Sonntag, 22. Juli 2012

Kizami-Tsuki / Gyaku-Tsuki - Katalehrgang mit Andreas Klein bei uns im Dojo

Am 21.07.2012 war erstmals Landesstützpunkttrainer Andreas Klein zu Gast bei uns im Dojo. Man mag darüber streiten, ob es sinnvoll ist, einen Lehrgang mitten in den Ferien abzuhalten, aber dieser Termin war der nächst mögliche, an dem Andreas Zeit für uns hatte. Andreas zieht seit 1986 regelmäßig den Gi an - mit dem Katatetraining begonnen hat er, wie er selber sagt, aber erst im Jahr 1989. Bis dahin war Karate für ihn ein Gelegenheitssport neben anderen Aktivitäten - ganz interessant, aber nach Verlassen des Dojos auch wieder aus dem Kopf. Ab 1989 veränderte sich seine Einstellung zur Kampfkunst - sie begann, ein wesentlicher Lebensinhalt zu werden. Und so verbringt er seitdem einen Großteil seiner Freizeit im Gi, im Dojo, in Gedanken beim Karate. Während seiner aktiven Zeit hat er die halbe Welt bereist und zahlreiche Kontakte geknüpft - unter anderem auch mit weltweit angesehenen Senseis aus dem Honbu-Dojo wie Naka Sensei und auch den Senseis Nakayama und Heselton, die ich kürzlich in Stuttgart auf einem Lehrgang erleben durfte.

Durch seine permanente Auseinandersetzung mit Karate und dem Austausch mit seinen hochgraduierten Trainerkollegen sowie seine wohl beispiellose Förderung durch unseren Chief-Instructor Shihan Ochi, gepaart mit seiner höchst präzisen Art, sich zu bewegen, ist Andreas für mich eine der höchsten Instanzen wenn es etwa um Detailarbeit in Sachen Kata geht. Viele von Andreas' Ansichten decken sich zudem mit denen von Sensei Risto - die Bedeutung der Beinarbeit, die Art der Wendungen oder auch die Idee, dass die Grundlage der Karatetechniken "immer dieselbe" ist, egal, ob im Kihon, Kata oder Kumite. Andreas brachte diese These prägnant so auf den Punkt in dem er an fast allen Stellen einer Kata behaupten konnte, dass wir immer an "Kizami-Tsuki / Gyaku-Tsuki" denken sollten - so würden wir immer den korrekten Hüfteinsatz hinbekommen. Ganz nebenbei gab uns Andreas auch wertvolle Hinweise zum generellen Aufbau einer Karate-Stunde: Inzwischen geht man ganz weg von ausgiebigen Dehn- und Kräftigungsübungen zu Beginn einer Einheit - fünf bis zehn Minuten Aktivierung des Kreislaufs und Erwärmung der Muskulatur mit karatespezifischen Bewegungen sind sinnvoller als ein den Körper ermüdendes, fünfzehn- bis zwanzigminütiges Aufwärmtraining. Dehn- und Strechübungen sollten besser im Anschluss an das Training abgehalten werden.

In die Details zu den gestern vertieften Katas zu gehen, macht an dieser Stelle keinen Sinn. Mir fiel eigentlich auch nur an einer Stelle eine Abweichung von dem auf, was ich bei Risto bisher gelernt hatte - und selbst diese Abweichung konnten wir beim den Abend abschließenden Mondo in Verbindung mit einem leckeren Essen beim Chinesen erklären und "ausbügeln". Andreas wies uns an zahlreichen Stellen der verschiedenen Katas zudem auf wesentliche Unterschiede zwischen der "richtigen", also SV-geeigneten Ausführung der Kata und der Wettkampfausführung hin. Zudem konnte er sowohl über die bandaktuellen Änderungen im Honbu-Dojo berichten (dort werden aktuell in den Katas keine Blickwendungen mehr vor einem Richtungswechsel vorgenommen, da der Kopf zum Rumpf zählt und zeitgleich mit diesem bewegt werden soll; eine Ausnahme gibt es merkwürdiger Weise nur bei den Tekkis), als auch über die im DJKB gültige Version.

Ich hoffe sehr, dass wir Andreas schon bald wieder bei uns im Dojo begrüßen können.

Keine Kommentare: