.
- dann: zweimal vorgleiten mit Suri Ashi und beim zweiten Step Kizami, dasselbe mit Gyaku Tsuki - eine Bahn durch und auch rückwärts.
In der Folge haben wir diese Kombination (aber nur in einfacher Ausführung) an die anderen Kombinationen angehängt und alle vier nacheinander ausgeführt.
Weiter so:
- Vor mit Oi Tsuki, das hintere Bein 90 zur Seite raus in KK mit Shuto Uke, dann Bein wieder zurück nach hinten und Kizami Tsuki und dann wieder einen Schritt nach vorne und dasselbe mit der anderen Seite...
- Am Ende der Bahn rückwärts gehen mit KK Shuto Uke, das vordere Bein 90 rausstellen und Gyaku Tsuki in die andere Richtung (90 Grad zur Laufrichtung), dann das Bein wieder zurück in KK und Shuto Uke. (Ausgangsposition KK re vor, einen Schritt zurück, so dass das linke Bein vorne ist; linkes Bein jetzt nach links 90 Grad raus und den Gy Ts nach rechts (von der Laufrichtung aus gesehen), dann wieder zurück, so dass das linke Bein wieder vorne ist).

Weiter gings mit Kumite: Angriff Kizami Tsuki - Block mit der vorderen Hand nach außen, Konter Kizami Tsuki - 5 Mal, dann Angriff Gy Ts Jodan, Block mit der hinteren Hand  Hand nach außen - Konter mit derselben Hand Gyaku Tsuki (5 Mal) - Dann Angriff mit Kizami Tsuki und anschließend Oi Tsuki - der Partner blockt entsprechend. So ging es zweimal vorwärts, dann war der andere dran.

Variante: Tori greift an mit Oi Tsuki, Uke blockt mit Gedan Barei, Konter mit demselben Arm Uraken. Im nächsten Durchgang sollte der Angreifer nach dem Gyaku Tsuki sofort einen Uraken mit demselben Arm platzieren. Und dann sollten wir uns schließlich mit dem Uraken abwechseln - also erst der Abwehrende, dann der Angreifende und nochmal im Wechsel.

Zum Ausklang gab es noch einmal die Chinte. Sensei Keith Geyer war sehr beeindruckt von der Menge an Karateka in seiner Einheit! Er sagte, niemand in Australien würde es ihm glauben, wenn er erzählte, dass so viele Trainierende ab 3. Dan bei ihm trainiert hätten! Darum bat er noch um ein gemeinsames Foto - ein Wunsch, den wir ihm gerne erfüllten.



Das Training war sehr körperbetont und stellte hohe Anforderungen an die Konzentration und an unser Zanshin. Ich war sehr froh, mit Andreas Kurowski einen herausfordernden Trainingspartner gehabt zu haben! Und so anstrengend das Training auch war - es gab zwar ein paar blaue Flecke, ansonsten war ich nach der Einheit aber noch sehr fit, was die Knochen und Gelenke anging. Ähnlich ging es mir auch nach dem Training von Hirayama Sensei - ich muss in den nächsten Monaten mal ergründen, woran das liegt.

Nach einer kleinen Siesta erwartete uns dann ein weiteres Power-Training - die Einheit am Nachmittag gehörte Toribio Osterkamp Sensei!

Wir starteten mit ziemlich anspruchsvollen Gohon-Kumite-Geschichten: Es ging "harmlos" los mit fünf Angriffen Oi Tsuki Jodan. Eine kleine Abweichung vom "Klassiker" gab es schon dadurch, dass der Abwehrende zuerst mit links zurück gehen sollte, so dass man nach der ersten Aktion nicht spiegelgleich voreinander stand. Es ging dann zweimal vorwärts, dann kam der Angriffsimpuls vom bisher Abwehrenden, der den Angreifer jetzt einen Schritt zurück scheuchte. Anschließend übernahm der erste Angreifer wieder das Zepter und ging noch mal zwei Schritte vor. Dieses Muster behielten wir dann eine ganze Weile bei - mit verschiedenen Angriffen, z. B. Tsuki chudan, Ren Tsuki (Block mit Age Uke, selber Arm Gedan Barei), Sanbon Tsuki (Age Uke, Soto Uke, Gedan Barei - alles mit demselben Arm), Mae Geri und anschließend Mae Geri / Gyaku Tsuki. Mae Geri mit Haiwan Nagashi Uke geblockt - den Gyaku Tsuki hat man "kassiert" bzw. der Abwehrende sollte seinen Gyaku Tsuki quasi deae mit dem des Angreifers setzen.

Mit diesen Kombinationen beschäftigte Toribio Sensei uns eine gute Stunde lang. Anschließend teilte er die Gruppe auf: zunächst in zwei Gruppen, von denen die eine in die Shomen-Hälfte der Halle geschickt wurde, die andere sollte in der "Ausgangsseite" Aufstellung nehmen. Die Gruppenmitglieder standen je mit dem Rücken an der jeweiligen Hallenwand. Von jeder Gruppe wurden etwa 10 Karateka ausgewählt, die sich mit dem Gesicht zu ihrer Gruppe stellen sollten, über die gesamte Hallenbreite verteilt. Diese wurden von Toribio die "Champions" genannt. Aus dem Rest der Gruppe sollte sich zu jedem Champion jetzt ein "Herausforderer" gesellen, der nach dem Angrüßen der Kontrahenten eine Sentei Kata ansagte, die beide anschließend ausführen sollten. Danach wandten sich die beiden Karateka einander zu und führten Jiyu-Ippon-Kumite aus: Angriffe Kizami-Tsuki, Gyaku Tsuki, Mae Geri, Mawashi Geri und Yoko Geri, Angreifer sollte jeweils der Herausforderer sein, der Champion sollte nur blocken und kontern. Nach dem Kampf wurde der Herausforderer zum Champion und der Champion ging zurück zur Gruppe, ein neuer Herausforderer eilte daraufhin schnell an die Stelle des bisherigen.
Das Ganze erhielt anschließend dadurch eine Steigerung, dass die erste Kata Runde immer Hikiwake, also unentschieden war! Also: dieselbe Kata nochmal!

Nach diesem herrlichen Kata- und Kumite-Shiai stellten wir uns wieder in unseren ursprünglichen Reihen auf. Wir führten jetzt - jeweils unterbrochen von einer guten Runde Freikampf - alle Sentei Kata aus. Der Wechsel von Kata und Kumite ist für mich immer besonders spannend, da man dort noch einmal einen besonderen Kampfgeist für die Kata schärfen kann.

Es war ein hammergeiles Training - aber einen Spruch wie "und ich hätte noch stundenlang so weitermachen können" spare ich mir mal lieber, denn das war schon echt gut anstrengend und ich war sehr froh, dass Toribio Sensei uns zum Abschluss nochmal auslockern und uns gegenseitig ausklopfen ließ! Jetzt freue ich mich auf eine erholsame Nacht und auf Tag 3 des bisher spitzenmäßigen Gasshuku 2016!

An Tag 3 kam nach zwei euphorischen Trainingstagen für mich persönlich die Ernüchterung: Zunächst fiel mir bei Risto und der Kata Sochin wieder ein, was ich alles verkehrt mache - und wie es eigentlich richtig geht! Abgesehen davon: Ein super Training - wie immer bei Risto - und eine tolle Kata! 

