Als ich Mitte der 1980er Jahre mit Karate begonnen hatte, war es üblich, bei einer Gürtelprüfung unter Karatefreunden den eigenen Obi an einen Karate-Freund oder eine Freundin weiter zu geben. Mit ein bisschen Glück hatte auch jemand, der eine höhere Prüfung abgelegt hatte, einen Gürtel zu verschenken und so konnte es passieren, dass man bis zum Braungurt keinen einzigen Obi kaufen musste.
Ganz unabhängig vom ersparten Geld fand ich diese Idee immer sehr schön: Durch den "Farbwechsel" an der Hüfte gelangt man in einen neuen Trainings- und Entwicklungsabschnitt. Es mach wenig Sinn, die alten Gürtel zu archivieren, da die aktuelle Farbe den aktuellen Stand anzeigt. Man ist dann ja irgendwann nicht mehr "ehemaliger Gelbgurt", sondern Orangegurt bzw. Träger des 7. Kyu. Und zudem ist es eine schöne Geste, durch das Weiterreichen des eigenen Obi dem Nachrückenden Wertschätzung zu erweisen.
In der Karateschule Fuji San Münster gab es anfangs keine oder nur sehr wenige Karateka, die bereits einen farbigen Gürtel tragen durften. Es war uns daher eine Ehre und Freude, jedem Prüfling den neuen Obi zu schenken. Das möchten wir grundsätzlich auch so beibehalten. Gleichwohl würde ich gerne auch die Tradition des Weiterreichens weiterführen. Es ist nachvollziehbar, dass besonders Kindern diese Tradition erst erklärt werden muss. Dem ein oder anderen Kind fällt es dann vielleicht schwer, wenn der Obi mit der Widmung eines großen Karatemeisters versehen ist. Ein kleiner Tipp von mir: Lasst Euch die Widmung doch in Euren Karatepass oder ein für Euch wichtiges Karatebuch hineinschreiben - dann bleibt Euch die Erinnerung, auch wenn Ihr die Gürtelfarbe gewechselt habt.
Ich habe eine kleine Geschichte zu meinem braunen Gürtel: Ich bekam ihn von meinem damaligen Trainer Christian Dorn geschenkt, der
inzwischen den schwarzen Gürtel trug und mir seinen Braungurt überließ.
Das war für mich eine ganz besondere Ehre! Ich trug den Gürtel stets
mit dem Bewusstsein, quasi ganz besonders in der Pflicht zu stehen und
immer mein Allerbestes im Training zu geben! Viele Jahre hatte ich
diesen Obi um die Hüften, da ja vom 3. bis zum 1. Kyu die Farbe gleich
bleibt. Der Obi war schließlich schon so "abtrainiert", dass er fast
schon von selbst schwarz geworden war, kurz bevor ich meine Prüfung zum
1. Dan ablegte. Ich bewahrte den Obi auf, bis ich ihn eines Tages einem
finnischen Freund von mir auslieh, weil er in Deutschland war und seinen
Obi in Finnland vergessen hatte. Auch er trug diesen Gürtel dann eine
ganze Weile lang, bis er ihn mir eines Tages zurück schickte. Der Obi
liegt jetzt im Schrank - ich denke, er hat seine "Pflicht" mehr als
erfüllt und so abgenutzt, wie er ist, mag ihn sicher niemand mehr tragen
:-) Sollte jemand aber in Not geraten oder den Gürtel haben wollen, würde ich nicht zögern, ihn auszuhändigen.
Es wäre schön, wenn auch unsere Mitglieder die Obis weitergeben könnten. Falls niemand da ist, von dem Ihr einen Gürtel übernehmen könnt, gibt es nach wie vor das gute Stück von uns geschenkt. Habt Ihr einen Gürtel abgelegt und es ist niemand da, dem ihr ihn überlassen könnt, dann nehmen wir den Obi gerne wieder in unser Archiv - bis er dann bei der nächsten Prüfung einen neuen Besitzer findet.
Montag, 6. März 2017
Samstag, 18. Februar 2017
Ippon is it! - Lehrgang mit viel Power im Fuji San
Bereits zum zweiten Mal hatten wir in diesem Jahr Giovanni Macchitella und Emanuele Bisceglie eingeladen - zwei Schüler Risto Kiiskiläs und inzwischen selbst mehrfache deutsche und Europa-Meister. Die beiden überzeugten uns bereits im vergangenen Jahr mit ihrem Trainingskonzept, das genau in unsere Linie passt, da es sich an den aktuellen Lehr-Inhalten der JKA anlehnt und natürlich auch vieles enthält, was "unser" Risto uns stets vermittelt.
Trotz der in diesem Jahr intensiven Grippewelle strömten bereits am ersten Trainingstag des Lehrgangs über 50 kleine und große Karateka vom Anfänger bis zum Danträger in das Dojo und ließen sich je eine Stunde lang von den beiden Karate-Meistern inspirieren, instruieren und auspowern! Besonders erfreulich war in dieser Einheit die große Disziplin unserer kleineren Karate-Kinder, die zum großen Teil zum ersten mal an einem Lehrgang teilnahmen. Da in dieser Einheit alle Graduierungen gemeinsam trainierten, waren die Inhalte und Bewegungsmuster für die Kinder schon eine echte Herausforderung, die sie aber tapfer angenommen und umgesetzt haben.
Giovanni startete mit Basistraining und achtete auf die optimale Körperhaltung und den korrekten Hüfteinsatz. Er legte auch Wert auf den Gegensatz zwischen lockeren, geschmeidigen Bewegungen und Kime am Ende der Technik. Viele von uns waren ihm noch zu angespannt in der Ausführung, was dann zu etwas uneleganten Techniken führte. Nach einer kurzen Pause ging es bei Emanuele weiter mit dem Grundlagentraining, jetzt allerdings schon auf einem etwas höherem Niveau, da wir uns ein wenig vom klassischen Kihon-Training verabschiedeten und uns einwenig in Richtung Jiyu-Ippon bzw. Jiyu-Kumite bewegten: Aus dem klassischen Zenkutsu Dachi sollten wir den hinteren Fuß "eine Zehenlänge" weit an den vorderen heran ziehen. Es war wichtig, den Fuß nicht bis an den Standfuß heran zu setzen, da sonst die Gefahr besteht, dass man gefegt wird. Die Hüfte sollte unbedingt Hanmi bleiben, damit der Gegner die Bewegungsabsicht nicht sofort erkennen kann. Dann gingen wir weiter vor mit dem vorderen Bein und führten Gyaku Tsuki aus.
Dieses Bewegungsmuster entwickelten wir unter der Anleitung Emanueles wie folgt weiter:
- erst (wie oben beschrieben) in der Vorwärtsbewegung
- dann zwei Steps vor (wie oben) und nach dem GyTs wieder zurück auf die Ausgangsposition - je zehnmal und dann Seitenwechsel
- dann zwei Steps vor, zurück auf Ausgang und Sprungwechsel, andere Seite genauso - viele Wiederholungen
- dann auf der Stelle zweimal mit beiden Beinen gleichzeitig vor uns wieder zurück und dann die Kombination dranhängen, Wechselsprung und andere Seite
Wir waren alle rechtschaffen erschöpft nach den knapp zwei Stunden Training und freuten uns auf asiatisches Buffet im Asia City, wo wir bis kurz vor Mitternacht verweilten.
Am nächsten Tag ging es los mit einer proppevollen Unterstufe: Erneut knapp 50 Karateka tummelten sich in einer gemeinsamen Einheit mit Giovanni und Emanuele! Die zwei Trainer teilten die Gruppe zunächst einmal in Alters- und Leistungsgruppen auf und so gab es zielgerichtetes Training für alle Beteiligten. Auch hier waren unsere Kinder wieder einmal sehr artig! Aber das reibungslose und effektive Training war zum größten Teil dem großartigen Einsatz der beiden Trainer zu verdanken, die geduldig und gleichwohl konsequent die Gruppe zum schwitzen brachten.
Die Oberstufe war leider nicht so gut besucht, hatte dafür aber ein paar externe Karate-Gäste zu verzeichnen. Einige Karateka hatten sich leider kurzfristig krankheitsbedingt abgemeldet und zudem fanden parallel zum Lehrgang der Gichin Cup in Prag sowie unser Landeskadertraining statt - sonst hätten wir sicherlich wieder auf ein so hochkarätiges Teilnehmerfeld blicken können wie im vergangenen Jahr. Aber in einer kleinen Gruppe lässt es sich ja auch viel intensiver trainieren und so kamen wir alle mehr als auf unsere Kosten!
