Auf dem Karate-Do soll es keinen Stillstand geben. Jede Übungsstunde kann uns auf unserem Do weiterbringen. Gelegentlich freuen wir uns über unsere spontanen und augenscheinlichen Verbesserungen, die wir an uns im Dojo wahrnehmen. Allerdings geht es letztlich im Endeffekt gar nicht um rein technische Perfektion - sondern um unsere Persönlichkeitsentwicklung, unsere Entwicklung zu Menschen, die zufrieden sind und sich gleichzeitig verantwortungsvoll in Bezug auf ihre Mitmenschen und die Umwelt verhalten. Aus uns und unseren Schülerinnen und Schülern sollen Menschen werden, die gelernt haben, das "kleine Ich", wie es Werner Lind beschreibt (Lind 2004), zu zähmen, um ein höheres Selbst zu erreichen. Unser körperliches Karatetraining ist lediglich der Weg dorthin. Und unsere Gürtelprüfungen sind nicht mehr als kleine Orientierungshilfen auf diesem Weg.
Gelegentlich werden wir Karatelehrer*innen gefragt, wie lange es dauert, bis "man den schwarzen Gürtel hat". Der "schwarze Gürtel" - also die Prüfung zum 1. Dan - ist das ferne Ziel vieler Karateka. Die meisten ahnen anfangs noch nicht, dass der (in unserem Verband) letzte offizielle Farbwechsel kein finales Ziel ist, sondern lediglich der Schritt auf eine neue Lern- und Studienebene. Gleichwohl ist es verständlich und motivierend, sich Ziele zu setzen und diese können in unserer Kampfkunst auch in dem Absolvieren von (Gürtel)Prüfungen bestehen.
Für die Vorbereitung auf die DJKB-Prüfungen sind für uns zunächst einmal die Vorgaben des Dachverbandes die Mindestvoraussetzungen: Der DJKB schreibt zeitliche Wartezeiten zwischen den einzelnen Stufen vor. Uns ist sehr daran gelegen, den Begriff Wartezeit nicht wörtlich zu nehmen - es gilt nicht "abzuwarten, bis die Zeit herum ist", sondern sich intensiv übend weiterzuentwickeln. Anfangs sind hier zwischen dem Weiß- und Gelbgurt mindestens zwei Übungseinheiten pro Woche zu absolvieren. Diese Übungsfrequenz sollte konstant gehalten und spätestens auf dem Weg zum 3. Kyu erhöht werden. Zur Vorbereitung auf eine Dan-Prüfung sollte generell die Freizeit auf das Karate-Training fokussiert sein. Die Warte- bzw. Vorbereitungszeiten sehen wir zudem als absolute MINDEST-Zeiten an. Im Regelfall sollte die Zeit zwischen zwei Prüfungen nach unserer Vorstellung etwa ein Jahr betragen. Für Karateka, die besonders fleißig oder sportlich talentiert sind und denen die technische Weiterentwicklung leicht fällt, mag diese Frist lang und ungerecht erscheinen. Hierbei ist allerdings u.a. zu beachten, dass es beim Wechsel auf verschiedene Graduierungsstufen unterschiedliche Reifeprozesse gibt. Beim Wechsel in die Mittel- und Oberstufe muss vor allem bei Kindern auch die körperliche Konstitution und auch die Körpergröße berücksichtigt werden. Aber auch zunehmende Anforderungen an körperliche Übungselemente dürfen hier nicht außer Acht gelassen werden. Und es darf schließlich nicht vergessen werden, dass es zur Erlangung des ersten Meistergrades auch einer mentalen/geistigen Reife im Sinne des Karate-Do bedarf. Hierzu gehört auch das Warten-Können und die Ausbildung von Geduld, die Reduzierung des eigenen Ego und der eigenen Befindlichkeiten. Auch wenn es verständlich ist, dass gelegentlich private Umstände eine vorgezogene Kyu- oder Dan-Prüfung wünschenswert erscheinen lassen, so ist gelegentlich genau dies der richtige Zeitpunkt dafür, inne zu halten, sich Zeit zu nehmen und sich im Dojo auf einen inneren Fortschritt zu konzentrieren, indem jede Übung bewusst und ohne Ausrichtung auf eine mögliche Prüfung ausgeführt wird. Die hier erreichten Fortschritte gehen weit über die vermeintlich durch eine Gürtelprüfung erlangten hinaus.
In der Karateschule Fuji San Münster können DJKB-Prüfungen abgelegt werden. Über den Zeitpunkt der nächsten Kyu- oder Dan-Prüfung entscheidet unser lizensierter Prüfer bzw. unsere lizensierte Prüferin. Grundsätzlich legen wir auch Wert darauf, dass externe Prüfer*innen Prüfungen abnehmen. Darin sehen wir in den meisten Fällen eine Qualitätssicherung unserer Arbeit. Im Regelfall haben wir gut im Blick, wer für eine anstehende Gürtelprüfung in Frage kommt. Wir möchten jedem Prüfling in Aussicht stellen, möglichst gut vorbereitet in eine Prüfungssituation zu gehen und anschließend das Gefühl zu haben, diesen neuen Schritt gut und verdient gemeistert zu haben. Sobald wir angesprochen werden, wann eine neue Prüfung ansteht, werden wir mit unseren Prüflingen die Prüfungsvorbereitung individuell planen und durchführen. Die Anfrage sollte daher nicht unmittelbar vor einem angekündigten Prüfungstermin gestellt werden, sondern bereits einige Wochen/Monate zuvor. Bei allem Trainingseifer darf nicht vergessen werden, dass Karate-Do kein Wettrennen ist und der Do keine Abkürzung kennt, siehe auch hier: Der Do kennt keine Abkürzung
Literatur: Werner Lind, Der geistige Weg des Budo, Barth Verlag, 2004

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