Montag, 21. April 2008

Prüfung zum Nidan am 19.04.2008

Am Freitag, 18.04., konnte ich schnell vor dem Lehrgang noch das Anfängertraining geben, da Heiko erkrankt war. Es war aber kein Problem - so war ich wenigstens abgelenkt. Die Nervosität war jetzt nämlich nicht mehr weg zu ignorieren und ich konnte gar nicht soviel essen, wie ich zur Toilette musste! Vereinskamerad Matthias Kopp wunderte sich augenzwinkernd:"Ich dachte eigentlich, dass Du als Karate-Meisterin ein paar Entspannungstechniken drauf hast und besser mit so aufregenden Situationen umgehen kannst!" Tja, so meisterlich bin ich dann wohl doch nicht! Zusammen mit Tias fuhr ich dann mit der Leeze quer durch die Stadt zur Lehrgangs-Turnhalle - so waren wir wenigstens schon mal gut vorgewärmt!

Das Training war gut besucht und trotz des recht späten Beginns (20 Uhr) tummelten sich bestimmt rund 180 Karateka vom Weiß- bis zum Schwarzgurt in der Halle. Nach dem Aufwärmtraining gabs dann Kihon bis zum Abwinken und auch etwas Kumite. Alles machbar.

Am nächsten Morgen fuhr ich kurz ins Dojo und trank mit den Karatefreunden aus Wesel, die dort übernachtet hatten, einen Frühstückskaffee. Dann ging es zur Halle. In der Umkleidekabine blickte ich kurz in den Spiegel und stellte mit Schrecken fest, dass ich es leider versäumt hatte, Brille gegen Kontaktlinsen zu tauschen. Das ist für mich eine absolute Katastrophe! Nicht nur, dass ich mir mit Nasenfahrrad immer etwas behindert vorkomme, die Brille ist auch super empfindlich und absolut kein Sportmodell! Würde sie eine Trainingseinheit überleben? Ich versuchte lieber, daheim jemanden zu erreichen, der mir in den verbleibenden 20 Minuten bis zum Trainingsbeginn noch schnell meine Linsen bringen könnte. Mit dem Fahrrad würde ich es jedenfalls nicht nach Hause und zurück schaffen. Da würde ich den Trainingsanfang verpassen und das wollte ich auf keinen Fall - bloß jetzt nix, was mich aus dem Konzept bringt! Aber daheim ging niemand ans Telefon. Kurz darauf ging ich nochmal vor die Tür, um es erneut zu versuchen. Beiläufig erzählte ich einer anderen Karate-Frau von meiner Schusseligkeit. Da spricht mich ein netter Karateka an: er wollte nicht gelauscht haben, aber er habe mitbekommen, dass ich Kontaktlinsen bräuchte. Er hätte zufällig welche dabei und die könnte ich haben. Moment - so einfach ist das mit Linsen ja nicht....die müssen ja auch von der Stärke her passen. Aber wie der Zufall es wollte, hatte er Linsen der Stärke Minus 6 und das passte so ungefähr mit meinen Augen! Unfassbar! Ich wusste gar nicht, wie ich ihm danken sollte! Auf jeden Fall merkte ich mir sein Gesicht und fragte ihn hinterher nochmal nach seinem Namen. Jürgen aus Leverkusen also.

Die erste Samstags-Einheit befasste sich fast mit dem kompletten Prüfungsprogramm zum ersten und zweiten Dan. Hinterher beim Jiyu-Ippon-Kumite hatte ich einen Trainingspartner, der mir trotz Ausweichens hinterhertrat. Das hasse ich ja wie die Pest und hoffte einmal mehr, dass Herr Ochi mich frei kämpfen ließ! In der Pause zwischen den Einheiten brauchte ich ja jetzt nicht nach Hause zu fahren, um meine Linsen zu holen. Also ging es traditionell in die Eisdiele am Inselbogen. Tja, diese Tradition hatte sich wohl herumgesprochen - leider waren drinnen alle Plätze besetzt. Aber draußen auf der Terasse war alles frei. Ich hatte leider keine Jacke dabei und ich glaube daher, dass es nicht nur an meiner Aufregung lag, dass mir nach dem Verzehr meiner Eisportion etwas fröstelig zumute war...

Wieder in die Halle, ein letztes Mal vor Aufregung zur Toilette und dann begann auch schon die letzte Einheit. Was fehlte noch? Natürlich Kata! Herr Ochi ließ uns abwechselnd Heian- und Senteikatas laufen. Dann fragte er in die Runde, wer zum 2. Dan welche Prüfungskata gewählt habe. Es waren außer mir doch noch zwei weitere Sochin-Kandidaten dabei - und ich hatte schon Bedenken, ob das eine gute Entscheidung war mit dieser Kata! Zufälliger Weise kannte ich sogar meine beiden Gleichgsinnten: Vereinskamerad Andy Noll und Christian aus Konstanz, den ich letztes Jahr bei Schlatts Kangeiko in Brinkum kennen gelernt hatte. Ansonsten wurde die Nijushiho gewählt und die Bassai Sho. Ein weiterer Nidan-Anwärter nannte zweimal je Sentei-Katas als Prüfungsbestandteil. Herr Ochi winkte ab und meinte, der Prüfling sollte beim nächsten Mal wiederkommen, heute keine Prüfung.