Emanuele legte mit anspruchsvollen Kihon-Kombinationen los, bei denen mir bald schon der "Verdacht" aufkam, dass es die Vorbereitung auf die Kata Gankaku sein könnten - und so war es dann auch! Wir trainierten Gankaku mit dem Fokus auf viele Besonderheiten der aktuellen JKA-Ausrichtung. Diese spannende Einheit garnierte Emanuele dann mit dem für ihn schon traditionellen Ende: je 50 Wiederholungen Kizami-/Gyakutsuki pro Seite bis zur totalen Erschöpfung der Gruppe.
Nach der nächsten Unterstufeneinheit legten wir dann mit Giovanni los - wir ahnten schon, dass jetzt Kumite auf dem Programm stand! Wir übten verschiedene Kombinationen, die zu einem sehr geilen Gesamtkonzept fusionierten: vor mit Kizami-Tsuki li, nach li ausweichen und gleichzeitig Sprungwechwel und von da in die offene Körperseite des Opponenten vor mit Kizami Tsuki (leichter fiel mir: Gyaku Tsuki, möglich wäre aber auch jede beliebige andere Technik - Mae Geri o. ä.). Das übten wir mit vielen Partnerwechseln. Zum Abschluss ergänzten wir die Kombination noch um die Variante mit dem überlaufenen Gyaku Tsuki.
Jetzt mussten wir die Einheit aber abschließen, denn vor der Tür warteten schon ungeduldig unsere 14 Prüflinge zum 9. bis zum 6. Kyu! Nach knapp eineinhalb Stunden waren dann auch diese endlich erlöst und wir konnten uns mit Giovanni und Emanuele zum Abschlussessen ins Lido begeben, wo wir bis Mitternacht verweilten.
Fazit: Ein Lehrgang der Spitzenklasse, der sich vom Niveau her hinter keinem Angebot anderer Instructoren verstecken muss! Wir haben beim Abschied beschlossen, uns weiterhin von Giovanni und Emanuele inspirieren zu lassen und werden im kommenden Jahr unseren Jubiläumslehrgang mit den beiden und möglichst auch ihrem Freund und Team-Kollegen Davor Vranjes ausrichten!
Trotz der in diesem Jahr intensiven Grippewelle strömten bereits am ersten Trainingstag des Lehrgangs über 50 kleine und große Karateka vom Anfänger bis zum Danträger in das Dojo und ließen sich je eine Stunde lang von den beiden Karate-Meistern inspirieren, instruieren und auspowern! Besonders erfreulich war in dieser Einheit die große Disziplin unserer kleineren Karate-Kinder, die zum großen Teil zum ersten mal an einem Lehrgang teilnahmen. Da in dieser Einheit alle Graduierungen gemeinsam trainierten, waren die Inhalte und Bewegungsmuster für die Kinder schon eine echte Herausforderung, die sie aber tapfer angenommen und umgesetzt haben.
Giovanni startete mit Basistraining und achtete auf die optimale Körperhaltung und den korrekten Hüfteinsatz. Er legte auch Wert auf den Gegensatz zwischen lockeren, geschmeidigen Bewegungen und Kime am Ende der Technik. Viele von uns waren ihm noch zu angespannt in der Ausführung, was dann zu etwas uneleganten Techniken führte. Nach einer kurzen Pause ging es bei Emanuele weiter mit dem Grundlagentraining, jetzt allerdings schon auf einem etwas höherem Niveau, da wir uns ein wenig vom klassischen Kihon-Training verabschiedeten und uns einwenig in Richtung Jiyu-Ippon bzw. Jiyu-Kumite bewegten: Aus dem klassischen Zenkutsu Dachi sollten wir den hinteren Fuß "eine Zehenlänge" weit an den vorderen heran ziehen. Es war wichtig, den Fuß nicht bis an den Standfuß heran zu setzen, da sonst die Gefahr besteht, dass man gefegt wird. Die Hüfte sollte unbedingt Hanmi bleiben, damit der Gegner die Bewegungsabsicht nicht sofort erkennen kann. Dann gingen wir weiter vor mit dem vorderen Bein und führten Gyaku Tsuki aus.
Dieses Bewegungsmuster entwickelten wir unter der Anleitung Emanueles wie folgt weiter:
- erst (wie oben beschrieben) in der Vorwärtsbewegung
- dann zwei Steps vor (wie oben) und nach dem GyTs wieder zurück auf die Ausgangsposition - je zehnmal und dann Seitenwechsel
- dann zwei Steps vor, zurück auf Ausgang und Sprungwechsel, andere Seite genauso - viele Wiederholungen
- dann auf der Stelle zweimal mit beiden Beinen gleichzeitig vor uns wieder zurück und dann die Kombination dranhängen, Wechselsprung und andere Seite
Wir waren alle rechtschaffen erschöpft nach den knapp zwei Stunden Training und freuten uns auf asiatisches Buffet im Asia City, wo wir bis kurz vor Mitternacht verweilten.
Am nächsten Tag ging es los mit einer proppevollen Unterstufe: Erneut knapp 50 Karateka tummelten sich in einer gemeinsamen Einheit mit Giovanni und Emanuele! Die zwei Trainer teilten die Gruppe zunächst einmal in Alters- und Leistungsgruppen auf und so gab es zielgerichtetes Training für alle Beteiligten. Auch hier waren unsere Kinder wieder einmal sehr artig! Aber das reibungslose und effektive Training war zum größten Teil dem großartigen Einsatz der beiden Trainer zu verdanken, die geduldig und gleichwohl konsequent die Gruppe zum schwitzen brachten.
Die Oberstufe war leider nicht so gut besucht, hatte dafür aber ein paar externe Karate-Gäste zu verzeichnen. Einige Karateka hatten sich leider kurzfristig krankheitsbedingt abgemeldet und zudem fanden parallel zum Lehrgang der Gichin Cup in Prag sowie unser Landeskadertraining statt - sonst hätten wir sicherlich wieder auf ein so hochkarätiges Teilnehmerfeld blicken können wie im vergangenen Jahr. Aber in einer kleinen Gruppe lässt es sich ja auch viel intensiver trainieren und so kamen wir alle mehr als auf unsere Kosten!
Emanuele legte mit anspruchsvollen Kihon-Kombinationen los, bei denen mir bald schon der "Verdacht" aufkam, dass es die Vorbereitung auf die Kata Gankaku sein könnten - und so war es dann auch! Wir trainierten Gankaku mit dem Fokus auf viele Besonderheiten der aktuellen JKA-Ausrichtung. Diese spannende Einheit garnierte Emanuele dann mit dem für ihn schon traditionellen Ende: je 50 Wiederholungen Kizami-/Gyakutsuki pro Seite bis zur totalen Erschöpfung der Gruppe.
Nach der nächsten Unterstufeneinheit legten wir dann mit Giovanni los - wir ahnten schon, dass jetzt Kumite auf dem Programm stand! Wir übten verschiedene Kombinationen, die zu einem sehr geilen Gesamtkonzept fusionierten: vor mit Kizami-Tsuki li, nach li ausweichen und gleichzeitig Sprungwechwel und von da in die offene Körperseite des Opponenten vor mit Kizami Tsuki (leichter fiel mir: Gyaku Tsuki, möglich wäre aber auch jede beliebige andere Technik - Mae Geri o. ä.). Das übten wir mit vielen Partnerwechseln. Zum Abschluss ergänzten wir die Kombination noch um die Variante mit dem überlaufenen Gyaku Tsuki.
Jetzt mussten wir die Einheit aber abschließen, denn vor der Tür warteten schon ungeduldig unsere 14 Prüflinge zum 9. bis zum 6. Kyu! Nach knapp eineinhalb Stunden waren dann auch diese endlich erlöst und wir konnten uns mit Giovanni und Emanuele zum Abschlussessen ins Lido begeben, wo wir bis Mitternacht verweilten.
Fazit: Ein Lehrgang der Spitzenklasse, der sich vom Niveau her hinter keinem Angebot anderer Instructoren verstecken muss! Wir haben beim Abschied beschlossen, uns weiterhin von Giovanni und Emanuele inspirieren zu lassen und werden im kommenden Jahr unseren Jubiläumslehrgang mit den beiden und möglichst auch ihrem Freund und Team-Kollegen Davor Vranjes ausrichten!
