Heute hab ich Training gegeben. Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich gleich zwei Einheiten hintereinander im Dojo auf der Shomen-Seite stand....
Zuerst hab ich meine Anfänger unterrichtet. Das machte super viel Spaß, da diese Truppe von heute 13 Leuten ungemein motiviert ist, lustig und wissbegierig. So haben wir zunächst unter großem Jauchzen und wildem Gebrüll eine Viertelstunde Gürtelhockey gespielt. Anschließend ein wenig Grundschule (Prüfungsprogramm) mit einigen Korrekturen. Ich war voll des Lobes! Natürlich kann man hier keine Perfektion erwarten! Viele der Teilnehmer sind aber tatsächlich sportlich und haben schnell gelernt. Besonders freut mich aber, wenn grade diejenigen, die sich vielleicht etwas schwer tun, sich sehr bemühen und Fortschritte machen. Das ist, denke ich, die wahre Herausforderung für den Trainer. Vermutlich freuen sich Jörg und Risto deshalb immer so, wenn ich in ihr Training komme ;-)
Zum Abschluss gab es dann noch Partnertraining, welches wir erstmals auch so übten, wie in der Prüfung verlangt. Ganz ehrlich - es war noch ein heilloses Chaos! Aber egal, wir haben ja noch einen Monat, respektive 8 Trainingseinheiten Zeit.
Inzwischen kamen die Teilnehmer der Hobbygruppe in das Dojo. Nach dem Anfängertraining tummelten sich fünf Hobbylinge mit mir in der Halle. Es ist ja das zweite Mal, dass ich Matthes in diesem Jahr vertrete. Er hatte wohl niemand anderes gefunden. Petra, die kurz zuvor auch erschienen war, meldete sich krankheitsbedingt ab, für den Fall, dass ich das Training übernehmen könnte. Na gut, dann, was solls. Die Hobbygruppe ist jeweils ein recht überschaubarer "Haufen" netter Leute, die sich moderat quälen lassen möchten. Die Teilnehmer von heute kannte ich alle mehr oder weniger gut. Einer aus der Truppe hatte sich in meiner letzten Vertretungsstunde gegen Ende der Einheit mokiert "Diese Übung erschließt sich mir jetzt nicht". Er schien damals recht unzufrieden. Ich hatte aber mein Konzept und mir ja auch im Vorfeld Gedanken zum Aufbau der Stunde gemacht. So passte die Übung m. E. ganz gut. Auch die anderen Teilnehmer waren nicht irritiert oder verweigerten die Übung. Allen -bis auf jenem Menschen- war klar, worauf ich hinaus wollte.
Nun meine Hobbygruppe heute. Ich wollte mit Gürtelhockey anfangen. Zum einen, weil es eine schöne Aufwärmübung ist, weil es den Kampfgeist weckt und "Lust" darauf macht, seine Aggressionen heraus zu lassen. Zum anderen, weil ich es mir ehrlich gesagt auch etwas bequem machen wollte: die Gürtel und den Handschuh, den wir als Pukk benutzen, hatte ich eh noch in der Halle. Alle waren auch einverstanden. Nur der zuvor erwähnte Mann schüttelt den Kopf, bindet aber dennoch seinen Gürtel ab und faltet ihn vierfach. Als die anderen vier sich dann auf den Pukk stürzen (viele hatten noch nie Gürtelhockey gespielt, das muss man sich mal vorstellen....), steht der andere Mann teilnahmslos im Dojo. Nach ca. einer halben Minute dreht er sich um und verlässt die Halle. Ich war irritiert. Das war mir echt noch nie passiert! Ich meine, ich bin ja auch nicht aus Lust und Laune abends um halb 9 im Dojo, weil ich sonst nix besseres vorhabe oder weil ich dem Rest der Menschheit mein Karate aufzwingen möchte oder so. Ich hab mich bereit erklärt, diese Einheit zu leiten, bevor sie ausfällt. Und dann dreht der Kerl sich um und geht! Als ich ihn durch die halboffene Dojotür noch fragte, ob alles in Ordnung sei, raunte er mir nur zu: "Das ist nix für mich, auf sowas hab ich keinen Bock." Einen kurzen Moment war ich echt erschüttert! Dann dachte ich mir fast "ristolike": Leute kommen und Leute gehen. Man kann sie nicht halten. Und um meine Kinder zu zitieren schloss ich Frieden mit mir und dachte nur:"Dies ist ein freies Land!"
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