Wenn ein Karateka ins Theater geht, welches Stück empfiehlt sich da? Natürlich Goethes Faust! ;-))
Ich konnte doch tatsächlich meinen Mann überreden, mit mir der Tragödie ersten Teil auf Münsters Städtischen Bühnen anzusschauen. Vor rund einem Monat beschloss ich, mich um Karten an einem Wochenende zu kümmern - und stellte fest, dass die nächsten Vorstellungen bereits ausverkauft waren! So wurde es erst am 26.4. etwas mit Doktor Faust, seinem Gretchen und Mephistopheles. Selbst zu diesem Termin gab es nur noch Karten "auf den billigen Plätzen" - ganz oben, seitlich auf dem Balkon, für ganze 5 Euro die Karte. Nun, so billig kommt man nicht mal ins Kino und ich hatte auch zuvor schonmal dort oben gesessen. Sicher ists unten oder mitten drin schöner, aber wenn wir den Faust in absehbarer Zeit nochmal zu zweit sehen wollten, hatten wir keine Wahl. Allen Unkenrufen, Münster sei kulturelle Provinz, weil die breite Bürgerschaft ja die Errichtung einer Musikhalle mit finanziellen Mitteln der Stadt ablehne, zum Trotz: Kulturbegeisterte scheint es ja noch genug zu geben.
Als wir dann kurz vor knapp (und recht außer Atem vom Treppensteigen - ächz!) unsere Plätze einnahmen, staunten wir nicht schlecht darüber, noch soviele freie Sitze zu sehen. Das Geheimnis war aber schnell gelüftet: Durch die Art der Inszenierung waren einige Reihen gesperrt - der Hauptteil des Schauspiels fand nämlich nicht auf der Theaterbühne statt, sondern mitten im unteren Zuschauerraum. Die vorderen Zuschauersitze, also mit Blick zur regulären Bühne, waren daher umgedreht und wer in der Mitte zu sitzen glaubte, war mittendrin, statt nur dabei. Seitlich von der Ersatz-Bühne saßen keine Zusschauer, sondern Statisten, die dann während des Spiels schnell auf die Bühne gelangen konnten. Auf der regulären Bühne befanden sich ein Chorleiter und eine Band, die schon optisch rockige Klänge erahnen ließ, da sie mit Schlagzeug und E-Gitarre ausgestattet war. Über der Band sowie links und rechts seitlich der ersten Reihen vom Publikum waren große Leinwände angebracht, auf die während einiger Phasen Videosequenzen projeziert wurden.
Zu Beginn des Stückes mischten sich als Engel verkleide Kinder - vermutlich wieder Mitglieder des Domchors? - mit Kerzen in den Händen unter die Zuschauer der unteren Balkone. Es folgte der Prolog im Himmel, den der "Leibhaftige", Mephistopheles, mit Gott führt. Mephisto wird sehr nett dargestellt von Johann Schibli. Wer hier Teufelshörnchen und den Huf erwartete, wurde enttäuscht: Mephisto sah aus wie "einer von uns" - "cool" gewandet in einen hippen Gothik-Look mit langem Mantel und Leder(?)hose. War es Zufall, dass er durch sein schwarzes Kopftuch zweilen an Jack Sparrow erinnerte, den Piraten aus "Fluch der Karibik"? Dieser "Geist, der stets verneint" ist nun auf der Bühne präsent, während die Stimme Gottes aus dem Off tönt. Warum nur wurde Gott durch so eine kindliche Stimme dargestellt, während Mephisto mit einem vollen Bass durch das Theater dröhnte? Irgendwie hatte man schon hier das Gefühl, dass das Böse stärker ist und die dunkle Seite siegen wird. Gott und Teufel schließen eine Wette ab über die Seele des Doktor Faust. Gott meint, in ihm einen gläubigen, treuen Mann gefunden zu haben, der trotz aller Zweifel am Glauben nicht vom Pfad der Tugend abzubringen sei. Mephisto wettet, ihn verführen zu können. Sollte Mephisto siegen, könnte er die Seele Faustens haben.
Doktor Faust wurde dargestellt von Wolf-Dieter Kabler und wirkte vor allem glaubwürdig in der Rolle des zweifelnden und verzweifelten Professors. Weniger gut kaufte man ihm die Rolle des schmachtenden Liebhabers ab. Die Verjüngungskur durch Hexenzauberei wurde durch einen mintfarbenen Anzug (warum nur muss ich an den "hellgrünen Jerseyanzug aus "Es gibt Reis" denken?) und - igitt - weiße Slipper angedeutet. Das wars aber auch schon, was ihn jünger machen sollte. Vom Wesen her war keine Veränderung festzustellen. Überzeugender dagegen sein Famulus Wagner (Matthias Caspari). Dieser wirkte unbefangen wissbegierig und trotz umfangreichen Studiums an allen Fakultäten herrlich naiv.
Es liegt in der Natur des Stückes, dass in der Regel nur eine verkürzte Fassung dargeboten werden kann (Ausnahme: ungekürzte Fernsehfassung mit Bruno Ganz anlässlich der Expo 2000 in Hannover). Einige Szenen wurden daher zusammengefasst oder über musikalische Einspielungen dargestellt, so etwa die Szene in Auerbachs Keller oder die Walpurgisnacht. Für meine Begriffe war die Musik zwar peppig und die ausgesuchten Stücke auch ganz witzig ("Sympathy for the Devil" von den Stones, "Highway to Hell" von ACDC...) aber ich persönlich fand die Musik zu aufdringlich im Verhältnis zur Dramaturgie. Das eigentliche Theaterstück drohte dagegen zu verblassen, zur Nebensache zu verkommen. Auch die Videosequenzen haben das Stück optisch m. E. überfrachtet, statt es zu untermalen. Ein wenig hadere ich mit mir noch - was sollte ich z. B. von den Hexen halten, besonders von der grellen Hexe mit den rot-blond gefärbten Haaren halten? War sie jetzt übertrieben grell mit ihrer verzerrten Stimme? Oder passte das? Nein, wenn ich jetzt so drüber nachdenke, hätte eine Hexe ruhig verrucht wirken dürfen, aber Hexen sind ja auch irgendwie Heilerinnen und so hätte ruhig dieser etwas alberne Unterton fehlen können. Auch Mephisto übrigens hatte seine komischen Momente: etwa in der Pudelszene, als sich der Teufel als "des Pudels Kern" entpuppt. Hier stülpte sich der Schauspieler eine schwarze Pudelperücke über und lief bellend über die Bühne. Das war sehr unterhaltsam, drohte aber auch schon fast wieder in den Klamauk abzudriften.
Und nun das Gretchen. Sie ist wohl die tragischste Figur des ganzen Stückes, da sie zufällig in die teuflische Wette mit einbezogen wird und grade ihrer Unschuld wegen einen besonderen Reiz auf Dr. Faust ausübt. Fromm, artig, schüchtern, naiv und natürlich unschuldig - so soll es sein, das Gretchen. Ich weiß nicht warum, aber ich hab sie mir irgendwie auch blond vorgestellt (vielleicht wegen ihrer Naivität? Sorry an dieser Stelle an alle Blondinen ;-)) Das Gretchen, welches uns hier jedoch präsentiert wurde, war eher keck, frisch, fröhlich frei - und die Unschuld nahm man ihr irgendwie auch nicht so recht ab. Für mich, als Fan des Stücks "Gretchen 89 ff", läßt sich daher mehr aus der Rolle machen. Erst nachdem Margarete ihre Unschuld verloren hatte und mit ihrem Schicksal haderte, bis sie schließlich halb von Sinnen als Doppelmörderin ihrem Tod entgegenblickt, war sie richtig glaubwürdig. Die dramatische Seite konnte hier also viel besser verkörpert werden als die unschuldige.
Frank und ich mussten dann auch kurz überlegen, was denn nun die Gretchenfrage gewesen sei, aber mir fiel dann auch wieder ein, dass es diese war: "Nun sag, wie hast Du's mit der Religion?" Eine Gretchenfrage ist also stets die direkte, an den Kern eines Problems herangehende Frage.
Mir am Besten gefallen hat allerdings die Darstellung der Nebenrolle Mathe Schwerdtlein, der Nachbarin von Gretchen. Herrlich verrucht und einen Hauch vulgär macht sie sich an den Teufel heran! Hier fehlte die Ironie und der Klamauk, war echte Leidenschaft im Spiel und in all ihrer geheuchelten Trauer und unterdrückten Libido war sie die authentischste Figur von allen!
Es gibt so viele Bilder und Redewendungen im Faust! Des Pudels Kern, die Gretchenfrage, aber auch "Die Kunst ist lang doch kurz ist unser Leben", "Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein", "Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen", "Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles" - es kommt mir vor, als gehörten all diese Verse zum täglichen Sprachgebrauch meiner Kindheit, so oft hat mein Vater sie im täglichen Leben gerne zitiert. Auch die Frage, wie denn nun Dr. Faust mit Vornamen hieße, könnte ich bei Günter Jauch nun auch wieder beantworten, ist doch des Gretchens (fast) letzter Hauch: "Heinrich, mir graut vor Dir!" Ich glaube, das ist auch die einzige Stelle im Stück wo der Vorname überhaupt erwähnt wird.
Fazit: Die Inszenierung "Faust, der Tragödie erster Teil" der Städtischen Bühnen Münster in der Spielzeit 2007/2008 ist mitreißend und modern, laut und lustig, bunt und burlesk, unbeschwert und unterhaltsam. Sie wirkt wie ein buntes Feuerwerk voller spritziger, innovativer Ideen. Wie bei einem ausgiebigen Feuerwerk ist man aber auch hier hin und wieder geneigt, sich die Ohren zuzuhalten. Häufig ist die Darstellung durch optische und akustische Reize überfrachtet - weniger wäre hier wohl mehr gewesen. Für Einsteiger in klassische Stücke, Deutsch-Leistungskurs-Beleger und Theater-Abo-Pflichtbesucher war es sicher ein sehr unterhaltsamer Abend. Für uns auch. Aber eben "fast nur" unterhaltsam - wie ein guter, gefälliger Kinofilm eben. Ganz losgelassen hat aber vor allem Frank die Thematik nicht und er hat eben doch etwas länger von dem Theaterstück gezehrt, als von einem Besuch im Zelluloid. Ein Besuch des Stücks lohnt sich trotz der Leichtigkeit in jedem Fall - und sei es auch nur, um einen schönen Abend im Theater zu verbringen.
Montag, 28. April 2008
Freitag, 25. April 2008
Projekt Selbstverteidigung Theresienschule 23. und 24.04.2008
Meine beiden Töchter besuchen derzeit die Theresien-Grundschule in Münster. Beim letzten Elternabend erfuhren wir, dass eine Projektwoche zum Thema "Olympia" stattfinden würde und wurden gebeten, uns eventuell als Projektleiter oder Helfer zur Verfügung zu stellen. Als Projekt-Themen gab es z. B. Griechenland, Leben und Essen in China (da ja die diesjährige Olympiade dort stattfindet), Theresien-Marathon, Leichtathletik, Mosaik, Tempelbau, Ringen und Raufen und - Selbstverteidigung! Spontan dachte ich: warum nicht? Da kann man doch sicher etwas Tolles veranstalten. Also meldete ich mich als Leiterin für dieses Projekt.
