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Mittwoch, 6. Juli 2022

Czech Gasshuku 2022 - Triple Impact nach Corona-Pause!


Nach der langen Lehrgangspause freuten Torsten und ich uns, endlich wieder in unserem Nachbarland Tschechien an einem der schon traditionellen Czech Gasshuku teilnehmen zu können. In diesem Jahr fand das Event in Kadan statt, etwa 600 km von Münster entfernt bzw. 80 km südöstlich von Chemnitz gelegen. Mit den Senseis Naka, Okuma und Kurihara erwartete uns mit drei Top-JKA-Instructoren ein wahres „Triple Impact“. 



In diesem Jahr war ab Magdeburg eine Fahrgemeinschaft mit unserem Freund Tobias Prüfert vorgesehen. Für mich gestaltete sich die Anreise allerdings etwas abenteuerlich, da ich am offiziellen ersten Trainingstag des Gasshuku noch ein SOK-Seminar (SOK steht für Schützen ohne Kämpfen) an einer Förderschule in Neuburg bei Wismar abhalten musste. Neuburg liegt auch etwa 600 km von Kadan entfernt – allerdings an der Ostseeküste. Ich war bereits am Donnerstag mit der Bahn dorthin gereist und trat nach Abschluss meines Seminars am 01.07. um 17.30 Uhr eine Bahnfahrt Richtung Kadan an. Ich hatte einen Zwischenstopp mit Übernachtung auf etwa halber Strecke eingeplant (in Elsterwerda). Als ich jedoch von Torsten in einer Seminarpause am Freitagnachmittag eine Nachricht erhielt, dass am Samstagmorgen um 08.00 Uhr Kurihara Sensei ein Kata-Training zur Sochin leiten würde, wurde spontan umgeplant. Unser Dialog ging so: „Das schaff' ich nicht!" Torsten: „Fahr soweit Du kommst Richtung Tschechien heute Abend. Ich hole Dich ab ..“ Wow! Schnell warf ich einen Blick auf die Reisestrecke, sah mir Fahrtverläufe und Anschlusszüge an, sagte mein Hotel ab (bezahlen musste ich es bei so kurzfristigem Storno natürlich trotzdem) und schaffte es am frühen Samstagmorgen noch bis Ústi nad Labem (90 km von Kadan entfernt), wo mich Torsten am Bahnsteig empfing. Um 02.00 Uhr lagen wir dann in den Betten und schafften es pünktlich zu 08.00 Uhr ins Training bei Kurihara Sensei! 




Sochin bei Kurihara Sensei! Was für ein wundervoller Start für mich in die (kurze) Gasshuku-Trainingswoche! Akribisch demonstrierte der Meister technische Präzision und eleganten Hüfteinsatz! Verpasst hatte ich am ersten Trainingstag leider Kanku Sho bei Naka Sensei, Tekki Sandan als Vorbereitung für Kumite bei Okuma Sensei und eine Einheit bei Kurihara Sensei, in der schwerpunktmäßig Gyaku-Tsuki-Kihon trainiert wurde sowie zahlreiche Taikyoku-Shodan-Varianten und Kihon-Ippon-Kumite. 


 

In meiner zweiten Einheit unterwies uns Naka Sensei in Tekki Shodan inklusive spannender Nahkampf-Anwendungen. Da Torsten partnertrainingstechnisch bereits auf Tobias „eingeschossen“ war, fand ich in Julius aus Tübingen einen Trainingspartner für die nächsten Tage. Kumite-Übungen mit häufigen Partner*innen-Wechseln wurden offenbar mit Rücksicht auf die grade wieder aufschwappende Corona-Welle ausgelassen. Den Taikyoku-Shodan-Faden nahm in Einheit drei Okuma Sensei wieder auf und leitete hieraus interessante Kumite-Übungen ab. 

 

Der dritte Tag war herrlich Kata-lastig mit Bassai Sho am Morgen bei Okuma Sensei sowie Shitai und Sentai Gata (Heian 1-5, Tekki 1, Bassai Dai, Kanku Dai, Enpi und Jion) bei Kurihara Sensei. Naka Sensei rundete mit Nijushiho sowie Tekki Nidan mit einigen weiteren kniffligen Anwendungen in Einheit drei den dritten Tag ab. 




Am vierten Tag forderte Naka Sensei unsere schon leicht ermüdeten Muskeln mit den Tekki I-III und Jion heraus, nachdem wir bei Kurihara Sensei mit Gojushiho Sho gestartet waren. Auch bei Naka Sensei gab es wieder klasse Inspirationen für Anwendungen und neue Bewegungsmuster. Für mich neu war die „fluide Tekki“ mit fließenden Übergängen durch übergangslose Gewichtsverlagerung. Es waren dann wohl nicht nur die hohe Außentemperaturen, die uns am Nachmittag in einer kumitelastigen Einheit bei Okuma Sensei ordentlich ins Schwitzen brachten! Da sich in dieser Einheit Thomas Frommer Tobias als Trainingspartner geschnappt hatte, konnte ich mich hier mit Torsten „kloppen“ 

 

Nach einer kurzen Nachmittagspause ging es dann zur Sayonara Party, für die bei der Anmeldung bereits von jeder Person ganze 6 Euro kassiert worden waren. Hierfür gab es dann ein oder zwei Freigetränke und – wenn man schnell genug war – Essen vom Buffet. Am Tisch wurde fleißig gefachsimpelt und ausgetauscht und auf der Bühne des ansprechenden Festsaales den Sensei und den Ausrichter*innen gedankt. Sehr dankbar und zufrieden machte ich mich anschließend zu Fuß auf den Weg ins nahegelegene Hotel Split. Ich genoss den lauen Sommerabend und machte am Fluss Eger entlang noch einen Spaziergang zur Staumauer. Das Hotel liegt direkt am Fluss und aus dem Zimmer heraus blickt man auf das dicht bewaldete gegenüberliegende Ufer – einfach herrlich! 


Fachsimpeln bei der Sayonara-Party

Dank an Senseis und Ausrichtende

Hatten wir bisher unser linkes Bein vernachlässigt? Falls dem so war, so wurde die Kräftigung dieser Muskulatur in der letzten Kata Einheit an Tag fünf ausgiebig nachgeholt: Es gab Gojushiho Dai bei Naka Sensei  Für uns war dies leider schon die letzte Einheit, denn nach einer kleinen Abschluss-Foto-Session brachen wir gen Heimat auf. In Magdeburg hatte ich beim Ende unserer Fahrgemeinschaft mit Tobias noch die Gelegenheit, das schöne Dojo des BKC Magdeburg bestaunen zu dürfen, bevor Torsten und ich uns auf die letzte Reise-Etappe machten. 

 

Schade, dass dieser wunderbare Lehrgang so schnell vorbei war! – Aber zum Glück steht ja mit dem Gasshuku in Meppen schon bald das nächste Karate-Event im Kalender!



 




Samstag, 3. August 2019

Naka Sensei Gasshuku 2019 - Kihon Kumite zur Tekki Sandan

Vorübung Kihon:
- li vor gedan barei
- vor im ZK mit oi tsuki rechts
- rechter Arm sofort (ohne Gegenbewegung des anderen Armes) in soto uke
- linken Arm strecken, rechter Arm holt aus zu haiwan nagashi uke (Tekki-typisch)
- linker Arm klappt um wie bei der Endposition kage tsuki, rechter Arm macht ura tsuki jodan
- koshi kamae an rechter Hüfte, tsuki rechts unter der linken, flachen Hand hervor
- Dann wieder Schritt vor, oi tsuki links und das Ganze mit der anderen Seite

Dann mit PartnerIn:
- Tori greift an aus gedan barei li vor im zk mit oi tsuki jodan re
- uke blockt mit age uke
- Konter gyaku tsuki chudan - wird geblockt mit soto uke re
- Konter mit kizami tsuki jodan - wird abgeleitet durch haiwan nagashi uke jodan rechts, linker Arm geht dabei vor für eine Art tsuki
- dritter Konter gyaku tsuki chudan - block mit te osae uke links und Konter ura tsuki rechts, den heruntergeblockten tsuki Arm dann zur rechten Hüfte ziehen (mit der linken Hand fassen und auf die rechte Faust an der Hüfte drücken)
- Es wird durch Ziehen versucht, die Faust zu befreien, dies löst den finalen Gegenangriff ura tsuki aus.


