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Dienstag, 26. Mai 2026

Eisdiele (Spiel für Pandas an heißen Tagen)

 Die Kinder sind Eisverkäufer*in in einem Eis-Geschäft/ einer Eisdiele

 

Die Kinder nehmen sich die Hoolahoop-Reifen und legen sie an der Shomen Seite mit einer Matte Abstand in einer Reihe parallel zum Spiegel aus. Die Reifen sind Eisbecher von Menschen, die in der Eisdiele sind. 

 

Um die Gäste in der Eisdiele zu bedienen, holt holt sich jedes Kind „Eis“ in Form eines der Elemente aus den Kisten, z.B. kleine Paratzen, Bälle etc. 

 

Mit dem Eis/Element (z.B. Pratze) läuft das Kind durch die Leiter und legt das Eis in den Eisbecher. 

 

Mögliche Zusatzaufgabe: Die Kinder sollen möglichst gleich viele „Kugeln Eis“ auf die Becher verteilen.

 

Zum Abschluss werden die Elemente wieder in die Kisten gelegt, entweder

-              zurück durch die Leiter, oder

-              auf freiem Weg 

Dienstag, 31. März 2026

Karate-Roboter - alle Altersgruppen und Gruppengrößen - möglichst bei einer graden Anzahl der Trainierenden

Als Vorbereitung sollten die Basis-Techniken im Kreis vermittelt werden, vor allem Tsuki und Mae Geri. 

Dann finden sch die Trainierenden zu zweit zusammen.

Eine Person (Roboter) stellt sich vor die andere (Programmierer*in). Trainer*in macht die Übung am Besten einmal vor, in dem ein/e Teilnehmer*in zum Vormachen aus der Gruppe ausgewählt wird. Die ausgewählte Person sei der Roboter. Es kann mit folgendem Text eingeleitet werden: 

"Ich möchte Euch meinen neuen Roboter vorstellen - er ist noch ganz neu am Markt und es ist ein ganz besonderes Modell - nämlich ein Karate-Roboter! Wenn man hier drückt (sanfter Druck auf die rechte Schulter), macht der Roboter einen Tsuki mit rechts; drückt man hier (Druck auf linke Schulter), einen Tsuki mit links. Und der Roboter kann sogar noch was: Wenn man hier drückt (Druck an der Außenseite des rechten Oberschenkels), macht er mit rechts einen Fußtritt (Mae Geri); und das ganze klappt auch mit der anderen Seite (entsprechend vormachen). Schaut doch mal, ob Eure Roboter das auch können! 

Bitte beachtet, dass die Technik noch ganz neu ist! Daher dürfen die Tast-Kommandos nicht zu schnell hintereinander folgen, sondern ihr müsst erst warten, bis der eine Befehl ausgeführt wurde."

Beim Vormachen der Kommandos für die Fußtritte ist darauf zu achten, dass nicht das Gesäß berührt wird, sondern wirklich die Außenseite des jeweiligen Oberschenkels - hierauf auch beim Beobachten der Gruppe während der Übung achten. 

Eingreifen, wenn die Kinder die Kommandos zu schnell "eintippen" und nicht auf das vorherige Ausführen der Technik achten.

Nach einer Weile werden die Rollen Roboter und Programmierer*in getauscht. 

Variante 1: Es wird wieder eine Person zum Vormachen ausgewählt. "So, nun ist die zweite Version des Roboters auf den Markt gekommen: "Karate-Roboter 2.0".  Ich kann jetzt nicht nur ein Kommando eintippen, sondern gleich drei hintereinander und erst dann führt der Roboter die drei Techniken hintereinander aus." Nun zum Start ggf. dreimal an der rechten Schulter tippen - Roboter führt dreimal Tsuki rechts aus. Dann einmal rechte, dann linke und wieder rechte Schulter tippen und Roboter muss die richtige Reihenfolge einhalten. Zuletzt auch einen Fußtritt in die Dreier-Reihe einbauen. Dann die Teilnehmenden zum Ausprobieren einladen: "Schaut doch mal, ob Eure Roboter das auch können!"

Darauf achten, dass nur drei Kommandos eingetippt werden. 

Variante 2: Wieder jemanden zum Vormachen auswählen - "Oh nein! Über Nacht hat es einen Hacker-Angriff gegeben (bei den kleinen Kindern ggf. erklären, dass das eine Art Computer-Panne ist)! Die Programmierung der Roboter ist ganz durcheinander! Wenn ich jetzt hier tippe (rechte Schulter), macht der einen Tsuki mit links! Und wenn ich hier tippe (Außenseite des linken Oberschenkels) macht er einen Fußtritt mit dem rechten Bein! - Schaut doch mal, ob Eure Roboter das auch machen! Macht sicherheitshalber jetzt wieder nur ein Kommando, damit die Roboter nicht noch mehr kaputt gehen."

Achten, dass nur ein Kommando erfolgt und intervenieren, wenn nicht überkreuz gearbeitet wird, ggf. unterstützen. 

Variante 3: wie 2 mit drei hintereinanderfolgenden Techniken

Variante 4: nicht seitenverkehrt, sondern diagonal - also bei Tipp auf die rechte Schulter wird mit links ein Mae-Geri gemacht etc.

Variante 5: wie 4 aber mit drei Kommandos vor dem Ausführen der drei diagonalen Techniken


Welaufen und Freund*innen holen! - Pandas und ggf. Füchse

Ein Selbstverteidigungsspiel für Kinder! Es empfiehlt sich, vorher ein Mondo abzuhalten und z. B. fragen, was die "beste Selbstverteidigungstechnik" ist. Die Lösung ist natürlich: Weglaufen! Als Ergänzung noch: "Freunde holen" - gemeint sind damit nicht nur Freund*innen, sondern auch Eltern, Erzieher*innen, Lehrkräfte, Polizei - alle Instanzen, bei denen man Hilfe finden kann. 

Für das Spiel werden die Kinder in mindestens zwei Gruppen á vier bis acht Personen eingeteilt. Sie stellen sich hintereinander in einer Reihe an einer Hallenseite auf. Als Signal für die Position der jeweiligen Gruppe kann ein kleines Schlagkissen dienen. Gegenüber diesem Kissen in ca. 6 m Entfernung wird ein zweites Kissen platziert. 

Das erste Kind einer Gruppe läuft auf Start-Kommando los in Richtung des zweiten Kissens ("Weglaufen") und um das Kissen herum - zurück zur Gruppe. Dort wartet bereits das nächste Kind und empfängt einen Schlag in die offene Hand ("Freunde holen"). Der Handschlag ist das Zeichen, dass nun das nächste Kind loslaufen kann. Das zurückgekehrte Kind reiht sich wieder hinten an das Ende der Reihe ein. 

