Samstag, 3. Oktober 2009

Sparkassen Münsterland Giro

Also - den 26er-Schnitt habe ich locker geschafft! Ich hätte mir während der Tour gewünscht, einen guten 30er hinzulegen und es lief auch alles ganz gut. Bis ich nach Sprakel kam! Auf der Strecke zwischen Münsters Vorort und dem Ziel blies uns ein so starker Wind entgegen, dass ich mit Mühe noch 20 km/h fahren konnte! Da ich inzwischen auch schon recht k. o. und mein Wasservorrat erschöpft war, konnte ich keinen Anschluss an eine Gruppe aufnehmen. Als ich dann doch endlich ein Pärchen vor mir hatte, an das ich mich hängen konnte, wäre fast ein Unglück passiert....mehr morgen, sonst nerv ich hier mit der Klapperei der Tastatur....Kurz das Ergebnis laut Garmin Pulsuhr: 77,1 km in 2:35:28 Stunden, Durchschnittspuls 170.

So, weiter im Text. Also, Start war um 11.05 Uhr vor der Halle Münsterland. Ich sollte in Startblock E losfahren. Mann, das war schon echt ein Organisationsaufwand, das ganze Rennen! Alleine die Straßensperrungen im Münsterland! Schon vor der Halle Münsterland war der gesamte Albersloher Weg abgesperrt, die linke Spur stadtauswärts zu Startblöcken umfunktioniert. Man startete dann startblock-alphabetisch, also erst Block A, dann B usw. Ich startete in der vorletzten Gruppe. Die Einteilung schien beliebig, denn wir mussten, anders als beim Triathlon, bei der Anmeldung keine "Bestzeiten" angeben. Das Wetter hielt sich: windig, bewölkt, aber trocken. Während des Rennens kam sogar mal die Sonne durch.

Vor dem Start wurde ich gleich wieder von den um mich herumstehenden Radlern mit einer Mischung aus Mitleid und Respekt belächelt: dass ich mit so einem Museumsstück radeln muss! Einer meinte dann auch mitleidsvoll:"Naja, es zählt ja auch nur das Ankommen." Zumindest beim Start dachte ich auch noch so. Und außerdem ist ja wohl auch entscheidend, wer drauf sitzt ;-) Ein Typ fiel mir wegen seiner ungewöhnlichen Bekleidung auf: Er hatte Radlershorts an, darunter eine lange Sporthose und über die Knie hatte er sich Stulpen gezogen. Ich bekam mit, wie er sich mit einem anderen Radler, der ihn wohl auf die Stulpen angesprochen hatte, unterhielt und von ständigen Problemen mit kalten Knien berichtete. Es war aber auch schwer, bei dem wechselhaften Wetter die richtige Bekleidung zu finden! Ich hatte mich für meine lange Radhose entschieden. Oben trug ich "drunter" mein Giro-T-Shirt und darüber meine Soft-Shell-Jacke von Lidl. Auf der Kanalbrücke merkte ich schon, wie warm es hiermit werden würde. Aber ich habe die Jacke nie bereut, denn mitunter war es doch mächtig windig und wenn ich da mit verschwitztem Oberkörper gefahren wäre, säße ich jetzt sicher nicht hier, um zu schreiben.

Mit leichter Verspätung kam dann auch der Startschuss und unser dicht gedrängtes Fahrerfeld zog mit gedrosseltem Tempo zur Kanalbrücke und drüber. Nachdem das Feld sich gelockert hatte, musste man nicht mehr so aufpassen, mit anderen zu kollidieren und konnte das Tempo etwas anziehen. Wir fuhren Albersloher Weg stadtauswärts, dann links in den Heumannsweg und wieder rechts die Wolbecker Straße weiter auswärts. Dann hab ich mir die Strecke nicht mehr gemerkt, denn jetzt war ich allmählich warm und gab Gas. In Spitzenzeiten war mein Puls auf 180, pendelte sich aber meist im 170er Bereich ein. Am meisten zu schaffen machte wohl allen Radlern der Wind, der uns auf freier Fläche ziemlich doll entgegenblies.

Ich versuchte, mich kleineren Radgruppen anzuschließen, die nicht stärker waren, als vier bis fünf Radler. Einmal fuhr ich in einem größeren Pulk mit, aber da fühlte ich mich nicht so wohl. Regelmäßig zog ich mal an Radlern vorbei und ließ mich natürlich auch reichlich von anderen überholen. Selten kam man mal mit jemandem ins Gespräch. So war da eine Radgruppe, bei der sich eine Frau befand, die fast ganz in weiß fuhr. Hier fuhr ich eine ganze Weile mit. Das war jetzt schon zwischen Telgte und Westbevern. Ich staunte nicht schlecht: Alle Nase lang wurde die Frau von einem ihrer Begleiter gefragt:"Energieriegel?", "Banane?" usw. Das war dann wohl das Team "Essen auf Rädern"? Nach einer Weile bemerkte sie wohl mich im Schlepptau und bot mir - sicherlich lieb gemeint - ein Stück von einem Riegel an. Ich hätte die Regel "iss nichts, was du nicht kennst" beachten sollen - denn sobald ich abbiss musste ich den nach einer Mischung aus Maoam und Müslirigel schmeckenden Riegel fast runterwürgen. Dummerweise war inzwischen meine Nase total verstopft, so dass ich nur durch den Mund gescheit Luft bekam, was mit dem halbverdauten Brei darin natürlich recht schwierig war! Erleichtert nahm ich nach dem Runterschlucken meine Wasserflasche und leerte sie fast in einem Zug. Was ein Fehler war. Denn am Ende der Strecke hätte ich alles für einen Schluck Wasser gegeben!

