Dienstag, 21. Juni 2016

Würfel-Laufen

Zwei Teams, zwei Würfel, pro Team einen Zettel und einen Stift, für jede Gruppe drei Markierungen (z. B. Handpratzen) für die verschiedenen "Stationen"

Die Teams werden so aufgeteilt, dass jedes Team eine Hallenhälfte nutzen kann. Aufstellung hintereinander.

Die ersten drei Kinder stehen an den drei Markierungen - Kind 1 ganz vorne, Kind 2 dahinter, Kind 3 hinter Kind 2 - hinter Kind 3 dann die weiteren Kinder der jeweiligen Gruppe.

Kind 1 beginnt, am äußeren Rand der jeweiligen Hallenhälfte entlang zu laufen. Kind 2 würfelt. Kind 3 notiert die Anzahl der Runden, die Kind 1 läuft.

Sobald Kind 2 eine 6 würfelt, springt es auf und ruft "Sechs!". Kind 1 läuft die Runde zuende, schlägt Kind 2 ab und reiht sich hinten an der Kinder-Reihe an. Kind 2 ist jetzt zu Kind 1 geworden, Kind 3 wurde zu Kind 2 und würfelt jetzt und ein neues Kind ist mit dem notieren der Runden betraut worden.

So geht es reihum. Das Spiel ist zuende, wenn eine Gruppe durchgelaufen ist. Gewonnen hat die Gruppe mit den meisten Runden (Variante: Gewonnen hat die Gruppe, die zuerst durchgelaufen ist). 

Montag, 6. Juni 2016

Gefahrenradar bei Rock am Ring

Als Selbstverteidigungstrainerin beschäftige ich mich seit geraumer Zeit mit dem Begriff des Gefahrenradars. In meinen Seminaren vermittele ich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, eine gelassene Wachsamkeit an den Tag zu legen, sobald sie sich außerhalb der eigenen vier Wände befinden. Werden ungewöhnliche Umstände wahrgenommen, soll auf das Bauchgefühl gehört und der Gefahr möglichst noch aus dem Weg gegangen werden.

Dieses Prinzip des Gefahrenradars bzw. der gelassenen Wachsamkeit kennnen Karateka auch als "Zanshin" - dieser Begriff beschreibt eine Wach- und Aufmerksamkeit, die bereits vor Beginn einer Übung beginnt und über das Ende hinaus gehen soll. Oder, um es mit den Worten Toribio Senseis zu sagen: Es handelt sich um situationsübergreifende Wach- oder Achtsamkeit.

Abseits des Karatetrainings wurde mir das Prinzip erstmals ganz konkret von meinem Coach Ralf Bongartz vermittelt: In der Ausbildung zur Fachpädagogin für Konfliktkommunikation erfuhr ich vom Gefahrenradar, vom Ausschalten ablenkender Faktoren (Smartphone etc.) im Alltag und auch hier von der Wahrnehmung feinster Faktoren, die für eine gefährliche Situtation sprechen könnten. Auch das Street-Combatives-Programm beinhaltet diese Prinzipien und vermittelt z. B. die verschiedenen Aufmerksamkeitsstufen aus dem Cooper Color Code.

Mit Bedauern stelle ich häufig fest, dass es mit der Wahrnehmung potenziell gefährlicher Situationen bei vielen Menschen nicht weit her ist. Wie kommt das? Haben wir uns schon so daran gewöhnt, die Verantwortung für unsere Sicherheit und unser Handeln an andere Institutionen (Eltern, Lehrer, Staat...) abzugeben, dass wir nicht mehr eigenverantwortlich agieren können? Sind wir schon so "programmiert", dass wir uns z. B. eher auf die Angaben in einer Wetter-App verlassen, statt mal aus dem Fenster zu sehen? Leben wir schon zu sehr in computer-animierten Schein-Welten, in denen man sich nach Bedarf mehrere "Leben" kaufen kann?

Anfang des Jahres las ich speziell in sozialen Medien häufig Aussagen wie:"Ich sehe das gar nicht ein, dass ich als Frau nachts nicht mehr alleine auf die Straße gehen soll." Oder: "Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, mit "angezogener Handbremse" zu feiern und meinen Alkoholkonsum zu zügeln, nur damit ich noch im Falle eines Übergriffs angemessen reagieren kann." Das sind sicherlich ganz persönliche Einstellungen und das kann ja auch jede/r für sich selbst entscheiden. Allerdings finde ich es dann konsequent, wenn man dann auch für sich selbst die Verantwortung übernimmt.

