Montag, 20. April 2020

Kakuyoku Shodan

Kakuyoku Shodan

Im Shizentai beide Arme von außen nach oben führen, Hände geöffnet, rechte Hand ist vorne

Rechtes Knie hochziehen, Fuß flex, rechte Hand gedan Shuto Uke, Blick nach rechts, linke Faust Hikite

Rechten Unterarm hoch mit geöffneter Hand, rechtes Bein absetzen in ZK mit mit Jodan Nukite (oder Heito Uchi?)

Zur anderen Seite genauso

Linkes Bein ransetzen, mit rechts vor Neko Ashi Dachi, offene Hände dabei überkreuzt und Kakiwake Uke mit offenen Händen

Zweimal Suri Ashi vorgleiten in Neko Ashi Dachi mit Block, Handaußenkante (Seiryoto Uchi?), dann noch einmal vorgleiten, Arme groß auf Kopfhöhe ausholen und doppel Heito Uchi Jodan 

Auf dem vorderen Bein um 270 Grad drehen in Neko Ashi Dachi mit Kakuyoku Block (Handrücken oben), Mae Geri, Fuß wieder im Neko Ashi Dachi absetzen, dann mit demselben Fuß nach vorne absetzen in ZK mit Mawashi Empi in die offene Hand

Rechten Fuß versetzen in KB mit Blick zur Ausgangsposition (rechts rum, kleine Viertelwendung), dabei mit rechts Tate Shuto Uke, dann links Mawashi Empi, rechte Hand geht Hikite (nicht in die Hand stoßen). 

Wendung wieder zurück nach links, linken Arm ausstrecken, linken Fuß in Heiko Dachi, Yoko geri Kekomi, dabei linke Hand Hikite, Absetzen ZK mit Gy Ts

Wendung 180 Grad, mit rechtem Arm Kakuyoku Block und das ganze zur anderen Seite 

Füße so stehen lassen, und auf der Stelle Wendung 180 Grad, rechte Hand Heito Uchi, links wie Uchi Uke

Rechts vor mit rechts Gedan Barei, links oi tsuki

Links vor Juji Uke, dann Arm tricherförmig auseinander (wie Anfang Hokkyokuko) und vor doppel Nukite (Heito)

Vorderes Bein stehen lassen, hinten rum drehen in Neko ashi dachi links vor mit rechts kakuyoku block, handfläche nach oben, vor in ZK mit Age Empi Jodan und im Stand Heito, dann einen Schritt vor Oi tsuki mit rechts

Vorderes Bein am hinerteren vorbei – große Wendung, mit rechts vor stehen, kakuyoku Block, Empi, Heito, oi Tsuki
Vorderen Fuß zurück ziehen und neben den anderen stellen in Kiba Dachi mit links Heito Uchi,

Im Stand den linken Arm nach unten vor den Körper und den rechten nach oben (quasi überkreuz)

Beide Füße etwas zusammen ziehen, beide Arme nach oben, Handflächen offen und nach vorne
Zurück gleiten in Neko ashi dachi, rechter Fuß vorne, Arme dabei runterstoßen