Mittwoch, 11. Juli 2018

Czech Gasshuku 2018

Ich ahne: Dies wird eine Tekki-Woche! Wir starteten heute früh um acht mit einem Training bei Richard Ruzicka Sensei und Tekki Shodan, bei dem keine didaktischen und methodischen Wünsche offen blieben! Sehr gut und dekuji, Richard Sensei! 
Es folgte Okuma Sensei mit Tekki Shodan und Tekki Sandan. Die Tekki Nidan hatte er nur am Rande gestreift mit dem Hinweis, dass wir diese bei Naka Sensei noch ausführlich thematisieren würden. Okuma Sensei legte zunächst mal einen großen Fokus auf die Verbindung zwischen Ober- und Unterkörper. Wir übten zunächst Kizami Tsuki / Gyaku Tsuki in einem verkürzten Zenkutsu Dachi - also in relativ bequemem Stand mit Fokus auf die Armtechiken. Später forderte Okuma Sensei allerdings von uns auch sehr intensiv Tachi Waza und hier vor allem den für die Tekkis typischen Kiba Dachi: Wir führten mehrere Durchgänge Tekki I und III im Wechsel und ohne Pause im Kiba Dachi aus, wobei wir die Füße an der Stelle ließen, uns nur auf Arme, Rumpf, Hüfte und Blick konzentrieren sollten. Etwas verwirrend fand ich zuweilen die Zählweise, weil wir ja keine Schritte ausführten, jeder in den Kata vorkommende Schritt aber mit einer Zählzeit bedacht wurde. Es konnte also sein, dass 1-2-3 gezählt wurde, ohne dass wir uns bewegten. Am Ende entwickelte Okuma Sensei mit uns noch eine Partner/innen-Übung aus Tekki-Kombinationen, bei der die Gleichzeitigkeit von Block und Konter im Vordergrund stand: Tori griff an mit Oi Tsuki aus größerer Distanz und Uke zog den vorderen Fuß kurz zurück (Kiri Kaeshi), um dann einen Schritt nach vorne zu gehen mit links Gyaku Haiwan Nagashi Uke Jodan und gleichzeitigem Oi Tsuki (Höhe relativ egal, zunächst Chudan, aber auch Jodan möglich, in der Kata eher Gedan). Wichtig war dem Sensei, dass wir nicht seitlich auswichen, sondern gradeaus in die Gegnerin / den Gegner rein gingen. Diese Übung bauten wir noch aus mit dem Gedanken, dass Folgetechniken immer eine Option sein sollten: Nach dem Konter wieder kurz zurück in Kamae und Gewicht etwas nach hinten verlagern, dann einen neuen Angriff von derjenigen oder demjenigen, die/der vorher abgewehrt und gekontert hatte.

Hier gibt es ein kleines Video von Davide Galli: Czech Gasshuku Trainingsimpressionen

Ohne Iki läuft nix :-)
Das war heute mal eine schöne neue Erkenntnis im Training bei Naka Sensei! Es war bereits das dritte Training dieses Tages und ich hätte ja auf eine weitere Tekki-Einheit gewettet! Gut, dass ich es nicht getan habe, denn ich hätte wohl verloren. Zwar starteten wir mit Seitwärtsbewegungen im Kiba Dachi - aber das war dann Tekki-mäßig auch schon der größte gemeinsame Nenner. Offensichtlich war der Meister nicht mit unseren Bewegungen einverstanden, denn nach ein paar "Runden" ließ er uns zusammen kommen und enthüllte uns den Kern der heutigen Einheit: Wir sollten bei allen Karatebewegungen den Fokus legen auf Körperhaltung, Atmung und Schwerpunktverlagerung. 
Zur Körperhaltung wiederholten wir einige der Übungen, die Naka Sensei auch bei anderen Lehrgängen bereits angeleitet hatte - und die mit jedem Mal mehr Sinn ergeben, besser funktionieren: Angefangen mit dem achtsamen Niederknien, dem sorgfältigen Verbeugen und dem korrekten Sitz im Seiza - wenn das Becken in der korrekten Position ist, kann man sich erheben, obwohl jemand von oben mit großer Kraft auf die Schultern drückt. 
Es folgte eine Überleitung zum Neko Ashi Dachi, bei dem wir vorwärts gehen sollten, in dem wir den Fuß zunächst mit der Ferse aufsetzen. Das war sehr ungewöhnlich und als wir damit die Taikyoku Shodan ausführten, musste ich ganz schön überlegen! Diese Art, sich zu bewegen, also über das vorzeitige Absetzen der Ferse einen guten Stand und eine gute Haltung zu generieren, übertrugen wir dann nochmal auf die Kiba-Dachi-Seitwärtsbewegung und achteten hierbei auf die korrekte Schwerpunktverlagerung. Haltung hat aber nicht nur etwas mit Körperkraft zu tun, sondern auch etwas mit der inneren Einstellung. Es sei wichtig, diese innere Einstellung in der äußeren Haltung wiederzuspiegeln, so der Sensei. 
Einen großen Einfluss auf die Haltung hat schließlich auch die Atmung. Ich muss gestehen, dass mir der japanische Name für Atem bis heute nicht bekannt war: Iki! Wie schön! Ich weiß nicht, wieviele meiner heutigen Karatefreunde es wissen, aber Atem auf japanisch klingt genauso wie mein Spitzname aus Jugendzeiten und meinem ersten und zweiten Karateleben, der sich allerdings Icky schreibt. Erst in den letzten Jahren habe ich mich mehr und mehr von diesem Namen verabschiedet und mich mit Andrea vorgestellt bzw. wurde einfach "Pandachen" genannt ^^ ;-) Eins steht fest, den japanischen Namen für Atem werde ich jetzt nicht mehr vergessen :-)
Naka Sensei ließ uns die drei Prinzipien dieses Nachmittags dann noch ausgiebig mit der Kata - nein, keine Tekki, sondern: Gojushiho Dai üben.

Tekki Nidan mit Naka Sensei
Wie von Okuma Sensei bereits angekündigt gab sich heute Naka Sensei mit Tekki Nidan die Ehre. Zu Beginn der Einheit griff Naka Sensei thematisch den roten Faden des Vortages wieder auf, in dem er uns im Kiba Dachi seitwärts bewegen ließ, mit Fokus auf die Schwerpunkverlagerung durch das Absetzen der (hinteren) Ferse, also der Ferse des übersetzenden Fußes. Anschließend führten wir die Seitwärtsbewegung mit hochgezogenem Knie aus. Beim Übersetzen des Fußes sollten wir darauf achten, zunächst den Ballen aufzusetzen, nicht die Fußaußenkante. Mit dem Absetzen der Ferse folgt dann wieder die Schwerpunktverlagerung. 
Zur Kata gab es zahlreiche interessante Details: So sollten wir als dritte Armbewegung nach dem Hasami Uke beide Arme im Bogen seitlich in den Chudan Block bzw. Kage Tsuki bewegen. Intuitiv hätte ich beide Techniken bisher eher seitlich gestoßen. Eine Anwendung für den Empi, der in dieser Kata über die Mittelachse des Körpers gestoßen wird, übten wir später als Gelenkhebel. An mehreren Stellen kommen in der Tekki Nidan durch einen zweiten Arm unterstützte Blocktechniken vor. Hier wies uns Naka Sensei an, mehr Kraft in den unterstützenden Arm zu geben. Es war ein klasse Effekt, der sich daraus generieren ließ! Ist ein Arm zur Unterstützung am anderen angelegt, so kann dies auch eine Vorbereitung für eine Angriffstechnik sein, da der unterstützende Arm ja schon „fast im Ziel“ ist. So übten wir seitliches Herausgleiten mit Uchi Uke, unterstützt vom anderen Arm, der mit der flachen Hand am Unterarm angelegt war und ließen den angelegten Arm anschließend zum Tsuki „ausfahren“. In der Folge wurde der Angriffsarm des Gegners gepackt und gedreht, der Angreifend zu Fall gebracht. Naka Sensei demonstrierte dies zur offenen Körperseite des Angreifers hin aus. Meiner Meinung nach ist aber da der andere Arm des Angreifers noch zu gefährlich. Vielleicht kann man auch zur geschlossenen Seite rausgehen, dann ist keine Gefahr mehr im Verzug. Torsten und ich haben hier beides ausprobiert und fanden die zweite Variante sicherer. 
Wenn Blicke töten können – dann war vielleicht eine starke Blickwendung im Spiel! Durch die Blickwendung kann man nämlich die Körperenergie maßgeblich beeinflussen! Hierzu sollen wir nicht nur "aus den Augenwinkeln" zur Seite blicken, sondern den Kopf möglichst weit zur Seite drehen. Ich hatte mich schon gefragt, warum abweichend von dem, was ich früher gelernt habe, in den meisten Kata keine Blickwendungen mehr trainiert werden, mit Ausnahme der Kata aus der Tekki Gruppe! Es ist tatsächlich so, dass die Körperspannung besser ist, wenn der Kopf deutlich zu der Seite gedreht ist, zu der sich der Körperschwerpunkt verlagern soll!

