Montag, 27. April 2009

Wenn man mir den kleinen Finger reicht, ....

.....dann weiß ich das künftig sehr zu schätzen! Die Bedeutung des kleinen Fingers erläuterte uns nämlich JKA-Instructor Shihan Anki Takahashi, 8. Dan Shotokan-Karate, bei dem Lehrgang in Freiburg Ende April. "Der kleine Finger ist bei vielen Kampfkünsten sehr wichtig. So wird beim Schwertkampf z. B. das Schwert überwiegend mit dem kleinen Finger gehalten." Anki-Sensei, wie ihn seine Schüler liebevoll nennen, berichtete weiter, dass Mitgliedern der japanischen Mafia "Yakuza" bei einem starken Verstoß gegen die Regeln der "Familie" der kleine Finger abgeschlagen wird. So sind sie nicht mehr in der Lage, stark zu kämpfen. Wir sollten also auch dem kleinen Finger eine besondere Beachtung schenken und das Einrollen der Finger zur Faust mit diesem beginnen - so wird nicht nur die Faust besonders fest, sondern die Stabilität und Stärke überträgt sich auch auf den restlichen Körper.

Diese und andere Nuancen unseres Kampfsports bekamen alle übungswilligen Karateka vermittelt, die sich vom 24. bis 26. April für insgesamt fünf Trainingseinheiten in Freiburg einfanden. Für Shihan Takahashi war uns fast kein Weg zu weit: Neben den Kampfsportlern aus dem ausrichtenden Dojo tummelten sich dort natürlich auch viele Karateka aus dem Umland, aber auch aus Ulm, Mainz, Zürich, München und Münster. Einige Trainingseinheiten wurden für alle Graduierungen gemeinsam abgehalten, andere aber nach Unter- und Oberstufe getrennt.

Shihan Takahashi ist ein unglaublich charismatischer Trainer. Dies mag an seiner jahrzehntelangen Karate-Praxis liegen - oder aber auch in seinem Studium des Zen. Wie auch immer - der Meister korrigierte uns mit einer schier unerschöpflichen Geduld und Aufmerksamkeit. Er nahm sich sehr viel Zeit dafür, möglichst jeden individuell zu korrigieren - was manchmal für den Rest der Trainingsgruppe recht erschöpfend war, wenn man z. B. grade in einer sehr anstrengenden Stellung verharren musste und sehnsüchtig auf die nächste (entlastende) Bewegung wartete!

Jede Trainingseinheit startete mit Tsukis im Stand. Bereits hier wurden wir fortwährend hinsichtlich Fauststellung und Armhaltung korrigiert. Neben Fausttechniken ließ uns der knapp 70-jährige Karate-Meister auch diverse Fußtritte im Stand üben, was wahrlich nicht immer einfach war - vor allem der Mawashi-Geri und der Yoko-Geri-Kekomi brachten den ein- oder anderen Karateka mächtig ins Schwanken! Beeindruckend wendig und geschmeidig wie eine Raubkatze machte hingegen unser Lehrmeister die Übungen vor.

Als zweite, ebenfalls äußerst fordernde Trainingsphase, die so manchen von uns sicherlich an die Grenze der Belastbarkeit brachte, schloss sich jeweils klassisches Kihon-Training an. Hier bekamen wir vom Weißgurt bis zum hohen Danträger weitere wertvolle Korrekturvorschläge.

Statt sich in die bunte Schar der Jogger an dem Freiburger Flüsschen Dreisam, welches fast unmittelbar an der Trainingshalle vorbeifloss, einzureihen, bestand unser nächster "Ausdauer"-Teil des Trainings in einer schier unendlichen Anzahl von Gohon- und Sanbon-Kumite-Bahnen. Je zweimal pro Partner und Angriffseite griffen wir Tsuki Jodan und Chudan an, blockten und konterten, was das Zeug hielt. Drohte die Konzentration vor Erschöpfung oder rasendem Puls nachzulassen, hieß es: Partnerwechsel und die Umstellung schärfte sofort wieder die Sinne, ließ keine Entspannung zu. Anki-Sensei ließ uns aber nicht nur Kumite á la Prüfungsprogramm laufen, sondern schlug auch unkonventionelle Kihon-Kumite-Kombinationen vor, die unser Koordinationsvermögen auf die Probe stellten: Angriff mit Mae-Geri, hinten absetzen und mit Mawashi-Geri, vorne absetzen, Uraken und Gyaku-Tsuki. Uke blockt mit Gedan-Barei/Tai-Sabaki nach rechts und geht anschließend quasi in den Mawashi-Geri hinein bzw. seitlich daran vorbei und bringt Tori, ihn mit der Handkante vor die Brust schlagend, aus dem Gleichgewicht.