Arme zur Seite wie doppel Gedan Barei mit offenen Händen

Hände vorstoßen und vorrutschen in Neko Ashi dachi (wie Ende Gojushiho Sho

Rakuyo

Rakuyo 

1.     Li vor Sochin Dachi, re Arm Mawashi Empi vor den Kopf, linker Arm holt mit geöffneter Hand vor der Stirn aus und zieht seitlich rechts an den Kopf (wie Tigerkralle oder als wenn man jemanden zieht)
2.     Linken / vorderen Fuß nach hinten führen (große Wendung), Arme wechseln
3.     Re Fuß nach re setzen, mit re Tate Shuto Uke, dann mit links gyaku mawashi empi
4.     Mawate, genauso
5.     Nach vorne, genauso (die drei Bewegungsrichtungen sind ähnlich wie in der Unsu)
6.     Wendung nach hinten, hinteren Fuß ranziehen, so dass man im Heiko Dachi steht, linken Arm gestreckt (Shuto Uchi)
7.     Drehung in dieselbe Richtung aber hinten rum, Landung mit rechts im zk mit age yoko empi (ähnlich wie in Nijushiho, aber schneller)
8.     Blickwendung 180 Grad (nach vorne), Knie hochziehen, rechten Arm mit geöffneter Hand (Ellenbogen zur Decke, Finger zeigen schräg nach unten), linker Arm schräg nach unten, eine Linie mit dem oberen Arm bildend
9.     Absetzen in ZK mit re Shuto Uchi (Handfläche nach oben zeigend), links Ellenbogen nach vorne, Oberarm nach oben geklappt, Faust zeigt zum Kopf 
10.  Links uraken
11.  Rückwärts um das vordere Bein drehen 45 Grad nach vorne mit Uraken absetzen mit rechts Uraken, Kizami tsuki mit demselben Arm, Hüfte weiter ausdrehen
12.  Hinten rum drehen, Richtung beibehalten, zk mit rechts Shuto Uchi
13.  Sprungwechsel, Landung mit li vor oi tsuki in zk
14.  Mae geri hinten absetzen mit gyaku tsuki
15.  Hinten rum drehen und in V Richtung zur anderen Seite dasselbe
16.  Hände öffnen, re seitlich vom Körper führen, rechte Hand nach vorne oben und um das vordere (linke) Bein herum drehen, in der Endposition ist der linke Arm gestreckt, Handfläche aufgestellt, der rechte Arm ist mit aufgestellter Handfläche neben der rechten Brust
17.  Gyaku tsuki mit offener Hand (rechts)
18.  Vorderes Bein versetzen und Wendung, Hände wechseln, nochmal gyaku tsuki im Stand
19.  Um das vordere Bein herum drehen, ZK mit Uraken, gyaku tsuki – Kiai
20.  Wendung um 180 Grad, Hände ähnlich Bassai Sho, Landung in Neko Ashi Dachi, re vor
21.  Re vor zk, gestreckter Arm mit Koko Uchi
22.  Hinten rum drehen 180 Grad, Landung mit Shuto Gedan Barei, dabei das linke Bein beugen, rechtes Knie am Boden
23.  Wendung hinten rum, 360 Grad, Landung in Zk Mit Age Empi
24.  Wendung 360 Grad, Landung in KB mit Empi, 180 Grad umsetzen in ZK Gyaku Tsuki
25.  Drehung (große Wendung) 180 Grad, KB Empi, 180 Grad umsetzen Gy Ts
26.  Wendung auf der Stelle mit re Arm Tate Shuto Uke (Haltung nah am Körper wie Uchi uke), li Faust vor dem Körper
27.  Linken Fuß versetzen und umdrehen in Heiko dachi, so dass der Blick wieder nach vorne geht, linken Arm nach oben nehmen in Jodan Uchi Uke mit geöffneter Hand (Hand oberhalb Kopf)
28.  Drehung Oberkörper weit nach rechts, mit Rechts einen von oben auf den Brustkorb des gedachten Gegners stoßenden Empi
29.  Drehung  zurück und einen Schritt mit re vor zur seite mit Empi, 
30.  Hinten rum drehen mit Heito Uchi, anderer Arm Hikite (ähnlich Nijushiho vor erstem Kiai, nur eben mit Hikite
31.  Dasselbe zur anderen Seite, bis li vor Heito
32.  Vorderen, linken Fuß, nach links umsetzen in KB mit Uraken (Ausrichtung nach vorne)
33.  Wendung 180 Grad, ZK Age Empi
34.  Wendung nach vorne, in Neko Ashi Dachi, li vor, linken Arm uraken 
35.  Vorderes Bein Mae Geri, vorne wieder absetzen (Stellung nicht verändern)

36.  Bein nach vorne stoßen mit Gyaku Tsuki – Kiai 

Freitag, 31. Januar 2020

Stärken Sie Ihre Abwehrkräfte!