Je näher die Projektwoche rückte, desto mulmiger wurde mir alledings...schließlich hatte ich bisher nur als Co-Trainerin an SV-Kursen mitgewirkt und noch nie einen geleitet und - wie würde dies mit einer Horde von Kids funktionieren? Ich habe daheim ja mit meinen eigenen meist schon genug "zu kämpfen"! Zudem hatte ich auch nicht wirklich den Kopf frei, um den Kurs vorzubereiten, da ich ja mitten in den Vorbereitungen zur Dan-Prüfung steckte.
Dennoch fielen mir nach und nach ein paar schöne und kindgerechte Ideen ein und was die tatsächliche Selbstverteidigung anging, orientierte ich mich an dem Konzept meines Vereinskameraden Thorsten Rabeneck (4. Dan), der die bisherigen Kurse, an denen ich mitgewirkt hatte, leitete.
Etwa eine Woche vor Projektbeginn kam meine Tochter Franziska, die sich schon auf das Mama-Tochter-Projekt gefreut hatte und die ich im Stillen schon als "Assistentin" eingeplant hatte, schluchzend nach Hause: Laut Planung des Schulleiters wäre sie gar nicht in meiner Gruppe! Schnell war dies aber telefonisch grade gerückt und bei der Gelegenheit verriet mir der Schulleiter auch, dass "mein" Projekt das mit den meisten Nennungen als Erstwunsch war. Wow! Nun war ich erst Recht im Zugzwang, einen schönen Kurs anzubieten.
Nach und nach fielen mir auch einige schöne Ideen ein. So hatte ich einen spontanen Einfall, als Einstieg "Wer wird Millonär" zu spielen: die Kids in zwei Gruppen aufteilen und je 10 Fragen stellen, die Gewinnergruppe bekommt eine Tüte Gummibärchen. Die Fragen lauteten dann z. B. "Was bedeutet der Begriff Karate?" A: Der Begriff ist aus einem Schreibfehler entstanden und heißt eigentlich Rakete. B: Es ist die Abkürzung für Kanalratte. C: der leere Kopf oder D: die leere Hand. Andere Fragen lauteten: "Was macht Kim Possible unschlagbar?" (Antwort für alle über 14: Judo) oder aber auch: "Was ist ein Kiai?". Die Kids sollten wie bei Jauch pro Gruppe vier Joker bekommen.
Da ich zwei Vormittage mit Programm zu füllen hatte, plante ich nicht nur Theorie mit ein ("Wie gerate ich gar nicht erst in gefährliche Situationen?" oder "Wie verhalte ich mich, wenn jemand mich auffordert, mit ins Auto zu steigen?"), sondern auch ausgiebige Funktionsgymnastik und Kraftübungen, (Budo-)Spiele und Zirkeltraining. Für alle Fälle, falls am Ende meines Kurses noch ganz viel Vormittag übrig wäre, hatte ich ja noch ein paar klassische Karate-Techniken in petto, die ich vermitteln konnte.
Aber soweit kam es gar nicht. Ich kam mit meiner Zeit nämlich auf den Punkt aus! Eine Sportlehrerin hatte sich bereit erklärt, für alle Fälle dabei zu bleiben, falls eines der "Schäfchen" mal über die Stränge schlüge und pädagogischer Anweisungen bedürfte. Letztlich hatte ich zwar ein gutes Gefühl, sie in der Nähe zu wissen, eingreifen musste sie jedoch nicht: Selbst die von mir gefürchteten "Rabauken" ließen sich schnell zähmen und fühlten sich besonders bei den handfesteren Übungen augenscheinlich gut!
Am Anfang also "Wer wird Millionär?". Zum Glück ging es nach Verbrauch aller Joker unentschieden aus, so dass ich mir keine Gedanken über enttäuschte Gesichter machen musste. Die Gummibären wurden redlich geteilt und hochmotiviert ging es mit Funktionsgymnastik und Krafttraining los. Der Ton, den ich anschlug, war sicherlich nicht üblich für eine schulische Veranstaltung, aber vielleicht haben die Kids von mir auch keine Samthandschuhe erwartet?!?!?
Als alle warm waren, ging es weiter mit Schlag- und Trittübungen im "Trockenen", also im Stand und in die Luft "geboxt" und "getreten". Hierbei erzählte ich dann ein wenig über Atmung und Körperspannung und auch wie es zum Kiai kommt und dass man dabei das Wort "Kiai" nicht aussprechen muss (was dann aber doch viele der Kids machten - aber immerhin schöööön laut ;-)
Alle Kinder führten die Übungen sehr konzentriert durch, aber so richtig "Feuer" fingen sie erst, als ich sie aufforderte, mal ein richtig böses "Karate-Gesicht" aufzusetzen. Jetzt war der Kampfgeist geweckt und voller Begeisterung wurden auch anschließend dieselben Übungen an Pratzen durchgeführt. Meine Tochter bestand darauf, nicht an den Übungen teilzunehmen, sondern selber eine Pratze für andere Kinder zu halten. So konnten wir in zwei Gruppen á ca. 10 Kindern üben und es traten schnell die ersten Fortschritte zu Tage.
Zwischendurch sollten die Kinder dann zur Stimmbildung einmal laut schreiend durch die Halle laufen, bis ihnen der Atem ausging - eigentlich gar nicht nötig, denn der Kampfschrei gelang von Anfang an. Um den Kids die Scheu vor gegenseitigem Körperkontakt zu nehmen, hatte ich einige Kontaktspiele ausgesucht. Aber auch hier überraschten mich die sechs- bis 10-jährigen: Bodycheck war kein Problem und das beliebteste Spiel war "Möhrenziehen", bei dem selbst mir Bedenken kamen, ob denn wohl alle Arme und Beine dran bleiben würden!
Am ersten Tag verließen mich "meine" Schüler dann glücklich und recht erschöpft und mit ziemlich roten Wangen! Ob ichs am zweiten Tag genauso gut hinbekommen würde?
Wir starteten "karatemäßig" mit dem Aufstellen in einer Reihe und wie selbstverständlich wurde angegrüßt, abgekniet und kurz mit geschlossenen Augen meditiert. Kein Kind fand das komisch oder "doof" und selbst die wildesten Kerle hatten artig die Augen geschlossen (ich hab natürlich geblinzelt, sonst wüsste ich das ja nicht;-)
Beim ersten Reaktionsspiel (Abklatschen erst am Oberarm, dann am Oberschenkel und in der dritten Runde sowohl-als-auch) bekam ein Kind wohl eine "Ohrfeige" und es galt, ein paar Tränchen zu trocknen. Aber anschließend war die Begeisterung wie am Vortag ungebrochen, vielleicht sogar noch etwas gesteigert, da jetzt Hintergründe und auch einige Übungen schon bekannt waren. Das Karategesicht gehörte schon zur "Grundausstattung" und auch das Durchhalten bei Gymnastik- und Kraftübungen war kein Thema mehr. Ich machte deutlich, dass eine gute Grundfitness eine unabdingbare Voraussetzung für effektive Selbstverteidigung sei. Die beste Technik heißt schließlich immer noch: Weglaufen! und ein modernes, chipsfutterndes "Computer-Kid" hat da keine guten Chancen. Das sahen alle ein und so gaben sie auch alles, was ich von ihnen abverlangte - wanden sich in der Gymnastik, stöhnten bei Situps und Liegestützen, brüllten füchterlich bei kraftvollen Schlägen gegen die Pratzen und waren dann auch dankbar für die Pausen und ruhig, wenn ich etwas zu erzählen hatte.
Nachdem wir einige "gefährliche" Situationen besprochen hatten und wie man sich in diesem oder jenem Fall zu verhalten hätte, wo man auf seinem Schulwege mögliche "Rettungsinseln" habe oder welche Telefonnummern immer parat sein müssten, wurde die Zeit dann doch ziemlich knapp, um noch die eigentliche Partner-Selbstverteidigung auszuprobieren und ein kurzes Programm für die Vorstellung des Projekts am Abschlusstag einzuüben.
Vielleicht sollte ich die Partnerübungen beim nächsten Mal etwas eher ansetzen, denn um kurz vor 11 waren die Kinder nicht mehr so konzentriert wie z. B. gleich nach der großen Pause. Aber auch jetzt konnten sie gut umsetzen, was ich von ihnen verlangte: Z. B. einer umklammert den anderen von hinten - Reaktionsmöglichkeit A: Finger zu fassen kriegen und zu brechhen versuchen. B (Wenn Arme auch mit umklammert sind): Auf den Fuß treten, Schrecksekunde nutzen und unten/seitlich wegtauchen, dem Angreifer dabei noch mit der Handkante in die Genitalien schlagen. Aber auch den Daumen-Druck auf die Luftröhre habe ich gezeigt und ausprobieren lassen, auch wenn weder mir, noch der Lehrerin ganz wohl bei der Geschichte war. Aber die Kinder probierten diese Technik mit genausoviel Respekt und Rücksicht aus wie die Übung, bei der mit der offenen Hand über das Gesicht des Gegners gefahren wird, um ein oder zwei Augen zu "erwischen". Ganz schön brutal! Aber effektiv.
Damit all dies nicht gleich auf dem Schulhof in die Praxis umgesetzt würde, stellte ich u. a. die Karatephilosophie von Meister Funakoshi vor: Karate ni sente nashi - Karate kennt keinen ersten Angriff. Auch das Dojokun wurde vorgetragen, besprochen und hinterher an die Kinder als Bestandteil einer Kursmappe ausgeteilt. Einen ganz kleinen Exkurs ins Strafrecht habe ich mir dann auch erlaubt, ohne allerdings zu erwähnen, dass die Kinder ja noch nicht strafmündig sind ;-) Ob ich die Grundschüler mit einer Kurzfassung der Entwicklungsgeschichte des Karate langweilen würde, hatte ich kurz überlegt. Dann ergab es sich aber in einer Verschnaufpause, dass ich von Okinawa, und vom Waffenverbot erzählte. Irgendwo hatte ich gelesen, dass in einem Dorf sogar nur noch ein einziges Küchenmesser erlaubt war -weiß nicht obs stimmt, aber es hörte sich gut an. Ich berichtete von der Umwandlung von Handwerksgeräten zu Waffen (Kobudo), vom Üben waffenloser Kampfkunst im Geheimen und schließlich von Gichin Funakoshi, der Karate bekannt machte und zu der Kampfkunst entwickelte, die wir heute kennen. Ich war mehr als überrascht, denn alle lauschten so gebannnt meinen Worten, man hätte eine Stecknadel fallen hören können!