Anschließend ging es bei Thomas Schulze Sensei weiter, der mit uns in einer fantastischen Trainingseinheit mit viel Kontakt-Kumite "nur" Kizami-Tsuki / Gyaku-Tsuki übte - wirklich ABSOLUTE Basistechniken! Tausendmal gemacht und im Grunde auch absolut mein Ding! Aber irgendwie war ich zu verkopft und konnte nicht richtig "fließen lassen" - komisch...je schlichter die Technikfolge und je mehr Fokus auf die einzelne Technik, desto blockierter wurde ich. Ich wollte es einfach ganz richtig machen.... Vielleicht war ich nicht die Einzige, denn nach einer Weile gab Thomas uns "mentalen Input" und wies uns an, die Technik im Geiste "schon im Ziel zu sehen" - und dann wurde es auch bei mir etwas lockerer. Zum Abschluss gab es eine Übung, die Thomas Sensei auch schonmal beim Samurai Spirit hat machen lassen: Beide voreinander im Shizen Tai und dann beide gleichzeitig je Age Uke und Soto Uke zu beiden Seiten rausgedreht und gekontert mit Gyaku Tsuki, einmal Nagashi Uke und dann zur anderen Seite Gedan Barei "gerutscht". Das fluppte dann schon wieder besser und ich konnte mit meinem Trainingspartner Andreas Kurowski wieder richtig ballern. 

Der Mittwochnachmittag ist traditionsgemäß trainingsfrei. Torsten und ich nutzten die Gelegenheit, Europas größten Wasserfall, dem Rheinfall von Schaffhausen, anzusteuern. Wir konnten den Fall zu Fuß halb umrunden und dann sogar mit einem Boot fast mitten rein fahren :-) Es war super schön und durch die viele Gicht auch erfrischend. Gleichwohl sprangen wir nach unserer Rückkehr in Konstanz gleich noch einmal direkt in den Rhein und nahmen dort ein kühles Bad, bevor wir den Abend beim Asiaten ausklingen ließen. 




Donnerstag, vorletzter Trainingstag, Tag vor der Prüfung. Wir starteten mit Keith Geyer Sensei und einem Training zur Nijushiho. Der Sensei hatte viele Partnerübungen für uns im Gepäck und verging die Einheit wie im Fluge. Direkt nach der einstündigen Pause standen wir dann wieder Keith Geyer Sensei gegenüber. Nach dem Aufwärmtraining durch Jürgen Hinterweller startete auch der Sensei mit weiteren Warmup-Übungen: 
Die Gruppe wurde unterteilt - eine Hälfte mit dem Rücken zur Shomenseite, die andere mit Rücken an der Ausgangsseite. Dann sollten wir uns, li vor im Kamae stehend, je einen Step vor mit Kizami Tsuki, Suri Ashi Gyaku Tsuki, einen Schritt vor mit Kizami, Suri Ashi Gyku Tsuki usw. von einer Hallenseite zur anderen bewegen - genau zwischen den anderen durch, die uns ja entgegen kamen.
Im nächsten Durchgang sollten wir nur mit Gyaku Tsuki vorgehen und nach jedem Gy Ts die Auslage wechseln. 
Nach diesem Training absolvierte ich direkt im Anschluss noch eine Einheit bei Ochi Sensei. Ich muss gestehen, dass das dann auch echt grenzwertig war! So hatte ich zwar um 12 Uhr trainingsfrei, aber selbst der Nachmittag in der Saunalandschaft und das Bad im Bodensee konnte mich nicht vollständig regenerieren! 
Am Abend konnten wir dann in der voll besetzten Halle einige Kata-Demos und die Vergleichskämpfe Deutschland-Tschechien ansehen.  

Wenn man die Unsu als die Königin aller Kata bezeichnet, dann war das Training am Freitagmorgen  ganz sicher majestätisch Toribio Sensei stellte uns nach einigen klassischen Durchgängen die "Unsu, Version Konstanz 2016" vor, deren Enbusen lediglich auf einer Linie vor und zurück verläuft. Obgleich diese Übung schon anspruchsvoll war, schaffte Toribio Sensei es, noch zwei interessante Bunkai-Sequenzen einzubauen! 
Erste Sequenz: Tori rechts vor, mit links Mae Geri treten, Uke geht mit dem linken Fuß zurück in KB und blockt mit rechts Gedan Shuto Uchi. Tori setzt mit Tsuki im Stand nach, Tori dreht sich auf dem linken Bein hinten rum und blockt mit Jodan Shuto Uchi. 
Nächste Sequenz: (Position vor der letzten Wendung in Age Uke mit Gyaku Tsuki) Uke steht rechts vor, den Rücken Tori zugewandt. Tori steht links vor, greift an mit Oi Tsuki rechts, Uke dreht sich links rum um und blockt den Tsuki mit der Ausholbewegung des Age Uke (rechter Arm), den linken (Age-Uke-)Arm dann zwischen dem Tsuki-Arm und dem Hals des Tori durchschieben und den Nacken fassen. Rechten Fuß hinten wegsetzen und dadurch den Tori zu Fall bringen, Tsuki nachsetzen. 
Das war ein schöner Start in den Tag, der locker über den vielen Regen hinweg tröstet! Ich hoffe, dass der Tag so positiv weitergeht und endet

Die zweite Einheit bei Hirayama Sensei muss wieder erstklassig gewesen sein! Leider habe ich sie - ebenso wie die Einheit bei Julian Chees Sensei meiner Dan-Prüfung geopfert. Julian Sensei hatte die Gruppe ab 3. Dan 90 Minuten mit anspruchsvollem Bunkai zur Kata Heian Shodan beschäftigt und begeistert! Hirayama Sensei hatte eine schöne Kumite-Übung, die mir Torsten gezeigt hat: Angriff mit links  Kizami Tsuki, der andere blockt und kontert Gyaku Tsuki. Der erste Angreifer hatte gleich nach dem Kizami das hintere (rechte) Bein rangezogen und drückt sich jetzt 45 Grad von dem Bein ab, so dass er jetzt rechts vor steht und den Gyaku Tsuki mit rechts Gedan Barei blocken konnte, Konter mit Gyaku Tsuki.  

Ich selber traf mich ab 11 Uhr mit Pascal Senn, Thomas Kölling und Heiko Seifermann in der Kaderhalle und lief dort alle Kata mehrfach noch einmal durch - begutachtet von einer Handvoll Kaderatlethen, die am Hallenrand auf einer Bank saßen und ihre Kommentare zu unseren Vorführungen zum Besten gaben! Gegen 13.30 Uhr ging es dann zur Prüfungshalle. Die Prüfungen waren leicht im Verzug, so das ich um kurz nach 15 Uhr mit 7 weiteren Karateka vor Ochi antreten konnte. Nach dem anspruchsvollen Kihon-Programm gab es Kumite. Hier sollten wir zunächst eine Runde Jiyu Ippon Kumite ausführen und dann drei Runden Freikampf. Abgesehen von einem leichten Jodan-Kontakt, bei dem ich zum Glück nicht weiter verletzt wurde, ging alles gut über die Bühne. Danach kamen die Kür-Kata, die alle Teilnehmer unserer Gruppe fehlerfrei vortrugen. Anschließend ließ uns Ochi Sensei noch die Bassai Dai, Hangetsu und Heian Yondan ausführen - da kamen wir wirklich sehr gut weg! Vor der Tür erwartete mich schon mein Katamann, der in der Ferienwohnung schon mal einen Sekt kalt gestellt und etwas Schweizer Schokolade zur Stärkung besorgt hatte. Den Abend ließen wir dann nach der Urkundenübergabe nach einem Essen auf der Lehrgangsparty mit vielen Freunden und Bombenstimmung ausklingen. 

Fazit: Ein super Gasshuku! Tolle Trainer, super Ambiente! Immer wieder! :-)   

Mittwoch, 1. Juli 2015

Czech Gasshuku 2015 in Prachatice

Die doch recht lange Anfahrt lohnte sich schnell beim Anblick der wunderbaren Landschaft in und um Prachatice! Das ist doch kein Vergleich zum Czech-Gasshuku-Ort in Sporice letztes Jahr! Wunderschön! Zusammen mit unserer Karatefreundin Margot machten Tosten und ich am Abend erstmal einen kleinen Rundgang durch den Ort und trafen natürlich an jeder Ecke auf bekannte Karateka! In einem Restaurant gesellten wir uns zu einer Gruppe und aßen dort zu Abend.

Am ersten Morgen hatten wir dann das Vergnügen bei Sensei Richard Ruzicka zu trainieren, einem exzellenten tschechischen Karateka, der u. a. in 2014 Europameister war. Zunächst gab es eine Übung zum korrekten Hüfteinsatz, die sehr banal wirkte, es aber dann doch irgendwie in sich hatte! Wir starteten im Shizen Tai mit der klassischen Hüft-Rotation im Stand. Die meisten von uns hatten hierbei den Oberkörper locker und die Arme unbeteiligt gelassen. Als nächstes sollten wir die Arme in Kamae-haltung nehmen und die Ellenbogen jetzt analog zur Hüfte bewegen. Schließlich sollten wir die Ellenbogen durch den Hüft-Kick strecken und die Faust nach vorne schießen lassen. Dies ein-, zwei- oder dreimal hintereinander - wir sollten darauf "hören", was uns die Hüfte vorgibt. Klingt einfach - war es aber nicht. Am besten gelang es mir, wenn ich mich darauf konzentrierte, dass "die Hüfte im Oberschenkel" liegt.

Als der Sensei mit uns hinsichtlich dieser Übung einigermaßen zufrieden war, führten wir die Bassai Dai aus. Die Stunde war da schon etwa halb herum - aber dennoch gelang es Richard, uns auf zahlreiche Feinheiten hinzuweisen: Dass wir den zuvor geübten Hüfteinsatz bewusster ausführen sollten, versteht sich von selbst - ebenso die Gleichzeitigkeit der Bewegungen von Hüfte und Ellenbogen. Interessant war die Ausführung des Nagashi Uke und des fünften Soto Uke mit der Drehung nach rechts - Richard wies uns an, den Nagashi Uke nicht mit zu viel Kime auszuführen, also nicht mit geschlossenen Füßen die Blocktechnik zu stoppen. Wir sollten vielmehr mit den Beinen rechts zur Seite gleiten - also quasi "fließend am Standbein vorbei" - habe ich das nicht schonmal irgendwo gehört? :-) Wichtig war dem Sensei zudem auch, dass wir nach dem Gedan Nukite nicht zu lange warten, sondern auch dort nach einer ganz kurzen Kime Phase wieder rauskommen und uns aufrichten. Bei der nachfolgenden Wendung sollten wir darauf achten, die hintere Schulter möglichst spät zu bewegen und dann den rechten Arm nicht als Gedan Barei auszuführen, sondern als Otoshi Uke, also nicht mehr am Ohr ausholen, sondern direkt von oben nach unten schlagen. Beim Yama Tsuki sollten wir  darauf achten, dass nicht nur die Arme nach vorne geworfen werden, sondern auch hier der Impuls aus der Hüfte kommt, der ganze Körper eingesetzt wird.

Die Einheit war technik-fokussiert und bot so rein konditionell keine Herausforderung. Ob sich das in Einheit zwei ändern würde? Ich kann mich noch gut an das Czech Gasshuku im vergangenen Jahr erinnern: Hier wurden wir an den ersten beiden Tagen so lang gemacht, dass ich dachte, ich übersteh' die Woche nicht! Die weiteren Trainingstage waren dann allerdings erheblich "entspannter"!

In der zweiten Einheit hatten wir Okuma Sensei. Der sympathische Japaner begeistert mich immer wieder! "We do Taiykoku Shodan", begrüßte er uns. Da diese Kata eigentlich in den Anfängerbereich gehört, dachten sich wohl schon die meisten von uns, dass die Kata hier nur ein Mittel zum Zweck sein würde! Schließlich hatten wir auch bereits bei Naka Sensei und auch bei den Senseis Nakayama und Heselton die Heian Shodan zur Übung bestimmter Schwerpunkte genutzt! Und so war es auch hier: Nachdem wir den einfachen Ablauf zweimal durchexerziert hatten, wies uns Okuma Sensei an, nicht mit dem linken Bein links seitlich raus zu starten, sondern mit dem rechten Bein zurück nach rechts raus in ZK (mit Blick aber nach links, wie gewohnt). Bei jeder Wendung sollten wir so verfahren, wobei (nicht nur) mir bei den folgenden Wendungen manchmal etwas durcheinander ging! :-)

Im Folgenden versuchten wir uns dann an diesen Übungsvariationen:
- den Übergang vom Gedan Barei zum Oi Tsuki fließender - ohne abgehackten Stopp zwischen den Positionen
- Start nicht mit Gedan Barei, sondern rechten Fuß nach rechts hinten gleiten mit Uraken, dann überlaufenen Gyaku Tsuki (NICHT: Oi Tsuki, auch wenn das hier häufig verwechselt wurde!), im Stand Kizami Tsuki, vor mit Gyaku Tsuki - hier bestand schnell mal die Gefahr, dass man mit dem falschen Bein vorne stand, weil man einen Schritt vergaß
- Start nicht mit Gedan Barei oder Uraken, sondern mit dem rechten Fuß wieder kurz nach rechts steppen und das Gewicht verlagern, um mit dem vorderen Bein Mawashi Geri zu treten, dann .....?
- Schließlich wurde der Schwierigkeitsgrad etwas zurückgeschraubt und wir machten Kizami Mawashi Geri und nachfolgend Mae Geri mit dem hinteren Bein

Ich hatte bei dieser Einheit das spezielle Vergnügen, mich genau zwischen den beiden Top-Karatekas Giovanni Macchitella und Emanuele Bisceglie zu befinden, die die Übung ausführten, als hätten sie die letzten 20 Jahre nichts anderes gemacht und - sich gegenseitig anfeuernd - mit einem sichtlichen Spaß zur Sache gingen!

Da Okuma Sensei zu Beginn der Einheit voraussagte, dass wir auch Kumite machen würden, hätte ich wetten können, dass wir aus den Richtungswechseln der Kata in Verbindung mit der geübten Gewichtsverlagerung eine Okuri-Kumite-Geschichte entwickeln würden. Vielleicht war es auch nur der zum Ende der Einheit knapp werdenden Zeit geschuldet, dass es nicht dazu kam, sondern wir nur mit einem Partner folgende Übungen machten:

A steht im Kamae, B steht seitlich zu A, ihm die linke Schulter zuwendend, Bewegung also nach links ausgerichtet, wie zu Beginn der Kata; B berührt ein-, zweimal mit der offenen Hand die vordere Faust des A und steppt mit dem linken Fuß in Richtung A. Dann führt B mit rechts einen überlaufenen Gyaku Tsuki aus und überrent A dabei quasi.

Als nächstes sollte A mit Kizami angreifen, B blockt den Kizami nach unten weg und kontert mit dem überlaufenen Gyaku Tsuki. Als Variante sollten wir versuchen, beim Konter ein wenig aus der Achse zu gehen, also uns leicht nach rechts zu bewegen. Wir sollten bei dieser Übung ganz extrem darauf achten, dass der vordere Fuß sich nicht von der Stelle bewegt, wir beim Block des Kizami nur unser Gewicht nach hinten verlagern ("Kokotsu Dachi") und dann wieder nach vorne ("Zenkutsu Dachi"). Ich persönlich fand es irre schwer, den Kizami nach unten zu blocken, da ich ja meist Partner habe, die größer sind als ich. Aber wenn man den Kizami mit Soto Uke Jodan wegwischte, passte der überlaufene Gyaku Tsuki nicht mehr. Da man bei dieser Übung sehr nah an den Partner ran kommt, erforderte der Konter ein Höchstmaß an Kontrolle bzw. der Tsuki konnte oft nicht ganz ausgeführt werden.