Naka Sensei bleibt seinem Thema treu: Heute Nachmittag ging es wieder um das Thema der optimalen Schwerpunktverlagerung bzw. Kraftübertragung. Wir starteten mit einer Kihon-Vorübung im Stand, bei der wir Choku Tsuki auf einem Bein ausführten - das Bein auf der Seite des Tsuki stand fest am Boden und auf der Hikite-Seite hatten wir das Knie hochgezogen. Dies übten wir auch in der Vorwärtsbewegung, wobei Naka Sensei erneut die Methode, mit der Ferse zuerst aufzusetzen empfahl: Der Stand sei anschließend fester und kompakter, so der Sensei. Wichtig war hierbei auch, den Rumpf in der Horizontalachse zu komprimieren. 
Geht's noch kompakter? Aber ja! Und zwar im Kosa Dachi! wir sollten aus Zenkutsu Dachi mit Gedan Barei vorwärts gehen und mit Oi Tsuki im Kosa Dachi landen. Vorwärtsgehen auch hier wieder mit der Ferse zuerst. 
Diese Übung wurde ausgebaut zu Oi Tsuki in Kosa Dachi, anschließend den hinteren Fuß zurück setzen und Gyaku Tsuki. Hierbei war wichtig, dass wir den Druck vorne ließen (Sensei Naka zog zum Vergleich den Anfang der Kata Jion heran). Ging man jetzt mit dem nächsten Oi Tsuki vor, hieß es, den Gyaku Tsuki Arm kurz zurück zu ziehen und dann wieder für den nächsten Tsuki zu benutzen. Eigentlich wie immer bei Oi- und Gyaku-Tsuki-Kombinationen, vielleicht fiel es mir wegen der ungewohnten Tachi Waza in diesem Zusammenhang schwerer als sonst. Die erste Bahn (Kosa Dachi mit rechts vorne und Oi Tsuki mit rechts) bekam ich immer ganz gut hin, auf der Bahn zurück kam ich meistens durcheinander. Eine schöne Übung, die ich sicher im Dojo aufgreifen werde! 
Doch wir waren noch nicht fertig mit dieser Kombination! Es folgte ein Oi Tsuki mit Kiri Kaeshi, wobei wir die Instabilität nutzen sollten, um mehr Geschwindigkeit zu generieren! Insgesamt also: vor mit Kosa Dachi und Oi Tsuki, hinteren Fuß zurück mit Gyaku Tsuki, Kiri Kaeshi und Oi Tsuki. 
Dann ging es zum Partner/zur Partnerin: Zunächst wurden wir in Zweierreihen aufgestellt. Etwas ungewöhnlich war der Start: Die Reihen 1, 3, 5 und 7 sollten sich abknien und die Partner/innen sollten Mae Geri treten. Wohin - war nicht ganz klar - und vielleicht auch egal. Der kniende Partner bzw. die Partnerin sollte zunächst nicht als Ziel fungieren, vielmehr sollten sich die anderen wohl einfach ein bisschen "einschießen". Dann gabs natürlich auch einen Wechsel. In der Folge dann Kumite aus links vor Kamae mit Angriff Mae Geri, der/die andere ging raus mit Tai Sabaki / Suri Ashi und Gedan Barei, Konter Gyaku Tsuki. In der Folge hängten wir noch Kiri Kaeshi mit Oi Tsuki Jodan an. Später wurde aus dem Oi Tsuki ein Uraken und letztlich rundeten wir mit einem weiteren Gyaku Tsuki ab. Für den letzten Gyaku Tsuki passte die Distanz bei Torsten und mir leider nicht. Wir hatten halt versucht, das zuvor Gelernte umzusetzen und den Druck immer weiter nach vorne auszuüben. Entweder sitzt dann der erste Gyaku Tsuki und für den Rest ist man zu nah dran - oder für den Block mit dem ersten Gyaku Tsuki gleitet man weiter raus - dann passen zwar die letzten Techniken, aber der erste Gyaku Tsuki ist "verschenkt". Ich denke, wenn der Erst-Angreifer nach dem ersten Gyaku Tsuki etwas zurückweicht (was ja vielleicht auch ein normaler Reflex wäre), würde der Rest auch noch von der Distanz her passen. 
Naka Sensei rundete die Einheit noch mit einer Viertelstunde Enpi ab, so dass heute Nachmittag vermutlich alle auf ihre Kosten kamen 


"Last year wie did Jitte, this year we do ....." (Jitte 😉 ) Mit diesem Satz pflegte uns Okuma Sensei häufig zu motivieren aber in diesem Jahr ging das Gerücht, dass diese Kata von Ogane Sensei präsentiert würde. Dieser hatte nämlich das Pech, bei den All Japan Championships zwei Techniken zu vergessen und disqualifiziert zu werden. Und so kam es auch: Ogane Sensei startete mit einigen Kihon-Bahnen und zwar Oi Tsuki im Zenkutsu Dachi, Oi Tsuki im Kokotsu Dachi und Oi Tsuki im Kiba Dachi, um uns auf die Bewegungsbahn in der Jitte mit Kiba Dachi und Teisho vorzubereiten. Ogane Sensei führte dann den Beginn der 24 Zählzeiten umfassenden Kata so aus, wie wir es von Okuma Sensei schon kannten, nämlich die Hüfte erst Hanmi und dann Shomen. Wir sollten große Bewegungen machen, vor allem bei den ersten beiden Sequezen der Kata. Mit Partner/in übten wir die Kombination des Fumikumi in Verbindung mit Yama Uke (Uchi), wobei der Partner/die Partnerin darauf achten sollten, dass wir den Schwerpunkt möglichst spät drehten und nach vorne brachten. Ebenfalls mit Partner/in übten wir das korrekte Zählen der Kata. Schließlich wies uns Ogame Sensei noch auf die beiden "wichtigsten" Techniken der Kata hin: Manji Uke vor den abschließenden Age Uke - am "Wichtigsten" vor allem für ihn deshalb, weil das die beiden Techniken waren, die er beim Wettkampf vergessen hatte 🙂 Ich fand das sehr sympathisch und erfrischend, dass er diese Anekdote mit uns teilte. Zum Abschluss führten wir die Kata in zwei Gruppen und einmal gemeinsam aus. Kurzum: eine schöne Einheit mit einer weniger schönen Kata  

Okuma Sensei lässt es krachen!
In der Pause munkelten wir schon, dass es jetzt aber mal Zeit sei für Kumite! Und das hatte sich wohl auch Okuma Sensei gedacht, denn abgesehen von einigen einleitenden Kihon-Bahnen gab es nun Partner/innen-Training! Zunächst ging es je fünfmal vorwärts mit Tsuki Jodan und rückwärts mit Age Uke und eigentlich sollte daraus Gohon Kumite werden. Aus Platzgründen ließ uns der Sensei dann aber nur Sanbon Kumite ausführen. Torsten und ich versuchten zunächst miteinander unser aktuelles Thema umzusetzen, nämlich den Tsuki gleichzeitig mit der Hüfte in Bewegung zu setzen. Dadurch kommt er schneller ins Ziel - optimaler Weise exakt mit dem Absetzen des vorderen Beines - oder vielleicht sogar ein Ideechen früher. Dann gab es fortwährend Partner/innenwechsel und es war mal wieder schön, so eine Vielfalt an Partner/innen erleben zu können mit allen Stärken und Schwächen, sich schnell auf neue Personen - größer, kleiner, schneller, langsamer, jünger, älter etc. - einstellen zu müssen. Häufig passte leider von Beginn an die Distanz gar nicht richtig, da die Partner/innen meist aus zu großer Entfernung angriffen. Ein Block war dabei eigentlich gar nicht nötig. Unsere Block-Konter-Reaktion sollte go-no-sen sein, also erst blocken, dann kontern. Als Kontertechnik bot Okuma Sensei uns Gyaku Tsuki und später auch Mae Geri an, wobei beim Mae Geri die Distanz bei vielen wohl nicht passte, was Okuma Sensei zum Anlass nahm, uns Tipps zu geben: Zur Vorbereitung des Mae Geri musste das vordere Bein gut belastbar sein (beim Gyaku Tsuki natürlich das hintere), wir sollten für den Tritt nicht hochkommen und falls wir das Gefühl hatten, für den Tritt zu nah dran zu sein, sollten wir versuchen, dies beim letzten Schritt zurück schon mit einer Art Suri Ashi auszugleichen und nicht - wie ich es bis dahin gemacht hatte - durch Zurückziehen des vorderen Fußes unmittelbar vor dem Tritt (wobei ich gestehen muss, dass das auch ganz gut funktioniert hatte 😉 ).
Als nächstes führte uns Okuma Sensei in die Welt der Samurai! Wir sollten uns vorstellen, der Angreifer/die Angreiferin habe eine Machete in der Hand, mit wir von oben herab geschlagen würden. Jetzt sollten wir versuchen, so schnell auf den Gegner / die Gegnerin zu reagieren, dass wir mit unserer Aktion den Angriff verhinderten, also mindestsens sen-no-sen. Hierzu sollten wir aus dem Shizen Tai den nahenden Gegner / die nahende Gegnerin z. B. mit Kizami Tsuki abschießen oder mit einem kraftvollen Mae Geri oder Yoko Geri. Mein Partner war eineinhalb Köpfe größer als ich und ich versuchte mit aller Kraft, ihn zu stoppen, was gelegentlich auch ganz gut gelang - hätte er aber echt eine Machete in der Hand gehalten, wäre ich vermutlich um zwei Arme und einen Kopf ärmer - ich würde sagen, wir hätten uns auf unentschieden einigen können 😉
Zum Ende der Einheit hin steigerte sich die Trainingsintensität noch einmal, als wir mit neuem Partner / neuer Partnerin folgende Übung ausführen sollten: vor mit Oi Tsuki und Gyaku Tsuki, Uke sollte den ersten Tsuki Jodan seitlich weg blocken und den Gyaku Tsuki von oben nach unten und nicht seitlich weg á la Gedan Barei. Ist ja einfach, dachte ich erst, aber ich erwischte mich doch tatsächlich dabei, wie ich den einen oder anderen Gyaku Tsuki zur Seite wegblockte. Also mehr Konzentration - und mehr Groundpower á la Andre Bertel Sensei! Und siehe da: Das Blocken der Gyaku Tsuki klappte immer besser! Etwas weiter wurde die Kombination final noch ausgebaut, als wir nach Oi Tsuki und Gyaku Tsuki noch Kizami Tsuki und Gyaku Tsuki angreifen sollten. Schade, dass dies schon ziemlich am Schluss der Einheit geschah und wir nicht mehr viel Zeit hatten! Bei vielen meiner Partner - und wohl auch bei mir - waren die Angriffe nicht mehr so präzise, es war häufig mehr ein Vorwärtsstolpern. Ziemlichen Respekt hatte ich vor der Begegnung mit Tobias Prüfert als Partner, den ich aus den Augenwinkeln schon hatte agieren sehen - schnell, stark und präzise! Aber in unserer Begegnung hat er mich netter Weise leben lassen, danke dafür 😉 
Jetzt gleich gehts auf zur dritten Runde für heute. Mal schauen, was uns jetzt erwartet..... :-)