Sonntag, 15. Januar 2017
Selbstverteidigung mit BKA Ausbilder Detlef Kröschel 14.01.2017
Technik-Protokoll
I. Notwehrrecht: Verhältnismäßigkeit, angemessen und unmittelbar, Kampfsportler müssen nachweisen, dass sie das Maß der körperlichen Gewalt nicht überschritten haben
II. Befreiungstechniken
1. Befreiung aus der Handgelenksumklammerung (HUK):
- Der Angreifer steht seitlich und fasst seitlich ans Handgelenk: mit der anderen Hand die umfasste Hand greifen und an der offenen/schwachen Stelle (Berührungspunkt Daumen/Zeigefinger) rausziehen - die Hand dabei mehr zum eigenen Körper ziehen
- Der Angreifer fasst die Hand von hinten: grade hinten raus ziehen und hinter dem Rücken zum Nacken hin
- Griff überkreuz oder spiegelverkehrt: Handgelenk über den Daumen drehen oder nach außen über den kleinen Finger - die eigene Hand beim Lösen des Griffs an sich heran ziehen
- Griff durch den Gegner mit beiden Händen an einen Arm: Der Gegner hat einen "geschlossenen Kreis", dadurch, dass beide Hände am Opfer dran sind. Der Abwehrende muss auch den Kreis schließen, indem die Hände gefaltet werden. Jetzt kann man in einer Vorwärtsbewegung die Hände dem Angreifer kreisförmig entgegen schleudern (Anfangsszene Bassai Dai!)
- Wenn der Arm so stark ist, dass der Angreifer nicht los lässt, anschließend mit dem Ellenbogen vor den Kopf des Gegners schlagen
- HUK beidhändig an beide Gelenke des Opfers: wie immer mit Drehung und Schritt zurück, oder: eigene Hände zusammenklatschen, aber nicht richtig, sondern dabei mit der rechten Hand gegen das rechte Handgelenk des Gegners schlagen. Der lässt intuitiv los, mit dem freien Arm dann Uraken
Anschließend: locker durch die Halle laufen und jeder kann jeden angreifen, intuitives Befreien üben
2. Griff ans Revers:
- Griff mit rechts: mit dem rechten Daumen den Daumennagel des Angreifers fest drücken und das Daumengelenk blockieren - Schmerz und Blockade / alternativ auch mit dem Handballen möglich
- Griff an den Kragen mit beiden Händen: Nervenpunkte an den Ellenbeugen drücken (von der Kuhle in den Ellenbeugen leicht nach außen gehen - wäre mir persönlich etwas zu kompliziert für den Ernstfall....)
- mit dem rechten Arm den rechten Arm des Gegners greifen (also einmal überkreuz greifen) und nach rechts umwerfen
- groß mit dem rechten Ellenbogen ausholen und von oben auf den rechten Arm des Angreifers schlagen, danach mit demselben Ellenbogen sofort Empi in das Gesicht des Angreifers, dann Griff an den Rechten Ellenbogen greifen und nach rechts umwerfen
3. Umklammerung von hinten
a) einschließlich Umklammerung der Arme: Schritt tief und zur Seite (in Kiba Dachi....) und mit Handkante in die Genitalien schlagen oder in die Innenseite der Oberschenkel kneifen. Mit derselben Hand (vermutlich rechts) einen großen Bogen machen zum anderen Ohr, um den anderen abzuschütteln.
b) ohne Umklammerung der Arme, Arme des Opfers sind frei: eine Hand zur "Kralle" formen und seitlich an die Hand des Gegners gehen, den kleinen Finger zur Seite biegen. Mit der Hand dranbleiben und kontrollieren und das Gelenk blockieren.
4. Umklammerung von vorne:
a) einschließlich der Arme: mit beiden Händen je links und rechts den Angreifer an der Hüfte greifen und mit den Daumen in die Leiste bohren und wegschieben, dann in die Genitalien schlagen.
b) ohne Arme: Kopf von hinten stabilisieren und mit der anderen Hand ein V formen, das V unter die Nase drücken. Den Kopf drehen und nach hinten, den anderen fallen lassen, dabei den Arm gestreckt lassen, so dass das Ellenbogengelenk blockiert ist, dann noch auf die Rippen knien und den anderen fixieren.
alternativ: an den Ohren reißen, unter den Kiefer in die Zahnnerven greifen und nach vorne ziehen etc. pp - alles, was weh tut und gemein ist ;-)
5. Würgen
a) mit beiden Händen von vorne: Nukite vor den Kehlkopf
b) mit der linken Hand die rechte Hand des Angreifers fixieren und mit dem rechten gestreckten Arm einen großen Bogen nach links auf den Arm des Gegners schlagen. Die Arme des Gegners sind durch die Fixierung eingeklemmt. Dann zurück, Konter Empi gegen den Kopf des Gegners.
c) Würgen mit dem Ellenbogen: Mit beiden Händen den Ellenbogen packen und und zur Seite schieben, so dass der Kehlkopf wieder frei wird. Jetzt weiterdrehen und mit der Schulter unter dem Arm des Angreifers durch, den Kopf greifen - oder den Arm blocken
d) Schwitzkasten: dem anderen auf beide Knie fassen und einfach "hinsetzen": Der Angreifer fällt auf den Hinterkopf, man selber fällt auf den Arm des Angreifers
6. Bodenlage - der Angreifer sitzt auf dem Opfer und umfasst die nach hinten gedrückten Arme am Handgelenk
Opfer schiebt Arme mit Ruck nach hinten (strecken) und winkelt die Knie noch weiter an, Füße so nah wie möglich an das Gesäß setzen. Dann ein Knie senken und den Angreifer zur Seite werfen.
III. Vom Sinn und Unsinn erlaubter Hilfsmittel
1. Tränengas: synthetisch, kleine Behälter sind schnell aufgebraucht, man muss voll draufhalten und sollte die komplett Flasche in einem Rutsch entleeren. Wie eine Wolke. Wirkt auf die Atmung, Augen, Schleimhäute, nimmt die Sicht, wirkt nicht oder stark eingeschränkt bei Alkoholeinfluss, Drogen etc. Wirkt nicht mehr, wenn das Ablaufdatum überschritten ist.
2. Pfefferspray: nicht synthetisch (tatsächlich aus Pfeffer), nur im Einsatz gegen Hunde erlaubt, wenn es gegen Hunde mitgeführt wird und gegen Menschen im Notfall eingesetzt wird, ist das ok (putativer Notwehrexzess), wirkt auf Haut (Kontakt), brennt wie Feuer und wenn man reflexartig auf die brennenden Stellen fasst, brennen anschließend auch die Hände. Dünner Strahl, keine Wolke.
3. Abwehrspray mit Färbung: Nimmt dem Angreifer vielleicht nicht so effektiv die Sinne wie 1. und 2., aber färbt ihn intensiv und lang anhaltend ein (auffällige Farbe). Ist ein bisschen wie Bauschaum.
4. Schrillalarm: lauter Piepton, soll Angreifer abschrecken und andere Leute aufmerksam machen. Klingt wie Auto-Sirene. Hört darauf jemand? Wenn es unglücklich runterfällt und auf dem Lautsprecher landet, hört man den Ton nicht mehr!
5. Elektroschocker: Ziemlich witzlos! Eine hohe Voltzahl bringt nichts, da die frei verkäuflichen Geräte nur 0,002 Amper haben - mehr ist hier nicht erlaubt. Polizei hat 0,2 Amper. Man muss schon die Halssschlagader treffen, um den anderen auszuschalten.
6. Kobutan: kleiner, ca. 25 cm langer Stift/Stab, ca. 0,5 cm Durchmesser, als Schlüsselanhänger bei amazon erhältlich, im Baumarkt kann man sich Rundholz zurecht schneiden lassen.