Variante 1 (nicht kompetitiv): Nach einer bestimmten Zeit wird das Spiel durch Trainer*in beendet - Ziel des Spiels ist dann allein das Prinzips des Weglaufens und des Freunde-holens (jemanden durch Handschlag zu aktivieren) 

Variante 2 (kompetitiv - bei älteren Kindern geeignet, die schon über eine gewisse Frustrationstoleranz verfügen): Die Gruppe, die am schnellsten einmal ganz durchgewechselt ist, hat gewonnen

Variante 3 (mit Erschwernissen): nicht durch die Strecke laufen, sondern z.B. einen Medizinball rollen - dies fördert die Achtsamkeit und ist auch deutlich anstrengender! 




Sonntag, 29. März 2026

Klammerklau - alle Altersstufen - leicht kämpferisch - Üben der Frustrationstoleranz - 6 - 30 Personen

 Hilfsmittel: Wäscheklammern

Die Kinder stehen im Kreis und es werden Wäscheklammern verteilt / die Kinder können sich Wäscheklammern nehmen, pro Kind vier bis sechs Klammern (ggf. mehr - Ermessen der Trainerin / des Trainers)

Die Klammern werden sichtbar an der Vorderseite der Kleidung angebracht. Auf Start-Kommando bewegen sich die Kinder in einem festgelegten Raum. Achtung: Es empfiehlt sich, den Raum eng einzugrenzen - bei uns im Dojo z.B. die Fläche innerhalb des roten Vierecks / Wettkampffläche. 

Die Kinder versuchen, sich gegenseitig die Klammern zu stehlen und an die eigene Kleidung zu klemmen. Wer nach ca. 2 Minuten die meisten Klammern an der eigenen Kleidung hat, hat gewonnen. 

Hinweis: Bei kleinen Kindern kann große Frustration aufkommen, weil sie noch keine ausreichende Frustrationstoleranz entwickelt haben. Trainer*in kann hier entweder intervenieren und  kann ein größeres Kind um Unterstützung bitten: Das größere Kind kann gebeten werden, ganz langsam vor dem kleinen Kind her zu laufen, so dass das kleine Kind eine Klammer schnappen kann und ein kleines Erfolgserlebnis hat. Alternativ kann dem kleinen Kind erklärt, dass diese Übung nur ein Spiel ist und es nicht schlimm ist, wenn man nicht gewonnen hat. Durch diese Interventionsmöglichkeiten kann bei dem großen Kind Kooperationsfähigkeit gefördert werden und bei dem kleineren Kind die Frustrationstoleranz. 

Kinder-Yoga mit Yoga-Karte - Übungen zu zweit - Beweglichkeit, Koordination, Kooperation

Hilfsmittel: Kartenset mit den Kinder-Yoga-Übungen zu zweit

Achtung: am Besten bei einer graden Anzahl der Trainierenden - wenn die Anzahl ungerade ist, muss ggf. eine Dreiergruppe gebildet werden, bei denen die Kinder sich bei jedem Durchgang durchwechseln. Sie brauchen dann ggf. etwas mehr Zeit als die Zweiergruppen. Es ist gut, wenn die Kinder sich bei dieser Übung selbst ihre Partnerin/ihren Partner aussuchen, damit die Übung harmonisch erfolgt. Wenn sich herausstellt, dass ein Paar die Übung zum Quatschmachen nutzt, können die Parnter*innen durch die Trainerin / den Trainer ausgewechselt werden. 

Die Kinder stehen im Kreis und es wird eine Karte aus dem Kartenset gezogen.

Die Kinder sollen versuchen, die Yoga-Position zu zweit nachzustellen. Trainer*in kann korrigieren. 

Variante: Die Kinder laufen durch den Raum und es wird auf ein bestimmtes Kommando hin eine Karte hochgehalten - die Kinder müssen dann zu zweit in die Position gehen. 

Variante: Die Karten werden nach der ersten Erklärungsrunde als Positionen im Raum verteilt. Die Kinder laufen paarweise durch den Raum und auf ein Kommando hin müssen sie sich zu zweit zu einer Karte stellen und die Position einnehmen. Bei mehreren Runden ist darauf zu achten, dass möglichst verschiedene Positionen eingenommen werden. Es kann vereinbart werden, dass nur ein Kinder-Paar bei einer Karte stehen darf oder dass mehrere Kinder-Paare an einer Karte stehen dürfen (Ermessen der Trainerin / des Trainers).

Kinder - Yoga mit Yoga-Karten - Beweglichkeit, Kraft

Hilfsmittel: Kartenset mit den Kinder-Yoga-Übungen

Die Kinder stehen im Kreis und es wird eine Karte aus dem Kartenset gezogen.

Die Kinder sollen versuchen, die Yoga-Position nachzustellen. Trainer*in kann korrigieren. 


Variante: Die Kinder laufen durch den Raum und es wird auf ein bestimmtes Kommando hin eine Karte hochgehalten - die Kinder müssen dann in die Position gehen. 

Variante: Die Karten werden nach der ersten Erklärungsrunde als Positionen im Raum verteilt. Die Kinder laufen durch den Raum und auf ein Kommando hin müssen sie sich zu einer Karte stellen und die Position einnehmen. Bei mehreren Runden ist darauf zu achten, dass möglichst verschiedene Positionen eingenommen werden. Es kann vereinbart werden, dass nur ein Kind bei einer Karte stehen darf oder dass mehrere Kinder an einer Karte stehen dürfen (Ermessen der Trainerin / des Trainers).

Möhrenziehen - Pandas und Füchse, kämpferisch, geringes Verletzungsrisiko - mittelgroße bis große Gruppen (8 - 30 Kinder)

 Alle Kinder legen sich auf den Bauch und fassen sich an den Händen (verschärfte Variante: haken sich an den Ellenbogen ein - das ist nicht für empfindliche Kinder/Pandas zu empfehlen!). Sie sind die Möhren in einem Möhrenbeet. Ein Kind ist Gärtnerin oder Gärtner und hat die Aufgabe, die Möhren zu ernten. Hierzu werden die Möhren-Kinder an den Fußfesseln/Knöcheln gefasst und mit großer Kraft aus dem Kreis der anderen Kinder gezogen. 

Möhren-Kinder, die aus dem Beet gezogen wurden, werden automatisch auch zur Gärtnerin/zum Gärtner. Wenn zwei Kinder gleichzeitig gezogen werden, sich aber noch zu zweit an den Händen halten, kann diese als "doppeltes Ernteglück" gedeutet werden und beide Kinder werden zu Gärtnerinnen oder Gärtnern. 

Gärtner*in-Kinder können auch gemeinsam an einem Möhren-Kind ziehen und sich gemeinsam unterstützen. 

Falls es im ersten Durchgang zu lange dauert, eine erste Möhre zu ernten, kann Trainer*in ggf. unterstützen oder fragen, ob ein Möhren-Kind freiwillig zur Gärtnerin/zum Gärtner werden möchte. 

Wenn versehentlich an einer Do-Gi-Hose gezogen wird, ist diese Aktion sofort zu stoppen und das ziehende Kind muss darauf hingewiesen werden, dass an den Fuß-Knöcheln gezogen werden muss.

Aus Sicht der Trainerin / des Trainers kann ggf. die Gruppendynamik aus dem Spiel gelesen werden: Welche Kinder sind unterstützend und bieten Hilfe an, indem schnell versuchen, eine entstandene Lücke im "Beet" zu schließen. 