Ogane Sensei, die Zweite!
Nach der Mittagspause überraschte uns Ogane Sensei mit einer weiteren Einheit! Wir starteten mit einigen Kihon Bahnen, bei denen wir unter anderem Gyaku Tsui aus Kokotsu Dachi und Kiba Dachi ausführen sollten. Danach ging es vor mit Mae Geri, absetzen mit Oi Tsuki, später zusätzlich Gyaku Tsuki. Vor dem Gyaku Tsuki sollten wir das Gewicht deutlich auf das hintere Bein verlagern. Die Bahn zurück ging es rückwärts mit Gedan Barei in Zenkutsu Dachi, selber Arm Age Uke, später auch noch Soto Uke. Diese Kombinationen setzten wir anschließend im Partner/innen-Training um, wobei wir als Angreifer/in weit vor- und als Abwehrende weit zurück gleiten sollten.
Anschließend folgte ein ziemlicher Paradigmenwechsel mit Kata Gankaku! Diese übten wir am Stück, in Etappen, gaaanz laaaangsam und ganz schnell (einschließlich der eigentlich langsamen Passagen). Auch Partner/innen-Übungen generierten wir aus der Kata, speziell aus den Anfangssequenzen bis zum Gyaku Tsuki und aus der Sequenz bis zur Drehung im Tsuro Ashi Dachi. Abschließend wurde die Kata noch in Gruppen und einmal gemeinsam ausgeführt.
Fazit: schöne, intensive Einheit!

TEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDANTEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDANTEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDANTEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDANTEKKISHODANTEKKINIDANTEKKISANDAN .... alles im Kiba Dachi, ohne Übersetzschritte, so trainierten wir es bei Okuma Sensei am Nachmittag. Ich wusste es doch, dass es eine Tekki-Woche wird und dieser Eindruck hat sich auch zwischendurch immer wieder bestätigt! Heute Nachmittag ließ uns der Sensei dann mal unsere Oberschenkelmuskeln kräftigen durch eine gute halbe Stunde den eisernen Reiter spielen und auf dem imaginären Ross hocken! Die Tekki I-III wurden - ohne die Ausgangsstellung im Kiba Dachi zu ändern - mehrfach am Stück ausgeführt. Dann ging es - wie im Video sehr schön zu sehen - mit Partner/in weiter, wobei eine/r von beiden "student" war und der/die andere "master": "student" sollte die Kata "richtig rum" ausführen und "master" seitenverkehrt. Im nächsten Durchgang wurden die Rollen getauscht und getauscht und getauscht und noch einmal und immer wieder! Insgesamt war einschließlich Warmup über die Hälfte der Einheit herum, als wir ein neues Thema begannen. Aber das sei noch gar nichts, so Okuma Sensei! Er mache das sehr oft 10 Minuten, 30 Minuten oder auch mal eine Stunde lang am Stück (also nicht wie bei uns jetzt mit Hochkommen, Seitenwechsel etc.!). Das präge die Oberschenkelmuskulatur aus und sorge für Stabilität und einen guten Stand! Glaub ich gerne, jetzt wo ich es mal live im Ansatz ausprobieren durfte 😉  Hier einige Impressionen von dem Tekki-Training: https://www.youtube.com/watch?v=U0tD6RVO9hU

Damit wir aber in der Reiterstellung nicht nur die Arme bewegten, sondern auch ohne die Beine zu versetzen Ganzkörpertechniken ausführten, sei es wichtig, vor allem Rumpf und Hüfte mit einzusetzen. Und das war eine gute Überleitung für die anschließenden Partnerübungen, die auch "Zeilen" aus Sochin, Heian Sandan und Enpi "zitierte": Tori greift an mit Tsuki Jodan, Uke geht vor - ähnlich wie in der Sochin beim ersten Kiai - mit Block Nagashi Uke Jodan und gleichzeitigem Konter Uraken (oder auch Tsuki, wichtig war halt, zeitgleich mit dem Angriff vor und in den Gegner/die Gegnerin rein zu gehen, die Distanz zu verkürzen). Im weiteren Verlauf sollte Uke den Partner/die Partnerin am Schlag-Arm packen (am Besten vorne, Nähe Handgelenk und kurz vor der Schulter am Oberarm), den hinteren Fuß 90 Grad hinten rum versetzen (ähnlich wie bei der vorletzten Technik der Heian Sandan) und wie in Enpi landen - mit "Groundpower"! 
Zum Abschluss der Einheit griff Okuma Sensei noch einmal den Tekki-Faden auf und spulte daraus eine Partner/innenübung ab, bei der der/die Abwehrende nur einen Arm für Block und Konter nutzen sollte: Tori greift an mit Kizami Tsuki, Uke blockt mit dem vorderen Arm den Schlag zur Seite und kontert direkt mit demselben Arm. Es folgt Chudan Gyaku Tsuki, Uke blockt den Schlag mit Hüfteinsatz (das vordere Bein wird dabei ein Stück herangezogen) nach unten weg und kontert wieder mit dem selben Arm. Hier war für mich leider wieder die Trainingszeit zu knapp, das hätte ich gerne noch etwas intensiver geübt. Aber man kann ja alle Übungen mit nach Hause nehmen und da intensiver trainieren. 
Jetzt gibts morgen für uns noch eine Einheit Kata am Morgen. Was es wohl gibt? Naka Sensei? Und die Nijushiho hatten wir noch gar nicht 

Jitte, Ji‘in, Jion - das waren die Kata des letzten Morgens beim diesjährigen Czech Gasshuku in Kadan. Die Reihen hatten sich schon deutlich gelichtet, als Naka Sensei heute mit Heian Sandan begann, die zu dem Kata-Triplet passt, da sie ähnliche Bewegungsmuster enthält. Der erste Fokus der Einheit lag dann auf der Ji‘in, die aktuell nicht mehr zum offiziellen Repertoire der JKA gehört. Bei der Bahn im Kiba Dachi mit Shuto Uchi schlug Naka Sensei vor, alternativ auch Teisho auszuprobieren. Ich meine mich zu erinnern, dass Naka Sensei vor zwei oder drei Jahren noch auf Teisho bestanden und uns nicht die Wahl gelassen hatte. Aber offenbar wird uns Karateka mehr und mehr Verantwortung übertragen, Techniken zu studieren und den Sinn dahinter zu erkennen. Ähnlich verhielt es sich nämlich bei der Frage, ob wir den Tetsui Uchi an der Schulter oder unter dem Arm ausholen: Beides scheint „erlaubt“ zu sein und hat Vor- und Nachteile - an der Schulter ausgeholt ist die Technik schneller, unterm Arm stärker. 
Nachdem wir die Ji‘in in groben Zügen durchgegangen waren, ging es zur Jitte und schließlich zur Jion über. Naka Sensei klärte uns auf, dass die Jion ursprünglich die höchste dieser drei Kata gewesen sei und die Jitte am Anfang der Skala gestanden habe. Die Jitte ist mit 24 Zählzeiten die kürzeste Kata dieser Gruppe, gefolgt von Ji‘in (35) und Jion (47). Alle drei Kata übten wir dann noch in Fünfergruppen, wobei auch auf das korrekte Zählen geachtet werden sollte. 
Zum Abschluss gab es noch zwei Durchgänge Ji‘in, bevor wir den Heimweg antraten.

Donnerstag, 14. Juni 2018

Pfingstlehrgang mit Naka Sensei und Risto Sensei in Berlin

Die Pfingstlehrgänge unserer Freunde in Berlin-Marzahn (Bushido Berlin) sind schon legendär. Ich selbst war 2006 zum ersten Mal da – wow, schon 12 Jahre her! Damals war Akita Sensei an der Seite meines Senseis Risto dort und ich hab damals meinen Karatefreund Reijo Kangas aus Oulu kennen gelernt. Pfingsten 2012 war ich dann erstmals mit Torsten in Berlin – dies war der erste Lehrgang, den die Senseis Risto und Naka gemeinsam gaben. Damals war es eine kleine Sensation für die meisten der anwesenden Karateka, zu sehen, dass Risto und Naka im Grunde dieselben Karate-Prinzipien verfolgen. Torsten und ich haben dass seitdem immer wieder festgestellt und finden es fantastisch, dass auf diese Weise bei den Trainings dieser beiden hochkarätigen Karateka im Grunde genommen „alle Techniken gleich“ sind – wie Risto Sensei es seit über 20 Jahren propagiert. 

Es war ja schon immer so, dass Risto Sensei die Karate-Gemeinschaft polarisiert hat: Nicht alle können es gut leiden, wenn ihnen im Training schonungslos die Meinung gesagt wird. Viele halten auch gerne an alten Gewohnheiten fest und möchten sich nicht umstellen. Das ist zwar auf den ersten Blick verständlich, in meinen Augen aber auch sehr bedauerlich, denn wer heute immer so trainiert wie gestern, kann keinen wirklichen Fortschritt erfahren. Allerdings muss ich gestehen, dass es leichter ist, 90 Minuten mit einem charmanten und lächelnden Trainer in einer Turnhalle zu verbringen, der jedem das Gefühl gibt, etwas ganz Großartiges geleistet zu haben, als bei einem leicht griesgrämigen Brummbär, der keine Gelegenheit auslässt, den Trainer-Finger in jede Technik-Wunde zu legen. Aber für mich ist der schonungslose Weg unmittelbar, direkt und zielführend. Und ich ahne, dass sich auch hinter einem freundlichen Trainergesicht oft genug dieselbe Verzweiflung über unser technisches Unvermögen versteckt wie sie bei anderen durch offene Missbilligung ausgedrückt wird

However – jetzt war wieder Pfingsten und wieder Risto-und-Naka-Zeit. Und Torsten und ich waren natürlich wieder in Berlin. Es war schön, die vielen Bekannten wieder zu sehen, denen wir eigentlich grade erst beim Kata-Spezial in Tauberbischofsheim Tschüss gesagt hatten Nun also in Berlin schwitzen und schwatzen. Naka Sensei hatte zahlreiche Karateka aus ganz Deutschland aber auch aus vielen Nachbarländern (Frankreich, Schweiz, England, Tschechien, Russland etc.) angelockt. Aber auch der konstante Stamm der Risto-Fans war vertreten! Unsere Freunde vom Bushido Berlin hatten sich alle Mühe gegeben, den Lehrgang möglichst perfekt zu organisieren. Sogar an Übersetzer hatte man gedacht: bei Naka Sensei vom Japanischen ins Deutsche und von da aus dann ins Englische und bei Risto Sensei vom Risto-rischen ohne Umweg ins Englische, was schade war, da einige der Deutsch sprechenden Karateka zwar gehört hatten, was der Meister sagte, aber nicht verstanden hatten, was er meinte (kleiner Insiderwitz J).  Das führte dann dazu, dass z. B. einer meiner Karate-Bekannten nicht anerkennen wollte, dass es verschiedene Arten des Gyaku-Tsuki gibt (den direkten, den indirekten, den Konter-Gyaku-Tsuki, den Angriffs-Gyaku-Tsuki, den steigenden, den fallenden und seit einigen Jahren auch den überlaufenen Gyaku Tsuki etc.). Risto-Jünger kennen das natürlich und versuchen sich zum Teil seit vielen Jahren oder Jahrzehnten daran. Eigentlich unterrichtet Naka Sensei – unterrichten alle JKA-Senseis – nichts anderes. Sie benutzen allerdings andere Begriffe oder beschreiben den Ablauf anders. Aber letztlich, wenn man genau hinsieht, ist es nichts anderes! 

Torsten, Alexander, Jürgen, Dirk, Doreen, Mirko, René, Tom, ich und viele andere aus unserer „Risto-Peer-Group“ versuchen seit einer halben Ewigkeit, die Prizipien unseres finnischen Vorbilds umzusetzen. Es ist halt immer dasselbe und das ist nie gut genug. Das zu erkennen, ist mühselig und sich darauf einzulassen nicht immer einfach. Darum finde ich es zwar sehr schade, wenn Menschen aus meinem Karateumfeld nach einem Risto-Training behaupten, dies sei "das schlechteste Training" gewesen, "das sie jemals erlebt" hätten. Aber ich kann es auch ein stückweit verstehen: Trainiert man nur gelegentlich auf dieser Basis, sind Ristos Äußerungen verwirrend, kryptisch und eventuell wenig motivierend. Ist man aber einmal auf dem „Trip“ und von dieser Lehre überzeugt, gibt es daneben eigentlich nichts anderes mehr. Es sei denn, andere Trainerinnen und Trainer sprechen dieselbe "Sprache" – so wie die JKA-Instructorinnen und –Instructoren oder auch André Bertel Sensei. 

Soviel zum Grundsätzlichen, zu den Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden faszinierenden Senseis, die fernab und vollkommen unabhängig voneinander denselben Karate-Weg gefunden haben. Ich schrieb bereits 2012 einen Artikel hierüber, den Interessierte in meinem Blog unter diesem Link finden können (Link gerne kopieren und im Browser eingeben): https://andreahaeusler.blogspot.com/2012/06/zwei-meister-eine-meinung.html

Was gab es denn diesmal speziell? Risto führte uns – wie schon erwähnt – an die verschiedenen Formen des Gyaku-Tsuki heran. Eine seiner beliebten Trainingsaufforderungen lautet: „Mach mal Gyaku-Tsuki.“ , diesmal gerichtet an unseren Karate-Freund Christian aus Bremen. Dieser stellte sich artig in eine Gyaku-Tsuki-Position. Seine richtige Reaktion wäre aber gewesen, zu fragen: „Welchen?“ Andere Risto-Rismen sind Fangfragen wie: „Wo trifft die Technik?“ (Antwort: auf den Punkt) oder „Warum bleibt das Knie nach dem Mae Geri oben?“ (Antwort: Weil wir Shotokan Karate machen.) Ach ja, wir kennen das alles schon und durch Ristos finnisch-frischen Humor sind für mich und wohl auch für Torsten die Trainings bei unserem geschätzten Brummbär genauso lehrreich und unterhaltsam wie bei den charismatischen Trainern aus Japan. 

In der letzten Einheit gab es bei Risto noch die Kata Chinte. Die Reihen hatten sich am Pfingstmontag schon merklich geleert und auch Torsten und ich hatten kurz überlegt, nach dem Frühstück abzureisen, um dem Rückreisestau zu entgehen (auf der Hinfahrt hatten wir gut acht Stunden gebraucht). Aber wir überlegten wirklich nur ganz kurz. Und das war gut so. Denn die Chinte bei Risto war ein wahres Vergnügen und der Meister Trotz der Feier am Vorabend in Bestlaune! Die Chinte, gerne als Mädchen- oder Frauen-Kata verpönt, erhielt durch Ristos Erklärungen einen ganz neuen Anstrich und erschien in einem brutalen Selbstverteidigungs-Gewand! Am Ende der Einheit gab es noch Ristos klassisches Jiyu-Ippon-Kumite-Programm. Der arme Torsten hatte einen älteren Karateka, der von den Prinzipien des Belastens und Benutzens wohl noch nie etwas gehört hatte! Bei mir liefs rund und ich hatte Spaß und war sehr froh, dass wir diese Einheit noch genutzt hatten.