IV. Übungen mit Kobutan (Vertiefung beim nächsten Mal)
V. Drill zur Abwehr eines Schlages von vorne (Vertiefung beim nächsten Mal)
I. Notwehrrecht: Verhältnismäßigkeit, angemessen und unmittelbar, Kampfsportler müssen nachweisen, dass sie das Maß der körperlichen Gewalt nicht überschritten haben
II. Befreiungstechniken
1. Befreiung aus der Handgelenksumklammerung (HUK):
- Der Angreifer steht seitlich und fasst seitlich ans Handgelenk: mit der anderen Hand die umfasste Hand greifen und an der offenen/schwachen Stelle (Berührungspunkt Daumen/Zeigefinger) rausziehen - die Hand dabei mehr zum eigenen Körper ziehen
- Der Angreifer fasst die Hand von hinten: grade hinten raus ziehen und hinter dem Rücken zum Nacken hin
- Griff überkreuz oder spiegelverkehrt: Handgelenk über den Daumen drehen oder nach außen über den kleinen Finger - die eigene Hand beim Lösen des Griffs an sich heran ziehen
- Griff durch den Gegner mit beiden Händen an einen Arm: Der Gegner hat einen "geschlossenen Kreis", dadurch, dass beide Hände am Opfer dran sind. Der Abwehrende muss auch den Kreis schließen, indem die Hände gefaltet werden. Jetzt kann man in einer Vorwärtsbewegung die Hände dem Angreifer kreisförmig entgegen schleudern (Anfangsszene Bassai Dai!)
- Wenn der Arm so stark ist, dass der Angreifer nicht los lässt, anschließend mit dem Ellenbogen vor den Kopf des Gegners schlagen
- HUK beidhändig an beide Gelenke des Opfers: wie immer mit Drehung und Schritt zurück, oder: eigene Hände zusammenklatschen, aber nicht richtig, sondern dabei mit der rechten Hand gegen das rechte Handgelenk des Gegners schlagen. Der lässt intuitiv los, mit dem freien Arm dann Uraken
Anschließend: locker durch die Halle laufen und jeder kann jeden angreifen, intuitives Befreien üben
2. Griff ans Revers:
- Griff mit rechts: mit dem rechten Daumen den Daumennagel des Angreifers fest drücken und das Daumengelenk blockieren - Schmerz und Blockade / alternativ auch mit dem Handballen möglich
- Griff an den Kragen mit beiden Händen: Nervenpunkte an den Ellenbeugen drücken (von der Kuhle in den Ellenbeugen leicht nach außen gehen - wäre mir persönlich etwas zu kompliziert für den Ernstfall....)
- mit dem rechten Arm den rechten Arm des Gegners greifen (also einmal überkreuz greifen) und nach rechts umwerfen
- groß mit dem rechten Ellenbogen ausholen und von oben auf den rechten Arm des Angreifers schlagen, danach mit demselben Ellenbogen sofort Empi in das Gesicht des Angreifers, dann Griff an den Rechten Ellenbogen greifen und nach rechts umwerfen
3. Umklammerung von hinten
a) einschließlich Umklammerung der Arme: Schritt tief und zur Seite (in Kiba Dachi....) und mit Handkante in die Genitalien schlagen oder in die Innenseite der Oberschenkel kneifen. Mit derselben Hand (vermutlich rechts) einen großen Bogen machen zum anderen Ohr, um den anderen abzuschütteln.
b) ohne Umklammerung der Arme, Arme des Opfers sind frei: eine Hand zur "Kralle" formen und seitlich an die Hand des Gegners gehen, den kleinen Finger zur Seite biegen. Mit der Hand dranbleiben und kontrollieren und das Gelenk blockieren.
4. Umklammerung von vorne:
a) einschließlich der Arme: mit beiden Händen je links und rechts den Angreifer an der Hüfte greifen und mit den Daumen in die Leiste bohren und wegschieben, dann in die Genitalien schlagen.
b) ohne Arme: Kopf von hinten stabilisieren und mit der anderen Hand ein V formen, das V unter die Nase drücken. Den Kopf drehen und nach hinten, den anderen fallen lassen, dabei den Arm gestreckt lassen, so dass das Ellenbogengelenk blockiert ist, dann noch auf die Rippen knien und den anderen fixieren.
alternativ: an den Ohren reißen, unter den Kiefer in die Zahnnerven greifen und nach vorne ziehen etc. pp - alles, was weh tut und gemein ist ;-)
5. Würgen
a) mit beiden Händen von vorne: Nukite vor den Kehlkopf
b) mit der linken Hand die rechte Hand des Angreifers fixieren und mit dem rechten gestreckten Arm einen großen Bogen nach links auf den Arm des Gegners schlagen. Die Arme des Gegners sind durch die Fixierung eingeklemmt. Dann zurück, Konter Empi gegen den Kopf des Gegners.
c) Würgen mit dem Ellenbogen: Mit beiden Händen den Ellenbogen packen und und zur Seite schieben, so dass der Kehlkopf wieder frei wird. Jetzt weiterdrehen und mit der Schulter unter dem Arm des Angreifers durch, den Kopf greifen - oder den Arm blocken
d) Schwitzkasten: dem anderen auf beide Knie fassen und einfach "hinsetzen": Der Angreifer fällt auf den Hinterkopf, man selber fällt auf den Arm des Angreifers
6. Bodenlage - der Angreifer sitzt auf dem Opfer und umfasst die nach hinten gedrückten Arme am Handgelenk
Opfer schiebt Arme mit Ruck nach hinten (strecken) und winkelt die Knie noch weiter an, Füße so nah wie möglich an das Gesäß setzen. Dann ein Knie senken und den Angreifer zur Seite werfen.
III. Vom Sinn und Unsinn erlaubter Hilfsmittel
1. Tränengas: synthetisch, kleine Behälter sind schnell aufgebraucht, man muss voll draufhalten und sollte die komplett Flasche in einem Rutsch entleeren. Wie eine Wolke. Wirkt auf die Atmung, Augen, Schleimhäute, nimmt die Sicht, wirkt nicht oder stark eingeschränkt bei Alkoholeinfluss, Drogen etc. Wirkt nicht mehr, wenn das Ablaufdatum überschritten ist.
2. Pfefferspray: nicht synthetisch (tatsächlich aus Pfeffer), nur im Einsatz gegen Hunde erlaubt, wenn es gegen Hunde mitgeführt wird und gegen Menschen im Notfall eingesetzt wird, ist das ok (putativer Notwehrexzess), wirkt auf Haut (Kontakt), brennt wie Feuer und wenn man reflexartig auf die brennenden Stellen fasst, brennen anschließend auch die Hände. Dünner Strahl, keine Wolke.
3. Abwehrspray mit Färbung: Nimmt dem Angreifer vielleicht nicht so effektiv die Sinne wie 1. und 2., aber färbt ihn intensiv und lang anhaltend ein (auffällige Farbe). Ist ein bisschen wie Bauschaum.
4. Schrillalarm: lauter Piepton, soll Angreifer abschrecken und andere Leute aufmerksam machen. Klingt wie Auto-Sirene. Hört darauf jemand? Wenn es unglücklich runterfällt und auf dem Lautsprecher landet, hört man den Ton nicht mehr!
5. Elektroschocker: Ziemlich witzlos! Eine hohe Voltzahl bringt nichts, da die frei verkäuflichen Geräte nur 0,002 Amper haben - mehr ist hier nicht erlaubt. Polizei hat 0,2 Amper. Man muss schon die Halssschlagader treffen, um den anderen auszuschalten.
6. Kobutan: kleiner, ca. 25 cm langer Stift/Stab, ca. 0,5 cm Durchmesser, als Schlüsselanhänger bei amazon erhältlich, im Baumarkt kann man sich Rundholz zurecht schneiden lassen.
IV. Übungen mit Kobutan (Vertiefung beim nächsten Mal)
V. Drill zur Abwehr eines Schlages von vorne (Vertiefung beim nächsten Mal)
Sonntag, 13. November 2016
Kein Erfolg ohne Verzicht!
Die Karateschule Fuji San Münster besteht nun seit gut drei Jahren. Der Fokus liegt auf Karatetraining zur Selbstverteidigung sowie Förderung der eigenen Persönlichkeit, zur Kräftigung des Körpers und zum Erlangen mentaler Stärke. Das sich daraus ergebene sichere Auftreten soll unsere Mitglieder stark machen im Umgang mit anderen Menschen und mit Konfliktsituationen.
Erfreulicher Weise haben wir auch eine inzwischen auf knapp 20 Kinder und Jugendliche angewachsene Gruppe von Karateka, die auch durch Leistungssport wachsen wollen. Um diese Gruppe, in die die Kinder nur auf persönliche Einladung gelangen, von den anderen Trainingseinheiten abzugrenzen, hat sie einen speziellen Namen: Königstiger. Die Zugehörigkeit zu den Königstigern haben sich die Kinder und Jugendlichen daher bereits im Vorfeld durch besonderen Trainingsfließ erarbeitet. Talent allein reicht nicht aus.