Es ist interessant, zu beobachten, wen sich die Kinder als "Erntestück" aussuchen: Manche gehen nach Sympathie und suchen den großen Bruder aus (obwohl es unwahrscheinlich ist, dass sie ihn aus dem Beet gezogen bekommen). Andere haben schon genau im Blick, welche Kinder kleiner und schwächer sind und zur "schnellen Beute" werden. Es liegt im Ermessen der Trainerin / des Trainers, hier zu intervenieren oder nur zu beobachten. 


Robbenfangen - ab Füchsegruppe - viel Körperkontakt - kämpferisch - für große Gruppen geeignet - mittleres Verletzungsrisiko

 Die Kinder stellen sich an einer Hallenseite auf - sie werden in dem folgenden Spiel "Robben" werden. Ggf. muss, wenn neue Kinder dabei sind, die das Spiel nicht kennen, die Fortbewegungsart einer Robbe einmal gezeigt werden: Hierzu muss ein Kind sich auf den Bauch legen und sich durch eine leichte Krümmung in der Körpermitte unter Zuhilfenahme der Ellenbogen und Knie vorwärts bewegen. Achtung: Der Bauch muss am Boden bleiben, es darf nicht auf allen Vieren gekrabbelt werden! 

Ziel ist es, von einer Hallenseite zur anderen zu gelangen, ohne vom "Eisbären" "gefressen" zu werden. Der Eisbär ist anfangs ein einzelnes Kind, welches an der anderen Hallenseite auf die Robben-Kinder zu läuft. Der Eisbär darf aufrecht gehen. 

Um die Robben zu fressen, muss der Eisbär es schaffen, die Robben-Kinder von der Bauchlage in die Rückenlage zu bringen. Die Robben wollen natürlich nicht gefressen werden und müssen alle Muskeln anspannen, um der Zugkraft des Eisbären zu widerstehen. Robbenkinder, die umgedreht wurden, werden in der nächsten Spielrunde auch zum Eisbären, so dass die Zahl der Eisbären zu- und die der Robben mit jedem Spiellauf abnimmt. 

Robben, die die andere Hallenseite erreicht haben, sind in Sicherheit. Die nächste Spielrunde verläuft dann in entgegengesetzter Richtung. 

ACHTUNG: Bei kämpferischen Spielen sollten am Anfang Regeln geklärt werden! Wichtigste Regel: Wenn ein Kind "Stopp" oder "Aua" ruft, muss der Kampf sofort beendet werden. Weitere Regeln können mit den Kindern abgestimmt werden. Sie müssen aber Sinn machen. Wenn ein Kind z. B. beim Robbenfangen vorschlägt, eine Regel könne sein, dass man nicht am Karateanzug ziehen darf, dann kann das Spiel nicht durchgeführt werden. 

Memory-Staffellauf - Pandas - Verbindung von Kondition und Kognition - Gruppengröße: 6 bis 16 Kinder

 Es werden zwei oder mehr Gruppen á vier bis acht Kinder gebildet*. 

Die Kinder stellen sich an einem Hallenrand in ihrer Gruppe hintereinander. An die Startposition jeder Gruppe wird ein kleines Schlagkissen gelegt. Das vorderste Kind schaut zur Trainerin/zum Trainer. Trainerin/Trainer befindet sich in ca. 5 Meter Abstand zu den Kindergruppen und breitet vor sich Memory-Karten aus, mischt diese und legt diese mit der Rückseite nach oben aus. 

Nun darf immer das vorderste Kind der jeweiligen Gruppe zu den Memory-Karten laufen und jeweils zwei Karten umdrehen. Es können immer die ersten Kinder aller Gruppen gleichzeitig laufen. Wenn die beiden aufgedeckten Karten das gleiche Bild zeigen, darf das Kind die beiden Karten mit zur Gruppe nehmen und neben das Schlagkissen gelegt. Dadurch wird symbolisiert, dass das Ergebnis kein Individualerfolg ist, sondern ein Gruppenpunkt. Dieser Aspekt soll die Gruppengemeinschaft fördern. Wenn alle Karten aufgesammelt sind, wird gemeinsam gezählt, welche Gruppe die meisten Kartenpaare hat. Die Gruppe, die am Ende am meisten Kartenpaare hat, war am erfolgreichsten, hat gewonnen. 

Hinweis: Wenn Kinder aus mehreren Gruppen gleichzeitig bei den verdeckten Karten sind, kann es sein, dass einige absichtlich abwarten, bis die anderen Kinder Karten aufgedeckt und damit die Position bestimmter Kartenbilder "verraten" haben. Es liegt im Ermessen der Trainerin/des Trainers, ob dieses Vorgehen akzeptiert wird. 

*Anmerkung: Die Gruppen sollten nicht zu groß sein, da die Kinder sonst zu lange warten müssen und dann anfangen, sich zu langweilen, zu ärgern, nicht mehr aufzupassen, generell: unruhig werden. Zudem besteht die Gefahr, dass in zu langen Gruppen die Reihenfolge der Kinder in der Reihe der wartenden durcheinander kommt. Dadurch entsteht wiederum Unruhe und das Trainingsziel wird verfehlt. 

Fangen mit Karateständen - besonders geeignet für Pandas und absolute Anfänger*innen - Variante für Erwachsene oder Senior*innen

Die Kinder stehen im Kreis und werden gefragt, ob sie schon Karatestände kennen. Ist die Gruppe schon länger zusammen, werden sie die Stände Vorwärtsstellung, Reiterstellung und Rückwärtsstellung nennen. 

Es empfiehlt sich, nach Nennen des ersten Standes direkt die erste Runde "Fangenspielen" anzuleiten und auszuführen: Es wird gefragt, wer gerne Fängerin oder Fänger sein möchte und die Kinder bekommen von den Trainerinnen oder Trainern je ein kleines Schlagkissen zur Kenntlichmachung der Rolle als Fänger*in. Bei ganz neuen Gruppen, die das Spiel noch nicht kennen, sei darauf hingewiesen, dass sie nicht mit dem Kissen die anderen Kindern beim Fangen berühren müssen, sondern dass das Kissen nur ein Signal ist. Zum Fangen kann die freie Hand benutzt werden. Weiterhin muss erklärt werden: Wer gefangen wird, geht in die entsprechende, von der Trainerin/dem Trainer ausgesuchte Karatestellung. Kinder, die noch nicht gefangen sind und nicht Fänger*in sind, können die gefangenen Kinder befreien, indem sie unter den Beinen hindurch krabbeln. 

Nach ca. drei Minuten wird die Spielrunde durch Trainer*in abgebrochen und die Kinder stellen sich im Kreis auf, um die nächste Stellung zu nennen. 

Bei der Abfrage der bekannten Stellungen oder (bei neuen Gruppen) bei der Vorstellung der Karatestellungen durch Trainer*in sollten immer auch die japanischen Namen der Stände genannt werden, damit die Kinder mit den Namen vertraut werden. 

