Gestern fiel es mir ungewohnt schwer, mich zum Training aufzuraffen. Ich bin immer noch etwas erkältet - nur so unterschwellig zwar, aber als Grund, das Training zu kneifen, würde es für viele Freizeitsportler wohl ausreichen. Dazu noch der permanente Regen - allein bei der Vorstellung, vor und nach dem Training nochmal so richtig schön nass-kalt zu werden, schüttelte es mich. Aber da bot sich mein Mann an, mich hinzubringen und abzuholen (Parken ist nämlich schlecht in Münsters City, vor allem an einem Freitagabend) - und nahm mir damit natürlich eine wichtige Ausrede. Dennoch schwankte ich immer noch zwischen Badewanne und Budosportcenter. Als Meinungsgeber diente dann meine Tochter Franziska, die meine Frage, ob ich denn jetzt zum Karate sollte oder nicht, spontan mit JA entschied.
Diesmal war ich das einzige "Mädchen" im Training. Zumindest bis Viertel vor sieben, als die liebe Sylvie dann noch eintraf. Aber da war das Training ja schon halb um - und ich so manchen Heldentod gestorben!
Eigentlich hatte Sensei Jörg ja "hohe Katas" angekündigt. Es ging aber mit anspruchsvollen Kihon-Kombinationen los, bei denen wir uns je um 45 oder 90 Grad drehen und dann schlagen mussten. War immer froh, wenn ich irgendwie richtig `rauskam....
Anschließend durften wir uns auch direkt mit Partner aufstellen. Ich hatte zunächst Tim vor mir, dessen nagelneuer Gi fast schon provokativ dazu einlud, ihn zu besudeln ;-) Mit Tim übte ich einige Kumitekombinationen, die Sensei Jörg vorgegeben hatte.
Wichtig zunächst immer: Checken, ob der Gegner ein "de-ai-Mann" war, ob er also direkt in den Angriff kontert (und nicht erst NACH dem Angriff). In diesem Fall ist das üblicherweise trainierte Kumite schwierig. Aber zur Beruhigung versicherte uns Trainer Jörg, dass es in Billerbeck voraussichtlich nicht so viele fortgeschrittene Kämpferinnen und Kämpfer geben werde, die ein geschultes Auge haben, welches für de-ai erforderlich ist. Daher also einige Male antäuschen und schauen, ob er oder sie zurückzuckt oder direkt vorkommt. Im ersten Fall ist alles klar. Den zweiten Fall nehmen wir sicher nächste Woche durch ;-)
Wir übten viele mehr oder weniger bekannte Kombinationen, die einem mal mehr, mal weniger lagen. Sehr nett und - zumindest beim Vormachen von Jörg - sehr effektiv: Angriff mit Kizami Chudan. Da rechnet ja keiner so direkt mit, alle haben den Gyaku-Arm im Blick. Dann mögliche Folgetechniken: Gyaku-Tsuki und Uraken.
Auch die immer wieder von Sensei Micha gerne vorgegebene Übung haben wir ausprobiert: Wenn Distanz passt, vorderen Arm des Gegners greifen, sich außen-seitlich einen Schritt vor am Partner vorbeiziehen und Angriff mit Tsuki Jodan. Hat bei mir gestern erstaunlich schlecht geklappt. Ich war nie wirklich dran. Tim hat mich hingegen zwei oder dreimal sehr sauber erwischt.
Sehr anspruchsvoll: Oben antäuschen Kizami und vielleicht noch Gyaku-Tsuki Jodan. Dann "überraschen" mit einem von unten kommenden Mae-Geri und anschließend noch Gyaku-Tsuki. Ich bin beim Mae-Geri mit dem hinteren Bein immer zu langsam. Vielleicht bin ich auch nur gehemmt, weil ich Schiss hab, dass das Bein festgehalten wird oder ich mir die Zehen breche....wie auch immer, Mae-Geri ist nicht "meins" und so fiel dann auch die Übung aus. Nach dem Mae-Geri stand ich immmer so, dass sich automatisch ein Kizami anbot, für einen Gyaku-Tsuki war die andere Hüfte irgendwie immer zu weit weg....naja, vielleicht nochmal üben, aber auf einem Turnier würde ich das jedenfalls nicht ausprobieren.
Das war es dann auch schon an vorgegebenen Kumite-Kombinationen. Anschließend hieß es, "Randori" zu üben. Tim blieb noch bei mir und ich hatte kein allzu schlechtes Gefühl. Es war ein faires, fast gleichwertiges Geben und Nehmen. Sehr gut funktionierten Mehrfach-Kizami-Gyaku-Kombinationen, bei denen ich richtig schön vorpreschen konnte. Ich denke, das werd ich öfter mal ausprobieren.
Das gute Gefühl war dann aber schnell vorbei, als Sensei Jörg mir Daniel-San zuwies. Dieser hatte wohl nen schlechten Tag gehabt ;-) ....oder er hatte die letzte Woche heimlich geübt. Jedenfalls war er um Längen konsequenter, härter und erbarmungsloser als noch letzte Woche! Es lag sicher auch schon allein an seiner Größe und Kraft - aber ich hatte das Gefühl, überhaupt kein Land zu sehen! Mein linker Block-Arm schmerzte bald und trotz meiner Blockversuche bekam ich einige Treffer Jodan ab. Die wachsame Korrekturkontrolle von Jörg fiel dann auch vernichtend für mich aus: Warum blieb ich immer nach dem Angriff stehen? Ich müsste wieder zurück, wieder rausgleiten! Und so ein starker Kontermann wie Daniel - da müsste ich von seitlich angreifen, z. B. mit der oben erwähnten Arm-fass-und-geh-vor-mit-Tsuki-Jodan-Technik! Aber da war es eigentlich schon zu spät! Ich hatte so viele Treffer abbekommen, dass bei mir der Verstand schon abgeschaltet war. MIT Verstand hätte ich vermutlich den Kampf oder die Übung beendet. Aber hier funktionierte nur noch das Rückenmark, unterdrückte so grade noch die aufsteigende Panik - und entsprechend fielen auch die Techniken und die Kampftaktik aus. Es ging nur noch ums Durchhalten und um das möglichst unverletzte, würdevolle Durchziehen der Übung bis zum Yame. Als es dann endlich kam, das Yame, war wohl niemand so froh wie ich! Das war schon echt grenzwertig. Aber eine Frau mit den körperlichen Voraussetzungen Daniels wird mir in Billerbeck vermutlich nicht gegenüberstehen.
Anschließend liefen wir noch ca. 10 Runden Gojoshiho-Dai. Ich kann mich nicht erinnern, diese Kata überhaupt schon mal gelaufen zu sein. Ist ganz schön - aber die Verwechselungsgefahr zur -Dai ist verdammt hoch!
Zum Abschluss konnten wir noch ein wenig ohne Partner unsere "Lieblings-Techniken" ausprobieren, das war - im Vergleich zu dem Kumite-Training - ein echtes "Chill-Out". Und das war auch ganz gut so, denn so konnte ich ein wenig "herunterkommen", bevor ich mich in das luxeriös direkt vor dem Dojo wartende Auto meines Mannes setzen durfte :-))
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

1 Kommentar:
Oss liebe Icky,
sollte ich erwähnen, dass meine GROßE Schwester auch in Billerbeck mit an den Start geht??? :-) Nein, nur Spaß!
Ich freue mich schon auf unser nächstes gemeinsames Training!
Liebe Grüße,
Daniel
Kommentar veröffentlichen