Was mich jetzt aktuell allerdings sehr erschrocken hat, waren die Ereignisse rund um den Abbruch des Mega-Events "Rock am Ring". Bereits in den Tagen vor Beginn des Musik-Festivals waren in Deutschland schwerste Unwetter niedergegangen, die zum Teil komplette Ortschaften verschüttet hatten. Auch zu Beginn des Festivals gab es Unwetterwarnungen. Ich kann es gut verstehen, dass man nicht bei jedem Gewitter gleich eine ganze Veranstaltung absagen möchte und darum war es mit Sicherheit vertretbar, zunächst mit dem Event zu beginnen. Leider gab es bereits am ersten Abend einen Blitzeinschlag mit über 70 verletzten Personen, zwei davon mussten sogar reanimiert werden. Ich gehe davon aus, dass die Veranstalter am nächsten Tag sorgfältig abgewogen hatten, bevor sie sich dazu entschlossen, die Konzerte fortzuführen. Abends mussten dennnoch wegen weiterer Unwetter die Veranstaltung unterbrochen werden. Am dritten Tag entzog dann die Gemeinde Mendig letztlich "Rock am Ring" die Veranstaltungs-Erlaubnis und der dritte Tag fiel aus. Sicher - sehr bedauerlich für die Bands, für die Veranstalter und sicher auch für die Gäste, die zum Teil 200 Euro für die Karten bezahlt hatten.

Aber....jetzt zum Gefahrenradar: Wenn doch ganz offensichtlich um mich herum grade die Welt untergeht und der Veranstaltungsort bereits so in Regen und Schlamm versackt ist, dass die Autos zum Teil schon mit Traktoren aus dem Sumpf gezogen werden müssen, die Zelte zerstört sind und es bereits zu zahlreichen verletzten Personen gekommen ist - sollte da nicht auch allmählich bei den Gästen mal das Bauchgefühl sagen, dass die Situation langsam gefährlich wird? Dass die aktuelle Wetterlage nicht nur leichte Sommergewitter im Gepäck hat? Und selbst WENN die Gäste vielleicht im Partyrausch die Brisanz des Unwetters nicht realisieren - dann sollten sie doch spätestens nach Abbruch der Veranstaltung ohne zu klagen nach Hause fahren und nicht noch nach "Verantwortlichen" suchen, von denen sie ihr Eintrittsgeld zurück bekommen. Was, wenn es am dritten Tag zu weiteren Überflutungen, zu weiteren Blitzeinschlägen gekommen wäre? Wäre dann nicht der Aufschrei und die Suche nach Verantwortlichen groß gewesen? http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-06/rock-am-ring-rockfestival-eifel-unwetter-abgebrochen

Vielleicht müssen wir das wirklich wieder lernen. Unsere Umgebung wahrzunehmen. Gefahren zu erkennen. Auf das Bauchgefühl zu hören. Und an den Himmel zu schauen, statt auf die Wetter-App.

Freitag, 27. Mai 2016

Das Ego stibt auf dem Kissen

Meditation im Jugendkloster Bottrop Kirchhellen


Am Donnerstag, den 26.05.2016 (Fronleichnam) veranstalteten wir wieder eine Zen-Meditation im Jugendkloster Bottrop Kirchhellen. Neben Ines, Matthes und mir fuhren weitere 7 Fujis & friends mit nach Bottrop, um dort fünf Stunden lang zu sitzen und zu schweigen; „zu sitzen“ deshalb, weil die Meditation überwiegend sitzend – z. B. auf einem Kissen, auf einem Meditationsbänkchen oder auch auf einem Stuhl – abgehalten wird. Aber es gibt auch Meditation im Schreiten, Kinhin genannt oder auch im Liegen.


