Nach dem ich ja heute nur 850 m schwimmen durfte, hatte ich keine Ausreden parat, um mich vor dem abendlichen Karatetraining zu drücken. Also fuhr ich tapfer mit dem Rad los und kam mit den ersten Gewitter-Regentropfen am Dojo an. Nochmal Glück gehabt!
Seibel machte ein tolles und sehr ausführliches Aufwärmtraining. Natürlich konnte er es sich nicht verkneifen, uns eine Kombination aus Mae-, Mawashi- und Ura-Mawashi-Geri am Partner ausführen zu lassen - zum Aufwärmen, versteht sich! Ich hatte Flo Müller als Partner, einen ehemaligen Kadermann, der es total drauf hat. Wie peinlich war es da doch, dass ich die Schlorken für den Ura-Mawashi nicht ordentlich um die Ecke biegen konnte! Anschließend gabs Kizami-Gyaku-Tsuki mit Block und Konter (immer noch Aufwärmen, is klaaar) und da konnte ich auch wieder ein Wörtchen mitreden.
Michael kam wegen des Unwetters recht spät. Aber dann hatte es das Training noch richtig in sich! Nach ein paar Kihon-Kombinationen sollten wir mit Suri-Ashi vorwärts gleiten, das vordere Bein sollte sich zuerst bewegen. Bei mir klang sofort eine bekannte Stimme aus dem Off:"Weniger als ein Meter vor ist was ganz besonderes." Und: "Der Druck muss aus dem hinteren Bein kommen." Michael erklärte die Bewegung zwar verbal etwas anders - aber letztlich war das alles Risto-Movement! Ach, war das herrlich, dieses Gefühl, dass man ungefähr weiß, worauf es ankommt und gleich alles einigermaßen umsetzen kann! Ich hatte jetzt Albrecht als Partner (Seibel hatte sich nach Michas Ankunft eingereiht und wir mussten daher alle einen aufrücken und erhielten einen neuen Partner). Mir konnte die Distanz gar nicht weit genug sein! Ich stieß mich mit dem hinteren Bein ab und sprang quasi zweimal nach vorne, beim zweiten Aufkommen mit meiner Faust in Albrechts Solar-Plexus! Es war ein reines Vergnügen, so leicht und schnell beinahe vorzufliegen! Wie wird man schneller? Klar, schnellere Atmung! Michael bemängelte vor allem bei den Braungurten zu wenig Tempo und Geschmeidigkeit. Ich beherzigte aber die Atem-Regel von Risto und bei mir hat Micha diesmal auch echt nicht gemeckert! Ach, vielleicht bleibt ja doch etwas hängen vom Risto-Stil, auch wenn ich selten bei ihm trainiere. Letztlich wollen die Trainer ja dasselbe Ergebnis - und es ist einfach toll, wenn sich der Trainingskreis hin und wieder schließt und man spürt: Aha, DARAUF kommts jetzt an! Das ist dasselbe wie bei dem-und-dem Trainer, der hat es nur anders beschrieben!
Am Ende durften wir dann eine Übung wiederholen, die wir vor ein paar Wochen ähnlich schon einmal gemacht hatten: Im hohen Zenkutsu-Dachi stehen und den Oberkörper leicht nach links und rechts drehen, dann hin und wieder locker Tsukis "rausschießen". Das durfte ich dann zu meiner großen Freude wieder an Albrecht ausprobieren - oh Mann, der lebende Sandsack! Der Arme Kerl musste ganz schön was einstecken! Aber da ich weiß, dass sein Hara-Polster nicht nur ausgestopft ist, habe ich kein so schlechtes Gewissen ;-) Die letzten 30 Sekunden durfte ich dann da auch noch Vollgas geben, jeder Tsuki mit Kiai - wow, was für eine Einheit!!!!
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