Karate ist bekannt als eine asiatische Kampfkunst, als eine traditionelle Form der Selbstverteidigung. Unter Selbstverteidigung wird allgemein zunächst eine Abwehr gegen körperliche Angriffe verstanden. Zum Glück begegnen den meisten Menschen körperliche Angriffe eher selten. Dennoch besteht oftmals der Wunsch, vorbereitet zu sein, falls es mal zu einem Übergriff kommt. In erster Linie denkt man vielleicht an einen Raubüberfall, falls man einmal spätabends oder nachts in der Stadt unterwegs ist oder öffentliche Verkehrsmittel nutzt, an einsamen Haltestellen auf Bus oder Bahn warten muss. Speziell Frauen wünschen sich Techniken, um übergriffigen Männern zu begegnen oder sich vor einer Vergewaltigung zu schützen oder sich im Falle einer solchen effektiv wehren zu können.  

Als Karatelehrerin mit langjähriger Erfahrung als Trainierende und Trainerin bin ich davon überzeugt, dass unsere Kampfkunst viele gute Ansätze für effektiven Eigenschutz bietet. Hier ist zunächst das disziplinierte Training, die Körperschule, die verlangt, dass wir aus uns herausgehen, dass wir uns erlauben, eine gesunde Aggression auszustrahlen und kontrolliert im Training auszuagieren. Wir erarbeiten uns eine Körperlichkeit, die dafür sorgt, dass sich unsere Physis verbessert, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene muskulös und athletisch werden, Seniorinnen und Senioren es bleiben. Des weiteren wird im Umgang mit der ausagierten Kraft der TrainingspartnerInnen mentale Stärke verlangt und erarbeitet, die es ermöglicht, auch im Ernstfall „auf der Straße“ mit Überraschungen, Schmerz und Schock umgehen zu können, ohne zwangsläufig zu erstarren. 

Die traditionellen Trainingselemente unserer Kampfkunst erweitern in Verbindung mit unserem ganzheitlich-methodischen Trainingsansatz den Eigenschutzeffekt um wirkungsvolle Handlungsoptionen. 

Wir arbeiten nicht mit Angstszenarien. In unseren Kinderkursen werden keine Ängste vor dem „bösen, fremden Mann im weißen Kastenwagen“ geschürt, der die Kinder einfängt und mitnimmt. Wir vermitteln hier ein grundsätzliches Verständnis von Grenzen und Rechten, die auch schon kleine Kinder einfordern dürfen. Zudem verschweigen wir auch in den Kinderkursen nicht, dass die häufigsten Übergriffe innerhalb des Familienkreises, in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis, Sportverein etc. stattfinden und selbstverständlich ermutigen wir zur Abgrenzung und vermitteln, dass das Melden solcher Übergriffe gegenüber den Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen etc. kein „Petzen“ ist und absolut in Ordnung! 

Auch im Bereich der Jugendlichen und Erwachsenen räumen wir auf mit „Räuberpistolen“ und klären auf, welche Orte tatsächlich gefährlich sind, welche Personengruppen potenziell eher von Täterinnen und Tätern ausgewählt werden. Wir überlegen gemeinsam, ob und in welchen Situationen es sinnvoll (und erlaubt) sein kann, sich zum Eigenschutz zu bewaffnen (Messer, Pfefferspray, Elektroshocker). Welchen Sinn machen Schläge und Tritte im Eigenschutz und wie ist da überhaupt die Rechtslage, wenn ich den oder die AngreiferInnen verletze? Wann machen Gelenkhebel Sinn und ist es ratsam, in einem Angriffszenario zu Boden zu gehen? 

