...so heißt nicht nur die Hörbuch-CD von Sensei Jörg. Nein, auch sein Training ist häufig eine echte mentale Herausforderung, wenn nicht Grenzerfahrung. In der letzten Woche hatte ich ja wegen des dojointernen Trainingslagers aussetzen müssen. Jetzt ging es aber wieder freitags in meinen "Zweitverein". Das sommerliche Wetter hatte sich weiterentwickelt und wenn ich mich nicht schon durch zwanzig Jahre Kampfsport ausreichend diszipliniert hätte, hätte ich sicherlich meinen Gi nicht eingepackt, sondern mich stattdessen mit einem kühlen Getränk und einem guten Buch auf die Terrasse gesetzt...Aber weil Karateka sowas ja nicht machen, fanden sich insgesamt rund 10 Trainingswillige ein.
Morgens hatte ich noch darauf gewettet, mich nach dem gestrigen Lauf nie wieder bewegen zu können und ernsthaft daran gezweifelt, ob ich am abendlichen Training teilnehmen könnte. Vielleicht war die "erzwungene" Radtour nach Coerde zu meinem Autohaus (PKW nach Reparatur abholen) für die Regeneration ganz hilfreich. Jedenfalls fühlte ich mich, mit dem Rad unterwegs zum Dojo, dann doch ganz gut. Erst beim Dehnen merkte ich dann wieder, dass die Muskeln doch noch ganz schön erschöpft waren.
Diese Woche war Sensei Jörg recht erkältet, hielt sich aber tapfer. Eigentlich Quatsch, dieses ewige "Durchhalten" und "Gegen die Krankheit angehen" - zumindest aus gesundheitlicher Sicht. Und sicherlich ist das auch nicht besonders sozial, die Viren und Bakterien beim Training mit jedem Tsuki und Atemzug weiter zu verteilen...naja, aber so sind wir eben "groß" geworden und es ist sicher auch eine Art der Charakterschule, nicht bei jeder kleinen Schniefnase das Training oder auch z. B. die Arbeit im Job oder Haushalt einzustellen.
Wir starteten mit Partnertraining, Gyaku-Tsuki. Ich hatte Maicel als Partner. Ich machte einfach meine Techniken und sah plötzlich ein Grinsen in Maicels Gesicht: "Du bist aber schnell heute!" ... Und Sensei Jörg raunte mir anerkennend zu:"Ja, da ist sie, die Risto-Hüfte!" Kurz fragte ich mich, was der arme Risto jetzt ohne seine Hüfte machen würde, da war diese einzige Übung, für die ich in dieser Einheit ein Lob bekommen sollte, auch - leider - schon vorbei!
Jetzt ging es weiter mit "realen" Kampfsituationen, bei denen unser "Auge" und unsere Reaktionsfähigkeit geschult werden sollten. So sollte einer der Partner einen aggressiven Kampfgefährten "spielen", der den anderen - ohne Techniken - immer weiter zurückdrängt und "Druck" macht. Der andere sollte zunächst zurückweichen und dann plötzlich kontern. Mann, Mann, Mann, das ging ja gar nicht! Ich fühlte mich total unfähig! Aber ich glaube, das ging fast allen so.
Jörg hatte noch einige solcher Übungen im Programm. So sollten wir z. B. einen Angriff Kizami Jodan mit De-Ai-Mae-Geri stoppen, was mir auch überhaupt nicht gelang!
Diese anspruchsvollen Übungen, bei denen ich an die Grenzen meiner Frustrationstoleranzgrenze kam, wurden dann "aufgelockert" von einigen Runden Randori und auch noch Kata-Vorführungen zu zweit á la Turniervorberitung. Ich übe zwar regelmäßig meine Katas (immer montags, während Franzi rudert) und ich bin ja auch, was Turniere angeht, nicht unerfahren - aber als ich da jetzt so stand und etwas vormachen sollte, da bekam ich doch irgendwie weiche Knie. Das sollte man echt öfter üben, so eine Turniersituation!
Alles in allem hatte Jörg uns ein Training geboten, was der Witterung entsprechend physisch nicht ganz so erschöpfend war - dafür hatte es mich aber mental an meine Grenzen gebracht. Bei der Abschlussmeditation fasste er dann auch noch einmal zusammen:"Nur wenn man das Unmögliche trainiert, kann man das Bestmögliche erreichen." Oss, Sensei!
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