Klostergarten - Foto: M.Elzinga

Wir wurden durch unsere liebenswerte und geduldige Zen-Lehrerin Katharina Gaßmann durch alle drei Meditationsformen geführt, wobei wir erstmals das Kinhin auch im schönen Klostergarten praktizierten. Die Meditation erfolgt meist schweigend und in einer bestimmten Position verharrend. Herumrutschen auf dem Bänkchen oder Stuhl sollte vermieden werden, auch wenn die gewählte Position nach einer Weile unbequem erscheint. „Wenn es irgendwo zwickt oder der Körper sich sonst wie meldet, dann ist das vermutlich nur Euer Ego, das um Aufmerksamkeit bettelt“, so Katharina bei einer Meditations-Einführung in den vergangenen Jahren. Wir sollten also versuchen, in den Phasen der stillen Meditation, eventuelle „Störsignale“ des Körpers oder der Außenwelt zu ignorieren bzw. sie wahrzunehmen, ihnen aber keine Bedeutung zuzumessen. Um zu seinem inneren Ich zu gelangen, so Katharina, müsse man lernen, das Ego auszublenden. Was wie ein Widerspruch scheint, hat bei genauerer Betrachtung seine Berechtigung: Wir sollen üben, Gedanken wie „ich will“, „ich muss“ oder „ich möchte“ außer Acht zu lassen und uns für die Dauer der Meditation nur auf das Ein- und Ausatmen zu konzentrieren. Gedanken, die uns dabei in den Kopf kommen, sollen wir ziehen lassen, vielleicht kurz betrachten, aber nicht weiter verfolgen. „Es ist wie im Kino: Stellt Euch vor, die Gedanken tauchten auf der Leinwand auf. Ihr könnt sie ansehen, aber ihr seid keine Schauspieler in dem Film, ihr spielt nicht mit.“ Auf diese Weise und durch andere Gleichnisse und Metaphern wurden wir regelmäßig erinnert, uns wirklich nur auf diese beiden Momente im Hier und Jetzt zu konzentrieren: Einatmen. Ausatmen.
Sorgen, Ängste, Bedürfnisse – all dies könnten wir schließlich mit ausreichender Übung hinter uns lassen, denn: „Das Ego stirbt auf dem Kissen.“


Foto: M.Elzinga


 „Wo bist Du mit Deinen Gedanken?“, rief Katharina gelegentlich in den Raum hinein. Und wie schön war es für mich an diesem Tag, dass ich durch diese Erinnerung tatsächlich nicht aus irgendwelchen Gedankengängen gerissen wurde! Tatsächlich war es mir diesmal gelungen, mein Sein auf das Ein- und Ausatmen zu konzentrieren. „Wir sind im Alltag viel zu hektisch und meinen, immer alles auf einmal machen zu müssen. Das sorgt für innere Unruhe. Versucht einmal, auch im Alltag eins nach dem anderen zu tun. Man kann im Grunde nicht mehrere Sachen gleichzeitig machen – das ist genauso wie beim Ein- und Ausatmen. Auch hier geht immer nur eines von beidem zur selben Zeit!


Ich lernte Katharina im Jahr 2008 auf einer Zugfahrt nach München kennen. Wir kamen ins Gespräch und waren uns sofort sympathisch! Wir tauschten Kontaktdaten aus und vereinbarten seit diesem Tag zweimal jährlich Meditationstermine mit Karateka und Freunden in Bottrop.  All die Jahre hatte ich die Meditation als Aufgabe empfunden, als Disziplinierung für mich und meinen umtriebigen Geist. Anders als die meisten Teilnehmenden konnte ich bei den Abschluss-Gesprächsrunden nicht von „tiefer Stille“ berichten, die mich umfasst hatte oder von einem „unglaublich schönen Gefühl“. Ich war meist einfach nur frustriert, weil es mir nie gelungen war, hier zu „funktionieren“. Beim vorletzten Termin im November 2015 hatte ich dann endlich einen Weg eingeschlagen, der mir ein bisschen so etwas wie inneren Frieden gab – ich war nicht mehr so ärgerlich auf mich selbst, sondern schaffte es, über mich zu lächeln, weil ich meine Gedanken, mein Ego offenbar immer noch nicht im Griff hatte.  Und an Christi Himmelfahrt war es dann tatsächlich so weit: Bei den letzten beiden Sitzungen vor der Heimfahrt spürte ich das zwicken im Rücken, das Drängen meines „Ego“ nach einer bequemeren Körperhaltung, Das Flüstern der inneren Stimme: “Komm, las gut sein, jetzt, mach’s Dir bequem, lass die Gedanken fliegen!“ Da lächelte mein Ich, streichelte das Ego kurz und schickte es wieder in seine Ecke. Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. Ich war fast enttäuscht, als die Meditation beendet war und freute mich unglaublich über das belebende und befreiende Gefühl, das mich noch den Rest des Tages begleitete.

Die nächste Meditation ist für November geplant. Wer gerne noch dabei sein möchte, ist herzlich eingeladen.