Gestern hatte ich die Ehre, vertretungsweise das Unterstufentraining zu geben. Ich wusste bereits seit ca. 3 Wochen von diesem Termin - aber wie häufig kam das Ereignis dann doch wieder "ganz plötzlich" ;-) Glücklicher Weise hatte ich aber doch noch Zeit gefunden, mir ein vernünfitiges Konzept zu überlegen, was gar nicht so einfach ist, wenn man grade zwei Wochen lang im Urlaub so gar nix mit Karate zu tun hatte...seufz! Im Vorfeld also meine Überlegungen....was kann ich denn mal anbieten, worauf den Schwerpunkt legen? Da ich ja nicht regelmäßig Training gebe, beschränkten sich meine Überlegungen zugegebener Maßen doch nur auf das Kopieren bisher selber erlebter Trainingsaspekte. Aber vermutlich ist das gar nicht so ungewöhnlich. Wahrscheinlich sind nur erfahrene Senseis wie Risto, Michael und Jörg in der Lage, selber etwas "aus dem Hut zu zaubern". Und das geht vermutlich auch nicht mal "eben so". Wie auch immer - nach einiger Überlegung hatte ich mir ein Konzept erarbeitet, mit dem ich recht zufrieden war. Etwas Lustiges zum Aufwärmen, ein wenig Basics und dann noch Kumite mit einer "Action-Einlage" sollte es werden.
Wegen der Ferien war das Training sehr schlapp besucht. Nur 8 "Unterstuflinge" beehrten mich und meine Einheit. Dennoch konnte ich mein Aufwärmspiel starten: ein kniffliger Staffellauf mit Kraftübungen und Karatetechniken. Es sollten zwei Gruppen gebildet werden. Witziger Weise standen dann von selbst vier Frauen bzw. Mädchen auf der einen Seite und vier gestandene Männer auf der anderen. Ich fragte vorher noch die Mädels, ob sie das wirklich so wollten und sie bestanden darauf. Nun denn...die Staffel ging los. Unter Anfeuerungen, die die Dojowände zum Erzittern brachten, legten beide Gruppen los - und die Mädels gewannen! Kurzer Hand gruppierte ich zwei Personen um, so dass das Geschlechterverhältnis auf beiden Seiten gleich war und die Herren der Schöpfung nicht frustriert werden ;-) Dann nächste Staffel, etwas kniffliger noch. Beide Gruppen freuten sich über ein Unentschieden. Anschließend gab es wieder mal eine meiner Lieblingsübungen: Mäusefüßchen à la Risto! Die Gruppe ächzte und stöhnte unter meinen Kommandos und durfte erst aufhören, als alle Köpfe hoch rot angelaufen und die Beine schön warm waren. Die anschließenden Dehnübungen nutzte ich dazu, zu erklären, wie man die Hüftdrehung durch die Anspannung der inneren bzw. äußeren Oberschenkelmuskulatur bewirken kann.
Als nächstes Kihon. Da die halbe Gruppe aus frischen Anfängern bestand, beschloss ich, das von mir geplante Programm zu modifizieren und beschränkte mich auf Basistechniken: Vorgehen mit Oi-Tsuki Yodan, zurück rückwärts mit Age-Uke und Gyaku-Tsuki. Schon bei dieser Kombination, bei der derselbe Arm zweimal hintereinander aktiv wird, kamen einige der Trainierenden ganz schön ins Schlingern! Als nächstes Chudan-Tsuki, dann rückwärts Soto-Uke, Gyaku-Tsuki. Alles einige Bahnen lang und in der Intensität steigernd. Immer wieder erinnerte ich an die im Rahmen der Aufwärmübung gezeigten Hüft-Impulsübungen.
Nun Kumite: In einer Zweierreihe stellten sich die Trainierenden auf und übten nun Kihon-Ippon-Kumite mit den grade geübten Techniken. Erst die "Türseite", dann die "Spiegelseite". Und immer wieder Partnerwechsel.
Nun variierte ich die Übung leicht: Es war immer noch festgelegt, wer Tori und wer Uke ist. Aber die Übungen erhielten die Nummern 1 und 2. So war Angriff Yodan-Tsuki mit dem entsprechenden Block Age-Uke und Konter Gyaku-Tsuki "1", die Chudan-Kombination war nach meiner Ansage "2" auszuführen.
Anschließend sollten sich beide Partner an der jeweils gegenüber liegenden Hallenseite aufstellen und auf mein Kommando in die Hallenmitte laufen. Derjenige, der jeweisl dran war (Tür- oder Spiegelseite) sollte mit der Nummer, die grade angesagt war, angreifen.
Kleine Abwandlung anschließend: Die Angreifer erhielten die Buchstaben A für Türseite und B für Spiegelseite. Rief ich nun "A1", musste also die Türseite mit Yodan-Tsuki angreifen, der Partner entsprechend blocken/kontern.
Nun wurd`s gemein: beide Partner sollten sich am jeweils gegenüberliegenden Hallenrand mit dem Rücken auf den Boden legen. Dann rief ich die jeweiligen Kommandos und es ging los.
Zweite Vairante: mit dem Bauch auf den Boden - und los!
Nun, kurz vor Ende der Einheit, lagen die Partner auf auf ihren Positionen und ich sagte durch Ausrufen der Nummern jeweils wieder nur die Techniken an - wer zuerst in der Hallenmitte war, konnte angreifen! Hier gab es dann schon ein kleines Chaos: man konnte sich nicht einigen, wer den nun dran war - häufig wurde dann vor lauter Kichern gar keine Technik mehr ausgeführt. Kurzfristig musste ich die Trainierenden dann mal zur Raison rufen: nicht kichern - durchsetzen sollten sie sich!
Dann war aber die offizielle Trainingszeit schon zu Ende!
Denjenigen, die noch bleiben wollten, bot ich dann noch eine "freiwillige" Viertelstunde Krafttraining an.
Nach dem Training diskutierten wir noch in kleiner Runde die Vor- und Nachteile des Trainings in Fitnessstudios. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass ein Fitnessstudio grundsätzlich ganz ok ist - aber beim Karate hat man einfach mehr Spaß ;-))