Naka Sensei hatten wir grade erst auf dem Kata-Spezial erlebt. Wir übten alle Heian Kata und die Kata Jion. Hier legte der Meister den Fokus auf zahlreiche Feinheiten und auf die korrekte Zählweise. Nicht zum ersten Mal führte uns Naka Sensei vor, wie dass Kata nicht nur gutes Übungsmedium für Koordination und Konzentration sind und nicht nur verschlüsselte Selbstverteidigung, sondern dass man sie auch hervorragend dazu nutzen kann, spezielle Bewegungsmuster zu trainieren. Bei anderen Gelegenheiten hatten wir z. B. aus der Taikyoku Shodan eine Übung für Jiyu Ippon Kumite gemacht. In Berlin übten wir an dieser Basis Kata Festigkeit und "Groundpower", indem wir die Oi Tsuki nicht im Zenkutsu Dachi, sondern im Kosa Dachi ausführten. Gerne hätte ich bei Naka-Sensei noch mehr Kumite trainiert, denn der Einblick, den wir hier bekamen, war wieder seh spannend! Es war eine Übung, die wir auch in beim Czech Gasshuku schon einmal so oder ähnlich gemacht hatten: Wir taten uns in einer Gruppe zu etwa acht Personen zusammen. Sieben stellten sich hintereinander in einer Art Zickzacklinie auf und der oder die Achte stellte sich frontal zur Gruppe und griff den oder die erste/n mit Kizami Tsuki an, die anderen mit Oi Tsuki. Hier wurde dann von Durchgang zu Durchgang die Intensität erhöht.

Einen großen Fokus legte Naka Sensei bei allen Basistechniken - angegangen beim Angrüßen und Verbeugen - auf die korrekte Körperhaltung in Verbindung mit der richtigen Atmung. Wir übten mit Partner/in z. B. die verstärkte Bodenhaftung durch korrekte Gelenkstellung und Muskelspannung. 

Bei Naka Sensei und bei Risto Sensei war es im Grunde in allen Einheiten ein reines Basis-Training! Und es lohnt sich immer, in jeder Trainingseinheit ganz am Anfang anzusetzen. Dies und die Tatsache, dass für alle, die gut aufpassen und nicht „nur hören, was einer sagt“, sondern auch verstehen, was er meint, eigentlich „alle Techniken gleich“ sind, machen die Naka-Risto-Lehrgänge immer zu etwas ganz Besonderem. Ich hoffe, dass wir in zwei Jahren wieder zu diesem Event nach Berlin eingeladen werden – und habe uns vorsorglich schon wieder zwei Zimmer reserviert..... J

Freitag, 14. April 2017

Tag 11 - und Tag 1 JKA Spring Camp

Schnelles Frühstück im Hotel - zu Fuß und im Gi zum Honbu Dojo. Dort Trainingskarte abgeholt und feststellen müssen, dass wohl unsere Lehrgangsgebühr noch nicht abgebucht war! Vermutlich muss ich bitten, nochmal meine Kreditkarte zu belasten - oder nächste Woche nochmal überweisen!

Um 09.00 Uhr begann die Eröffnungszeremonie, gehalten unter anderem von Shihan Ueki. Thema war vor allem die Verbindung von Körper und Geist im Karate und das Ziel, durch Karate und durch die gelebte Dojo Kun ein Mensch zu werden, der Respekt und Wertschätzung ausstrahlt und dafür sorge, dass die Welt ein besserer Ort werden kann.

Anschließend ging es los mit der ersten Einheit bei Kurasako Shihan, von dem ich bisher ehrlich gesagt noch nichts gehört hatte! Ich schätze ihn auf ca. 70 Jahre. Seine Themen waren die Kata Tekki Nidan und Sandan. Wir starteten zunächst mit Kiba Dachi-Vorübungen - wie steht man? Vor allem: Wie steht man stabil? Das Geheimnis ist die Innenspannung trotz der außen stehenden Knie! Wir übten dann mit dem KB seitwärts zu gleiten und dann seitwärts zu gehen. Dann aus dem Shizen Tai heraus in den KB mit Hüfteinsatz (musste hierbei an André Sensei denken und an das, was er hierzu erklärt hatte). Dann KB mit Drehung um die rechte bzw um die linke Körperachse.

Zur Nidan gab es dann zwei nette Partnerübngen: Tori Angriff Ts Chudan, Uke steht 90 Grad mit der rechten Schulter zum Tor und geht mit dem linken Fuß zurück in KB, Block Moroto Uchi Uke .... (Torsten fragen...)

Tekki Nidan übten wir ebenfalls zunächst in Sequenzen, dann am Stück. Kurasako Sensei bat uns, die Kata nicht so durchzuhasten, sondern Technik für Technik bewusst und stark zu machen. Auch hier gab es Bunkai: Tori greift an mit Ts Chudan, Uke geht rechts raus in KB, blockt mit li Arm Uchi Uke, dann Tori Gyaku Tsuki, Uke anderer Arm Uchi Uke, dann geht Tori etwas zurück, greift an mit doppeltem Tsuki, Uke legt die Unterarme aufeinander und blockt damit den Schlag ab, dann mit re Uraken oder Ura Tsuki

In der Pause gab es für jeden, der bestellt hatte, Bento-Boxen, sehr lecker, aber eigentlich noch nicht nötig!

Danach Naka Sensei! Auf dem Programm standen Kihon Kumite Formen. Wir starteten aber mit Basis Kihon:

Beim Kihon lag der Fokus auf der „Budo Stärke“ – Budo Stärke bedeutet, Kraft nicht aus der Muskulatur zu erzielen, sondern durch Atmung, Einsatz des ganzen Körpers und Absenken des Körperschwerpunktes.

Wir starteten mit Choko Tsuki im Hachi Dachi (Shizen Tai)
Anschließend Tsuki aus dieser Position mit einer Vorwärtsbewegung. Hierbei erklärte Naka Sensei, dass wir zuerst mit der Ferse auftreten und dann den Fuß zum Ballen hin abrollen sollten. Den anderen Fuß sollten wir sofort nachziehen. Der Tsuki sollte bereits beim Aufsetzen des ersten Fußes erfolgen. Ich habe in Erinnerung, dass wir das bisher häufig anders geübt hatten, nämlich so, dass der Tsuki mit dem „Schließen“, also mit dem Ranziehen des zweiten Fußes erfolgt. Ich muss nochmal ausprobieren, ob die eine Version stärker ist als die andere, ob beide gleich stark sind – oder in wieweit sie sich ansonsten unterscheiden.

Weiter ging es mit Gohon Kumite. Wir starteten mit der klassischen Version. Ich hatte hier einen Partner von „irgendwoher“, keine Ahnung. Es war kein Japaner, seinen Attitüden nach zu urteilen hatte er ein Problem damit, mit einer Frau zu trainieren, die auch noch beherzt angreift. Er „wechselte“ mich dann auch später bei einer Übung aus, bei der wir einander von hinten um die Taille umfassen und hochheben sollten (Unterschied erspüren, ob wir „normal“ stehen oder mit der Atmung „schwer“ werden). Ich bekam dann eine Frau als Partnerin von ihm „zugeteilt“.  

Das Kumite war so aufgebaut, dass wir nicht versuchen sollten, einander zu treffen, also einen Punkt zu machen / den anderen zu überraschen o. ä. – wir sollten uns vielmehr „harmonisch“ bewegen und miteinander arbeiten. Das hört sich so einfach an, war es dann aber irgendwie doch nicht, denn sobald ich im „Kumite-Modus“ bin, habe ich auch irgendwie immer eine „Absicht“ – und genau das sollten wir jetzt abschalten.

Ich übte – wie gesagt – zunächst mit dem Mann. Es war schwierig, denn er wählte von vornherein einen zu großen Abstand und wir kamen so im wahrsten Sinne des Wortes nicht zueinander. War ich mit dem Angriff dran, wich er zurück, nachdem ich den Abstand gewählt hatte. Passte also dann auch nicht. Aber er wählte ja dann ohnehin einen anderen Partner und ich bekam meine neue Partnerin zugeteilt.

Zwischendurch demonstrierte Naka Sensei mit einer Assistentin die Wirksamkeit des Angriffs ohne offenkundige Absicht: Die Assistentin streckte ihre geöffnete Handfläche Naka Sensei entgegen und der Sensei hob den rechten Arm, offenkundig mit der Absicht, aus der Hand „einen 500-Yen-Schein“ zu greifen. Die Assistentin schloss rechtzeitig die Faust, so dass Naka Sensei nichts hätte entnehmen können. Anschließend demonstrierte er, wie es wirkt, wenn man „absichtslos“ und ganz langsam – wie zufällig – in die Hand greift ... und bei jeder dieser Demonstrationen gelang ihm der Griff in die Hand! „Slowly but fast“ bekundete er uns. Und der absichtsvolle Griff war „fast but slowly“.

Hiernach wurde weiter geübt und wir gingen über zum Sanbon Kumite. Ich bekam wieder meinen ersten Partner zugeteilt. Im Sanbon Kumite übten wir zunächst „klassisch“ Jodan und Chudan. Dann sollte Tori den Konter des Uke wiederum blocken und erneut kontern – wahlweise mit Tai Sabaki und Gedanbarei, anschl. Gyaku Tsuki – oder (wohl bei Angriff Chudan gemeint, aber es funktionierten im Grunde beide Reaktionen bei beiden ursprünglichen Angriffsstufen, denn der Konter war ja immer Chudan Gyaku Tsuki) Tai Sabaki und Block und dann reingleiten im KB mit Yoko Empi.