So mancher blaue Fleck führt allerdings vermutlich auch von einer die ein- oder andere Einheit abschließenden Freikampfrunden, die meiner Meinung nach ruhig etwas länger hätten ausfallen dürfen.

Fast wäre der Wunsch meiner Freundin Heide in Erfüllung gegangen, die nach einer längeren Trainingsabstinenz erstmals wieder einen Karate-Lehrgang besuchte: Bitte keine eventuell inzwischen vergessenen Kata-Abfolgen! Außer der Taikyoku-Shodan wurden wir von einem weiteren Kata-Training verschont - bis Sonntagmittag. Da gab es dann für die Oberstufe doch noch Tekki Shodan, Kanku Dai und -Sho. Auch hier gab uns der Sensei wertvolle Hinweise zu den einzelnen Techniken, sah aber gnädig über ein eventuelles "Verlaufen" hinweg.

Abgesehen von einer anfangs etwas spärlichen Hallenbeschilderung hatte das Orga-Team des Freiburger Dojos eine tolle Arbeit geleistet. Schon der Tipp auf der Ausschreibung, in der örtlichen Jugendherberge zu nächtigen, war goldwert! Zwischen den Einheiten wurden wir mit Speisen und Getränken vor der totalen Erschöpfung bewahrt und abends ging es gemeinsam in urige Freiburger Lokale, um einander näher kennen zu lernen, neue Kontakte zu knüpfen und Verabredungen zu treffen für Kata Spezial, Gasshuku oder den nächsten Takahashi-Lehrgang in Freiburg!

Bahnfahren

Am Wochenende bin ich nach Freiburg und zurück gefahren. Auf dem Hinweg fuhr ich mit einem Schweizer EC. Es gab wohl einen "Unfall mit Personenschaden am Gleis zwischen Duisburg und Düsseldorf" und danach eine Verspätung von 45 Minuten (die dann letztlich auf 30 Minuten geschmolzen ist). Für mich war klar - ich hätte den Anschluss-ICE verpasst. Das wäre schade gewesen, da mir doch der Komfort des ICE im Vergleich zu dem des rappeligen Schweizer EC lieber gewesen wäre. Der EC fuhr aber auch bis zu meinem Zielort Freiburg durch und so trug ichs mit Fassung. Wie das Schicksal es so wollte, hatte dann auch der ICE dieselbe Verspätung und ich konnte doch noch passend umsteigen!

Auf dem Rückweg saß ich wieder im EC und hatte keine Umstiegmöglichkeit. Also volle sechs Stunden "Rappelkiste". Eigentlich ist der EC mit dem deutschen IC vergleichbar aber wenn man das fast lautlose Schweben des ICE gewohnt ist....also ich kam mir vor allem an meinem Sitzplatz vor wie in einem südländischen Verkehrsmittel: Vor, neben mir und schräg gegenüber ältere Frauen, deren Deo allmählich versagte. Eine von ihnen hatte noch eine Katze dabei, die permanent gequält miaute und die Frau mir gegenüber hatte einen permanenten Hustenreiz (für den sie sicher nichts konnte, die Arme, aber nerven tats trotzdem). Die Enge war beklemmend: Meine Zeitung musste ich umständlich falten, bevor ich sie lesen konnte und ich wagte kaum, mal an meinen Rucksack zu langen, um etwas zu trinken rauszuholen, weil ich meine Nachbarin nicht fortwährend anstupsen wollte. Mein Gegenüber las in der Bild der Frau grade einen Artikel zu dem Thema "Gewichtsprüfung beim Hamster?", als ich dachte: Das halte ich jetzt nicht mehr aus! Ich brauch jetzt hier ne Auszeit - wo ist das Zugrestaurant?