Bei noch nicht so beweglichen Erwachsenen oder bei Eltern-Kind-Gruppen bzw. Gruppen von Senior*innen kann das Spiel variiert werden: Statt unter den Beinen hindurch zu krabbeln, kann die gefangene Person z. B. durch einen Handschlag befreit werden. 


Ninja, Tiger, Kranich - Aufwärmspiel für Pandas

 Die Kinder werden gefragt, wie sich ein Tiger bewegt und sollen in die Rolle eines Tigers schlüpfen (auf allen Vieren krabbeln, Knurren, Brüllen, mit einer Hand wie mit einer Tatze von oben nach unten streichen - wenn sich zwei kleine Tiger begegnen, können sie anfangen, sachte miteinander zu raufen).

Als nächstes werden sie gefragt, ob sie wissen, was ein Ninja ist - viele kennen den Begriff aus TV-Sendungen wie Ninjago. Mögliche Erklärung: Ninjas waren japanische Geheim-Agenten zur Zeit der Samurai - sie arbeiteten im Verborgenen und waren sehr beweglich. Sie konnten Häuserwände senkrecht hinaufklettern und manche behaupten sogar, sie konnten fliegen - in Wahrheit konnten sie vermutlich nur sehr weit springen. Die Geste, wie die Ninjas die Häuserwand hochklettern wird durch Trainer*in vorgemacht: Dazu die Hände mit geöffneten Fingern leicht versetzt oberhalb des Kopfes in der Luft platzieren, als sei da eine Wand, dazu noch einen Fuß hochnehmen, als wäre man im Begriff, eine Wand hochzuklettern. 

Schließlich werden die Kinder gefragt, was ein Kranich sei. Einige kennen nur den "Kran" auf der Baustelle. Hier muss Klarheit geschafft werden :-) Der Kranich ist ein Vogel, der häufig auf nur einem Bein steht (hier Tsuro Ashi Dashi einnehmen wie bei der Kata Gankaku). Da der Vogel gerne Fische frisst, steht er häufig an oder sogar in flachen Gewässern. Um die Fische nicht zu verscheuchen, muss er ganz still stehen und darf nicht wackeln. 

Wenn die Kinder alle Figuren kennen, werden sie gebeten, durch die Halle zu laufen. Auf ein Kommando der Trainerin oder des Trainers (Ninja, Tiger oder Kranich) nehmen sie die entsprechende Position ein. Nach ca. 20 Sekunden erfolgt das Kommando "Weiterlaufen". Es können einige Durchgänge mit den verschiedenen Figuren durchgeführt werden. 

Variante: Ein Kind aus der Gruppe kann die Kommandos rufen. Es hat sich bewährt, dass ein Kind z.B. drei Kommandos (verschiedene oder auch doppelte) rufen darf - danach noch ein oder zwei andere Kinder als "Kommandant*in". 

Mittwoch, 4. März 2026

Raupenrennen - Pandas, Füchse, Tiger - besonders für große Gruppen geeignet, verletzungsarm

 Besonders für große Gruppen geeignet! Pandas und Füchse! Geringes Verletzungsrisiko

Gruppe in etwa gleichgroße Untergruppen aufteilen - 4-8 Personen optimal - aber auch größere Gruppen möglich - dann wird Schwierigkeitsgrad erhöht! 

Insgesamt können mehrere Gruppen gleichzeitig ins Rennen gehen - z. B. in einer besonders großen Gruppe von 30 Kindern können 5 oder 6 Untergruppen gebildet werden und gleichzeitig agieren. 

Die Kinder setzen sich innerhalb ihrer Gruppe hintereinander auf den Boden. Hierbei rutschen sie so nah aneinander, dass sich die Füße eines hinteren Kindes neben dem Gesäß eines vorderen Kindes befinden. Die Kinder fassen nun jeweils die Fußgelenke der hinteren Kinder. Das letzte Kind einer Reihe kann die Hände hinter sich auf den Boden legen. Die kleinen Reihen wirken nun wie eine Raupe oder wie ein Tausendfüßler. 

Auf Start-Kommando versuchen die "Raupen" nun, sich von einem Raum-Ende zum anderen zu bewegen. Hierbei sollte die "Raupe" nicht auseinanderreißen. 

Einfache Regel: Ein Auseinanderreißen wird nicht sanktioniert und die Kinder können die Raupe wieder "flicken" und sich gemeinsam weiterbewegen. Weitere Vereinfachung: Es wird nicht um die Wette gelaufen.

Herausfordernde Variante: Wenn die "Raupe" reißt - also sich Hände von den Füßen lösen - muss die Raupe von vorne beginnen. Weitere Herausforderung: Lauf um die Wette! 


Dienstag, 7. Oktober 2025

Karate Do fördert soziale Kompetenzen (nicht nur) von Kindern

Karate Do fördert soziale Kompetenzen (nicht nur) von Kindern  








Dass Karate Do gut für die körperliche und geistige Entwicklung für Menschen allen Alters ist, wurde schon vom Begründer des modernen Karate, Gichin Funakoshi Sensei, beschrieben. Über die positiven Auswirkungen auf die Entwicklung von Resilienz hatte ich mir selbst bereits einmal Gedanken gemacht (https://andreahaeusler.blogspot.com/2023/12/machs-mir-schwer-dann-nehm-ichs.html).


Und nun stieß ich auf interessante Ausführungen im Essay Soziale Kompetenzen von Birgit Reißig, die mich darüber nachdenken ließen, welche Einflüsse Karate Do genau auf die Förderung sozialer Kompetenzen hat.


Bevor es aber um die positven Einflüsse des Karate Do geht, möchte ich kurz erklären, was soziale Kompetenzen sind und warum sie so bedeutsam sind. Dass dies gar nicht so einfach ist, lässt sich daran erkennen, dass schon der Begriff “Kompetenz” wissenschaftlich nicht eindeutig definiert ist. So können beispielsweise die Fähigkeiten und Fertigkeiten einer Person mit dem Begriff gemeint sein. Auch wenn jemand viel über ein Fachgebiet weiß, gilt er oder sie als “kompetent”. Kompetenz ist insgesamt eine gute Voraussetzung dafür, in bestimmten Situationen ein bestimmtes – bestenfalls: erwünschtes – Verhalten zeigen zu können. Wer über Kompetenz verfügt, verfügt nämlich oftmals über eine gute Selbstwirksamkeit, um bestimmte Ziele zu erreichen und bestenfalls auch zwischen verschiedenen Lösungsvarianten auszuwählen und einen einmal eingeschlagenen Lösungsweg auch zu evaluieren und variieren. Kompetenz kann demnach auch eine bestimmte Flexibilität ermöglichen. Hiermit können einerseits die Fähigkeiten gekoppelt sein, andere um Rat und Hilfe zu bitten - aber auch selbst tatkräftig an der Erreichung von Zielen zu arbeiten. 