Am Freitag fand dann die Präsentation aller Projekte vor der Schulgemeinde und der Elternschaft statt. Wir waren gleich als zweites dran. Alle Kinder stürmten mit lautem Kampfschrei auf die für die Aufführungen freigehaltene Schulhoffläche. Eine Reihe, Publikum angrüßen. Dann trat jedes zweite Kind einen Schritt vor und wir stellten uns alle in den Kiba-Dachi. Die nun folgenden zehn Faustschläge mit Kiai erregten auch die Aufmerksamkeit des letzten Zuschauers! Einige Faustschläge und Tritte zum "Aufwärmen" in die Luft - alles konzentriert und energisch! Ich war richtig stolz auf die "Zwerge"! Als nächstes berichtete ich kurz vom Inhalt des Kurses. Schließlich führten die Kinder noch die eingeübten Befreiungstechniken vor. Ich sah die ein oder andere besorgte Mutter im Zuschauerraum erschrocken den Kopf schütteln. Dies blieben aber wenige Ausnahmen - bei den meisten Eltern kam aber das gesamte SV-Projekt sehr gut an! Von vielen Kindern und Eltern wurde ich gefragt, wann der nächste Schnupperkurs begänne und fast alle meiner Kinder waren sich einig: Karate und Selbstverteidigung sind spitze!
Je näher die Projektwoche rückte, desto mulmiger wurde mir alledings...schließlich hatte ich bisher nur als Co-Trainerin an SV-Kursen mitgewirkt und noch nie einen geleitet und - wie würde dies mit einer Horde von Kids funktionieren? Ich habe daheim ja mit meinen eigenen meist schon genug "zu kämpfen"! Zudem hatte ich auch nicht wirklich den Kopf frei, um den Kurs vorzubereiten, da ich ja mitten in den Vorbereitungen zur Dan-Prüfung steckte.
Dennoch fielen mir nach und nach ein paar schöne und kindgerechte Ideen ein und was die tatsächliche Selbstverteidigung anging, orientierte ich mich an dem Konzept meines Vereinskameraden Thorsten Rabeneck (4. Dan), der die bisherigen Kurse, an denen ich mitgewirkt hatte, leitete.
Etwa eine Woche vor Projektbeginn kam meine Tochter Franziska, die sich schon auf das Mama-Tochter-Projekt gefreut hatte und die ich im Stillen schon als "Assistentin" eingeplant hatte, schluchzend nach Hause: Laut Planung des Schulleiters wäre sie gar nicht in meiner Gruppe! Schnell war dies aber telefonisch grade gerückt und bei der Gelegenheit verriet mir der Schulleiter auch, dass "mein" Projekt das mit den meisten Nennungen als Erstwunsch war. Wow! Nun war ich erst Recht im Zugzwang, einen schönen Kurs anzubieten.
Nach und nach fielen mir auch einige schöne Ideen ein. So hatte ich einen spontanen Einfall, als Einstieg "Wer wird Millonär" zu spielen: die Kids in zwei Gruppen aufteilen und je 10 Fragen stellen, die Gewinnergruppe bekommt eine Tüte Gummibärchen. Die Fragen lauteten dann z. B. "Was bedeutet der Begriff Karate?" A: Der Begriff ist aus einem Schreibfehler entstanden und heißt eigentlich Rakete. B: Es ist die Abkürzung für Kanalratte. C: der leere Kopf oder D: die leere Hand. Andere Fragen lauteten: "Was macht Kim Possible unschlagbar?" (Antwort für alle über 14: Judo) oder aber auch: "Was ist ein Kiai?". Die Kids sollten wie bei Jauch pro Gruppe vier Joker bekommen.
Da ich zwei Vormittage mit Programm zu füllen hatte, plante ich nicht nur Theorie mit ein ("Wie gerate ich gar nicht erst in gefährliche Situationen?" oder "Wie verhalte ich mich, wenn jemand mich auffordert, mit ins Auto zu steigen?"), sondern auch ausgiebige Funktionsgymnastik und Kraftübungen, (Budo-)Spiele und Zirkeltraining. Für alle Fälle, falls am Ende meines Kurses noch ganz viel Vormittag übrig wäre, hatte ich ja noch ein paar klassische Karate-Techniken in petto, die ich vermitteln konnte.
Aber soweit kam es gar nicht. Ich kam mit meiner Zeit nämlich auf den Punkt aus! Eine Sportlehrerin hatte sich bereit erklärt, für alle Fälle dabei zu bleiben, falls eines der "Schäfchen" mal über die Stränge schlüge und pädagogischer Anweisungen bedürfte. Letztlich hatte ich zwar ein gutes Gefühl, sie in der Nähe zu wissen, eingreifen musste sie jedoch nicht: Selbst die von mir gefürchteten "Rabauken" ließen sich schnell zähmen und fühlten sich besonders bei den handfesteren Übungen augenscheinlich gut!
Am Anfang also "Wer wird Millionär?". Zum Glück ging es nach Verbrauch aller Joker unentschieden aus, so dass ich mir keine Gedanken über enttäuschte Gesichter machen musste. Die Gummibären wurden redlich geteilt und hochmotiviert ging es mit Funktionsgymnastik und Krafttraining los. Der Ton, den ich anschlug, war sicherlich nicht üblich für eine schulische Veranstaltung, aber vielleicht haben die Kids von mir auch keine Samthandschuhe erwartet?!?!?
Als alle warm waren, ging es weiter mit Schlag- und Trittübungen im "Trockenen", also im Stand und in die Luft "geboxt" und "getreten". Hierbei erzählte ich dann ein wenig über Atmung und Körperspannung und auch wie es zum Kiai kommt und dass man dabei das Wort "Kiai" nicht aussprechen muss (was dann aber doch viele der Kids machten - aber immerhin schöööön laut ;-)
Alle Kinder führten die Übungen sehr konzentriert durch, aber so richtig "Feuer" fingen sie erst, als ich sie aufforderte, mal ein richtig böses "Karate-Gesicht" aufzusetzen. Jetzt war der Kampfgeist geweckt und voller Begeisterung wurden auch anschließend dieselben Übungen an Pratzen durchgeführt. Meine Tochter bestand darauf, nicht an den Übungen teilzunehmen, sondern selber eine Pratze für andere Kinder zu halten. So konnten wir in zwei Gruppen á ca. 10 Kindern üben und es traten schnell die ersten Fortschritte zu Tage.
Zwischendurch sollten die Kinder dann zur Stimmbildung einmal laut schreiend durch die Halle laufen, bis ihnen der Atem ausging - eigentlich gar nicht nötig, denn der Kampfschrei gelang von Anfang an. Um den Kids die Scheu vor gegenseitigem Körperkontakt zu nehmen, hatte ich einige Kontaktspiele ausgesucht. Aber auch hier überraschten mich die sechs- bis 10-jährigen: Bodycheck war kein Problem und das beliebteste Spiel war "Möhrenziehen", bei dem selbst mir Bedenken kamen, ob denn wohl alle Arme und Beine dran bleiben würden!
Am ersten Tag verließen mich "meine" Schüler dann glücklich und recht erschöpft und mit ziemlich roten Wangen! Ob ichs am zweiten Tag genauso gut hinbekommen würde?
Wir starteten "karatemäßig" mit dem Aufstellen in einer Reihe und wie selbstverständlich wurde angegrüßt, abgekniet und kurz mit geschlossenen Augen meditiert. Kein Kind fand das komisch oder "doof" und selbst die wildesten Kerle hatten artig die Augen geschlossen (ich hab natürlich geblinzelt, sonst wüsste ich das ja nicht;-)
Beim ersten Reaktionsspiel (Abklatschen erst am Oberarm, dann am Oberschenkel und in der dritten Runde sowohl-als-auch) bekam ein Kind wohl eine "Ohrfeige" und es galt, ein paar Tränchen zu trocknen. Aber anschließend war die Begeisterung wie am Vortag ungebrochen, vielleicht sogar noch etwas gesteigert, da jetzt Hintergründe und auch einige Übungen schon bekannt waren. Das Karategesicht gehörte schon zur "Grundausstattung" und auch das Durchhalten bei Gymnastik- und Kraftübungen war kein Thema mehr. Ich machte deutlich, dass eine gute Grundfitness eine unabdingbare Voraussetzung für effektive Selbstverteidigung sei. Die beste Technik heißt schließlich immer noch: Weglaufen! und ein modernes, chipsfutterndes "Computer-Kid" hat da keine guten Chancen. Das sahen alle ein und so gaben sie auch alles, was ich von ihnen abverlangte - wanden sich in der Gymnastik, stöhnten bei Situps und Liegestützen, brüllten füchterlich bei kraftvollen Schlägen gegen die Pratzen und waren dann auch dankbar für die Pausen und ruhig, wenn ich etwas zu erzählen hatte.
Nachdem wir einige "gefährliche" Situationen besprochen hatten und wie man sich in diesem oder jenem Fall zu verhalten hätte, wo man auf seinem Schulwege mögliche "Rettungsinseln" habe oder welche Telefonnummern immer parat sein müssten, wurde die Zeit dann doch ziemlich knapp, um noch die eigentliche Partner-Selbstverteidigung auszuprobieren und ein kurzes Programm für die Vorstellung des Projekts am Abschlusstag einzuüben.
Vielleicht sollte ich die Partnerübungen beim nächsten Mal etwas eher ansetzen, denn um kurz vor 11 waren die Kinder nicht mehr so konzentriert wie z. B. gleich nach der großen Pause. Aber auch jetzt konnten sie gut umsetzen, was ich von ihnen verlangte: Z. B. einer umklammert den anderen von hinten - Reaktionsmöglichkeit A: Finger zu fassen kriegen und zu brechhen versuchen. B (Wenn Arme auch mit umklammert sind): Auf den Fuß treten, Schrecksekunde nutzen und unten/seitlich wegtauchen, dem Angreifer dabei noch mit der Handkante in die Genitalien schlagen. Aber auch den Daumen-Druck auf die Luftröhre habe ich gezeigt und ausprobieren lassen, auch wenn weder mir, noch der Lehrerin ganz wohl bei der Geschichte war. Aber die Kinder probierten diese Technik mit genausoviel Respekt und Rücksicht aus wie die Übung, bei der mit der offenen Hand über das Gesicht des Gegners gefahren wird, um ein oder zwei Augen zu "erwischen". Ganz schön brutal! Aber effektiv.
Damit all dies nicht gleich auf dem Schulhof in die Praxis umgesetzt würde, stellte ich u. a. die Karatephilosophie von Meister Funakoshi vor: Karate ni sente nashi - Karate kennt keinen ersten Angriff. Auch das Dojokun wurde vorgetragen, besprochen und hinterher an die Kinder als Bestandteil einer Kursmappe ausgeteilt. Einen ganz kleinen Exkurs ins Strafrecht habe ich mir dann auch erlaubt, ohne allerdings zu erwähnen, dass die Kinder ja noch nicht strafmündig sind ;-) Ob ich die Grundschüler mit einer Kurzfassung der Entwicklungsgeschichte des Karate langweilen würde, hatte ich kurz überlegt. Dann ergab es sich aber in einer Verschnaufpause, dass ich von Okinawa, und vom Waffenverbot erzählte. Irgendwo hatte ich gelesen, dass in einem Dorf sogar nur noch ein einziges Küchenmesser erlaubt war -weiß nicht obs stimmt, aber es hörte sich gut an. Ich berichtete von der Umwandlung von Handwerksgeräten zu Waffen (Kobudo), vom Üben waffenloser Kampfkunst im Geheimen und schließlich von Gichin Funakoshi, der Karate bekannt machte und zu der Kampfkunst entwickelte, die wir heute kennen. Ich war mehr als überrascht, denn alle lauschten so gebannnt meinen Worten, man hätte eine Stecknadel fallen hören können!