Ich lief zwei Waggons weiter, zu Wagen 260, in dem sich das Bistro befinden sollte. Vor der letzten Tür stutzte ich - war hier der Zug zuende? Sah so komisch aus....zum Glück täuschte aber der erste Eindruck. Vielleicht hatten mehrere Leute, wie ich beinahe auch, vor dem Ziel kehrt gemacht - jedenfalls war das Bistro dann eine volle Entschädigung für Omis, Katzen und Hamster: purer Luxus mit (Kunst?-)Ledersitzen und viiiiiel Platz. Dazu ein Schweizer Kellner, bei dem ich nicht richtig einschätzen konnte, ob sein Verhalten genervt war oder ob er komödiantische Einlagen bot und uns auf den Arm nahm mit seinen empörten Bemerkungen, z. B. dazu, ob wir tatsächlich schon zahlen wollten o. ä.

Irgendwann am Rhein setzte sich eine Frau zu mir an den Tisch und wir begannen ein nettes Gespräch. Wir quatschten sicher ne Stunde lang und es war total interessant! Da fiel mir doch glatt das Gespräch mit der Frau ein, die ich auf der Fahrt nach München Ende Januar kennengelernt hatte - Katharina, die Zen-Meisterin, die ich ja tatsächlich anschließend in Bottrop besucht hatte! Beide Frauen total interessant und beide in etwas im selben Alter, so Ende 50, Anfang 60. Ich fragte mich kurz, warum ich nur mit älteren Menschen im Zug ins Gespräch kam - aber die Lösung fiel mir dann sofort ein, als ich wieder zu meinem Platz kam: Die Omis waren nebst Haustieren verschwunden und die "Besetzung" hatte sich während meines Bistro-Besuchs um 30 Jahre verjüngt. Mir frontal sowie schräg gegenüber und neben mir saßen Leute in meinem Alter und etwas jünger - und alle hatten einen "Knopf im Ohr" und sich so von der Außenwelt abgeschottet. Jeder blieb in seiner Welt und in seinen Gedanken - kein Wunsch zur Kommunikation. Schade, sie wissen nicht, was sie verpassen....

Sonntag, 19. April 2009

Mein erster Zehner!!!

Heute war mein erster 10-Kilometer-Lauf. Ich war gleich früh um 9 vor Ort und hab meine Startnummer abgeholt. Der Lauf fand direkt um die Ecke am Allwetterzoo statt, so dass es für mich quasi ein "Heimspiel" war :-)

Als ich dann kurz vor dem Lauf wieder vor Ort war, sah ich einige Bekannte - längst aber nicht soviele wie beim Active-Firmenlauf. Ich hatte die Nummer 244 und hielt mich beim Start im Mittelfeld der Starter auf. Es ging gemächlich los, vom Sportplatz Richtung Aasee, dann rechts rum, am Mühlenhof vorbei. Hier hatte ich plötzlich keine Lust mehr - ich HASSTE Laufen! Zum Glück war Marcel vom Karate neben mir und war entsetzt, als ich ihm zuquengelte, dass ich jetzt "nach Hause" wollte! Ich sollte mich gefälligst so verhalten wie beim Karate und KÄMPFEN! Puh,...das ist mir aber beim Karate lieber. Bald sah ich eine Frau vor mir, die in etwa meine Statur hatte, also keine typische Läuferfigur, sondern eher wie ich "quadratisch, praktisch, gut." Sie hatte eine hohe Schrittfrequenz und war ein ganz kleines Bisschen schneller als ich. Ich heftete mich unbemerkt an ihre Fersen und schleppte mich so durch die nächsten beiden Kilometer. Kurz vor dem Sportplatz, also nach ca. 4 Kilometern Lauf, stoppte sie plötzlich, um ihren Schuh zuzumachen. Ich also an ihr vorbei und auf das Sportplatzgelände. Dort sah ich bald die Zeitanzeige, die mir doch glatt kurz vor Ende der ersten Hälfte eine Zeit von 00:28:31 oder so anzeigte! Mann, sollte ich es doch UNTER einer Stunde schaffen??? Zum ersten Mal wurde eine schwache Hoffnung wach. Und plötzlich, kurz nach dem Erfrischungswasser, das uns an der Strecke gereicht wurde, war die Frau wieder da. "Ach, da bist Du ja wieder!", rief ich ihr erfreut zu! Sie war sehr überrascht - hatte sie doch gar nichts von ihrem "Schatten" mitbekommen. Jetzt ließ ich mich wieder von ihr ziehen und wir zogen an ein paar Läufern vorbei, ließen auch einige an uns vorbeilaufen. Irgendwann am Aaseeberg merkte ich, wie bei mir plötzlich ein Schalter umgeschaltet wurde! Das ist bei mir so eine magische Grenze, so nach ca. 40 Minuten Laufen. Mein Kopf wurde frei, die Bewegungen leicht und irgendwelche Glückshormone wurden anscheinend durch meine Adern gespült! Meine "Heldin" machte dagegen schlapp und ich ließ auch sie hinter mir. Ich ging plötzlich ab wie nix und die Meter schmolzen und schmolzen! Als ich sah, dass ich nur noch einen Kilometer zu laufen hatte, gab ich nochmal richtig Gas! Da! - Die Zeitanzeige! 00:56:irgendwas! Irre! Jetzt ging es nur noch runter zur 400-Meter-Bahn! Hier konnte ich noch tatsächlich einen zünftigen Endspurt hinlegen! Der Typ, der grade versucht hatte, mich noch zu überholen, gab dies auf. Vor mir waren noch zwei Frauen, die vom Rasen aus angefeuert wurden. Die Anfeuerung bezog ich aber glatt auch auf mich - und zog noch kurz vor dem Ziel an beiden Frauen vorbei. Wahnsinn! 00:56:55! Platz 245 von 315 ist sicher keine Glanzleistung - aber in meiner Altersklasse war ich immerhin 16. von 26.