Auch für den Begriff der sozialen Kompetenz gibt es keine einheitliche Definition. Das Wort “sozial” deutet darauf hin, dass sich soziale Kompetenz auf das Zusammenspiel mit anderen Personen bezieht, auf die angemessen ausgefüllten Rollen einer Person in einer Familie, in einem Team, einer Schulklasse – in der Gesellschaft. Wer als sozial kompetent gilt, verfügt im Allgemeinen über Fähigkeiten, erfolgreich zwischenmenschliche Beziehungen zu gestalten und Einfluss auf andere Personen zu nehmen. Beste Voraussetzungen also, um ein erfülltes und zufrieden stellendes Leben zu führen! Nun stellt sich die Frage, über welche Eigenschaften ein Mensch verfügen muss, um sich sozial kompetent zu verhalten. Die Fachliteratur nennt hier drei wesentliche Eigenschaften: 


  • Durchsetzungsfähigkeit
  • Anpassungsfähigkeit
  • Kompromiss oder Wechsel zwischen Anpassung und Durchsetzung


Stark werden, laut sein, sich körperlich durchsetzen beim Ringen und Raufen, Hindernisse überwinden, Schwierigkeiten überwinden, im Kumite dominieren, eine Kata selbstsicher vorführen, um sich bei Wettkämpfen durchzusetzen, allgemein: sich entwickeln wollen, an sich arbeiten wollen - das sind Übungsfelder der Durchsetzungsfähigkeit, die bereits Kinder im Karate lernen! Und schlussendlich gehört auch das Durchsetzen gegenüber dem inneren Schweinehund dazu, so dass man auch zum Training erscheint, wenn man eigentlich keine Lust hatte! Wenn man Eltern fragt, melden viele ihre Kinder beim Karate an, damit sie genau diese Formen der Durchsetzungsfähigkeit kennenlernen und sich aneignen.


Aber es gibt auch genau entgegengesetzte Interessen: Eltern von Kindern, die ständig über die Stränge schlagen, denen es schwer fällt, sich zurückzunehmen, sich zu konzentrieren, Regeln einzuhalten. Diese Eltern wünschen sich, dass wir den Kindern im Karate Respekt und Disziplin beibringen, sie lehren, sich an Regeln zu halten, kurz: sich in sozialen Gruppen anzupassen. Anpassungsfähigkeit ist neben der Durchsetzungsfähigkeit ein weiteres großes soziales Lernfeld im Karate: Kinder lernen, nicht ungestüm durch die Dojo-Tür zu stürmen, sondern an der Schwelle kurz innezuhalten und sich zu verneigen. Auch die Verneigung vor einer Partnerin oder einem Partner vor Beginn einer gemeinsamen Übung gehört dazu. Die Kinder erfahren, dass sie auch vor Trainingsbeginn nicht wild im Dojo umherlaufen sollen, sondern sich stattdessen möglichst ruhig auf ihre Plätze begeben und der ruhigen Atmosphäre im Dojo anpassen sollen. Ein weiterer Anpassungsprozess besteht in dem Zeigen von Respekt bzw. in der Rücksichtnahme auf die Interessen anderer. Hier können die Interessen er ganzen Trainingsgruppe und auch der Trainerin / des Trainers gemeint sein: Indem ein Kind pünktlich erscheint und nicht durch Zuspätkommen den Unterricht stört, oder indem es keine unnötigen Trink- oder Toilettenpausen einfordert - allgemein: indem es sich zurücknimmt im Sinne der Gruppe. Aber auch in Bezug auf eine Trainingspartnerin / einen Trainingspartner - speziell gegenüber einer kleineren, schwächeren Personen oder Personen, die auf dem Karte Weg noch nicht so weit fortgeschritten sind, ist Rücksicht gefordert. Nur so kann gemeinsam eine Übung durchgeführt werden. Statt zu zeigen, wie stark man schon ist und damit eine andere Person zu überfordern, nimmt man sich zurück und fördert damit den Lernprozess auf beiden Seiten. 


Phasen, in denen im geschützten Raum des Dojos Durchsetzungskraft gefordert ist, wechseln sich permanent ab mit Phasen der Anpassung. Durch diese ständigen Wechsel erlangen Kinder ein Gespür dafür, was im Dojo, im Karate-Unterricht grade angemessen ist. Dieses im Karate-Unterricht erworbene Bewusstsein für unterschiedliche Anforderungen an die physische und psychische Präsenz sowie an das eigene Tun oder Unterlassen bildet die Grundlage für einen hohen Grad an sozialer Kompetenz, die sich nach und nach auch auf das Leben außerhalb des Dojos übertragen lässt. 


Es ist nie zu spät, um mit Karate Do zu beginnen, um dadurch soziale Kompetenz zu erlangen oder zu steigern. Je früher jedoch besonders Kinder in Kontakt mit dem Regelwerk des Karate Do und mit der besonderen Atmosphäre eines Karate-Dojos kommen, desto tiefer und intensiver können die Regeln, Rollen, Rituale und Routinen für die Ausbildung eines Selbstbewusstseins sorgen, das es ermöglicht, sich verschiedenen Lebenslagen sozial kompetent zu verhalten.


Siehe z.B. Karatedō Kyōhan – Lehrmuster des Weges der leeren Hand, Kristkeitz Verlag


Siehe Veröffentlichung meines Artikels im Auszug Newsletter des DJKB über diesen Link: https://karateschule-muenster.de/wp-content/uploads/2024/04/Artikel_Resilienz-JKA_Magazin.pdf


Siehe Birgit Reißig „Soziale Kompetenzen sichtbar machen und für den Ausbildungs- und Berufsweg nutzen“ https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs/225_7015_WT_2_2007_reissig.pdf

  

Samstag, 23. Dezember 2023

„Mach‘s mir schwer, dann nehm‘ ich‘s leichter!“ Mögliche Einflüsse des Karate auf die Ausbildung der Resilienz bei Kindern und Jugendlichen

  


Können Einschränkungen, und das Überwinden von Widerständen Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, die Fähigkeit der Resilienz auszubilden? Welche Rolle spielen hierbei das Angewöhnen zielgerichteter Bemühungen und das Aushalten von Entbehrungen? 

 

Gibt es Sport- oder Freizeitbeschäftigungen, die in Kindheit und Jugend nicht erlebte Einschränkungen und Entbehrungen ersetzen können, um daraus Resilienz zu schöpfen? Welche Fähigkeiten müssten die Trainerinnen oder Trainer hierzu mitbringen? Und welchen Einfluss haben die Eltern auf die Ausbildung der Resilienz ihrer Kinder? 

 

Resilienz, was ist das überhaupt? 

Der Begriff Resilienz[1] kommt eigentlich aus der Materialwissenschaft und wurde erst später in die Psychologie übertragen. Resilienz bezeichnete ursprünglich die Eigenschaft von Stoffen, die ihre ursprüngliche Form trotz extremer äußerer Einflüsse behalten oder nach kurzer Zeit wiedererlangen – wie z.B. ein Gummiball, der beim Aufprall auf den Boden eine Delle bekommt, dann aber nach ein paar Sekunden wieder seine runde Form annimmt. Übertragen auf die menschliche Psyche würde das bedeuten, dass resiliente Menschen über eine hohe psychische Widerstandskraft verfügen, so dass sie sich nach schwerwiegenden und belastenden Erlebnissen schnell wieder erholen. Insgesamt bedeutet eine hohe Resilienz also, dass Menschen psychisch belastende Ereignisse, Pechsträhnen, Krisen und Krankheiten, Unglück und Verluste vergleichsweise gut überstehen und keine schwerwiegenden Folge-Belastungen daraus entwickeln. 