Wir liefen dann die Sochin. Natürlich war es kein Zufall, dass ich in der ersten Reihe stand. Einmal motiviert das, um immer schön Vollgas zu geben und andererseits steht man so vielleicht noch mehr im Focus des Trainers - auch wenn dieser selbst in Reihe sechs fast jeden Fehler sieht. So war ich dann auch fast dankbar, als Herr Ochi mich nach Ende der Kata darauf hinwies, dass ich den Uraken beim Kiai zu niedrig schlage. Er müsse dem Gegner auf die Nase geschlagen werden, nicht aufs Brustbein. War mir gar nicht so bewusst gewesen, aber mein Vereinskamerad und Trainer Seibel meinte hinterher nur, dass er mir dies auch schon mal gesagt habe. Nun denn, wie auch immer, DIESEN Fehler werde ich jedenfall NICHT nochmal machen, auch nicht in der Prüfung! Bei den darauffolgenden Katas Nijushiho und Bassai Sho vierlief ich mich prompt kurzfristig. Aber das machte mir nichts aus, denn diese gehörten ja nicht zu meinem Prüfungsprogramm. Erst bei der nächsten Dan-Prüfung...

Nach dem Training wurden die Trennwände der Dreifachturnhalle herunter gelassen. Im ganz rechten Teil begannen die Prüfungen der Farbgurte, hierunter auch Andreas Ranninger aus meinem Dojo, der sich zum ersten Kyu prüfen ließ. In dem mittleren Hallenteil durften sich die Nidan-Anwärter warm und beweglich halten und ganz links begannen die Shodan-Prüfungen. Wir hatten ca. eine Stunde zu warten. Ich hatte zuvor schon gehört, dass ich mit meinen zarten 39 Jahren die zweitjüngste Prüfungskandidatin war! Der Jüngste war mit 22 Jahren Peter Knobloch vom Bushido Münster. Dies bedeutete, dass ich mich gegen ihn im Freikampf zu behaupten hätte! Obgleich Peter durch einen Bänderriss gehandicapt war, wusste ich doch, dass mit ihm, dem Aushängeschild des Bushido Dojo und ehemaligen Kadermitglied, nicht zu scherzen war. Peter war aber offenbar genauso gespannt wie ich und forderte mich zum lockeren Randori auf. Da kamen schon im lockeren "Vorspiel" ganz schön präzise, schnelle und kraftvolle Geris und Tsukis auf mich zu! Aber ich beschloss, mich nicht kirre machen zu lassen. Wird schon werden. Recht überrascht war ich dann doch, als ich meinen Linsen-Retter Jürgen auch unter den Prüflingen sah! Man sieht sich eben immer zweimal im Leben und so quatschten wir noch nett und vertrieben uns die Zeit, bis wir dran waren.

Endlich kamen die Shodan-Prüflinge mit strahlenden Gesichtern aus der Prüfungszone und Klaus Maretzke verteilte die Urkunden. Jetzt waren wir dran. Um mich herum bange und nervöse Gesichter. Nur ich wurde - kurz bevor es losging- die Ruhe selbst! Wegen meines jugendlichen Alters ;-) war ich direkt in der ersten Kihon-Prüfungsgruppe. Kihon, hatte ich in meiner Vorbereitungsphase immer gedacht, Kihon schaffste doch mit links. Und auch nach dem Auseinandersetzen mit dem Prüfungsprogramm konnte ich hier keine echten "Knäcken" feststellen. Ok, immer schön auf Kamae achten und beim Sonoba-Geri nicht so rumwackeln - aber sonst dürfte dieser Prüfungsteil doch keine Probleme machen. Und wie so oft kam es dann anders als ich dachte: Hier schlummerten die "Prüfungsfallen". Die Kombination Yoko-Geri Kekomi und Keage lief ich einmal zuviel und Peter meinte hinterher, wir hätten wohl ein paar Kiais zuviel gemacht (geht das überhaupt??? ;-) Auch an der ein oder anderen Stelle der restlichen Kombinationen war ich nicht ganz sauber. Vielleicht wurde dies durch meine Nachbarn verdeckt. Jedenfalls musste ich nichts wiederholen und erhielt auch keine Kritik. Nur selbst wusste ich, dass es eben nich ganz optimal gelaufen war. Bei der zweiten Gruppe sah ich aber auch eigentlich keinen, der hier fehlerlos lief. Vielleicht ist dies auch einfach der Prüfungsteil, bei dem man noch am meisten aufgeregt und nervös ist.

