Der Frühling ist da! Ich hatte schon fast nicht mehr dran geglaubt! Und dann steht er plötzlich vor der Tür! Sonne satt und nach einem knackig kalten Morgen ein fast laues Lüftchen am Nachmittag. Da juckte es schon sehr, das Laufen wieder einmal auszuprobieren. Und da ich sowieso eine kleine 5-km-Runde auf meinem Plan hatte, war das ja der ideale Einstieg für das Lauftraining nach dem blöden - ich nenn es jetzt mal - Asthmainfekt. Bis auf zwei kleine Nasenputzerpausen ging es sehr gut, wenn auch langsam, voran. Danach konnte ich nur noch schnell duschen und auch schon los, mit dem Rad zum Dojo.
Trotz des schönen Wetters waren doch 12 Leute in der Oberstufe. Das klingt nicht nach viel, ist aber angesichts der frühen Trainingszeit von 18 Uhr leider fast normal.
Wie immer wärmten wir uns mit Randori auf. Ich hatte die Ehre, Madeleine als Partnerin zu haben. Das 15-jährige Nationalkadermitglied ist echt ein wahres Naturtalent. Aber natürlich sorgen auch ihr unermüdlicher Fleiß und das harte Kadertraining dafür, dass sie immer besser wird. War sie vor einigen Montaten vielleicht noch ein schüchternes junges Mädchen, hab ich als alte Mutti jetzt bald nichts mehr zu lachen, wenn ich ihr gegenüberstehe: Gedrillt auf Treffer und Turniersiege macht sie unglaublichen Eindruck. Ich wollte gerne wieder einige Sachen ausprobieren, die ich im Budosportcenter gelernt hatte. So unter anderem einen Kizaami chudan mit dem vorderen Arm. Total vernachlässigt hatte ich dabei die Kopfdeckung - und wupp, hatte ich Madeleines Faust auf der Nase! Wir haben uns beide sehr erschrocken. Aber es kam kein Blut, blieb keine Schwellung. Vermutlich wäre sie bei einem Turnierkampf disqualifiziert worden. Aber eigentlich war es ein Ippon (also ein Treffer, der punktmäßig schon alleine zum Sieg führt) und schließlich hatte ja ICH nicht aufgepasst! Das gibt zu denken und ich werde jetzt noch mehr an meiner Deckung arbeiten müssen. Ein echter Schwachpunkt!
Nach dem Trainingslager am Wochenende waren dann in der nächsten Trainingsphase alle meine Sensoren so richtig auf ein flexibles Jiju-Ippon-Kumite eingestellt. Ich hatte Heiko als Partner. Gleich die erste Übung hatte es dann auch schon in sich. Es kam mir vor, als habe Sensei Micha genau meinen wunden Punkt getroffen. Wir übten mit Partner (und Kontakt) Ushiro-Geri in den Bauchbereich. Ich wunderte mich über mich selbst - es funktionierte direkt (wenn auch nicht immer!). Selbst der Beinwechsel und das Treten mit der "Schokoladenseite" bereiteten keine größeren Probleme.
Als nächstes stand dann tatsächlich der Halbfreikampf auf dem Programm. Angriff wie immer mit allen erdenklichen Techniken. Block und Konter - nur mit Ushiro-Geri! Das war eine echte Herausforderung. Man hatte sich schon bei dem Block zu überlegen, zu welcher Seite man am Besten rausgeht, damit der Tritt funktioniert und man nicht nur einen Ellebogen oder den Rücken des Partners als Trefferfläche zur Wahl hat.
Als nächstes einige Runden Konter Mae-Geri, was erstaunlich gut funktionierte! Hier gab es jetzt tatsächlich weniger Distanzprobleme als noch vor ein paar Wochen. Der Körper war schon ganz gut darauf programmiert und der Geri saß fast immer sauber.
Dann Yoko-Geri. Das war echt wohl die größte Überraschung! Ich staunte wirklich über mich selbst - was für eine Power dahinter sitzt! Beim Angriff hab ich mich immer noch über meine falsche Fußhaltung geärgert. Aber hier beim Konter, wo man auf einen festen Widerstand traf, fühlte sie sich immer richtig an! Auch bei Heiko klappte der Tritt ganz gut und ich war mir bei uns beiden sicher - hätte man nicht kontrolliert gestoppt, wäre der andere durch die halbe Halle geflogen.
Leider waren wir nicht alle so kontrolliert und so wurde Kathi beim anschließenden Partnerwechsel von einem Violettgurt böse am Rücken im Nierenbereich getroffen. Sie konnte tatsächlich nicht mehr weitertrainieren (und sei es auch nur vor Schreck und dem blöden, demoralisierenden Gefühl, seine Unverwundbarkeit verloren zu haben!). Es war also nicht ohne, was wir da veranstaltet haben und eine gute Körperkontrolle war unerlässlich. Aber ich muss sagen, dass für mich dieses Training eine schöne Überraschung war: Konter nur mit Fußtechniken - und ich habs hinbekommen!
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