 

In den Anfangszeiten der Forschung hatte man angenommen, Resilienz sei genetisch veranlagt. Heute ist man überwiegend der Ansicht, dass Resilienz das Ergebnis von Anpassungsprozessen an belastende Ereignisse ist. 

Demnach verändern sich Menschen also in Auseinandersetzung mit herausfordernden Lebensereignissen: 

  • Bestenfalls werden in herausfordernden Situationen Stärken entdeckt und entfaltet
  • Oder die Menschen lernen aus einer negativen Erfahrung und wappnen sich für zukünftige Herausforderungen. 
  • Vielleicht werden auch bisherige Einstellungen oder Auffassungen widerrufen, um in Zukunft nicht erneut Niederschläge zu erleiden. Dies kann sich in Vermeidungsstrategien äußern.

Widerstandskraft entwickeln

Die Idee, Widerstandskraft oder Abwehrkräfte zu entwickeln, kennen wir aus dem Bereich der Infektionskrankheiten: Um das körperliche Immunsystem zu stärken, wird eine Kur im Reizklima der Nordsee empfohlen oder es wird geraten, bei Kneipp-Kuren oder Wechselbädern den Körper an kaltes Wasser zu gewöhnen und dadurch „abzuhärten“. Durch Impfungen soll der Körper mit geringen Dosen von Krankheitserregern konfrontiert werden, damit Antikörper gebildet werden, um den Ausbruch der vollständigen Krankheit zu verhindern. 

Diese Ansätze kann man auch auf den Erwerb psychischer Abwehrkräfte übertragen: Nach diesem Modell müsste eine Person geringen Dosen von Entbehrungen und Anstrengungen und Frustrationen ausgesetzt werden, um gegen psychische Belastungen Abwehrkräfte entwickeln zu können. Die durchlebten Entbehrungen und Anstrengungen müssen auf ein sinnvolles Ziel hinführen und ein Erfolgserlebnis mit sich bringen. 

In den konkreten Situationen kann zum Beispiel erlebt werden:

  • Ich habe Energie, ich bin kraftvoll!
  • Ich bin selbstwirksam!
  • Ich kann mit wenig auskommen. 

Bedeutsam ist jedoch nicht nur das Erleben in der konkreten Situation, sondern vor allem auch der Transfer des Erlebten auf zukünftige, ähnliche Herausforderungen, Hürden, Aufgaben. Bei hinzugewonnener Resilienzfähigkeit können sich bei zukünftigen Krisen beispielsweise folgende Gedanken einstellen: 

  • Ich habe das schon einmal erlebt und überstanden. Dann überstehe ich es auch jetzt! 
  • Ich habe schon Schlimmeres erlebt und überstanden. Dann überstehe ich dies erst recht! 
  • Ich habe in der Vergangenheit selbst Lösungen entwickelt. Dann kann ich auch jetzt Lösungen finden!
  • Ich habe erlebt, dass ich meine Bedürfnisse wahrnehmen und kontrollieren kann und muss ihnen auch jetzt nicht unmittelbar nachgeben.
  • Ich kann mich in Geduld üben. 
  • Ich kann beharrlich sein.
  • Ich halte (Trainings)Routinen aus. 

Widerstände konstruieren

Viele Eltern möchten ihre Kinder wohl behüten und wünschen sich, dass die Kinder möglichst sorgenfrei leben. Die Kinder wachsen dann ohne große Widerstände auf. Studien haben ergeben, dass diese Kinder jedoch nicht glücklicher sind als andere Kinder. Häufig zeigen sie sogar Verhaltensauffälligkeiten, die denen verwahrloster Kinder ähneln. 

Zudem besteht die Gefahr, dass Menschen, die in der Kindheit und Jugend keine nennenswerten Herausforderungen zu erleben hatten oder nicht mit Widerständen kämpfen mussten, im späteren Leben an Hürden scheitern, die nach objektiven Maßstäben zu meistern gewesen wären. 

Daher stellt sich die Frage, ob Menschen, die in der Kindheit größere Schwierigkeiten erlebt haben, unter bestimmten Umständen ein größeres Resilienzpotenzial entwickeln. 

Bei Schwierigkeiten in der Kindheit kann es sich handeln um:    

  • Eigene Krankheiten (Krebs, Behinderung, chronische Erkrankung)
  • Krankheiten der Eltern oder Geschwister
  • Suchterkrankungen der Eltern oder Geschwister 
  • Spannungen / Trennungen im Elternhaus
  • Traumatisierungen z. B. durch Gewalt, Missbrauch, Unfälle
  • Tiefer sozialer Status / Armut
  • Häufige Umzüge und Schulwechsel
  • Krieg, Flucht, Vertreibung

Um aus diesen Krisen gestärkt hervorzugehen, ist es wichtig, dass in der Kindheit Strategien entwickelt wurden, die geholfen haben, die Schwierigkeiten zu überwinden. Diese Strategien können

  • intrinsisch sein (also von den Kindern selbst entwickelt) oder
  • extrinsisch (z. B. Unterstützung durch Eltern oder Lehrerinnen und Lehrer, Therapieformen, ärztliche Maßnahmen, Unterstützung durch Freundinnen und Freunde)

Es kann auch Aspekte geben, die verhindern, dass Kinder, die Entbehrungen erlebt haben, resilient werden. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn

  • die Krisen unüberwindbar sind.
  • das Kind keine ausreichende Unterstützung durch Familie oder außerhalb des Elternhauses findet. 


Wie könnte ein Sport- oder Freizeitangebot aussehen, das Kinder dabei unterstützt, resilientes Verhalten zu entwickeln?

Es kann vielfältige Angebote geben, die bei Kindern die Ausprägung der Resilienz fördern. Ich habe mich hier auf sportliche Angebote fokussiert, da sie für die meisten Familien am ehesten zu realisieren sind. Ein infrage kommendes Angebot sollte folgende Eigenschaften besitzen:

  • Es muss dem Kind Spaß machen!
  • Das Angebot wird möglichst in einer festen Gemeinschaft/Team betrieben. 
  • Es soll Anstrengungen erfordern, die das Erreichen eines (sportlichen) Ziels (Sportabzeichen, Turniergewinn, bestandene Gürtelprüfung o.ä.) zur Folge haben können
  • Das Angebot soll eine regelmäßige, strukturierte, möglichst verpflichtende Tätigkeit sein, die Disziplin und Beharrlichkeit erfordert.
  • Die sportliche Betätigung soll Entbehrungen, die im Alltag nicht erlebt werden, ersetzen, um die Psyche in geringen Dosen an Mangelgefühle zu gewöhnen. 