Am Freitag fand dann die Präsentation aller Projekte vor der Schulgemeinde und der Elternschaft statt. Wir waren gleich als zweites dran. Alle Kinder stürmten mit lautem Kampfschrei auf die für die Aufführungen freigehaltene Schulhoffläche. Eine Reihe, Publikum angrüßen. Dann trat jedes zweite Kind einen Schritt vor und wir stellten uns alle in den Kiba-Dachi. Die nun folgenden zehn Faustschläge mit Kiai erregten auch die Aufmerksamkeit des letzten Zuschauers! Einige Faustschläge und Tritte zum "Aufwärmen" in die Luft - alles konzentriert und energisch! Ich war richtig stolz auf die "Zwerge"! Als nächstes berichtete ich kurz vom Inhalt des Kurses. Schließlich führten die Kinder noch die eingeübten Befreiungstechniken vor. Ich sah die ein oder andere besorgte Mutter im Zuschauerraum erschrocken den Kopf schütteln. Dies blieben aber wenige Ausnahmen - bei den meisten Eltern kam aber das gesamte SV-Projekt sehr gut an! Von vielen Kindern und Eltern wurde ich gefragt, wann der nächste Schnupperkurs begänne und fast alle meiner Kinder waren sich einig: Karate und Selbstverteidigung sind spitze!
Donnerstag, 24. April 2008
Montag, 21. April 2008
Prüfung zum Nidan am 19.04.2008
Am Freitag, 18.04., konnte ich schnell vor dem Lehrgang noch das Anfängertraining geben, da Heiko erkrankt war. Es war aber kein Problem - so war ich wenigstens abgelenkt. Die Nervosität war jetzt nämlich nicht mehr weg zu ignorieren und ich konnte gar nicht soviel essen, wie ich zur Toilette musste! Vereinskamerad Matthias Kopp wunderte sich augenzwinkernd:"Ich dachte eigentlich, dass Du als Karate-Meisterin ein paar Entspannungstechniken drauf hast und besser mit so aufregenden Situationen umgehen kannst!" Tja, so meisterlich bin ich dann wohl doch nicht! Zusammen mit Tias fuhr ich dann mit der Leeze quer durch die Stadt zur Lehrgangs-Turnhalle - so waren wir wenigstens schon mal gut vorgewärmt!
Das Training war gut besucht und trotz des recht späten Beginns (20 Uhr) tummelten sich bestimmt rund 180 Karateka vom Weiß- bis zum Schwarzgurt in der Halle. Nach dem Aufwärmtraining gabs dann Kihon bis zum Abwinken und auch etwas Kumite. Alles machbar.
Am nächsten Morgen fuhr ich kurz ins Dojo und trank mit den Karatefreunden aus Wesel, die dort übernachtet hatten, einen Frühstückskaffee. Dann ging es zur Halle. In der Umkleidekabine blickte ich kurz in den Spiegel und stellte mit Schrecken fest, dass ich es leider versäumt hatte, Brille gegen Kontaktlinsen zu tauschen. Das ist für mich eine absolute Katastrophe! Nicht nur, dass ich mir mit Nasenfahrrad immer etwas behindert vorkomme, die Brille ist auch super empfindlich und absolut kein Sportmodell! Würde sie eine Trainingseinheit überleben? Ich versuchte lieber, daheim jemanden zu erreichen, der mir in den verbleibenden 20 Minuten bis zum Trainingsbeginn noch schnell meine Linsen bringen könnte. Mit dem Fahrrad würde ich es jedenfalls nicht nach Hause und zurück schaffen. Da würde ich den Trainingsanfang verpassen und das wollte ich auf keinen Fall - bloß jetzt nix, was mich aus dem Konzept bringt! Aber daheim ging niemand ans Telefon. Kurz darauf ging ich nochmal vor die Tür, um es erneut zu versuchen. Beiläufig erzählte ich einer anderen Karate-Frau von meiner Schusseligkeit. Da spricht mich ein netter Karateka an: er wollte nicht gelauscht haben, aber er habe mitbekommen, dass ich Kontaktlinsen bräuchte. Er hätte zufällig welche dabei und die könnte ich haben. Moment - so einfach ist das mit Linsen ja nicht....die müssen ja auch von der Stärke her passen. Aber wie der Zufall es wollte, hatte er Linsen der Stärke Minus 6 und das passte so ungefähr mit meinen Augen! Unfassbar! Ich wusste gar nicht, wie ich ihm danken sollte! Auf jeden Fall merkte ich mir sein Gesicht und fragte ihn hinterher nochmal nach seinem Namen. Jürgen aus Leverkusen also.
Die erste Samstags-Einheit befasste sich fast mit dem kompletten Prüfungsprogramm zum ersten und zweiten Dan. Hinterher beim Jiyu-Ippon-Kumite hatte ich einen Trainingspartner, der mir trotz Ausweichens hinterhertrat. Das hasse ich ja wie die Pest und hoffte einmal mehr, dass Herr Ochi mich frei kämpfen ließ! In der Pause zwischen den Einheiten brauchte ich ja jetzt nicht nach Hause zu fahren, um meine Linsen zu holen. Also ging es traditionell in die Eisdiele am Inselbogen. Tja, diese Tradition hatte sich wohl herumgesprochen - leider waren drinnen alle Plätze besetzt. Aber draußen auf der Terasse war alles frei. Ich hatte leider keine Jacke dabei und ich glaube daher, dass es nicht nur an meiner Aufregung lag, dass mir nach dem Verzehr meiner Eisportion etwas fröstelig zumute war...
Wieder in die Halle, ein letztes Mal vor Aufregung zur Toilette und dann begann auch schon die letzte Einheit. Was fehlte noch? Natürlich Kata! Herr Ochi ließ uns abwechselnd Heian- und Senteikatas laufen. Dann fragte er in die Runde, wer zum 2. Dan welche Prüfungskata gewählt habe. Es waren außer mir doch noch zwei weitere Sochin-Kandidaten dabei - und ich hatte schon Bedenken, ob das eine gute Entscheidung war mit dieser Kata! Zufälliger Weise kannte ich sogar meine beiden Gleichgsinnten: Vereinskamerad Andy Noll und Christian aus Konstanz, den ich letztes Jahr bei Schlatts Kangeiko in Brinkum kennen gelernt hatte. Ansonsten wurde die Nijushiho gewählt und die Bassai Sho. Ein weiterer Nidan-Anwärter nannte zweimal je Sentei-Katas als Prüfungsbestandteil. Herr Ochi winkte ab und meinte, der Prüfling sollte beim nächsten Mal wiederkommen, heute keine Prüfung.
Wir liefen dann die Sochin. Natürlich war es kein Zufall, dass ich in der ersten Reihe stand. Einmal motiviert das, um immer schön Vollgas zu geben und andererseits steht man so vielleicht noch mehr im Focus des Trainers - auch wenn dieser selbst in Reihe sechs fast jeden Fehler sieht. So war ich dann auch fast dankbar, als Herr Ochi mich nach Ende der Kata darauf hinwies, dass ich den Uraken beim Kiai zu niedrig schlage. Er müsse dem Gegner auf die Nase geschlagen werden, nicht aufs Brustbein. War mir gar nicht so bewusst gewesen, aber mein Vereinskamerad und Trainer Seibel meinte hinterher nur, dass er mir dies auch schon mal gesagt habe. Nun denn, wie auch immer, DIESEN Fehler werde ich jedenfall NICHT nochmal machen, auch nicht in der Prüfung! Bei den darauffolgenden Katas Nijushiho und Bassai Sho vierlief ich mich prompt kurzfristig. Aber das machte mir nichts aus, denn diese gehörten ja nicht zu meinem Prüfungsprogramm. Erst bei der nächsten Dan-Prüfung...
Nach dem Training wurden die Trennwände der Dreifachturnhalle herunter gelassen. Im ganz rechten Teil begannen die Prüfungen der Farbgurte, hierunter auch Andreas Ranninger aus meinem Dojo, der sich zum ersten Kyu prüfen ließ. In dem mittleren Hallenteil durften sich die Nidan-Anwärter warm und beweglich halten und ganz links begannen die Shodan-Prüfungen. Wir hatten ca. eine Stunde zu warten. Ich hatte zuvor schon gehört, dass ich mit meinen zarten 39 Jahren die zweitjüngste Prüfungskandidatin war! Der Jüngste war mit 22 Jahren Peter Knobloch vom Bushido Münster. Dies bedeutete, dass ich mich gegen ihn im Freikampf zu behaupten hätte! Obgleich Peter durch einen Bänderriss gehandicapt war, wusste ich doch, dass mit ihm, dem Aushängeschild des Bushido Dojo und ehemaligen Kadermitglied, nicht zu scherzen war. Peter war aber offenbar genauso gespannt wie ich und forderte mich zum lockeren Randori auf. Da kamen schon im lockeren "Vorspiel" ganz schön präzise, schnelle und kraftvolle Geris und Tsukis auf mich zu! Aber ich beschloss, mich nicht kirre machen zu lassen. Wird schon werden. Recht überrascht war ich dann doch, als ich meinen Linsen-Retter Jürgen auch unter den Prüflingen sah! Man sieht sich eben immer zweimal im Leben und so quatschten wir noch nett und vertrieben uns die Zeit, bis wir dran waren.
Endlich kamen die Shodan-Prüflinge mit strahlenden Gesichtern aus der Prüfungszone und Klaus Maretzke verteilte die Urkunden. Jetzt waren wir dran. Um mich herum bange und nervöse Gesichter. Nur ich wurde - kurz bevor es losging- die Ruhe selbst! Wegen meines jugendlichen Alters ;-) war ich direkt in der ersten Kihon-Prüfungsgruppe. Kihon, hatte ich in meiner Vorbereitungsphase immer gedacht, Kihon schaffste doch mit links. Und auch nach dem Auseinandersetzen mit dem Prüfungsprogramm konnte ich hier keine echten "Knäcken" feststellen. Ok, immer schön auf Kamae achten und beim Sonoba-Geri nicht so rumwackeln - aber sonst dürfte dieser Prüfungsteil doch keine Probleme machen. Und wie so oft kam es dann anders als ich dachte: Hier schlummerten die "Prüfungsfallen". Die Kombination Yoko-Geri Kekomi und Keage lief ich einmal zuviel und Peter meinte hinterher, wir hätten wohl ein paar Kiais zuviel gemacht (geht das überhaupt??? ;-) Auch an der ein oder anderen Stelle der restlichen Kombinationen war ich nicht ganz sauber. Vielleicht wurde dies durch meine Nachbarn verdeckt. Jedenfalls musste ich nichts wiederholen und erhielt auch keine Kritik. Nur selbst wusste ich, dass es eben nich ganz optimal gelaufen war. Bei der zweiten Gruppe sah ich aber auch eigentlich keinen, der hier fehlerlos lief. Vielleicht ist dies auch einfach der Prüfungsteil, bei dem man noch am meisten aufgeregt und nervös ist.