Sind Sie bereit, unter Anstrengungen zu trainieren, sich im Training an Ihre physischen und mentalen Grenzen führen zu lassen? Wollen Sie Ihre produktiven Aggressionen kennenlernen und spüren, welche Kraft in Ihnen steckt? Kurz gesagt: Wollen Sie Ihre Abwehrkräfte stärken (oder die Ihres Kindes?)? Dann vereinbaren Sie einen Termin für ein Probetraining unter andreahaeusler@t-online.de oder 0179 545 1228 (bitte ggf. auf die Mailbox sprechen, ich rufe zurück).
Für Fragen stehen mein Team und ich jederzeit zur Verfügung!

Andrea Haeusler

Inhaberin der Karateschule Fuji San Münster 
(anerkannter Schulbetrieb, Bezirksregierung Münster)
4. Dan Shotokan Karate
Geprüfte Trainerin für Selbstverteidigung (ILS Akademie Hamburg)
Fachpädagogin für Konfliktkommunikation (Via Nova Akademie Itzehoe)
Traumafachberaterin / Traumapädagogin 

Macht Karate aggressiv?

Gelegentlich werden wir vor allem von Eltern gefragt: „Macht Karate nicht aggressiv?“ 
Die Antwort lautet: nein. Und: ja. 

Ich habe mich grade im Rahmen einer Fortbildung mit dem Thema Aggressionen näher beschäftigt und mich auf die Spuren des wunderbaren Peter Levine begeben (amerikanischer Biophysiker, Psychologe und Trauma-Therapeut, hier speziell sein Buch „Sprache ohne Worte“). 

Aggressionen sind grundsätzlich nichts Schlechtes, sondern Ausdruck von Kraft und Lebensenergie. Der Begriff Aggression (lat. aggressiō / aggredī sich auf etwas oder jemanden zubewegen, heranschreiten, sich nähern, angreifen) bedeutet übertragen auch: etwas anzugehen, etwas erreichen zu wollen. Gesunde, zielgerichtete Aggressionen dienen dazu, zu bekommen, was man im Leben braucht (Nahrung, Kleidung, Unterkunft, LebenspartnerIn etc.) und zu schützen, was man hat.
Auf dem zielgerichteten Ausleben von Aggressionen beruhen letztlich auch unsere Leidenschaften und unsere Lebenslust. Aggressionen dienen dazu, Grenzen zu setzen. Ungehinderte, klar ausgerichtete Aggressionen verkörpern Selbstschutz. Wir empfinden dann keinen Ärger, sondern spüren, wie wir eine offensive Haltung von Selbstbehauptung, Selbstschutz und Kampfbereitschaft einnehmen. Aggressionen führen erst dann zu Ärger und Wut, wenn wir nicht in der Lage sind, Konflikte zu lösen. Aus diesem Grund haben wir Elemente des Konflikttrainings bereits in unsere Kindertrainings integriert. Zudem bieten wir spezielle Kurse für Konfliktkommunikation für Kinder im Grundschulalter an („Stärke statt Streit“). Wir sind der Meinung, dass wir so dazu beitragen, Gewaltpotenziale zu verringern. 

Zudem kann es passieren, dass gesunde Aggressionen in einen chaotischen, unproduktiven, reaktiven emotionalen Zustand führen, wenn die Aggression abrupt gestoppt wird, z. B. durch eine versperrte Flucht. Derselbe Zustand kann sich einstellen, wenn einem Menschen in einer als gefährlich empfundenen Situation schlichtweg keine Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Karate wird daher bei uns bereits in den Trainings für Vorschulkinder als Eigenschutztraining praktiziert. (Wir vermeiden den Begriff Selbstverteidigung, da hierunter meist allein die körperliche Reaktion auf Angriffe verstanden wird, also Abwehr im Sinne von Schlagen, Treten usw. Unser Eigenschutzkonzept ist jedoch ganzheitlich aufgestellt und bezieht insbesondere auch die Vermeidung, Kommunikationsmöglichkeiten und die Fähigkeit, zu deeskalieren mit ein.) Den Kindern werden möglichst viele Handlungsspielräume eröffnet, um in Konfliktsituationen je nach Ausprägung des Konflikts angemessen reagieren zu können. 