Beispiel Teamsportarten 

Das Team kann das sichere Netz bilden, das für das Aushalten von Entbehrungen und Frustrationen die wichtige Grundlage bildet. Das Ziel der beharrlichen Anstrengung kann ein Turniersieg oder der Aufstieg in eine höhere Liga sein. Teamsporttraining findet üblicherweise regelmäßig statt und ist bestenfalls gut strukturiert. Im Training von Teamsportarten darf keine/r fehlen oder sich hängen lassen. Bei den Entbehrungen kann es sich um Training im Freien - auch bei Regen oder Kälte - handeln. Ein Nachteil von Teamsportarten kann sich dadurch ergeben, dass oftmals der Erfolg des Teams im Vordergrund steht und Kinder, die weniger talentiert sind, „aussortiert“ werden.


Beispiel Kampfkünste 

Kampfkünste gelten nicht als Teamsportarten. Gleichwohl bildet ein gut geführtes Kampfkunst-Dojo eine starke soziale Gemeinschaft. Diese kann ähnlich dem Team in Teamsportarten als soziales Netz dienen und die Grundlage bilden, damit Entbehrungen ausgehalten, Frustrationen toleriert und Anstrengungen gelebt werden. Die Anstrengungen können durch das Erlangen einer neuen Gürtelfarbe oder Turniersiege belohnt werden – aber auch durch den Erwerb neuer Kenntnisse und Fähigkeiten wie beispielsweise das Erlernen einer neuen Kampfkunst-Form (Kata) oder förderlicher Persönlichkeitsmerkmale wie Selbstbewusstsein oder sicheres Auftreten. 

Kampfkunstunterricht ist durch strenge Regeln, Rollen, Routinen und Rituale klar strukturiert und findet bestenfalls mehrmals pro Woche statt. Die Herausforderungen und Entbehrungen, die im Karate-Unterricht erlebt werden, sind vielfältig und können z.B. in der Überwindung bestehen, ein Brett durchschlagen zu wollen, bei Kälte oder früh am Morgen zu üben, barfuß zu üben (auch im Winter), Schmerzen zu erfahren, auf Speisen und Getränke während einer Übungsstunde zu verzichten.

Kampfkünste verlangen von Kindern oftmals eine strenge Disziplin, die sich nicht nur auf die sportlichen Übungsaspekte bezieht, sondern auch auf das generelle Verhalten (leise sein, gerade sitzen etc.). Zudem wird geübt, sich gegenseitig mit Respekt zu begegnen. 

Von Kindern, die eine Kampfkunst betreiben, wird eine gewisse Folgsamkeit erwartet, die in anderen Lebensbereichen etwas aus der Mode gekommen scheint. Es wird zudem erwartet, die eigenen Bedürfnisse zu kontrollieren und Impulse zu steuern. Insgesamt gibt es in den Übungsstunden wenig Raum für eigene Befindlichkeiten.

Was Kampfkünste deutlich von anderen Freizeitbeschäftigungen unterscheidet, sind die im Unterricht vermittelten und im Regelfall in den Alltag übergehenden Werte wie Höflichkeit, Bescheidenheit, Geduld, Selbstbeherrschung und Hilfsbereitschaft. Die Kombination aus Anstrengungen, Entbehrungen, Disziplin und einer sozialen Gemeinschaft, deren Mitglieder respektvoll miteinander umgehen, sorgen für eine Stärkung des psychischen Immunsystems und stärken die Reslieienz. 

In Kampfkünsten kommt es vor allem auf den oder die Lehrer*innen an: Diese sind weit mehr als Trainer*innen oder Übungsleiter*innen. Sie müssen auch Vertrauenspersonen sein und sollten über folgende Fähigkeiten bzw. Eigenschaften verfügen:

  • Gute fachliche, didaktische, pädagogische Ausbildung
  • Gute Menschenkenntnis
  • Wohlwollen und Begeisterungsfähigkeit
  • Gelebte TrainerInnen-Ethik (nicht wie John Creese bei Karate-Kid)
  • Verzicht auf Schikane
  • Fähigkeit zur Selbstreflexion, Bereitschaft zur Inter- und Supervision
  • Karatelehrer*innen dürfen ihre eigenen Schwächen und Defizite nicht auf die SchülerInnen projizieren. Sie müssen die Persönlichkeiten er Schülerinnen und Schüler (er)kennen mit all ihren Stärken und Schwächen akzeptieren.

Einfluss der Eltern auf die Ausbildung der Resilienz ihrer Kinder

Neben den unterstützenden Sport- oder Freizeitbeschäftigungen haben die Eltern den größtmöglichen Einfluss auf die Ausbildung der Resilienzfähigkeit ihrer Kinder: Überall dort, wo es nicht unbedingt Hilfe benötigt, sollten Eltern ihre Kinder selbst agieren lassen. Sie sollten zudem. altersgerecht Verantwortung übernehmen müssen (für das eigene Haustier, die Ordnung im Kinderzimmer o.ä.). Den Schulweg sollten Kinder nach Möglichkeit selbst bewältigen (zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln). 

Daneben brauchen die Kinder in der Familie einen stabilen Rahmen mit einem guten Gleichgewicht aus Wärme und Unterstützung auf der einen Seite sowie Grenzen und Kontrolle auf der anderen. 


Literatur: 

 

Resilienz – Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft, Christina Berndt, Deutscher Taschenbuch-Verlag (dtv), 2015

 

Diplomarbeit „Überbehütete Kinder und die Entwicklung der Emotionsregulation“ von Lisa Reitzig, Universität Wien, 2014

 

Budo – Wesen und Wirken der Kampfkunst, Jörg-M Wolters, BoD Books on Demand, 2020


[1] Der Begriff Resilienz leitet sich von dem lateinischen Verb resilire ab, was zurückspringen, abprallen bedeutet.

Dienstag, 27. Juni 2023

Sicherheit für Ihr Kind - vom Sinn und Unsinn der "Passwort-Regel"

 Warum sich Familien nicht auf die "Passwort-Regel" verlassen sollten ...

In meinem Kurs "Zivilhelden" in Coerde mit Müttern und Kindern ging es unter anderem auch um das Thema "Steig nicht in (fremde) Autos ein". bzw. "Gehe nicht mit (fremden) Personen mit". Hier weiche ich in meinen Kursen vermutlich von einigen populären Methoden ab.