Anschließend also Kata. Aufstellung mit Gesicht zum Prüfer. Ansagen: SOCHIN! Ich habe mal gelesen, dass die Sochin die "Kata des alten Mannes" sei. Was wir da jetzt aber hinlegten, war aber glaub ich noch recht dynamisch und kraftvoll und entsprach eher der offiziellen Übersetzung: "Stärke und Ruhe". Meine beiden Nachbarn hatten es offenbar recht eilig, denn sie legten ein flottes Tempo vor. Ich versuchte, mich davon nicht beeinflussen zu lassen und blieb in meinem Rhythmus. So kam es, dass ich noch den ersten Richtungswechsel nach links vollzog, während mein Nachbar Christian mir schon entgegen kam. Einen kurzen Moment lang standen wir fast Nase an Nase und blickten uns konzentriert in die Augen. Dann ging jeder wieder, ohne mit der Wimper zu zucken, seines Weges. Die Geris gelangen kraftvoll und ohne zu wackeln, die Drehungen "hintenrum" waren auch sauber und stark. Jetzt noch auf das erste Kiai hin steigern und....Uraken auf Nasenhöhe - alles fein! Wendung nach vorne und jetzt nicht nachlassen mit der Kraft, Uchi Uke und Oi Tsuki in beide Richtungen, dann noch die letzten vier Techniken vis-a-vis mit Shihan Ochi und ein Kiai, das die Trennwände wackeln ließ - fertig! Alles gut gelaufen. Kurze Pause. Nächste Kata nicht, wie vermutet Jion, sondern - auch geschenkt - Bassai Dai, der Sturm auf die Festung! Auch die gelang gut und sauber, obwohl es lange Zeit nicht meine "Lieblingskata" war. Die Bassai Dai hab ich eigentlich erst während der Prüfungsvorbereitung zum 2. Dan schätzen gelernt. Als letztes noch Heian Godan - naja, der Sprung war nicht schön, aber wohl "altersgerecht" und auch sonst gabs hier glaub ich nichts zu meckern. Für die anderen Prüflinge hatte ich jetzt irgendwie gar kein Auge mehr, war zu sehr damit beschäftigt, "erleichtert zu sein" ;-) So bekam ich gar nicht mit, dass der Prüfling, der schon im Training als mögliche Kür-Kata nur Sentei Katas genannt hatte, eine unzureichende Bassai Sho vorführte - und hinterher durchfiel.
Nun also Kumite, die Königsdisziplin, das, worauf es beim Karate ankommt. Randori mache ich ja immer gerne - aber mein letzter Turnierkampf ist schon etwas her und den durfte ich in der Vorrunde des JKA-Cups vernichtend schnell gegen Britt Weingand verlieren...wie würde ich mich jetzt schlagen? Vor allem: Wie hoch ist Peters Adrenalinspiegel? Es war dann ein faierer, recht kontrollierter Kampf, bei dem wir uns aber auch nichts geschenkt haben. Klar war Peter wesentlich besser als ich und hätte bei einer Turnierwertung gewonnen. Aber ich war auch nicht unzufrieden, konnte angreifen, ausweichen, blocken, kontern - eigentlich wie immer ;-)) Peter bewegte sich die ganze Zeit über risto-like, locker und dynamisch über die Kampffläche und auch ich erinnerte mich plötzlich an diese Bewegungsabläufe. "Nicht lauern, locker bewegen", hörte ich Risto im Geiste rufen. Und so gelang es wohl auch mir, einige Male überraschend aus der Bewegung heraus anzugreifen und nicht schlecht zu "punkten".
Dann war auch dieser Teil vorbei und wir sahen uns die anderen Kämpfe an. Zum Teil waren die anderen Prüflinge wesentlich angespannter als wir beide zuvor. Aber niemand wurde ausgeknockt und alle Kämpfe waren relativ sauber und regelgerecht.
Nun auf das Prüfungsergebnis warten. Zum "Zeitvertreib" sollten wir locker Randori machen. Puh, wenn ich ehrlich bin, war dies der anstrengendste Teil der "Prüfung"! Es dauerte ganz schön lange, bis (fast) alle Urkunden unterzeichnet und alle Pässe abgestempelt waren! Dann aber kam die Gewissheit - alle (bis auf den einen Prüfling) hatten bestanden!
Wir gingen dann rüber in die Mittelhalle, wo schon die Freunde auf uns warteten. Die liebe Ines hatte eine Flasche Sekt mitgebracht, die wir kreisen ließen - und mir zur "Entspannung" zwei Badezusätze, über die ich mich sehr freute (konnte ich gleich am Abend meine geschundenen Knochen drin aufweichen....). Spontan verabredeten wir Nidan-Prüflinge uns zur nächsten gemeinsamen Prüfung in fünf Jahren!
Dann gab es noch viele Fotos in unterschiedlichsten Formationen und freundlicher Weise nahm sich auch Shihan Ochi noch Zeit für ein paar Schnappschüsse mit uns.
Das Training war gut besucht und trotz des recht späten Beginns (20 Uhr) tummelten sich bestimmt rund 180 Karateka vom Weiß- bis zum Schwarzgurt in der Halle. Nach dem Aufwärmtraining gabs dann Kihon bis zum Abwinken und auch etwas Kumite. Alles machbar.
Am nächsten Morgen fuhr ich kurz ins Dojo und trank mit den Karatefreunden aus Wesel, die dort übernachtet hatten, einen Frühstückskaffee. Dann ging es zur Halle. In der Umkleidekabine blickte ich kurz in den Spiegel und stellte mit Schrecken fest, dass ich es leider versäumt hatte, Brille gegen Kontaktlinsen zu tauschen. Das ist für mich eine absolute Katastrophe! Nicht nur, dass ich mir mit Nasenfahrrad immer etwas behindert vorkomme, die Brille ist auch super empfindlich und absolut kein Sportmodell! Würde sie eine Trainingseinheit überleben? Ich versuchte lieber, daheim jemanden zu erreichen, der mir in den verbleibenden 20 Minuten bis zum Trainingsbeginn noch schnell meine Linsen bringen könnte. Mit dem Fahrrad würde ich es jedenfalls nicht nach Hause und zurück schaffen. Da würde ich den Trainingsanfang verpassen und das wollte ich auf keinen Fall - bloß jetzt nix, was mich aus dem Konzept bringt! Aber daheim ging niemand ans Telefon. Kurz darauf ging ich nochmal vor die Tür, um es erneut zu versuchen. Beiläufig erzählte ich einer anderen Karate-Frau von meiner Schusseligkeit. Da spricht mich ein netter Karateka an: er wollte nicht gelauscht haben, aber er habe mitbekommen, dass ich Kontaktlinsen bräuchte. Er hätte zufällig welche dabei und die könnte ich haben. Moment - so einfach ist das mit Linsen ja nicht....die müssen ja auch von der Stärke her passen. Aber wie der Zufall es wollte, hatte er Linsen der Stärke Minus 6 und das passte so ungefähr mit meinen Augen! Unfassbar! Ich wusste gar nicht, wie ich ihm danken sollte! Auf jeden Fall merkte ich mir sein Gesicht und fragte ihn hinterher nochmal nach seinem Namen. Jürgen aus Leverkusen also.
Die erste Samstags-Einheit befasste sich fast mit dem kompletten Prüfungsprogramm zum ersten und zweiten Dan. Hinterher beim Jiyu-Ippon-Kumite hatte ich einen Trainingspartner, der mir trotz Ausweichens hinterhertrat. Das hasse ich ja wie die Pest und hoffte einmal mehr, dass Herr Ochi mich frei kämpfen ließ! In der Pause zwischen den Einheiten brauchte ich ja jetzt nicht nach Hause zu fahren, um meine Linsen zu holen. Also ging es traditionell in die Eisdiele am Inselbogen. Tja, diese Tradition hatte sich wohl herumgesprochen - leider waren drinnen alle Plätze besetzt. Aber draußen auf der Terasse war alles frei. Ich hatte leider keine Jacke dabei und ich glaube daher, dass es nicht nur an meiner Aufregung lag, dass mir nach dem Verzehr meiner Eisportion etwas fröstelig zumute war...
Wieder in die Halle, ein letztes Mal vor Aufregung zur Toilette und dann begann auch schon die letzte Einheit. Was fehlte noch? Natürlich Kata! Herr Ochi ließ uns abwechselnd Heian- und Senteikatas laufen. Dann fragte er in die Runde, wer zum 2. Dan welche Prüfungskata gewählt habe. Es waren außer mir doch noch zwei weitere Sochin-Kandidaten dabei - und ich hatte schon Bedenken, ob das eine gute Entscheidung war mit dieser Kata! Zufälliger Weise kannte ich sogar meine beiden Gleichgsinnten: Vereinskamerad Andy Noll und Christian aus Konstanz, den ich letztes Jahr bei Schlatts Kangeiko in Brinkum kennen gelernt hatte. Ansonsten wurde die Nijushiho gewählt und die Bassai Sho. Ein weiterer Nidan-Anwärter nannte zweimal je Sentei-Katas als Prüfungsbestandteil. Herr Ochi winkte ab und meinte, der Prüfling sollte beim nächsten Mal wiederkommen, heute keine Prüfung.
Wir liefen dann die Sochin. Natürlich war es kein Zufall, dass ich in der ersten Reihe stand. Einmal motiviert das, um immer schön Vollgas zu geben und andererseits steht man so vielleicht noch mehr im Focus des Trainers - auch wenn dieser selbst in Reihe sechs fast jeden Fehler sieht. So war ich dann auch fast dankbar, als Herr Ochi mich nach Ende der Kata darauf hinwies, dass ich den Uraken beim Kiai zu niedrig schlage. Er müsse dem Gegner auf die Nase geschlagen werden, nicht aufs Brustbein. War mir gar nicht so bewusst gewesen, aber mein Vereinskamerad und Trainer Seibel meinte hinterher nur, dass er mir dies auch schon mal gesagt habe. Nun denn, wie auch immer, DIESEN Fehler werde ich jedenfall NICHT nochmal machen, auch nicht in der Prüfung! Bei den darauffolgenden Katas Nijushiho und Bassai Sho vierlief ich mich prompt kurzfristig. Aber das machte mir nichts aus, denn diese gehörten ja nicht zu meinem Prüfungsprogramm. Erst bei der nächsten Dan-Prüfung...
