Samstag, 6. September 2014

Leid und Freud im Kindertraining

Jede/r, der regelmäßig eine feste Trainingsgruppe betreut, kennt die Tiefen und Höhen des Trainer/innen-Alltags: Es gibt Tage, da hat man sich super vorbereitet, strotzt nur so vor toller Ideen und hat sich schon gut überlegt, wie man sie an den Mann oder die Frau bringen kann - und dann steht statt der erwarteten Gruppe ausgerechnet an diesem Tag eine ganz andere Zusammensetzung im Dojo! Oder man hat überlegt, bestimmte Leute auf eine Prüfung oder einen Wettkampf vorzubereiten - und dann kommen ausgerechnet diese Leute einfach - ohne sich abzumelden - nicht zum Training! Im Kindertraining empfinde ich das noch extremer: Ein talentiertes Kind verkündet plötzlich und unerwartet, dass es keine Lust mehr auf Karate hat oder es flattert für dieses Kind schlichtweg die Abmeldung ins Haus. Oder Kinder eines Wettkampfteams (speziell: Kata Team) kommen nicht zur Vorbereitung. Oder die Kinder sind einfach nach einem langen Schultag oder kurz vor den Ferien so aufgekratzt, dass man das ursprünglich geplante Programm spontan umwerfen muss, um überhaupt noch etwas trainingsähnliches auf die Reihe zu kriegen.

Aber dann gibt es Tage wie heute, an denen alles stimmt! Die kleinen Pandas sind sehr diszipliniert und machen gut mit. Bei den Füchsen sticht ein erst sechs Jahre altes Mädchen mit ihren akkuraten Techniken und ihrem eisernen Willen hervor und in der Tigergruppe haben mit viel Freude neue Kinder angefangen.

Das besondere Highlight war dann aber heute unsere kleine Gruppe in der Wettkampf- und Prüfungsvorbereitung: Leider hatte uns zwar unser kleiner "interner A-Kader" hängen lassen - wie schon weiter oben beschrieben hat ein Junge aus der recht erfolgreichen Wettkampfgruppe uns grade aus Unlust verlassen, ein weiterer verkündete schon letzte Woche, dass er am Turniertag verhindert ist und schließlich kam ein Mädchen, das in einer Woche ihr Wettkampfdebut haben möchte, heute gar nicht zum Training und sagte auch nicht ab. Aber ich hatte ja ein Highlight versprochen und im Grunde waren es für mich persönlich sogar drei Highlights - alle drei Karate-Kids, die ich trainieren durfte waren in den letzten Wochen und Monaten so überdurchschnittlich über sich hinaus gewachsen, dass es mir als Trainerin richtig warm ums Herz wurde!

Wenn man Bewegungstalente unterrichten darf, dann ist das ein ein Geschenk und man fragt sich insgeheim vielleicht, wie man das verdient hat. Aber wenn Kinder, bei denen man anfangs nicht sicher war, ob sie die ersten sechs Monate durchhalten und sie dann plötzlich aus eigenem Antrieb mit eisernem Willen an sich arbeiten und die Gesichter im Training nicht nur vor Anstrengung, sondern auch vor Freude glühen, dann verbuche ich das auf meiner Haben-Seite nicht nur als Geschenk, sondern als einen Verdienst, auf den ich ein kleines bisschen stolz bin.

Drei Karatekinder, die sich aus eigenem Antrieb aus ihrem Anfänger-Kokon geschält haben - das waren heute meine besonderen Sterne am Karatehimmel und dergleichen wünsche ich auch allen anderen Trainer/innen von Herzen!

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