In unseren Karatestunden für Kinder und Jugendliche vermitteln wir in altersgerechten Abstufungen den Umgang mit unseren Aggressionen. Stillere Kinder werden gestärkt, Kinder, die aus Sicht ihrer Umwelt eher schnell überreagieren, lernen, ihre Aggressionen zu kontrollieren. Entscheidend ist hier vor allem, den Übergang von gesunder Aggression zu unkontrollierter Wut und Raserei zu erkennen und hier kurz innehalten zu können. Im Karate soll ganz im Sinne der asiatischen Philosophie „der Geist klar und leer sein wie ein Spiegel oder die Oberfläche eines stillen Sees“. Nur wenn wir ohne Groll, Ärger und Wut sind, können wir besonnen handeln und unser gesamtes Potenzial über Vermeidung / Flucht, Kommunikation, Deeskalation, Selbstbehauptung und technischem Eigenschutz nutzen. Hier sind die im Karate gelebten Werte sehr hilfreich: Bereits die Kleinsten lernen bei uns den respektvollen Umgang miteinander, Werte wie Höflichkeit, Bescheidenheit, Geduld und Selbstbeherrschung, Gerechtigkeit und Hilfsbereitschaft werden nicht nur in unserer Dojo Kun am Ende eines jeden Trainings zitiert, sondern auch während der Übungen regelmäßig erinnert und praktiziert. 

Zusammengefasst lässt sich daher sagen: Karate lehrt unter anderem zielgerichtetes und kontrolliertes Ausagieren von Aggressionen und bietet daher eine Option zur Steigerung der der Zufriedenheit und der Lebenslust. 

Und wir gehen auch weiter und bieten Eltern in persönlichen Beratungsterminen und Coachings Hilfe an. So können Eltern ihren Kindern helfen, mit Aggressionen umzugehen: 
Viele Eltern sind hilflos im Umgang mit Wut und Aggressionen ihrer Kinder. Zum Teil wird versucht, Wutausbrüche kategorisch zu unterbinden und Aggressionen zu unterdrücken. Häufig führt dies dazu, dass die Wut zu anderer Zeit oder an anderer Stelle dann unkontrolliert und verstärkt ausbricht (in der Schule, gegenüber anderen, schwächeren Kindern etc.). Andere Eltern lassen der Wut ihrer Kinder freien lauf, wollen oder können sie nicht stoppen. Beides ist wenig hilfreich. Wünschenswert wäre es, dem Kind einen Raum für die kindlichen Aggressionen schaffen, um sie so zu kanalisieren, dass sie dem Kind nützen. Die Eltern sollten dem Kind möglichst erlauben, seinen Ärger zu spüren und ihm dadurch helfen ihm, zu verstehen, warum es so wütend ist. 




Donnerstag, 28. November 2019

Aus fünf mach sechs: sechs Stufen für den Eigenschutz

Seit einigen Jahren bereits arbeite ich im Eigenschutzbereich mit einem Mehrstufenkonzept. Bisher waren es diese fünf Stufen:

1. Aufmerksamkeit
2. Kommunikation
3. Deeskalation
4. Abgrenzung / Selbstbehauptung
5. technischer Eigenschutz / "Selbstverteidigung"

Im Laufe der Zeit kam mir aber der Gedanke, dass die vier aktiven Stufen 2-5 alle von der tatsächlichen Entwicklung oder dem Vorhandensein eines Konflikts ausgehen.

Wäre es nicht viel einfacher, einen Konflikt gar nicht erst entstehen zu lassen, ihm von vornherein aus dem Weg zu gehen? Dieser Umstand liegt offenbar so sehr auf der Hand, dass er m. E. zu wenig thematisiert und trainiert wird!