Es muss um Greven gewesen sein, als mich meine Kraft trotz Energieriegel verließ. Die Gruppe mit der weißen Frau zog weiter und ich versuchte, durchzuhalten. Ich vermisste jetzt den Stulpenradler! Diesen hatte ich auf der ersten Giro-Hälfte immer mal wieder überholt, begleitet oder mich von ihm überholen lassen. Wir hatten uns nicht unterhalten aber es war irgendwie immer schön, einen Fixpunkt zu haben.

Greven war also geschafft, jetzt ging es Richtung Sprakel. Da war die Ortsumgehung. Und dann kam die Hölle! Ab Sprakel-Ortsausgang hatte ich das Gefühl, als wollten die Wettermächte unsere Einfahrt in Münster mit aller Gewalt verhindern: Ein Wind von bisher unbekannter Stärke blies uns entgegen! Ich konnte kaum schneller fahren als 20 km/h und da sich der Abstand zu den vor mir radelnden Fahrern nicht vergrößerte und ich auch nicht großartig überholt wurde, musste dieser Wind wohl allen Fahrern zu schaffen machen! Dazu war ich noch alleine auf weiter Flur, hatte also keine schützende Gruppe um mich herum! Etwa auf der halben Strecke zwischen Sprakel und Münster sah ich vor mir ein Radlerpärchen. Der Startnummer entnahm ich, dass sie in einer Gruppe vor mir gestartet waren, also wohl nicht zu den Schnellsten gehörten. Aber das war mir egal. Ich wollte nur ein kleines bisschen Windschutz! Beim Hinterherfahren dachte ich noch: Die Frau fährt aber dicht auf und fast im selben Moment registrierte ich, wie sie mit ihrem Vorderreifen den Hinterreifen des vor ihr fahrenden Mannes berührte, schlingerte und - stürzte! Ich konnte grade noch vermeiden, mich mitreißen zu lassen. Kurz übelegte ich, ob ich anhalten und helfen müsste, aber aus dem Augenwinkel sah ich, dass sie wohl gleich wieder aufstehen konnte und außerdem war sie ja in Begleitung. Und AUSSERDEM WOLLTE ICH NACH HAUSE!

Jetzt war Münster bald erreicht! Bei der Ortseinfahrt in Kinderhaus waren wir wieder in bebautem Gebiet. Der Wind ließ nach. Ich sammelte nochmal alle Energie. Jetzt war es fast geschafft. Nur noch die Grevener Straße bis zum Ende und dann links. Hier war schon das Germania Campus! Da die Kreuzung zum Ring, endlich ging es links rum und dann noch mal rechts auf die Zielgrade. Ich gab noch mal alles, nur um es endlich geschafft zu haben!

Auf dem Hindenburgplatz war riesig viel los. Hier konnte man seinen Transponder abgeben und auch ein Getränk bekommen. Ich sah den Stulpentypen und fragte ihn, ob er zufrieden sei und wie lange er gebraucht hatte: 2:42 h. Insgeheim freute ich mich: Da war ich mit 2:35 ja sogar einige Minuten schneller gewesen, trotz meines alten Eselchens! Leider konnte ich meinen Getränkegutschein nicht finden! Also nur rasch heim. Auf dem Rückweg kam mir meine Mutter entgegen: Sie hatte wohl noch nicht mit meiner Rückkehr gerechnet und wollte mich im Ziel erwarten.

Daheim stellte ich fest, dass sogar meine Softshelljacke komplett durchgeschwitzt hatte! Sie war so nass, als wäre ich durch den Regen gefahren! Ich checkte per GPS-Pulsmesser mein Durchschnittsergebnis - und war doch jetzt etwas enttäuscht: Nach der ersten Stunde hatte ich noch einen 32er Schnitt gehabt und im Endeffekt war es nur ein 29,5 er....also, einen 30er hätte ich schon gerne jetzt gehabt. Aber "Sprakel" hatte das wohl verhindert! Mein Mann meinte dazu nur:"Tröste Dich: Auf dieser Strecke schaffst Du selbst mit dem Auto keinen 30er Schnitt." ;-)

Aber alles in allem kann ich ja sehr zufrieden sein: Giro geschafft, unverletzt, keine Panne und das Wetter hatte auch gut mitgespielt! Jetzt kann die Winterpause kommen. Mein Trainingsplan hat sich schon darauf eingestellt.

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