Die Einheit hatte es also in mancher Hinsicht in sich. Dadurch, dass sie von vorne bis hinten didaktisch erstklassig durchstrukturiert war, wurden wir aber sehr gut durch die Übungen geführt.

Das zweite Training am Nachmittag hatte ich meiner Knie-Gesundheit geopfert und mich sehr geärgert, als ich hörte, dass Naka Sensei die Gruppe mit herausfordernden Übungen zum Kochen gebracht hatte. Wie gerne wäre ich dabei gewesen! Aber es war sicher gut, vernünftig zu sein und auf diese Einheit zu verzichten, denn am nächsten Morgen konnte ich voller Elan und mit Vollgas zum Katatraining gehen.

Tag 2:
Es erwartete uns Chubachi Sensei, der mit uns die Sochin durch ging. Der erst 28 Jahre alte JKA-Instructor beeindruckt zunächst einmal äußerlich, da ihm die oberen Schneidezähne fehlen. Dies zeugt augenscheinlich von großem Kampfgeist und ich hörte aus meiner Trainingsgruppe, dass diese Zähne wohl bei einem World-Cup-Wettkampf geopfert wurden: Nach einem Jodan-Treffer sah der Arzt nach dem Rechten - Chubachi Sensei griff in den Mund, zog einen Zahn heraus, warf ihn weg - und kämpfte weiter! Hart im Nehmen, also, und ein Kumite-Mann durch und durch - so waren wir natürlich gespannt auf sein Kata-Training.

Wir gingen die Kata zunächst einige Male am Stück durch und anschließend in Etappen. Chubachi Sensei legte Wert auf verschiedene Aspekte, die uns im Grunde aber nicht neu waren: rechten Arm am Anfang der Kata ganz hoch heben und nicht nur auf Stirnhöhe; beim Ren-Tsuki jeden Tsuki gleich stark und mit vollem Hikite ausführen, das Bein nach den Yoko Geris nicht abfallen lassen, sondern die Zehen vor schieben und durch die Streckung des hinteren Beins den Empi in den anderen Arm schlagen - mit Einsatz des ganzen Körpers und nicht nur an die Arme denken. Einen besonderen Schwerpunkt legte der Sensei auf die Armhaltung beim ersten Kiai: Der Heiwan Nagashi Uke links sollte nicht mit der Faustrückseite nach außen ausgeführt werden, sondern die Knöchel sollten nach oben zeigen, der Ellenbogen sollte eng am Körper geführt sein und nach unten zeigen; auch der rechte Ellenbogen sollte bei der Ausholbewegung eng am Körper geführt sein. Eine große Herausforderung war wohl für die meisten von uns die Armhaltung bei der nun anschließenden Wendung: Der Arm mit der geöffneten Hand, die den Mikazuki Geri empfangen soll, wird nicht gestreckt, sondern im rechten Winkel gehalten, die Hand nach oben zeigend. Dies erfordert natürlich jetzt eine größere Gelenkigkeit und Anstrengung, wenn man mit dem Fuß die Hand treffen will! Ohauaha! Am Ende der Kata wies uns der Sensei darauf hin, dass wir nach dem Keri das Knie oben halten und langsam mit dem gezogenen Chudan Tsuki absetzen sollen, bevor wir abschließend mit dem Ren Tsuki explodieren. Insgesamt nicht viel Neues, aber ein sehr schönes Training, tolle Kata und sympathischer Trainer!

Zweite Einheit: Naka Sensei! Endlich hatte auch ich das Vergnügen! Wir starteten mit einer interessanten Tsuki-Übung: die Fäuste treffen sich beim Faustwechsel in der Mitte, dann geht die Faust, die bis zur Mitte nach vorne kam, wieder zurück, um dann wieder nach vorne zu stoßen. Dies machten wir in verschieden Tempi und Intensitäten. Anschließend gab es Tsukis mit hoch gezogenem Knie. Hier war es natürlich nicht ganz einfach, die Balance zu halten! Der Schwerpunkt musste unbedingt tief bleiben! Diese Technik bauten wir dann in die Taikyoku Shodan ein: Gedan Barei nach links, Schritt vor mit Oi Tsuki rechts, dabei das linke Knie angehoben, Wechsel um 180 Grad nach rechts mit Gedan Barei, Oi Tsuki vor mit links Tsuki, rechtes Knie hoch gehoben, Wechsel zur Shomen Seite mit Gedan Barei links, rechts vor Tsuki mit linkem Knie angehoben und so weiter die ganze Kata durch. Schließlich haben wir dann die Tsuki-Knie-Kombination auf den kurzen Bahnen je einmal und auf den langen je dreimal ausgeführt. Naka Sensei wies immer wieder darauf hin, dass dies alles Vorübungen fürs Kumite seien und demonstrierte das auch mehrfach durch Vorwärtsbewegungen mit verschiedenen Tsuki-Variationen. Unfassbar, wie schnell der Mann ist! Wow!

Nach einer kurzen Pause setzten auch wir das dann in Kumite-Bewegungen aus Kamae um: vor mit Kizami Tsuki / Gyaku Tsuki - Oi Tsuki -Gyaku Tsuki, Oi Tsuki - Gyaku Tsuki

Dann wurden wir in Gruppen zu zehn Personen aufgeteilt - fünf von uns sollten sich versetzt gegenüber aufstellen, Gesicht je 45 Grad zur Mitte. Einer von uns begann beim ersten "Posten" und griff diesen mit Kizami Tsuki - Gyaku Tsuki an. Zum nächsten Posten ging es dann weiter mit Oi Tsuki - Gyaku Tsuki und hiermit auch weiter die ganze Bahn durch. Ich hatte eine tolle Gruppe mit Torsten, Mukki, Giovanni, Emanuele, Melissa und weiteren tollen Karateka, mit denen man richtig auf Touren kam! Einfach mal wieder in einen schönen Karaterausch abtauchen! Herrlich! :-)

Danach ging es wieder partnerweise zusammen und wir sollten immer je nach Distanz zum Partner entweder "kurz" mit Kizami Tsuki - Gyaku Tsuki angreifen oder lang mit Oi Tsuki - Gyaku Tsuki. Der Partner setzte den Impuls: Er ging vor oder zurück und sobald er in Kamae ging, musste der Aktive reagieren. Das war verdammt schwer und Torsten und ich überlegten, ob wir nicht im Kumite sowieso zu langsam sind für einen Oi Tsuki....however....Naka Sensei ist es nicht, das steht fest :-)

Am Ende gab es noch einige Male Jion und auch hier wurde aus der Bahn mit den Age Ue - Gyaku Tsuki bzw. Oi Tsuki eine Kihon-Kombination entwickelt.

Ich ärgerte mich etwas, als ich hörte, dass die dritte Einheit des Tages bei Okuma Sensei sich überwiegend mit Tekki 1 und 2 beschäftige und ich sie wohl gut hätte mitmachen können. Aber ich hatte sie wieder einer intensiven Regeneration geopfert. Insgesamt ist festzustellen, dass sich die Trainer sehr viel Mühe geben, die Trainings wetterangepasst abzuhalten. Kreislaufbelastende Trainingsphasen kommen in unserer Gruppe so gut wie gar nicht vor. Im Grunde schade, dass es bis jetzt nicht richtig anstrengend war - aber bei der Witterung vielleicht ganz vernünftig. Jedenfalls hatte Okuma Sensei auch angekündigt, dass in der nächsten Einheit Tekki Sandan dran sei und darauf konnte ich mich ja schonmal freuen.