Eine weitere Ausbau-Stufe war dann Sanbon-Kumite mit „Kiri Kaeshi“, wobei ich unter Kiri Kaeschi eigentlich immer eine Bewegung auf der Stelle verstanden habe, also Heranziehen des vorderen Beins und direkt wieder vor mit dem anderen Bein. Aber Naka Sensei erklärte es so, dass nach dem dritten Angriff durch den ersten Angreifer der andere einen Schritt vor geht (das Paar also die Richtung ändert) und seinerseits mit derselben Technik angreift. Nun sollte der ursprüngliche Angreifer blocken und kontern. (So eine ähnliche Übung hatten wir bei Toribio Sensei auf dem Gasshuku auch schon gemacht.) Wir übten dies mit zahlreichen Partnerwechseln, so dass es noch einmal anspruchsvoller wurde, da man sich nicht auf einen Partner „einschießen“ konnte.

Zuletzt übten wir Jiyu Ippon Kumite – direkt mit einem neuen Partner und gleich im ersten Durchgang Tsuki Jodan, Chudan, Mae Geri Chudan, Mawashi Jodan – aber ohne „announce“, also ohne Anzusagen. Hier kam es einem jetzt zugute, wenn man den Geist wirklich frei hatte, wenn man wirklich nicht versuchte, zu erahnen, was der andere vorhatte, das „Leer“ des Begriffes Karate auf den Geist bezogen! Herrlich! Und es hat auch noch geklappt J

Anschließend gingen wir direkt ins Hotel zurück und duschten. Danach legte sich Torsten ins Bett (um 15 Uhr) und ist bisher (nächster Tag 08.30 Uhr) nicht wieder aufgestanden – die Erkältung, die ihn seit ein paar Tagen plagt, hat sich wohl durch das Training derart manifestiert, dass er heute nicht trainieren wird. Ach, Mist! Der Arme!


Ich selbst bin auf der Suche nach einer Fußpflege nachmittags etwas durch die Gegend gestromert, habe dem Tokyo Dome Hotel einen Besuch abgestattet, bin durch Nebenstraßen flaniert und habe abends für Torsten und mich im 7/11 ein Abendessen besorgt: u. ä. Instant-Miso-Suppe mit Tofu – gar nicht schlecht! Man kann auch preiswert essen in Japan J

Dienstag, 4. April 2017

Japan 2017 Tag 1 und 2

Hinflug über Frankfurt - 10 h Flug ohne Schlaf!

Metro zum Hotel ohne Probleme, nur nicht gewusst, dass man das Ticket auch beim Auschecken aus der Metro braucht. 1. Mal dort aufgefallen an diesem Tag...

Hotel gut fußläufig erreichbar - erstmal den Mann angerufen und gar nicht dran gedacht, dass da ja erst früher Morgen ist (naja....halb acht, also soll er sich mal nicht so anstllen ;-) )

Noch zu früh zum Einchecken, daher bisschen rumgelaufen, erste Erkundungen, erster Kaffee ....

Zimmer super klein! Kleiner noch als die Zelle im Kloster! Bad sehr witzig mit Bidet-Toilette, wie wir sie aus dem Reiseführer kannten! Alles erstmal ausprobiert ;-)

Nach ganz kurzer Pause und "Einrichten" in dem kleinen Zimmerchen mit der Metro von Asakusabashi nach Asakusa - wohl falsches Ticket gezogen? Beim Auschecken aus der Metro aufgefallen und 10 Yen nachzahlen müssen ;-) Nur ich - Torsten hatte Glück gehabt! Zweites Mal aufgefallen beim Metrofahren!

Wunderschönes Asakusa! Schöne Tempelanlage (ältester Buddhistischer Tempel Japans!?) Senso-ji. Viele Geschäfte, Restaurants, lecker zu Abend gegessen und zeitig im Hotel.

Früh zu Bett gegangen aber wiederholt durch Handyklingeln geweckt worden, denn in Deutschland ist ja erst früher Abend! Erst ignoriert - Urlaub ist Urlaub und zudem war es mitten in der Nacht - aber dann doch dran gegangen. Nix Wichtiges.....Handy auf stumm geschaltet.

Gute Nacht gehabt. Um 07.00 zum Hotelfrühstück. Keine Ahnung, was ich da bestellt habe! Lecker wars, irgendeine Suppe (Kürbis?), viel Kaffee, Säfte, Toast zum Selbertoasten, Rührei.

Jetzt gleich gehts zu Hirota. Heute Abend Verabredung mit Petra Karlova und Training bei Naka Sensei.

Hirota war ein lustiger kleiner Laden - wenn man nicht wüsste, dass eigentlich in einer großen Fabrik hergestellt wird, könnte man meinen, dort würde noch in Handarbeit gefertigt :-) Das waren dann aber wohl nur Feinarbeiten wie Stickereien oder so. Unsere Gis waren leider noch nicht da, werden angeblich dann zum JKA Gasshuku gebracht.

Weiter gings nach Shibuya - natürlich auf die Riesenkreuzung und mit etwas Faxen-Machen :-) Dann wieder in die Metro und zum Kaiserpalast, den wir sicher zwei Stunden erst westwärts und dann gegen Osten umrundeten, im Osten sogar in den kostenfreien Ost-Garten gingen auf die alte Samurai-Anlage und durch die schönen Grünanlagen! Toll!

Jetzt aber schnell zum Hotel, denn am Abend erwartete uns ja Training bei Naka Sensei!

Wir trafen wie verabredet Petra Karlova am Ausgang einer Metro-Station. Petra hatte angeboten, uns mit zum Training zu Naka Sensei zu nehmen. Was für ein Zufall, dass heute auch Schlatt Sensei mit einer Gruppe - darunter auch mein Karate-Freund Thomas Feig - im Dojo war! Außer uns Deutschen war da noch eine Gruppe Franzosen, einige Portugiesen und einige einzelne Karateka aus weiteren Nationen im Dojo. Kein Wunder, dass es richtig voll war! Vor uns war eine Kindergruppe dran und wir bekamen noch das äußerst respektvolle und formvollendete Abgrüßen mit!

Naka Sensei startete mit interessanten Aufwärmübungen mit einem Gummiband. Erst danach grüßten wir an. Dann gab es einige Kihon-Sequenzen und schließlich die Kata Heian Nidan. Im Folgenden wurde die Gruppe dreigeteilt und die jeweiligen Gruppen übten Heian Yondan, Bassai Dai und Sochin. Der Sensei hatte viele Details für uns im Gepäck, die uns gut forderten. Wieder einmal wurden wir auf die drei Körperachsen hingewiesen und darauf, uns im Prinzip immer grade in die Stoß- bzw. Trittrichtung zu bewegen - nicht zu rotieren. Dass unser Körper nicht nur aus Muskeln, sondern auch aus Knochen besteht, sollten wir nutzen, um schneller zu werden. Die Schwerkraft auszunutzen übten wir unter anderen in der Heian Nidan bei der Vorwärtsbewegung im KK um 45 Grad. Viel für den Kopf, wie immer, aber konditionell war das Training nicht so anstrengend, was der großen Gruppenstärke geschuldet war. Ich freue mich schon sehr auf alle weiteren Trainings - bei Naka Sensei im Rahmen des JKA-Gasshuku nächste Woche - aber vorher auch noch auf die Trainings bei André Bertel Sensei, bei einem Sensei in Osaka, den Torsten ausfindig machte und mal sehen, was uns sonst noch so alles an Karate begegnet. Es wird mit Sichierheit eine trainingsreiche und auch kulturell interessante Zeit!

Samstag, 9. Juli 2016

Czech Gasshuku 2016 - Der Weg hat sich gelohnt!

Vom 02. - 06.07.2016 fand das 11. Gasshuku in Tschechien statt. Für Torsten und mich war es dritte Gasshuku in unserem Nachbarland und zum ersten Mal hatten wir mit Sarah und Alex zwei Fuji San Trainer mit dabei. Austragungsort war diesmal die kleine Stadt Kadan, etwa 50 km von Chemnitz entfernt. Mit den Senseis Naka und Okuma waren auch diesmal wieder zwei der derzeit angesehensten und vermutlich auch beliebtesten Karate-Meister aus der Keimzelle unserer Stilrichtung, dem Honbu Dojo in Tokyo, tonangebend. Begleitet wurden diese beiden von dem erst 25 Jahre alten Instructor Ogane Sensei, der schnell seine anfängliche Zurückhaltung und Befangenheit verlor und ein sehr interessantes Training gab.

Was ist das Besondere an diesem Karate-Event, für das wir eine recht weite Anreise auf uns nehmen? Ich würde sagen, das Alleinstellungsmerkmal war bei den vergangenen Czech Gassukus die Übereinstimmung der Trainingsinhalte bei den verschiedenen Instructoren. Während man bei anderen Großveranstaltungen vielleicht grade die Vielfältigkeit der verschiedenen Trainerinnen und Trainer auf sich einwirken lassen kann, erhält man bei dem vielleicht etwas kleineren tschechischen Gegenstück Karate aus einer Hand, mit denselben Prinzipien und ähnlichen Bewegungsmustern, die von Einheit zu Einheit aufeinander aufbauen und sich ergänzen.