Kinder, die ihr Karate weiter entwickeln möchten, sollten nach meiner Einschätzung ohnehin mindestens zweimal die Woche trainieren (das gilt übrigens für Erwachsene ebenso). Das Training in unserer Königstigergruppe soll zusätzlich zu den übrigen Trainings unter der Woche erfolgen. Einmal im Monat kommt zusätzlich Landeskadertrainer Andreas Klein zu uns ins Dojo - ein Luxus, über den wohl nur wenige Dojos verfügen. An dieser Einheit teilzunehmen sollte für jeden unserer Karateka selbstverständlich sein, der sich ernsthaft für unsere Kampfkunst interessiert (Kinder, Jugendliche und Erwachsene).
Unsere Trainingseinheiten für Kinder dauern (abgesehen von den Trainings für die Kleinsten, die 45 Minuten umfassen) 60 Minuten. Das Training von Andreas ist so aufgebaut, dass auch dort die Kinder nach 60 Minuten das Training verlassen und abgeholt werden können. Eine durchschnittliche Trainingswoche bedeutet nach den Vorstellungen der Trainer unserer Karateschule Fuji San Münster somit 120 Minuten Karatetraining für alle Kinder und 180 Minuten für die Kinder der Königstigergruppe. In den Wochen, in denen Andreas zu uns kommt, sind es ausnahmsweise einmal 240 Minuten. Unsere Trainingszeiten liegen so, dass sie nicht mit dem Schulunterricht kollidieren: nicht vor 18 Uhr unter der Woche, freitags 17 Uhr und samstags 13 Uhr, zusätzliche Möglichkeit, z. B. falls es unter der Woche nicht zweimal geklappt hat: Sonntag Nachmittag um 16 Uhr - hier kann auch mit den Eltern gemeinsam trainiert werden.
Als zusätzliche Termine haben wir im Schnitt alle vier Monate einen interessanten Lehrgang, den wir den Kindern empfehlen (fast alle in Münster oder sogar in unserem Dojo selbst). Zwei- oder dreimal im Jahr besteht die Möglichkeit, an einem Wettkampf teilzunehmen. Weite Wege werden uns dabei (abgesehen von der NDM in Hannover) meist erspart.
Ich finde, dies ist ein sehr überschaubarer Rahmen für Leistungssportler. Wie gesagt - das beschriebene Pensum gilt nur für Kinder und Jugendliche, die Karate als Leistungssport ausüben möchten. Wem Karate dazu dient, Freunde zu treffen, Spaß an der Bewegung und an der Begegnung mit anderen Kindern (Erwachsenen) zu haben, keine Prüfung in absehbarer Zeit absolvieren möchte, dem können ein bis zweimal Training in der Woche gerne reichen.
Mein Trainingspartner Torsten und ich wissen, dass die Schule die Kinder stark belastet. Ganz unbestritten hat Schule, hat das Lernen und haben die Hausaufgaben Vorrang vor allem anderen! Was mich als Dojoleiterin und Torsten als Cheftrainer der Karateschule betrübt, ist die Tatsache, dass bei den Kindern und Erwachsenen, die Karate als Leistungssport ausüben wollen oder bei denen in der nächsten Zeit eine Prüfung anliegt, häufig das Training ausfällt oder abgesagt wird, weil andere Vorhaben wichtiger sind. Die Anlässe sind verschieden und man kann trefflich diskutieren, welchen Schwerpunkt diese im Leben eines jeden einnehmen. Es können Volks- oder Schützenfeste sein, Geburtstags- oder andere Familienfeiern, Verabredungen, Musikunterricht und Teilnahme an anderen Sportarten, die dem jeweiligen Karateka auch wichtig sind. Neulich sprach mich mit leuchtenden Augen ein talentiertes Mädchen aus unserer Königstigergruppe an und verkündete, dass sie jetzt montags immer eine Viertelstunde eher gehen müsse, da sie nach dem Training noch zu den Pfadfindern gehen wollte. War es zu hart von mir, dass ich entgegnete:"Nein, das geht nicht - geh doch einfach eine Viertelstunde später zu der Pfadfindergruppe."? Ich finde nicht. (Sie war mit dem Vorschlag auch einverstanden.)
Ich unterstelle, dass jemand, der eine Sportart als Leistungssport ausübt, dies mit Leidenschaft macht, dafür brennt und einfach andere Dinge dafür opfert. Wer auf hohem Niveau trainieren und Erfolge erzielen möchte - seien dies Gürtelprüfungen oder Wettkampferfolge -, der muss meiner Meinung nach bereit sein, auf andere Dinge zu verzichten. Ich kann mich z. B. gut erinnern, dass sowohl Torsten als auch ich schon an unserem jeweiligen Geburtstag im Dojo standen und wir trainiert haben. Mein eigener Hochzeitstag fällt regelmäßig in den Zeitraum des Kata Special Course - und ich danke meinem Mann für das Verständnis, mich am Karate-Lehrgang teilnehmen zu lassen. Den Hochzeitstag feiern wir regelmäßig nach und es wird den ein oder anderen wundern, aber die Ehe ist daran nicht zerbrochen und wir werden nächstes Jahr unsere Silberhochzeit feiern.
Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Und wenn andere Dinge im Leben wichtiger sind, als Karatetraining, dann ist das nicht schlimm - es ist dann in meinen Augen nur nicht möglich, Karate als Leistungssport zu betreiben. Wer das möchte, der muss in der Lage sein zu verzichten. Und besondere Strapazen auf sich zu nehmen, um den Alltag mit dem Training unter einen Hut zu bringen. Das Geheimnis heißt hier: Prioritäten setzen.
Ein großes Vorbild ist für mich unser Trainer Alex, der jahrelang mit dem Fahrrad über 10 km bei Wind und Wetter durch die ganze Stadt gefahren ist, um zu trainieren und Training zu geben. Er hatte sich den 1. Dan in meinen Augen allein durch diese Mühen und diese strenge Kontinuität - ganz abgesehen von seinem technischen Karate-Können - redlich verdient! Dies erinnert mich an Lebensläufe wie den von Sensei Richard Heselton, der in seiner Jugend mehrere Stunden mit dem Bus zum Training gefahren ist.
Es wird den ein oder anderen überraschen, diese Worte von mir zu lesen. Von mir, die doch selber drei Kinder hat. Die doch weiß, wie das mit der Schule ist und dass die Kinder so wenig Zeit haben. Ja, ich weiß das. Und ich weiß, dass eben nicht jeder zum Leistungssportler taugt, dass nicht in jedem dieses Feuer brennt. Das ist nicht schlimm. Aber dann kann man eben nicht erwarten, in einer besonderen Trainingsgruppe zu trainieren, an Wettkämpfen teilzunehmen oder eine Gürtelprüfung zu machen. Ohne Verzicht im übrigen Leben wird es im Karate (und ganz nebenbei: auch in anderen Sportarten) keinen sportlichen Erfolg geben.
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Kein Erfolg ohne Verzicht!
Die Karateschule Fuji San Münster besteht nun seit gut drei Jahren. Der Fokus liegt auf Karatetraining Selbstverteidigung sowie zur Förderung der eigenen Persönlichkeit, zur Kräftigung des Körpers und zum Erlangen mentaler Stärke. Das sich daraus ergebene sichere Auftreten soll unsere Mitglieder stark machen im Umgang mit anderen Menschen und mit Konfliktsituationen.
Erfreulicher Weise haben wir auch eine inzwischen auf knapp 20 Kinder und Jugendliche angewachsene Gruppe von Karateka, die auch durch Leistungssport wachsen wollen. Um diese Gruppe, in die die Kinder nur auf persönliche Einladung gelangen, von den anderen Trainingseinheiten abzugrenzen, hat sie einen speziellen Namen: Königstiger. Die Zugehörigkeit zu den Königstigern haben sich die Kinder und Jugendlichen daher bereits im Vorfeld durch besonderen Trainingsfließ erarbeitet. Talent allein reicht nicht aus.
Kinder, die ihr Karate weiter entwickeln möchten, sollten nach meiner Einschätzung ohnehin mindestens zweimal die Woche trainieren (das gilt übrigens für Erwachsene ebenso). Das Training in unserer Königstigergruppe soll zusätzlich zu den übrigen Trainings unter der Woche erfolgen. Einmal im Monat kommt zusätzlich Landeskadertrainer Andreas Klein zu uns ins Dojo - ein Luxus, über den wohl nur wenige Dojos verfügen. An dieser Einheit teilzunehmen sollte für jeden unserer Karateka selbstverständlich sein, der sich ernsthaft für unsere Kampfkunst interessiert (Kinder, Jugendliche und Erwachsene).