Anschließend also Kata. Aufstellung mit Gesicht zum Prüfer. Ansagen: SOCHIN! Ich habe mal gelesen, dass die Sochin die "Kata des alten Mannes" sei. Was wir da jetzt aber hinlegten, war aber glaub ich noch recht dynamisch und kraftvoll und entsprach eher der offiziellen Übersetzung: "Stärke und Ruhe". Meine beiden Nachbarn hatten es offenbar recht eilig, denn sie legten ein flottes Tempo vor. Ich versuchte, mich davon nicht beeinflussen zu lassen und blieb in meinem Rhythmus. So kam es, dass ich noch den ersten Richtungswechsel nach links vollzog, während mein Nachbar Christian mir schon entgegen kam. Einen kurzen Moment lang standen wir fast Nase an Nase und blickten uns konzentriert in die Augen. Dann ging jeder wieder, ohne mit der Wimper zu zucken, seines Weges. Die Geris gelangen kraftvoll und ohne zu wackeln, die Drehungen "hintenrum" waren auch sauber und stark. Jetzt noch auf das erste Kiai hin steigern und....Uraken auf Nasenhöhe - alles fein! Wendung nach vorne und jetzt nicht nachlassen mit der Kraft, Uchi Uke und Oi Tsuki in beide Richtungen, dann noch die letzten vier Techniken vis-a-vis mit Shihan Ochi und ein Kiai, das die Trennwände wackeln ließ - fertig! Alles gut gelaufen. Kurze Pause. Nächste Kata nicht, wie vermutet Jion, sondern - auch geschenkt - Bassai Dai, der Sturm auf die Festung! Auch die gelang gut und sauber, obwohl es lange Zeit nicht meine "Lieblingskata" war. Die Bassai Dai hab ich eigentlich erst während der Prüfungsvorbereitung zum 2. Dan schätzen gelernt. Als letztes noch Heian Godan - naja, der Sprung war nicht schön, aber wohl "altersgerecht" und auch sonst gabs hier glaub ich nichts zu meckern. Für die anderen Prüflinge hatte ich jetzt irgendwie gar kein Auge mehr, war zu sehr damit beschäftigt, "erleichtert zu sein" ;-) So bekam ich gar nicht mit, dass der Prüfling, der schon im Training als mögliche Kür-Kata nur Sentei Katas genannt hatte, eine unzureichende Bassai Sho vorführte - und hinterher durchfiel.

Nun also Kumite, die Königsdisziplin, das, worauf es beim Karate ankommt. Randori mache ich ja immer gerne - aber mein letzter Turnierkampf ist schon etwas her und den durfte ich in der Vorrunde des JKA-Cups vernichtend schnell gegen Britt Weingand verlieren...wie würde ich mich jetzt schlagen? Vor allem: Wie hoch ist Peters Adrenalinspiegel? Es war dann ein faierer, recht kontrollierter Kampf, bei dem wir uns aber auch nichts geschenkt haben. Klar war Peter wesentlich besser als ich und hätte bei einer Turnierwertung gewonnen. Aber ich war auch nicht unzufrieden, konnte angreifen, ausweichen, blocken, kontern - eigentlich wie immer ;-)) Peter bewegte sich die ganze Zeit über risto-like, locker und dynamisch über die Kampffläche und auch ich erinnerte mich plötzlich an diese Bewegungsabläufe. "Nicht lauern, locker bewegen", hörte ich Risto im Geiste rufen. Und so gelang es wohl auch mir, einige Male überraschend aus der Bewegung heraus anzugreifen und nicht schlecht zu "punkten".

Dann war auch dieser Teil vorbei und wir sahen uns die anderen Kämpfe an. Zum Teil waren die anderen Prüflinge wesentlich angespannter als wir beide zuvor. Aber niemand wurde ausgeknockt und alle Kämpfe waren relativ sauber und regelgerecht.

Nun auf das Prüfungsergebnis warten. Zum "Zeitvertreib" sollten wir locker Randori machen. Puh, wenn ich ehrlich bin, war dies der anstrengendste Teil der "Prüfung"! Es dauerte ganz schön lange, bis (fast) alle Urkunden unterzeichnet und alle Pässe abgestempelt waren! Dann aber kam die Gewissheit - alle (bis auf den einen Prüfling) hatten bestanden!

Wir gingen dann rüber in die Mittelhalle, wo schon die Freunde auf uns warteten. Die liebe Ines hatte eine Flasche Sekt mitgebracht, die wir kreisen ließen - und mir zur "Entspannung" zwei Badezusätze, über die ich mich sehr freute (konnte ich gleich am Abend meine geschundenen Knochen drin aufweichen....). Spontan verabredeten wir Nidan-Prüflinge uns zur nächsten gemeinsamen Prüfung in fünf Jahren!

Dann gab es noch viele Fotos in unterschiedlichsten Formationen und freundlicher Weise nahm sich auch Shihan Ochi noch Zeit für ein paar Schnappschüsse mit uns.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Liebe Icky,



Herzlichen Glückwunsch zum neuen DAN, der wie ich meine hochverdient ist und eine weitere Krönung deines langen Weges im Do kennzeichnet.



Oss

Ulrich

Anonym hat gesagt…

hei icky,

da lacht aber das herz....herzlichen glückwunsch zur bestandenen prüfung.

risto

Anonym hat gesagt…

Glückwunsch auch von Michi und mir !!!!!