Gleichwohl haben alle Instructoren die Freiheit, eigene Schwerpunkte zu setzen. Naka Sensei war wieder ganz unbestritten der Garant für Motivation und für Karate wie von einem anderen Stern! Und wer dachte, Naka Senseis Karate-Konzept durch zahlreiche Lehrgangsbesuche bereits verinnerlicht zu haben, wurde mit neuen Bewegungsarten überrascht: Naka Sensei führte sozusagen eine dritte Dimension hinsichtlich unserer Karate-Beweungsmuster ein. Hatten wir durch ihn bereits die Drehung an unseren drei Körperachsen kennengelernt und Karatetechniken mit dem für ihn so berühmten Double-Twist an der Hüfte, so lernten wir jetzt, dass wir - je nach Schlaghöhe - den Oberkörper auch horizontal, mit einer Art wellenförmiger Kompression, unserer Schlagtechnik anpassen sollten. Wenn ich ehrlich bin, war auch dies nicht ganz neu und mein Trainingspartner Torsten erinnerte sich daran, dass Naka Sensei diese Idee bereits beim Lehrgang mit Risto Sensei in Berlin vor einigen Jahren vorgestellt hatte. Aber so intensiv wie jetzt in Tschechien war er damals nicht auf dieses Thema eingegangen. Und daher hatten viele von uns reichlich damit zu tun, das neue Bewegungsmuster umzusetzen. Natürlich hatte Naka Sensei auch wieder viele Themen im Gepäck, die wir zumindest schon einmal gehört hatten (ich wage mich nicht zu schreiben, dass wir sie umsetzen können....): Das Ausnutzen der Schwerkraft, um schneller zu werden, wurde wieder ausgiebig geübt und wir führten - wie auch schon in Dresden - einige Kata "einhändig" aus, also mit einer Hand am Obi fixiert, um uns für die Aktionen der jeweils aktiven Hand zu sensibilisieren. Sehr schön war es dann auch, einige Kata einhändig und ura auszuführen! Besonders gut gefallen haben mir auch die Anwendungssequenzen, die Naka-Sensei immer wieder ins Training einfließen ließ. Diese kamen in den eigentlichen Kata-Einheiten am Morgen für meine Begriffe vielleicht etwas zu kurz. Im letzten Katatraining am Mittwochmorgen konnten wir eine Idee davon bekommen, in welchen Sphären sich Naka Sensei hinsichtlich seines Karate-Studiums bewegt: Er spannte einen Bogen über die Jion-Ji'in-Jitte-Gruppe, um anschließend auf die Gojushiho Dai einzugehen und sie der Sho gegenüberzustellen. Seine Unterscheidung zwischen den Formen Sho und Dai wich von den mir bereits bekannten Darstellungen in "klein" und "groß" ab. Naka Sensei unterschied vielmehr zwischen "traditionell" und "weniger traditionell/neuer". Naka Sensei ging in dieser Einheit auch auf seine aktuellen Studien zur Jion-Ji'in-Jitte-Gruppe ein. Es war für mich sehr beeindruckend, mal auch nur ansatzweise zu erfahren, über welches Hintergrundwissen er verfügt, welche Gedanken er sich macht - während die meisten von uns noch bemüht sind, Bewegungsabläufe zu verinnerlichen und Techniken korrekt auszuführen.

Für Ogane Sensei war das Czech Gasshuku der zweite "Auslandseinsatz", nachdem er bereits im vergangenen Jahr in England unterwegs war. Kein Wunder also, dass er anfangs vielleicht ein wenig zurückhaltend wirkte und eventuell etwas schüchtern zwischen den beiden großen Instructoren. Zu dieser Zurückhaltung gab es aber absolut keinen Grund, denn Ogane Senseis Training war motivierend, fundiert und sehr interessant! Wir übten unter seiner Anleitung einige Kihon-Varianten, bei denen wir den Fokus auf die Veränderung des "Druck-Beins" legen sollten. Darauf aufgebaut folgten zahlreiche Kumite-Kombinationen, die zum Teil sehr anspruchsvoll waren! Erstmals tauchte im Training bei Ogane Sensei die Aufgabe auf, Kata korrekt zu zählen. Ohne noch näher darauf einzugehen, sollten wir partnerweise üben, abwechselnd die Bassai Dai auszuführen, während der andere zählte.

Ich muss gestehen, dass ich in den letzten Jahren Okuma Sensei immer mehr in mein Trainings-Herz geschlossen habe! Sein sympathisches, zuweilen leicht ironisches Auftreten motiviert mich ungemein! Aber auch seine Trainingsmethodik und -didaktik lassen nichts zu wünschen übrig! Er legte zunächst einen Fokus auf Schnelligkeit und wir übten anhand der Taikyoku Shodan mit zahlreichen Ausführungsvaianten, unsere Beine flink zu bekommen. Diese simple Basis-Kata nutzte Okuma Sensei im weiteren Lehrgangsverlauf auch als Übungsform für Gewichtsverlagerung. All dies mündete in anspruchsvollen Kumite-Übungen und - für mich natürlich besonders spannend und schön - in einigen Runden Randori! Kumite auf größeren Lehrgängen ist immer eine hervorragende Gelegenheit, um den eigenen Standpunkt festzustellen - wie funktioniert das Gelernte, wie funktionieren die Bewegungsmuster mit wechselnden Trainingspartnern und in der freien Bewegung? Eigentlich schade, dass besonders der freiere Kampf so selten geübt wird. Sicher eine Frage des Verletzungsrisiko - aber dies nimmt, so meine ich, eher ab, wenn die Routine zunimmt. In unserer Einheit am Dienstagnachmittag überraschte Okuma Sensei uns wohl alle! Schon ein wenig erschöpft hatten wohl viele von uns noch einmal alle Energien für eine anstrengende Einheit zusammengenommen. Und dann gab es weniger Training für den Körper, als für den Kopf. Im Fokus der Einheit stand nämlich die "Philosophie des Zählens" - Okuma Sensei griff den roten Faden aus Ogane Senseis Training auf und erläuterte uns zunächst ausführlich die große Bedeutung des Kata-Zählens: Durch das korrekte Zählen und die richtige Stimmlage könnten wir das Tempo und die Ausstrahlung eines Kata-Trainierenden "dirigieren". Wir kennen es alle: Schnell und stark auszuführende Techniken werden mit lauterer Stimme und großer Betonung gezählt, während langsame Techniken mit einer ruhigeren und etwas tieferen Stimme gezählt werden. Bei langsamen Techniken sollten wir darauf achten, auch in der einzelnen Zählzeit die Stimme korrekt zu intonieren - langsame Techniken starten schnell und laufen dann langsamer aus. So sollte auch die Stimme klingen. Alle Kata sollten wir dann im Zehner-Rhythmus zählen, also immer von eins bis zehn durch und dann wieder bei eins starten. Ich stellte mit Beruhigung fest, dass ich nicht die Einzige war, der hier die Übung fehlte! Etwas neu war zum Teil die JKA-Zähl-Variante, die gelegentlich von der im DJKB praktizierten Zählweise abweicht. Aber da hatte ich mit Melissa einen echten Profi an meiner Seite: Durch ihre große Wettkampferfahrung kannte sie alle Besonderheiten und konnte sie in unser Training mit einfließen lassen. Okuma Sensei gab uns genau vor, welche Kata wieviele Zählschritte umfasst und achtete penibel darauf, dass wir mit der richtigen Zahl endeten. Diese Einheit war für mich einfach brillant! Es war Trainertraining auf ganz hohem Niveau! So eine Einheit könnte ich mir auch gut auf einem Instructor-Lehrgang des DJKB vorstellen.

Man ahnt es schon: Mein persönliches Fazit des Czech Gasshuku fällt extrem positiv aus! Ich habe viele neue Trainingsimpluse bekommen, viele Aspekte zum Nachdenken und Rekapitulieren, zahlreiche unglaublich nette Menschen wiedergetroffen und neu kennen gelernt. Das besonders schöne Drumherum in der netten kleinen Stadt Kadan mit unserem erstklassigen Hotel Split und der  abendliche Ausflug nach Prag haben die Trainingswoche perfekt abgerundet. Ein großer Dank geht an dieser Stelle an die Organisatoren und Helfer des Czech Gasshuku, allen voran Richard, David und Jana sowie an meinen Trainingspartner Torsten für die unermüdlichen Chauffeur-Dienste und last but not least an die drei erstklassigen Instructoren Naka Sensei, Okuma Sensei und Ogane Sensei. Im nächsten Jahr bin ich ganz sicher wieder dabei! Oss!