Tag 3:
Kata bei Naka Sensei - ich hatte im Vorraum der Turnhalle schon herum gewitzelt, dass doch heute mit Sicherheit die Kata Chinte dran sei, auch wenn ich mit meinem ewigen Chinte-Wunsch natürlich mal wieder ausgelacht wurde. Aber es geschehen tatsächlich noch Wunder und mein Wunsch wurde erhört. Naka Sensei hatte einige Neuheiten für uns in petto – aber das Überraschendste für mich – und wohl auch viele andere war, dass das erste Kiai „verlegt“ wurde! Das Kiai vor der Wendung in Kokotsu Dachi entfällt, dafür wird der letzte Tate Tsuki jetzt mit Kiai betont. Offenbar wird diese Variante in Japan schon seit einigen Jahren so gelehrt und praktiziert – bis zu uns nach Deutschland hatte sie es aber noch nicht geschafft.


Das erste Kiai ist jetzt also auf dem Hasami Tsuki und die Technik davor wird jetzte als Ryu Yoko Gedan Barei ausgeführt.

Wie wir schon von Andreas Klein wussten, sind die Nihon Nukites mit einer Aufwärtsbewegung auszuführen und wie Andreas es uns als Anwendung erklärte, so wird es jetzt wohl auch in der Ausführung praktiziert: Der Daumen wird seitlich des Zeigefingers angelegt (nicht quer vor Zeige- und Mittelfinger) und gebeugt. Die Ring- und kleiner Finger werden angelegt, Zeige- und Mittelfinger werden möglichst weit gestreckt. Nach den Nihon Nukites geht es ja weiter mit der Drehung nach links und den beiden Teisho Ukes. Wir hatten uns in den letzten Monaten hier vor der  Ausführung des ersten Teisho eine Ausholbewegung mit der linken Hand angewöhnt. Diese soll jetzt komplett entfallen. Es geht nur der rechte Arm direkt vom Nihon Nukite in den Teisho, dann folgt der andere Handballen.

Es war viel Neues und die Sache mit dem Kiai war recht verwirrend für viele. Aber Naka Senseis Erklärungen waren wie immer motivierend und überzeugend!

In der zweiten Einheit hatten wir Chubachi Sensei. Ich mag sein Training sehr – auch wenn ihm offenbar noch ein bisschen die Übung und Erfahrung beim Training mit größeren Gruppen fehlt. So ließ er uns z. B. nicht zusammen nach vorne kommen, wenn er etwas erklären wollte. Leider dachten auch nicht alle Trainierenden in den vorderen Reihen daran, sich abzusetzen, so dass von hinten manchmal kaum etwas zu sehen und zu hören war. Gelegentlich hatten wir ihm auch grade in einer Übung alle den Rücken zu gekehrt, als er mit einer Erklärung ansetzte und wir mussten versuchen, über die Schultern einen Blick zu erheischen.

Er startete mit uns mit Kihon-Übungen und zwar einem Wechsel vom Kokotsu Dachi mit Tate Shuto Uke in ZK mit Gyaku Tsuki. Hierbei kam es ihm in erster Linie wohl nicht so sehr auf korrekte Stände an, sondern eher auf die Gewichtsverlagerung. Wir übten dies pro Seite je 30 Mal mit steigender Intensität. Anschließend stellten wir uns mit der linken Schulter zu Shomen Seite, dann aus der Shizen Tai Position mit dem linken Bein nach links in den ZK mit Gyaku Tsuki gleiten, dasselbe dann auch mit rechts. Schließlich übten wir noch Mae Geri aus dem ZK heraus, Absetzen in KK mit Gedan Barei und dann wieder Gewichtsverlagerung in ZK mit Gyaku Tsuki. Nach dieser Kombination war es dann keine große Überraschung, als wir anschließend die Kanku Dai übten! Wir führten sie Stück für Stück aus und der Sensei erklärte seine Schwerpunkte anhand der einzelnen Sequenzen: Am Anfang der Kata sollten wir beim Anheben der Hände nicht nur den Blick mitnehmen, sondern den ganzen Kopf. Wir sollten die Hände dann schnell öffnen und langsamer zusammen führen. Sehr intensiv übten wir die Passage nach der zweiten Uchi-Uke-Tsuki-Kombination (Drehung und mit Morote-Ura-Tsuki zu Boden gehen) sowie den nachfolgenden Kokotsu Dachi mit Shuto Uke – selbstverständlich mit Fokus darauf, beim Kokotsu Dachi nicht hoch zu kommen.

In der dritten Einheit machte Okuma Sensei mit uns dann tatsächlich Tekki I und II sowie Tekki Sandan. Okuma Sensei betonte den Wert der drei Tekki Katas, da die korrekte Ausführung einschließlich Hüfteinsatz die Körpermitte, das Hara, stärke. Er erzählte uns, dass er persönlich zuweilen im Kiba Dachi stehend und ohne Seitwärtsbewegung eine Stunde lang die Armbewegungen mit korrektem Hüfteinsatz übe! Dies wirke sich letztlich auch auf den Hüfteinsatz im Kihon und Kumite aus.

Als nächstes dann die Tekki Sandan. Okuma Sensei schlug gleich vor, dass wir mit einem Partner / einer Partnerin die Kata üben sollten – eine/r macht sie richtig rum, der/die andere als Spiegelbild „ura“. Torsten und ich hatten hiermit erstaunlich wenig Probleme! Wir konnten beide Seiten gut umsetzen!

Gegen Ende der Einheit gab es dann noch Zwei Bunkai Übungen zu Tekki I und II:
Tori greift an mit Tsuki, Uke steht im Shizen Tai und geht beim Angriff mit links ein Stückchen zurück – blockt mit dem rechten Arm den Tsuki so weg, dass er außen steht (Anfang Tekki I). Jetzt mit dem linken Ellenbogen den Ellenbogen des Tori blockieren und mit dem rechten Bein hinten herum gehen, so dass Tori vorwärts zu Boden fällt. Da der rechte Arm des Tori noch fixiert ist und Uke ihn mit diesem auf den Boden führt, ist Tori dort „festgetackert“  - speziell, wenn der Arm in einem Winkel von etwa 90 Grad zum Oberkörper liegt. Sensei Richard Ruzicka schaute in den Trainingspaaren nach dem Rechten und kam auch zu uns, wollte bei dem bereits auf dem Boden liegenden Torsten den Arm noch korrigieren – und riss dabei Torstens Gi entzwei – also: ICH war’s NICHT! :-)

Die zweite Anwendung kam aus der Tekki Nidan: Angriff mit Mae Geri, Uke geht zurück und nimmt mit den Händen den Mae Geri mit (Anwendung aus der Kata: Das ziehen der Hände an die Hüfte – Koshi Kamae mit offener Handfläche) und kontert direkt mit Kizami Mawashi Geri Chudan. absetzen mit dem Bein, welches getreten hatte, hinter Toris vorderem Bein und dann die Achse wieder zurückziehen, so dass der Partner fällt. Okuma Sensei legte großen Wert darauf, dass dies alles sehr schnell und dynamisch ausgeführt werden sollte. Falls das nicht klappt: üben, üben, üben :-)

Tag 4: 
Kata Hangetsu bei Okuma Sensei - in der JKA-Version ohne Zenkutsu Dachi, nur Hangetsu Dachi, Kokotsu Dachi und Neko Achi Dachi am Ende der Kata; die Anfangstechniken sollten schnell beginnen und dann langsamer auslaufen. Okuma Sensei erklärte, dass es mehrere Methoden gibt, die Starttechniken zu beatmen. Eine Version sei, beim Uchi Uke einzuatmen und beim Gyaku Tsuki auszuatmen. Seine persönlich bevorzugte Variante war aber die, die wir auch praktizieren: kurz einatmen, dann beim Uchi Uke ausatmen, kurz einatmen, beim Gyaku Tsuki ausatmen. Überraschend war für die meisten von uns, dass die Hände beim ersten Kiai im Ippon-Nukite gehalten werden sollten, anschließend mit der oberen Hand "Koko" - Tigermaul. Anschließend wurde der erste Uchi Uke zur Seite ohne Yori Ashi ausgeführt, die nachfolgenden jeweils mit Yori Ashi und alle drei Kombinationen - wie schon erwähnt - im ZK. Der Gedan Barei in den Kombinationen mit Mae Geri, Gyaku Tsuki und Age Uke wurde eher als Gedan Uke geschlagen und ohne Ausholbewegung ausgeführt. Der Gyaku Tsuki am Ende der Kata wurde Chudan geschlagen, nicht Gedan. 