Nach dem Training wurden die Trennwände der Dreifachturnhalle herunter gelassen. Im ganz rechten Teil begannen die Prüfungen der Farbgurte, hierunter auch Andreas Ranninger aus meinem Dojo, der sich zum ersten Kyu prüfen ließ. In dem mittleren Hallenteil durften sich die Nidan-Anwärter warm und beweglich halten und ganz links begannen die Shodan-Prüfungen. Wir hatten ca. eine Stunde zu warten. Ich hatte zuvor schon gehört, dass ich mit meinen zarten 39 Jahren die zweitjüngste Prüfungskandidatin war! Der Jüngste war mit 22 Jahren Peter Knobloch vom Bushido Münster. Dies bedeutete, dass ich mich gegen ihn im Freikampf zu behaupten hätte! Obgleich Peter durch einen Bänderriss gehandicapt war, wusste ich doch, dass mit ihm, dem Aushängeschild des Bushido Dojo und ehemaligen Kadermitglied, nicht zu scherzen war. Peter war aber offenbar genauso gespannt wie ich und forderte mich zum lockeren Randori auf. Da kamen schon im lockeren "Vorspiel" ganz schön präzise, schnelle und kraftvolle Geris und Tsukis auf mich zu! Aber ich beschloss, mich nicht kirre machen zu lassen. Wird schon werden. Recht überrascht war ich dann doch, als ich meinen Linsen-Retter Jürgen auch unter den Prüflingen sah! Man sieht sich eben immer zweimal im Leben und so quatschten wir noch nett und vertrieben uns die Zeit, bis wir dran waren.
Endlich kamen die Shodan-Prüflinge mit strahlenden Gesichtern aus der Prüfungszone und Klaus Maretzke verteilte die Urkunden. Jetzt waren wir dran. Um mich herum bange und nervöse Gesichter. Nur ich wurde - kurz bevor es losging- die Ruhe selbst! Wegen meines jugendlichen Alters ;-) war ich direkt in der ersten Kihon-Prüfungsgruppe. Kihon, hatte ich in meiner Vorbereitungsphase immer gedacht, Kihon schaffste doch mit links. Und auch nach dem Auseinandersetzen mit dem Prüfungsprogramm konnte ich hier keine echten "Knäcken" feststellen. Ok, immer schön auf Kamae achten und beim Sonoba-Geri nicht so rumwackeln - aber sonst dürfte dieser Prüfungsteil doch keine Probleme machen. Und wie so oft kam es dann anders als ich dachte: Hier schlummerten die "Prüfungsfallen". Die Kombination Yoko-Geri Kekomi und Keage lief ich einmal zuviel und Peter meinte hinterher, wir hätten wohl ein paar Kiais zuviel gemacht (geht das überhaupt??? ;-) Auch an der ein oder anderen Stelle der restlichen Kombinationen war ich nicht ganz sauber. Vielleicht wurde dies durch meine Nachbarn verdeckt. Jedenfalls musste ich nichts wiederholen und erhielt auch keine Kritik. Nur selbst wusste ich, dass es eben nich ganz optimal gelaufen war. Bei der zweiten Gruppe sah ich aber auch eigentlich keinen, der hier fehlerlos lief. Vielleicht ist dies auch einfach der Prüfungsteil, bei dem man noch am meisten aufgeregt und nervös ist.
Anschließend also Kata. Aufstellung mit Gesicht zum Prüfer. Ansagen: SOCHIN! Ich habe mal gelesen, dass die Sochin die "Kata des alten Mannes" sei. Was wir da jetzt aber hinlegten, war aber glaub ich noch recht dynamisch und kraftvoll und entsprach eher der offiziellen Übersetzung: "Stärke und Ruhe". Meine beiden Nachbarn hatten es offenbar recht eilig, denn sie legten ein flottes Tempo vor. Ich versuchte, mich davon nicht beeinflussen zu lassen und blieb in meinem Rhythmus. So kam es, dass ich noch den ersten Richtungswechsel nach links vollzog, während mein Nachbar Christian mir schon entgegen kam. Einen kurzen Moment lang standen wir fast Nase an Nase und blickten uns konzentriert in die Augen. Dann ging jeder wieder, ohne mit der Wimper zu zucken, seines Weges. Die Geris gelangen kraftvoll und ohne zu wackeln, die Drehungen "hintenrum" waren auch sauber und stark. Jetzt noch auf das erste Kiai hin steigern und....Uraken auf Nasenhöhe - alles fein! Wendung nach vorne und jetzt nicht nachlassen mit der Kraft, Uchi Uke und Oi Tsuki in beide Richtungen, dann noch die letzten vier Techniken vis-a-vis mit Shihan Ochi und ein Kiai, das die Trennwände wackeln ließ - fertig! Alles gut gelaufen. Kurze Pause. Nächste Kata nicht, wie vermutet Jion, sondern - auch geschenkt - Bassai Dai, der Sturm auf die Festung! Auch die gelang gut und sauber, obwohl es lange Zeit nicht meine "Lieblingskata" war. Die Bassai Dai hab ich eigentlich erst während der Prüfungsvorbereitung zum 2. Dan schätzen gelernt. Als letztes noch Heian Godan - naja, der Sprung war nicht schön, aber wohl "altersgerecht" und auch sonst gabs hier glaub ich nichts zu meckern. Für die anderen Prüflinge hatte ich jetzt irgendwie gar kein Auge mehr, war zu sehr damit beschäftigt, "erleichtert zu sein" ;-) So bekam ich gar nicht mit, dass der Prüfling, der schon im Training als mögliche Kür-Kata nur Sentei Katas genannt hatte, eine unzureichende Bassai Sho vorführte - und hinterher durchfiel.
Nun also Kumite, die Königsdisziplin, das, worauf es beim Karate ankommt. Randori mache ich ja immer gerne - aber mein letzter Turnierkampf ist schon etwas her und den durfte ich in der Vorrunde des JKA-Cups vernichtend schnell gegen Britt Weingand verlieren...wie würde ich mich jetzt schlagen? Vor allem: Wie hoch ist Peters Adrenalinspiegel? Es war dann ein faierer, recht kontrollierter Kampf, bei dem wir uns aber auch nichts geschenkt haben. Klar war Peter wesentlich besser als ich und hätte bei einer Turnierwertung gewonnen. Aber ich war auch nicht unzufrieden, konnte angreifen, ausweichen, blocken, kontern - eigentlich wie immer ;-)) Peter bewegte sich die ganze Zeit über risto-like, locker und dynamisch über die Kampffläche und auch ich erinnerte mich plötzlich an diese Bewegungsabläufe. "Nicht lauern, locker bewegen", hörte ich Risto im Geiste rufen. Und so gelang es wohl auch mir, einige Male überraschend aus der Bewegung heraus anzugreifen und nicht schlecht zu "punkten".
Dann war auch dieser Teil vorbei und wir sahen uns die anderen Kämpfe an. Zum Teil waren die anderen Prüflinge wesentlich angespannter als wir beide zuvor. Aber niemand wurde ausgeknockt und alle Kämpfe waren relativ sauber und regelgerecht.
Nun auf das Prüfungsergebnis warten. Zum "Zeitvertreib" sollten wir locker Randori machen. Puh, wenn ich ehrlich bin, war dies der anstrengendste Teil der "Prüfung"! Es dauerte ganz schön lange, bis (fast) alle Urkunden unterzeichnet und alle Pässe abgestempelt waren! Dann aber kam die Gewissheit - alle (bis auf den einen Prüfling) hatten bestanden!
Wir gingen dann rüber in die Mittelhalle, wo schon die Freunde auf uns warteten. Die liebe Ines hatte eine Flasche Sekt mitgebracht, die wir kreisen ließen - und mir zur "Entspannung" zwei Badezusätze, über die ich mich sehr freute (konnte ich gleich am Abend meine geschundenen Knochen drin aufweichen....). Spontan verabredeten wir Nidan-Prüflinge uns zur nächsten gemeinsamen Prüfung in fünf Jahren!
Dann gab es noch viele Fotos in unterschiedlichsten Formationen und freundlicher Weise nahm sich auch Shihan Ochi noch Zeit für ein paar Schnappschüsse mit uns.
Freitag, 18. April 2008
Jetzt wird's spannend!
Heute ist Freitag, der 18.04.2008 - heute beginnt der Lehrgang bei Shihan Ochi hier in Münster, bei dem ich mich zum 2. Dan prüfen lassen werde.
Da es trainingstechnisch diese Woche so gut lief, war ich gestern früh und auch abends zum Oberstufen-Katatraining im Dojo. Ich hatte mir fest vorgenommen, mir die Sochin noch etwas vertrauter zu machen. Der Ablauf an sich war kein Problem - aber so richtig wohl fühlte ich mich mit ihr noch immer nicht. Es war, als hätte man fremde Kleidung an - zwar die richtige Größe, aber irgendwie nicht so vertraut. Gestern früh ist aber dann der Knoten geplatzt - ich merkte, wie ich zusehends sicherer wurde und vor dem letzten Durchgang rief ich meiner Kata zu:"Sochin, gleich hab ich Dich, gleich bist Du meine!" Und so war es auch.
Abends machte Seibel für uns Prüflinge nochmal ein Spezial-Prüfungs-Programm, bestehend aus Heian- und Sentei-Katas sowie Tekki Shodan, anschließend noch etws Jiyu-Ippon-Kumite und zum krönenden Abschluss noch den Sonoba-Geri.
Die Katas liefen wie von alleine. Bei der Heian Jondan bemäkelte Seibel völlig zu Recht meine Anfangs-Ausholbewegung, aber sonst kam keine Kritik. Schließlich durften Andy Noll und ich zusammen mit einem Braungurt, der auch bald Prüfung machen wird, die Sochin laufen. Ich war mit Andy zwar nicht so schön synchron wie bei der Bassai Dai zwischendurch, aber ich fühlte mich auch diesmal mit meiner Kata verwachsen. Das war "echt", was ich da hinlegte, keine Show oder "Gymnastik". Es fühlte sich schon richtig "böse" an ;-))
Beim Jiyu-Ippon-Kumite hatte ich einen Partner, der vor dem Angriff immer etwas zu nah bei mir stand und mich dadurch etwas verwirrte.....ich hoffe einfach, dass ich frei kämpfen kann.
Die Sonoba-Geris klappten einigermaßen und ich denke, auch die werd ich irgendwie hinbekommen.....Noch ca. 30 Stunden......
Da es trainingstechnisch diese Woche so gut lief, war ich gestern früh und auch abends zum Oberstufen-Katatraining im Dojo. Ich hatte mir fest vorgenommen, mir die Sochin noch etwas vertrauter zu machen. Der Ablauf an sich war kein Problem - aber so richtig wohl fühlte ich mich mit ihr noch immer nicht. Es war, als hätte man fremde Kleidung an - zwar die richtige Größe, aber irgendwie nicht so vertraut. Gestern früh ist aber dann der Knoten geplatzt - ich merkte, wie ich zusehends sicherer wurde und vor dem letzten Durchgang rief ich meiner Kata zu:"Sochin, gleich hab ich Dich, gleich bist Du meine!" Und so war es auch.
