Im Auge des Tigers
Hier nun also mein erster Beitrag fürs Dojo-Info. Nach diesem schönen Turnier in Billerbeck muß ich einfach mal was beisteuern. Wie immer vor Wettkämpfen lag doch ein Hauch von Spannung in der Luft, als ich mit meinem Familienauto dasDojo ansteuerte, um einige Karateka mitzunehmen. Nachdem uns von Frank Kastner schon von der Landesmeisterschaft am Vortag berichtet wurde und wir vor Erfurcht und Schrecken über sein k.o. erstarrt waren, wollten wir uns jetzt selber auf das Abenteuer Billerbeck einlassen.
Die Gruppe Kinder und die Unterstufe waren schon durch unser Dojo super vertreten. So spannend es auch war, diesen Katas und Kämpfen zuzusehen, hielt mich doch ab 13.30 Uhr nichts mehr davon ab, meine mütterlichen Formen in den Gi zu schwingen. Ab da war dann auch Aufwärmen und Warmhalten angesagt. So ca. eine halbe Stunde vor der Runde Kata-Mannschaft bewiesen Sylvie Kowalik und Peggy Bürger unermüdlichen Kampfgeist und Spontanität: ich konnte sie tatsächlich zu einer Kata-Manschafts-Aufstellung mit Heian Godan überreden. 5 oder 6 mal probten wir so leidlich und konnten dann uns in aller letzter Sekunde, quasi unmittelbar vor dem Start nachmelden - als Münster VI – gab es jemals 6 Kata-Mannschaften von uns bei einem Turnier???? Keine Ahnung, ob wir auch nur eine Spur synchron waren...aber letztlich machten wir doch tatsächlich den 3. Platz! Wahnsinn! Das hob die Stimmung natürlich ungemein und gab uns irgendwie das Gefühl, unverletzlich zu sein!
Im Kata-Einzel war erwartungsgemäß die Sylvie wieder absolute Spitze! Aber auch meine schwache Hoffnung auf einen Platz auf dem Treppchenerfüllte sich mit Platz 3. Wow! Ich habe zu Hause nachgeschaut: mein letzter Erfolg in Billerbeck war im Jahre 1987! Leute, das ist 15 Jahre her! Kaumzu glauben, dass ich jetzt nochmal so viel Glück hatte.
Anschließend kam allerdings der Turnierteil, der für mich die absolute Zitterpartie war: Kumite! Ich hoffte, nicht gegen Peggy und Sylvie antreten zu müssen und dieser Wunsch wurde mir sogar erfüllt. Leider habe ich gar keine Kampferfahrung, auch wenn mein "böses Karategesicht" vielleicht von Kampfgeist zeugt....so kann ich auch gar nicht sagen, wie der liebe Albert dazu kam, mir in den ersten beiden Kämpfen je zwei Wazari zukommen zu lassen. Aber wenn man gewinnt, fragt man ja nicht lange, gell? Tja, und plötzlich hieß es: ich sei im Kampf um den
dritten Platz. Was? Ich? Hätte echt gewettet, direkt in der ersten Runde rauszufliegen!
Meine Gegnerin war mir schon vorher beim Warmhalten aufgefallen. Ohje, gegen sie sollte ich bestehen...mir war plötzlich ganz flau im Magen...aber....bloß nix anmerken lassen! Schnell wieder böse gucken. Zu Beginn war der Kampf dann auch wie die beiden zuvor. Ich hampelte da herum und versuchte verzweifelt, irgendeine Technik punktebringend anzuwenden. War aber alles irgendwie zu schwach oder nicht an der richtigen Stelle oder zu weit weg. Es ist schon erstaunlich, dass so im realen Kampf alle Theorie weg ist! Was hatte ich doch versucht, mir irgendwelche Kombinationen einzuprägen! Und jetzt? Mann, war das ein Gehampel! Meine Gegnerinwar zwar eindeutig wettkampferfahrener, konnte aber mit meinem unkonventionellen Gehopse nicht recht was anfangen. Ich muß sie wohl im Eifer des Gefechts ein paarmal am Gi gezupft haben....Albert hat es aber wohl nicht bemerkt. Ich bekam nur von meinem Gegenüber zunehmend wütende und böse Blicke und Gesten deswegen zugeworfen. Als sie es dann auch noch war, die dann kurz darauf wegen Kittelzupfens verwarnt wurde, geriet sie vollends ausser sich und funkelte mich an. Wow, was für ein Blick! Das Auge des Tigers!
In den letzten 30 Sekunden Kampfzeit waren wir beide wohl so voller Kampfgeist, dass wir beide jeweils verwarnt wurden wegen zu starken Jodan-Kontakts.- Glücklicher Weise ist aber keine verletzt worden. Punktelos ging es in die Verlängerung. Jetzt legte meine Gegnerin richtig los. Täuschte ich oder hatte ihre Augenfarbe ins Rote gewechselt? Sie brachte ein paar schöne Fußtechniken an, die aber nicht gewertet wurden. Mein Gegenüber wuchs echt über sich hinaus und warf mich sogar einmal zu Boden.....aber dann war auch die Kampfzeit-Verlängerung abgelaufen, ohne Punkte aber auch ohne Verletzungen - ich hatte es überstanden! Auch wenn der anschließende Pflichtenscheid der Kampfrichter dann einstimmig und zu Recht zu Gunsten meiner Gegnerin ausfiel, war ich kein bisschen enttäuscht. Vielmehr war ich froh, einmal unverletzt in das Auge des Tigers geblickt zu haben, ohne von diesem verschlungen zu werden.
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1 Kommentar:
Ich hätte nie gedacht, dass sich die Worte "Billerbeck" und "Auge des Tigers" in einen Zusammenhang bringen lassen - hihi
Christine
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