Die zweite Einheit hatten wir bei Chubachi Sensei und wir starteten mit ziemlich erschöpfenden Kizami Tsuki / Gyaku Tsuki Kombinationen, um die Hüfte zu aktivieren. Beide Tsukis wurden Chudan geschlagen. Anschließend gabs was für die Beine: Mae Geri, Knie oben halten, auf Zeit zwei hinten kurz absetzen, sofort wieder treten, absetzen, kicken, treten, halten.....endlose Wiederholungen, dann das andere Bein. Endlich war es mal richtig anstrengend! 

Die Vorübungen waren eine tolle Vorbereitung auf die nun folgende Gankaku, die der Sensei etappenweise mit uns durch ging! Bei der Kata an sich gab es jetzt keine großen Überraschungen. Für mich hieß es eigentlich nur "durchhalten", weil schon die Vorübungen nicht grade kniefreundlich waren und die Kata mit ihren Einbein-Drehungen und -Ständen natürlich hier auch kein Wellnessprogramm bot. Es war schön anzuschauen, wie Giovanni, Emanuele, Stefan Effler und Melissa Rathmann um uns herum ziemlich geniale Ausführungen der Kata demonstrierten. Ist schon super, dass man auf so einem Jedermann-Lehrgang die Gelegenheit hat, neben so erstklassigen Leuten zu stehen und sich inspirieren und motivieren zu lassen! Gegen Ende der Einheit gab es Bunkai zur Anfangs-Sequenz und Kombination mit Shuto Uke, Age Empi, Koshi Kamae und der Drehung. Das waren für uns bekannte Übungen, die wir auch im eigenen Dojo schon so gemacht haben. Wir probierten darum auch ein bisschen mit Varianten herum, mal einen Tsuki mehr im Angriff und eine Variante bei der Sequenz mit der Drehung, die so, wie der Sensei sie uns gezeigt hat, bei uns nicht funktionierte (der Arm des Tori, den Uke bei der Drehung über seiner Schulter im Ellenbogengelenk blockiert, war bei der gezeigten Variante "verkehrt" rum, also in Beuge-Position, so dass das Blockieren nicht klappte. 
Im Anschluss führten wir die Kata noch einige Male auf zählen und auf eigene Zeit aus.

Tag 5:
Am Sonntag nahm ich nur am sehr guten Katatraining bei Richard mit Nijushiho teil, bei dem es für mich keine großen Überraschungen gab. Den Nachmittag verbrachte ich dann im nahe gelegenen Freibad und am Abend genossen wir ein geselliges Beisammensein mit vielen Karatefreunden in unserem Hotel.

Tag 6:
Montag ließen wir uns von Naka Sensei in der Meikyo unterweisen. Der Sensei startete mit uns schon anders, als wir es gewohnt waren: Die Arme sollten nicht groß vor dem Körper kreisen, sondern nur mit geöffneten und überkreuzten Handflächen auf Höhe der Kehle bei gestreckten Armen   - dann die Fäuste wie gewohnt zur Hüfte zurück ziehend. So sollten wir die Arme auch bei den Wendungen einsetzen. Bei der Gewichtsverlagerung in Zusammenhang mit den Bo Ukes geht bei der zweiten Technik der Blick nicht über die Schulter in Richtung Arme, sondern quasi nach vorne. Das fand ich recht ungewöhnlich. In der Meikyo sollte nach Vorstellung Sensei Nakas jetzt nur noch ein Kiai vorkommen - das Kiai beim Mikazuki Geri entfällt! Die Armhaltung nach dem Tritt ist nicht seitwärts zu beiden Seiten, sondern die Arme sollen sich beide direkt über den Beinen befinden - der linke Arm also nach vorne, der rechte nach rechts. Zudem sollten die Armtechniken nach dem Tritt langsam ausgeführt werden. Auch den Sprung übten wir ausgiebig: zunächst alleine mit Fokus auf die korrekte Beinposition (in der Luft unter dem Körper gekreuzt, wie im Schneidersitz) und dann als Bunkai mit Partner: Angriff Tsuki Jodan, Block Age Uke, um Tori herumspringen und diesen zu Boden reißen.

Leider war auch dieses schöne Training irgendwann zu Ende. Torsten und ich bemühten uns noch, einige Fotos mit den Senseis und Freunden machen zu lassen und traten dann mit unserer Freundin Margot den langen Heimweg an, der uns in Siegen mit einem kleinen Boxenstopp bei Familie Kringe versüßt wurde. 

Sonntag, 17. Mai 2015

Kata Special 2015 - Details

Bunkai Sochin bei Toribio Osterkamp:
Uke:  erste Technik der Kata, allerdings schnell, nicht langsam wie in der Kata ausführen; dann Drehung nach links in KK mit Manji Uke, Umsetzen zu ZK mit Gyaku Uraken auf die Schläfe des Gegners; hinten rum drehen in KK mit Manji Uke, wieder umsetzen mit Gyaku Uraken wie eben; linkes Bein umsetzen in KK mit Shuto Uke, einen Schritt schräg vorwärts gehen mit KK und Shuto Uke gefolgt von nem leichten Suri Ashi mit Te Osae Uke und Nukite Jodan im ZK; jetzt Kizami Mae Geri und beim Absetzen Griff an die Kehle des Gegners (wie in der Hokkyokuko); Umsetzen mit Drehung Uchi Uke, Gyaku Uchi Uke. Mae Geri, hinten absetzen, mit einer Hand den anderen ranziehen und Fauststoß zur Kehle des Gegners

Tori: Angriff mit rechts Tsuki Jodan; dann an Ukes rechte Seite stellen, Mae Geri mit rechts, dasselbe an der anderen Seite, aber Mae Geri mit links, rechts um Uke herum gehen und Angriff Tsuki chudan mit links (?), Nochmal vor Angriff Tsuki Chudan plus Gyaku Tsuki; von der anderen Seite kommen, Angriff mit links (?) Chudan Tsuki


Bunkai Gojushiho Dai bei Julian:
Uke steht li vor, ihm gegenüber stehen zwei Angreifer, etwa in V-Stellung aus Sicht des Uke; der von Uke aus linke Angreifer steht rechts vor, der andere links vor (beide vordere Beine quasi nebeneinander); der linke Angreifer packt Uke mit dem linken Arm am Kragen, Uke schlägt dem Tori mit der linken (?) Hand ins Gesicht und wischt den Griff Gedan-Barei-ähnlich ab; es folgt ein Angriff Tuki Jodan von dem anderen Angreifer. Uke blockt zunächst diesen Angriff mit einer Art Age Uke nach rechts weg, schlägt dann den Arm weiter nach unten und kontert dann mit einem Tettsui Uchi

Kihon Omura Sensei
Im Shizentai mit Fausttechniken in verschiedene Richtungen - ähnlich den Naka-Sequenzen, Fokus auf Hüfteinsatz
Aus Shizentai mit li und re abwechselnd zurück in ZK mit Age Uke / Gyaku Tsuki, bereits beim Absetzen mit Age Uke auf Hüftrotation achten!
Im Shizentai seitlich ausholen zu Shuto Uke und dann auch im Stand so zur Seite ausführen; dann andere Seite - Hüftrotation beachten - sehr anspruchsvoll! Dann seitlich rausgehen mit KK und Shuto Uke
Verschiedene weitere Kombinationen.....im Kiba Dachi doppelter Tsuki, dann 45 Grad raus mit Tsuki?! wieder zurück, dann in andere Richtung.....

