Vom 11. bis 13.05.2012 war Sensei Risto Kiiskilä zu Gast in Münster. Es war bereits sein zehnter Lehrgang in der Westfalenmetropole aber der erste, den das Shotokan-Karate-Dojo Münster ausgerichtet hat. Risto gehört bereits seit rund zehn Jahren zu meinen persönlichen Trainer-Favoriten. Viele meiner Vereinskameraden kannten ihn selbstverständlich auch bereits von Lehrgängen und vom Gasshuku. Und neben der Freude, einen so hochkarätigen Instructor daheim zu Besuch zu bekommen, war bei dem ein- oder anderen doch wohl auch ein leicht mulmiges Gefühl vorhanden. Ist Risto nicht der, der die Leute immer nach vorne holt und offen ihre Fehler präsentiert? Hatte er bei einem großen Lehrgang nicht gar Kritik an der Trainingsgruppe ab 2. Dan erklingen lassen? Ja, das stimmt. Und genau dafür schätze ich "meinen" Risto so: Er sieht genau, wo es "hakt" und wie die Fehler abzustellen sind. Mit Kritik ist er nicht sparsam und tatsächlich bedient er sich gerne an Trainierenden, bei denen ein häufig gemachter Fehler besonders gut zu erkennen ist - damit dieser von allen anderen schnell erkannt und gebannt werden kann.
"Fehler machen ist nicht schlimm. Fehler nicht zu erkennen, das ist schlimm." Dieser Satz gehört zu seinem reichen Repertoire an einprägsamen und meist äußerst bildhaften Mottos, Regeln und Fragen. Wer wie ich schon den ein- oder anderen Lehrgang bei dem forschen Finnen besucht hat, bei dem kommen die Antworten auf Fragen wie "Warum bleibt nach dem Mae-Geri (und übrigens allen anderen Geris) das Knie oben?"1 oder "Wann trifft ein Oi-Tsuki?"2 wie aus der Pistole geschossen. Risto-Fans wissen auch über die Evolution Bescheid: "Am Anfang war die Keule. Dann kam Karate." (Erklärungshilfe zur Ausholbewegung des Soto-Uke)
Eins steht wohl fest: Training bei Risto ist nichts für Karatesportler, die in aller Ruhe ihre Kihon-Bahnen ziehen und sich beim Partnertraining möglichst nicht berühren wollen. Seine Einheiten fordern von den Trainierenden stets Selbstreflexion und den Willen, sich für ein Karatesystem der Dynamik und optimalen Kraftübertragung zu öffnen sowie die Bereitschaft, Trainingseinheiten nicht einfach über sich ergehen zu lassen mit Bewegungsabläufen, die man "schon immer so gemacht" hat.
Am Freitagabend läutete ein Trainertraining ausschließlich und exklusiv für alle Trainer des SKDM das Lehrgangswochenende ein. Im Prinzip deckte Risto in diesen zwei Stunden "Karatetheorie" sein komplettes System ab: "Beim Nasebohren darf das Knie nicht nach oben gehen," hörten wir unter anderem - also: Nicht Fuß und Hand gleichzeitig bewegen, sondern Hüfte und Ellenbogen. Risto vermittelte uns viele seiner Basics zu Ausholbewegungen, Geris, Kihon-Ippon-Kumite und anderen Themen. Eine "Trainingsstunde in Sachen finnischer Saunaaufguss" bekamen wir dann anschließend und waren froh, dass beim den Abend abschließenden Essen in einem chinesischen Restaurant ausreichend Getränke zum Ausgleichen unseres Flüssigkeitsverlusts serviert wurden.
Am nächsten Morgen fanden sich zum ersten Unterstufentraining um 10.00 Uhr sensationelle 40 Trainingswillige ein. Es waren überwiegend Karatekas des SKDM, die durch meine permanente Berichterstattung über Risto-Lehrgänge in ganz Deutschland oder Finnland sehr neugierig waren, was sie erwartete. Und sie wurden nicht enttäuscht. Ich bekam anschließend ausschließlich positive Rückmeldungen. Besonders stolz bin ich auf unsere teilnehmenden Karatekinder, die sehr konzentriert bei der Sache waren!
Die Oberstufeneinheiten waren dann sogar noch besser besucht und zusammen mit Karategästen aus Gladbeck, Frankfurt und sogar Berlin übten wir schwerpunktmäßig das Jiyu-Ippon-Kumite, bekamen aber auch immer wieder viele schöne "Risto-Rismen" um die Ohren gehauen, wie: "Ein Meter vor beim Kizami-Tsuki ist Standard. Alles was darunter liegt, ist was ganz Besonderes." Oder: "Am Standbein zu stoppen, ist eine Sünde." Alle Wendungen (z. B. in Katas) und Drehungen (z. B. beim Ushiro-Geri) brachte uns Risto über den Neko-Ashi-Dachi näher. Zwischen den ersten Unter- und Oberstufeneinheiten hatten wir ein paar Minuten damit verschwendet, einige Gruppenfotos zu machen und ich hatte Risto gebeten, diese Zeit einfach an unsere Einheit dranzuhängen. Hier erwies er sich als äußerst großzügig und trainierte mit uns auf Kosten seiner Mittagspause bald zwei Stunden lang!
Kein Wunder, dass sich bei so viel Training die Karatekas zwischendurch stärken mussten. Hier war die Lage der Trainingshalle optimal, denn sie befindet sich unmittelbar neben unserem Dojo, in dem neben einer Kinderbetreuung auch die Versorgung mit Brötchen, Kuchen und Getränken stattfand.
Für den Abend hatten wir in unserem Dojo eine tolle Lehrgangsparty organisiert mit DJ, Buffet und Getränken. Wir tanzten - nicht nur finnischen Tango - zum Teil bis in die frühen Morgenstunden und es war bemerkenswert, dass sich trotzdem am nächsten Morgen wieder knapp 50 Trainingsfleißige in der Halle einfanden.
Ich hatte das Gefühl, dass nicht nur unseren Vereinsmitgliedern der Lehrgang sehr gut gefallen hat. Auch die Gäste und Sensei Risto schienen zufrieden zu sein. Viele kündigten bereits an, uns gerne wieder zu besuchen, wenn wir wieder einen Lehrgang ausrichten.
Ich sage an dieser Stelle vielen Dank an alle Helfer des Vereins, an meine Vorstandskollegen, an all die lieben Gäste, die keine Kosten und Mühen gescheut haben, uns zu besuchen, und last but not least an Sensei Risto Kiiskilä für einen weiteren inspirierenden Lehrgang. Bis bald! :-)
1 weil wir Shotokan-Karate machen
2 bei "zwei"
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