Abends machte Seibel für uns Prüflinge nochmal ein Spezial-Prüfungs-Programm, bestehend aus Heian- und Sentei-Katas sowie Tekki Shodan, anschließend noch etws Jiyu-Ippon-Kumite und zum krönenden Abschluss noch den Sonoba-Geri.
Die Katas liefen wie von alleine. Bei der Heian Jondan bemäkelte Seibel völlig zu Recht meine Anfangs-Ausholbewegung, aber sonst kam keine Kritik. Schließlich durften Andy Noll und ich zusammen mit einem Braungurt, der auch bald Prüfung machen wird, die Sochin laufen. Ich war mit Andy zwar nicht so schön synchron wie bei der Bassai Dai zwischendurch, aber ich fühlte mich auch diesmal mit meiner Kata verwachsen. Das war "echt", was ich da hinlegte, keine Show oder "Gymnastik". Es fühlte sich schon richtig "böse" an ;-))
Beim Jiyu-Ippon-Kumite hatte ich einen Partner, der vor dem Angriff immer etwas zu nah bei mir stand und mich dadurch etwas verwirrte.....ich hoffe einfach, dass ich frei kämpfen kann.
Die Sonoba-Geris klappten einigermaßen und ich denke, auch die werd ich irgendwie hinbekommen.....Noch ca. 30 Stunden......
Mittwoch, 16. April 2008
Der Kopf wird frei
Ich glaube, es lag an dem Grenzerfahrungstraining bei Jörgl - jedenfalls bin ich seit diesem Training anders drauf. Es ist fast, als wäre ein Knoten geplatzt! In den vergangenen Wochen war ich doch irgendwie sehr stark auf die Prüfungsvorbereitung fixiert. Hab ich genug geübt? War die Kata nicht zu schlecht? Mist, in dieser oder jener Kata vertan....obs reichen wird? Ich muss üben, muss zum Training, muss zeigen, dass ichs kann (dem Trainer, den anderen, mir selbst....). Muss, muss, muss. Aber in dem Training am Montag gabs keine Zeit und keine Gelegenheit, zu denken. Es hieß nur noch: irgendwie durchhalten, irgendwie "überleben".
Dienstag früh war ich dann gleich wieder im Dojo und hatte mir fest vorgenommen, meine Kürkata Sochin zu üben und den Sonoba-Geri. Die Sochin fühlte sich zwar immer noch nicht so an, als würde sie so richtig zu mir gehören, aber ich machte mir klar, dass ich damit schließlich kein Turnier gewinnen, sondern nur eine Prüfung bestehen sollte. Diese kann man schließlich nicht nur mit der Note 1 bestehen, also bleib mal locker und nimm den Druck raus.
Beim Sonoba-Geri hampelte ich zwar für meine Begriffe immer noch zuviel herum, ich zwang mich hier aber einfach zu längeren Pausen zwischen den Tritten. Außerdem wurde mir plötzlich bewusst, dass ich die volle Kombination (also mit abschließendem Mawashi-Geri) auch schon bei der Prüfung zum 1. Dan machen musste (obgleich der letzte Kick erst laut Prüfungsprogramm beim 2. Dan gefordert wird). Da hatte ichs doch auch hinbekommen, also wird es jetzt auch klappen! Sehr entspannt fuhr ich dann nach Hause.
Abends um 18 Uhr stand ich tapfer wieder im Dojo. Hatte vorher erstmals meinen Fuß mit dem dicken Riss am Zehgelenk optimal getaped. Was das ausmacht! Als Randori-Partner hatte ich Heiko und ich fand, ich schlug mich gar nicht schlecht. Eine Kombination, die ich bei Jörg Gantert geübt hatte, klappte prima, mein Mae-Ashi-Geri dafür nicht so. Dennoch merkte ich an den Reaktionen Heikos, dass ich ihn manchmal ganz gut erwischt hatte. Ausweichen klappte auch ganz gut - was will man mehr! Perfekt muss keiner sein - ich will ja schließlich noch ein paar Jahre Karate machen und wie langweilig wärs, könnte ich schon jetzt alles ;-))
Als Sensei Michael dann das Training übernahm, war ich im Kopf ganz leer und frei. Partnertraining erst mit Heiko, dann mit Madeleine - mal klappte es, mal nicht so gut. Bei einer Übung, bei der es darum ging, sich vorwärts zu bewegen und dabei bewusst mit dem hinteren Bein abzustoßen, musste ich kurz im Geiste Risto danken, weil er das auch immer zu vermitteln versucht. Vielleicht ist ja dabei doch was bei mir hängen geblieben, denn ich machte ganz gut Meter und hatte das Gefühl, stark und mit viel Energie vor zu kommen.
Zum Abschluss gab es Jiyu-Ippon-Kumite. Michael korrigierte mich einige Male, aber selbst das machte mir nichts aus. Ich nahm es einfach als das, was es war: Verbesserungs- und Optimierungsvorschläge und nicht Kritik nach dem Motto "alles falsch".
Thorsten hatte mir geraten, jetzt das Training runter zu fahren und bis zum Lehrgang zu pausieren. Das möchte ich aber gar nicht. Ich fühl mich nicht "übertrainiert". Ich hab grad das Gefühl, einen guten Weg zu gehen und will jetzt nicht stehenbleiben.
Dienstag früh war ich dann gleich wieder im Dojo und hatte mir fest vorgenommen, meine Kürkata Sochin zu üben und den Sonoba-Geri. Die Sochin fühlte sich zwar immer noch nicht so an, als würde sie so richtig zu mir gehören, aber ich machte mir klar, dass ich damit schließlich kein Turnier gewinnen, sondern nur eine Prüfung bestehen sollte. Diese kann man schließlich nicht nur mit der Note 1 bestehen, also bleib mal locker und nimm den Druck raus.
Beim Sonoba-Geri hampelte ich zwar für meine Begriffe immer noch zuviel herum, ich zwang mich hier aber einfach zu längeren Pausen zwischen den Tritten. Außerdem wurde mir plötzlich bewusst, dass ich die volle Kombination (also mit abschließendem Mawashi-Geri) auch schon bei der Prüfung zum 1. Dan machen musste (obgleich der letzte Kick erst laut Prüfungsprogramm beim 2. Dan gefordert wird). Da hatte ichs doch auch hinbekommen, also wird es jetzt auch klappen! Sehr entspannt fuhr ich dann nach Hause.
Abends um 18 Uhr stand ich tapfer wieder im Dojo. Hatte vorher erstmals meinen Fuß mit dem dicken Riss am Zehgelenk optimal getaped. Was das ausmacht! Als Randori-Partner hatte ich Heiko und ich fand, ich schlug mich gar nicht schlecht. Eine Kombination, die ich bei Jörg Gantert geübt hatte, klappte prima, mein Mae-Ashi-Geri dafür nicht so. Dennoch merkte ich an den Reaktionen Heikos, dass ich ihn manchmal ganz gut erwischt hatte. Ausweichen klappte auch ganz gut - was will man mehr! Perfekt muss keiner sein - ich will ja schließlich noch ein paar Jahre Karate machen und wie langweilig wärs, könnte ich schon jetzt alles ;-))
Als Sensei Michael dann das Training übernahm, war ich im Kopf ganz leer und frei. Partnertraining erst mit Heiko, dann mit Madeleine - mal klappte es, mal nicht so gut. Bei einer Übung, bei der es darum ging, sich vorwärts zu bewegen und dabei bewusst mit dem hinteren Bein abzustoßen, musste ich kurz im Geiste Risto danken, weil er das auch immer zu vermitteln versucht. Vielleicht ist ja dabei doch was bei mir hängen geblieben, denn ich machte ganz gut Meter und hatte das Gefühl, stark und mit viel Energie vor zu kommen.
Zum Abschluss gab es Jiyu-Ippon-Kumite. Michael korrigierte mich einige Male, aber selbst das machte mir nichts aus. Ich nahm es einfach als das, was es war: Verbesserungs- und Optimierungsvorschläge und nicht Kritik nach dem Motto "alles falsch".
Thorsten hatte mir geraten, jetzt das Training runter zu fahren und bis zum Lehrgang zu pausieren. Das möchte ich aber gar nicht. Ich fühl mich nicht "übertrainiert". Ich hab grad das Gefühl, einen guten Weg zu gehen und will jetzt nicht stehenbleiben.
Training bis zur K-Grenze
Karate - die Kunst der waffenlosen Selbstverteidigung, die Kunst der leeren Hand und die Kunst, sich trotz absoluter Erschöpfung nicht zu übergeben. Die letzte Erfahrung konnte ich am vergangenen Montag nach langer Zeit wieder einmal machen. Leider schaffe ich es nur selten montags ins Training aber jetzt konnte ich endlich wieder einmal bei Sensei Jörgl trainieren. Das umfangreiche Aufwärmtraining hatte ich schon zum Teil auslassen müssen, da ich mich im Vorraum noch mit einem Radio-Moderator unterhalten musste. Dennoch brachte mich der Rest der Einheit an den Rande des Kollaps!
Zunächst gab es einen umfangreichen Kihon-Teil, der vor allem Teile des Prüfungsprogramms zum 1. Dan enthielt. Hier wurden, wie üblich bei Jörgl, die Techniken jeweisl über sechs Bahnen gelaufen: erst locker, dann schnell und bei den letzten beiden Bahnen schnell und stark. Das Dojo war gut besucht und wie üblich hieß es: "Fenster zu lassen!" So wurde die Luft langsam knapp und die Lösungsmittel-Ausdünstungen des frischen Hallenbodens taten vermutlich ihr übriges, um uns im wahrsten Sinne des Wortes den Atem zu nehmen. Beim Sonoba-Geri brodeltete dann echt die Halle und ich merkte schon, wie die Kopfhaut zu kribbeln begann - ein sicheres Zeichen des nahenden Blackouts bei mir! Als wir dann nach dem Grundschultraining locker durch die Halle laufen sollten, bekam ich nur noch ein mattes Taumeln hin und merkte, wie sich bei mir ein Würgreflex anbahnte!
