Freitag, 7. August 2009

Jitte statt Gelato

Die Hitze nahm den Tag über weiter zu. Ich hatte echte Kreislaufprobleme! Da hätte es keiner großen Ausreden bedurft, das Training im Budosportcenter sausen zu lassen. Aber nein - ich musste unbedingt mal wieder hin! Also um halb sechs den Rucksack gepackt und auf dem Rad schon wieder schweißnass geworden bis in die City. An der Passsage vor dem Dojo standen dann Tim, Nobby, Mona und Sensei Jörg. Es stellte sich heraus, dass sich schon einige Karateka im Vorfeld abgemeldet hatten und dass Jörg nicht damit gerechnet hatte, dass überhaupt jemand zum Trainieren käme. Beinahe wollte er daher schon den Abend in der nahegelegenen Eisdiele ausklingen lassen. Aber als er unsere Trainingslust aus den Augen blitzen sah, gab es natürlich für ihn auch nur noch den Weg die Treppe rauf zu den Tatamis!

Ein großartiges Aufwämrtraining war bei gut 30 Grad nun wirklich nicht erforderlich und so starteten wir mit einer detailreichen Kihon-Übung, bestehend aus verschiedenen Tsuki-, Uraken- und Geri-Kombinationen. Da war schon einiges an Koordination gefordert. Später liefen wir dieselbe Übung mit Partner als Kihon-Kumite. Oha!

Als nächstes wurde auf meinen Wunsch hin Kata geübt. Ich bin da immer etwas unsicher, wenn ich mir was wünschen darf....Kata hab ich dringend nötig. Und wenn ich mir eine wünsche, dann ist der Lerneffekt natürlich am größten, wenn ich eine wähle, die ich noch nicht richtig kann. Irgendwie schäme ich mich dann aber immer, weil der Sensei ja wohl (vielleicht) erwartet, dass sie zumindest vom Ablauf schon sitzt und es mir nur noch auf Details ankommt?!? Naja, inzwischen ists mir (fast) egal.

Wir starteten mit Kanku-Sho und ich kam fast auswändig mit. Hier übten wir den Sprung mit Tritt in die geöffnete Hand und den nachfolgenden Sprungwechsel im Kokotsu-Dachi. Interessant: Sensei Jörg wies uns nach dem schwierigen Dreh-Sprung mit Tritt(en) darauf hin, dass erst ANSCHLIESSEND der einzige Sprung folgte, bei dem beide Füße gleichzeitig vom Boden gelöst sind (der Sprungwechsel im Kokotsu-Dachi). Das nahm dem Drehsprung bei mir dann irgendwie die Schärfe und er funktionierte danach viel besser ;-)

Dann kam die Jiin. Oha, die bin ich glaub ich überhaupt erst einmal bei Jürgen Vahle in der Kata-Oberstufeneinheit gelaufen. Sie ist eigentlich ganz schön aber die Gefahr, sich zu verlaufen, ist schon recht hoch! Zur vollständigen Verwirrung ließ und Jörg dann zwischendrin zur Jitte wechseln, die wir dann auch ein paarmal liefen. Schließlich vervollständigten wir das Trio und liefen die Jion, die mir sehr gut von der Hand ging.

Zwischendurch führten wir dann zur Erläuterung der Jitte Übungen mit dem Han-Bo aus. Hier war wieder recht viel Koordinationsgeschick gefragt. Schließlich standen Tim und ich uns je mit einem Bo bewaffnet gegenüber und griffen uns gegenseitig immer schneller werdend an und blockten. Hierbei kann man schon schnell mal einen Bo-Hieb auf die Finger bekommen!

All das war schon Karate auf sehr hohem Niveau. Aber für mich ganz neu war das Bruchtest-Training. Ich dachte immer, sowas hab ich nicht nötig, nur Angeberei und so. Jetzt wurde ich eines Besseren belehrt und lernte die Übungsbretter von Kaiten kennen. Es gibt sie in unterschiedlichen Farben, die je unterschiedlich schwer zu "knacken" sind. Gelb für die Anfänger, Grün für die Fortgeschrittenen, dann Braun und schließlich Schwarz. Ich hab nur das gelbe Brett geschafft. Mit der bloßen Faust ist es schon recht schmerzhaft und verletzungsgefährtend. Schließlich legte ich einen Faustschützer an und bekam das Brett durch. Das grüne hab ich dann heute nicht mehr geschafft. Naja, man muss ja auch Ziele für das nächste Training haben.

Auf jeden Fall bin ich sehr froh, dass wir nicht in der Eisdiele waren...

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