Besonders im Zusammenhang mit meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wurde mir in der letzten Zeit deutlich, dass viele Konflikt-Trainings tatsächlich erst beim Konflikt beginnen. Wie wirkt es sich wohl aus, wenn wir auch in den Trainings einfach schon vorher anfangen?

"Weglaufen ist die beste Verteidigung" - so lernen es bei uns schon die Allerkleinsten. Und ich möchte jetzt noch aktiver daran arbeiten, Kinder, Jugendliche und Erwachsene dafür zu sensibilisieren, dass Konflikte, Streit, Gewalt in vielen Fällen bereits im Vorfeld vermieden werden können.

Der Begriff Vermeidung kann hier vielfältig ausgelegt werden, z. B. durch
- Weglaufen, Weggehen, Wegdrehen
- Weghören bei Beleidigungen
- das Vermeiden eines Aufenthalt an sozialen Brennpunkten
- Vermeidung selbstgefährdenden Verhaltens (hoher Alkoholkonsum, Drogenkonsum etc.)
Ich werde das in den nächsten Wochen und Monaten für mich noch weiter ausarbeiten. 

Mich hat hier vor allem meine Ausbildung zur geprüften Trainerin für Selbstverteidigung bei Armin Hutter dafür sensibilisiert, meinen Blick für den Aspekt der Vermeidung zu schärfen, denn auch in dem Studiengang wird ein großer Fokus auf diesen Bereich gelegt. Mir ist dieses Thema inzwischen so wichtig, dass es schon frühzeitig beachtet werden sollte.

Mein neues Konzept wird daher künftig so aussehen:

1. Aufmerksamkeit
2. Vermeidung
3. Kommunikation
4. Deeskalation
5. Abgrenzung - Selbstbehauptung
6. technischer Eigenschutz / "Selbstverteidigung"

Freitag, 8. November 2019

Der kleine Frühstückselefant

... inspiriert durch meine Tochter Johanna, die morgens im Schlafanzug und in eine grau-blaue Decke eingehüllt zu mir an den Frühstückstisch kam :-)

Mama und Papa Elefant wohnten seit einigen Jahren in einem kleinen Haus am Rande der Stadt. Sie hatten einen kleinen Sohn, den sie über alles liebten. Der Sohn hieß Ben - und war natürlich auch ein kleiner Elefant. So klein war Ben aber gar nicht mehr. Immerhin war er vor einigen Tagen in die Schule gekommen - in die Elefantenschule, versteht sich! Ben machte die Schule sehr viel Spaß. Er lernte dort das Elefanten-Einmaleins und lernte alle elefantastischen Buchstaben kennen. Seine Lehrerin, Frau Dickhaut, war sehr lieb und auch die anderen Elefantenkinder waren sehr nett, so dass Ben sich jeden Morgen mit der morgendlichen Elefantentoilette beeilte und auch ruckzuck mit dem Frühstück fertig war, damit er möglichst schnell in der Schule war.

Eines Morgens jedoch saßen Mama und Papa Elefant schon eine Weile am Frühstückstisch. Nur Ben fehlte. "Nanu, wo bleibt denn der Junge?", fragte Papa Elefant. "Ich wundere mich auch schon, dass er noch gar nicht da ist", antwortete Mama Elefant. "Ich werde ihn einmal rufen." Und sie holte tief Luft und trompetete dreimal kräftig, bevor sie laut den Namen ihres Sprösslings rief: "Ben, wo bleibst Du denn?"

Ui, das hörte der kleine Ben natürlich, der grade in seinem Zimmer seinen vierten Elefantensocken suchte. "Hm, gestern hatte ich noch vier gleiche Socken - und jetzt sind es nur noch eins, zwei, drei - es fehlt einer!" Ben stupste mit seinem kleinen Rüssel einige Spielsachen, die auf dem Boden herumlagen, herum, um nachzusehen, ob unter ihnen vielleicht der fehlende Socken lag. Aber Fehlanzeige!