1. Wer ist "fremd"? Fremd ist ganz unbestritten wohl eine Person, die ein Kind noch nie gesehen hat. Als fremd kann man auch Personen bezeichnen, deren Namen man nicht kennt oder die man nur selten sieht. Oder man definiert als fremd alle Personen, die nicht zur Familie gehören. Ich halte auch das für zu ungenau - zumal der größte Teil der Gewalttaten gegen Kinder durch Personen geschieht, die zur Familie oder zum engeren Bekanntenkreis gehören. Ich empfehle hier daher, dass in der Familie klar definiert wird, mit wem ein Kind mitfahren oder mitgehen darf. Dies können "nur Mama und Papa" sein. Oder "auch Oma". Oder vielleicht "Kinderfrau Judith", die das Kind wochentäglich betreut. "Und was ist, wenn das Kind mal mit einem befreundeten Kind im Auto dessen Mutter mitfahren will?" - Dann sollte man das vorher besprechen und für das eine Mal vereinbaren.
2. "Passwort-Regel": Immer wieder lese ich den Ratschlag, dass Eltern mit ihren Kindern ein Passwort vereinbaren sollen: Kommt dann z.B. jemand in die Kita und fordert das Kind auf, mitzukommen oder ins Auto zu steigen, muss das Kind nach dem zwischen ihm und den Eltern vereinbarten "Passwort" fragen. Nur wer das richtige Passwort nennen kann, ist vertrauenswürdig (offenbar egal, ob die Person dem Kind bekannt ist oder nicht) und mit der Person darf und soll das Kind dann mitgehen.
Ich überlege immer wieder, für welchen Fall diese Regelung geeignet ist. Wenn schon beim Wegbringen in die Kita oder Schule klar ist, dass die gewohnte Bezugsperson das Kind nicht selbst abholen kann, dann kann man das bereits zu diesem Zeitpunkt mit Kind und Erzieher*innen / Lehrer*innen besprechen. Sollte es sich um einen Notfall handeln (Mama hatte einen Unfall und ist im Krankenhaus), ist es m.E. zweifelhaft, ob die Mutter noch der abholenden Person das passende Passwort hat sagen können. Und das Kind? Sagt man dem Kind: "Mama hatte einen Unfall und liegt im Krankenhaus", was geht dann wohl in dem Kind vor? Stress und Angst mischen sich zu einem Cocktail, der aller Erfahrung nach das Denken erschwert. Kann sich ein Kind dann noch an die Passwortregel erinnern? Oder an das richtige Passwort? Oder möchte es nur schnell Mama sehen?

Wie oft will man das üben und wiederholen, bis man sicher gehen kann, dass die Regel bei allen Stellen erinnert wird? Wird das Kind auch beim von der Mutter getrennt lebenden Vater nach dem Passwort fragen, wenn er es ohne Absprache von der Kita abholt? Oder beim netten Nachbarn, der das Kind mal "ausnahmsweise" abholen will?
Sollte man die Energie, die in die Passwort-Geschichte aufgewandt wird, nicht besser in andere Strategien investieren, die wirklich wirken? Meiner Meinung nach wiegt diese Idee Eltern und Kinder fälschlicherweise in Sicherheit.
Im Kurs "Zivilhelden" sprach ich dann auch das Thema "Nicht mitgehen/nicht einsteigen" an. Eine Mutter winkte gleich ab: "Ach, da haben wir ja die Passwortregel, nicht wahr (zum Kind)?" Das Kind nickte eifrig. Die Mutter zu den anderen Müttern: "Wenn jemand will, dass meine Tochter mitgeht, fragt meine Tochter nach dem Passwort und nur wenn das richtige Passwort genannt wird, geht sie mit." Tochter nickt wieder. Pause. "Mama?" "Ja?" "Wie ist denn nochmal das Passwort?"


Samstag, 25. Juli 2020

Training "Starke Kinder bei Schulbeginn und Schulwechsel"

Ziel: Förderung der Konzentration, des Körperbewusstseins, der Aufmerksamkeit, der Wehrhaftigkeit

- Link-rechts-links: Vor dem Überqueren einer Straße müssen Fußgänger*innen den Straßenverkehr beachten. Hierzu bleibt man am Straßenrand stehen und blickt erst nach links, dann nach rechts, dann noch einmal nach links. Wenn die Straße frei ist, kann sie überquert werden.

Im Training üben wir das so:
Vorbereitung / Warmup auf der Stelle (Corona) mit Laufen und Hampelmann, danach Tsuki und Keri

Anschließend war die Koordinationsleiter ausgelegt und davor im Abstand von ca. 1,5 m die kleinen Handpratzen (eine oder zwei mehr als Kinder im Training sind).

Die Kinder nehmen je Aufstellung neben einer Pratze, ein Kind kann sich schon an die erste Sprosse der Leiter stellen.
Nun läuft das erste Kind durch die Leiter, die anderen Kinder haben die Aufgabe, sehr aufmerksam zu sein und sofort wenn die Pratze vor dem Kind "frei" wird, aufzurücken (wie beim "Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel" ein Feld vorzurücken); zwei oder drei Durchgänge, bis das klappt.

Anschließend an der Pratze stehend Blick zum Spiegel ausrichten. Die Kinder werden gefragt, wo "links" ist. Bei uns in der Karateschule wissen alle Kinder "da, wo das Logo auf der Jacke ist, da ist links". Die Kinder üben dann, den Kopf abwechselnd nach links und rechts zu drehen. Im Folgenden heißt es dann: "Links, rechts, links" und dann wieder den Kopf gradeaus zum Spiegel - das wird ca. 10 Mal wiederholt. Es wird erklärt, warum es wichtig ist, erst nach links zu blicken und vor dem Losgehen noch einmal: Durch den Rechtsverkehr in Deutschland kommen die Autos, die dem Kind am Straßenrand am nächsten sind, von links.

Dann drehen sich an ihrer Pratze wieder alle in Richtung Leiter und das erste Kind geht zur ersten Sprosse. Nun blickt es nach links-rechts-links, bevor es über die "Straße" (in Form der Leiter) laufen darf. Die anderen Kinder haben weiter die Aufgabe, aufmerksam zu sein und immer aufzurücken; drei Durchgänge. Wenn wir feststellen, dass die Kinder nur "mit dem Kopf wackeln" und gar nicht richtig zur Seite blicken, können sich die Trainer*innen an die Seiten hocken und - wenn die Kinder schauen - lustige Grimassen schneiden :-)

Verschärfung: Die Kinder sollen lernen, ihre Aufmerksamkeit auf die Straße zu richten, auch wenn eine Freundin ruft oder ein süßer kleiner Hund auf dem Gehweg entlang geht. Wir üben weiter an der Leiter: Ein Kind steht an der ersten Sprosse - Aufgabe ist weiter, links-rechts-links zu schauen und dann die Leiter zu durchqueren, ohne die gelben Leisten oder die grüne Schnur am Rand zu berühren.  Es ist das Ziel, sich nicht ablenken zu lassen! Ablenkung wird bei dieser Übung nun dadurch hergestellt, dass alle anderen Kinder mit ihrer Pratze am Rand der Leiter im Abstand von ca. 1 m zur Leiter und 1,5 m voneinander Aufstellung nehmen, so dass das durch die Leiter laufende Kind quasi einen Spießrutenlauf erlebt. Die Kinder am Rand können
- bei der Pandagruppe einfach nur "da stehen"
- bei der Fuchsgruppe Hampelmann machen, Tsuki machen oder Mae Geri
Mit den Kindern sollte auch intensiv besprochen werden, welchen Zweck die Übungen haben, damit der Transfer von der Laborsituation im Dojo zur Realität gelingt.