Unsere Trainingseinheiten für Kinder dauern (abgesehen von den Trainings für die Kleinsten, die 45 Minuten umfassen) 60 Minuten. Das Training von Andreas ist so aufgebaut, dass auch dort die Kinder nach 60 Minuten das Training verlassen und abgeholt werden können. Eine durchschnittliche Trainingswoche bedeutet nach den Vorstellungen der Trainer unserer Karateschule Fuji San Münster somit 120 Minuten Karatetraining für alle Kinder und 180 Minuten für die Kinder der Königstigergruppe. In den Wochen, in denen Andreas zu uns kommt, sind es ausnahmsweise einmal 240 Minuten. Unsere Trainingszeiten liegen so, dass sie nicht mit dem Schulunterricht kollidieren: nicht vor 18 Uhr unter der Woche, freitags 17 Uhr und samstags 13 Uhr, zusätzliche Möglichkeit, z. B. falls es unter der Woche nicht zweimal geklappt hat: Sonntag Nachmittag um 16 Uhr - hier kann auch mit den Eltern gemeinsam trainiert werden.
Als zusätzliche Termine haben wir im Schnitt alle vier Monate einen interessanten Lehrgang, den wir den Kindern empfehlen (fast alle in Münster oder sogar in unserem Dojo selbst). Zwei- oder dreimal im Jahr besteht die Möglichkeit, an einem Wettkampf teilzunehmen. Weite Wege werden uns dabei (abgesehen von der NDM in Hannover) meist erspart.
Ich finde, dies ist ein sehr überschaubarer Rahmen für Leistungssportler. Wie gesagt - das beschriebene Pensum gilt nur für Kinder und Jugendliche, die Karate als Leistungssport ausüben möchten. Wem Karate dazu dient, Freunde zu treffen, Spaß an der Bewegung und an der Begegnung mit anderen Kindern (Erwachsenen) zu haben, keine Prüfung in absehbarer Zeit absolvieren möchte, dem können ein bis zweimal Training in der Woche gerne reichen.
Mein Trainingspartner Torsten und ich wissen, dass die Schule die Kinder stark belastet. Ganz unbestritten hat Schule, hat das Lernen und haben die Hausaufgaben Vorrang vor allem anderen! Was mich als Dojoleiterin und Torsten als Cheftrainer der Karateschule betrübt, ist die Tatsache, dass bei den Kindern und Erwachsenen, die Karate als Leistungssport ausüben wollen oder bei denen in der nächsten Zeit eine Prüfung anliegt, häufig das Training ausfällt oder abgesagt wird, weil andere Vorhaben wichtiger sind. Die Anlässe sind verschieden und man kann trefflich diskutieren, welchen Schwerpunkt diese im Leben eines jeden einnehmen. Es können Volks- oder Schützenfeste sein, Geburtstags- oder andere Familienfeiern, Verabredungen, Musikunterricht und Teilnahme an anderen Sportarten, die dem jeweiligen Karateka auch wichtig sind. Neulich sprach mich mit leuchtenden Augen ein talentiertes Mädchen aus unserer Königstigergruppe an und verkündete, dass sie jetzt montags immer eine Viertelstunde eher gehen müsse, da sie nach dem Training noch zu den Pfadfindern gehen wollte. War es zu hart von mir, dass ich entgegnete:"Nein, das geht nicht - geh doch einfach eine Viertelstunde später zu der Pfadfindergruppe."? Ich finde nicht. (Sie war mit dem Vorschlag auch einverstanden.)
Ich unterstelle, dass jemand, der eine Sportart als Leistungssport ausübt, dies mit Leidenschaft macht, dafür brennt und einfach andere Dinge dafür opfert. Wer auf hohem Niveau trainieren und Erfolge erzielen möchte - seien dies Gürtelprüfungen oder Wettkampferfolge -, der muss meiner Meinung nach bereit sein, auf andere Dinge zu verzichten. Ich kann mich z. B. gut erinnern, dass sowohl Torsten als auch ich schon an unserem jeweiligen Geburtstag im Dojo standen und wir trainiert haben. Mein eigener Hochzeitstag fällt regelmäßig in den Zeitraum des Kata Special Course - und ich danke meinem Mann für das Verständnis, mich am Karate-Lehrgang teilnehmen zu lassen. Den Hochzeitstag feiern wir regelmäßig nach und es wird den ein oder anderen wundern, aber die Ehe ist daran nicht zerbrochen und wir werden nächstes Jahr unsere Silberhochzeit feiern.
Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Und wenn andere Dinge im Leben wichtiger sind, als Karatetraining, dann ist das nicht schlimm - es ist dann in meinen Augen nur nicht möglich, Karate als Leistungssport zu betreiben. Wer das möchte, der muss in der Lage sein zu verzichten. Und besondere Strapazen auf sich zu nehmen, um den Alltag mit dem Training unter einen Hut zu bringen. Das Geheimnis heißt hier: Prioritäten setzen.
Ein großes Vorbild ist für mich unser Trainer Alex, der jahrelang mit dem Fahrrad über 10 km bei Wind und Wetter durch die ganze Stadt gefahren ist, um zu trainieren und Training zu geben. Er hatte sich den 1. Dan in meinen Augen allein durch diese Mühen und diese strenge Kontinuität - ganz abgesehen von seinem technischen Karate-Können - redlich verdient! Dies erinnert mich an Lebensläufe wie den von Sensei Richard Heselton, der in seiner Jugend mehrere Stunden mit dem Bus zum Training gefahren ist.
Es wird den ein oder anderen überraschen, diese Worte von mir zu lesen. Von mir, die doch selber drei Kinder hat. Die doch weiß, wie das mit der Schule ist und dass die Kinder so wenig Zeit haben. Ja, ich weiß das. Und ich weiß, dass eben nicht jeder zum Leistungssportler taugt, dass nicht in jedem dieses Feuer brennt. Das ist nicht schlimm. Aber dann kann man eben nicht erwarten, in einer besonderen Trainingsgruppe zu trainieren, an Wettkämpfen teilzunehmen oder eine Gürtelprüfung zu machen. Ohne Verzicht im übrigen Leben wird es im Karate (und ganz nebenbei: auch in anderen Sportarten) keinen sportlichen Erfolg geben.
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Montag, 10. Oktober 2016
Zivilcourage - kann auch schief gehen!
"Nutze Deine Angst - damit die Zivilcourage nicht in die Hose geht!" So hätte der ergänzte Titel des Seminars mit Ralf Bongartz lauten können, das tatsächlich nur unter dem Namen "Nutze Deine Angst" am 08.10.2016 im Fuji San stattfand.
Zivilcourage und Deeskalation waren die Themen des Seminars, zwei Begriffe, die mich seit einigen Jahren beschäftigen. Und unmittelbar eine Woche vor dem Seminar hatte ich selber hautnah ein Erlebnis, in dem ich Zivilcourage zu üben hatte. Leider ging dabei ziemlich viel daneben und darum hatte ich gleich ein Gesprächsthema, als ich Ralf am Abend vor dem Seminar im Hotel abholte und wir uns zu einer Vorbesprechung zum Seminar trafen.
Ich erzählte Ralf, dass ich mich mit meinem Mann auf der Rückreise aus dem späten Sommerurlaub befunden hatte. Unser Flug hatte Verspätung und so waren wir froh, als wir kurz nach Mitternacht endlich im Regionalzug vom Flughafen Düsseldorf nach Münster saßen. Der Zug war schon rappelvoll, aber wir bekamen noch je einen Sitzplatz, unter dem wir unser Gepäck verstauen konnten.
Nach einer Weile stieg ein Mann ein, etwas ungepflegt, schlaksig und vermutlich auch angetrunken oder bekifft - er machte jedenfalls keinen nüchternen Eindruck. Er setzte sich im Winkel von 90 Grad zu mir auf eine Bank neben eine sehr adrette blonde Frau, die er direkt ansprach und nach der Station in Herne fragte. Genau genommen fragte er nur:"Herne?", und die Frau antwortete ihm sehr freundlich, dass es bis Herne noch ein paar Stationen seien. Er fragte noch etwas und die Frau antwortete überaus freundlich, dass sie darauf leider keine Auskunft geben könne. Sie wollte sich dann ihre Ohrstöpsel wieder in die Ohren stecken und augenscheinlich ihre Ruhe haben. Der Mann aber ließ nicht ab! Er textete sie weiter zu und sie schüttelte den Kopf, bat um Abstand und um Ruhe. Daraufhin griff der Mann ihren Arm und hielt sie fest, zog sie ein Stück zu sich ran und versuchte, sie zu streicheln. Das konnte ja wohl nicht wahr sein! "Fassen Sie die Frau nicht an!", rief ich zu ihm rüber. Ein erstaunter Blick in meine Richtung seitens des Kerls und ein dankbarer aus den Augen der Frau.