Inzwischen wurde Papa Elefant langsam ungeduldig. Normalerweise nahm er den kleinen Ben morgens immer mit seinem Elefantenfahrrad ein Stück mit in Richtung Schule. Ben durfte dabei vorne auf der Elefantenfahrradstange sitzen. Bei Menschen ist so eine Transportmethode nicht erlaubt, aber in der Elefantenwelt war man schon so froh, wenn ein Elefant fahrradfahren konnte, da wurden solche Dinge hingenommen. Außerdem hatte Papa Elefant das Fahrradfahren mit mehreren Elefanten auf einem Fahrrad gelernt, als er noch während seines Studiums im Zirkus gejobbt hatte. "Hm, wenn der Junge heute so trödelt, kann ich ihn aber nicht mitnehmen. Ich muss jetzt los", sagte Papa Elefant, schob seinen Rüssel etwas zur Seite und gab Mama Elefant einen Schmatzer auf die Wange.

Mama Elefant begann schon einmal damit, das benutzte Elefantengeschirr vom Tisch in die Küche zu tragen. "Ben, wo bleibst Du denn?", rief Mama Elefant noch einmal. "Ich komme gleich!", trötete der Kleine. Er hatte inzwischen seinen vierten Socken gefunden und wollte ihn schnell überziehen, da verlor er das Gleichgewicht und stieß mit seinem kleinen dicken Elefantenpopo gegen einen Tisch - ausgerechnet gegen den Tisch, auf dem er gestern Abend das schwierige Puzzle mit Mama Elefant fertig gestellt hatte. Und Puzzlen ist für Elefanten gar nicht so einfach - es bedarf schon großer Übung, mit einem Elefantenrüssel die kleinen Puzzle-Teile zu fassen zu bekommen und exakt in die richtigen Lücken zu fügen! Aber mit Mama und ihrer großen Geduld hatte er es gestern Abend hinbekommen. Er war so stolz gewesen! Und nun stieß er gegen den Tisch - und der Tisch kippte um und das ganze Puzzle fiel herunter - und zerfiel dabei wieder in über hundert Einzelteile! Oh nein!

Erst stand Ben nur wie versteinert da. Das konnte doch nicht wahr sein! Aber das war es: wahr! Als ihm das klar wurde, wurden ihm die kleinen Elefantenbeinchen weich und er plumpste auf den Boden. Dicke Elefantentränen kullerten über seine Elefantenwangen und er versuchte gar nicht erst, sie mit dem Elefantenrüssel aufzufangen. Seine Elefantenohren klappten nach vorne und am liebsten hätte er sich in sie eingewickelt wie in eine dicke Decke und hätte die vielen Puzzleteile dann nicht mehr sehen müssen.

Unten im Esszimmer machte Mama Elefant sich allmählich Sorgen. So kannte sie ihren Sohn gar nicht! Sonst war er immer als erster wach, hopste fröhlich die Treppe herunter und konnte kaum das Frühstück abwarten, damit er möglichst schnell in die Elefantenschule gehen konnte! Wo blieb der nur?

Anstatt noch einmal zu trompeten und zu rufen beschloss Mama Elefant, die Treppe hinauf zu gehen und nachzusehen, was mit Ben los war. Oben angekommen stupste sie mit dem Rüssel die Tür auf - und sah Ben ganz elendig auf dem Boden und vor dem umgekippten Tisch und den vielen Puzzleteilen sitzen. "Oh nein, was ist denn hier passiert!", rief sie ganz betroffen. "Ich - wollte ..." Ben konnte kaum sprechen, weil er immer weinen musste - "ich - wollte mir den vierten Socken anziehen und bin gegen den Tisch gestoßen. Dann ist der umgekippt und alle Puzzleteile ....!" Die Tränen liefen ihm über das Gesicht! Mama Elefant setzte sich zu ihm und nahm ihn fest in die Elefantenarme! Jetzt kullerten ihr auch zwei Tränchen übers Gesicht, weil sie gut nachvollziehen konnte, dass ihr Sohn sehr traurig war!