Kata Special Course 2015 in Groß Umstadt

Unser Karateverband hat jährlich zwei ganz große Trainings-Events anzubieten – neben dem Gasshuku, welches regelmäßig Anfang August stattfindet, gibt es mit dem Kata Special Course noch eine Veranstaltung, die sich an dem verlängerten Wochenende um Christi Himmelfahrt herum ausschließlich mit der Trainingsform Kata beschäftigt. Wie auch beim Gasshuku wechseln die Austragungsorte jährlich und stets werden recht malerische Orte oder Orte, die auch für mitreisende Familien einen besonderen Freizeitwert besitzen, ausgesucht. In diesem Jahr war – bereits zum 10. Mal – Groß Umstadt im Odenwald Ort des Geschehens. Natürlich hatten auch Torsten und ich uns im Vorfeld Lehrgangskarten gesichert und eine Unterkunft reserviert. Aus organisatorischen Gründen reisten wir diesmal getrennt an, was sich im Nachhinein als sehr günstig erwies.


Unsere Unterkunft, das Gästehaus Regina, ist – naja, ich würde mal sagen: bedingt zu empfehlen und vor allem für Trainierende mit schmalem Geldbeutel günstig, die auch einen kurzen Weg zu den Trainingshallen wünschen. Ansonsten muss man schon ein Fan skurriler Baukunst und gefliester Schlichtheit sein, die vergeblich versucht, ihren Ausgleich durch recht schrille Wanddekorationen zu suchen. Ganz erstaunlicher Weise gewöhnte ich mich aber doch nach einer Weile an die Unterkunft, die mir zum Abschied beim Bezahlen mit einer recht günstigen Rechnung wie zur Versöhnung die Hand reichte.


Zauberhafte Wanddeko im Gästehaus Regina
Groß Umstadt ist ein nettes Örtchen mit einer umfangreichen Gastronomie – an jeder Ecke gibt es ein Restaurant, ein Eiscafé oder ein Bistro. Langeweile kommt so zwischen den Trainingseinheiten nicht auf und man trifft ja auch alle Nase lang Menschen in Karate-Gis, mit denen man in alten Zeiten schwelgt, oder die man neu kennen lernt.

Nachdem Torsten und ich den ersten Abend bei gutem Essen und einem Glas Wein hatten ausklingen lassen, ging am nächsten Morgen um sehr angenehme 10 Uhr das erste Training für uns los. Nach dem Motto „das Beste kommt zuerst“ hatten wir direkt 90 Minuten Training bei unserem „Chef“, Shihan Ochi. Ich kann nicht sagen, woran es liegt, aber die Trainings bei Ochi Sensei begeistern mich immer mehr! Ich hatte in den vergangenen Wochen mehrfach die Gelegenheit, in seinem Dojo in Bottrop trainieren zu dürfen und konnte auch zwei Einheiten unter seinen Anweisungen beim Instructor-Lehrgang in Bochum genießen. Auch der Lehrgang mit unserem Chief Instructor in Münster war für mich ein spitzenmäßiges Erlebnis und das vor einigen Wochen in Dresden stattfindende Karate-Seminar Takudai (Ochi Sensei mit  Naka Sensei und anderen Großmeistern, die zum Teil schon zu Lebzeiten wahre Karate-Legenden sind!) gehört für mich in die erste Liga der Karate-Events überhaupt. Es sind Trainings mit einem hohen Anspruch an die Konzentration und Koordination – sei es durch eine Abwandlung im klassischen Kumite oder durch neue und längere Kihon-Variationen – manchmal sind es nur Nuancen, die die gewohnten Bewegungsmuster aufbrechen und zu etwas Neuem werden lassen. Es ist immer empfehlenswert, in diesen Trainings besonders gut zuzuhören, sonst kann es schon einmal eine liebevolle Kopfnuss setzen oder es wird einem symbolisch der Schwarze Gürtel abgenommen. Ochi Sensei startete mit einer der höchsten Katas unserer Stilrichtung, der Gojuishiho Scho. Neunzig Minuten lang scheuchte uns der Karate-Großmeister durch die Halle und sorgte für einen fulminanten Start des Karate-Großereignisses!

Auch am Nachmittag wurde die Gruppe ab 2. Dan hinsichtlich der Trainingszeiten verwöhnt: Unsere zweite Einheit begann um 14.30 Uhr und war um 16.00 Uhr beendet, so dass noch genügend Freizeit für Gespräche, Ausflüge oder Entspannung blieb. Am ersten Tag ging es gleich hochkarätig weiter mit Training bei Sensei Toribio Osterkamp und einer meiner Lieblingskatas: Sochin! Sensei Toribio überraschte uns mit abgewandelten Kata-Sequenzen, aus denen heraus er mit uns  eine anspruchsvolle Bunkai-Übung erarbeitete. Ich kann mir vorstellen, dass diese Übung auch mit bis zu fünf Trainierenden funktioniert. Vermutlich wollte Toribio uns das Training aber erleichtern und hat uns die Sequenz daher zu zweit ausführen lassen, wobei jeweils einer den Part des Uke inne hatte, der andere von verschiedenen Seiten aus angreifen musste. Hier wurde mein Kampfgeist geweckt und am Ende hatte ich in meiner Vorstellung all meine Gegner zur Strecke gebracht – auch wenn ich manchmal in der Hitze des Gefechts rechts und links verwechselte oder eine ganz neue Technikvariante einbaute. Natürlich führten wir auch die Kata mehrfach aus und gingen dann glücklich-erschöpft in den Nachmittag.

Der zweite Trainingstag begann dann nicht so schön, da Torsten krankheitsbedingt abreisen musste. Ein Kata Special ohne meinen „Kata-Mann“ konnte ich mir eigentlich nicht vorstellen – nichts desto Trotz machte ich mich tapfer auf zur ersten Einheit: Nijushiho mit unserem National Coach Sensei Thomas Schulze. Sein Fokus lag – wie auch schon beim Samurai Spirit Seminar in Siegen – auf Techniken mit viel Spannung und tiefer Basis – dies muss nicht zwingend bedeuten, tiefer zu stehen, aber wir sollten eine stabile Mitte haben und viel Kraft aus dem Hara generieren. All dies wurde gepaart mit einer Lockerheit im Oberkörper und heraus kam eine kraftvolle, dynamische und explosive Nijushiho! Ein super Training, ein motivierender Trainer und eine auf diese Art auch für mich schöne Kata. Ein bisschen wehmütig dachte ich zwischendurch daran, wie sehr mit Sicherheit auch Torsten diese Einheit gefallen hätte, da die Nijushiho zu seinen Kata-Favoriten gehört!