Der Mann war sichtlich verärgert, dass ich es gewagt hatte, ihn zu stören und in die Situation einzugreifen. Er wandte sich jetzt mir zu und murmelte mir mit wütendem Blick zum größten Teil unverständliches Zeug entgegen. Jedes zweite Wort war "Assi" oder "Nazi". Das ging bei mir links rein und rechts wieder raus, ließ mich kalt. Gleichwohl hatte ich das Bedürfnis, mich zu behaupten und hielt seinem Blick stand. Er murmelte weiter und weiter aber mich beeindruckte das nicht. Die blonde Frau war inzwischen mit einem gehauchten "Danke" an mir vorbei gezogen und ausgestiegen und eine andere Frau hatte vergeblich versucht, dem Mann klar zu machen, dass grade "Herne" war und er hätte aussteigen müssen. Der Mann bekam davon aber nichts mit und murmelte mir weiter irgendwelche Beleidigungen entgegen. Auch wenn es langsam ermüdend war, hätte ich das vermutlich mit stoischer Ruhe bis Münster weiter ausgehalten. Aber plötzlich geschah etwas total überraschendes: Mein Mann sprang auf und brüllte den anderen Kerl lauthals an:"Jetzt reichts mir aber! Lass meine Frau in Ruhe! Ich hab jetzt aber mal echt die Schnauze voll!" Oder so ähnlich. Der Typ riss den Blick von mir, sprang ebenfalls auf und stierte jetzt meinen Mann an, murmelte jetzt ihm seine Unfreundlichkeiten entgegen. Mein Mann - sonst die Ruhe in Person! - geriet immer mehr in Rage und das übertrug sich auch auf den anderen Kerl, der jetzt begann, seine Jacke auszuziehen und sich auf den "Kampf" einzustellen. Ich ging dazwischen, indem ich versuchte, meinen Mann zu beruhigen, was aber nur mäßig erfolgreich verlief. Zeitgleich kam ein stockbesoffenes Pärchen, das schon mit acht vollen Bierdosen in die Bahn eingestiegen war, auf den anderen Kerl zu, versuchte ihn zu beschwichtigen und bot ihm ein Bier an, um ihn abzulenken. Glücklicherweise gelang das auch. Die drei saßen uns dann gegenüber und nun mussten wir uns von allen drei anhören, wie "Assi" und "Nazi" wir sind bzw. was für beschissene Streitschlichter wir wären! Hä? Nun, ich fands total ungerecht! Aber was willste machen? Immerhin war der Streit soweit geschlichtet und ich hatte jetzt eine Menge Hausaufgaben, indem ich darüber nachdache, wie die gut gemeinte Absicht, einer Frau zu helfen, so eskalieren konnte!
Ich kam zu dem Schluss, dass ich folgendes hätte anders und besser machen können:
- Grundsätzlich war die Idee, den Mann davon abzuhalten, die Frau zu begrapschen ok. Allerdings hätte ich mir vorher von der Frau einen "Auftrag" dafür holen sollen, z. B. mit der Frage: "Entschuldigung, brauchen Sie Hilfe?" Es war zwar für mich augenscheinlich, dass sie die Berührung nicht wollte, aber vielleicht hätte sie sich ja auch selber kurz darauf geäußert. Dadurch, dass ich die Frau angesprochen hätte und nicht den Typen, hätte er ggf. noch die Gelegenheit gehabt, sein Gesicht zu wahren und die Situation wäre nicht so eskaliert.
- Nachdem er mich so auf dem Kieker hatte, mich anstarrte und anmurmelte, hätte ich nicht versuchen sollen, den Blick aufrecht zu halten. Ich hätte auf derselben Augenhöhe woanders hinblicken können oder ich hätte vielleicht mal nicken können und ihm irgendetwas Deeskalierendes zurückmurmeln können, wie: "Hey, ist ja nicht gegen Sie persönlich, aber ich finde es nicht in Ordnung, wenn Sie Frauen anfassen." - Naja, liest sich hier etwas albern, aber in der Situation hätte es vielleicht geholfen.
- Ich hätte auch versuchen können, einen anderen Platz zu finden (war allerdings nicht so einfach, da der Zug recht voll war und ich ja auch noch mein Gepäck dabei hatte) und dem Typen aus dem Weg zu gehen.
Drei gute Ideen, die mir erst im Nachhinein kamen. Wie sagte Coach Ralf so schön, als ich ihm von dem Vorfall erzählte? "Da kann man noch so viele Trainings machen, häufig macht das limbische System in der Realität doch was es will." Denn ich hatte einfach das Gefühl, dass ich mich behaupten müsste, in dem Moment. Dass ich hier hätte deeskalieren können und sollen, kam mir gar nicht in den Sinn, ich war einfach sauer, dass da eine Frau belästigt wurde!
Außerdem hatte mich geärgert, dass sich dann auch noch Unbeteiligte gegen mich stellten und im Nachhinein MICH dann als Blödmann abstempelten, obwohl ich doch helfen wollte. Da war also auch noch eine gehörige Portion gekränkter Eitelkeit mit im Spiel.
Dass mich der Vorfall so ärgerlich machte, ließ mein Coach Ralf nicht gelten: Es mache keinen Sinn, so einen hohen Perfektionismus anzustreben. Letztlich hatte ich mein Ziel erreicht: Die Frau wurde nicht mehr belästigt. Wie andere Personen, die um mich herum stehen, reagieren könnten, konnte ich schlecht voraussehen. Vielleicht muss man das künftig mal mehr mit berücksichtigen, aber letztlich ist ja diesmal zum Glück alles gut gegangen. Durch das Seminar bei Ralf am 08.10.2016 bei uns im Dojo sind mir viele Sachverhalte zu den Themen Zivilcourage und Deeskalation noch einmal bewusst geworden und ich werde mich bemühen, diese weiter zu reflektieren und im Hinterkopf zu halten. All jene Leser, die deeskalatives Verhalten in diesem Fall fehl am Platze finden mögen, bitte ich, sich vorzustellen, wie eine weitere Eskalation in einem Zug-Wagon hätte ausgehen können - und wer möglicherweise von Zeugen hinterher als erster Täter genannt worden wäre (eventuell mein Mann?).
Nun - eine kleine Genugtuung bekam ich am Ende auch noch: Auch das betrunkene Pärchen mit den Bierdosen hatte nach einer Weile (wir waren ja lange schon an "Herne" vorbei!) genug von dem Laberkopp und war entgegen der Fahrrichtung in einen anderen Bereich des Wagons gegangen. Die Abwesenheit der beiden fiel dem Typen aber erst später irgendwann bei einem Halt an einem Dorf-Bahnhof plötzlich auf und er vermutete wohl, dass die beiden grade ausgestiegen waren. Er sprang aus dem Zug und die Türen schlossen sich. Als er seinen Irrtum bemerkte, trommelte er wie wild von außen gegen die Türen, die aber geschlossen blieben. So wird er wohl die Nacht auf dem Bahnhof in - ich glaube es war - Buldern verbracht haben.....
Zivilcourage und Deeskalation waren die Themen des Seminars, zwei Begriffe, die mich seit einigen Jahren beschäftigen. Und unmittelbar eine Woche vor dem Seminar hatte ich selber hautnah ein Erlebnis, in dem ich Zivilcourage zu üben hatte. Leider ging dabei ziemlich viel daneben und darum hatte ich gleich ein Gesprächsthema, als ich Ralf am Abend vor dem Seminar im Hotel abholte und wir uns zu einer Vorbesprechung zum Seminar trafen.
Ich erzählte Ralf, dass ich mich mit meinem Mann auf der Rückreise aus dem späten Sommerurlaub befunden hatte. Unser Flug hatte Verspätung und so waren wir froh, als wir kurz nach Mitternacht endlich im Regionalzug vom Flughafen Düsseldorf nach Münster saßen. Der Zug war schon rappelvoll, aber wir bekamen noch je einen Sitzplatz, unter dem wir unser Gepäck verstauen konnten.