Tapfer konnte ich diesen dann dreimal bekämpfen, als es auch schon hieß: Antreten zum Konditions- und Krafttraining! Jörgl hatte sich, dem aktuellen Trainierauftrag entsprechend, wieder ein paar ganz besonders nette Übungen ausgesucht. Eine bestand darin, sich einen Platz an der Wand zu suchen und sich dort mit einem Fuß locker auf den Hallenrand zu stützen, den anderen sollten wir auf dem Hallenboden lassen. Jetzt galt es, die Füße im Sprung zu wechseln - und zwar zwei volle Minuten lang! Es ist immer wieder erstaunlich, was für ein mieses Zeitgefühl man doch hat - bereits nach ca. 30 Sekunden hätte ich wetten, können, es sei Zeit zum Aufhören ;-)) Statt aufzuhören musste ich aber wenigstens meine Schrittfrequenz mal kurzfristig verringern und sah, dass meine Nachbarn Madeleine und Michael aufzuhören drohten. Dan sein heißt Vorbild sei - äh....wie war das gleich? Nun gut, denn, Frequenz wieder erhöht und zudem noch Michael und Madeleine angefeuert, nicht schlapp zu machen. Diese legten tatsächlich nochmal zu und das war ein total schönes Gefühl, wie der Funke so übersprang und wir uns so gegenseitig motivierten! Nach den zwei Minuten herrschte jedenfalls echter "Bodennebel", ich würde sogar sagen zusätzlich noch "Hochnebel" - die ganze Halle stand im Dampf und Spiegel und Scheiben waren natürlich zu "Milchglas" geworden.
Das anschließende Bauch- und Rückentraining war dagegen ein Klacks, da ich diese Muskelgruppen derzeit sowieso täglich trainiere. Aber die Sauna und Dusche anschließend hatten wir alle redlich verdient.
Im Rückblick muss ich sagen: So muss Karatetraining sein - bis an die Grenzen gehen und gucken, was dahinter liegt!
Zunächst gab es einen umfangreichen Kihon-Teil, der vor allem Teile des Prüfungsprogramms zum 1. Dan enthielt. Hier wurden, wie üblich bei Jörgl, die Techniken jeweisl über sechs Bahnen gelaufen: erst locker, dann schnell und bei den letzten beiden Bahnen schnell und stark. Das Dojo war gut besucht und wie üblich hieß es: "Fenster zu lassen!" So wurde die Luft langsam knapp und die Lösungsmittel-Ausdünstungen des frischen Hallenbodens taten vermutlich ihr übriges, um uns im wahrsten Sinne des Wortes den Atem zu nehmen. Beim Sonoba-Geri brodeltete dann echt die Halle und ich merkte schon, wie die Kopfhaut zu kribbeln begann - ein sicheres Zeichen des nahenden Blackouts bei mir! Als wir dann nach dem Grundschultraining locker durch die Halle laufen sollten, bekam ich nur noch ein mattes Taumeln hin und merkte, wie sich bei mir ein Würgreflex anbahnte!
Tapfer konnte ich diesen dann dreimal bekämpfen, als es auch schon hieß: Antreten zum Konditions- und Krafttraining! Jörgl hatte sich, dem aktuellen Trainierauftrag entsprechend, wieder ein paar ganz besonders nette Übungen ausgesucht. Eine bestand darin, sich einen Platz an der Wand zu suchen und sich dort mit einem Fuß locker auf den Hallenrand zu stützen, den anderen sollten wir auf dem Hallenboden lassen. Jetzt galt es, die Füße im Sprung zu wechseln - und zwar zwei volle Minuten lang! Es ist immer wieder erstaunlich, was für ein mieses Zeitgefühl man doch hat - bereits nach ca. 30 Sekunden hätte ich wetten, können, es sei Zeit zum Aufhören ;-)) Statt aufzuhören musste ich aber wenigstens meine Schrittfrequenz mal kurzfristig verringern und sah, dass meine Nachbarn Madeleine und Michael aufzuhören drohten. Dan sein heißt Vorbild sei - äh....wie war das gleich? Nun gut, denn, Frequenz wieder erhöht und zudem noch Michael und Madeleine angefeuert, nicht schlapp zu machen. Diese legten tatsächlich nochmal zu und das war ein total schönes Gefühl, wie der Funke so übersprang und wir uns so gegenseitig motivierten! Nach den zwei Minuten herrschte jedenfalls echter "Bodennebel", ich würde sogar sagen zusätzlich noch "Hochnebel" - die ganze Halle stand im Dampf und Spiegel und Scheiben waren natürlich zu "Milchglas" geworden.
Das anschließende Bauch- und Rückentraining war dagegen ein Klacks, da ich diese Muskelgruppen derzeit sowieso täglich trainiere. Aber die Sauna und Dusche anschließend hatten wir alle redlich verdient.
Im Rückblick muss ich sagen: So muss Karatetraining sein - bis an die Grenzen gehen und gucken, was dahinter liegt!
Sonntag, 13. April 2008
Samstag, 5. April 2008
Der Countdown läuft - kurz vor der Prüfung zum 2. Dan
Eigentlich ist es ja Quatsch - Prüfungsvorbereitung....als hätte man die letzten 14 Karatejahre lang nichts getan. Warum also eigentlich eine gezielte Vorbereitung? Nun ja - im Moment der Prüfung gilt es schließlich, Shihan Ochi das bestmögliche Karate zu zeigen, alles zu geben, also maximale hundert Prozent. Dann sollte man vorsorglich mal auf 120 Prozent trainieren. Kein Problem soweit - Karate macht Spaß und abgesehen von kleinen Dauerblessuren bin ich unverletzt. Zwei kleine Hürden stellten sich mir dann aber doch in den Weg: zum Einen war kurz vor der Prüfung noch eine insgesamt 11-tägige Reise nach China geplant. Zum Anderen war anschließend unser Dojo wegen dringender Sanierungsarbeiten nach einem Wasserschaden geschlossen! Ich konnte also nicht "mal eben" für mich ein paar Runden Kata laufen oder mein Kihon-Programm üben! Da wird einem dann doch schon etwas mulmig! Auch das Ersatztraining vom Shotokan-Karate-Dojo-Münster fand erst nach den Osterferien statt und dann noch in einer superkleinen Halle! Glücklicher Weise durfte ich bei meinem lieben Karatefreund Jörg Gantert im Dojo mittrainieren. Eigentlich bin ich nur freitags dort, aber nun, angesichts der besonderen Umstände, darf ich täglich mittrainieren.
Das Training dort ist unglaublich anspruchsvoll. Beinahe jede Einheit beinhaltet Kihon, Kata, Kumite. Zudem werden häufig Kombinationen mit Hanbos oder Elementen der Messerabwehr geübt. Und trotzdem ist die Einheit meist nach 1 1/4 Stunde beendet. Und man hat dennoch das Gefühl, alles intensiv und fleißig geübt zu haben und das Training wirkt trotz allem nicht verzettelt. Irgendwie ist das Karatetraining dort total "verdichtet".
Das Kihon-Training beinhaltet entweder mir ungewohnte, komplexe Kombinationen oder bereits "Strecken" der anschließend zu laufenden Katas. So muss nicht nur Wert auf die Techniken gelegt werden, sondern der Kopf muss auch ordentlich mit "ran".
Die Heian-Katas werden häufig "ura" gelaufen, also spiegelverkehrt, was oft dazu führt, dass ich verkehrt herum stehe oder einen Knoten in den Armen habe. Wird leider sonst selten gemacht. Ich erinnere mich nur daran, dies mal bei Erwin Querl, Jochen Glaß und bei meiner únendlich vermissten Beatrix gemacht zu haben. Jede Woche wird zudem gewöhnlich eine bestimmte Kata regelmäßig in den Einheiten wiederholt. So war kürzlich einmal die Gangaku dran, die Kanku Sho oder gar Gojoshiho Sho, die ich in meinem Leben wahrlich noch nicht oft gelaufen bin! Dennoch kann man sie bald mitlaufen! Viele Teile der Katas werden dann auch als Bunkai geübt, wobei das Bunkai bei Jörg häufig mit Techniken aus der Kata beginnt und dann mit weiteren Übungen erweitert wird, bis z. B. der Partner "gesichert" am Boden liegt.
Im Kumite gibt es viel Jiju-Ippon-Kumite aber auch Randori, was sich allerdings angesichts des kleinen Raumes recht schwierig gestaltet. Vor kurzem ist sogar dabei ein Spiegel zu Bruch gegangen.
Heute in zwei Wochen werde ich ordentlich Bauchgrummeln haben, denn nach zwei Einheiten Training wird abends die Prüfung stattfinden. Bis dahin werde ich noch versuchen, täglich zu trainieren und auch im jetzt wieder geöffneten Dojo meine Katas üben. Am Dienstag ist auch hoffentlich mein Sensei Michael Jarchau wieder da, so dass ich letztlich doch gut vorbereitet in die Prüfung gehen kann.
Bestehen ist eine Sache - mit dem Ergebnis persönlich auch zufrieden zu sein die andere....ich möchte beides erreichen - selbstverständlich! Ooooossss!
Das Training dort ist unglaublich anspruchsvoll. Beinahe jede Einheit beinhaltet Kihon, Kata, Kumite. Zudem werden häufig Kombinationen mit Hanbos oder Elementen der Messerabwehr geübt. Und trotzdem ist die Einheit meist nach 1 1/4 Stunde beendet. Und man hat dennoch das Gefühl, alles intensiv und fleißig geübt zu haben und das Training wirkt trotz allem nicht verzettelt. Irgendwie ist das Karatetraining dort total "verdichtet".
Das Kihon-Training beinhaltet entweder mir ungewohnte, komplexe Kombinationen oder bereits "Strecken" der anschließend zu laufenden Katas. So muss nicht nur Wert auf die Techniken gelegt werden, sondern der Kopf muss auch ordentlich mit "ran".
Die Heian-Katas werden häufig "ura" gelaufen, also spiegelverkehrt, was oft dazu führt, dass ich verkehrt herum stehe oder einen Knoten in den Armen habe. Wird leider sonst selten gemacht. Ich erinnere mich nur daran, dies mal bei Erwin Querl, Jochen Glaß und bei meiner únendlich vermissten Beatrix gemacht zu haben. Jede Woche wird zudem gewöhnlich eine bestimmte Kata regelmäßig in den Einheiten wiederholt. So war kürzlich einmal die Gangaku dran, die Kanku Sho oder gar Gojoshiho Sho, die ich in meinem Leben wahrlich noch nicht oft gelaufen bin! Dennoch kann man sie bald mitlaufen! Viele Teile der Katas werden dann auch als Bunkai geübt, wobei das Bunkai bei Jörg häufig mit Techniken aus der Kata beginnt und dann mit weiteren Übungen erweitert wird, bis z. B. der Partner "gesichert" am Boden liegt.
Im Kumite gibt es viel Jiju-Ippon-Kumite aber auch Randori, was sich allerdings angesichts des kleinen Raumes recht schwierig gestaltet. Vor kurzem ist sogar dabei ein Spiegel zu Bruch gegangen.
Heute in zwei Wochen werde ich ordentlich Bauchgrummeln haben, denn nach zwei Einheiten Training wird abends die Prüfung stattfinden. Bis dahin werde ich noch versuchen, täglich zu trainieren und auch im jetzt wieder geöffneten Dojo meine Katas üben. Am Dienstag ist auch hoffentlich mein Sensei Michael Jarchau wieder da, so dass ich letztlich doch gut vorbereitet in die Prüfung gehen kann.
Bestehen ist eine Sache - mit dem Ergebnis persönlich auch zufrieden zu sein die andere....ich möchte beides erreichen - selbstverständlich! Ooooossss!
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