Sensei Julian Chees ist immer ein Garant für exquisites Kata-Training! So freute ich mich schon sehr auf seine Einheit am Nachmittag. Es stand die anspruchsvolle Gojushiho Dai auf dem Programm, die, wenn man sie nicht (wie schon einmal bei einem Chees-Lehrgang in Münster geschehen)  „ura“ ausführt, für eine extreme Kräftigung des linken Oberschenkels sorgt. Wir begannen mit der wohl schwierigsten Stellung der Kata: der Wendung im Neko Ashi Dashi. Julian Sensei riet uns, die Wendung aufzuteilen und zunächst den hinteren Fuß zu drehen, um für Stabilität zu sorgen. Es gab zahlreiche weitere Tipps und Basisübungen – aber was wäre ein Kata-Training bei Julian, wenn es nicht auch kniffelige Bunkai-Sequenzen hätte? So übten wir zu dritt und beherzt eine Anlehnung an die Starttechnik der Kata – Backpfeifen inklusive :-) 

Leider wurde das Training gut fünf Minuten vorzeitig abgebrochen, als wir grade mit einer zweiten Bunkai-Übung begonnen hatten, die wir so leider nicht vertiefen konnten: Unser DJKB-Präsident nutzte das Ende der Einheit dazu, dem Ausrichter des Groß-Umstädter-Lehrgangs für seinen Einsatz zu danken und überreichte ihm eine Urkunde. Eine mit Sicherheit verdiente Ehrung, aber meiner Meinung nach hätte diese besser im Rahmen einer Lehrgangsfeier vorgenommen werden können – so wären nicht nur die Trainierenden der Gruppe ab 2. Dan Zeuge der Laudatio geworden und wir hätten noch ein bisschen mehr vom Training bei Julian gehabt.


Den Nachmittag verbrachte ich dann alleine mit einem Mix aus Kultur und Wellness – sprich: Ich holte das nach, was Torsten und ich eigentlich am Vortag gemeinsam hätten unternehmen wollen. Also machte ich mich alleine auf die Suche nach der Ausgrabungsstätte der römischen Villa Haselburg und bestaunte bei herrlichstem Sonnenschein die Relikte aus alten Zeiten. Auf dem Weg dorthin war ich ich bereits eher zufällig auf die Veste Otzberg gestoßen, eine mittelalterliche Burgruine, und konnte auch hier ehrfurchtsvoll durch die alten Gemäuer spazieren. Schließlich hatte ich mir dann eine Erholung in der Odenwaldtherme verdient – eine kleine, aber feine Saunalandschaft im beschaulichen Ort Bad König, in der mich vor allem die vierteilige Aufgussprozedur namens „extra heiß“ kreislaufmäßig vollends forderte.




Burgruine Veste Otzberg 

Römische Villa Hasenburg (Ausgrabungsstätte) 
Gut erholt sprang ich am nächsten Morgen dann bereits um 7 Uhr aus den Federn, um die Einheit bei Shihan Omura um 08.30 Uhr mitzunehmen. Über den charismatischen Nationaltrainer Thailands hatte ich über meine Senseis Michael Jarchau und Andreas Klein schon viel Beeindruckndes gehört und so war ich sehr gespannt auf sein Training der Kata Gankaku! Ich hatte mich zu diesem Zweck der Gruppe bis 1. Kyu angeschlossen.


Nach dem Aufwärmen durch einen jungen Braungurt begann der Shihan direkt mit sehr anspruchsvollen Kihon-Kombinationen, bei denen es ihm vor allem auf den korrekten Hüfteinsatz ankam. Offensichtlich sah er bei uns hier noch einen erhöhten Trainingsbedarf – und er ging vielleicht auch davon aus, dass der Ablauf der Schwarzgurtkata, die das Bild eines Kranichs auf dem Felsen symbolisiert, schon bekannt ist. Jedenfalls verblieb für das eigentliche Kata-Training leider nur eine knappe halbe Stunde.


Omura Sensei auf den Plakat des diesjährigen Kata Special 
Zu Demonstrationszwecken suchte Omura Sensei einen fortgeschrittenen Karateka, der die Kata bereits beherrscht. Seine vortreffliche Wahl fiel auf Jakob Schmidt, der mit einer bewundernswerten Leichtigkeit und Akkuratesse Technik für Technik ausführte und sich dafür einen dicken Applaus verdiente! Das war Karate auf allerhöchstem Niveau und hinterließ einen optimalen Eindruck davon, wie die Kata aussehen kann! Wir anderen versuchten uns dann anschließend an der Ausführung der Kata, die über einige anspruchsvolle Drehungen und Wackelgefahr bergende Einbein-Stände verfügt. Insgesamt hätte sich wohl der Großteil der Gruppe noch eine weitere Vertiefung der Kata gewünscht – manchmal sind 90 Minuten einfach zu kurz – vor allem, wenn man das seltene Vergnügen hat, bei einem der im Ausland lebenden, japanischen Großmeister zu trainieren. Mir persönlich hat es sehr gut gefallen, dass der Shihan den Unterricht auf Englisch und ohne Übersetzung abhielt. So werden unnötige Trainingspausen verhindert und viele Aspekte lassen sich – mal abgesehen davon, dass Englisch den meisten Trainierenden geläufig ist – ja auch durch Zusehen und Nachahmung erkennen und ableiten.

Da ich bereits am späten Samstagnachmittag abreisen musste, hatte ich mir als letzte Einheit und weiteren Höhepunkt eine weitere Einheit in der Gruppe bis 1. Kyu ausgesucht: Chinte bei dem von mir sehr geschätzten Sensei Jean-Pierre Fischer. Der aus Frankreich stammende und heute in Luxemburg lebende Kata-Spezialist ist seit langem einer der Lieblingstrainer von Torsten und mir. Für ihn nahmen wir sogar vor etwa vier Jahren die Strapazen einer langen Autofahrt nach Crosne bei Paris auf uns und wurden dort mit einem erstklassigen Lehrgang bei ihm und seinem langjährigen Trainingspartner Jean-Michel Blanchard belohnt! Jetzt also mein aktueller Kata-Favorit Chinte bei Jean-Pierre – ich war sehr gespannt! Nach dem von Jean-Pierre persönlich ausgeführten Aufwärmtraining begannen wir mit Kihon-Übungen, bei denen der Sensei uns aufforderte, möglichst stabil und tief zu stehen. Vor allem bei Schritt- oder Stand-Wechseln sollten wir den Schwerpunkt auf einer Höhe lassen. Dies brachte natürlich ruckzuck unsere Oberschenkel zum Brennen und sorgte für eine gute Trainingsvorbereitung. Anschließend gab es – viele kannten es schon von dem Wahl-Luxemburger – verschiedene Sequenzen der Kata „auf der Stelle“, also lediglich die Armtechniken und Kicks der Kata aus dem Shizen Tai heraus. Schließlich fügten wir Stände und Techniken zusammen und führten die Kata Stück für Stück aus. Der Sensei ließ es sich nicht nehmen, uns umfassend zu korrigieren und da er meine Vorliebe für die Kata kannte, durfte auch ich vor der Trainingsgruppe eine Sequenz vorführen. Leider stießen die Feinheiten, die ich mir in den letzten Wochen und Monaten für die Chinte angeeignet hatte, bei Jean-Pierre nicht vollumfänglich auf Gegenliebe und so gab es zahlreiche Änderungswünsche, die mich zum Teil irritierten. Ich werde in den nächsten Wochen daran arbeiten, mir hier eine korrekte und zu mir passende Ausführungsversion zu überlegen.


Nachdenklich und etwas weniger euphorisch als zwischen den übrigen Einheiten trat ich den Heimweg an. Die vergangenen Tage waren ein Mix aus Technik und Kampfgeist, Ausführung und Partnertraining, Bekanntem und Neuem, Sicherheit und Zweifel – sechs eindrucksvolle Trainings, nicht immer nur in der eigenen Wohlfühlzone. Ich denke, so muss Karate sein, denn wie sagte mein Sensei Risto einst so schön? „Karate fängt dann an, wenn die Selbstzweifel schneller wachsen, als das Können.“ Oss.