"Weißt Du was?", fragte sie, "was hältst Du davon, wenn ich Dich jetzt verzaubere." "Verzaubern?" "Ja - in einen Frühstückselefanten!" ""Einen was?" "Einen Frühstückselefanten!", Mama lächelte Ben an. "Ein Frühstückselefant ist ein kleiner Elefant, der für einen ganz kurzen Moment allen Kummer vergisst und zuallererst sein Frühstück ist. Leckeres Obst und Gemüse, Elefanten-Müsli - alles, was auch Du gerne isst!" "Das mögen auch Frühstückselefanten?" "Na klar!" "Wollen wir es ausprobieren?" Der kleine Ben überlegte einen Moment und spürte dabei, wie sein Magen knurrte. "Ja, aber, was ist denn hiermit?", fragte er und zeigte auf das Durcheinander auf dem Fußboden. "Ach, das bringen wir einfach heute nach der Schule wieder in Ordnung - was meinst Du?" Ben nickte erleichtert!

Dann erhoben sich beide und Mama Elefant wollte schon die Treppe herabsteigen. "He! Warte! Du musst mich doch erst noch verzaubern!", empörte sich Ben. "Ach, natürlich!", antwortete Mama Elefant und sprach einen geheimen Zauberspruch, den ich hier nicht verraten darf. Als sie fertig war, meinte Ben, ein kleines Rucken in seinem Körper zu spüren - und fühlte sich wirklich von seiner Trauer befreit und auf einmal richtig hungrig! Voller Freude auf das Frühstück hopste er die Treppe herunter und begab sich an den Frühstückstisch.

Und als er aus der Schule kam, hatte er wie von Zauberhand zusammen mit Mama-Elefant das Puzzle wieder fertiggestellt.

Samstag, 2. November 2019

Kids als Katastrophen-Manager - Kindertraining Karate

Nach unserer Japan-Fortbildung unter den Eindrücken der japanischen Gesellschaft - dem Taifun und Erdbeben und aktuell dem Feuer auf Shori Jo

Kindern von Japan erzählen und von drei regelmäßigen Katastrophen: Tsunami, Feuersbrünste und Überschwemmungen

1. Tsunami: Man muss am besten so hoch wie möglich sein, einen Hügel, eine Anhöhe erklimmen! Die Kinder sollen "Hügel" im Dojo bauen durch die großen Pratzen, Teile des Plyo-Turms etc. Dann durch die Halle laufen und auf Kommando "Tsunami" auf eine der Anhöhen stellen - gerne auch im Team - unterstützend, zu mehreren auf einer Anhöhe. Dreimal durchgehen.

2. Feuer: Auf eine festgelegte (Matten)Fläche gehen lassen und einige Matten vor der Fläche bereit legen. Erklären, dass man eine Brandschutzmauer bauen kann durch Aufrechtstellen der Matten. Versuchen lassen. Dann durch die Halle laufen und auf Kommando Feuer in Sicherheit gegen (auf die Fläche) und die Brandschutzmauer errichten. Dreimal durchgehen.

3. Überschwemmung: Fragerunde - was macht man bei einer Überschwemmung - Wasser abschöpfen! Mit Seilen zwei parallele "Ufer" abstecken, etwa zwei Meter Platz dazwischen lassen. an eine Kante die kleinen Kissen legen lassen als "Eimer" - auf Kommando "Überschwemmung" die Kissen von einem Ufer zum anderen tragen und symbolisch Wasser schöpfen, zweimal wiederholen, dann durch die Halle laufen, auf Kommando Überschwemmung zum Ufer laufen und Wasser schöpfen, drei Durchgänge

Dann erklären, dass sich in Japan diese Katastrophen ja immer abwechseln und man weiß nie, was als nächstes kommt! Darum jetzt durch die Halle laufen und auf mein Kommando entweder Feuer löschen, vor dem Tsunami retten oder Wasser schöpfen