Nach einer Weile stieg ein Mann ein, etwas ungepflegt, schlaksig und vermutlich auch angetrunken oder bekifft - er machte jedenfalls keinen nüchternen Eindruck. Er setzte sich im Winkel von 90 Grad zu mir auf eine Bank neben eine sehr adrette blonde Frau, die er direkt ansprach und nach der Station in Herne fragte. Genau genommen fragte er nur:"Herne?", und die Frau antwortete ihm sehr freundlich, dass es bis Herne noch ein paar Stationen seien. Er fragte noch etwas und die Frau antwortete überaus freundlich, dass sie darauf leider keine Auskunft geben könne. Sie wollte sich dann ihre Ohrstöpsel wieder in die Ohren stecken und augenscheinlich ihre Ruhe haben. Der Mann aber ließ nicht ab! Er textete sie weiter zu und sie schüttelte den Kopf, bat um Abstand und um Ruhe. Daraufhin griff der Mann ihren Arm und hielt sie fest, zog sie ein Stück zu sich ran und versuchte, sie zu streicheln. Das konnte ja wohl nicht wahr sein! "Fassen Sie die Frau nicht an!", rief ich zu ihm rüber. Ein erstaunter Blick in meine Richtung seitens des Kerls und ein dankbarer aus den Augen der Frau.
Der Mann war sichtlich verärgert, dass ich es gewagt hatte, ihn zu stören und in die Situation einzugreifen. Er wandte sich jetzt mir zu und murmelte mir mit wütendem Blick zum größten Teil unverständliches Zeug entgegen. Jedes zweite Wort war "Assi" oder "Nazi". Das ging bei mir links rein und rechts wieder raus, ließ mich kalt. Gleichwohl hatte ich das Bedürfnis, mich zu behaupten und hielt seinem Blick stand. Er murmelte weiter und weiter aber mich beeindruckte das nicht. Die blonde Frau war inzwischen mit einem gehauchten "Danke" an mir vorbei gezogen und ausgestiegen und eine andere Frau hatte vergeblich versucht, dem Mann klar zu machen, dass grade "Herne" war und er hätte aussteigen müssen. Der Mann bekam davon aber nichts mit und murmelte mir weiter irgendwelche Beleidigungen entgegen. Auch wenn es langsam ermüdend war, hätte ich das vermutlich mit stoischer Ruhe bis Münster weiter ausgehalten. Aber plötzlich geschah etwas total überraschendes: Mein Mann sprang auf und brüllte den anderen Kerl lauthals an:"Jetzt reichts mir aber! Lass meine Frau in Ruhe! Ich hab jetzt aber mal echt die Schnauze voll!" Oder so ähnlich. Der Typ riss den Blick von mir, sprang ebenfalls auf und stierte jetzt meinen Mann an, murmelte jetzt ihm seine Unfreundlichkeiten entgegen. Mein Mann - sonst die Ruhe in Person! - geriet immer mehr in Rage und das übertrug sich auch auf den anderen Kerl, der jetzt begann, seine Jacke auszuziehen und sich auf den "Kampf" einzustellen. Ich ging dazwischen, indem ich versuchte, meinen Mann zu beruhigen, was aber nur mäßig erfolgreich verlief. Zeitgleich kam ein stockbesoffenes Pärchen, das schon mit acht vollen Bierdosen in die Bahn eingestiegen war, auf den anderen Kerl zu, versuchte ihn zu beschwichtigen und bot ihm ein Bier an, um ihn abzulenken. Glücklicherweise gelang das auch. Die drei saßen uns dann gegenüber und nun mussten wir uns von allen drei anhören, wie "Assi" und "Nazi" wir sind bzw. was für beschissene Streitschlichter wir wären! Hä? Nun, ich fands total ungerecht! Aber was willste machen? Immerhin war der Streit soweit geschlichtet und ich hatte jetzt eine Menge Hausaufgaben, indem ich darüber nachdache, wie die gut gemeinte Absicht, einer Frau zu helfen, so eskalieren konnte!
Ich kam zu dem Schluss, dass ich folgendes hätte anders und besser machen können:
- Grundsätzlich war die Idee, den Mann davon abzuhalten, die Frau zu begrapschen ok. Allerdings hätte ich mir vorher von der Frau einen "Auftrag" dafür holen sollen, z. B. mit der Frage: "Entschuldigung, brauchen Sie Hilfe?" Es war zwar für mich augenscheinlich, dass sie die Berührung nicht wollte, aber vielleicht hätte sie sich ja auch selber kurz darauf geäußert. Dadurch, dass ich die Frau angesprochen hätte und nicht den Typen, hätte er ggf. noch die Gelegenheit gehabt, sein Gesicht zu wahren und die Situation wäre nicht so eskaliert.
- Nachdem er mich so auf dem Kieker hatte, mich anstarrte und anmurmelte, hätte ich nicht versuchen sollen, den Blick aufrecht zu halten. Ich hätte auf derselben Augenhöhe woanders hinblicken können oder ich hätte vielleicht mal nicken können und ihm irgendetwas Deeskalierendes zurückmurmeln können, wie: "Hey, ist ja nicht gegen Sie persönlich, aber ich finde es nicht in Ordnung, wenn Sie Frauen anfassen." - Naja, liest sich hier etwas albern, aber in der Situation hätte es vielleicht geholfen.
- Ich hätte auch versuchen können, einen anderen Platz zu finden (war allerdings nicht so einfach, da der Zug recht voll war und ich ja auch noch mein Gepäck dabei hatte) und dem Typen aus dem Weg zu gehen.
Drei gute Ideen, die mir erst im Nachhinein kamen. Wie sagte Coach Ralf so schön, als ich ihm von dem Vorfall erzählte? "Da kann man noch so viele Trainings machen, häufig macht das limbische System in der Realität doch was es will." Denn ich hatte einfach das Gefühl, dass ich mich behaupten müsste, in dem Moment. Dass ich hier hätte deeskalieren können und sollen, kam mir gar nicht in den Sinn, ich war einfach sauer, dass da eine Frau belästigt wurde!
Außerdem hatte mich geärgert, dass sich dann auch noch Unbeteiligte gegen mich stellten und im Nachhinein MICH dann als Blödmann abstempelten, obwohl ich doch helfen wollte. Da war also auch noch eine gehörige Portion gekränkter Eitelkeit mit im Spiel.
Dass mich der Vorfall so ärgerlich machte, ließ mein Coach Ralf nicht gelten: Es mache keinen Sinn, so einen hohen Perfektionismus anzustreben. Letztlich hatte ich mein Ziel erreicht: Die Frau wurde nicht mehr belästigt. Wie andere Personen, die um mich herum stehen, reagieren könnten, konnte ich schlecht voraussehen. Vielleicht muss man das künftig mal mehr mit berücksichtigen, aber letztlich ist ja diesmal zum Glück alles gut gegangen. Durch das Seminar bei Ralf am 08.10.2016 bei uns im Dojo sind mir viele Sachverhalte zu den Themen Zivilcourage und Deeskalation noch einmal bewusst geworden und ich werde mich bemühen, diese weiter zu reflektieren und im Hinterkopf zu halten. All jene Leser, die deeskalatives Verhalten in diesem Fall fehl am Platze finden mögen, bitte ich, sich vorzustellen, wie eine weitere Eskalation in einem Zug-Wagon hätte ausgehen können - und wer möglicherweise von Zeugen hinterher als erster Täter genannt worden wäre (eventuell mein Mann?).
Nun - eine kleine Genugtuung bekam ich am Ende auch noch: Auch das betrunkene Pärchen mit den Bierdosen hatte nach einer Weile (wir waren ja lange schon an "Herne" vorbei!) genug von dem Laberkopp und war entgegen der Fahrrichtung in einen anderen Bereich des Wagons gegangen. Die Abwesenheit der beiden fiel dem Typen aber erst später irgendwann bei einem Halt an einem Dorf-Bahnhof plötzlich auf und er vermutete wohl, dass die beiden grade ausgestiegen waren. Er sprang aus dem Zug und die Türen schlossen sich. Als er seinen Irrtum bemerkte, trommelte er wie wild von außen gegen die Türen, die aber geschlossen blieben. So wird er wohl die Nacht auf dem Bahnhof in - ich glaube es war - Buldern verbracht haben.....
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