Also - Laufen wird sicher nie meine Leidenschaft werden. Aber wenn es mal so gut "läuft", macht es tatsächlich Spaß! :-)

Donnerstag, 16. April 2009

Heute Radfahren und Laufen


Gestern hatte ich es anders herum ausprobiert: Erst eine Dreiviertelstunde Kata als Turniervorbereitung geübt und dann 5 km schnell gelaufen. Mann, Mann, Mann, ich glaube, die Spaziergänger am Kanal waren drauf und dran, den Notarzt zu rufen, so rot sah ich aus im Gesicht! Es war aber auch zuuu heiß! Die Katas waren so leidlich und der Lauf, naja, ... schnell war ich wohl - WIE schnell kann ich leider wieder nicht sagen, weil die Pulsuhr nicht richtig anzeigte...so ein Sch... Naja, heute soll angeblich für eine Weile der letzte schöne Tag sein. Darum will ich mal mein Rennradl satteln und anschließend wieder die Laufschuhe schnüren....mal sehen, wie es mir heute ergeht bei der Hitze. Morgen werde ich mich ganz auf das Karatetraining konzentrieren, Samstag schwimmen und Sonntag ist der 10-km-Lauf rund um den Allwetterzoo. Mein erster Zehner!!! Oha!

Montag, 13. April 2009

Faust mit den Kids

Das war ein echt gelungenes Osterfest (und es ist ja noch nicht vorbei): erst die schöne Tour durch Kinderhaus am Samstag, dann gestern erst Eiersuchen, ein schönes Frühstück und dann ein schöner Spaziergang mit den Kids am Kanal (Schleuse). Schließlich noch Oma und Opa zum Kaffee und dann .... hatte ich die Großen mal gefragt, ob sie nicht Lust hätten, mit mir zusammen den Faust (Teil I) anzusehen. Am Ostersonntag sollte nämlich die Wiederaufnahme in den neuen Spielplan beginnen. Franzi war natürlich sofort begeistert, Felix schwankte etwas. Dann kam er aber doch mit.

Das Theater war trotz des Feiertags fast ausverkauft. Naja, die oberen Ränge, auf denen auch wir mit unseren 5-Euro-Tickets saßen, hatten noch etwas Luft - aber ansonsten war echt gut was los. Natürlich waren meine Kids mit die Jüngsten und kurz beschlichen mich doch Zweifel, ob das eine gute Idee war, sie mitzunehmen. Wären sie nicht doch überfordert?

Wir fanden unsere Plätze schnell: ganz oben, rechts außen. Mit Frank hatte ich beim ersten Ansehen der Vorstellung auf der anderen Seite gesessen. Jetzt also alles aus einer anderen Perspektive - ich war gespannt.

Das Stück hat für Nicht-Kenner eindeutige Längen am Anfang, wo die Zerrissenheit und die Suche des Faust nach dem, "was die Welt im Innersten zusammenhält" erklärt wird. Hier musste ich den Kids das Ein- oder Andere erklären. Die beiden hatten doch auch einige Probleme mit der Versform. Das hat mich allerdings etwas gewundert, denn Gedichte wie Der Zauberlehrling sind ihnen schon vertraut.

Felix baute dann bereits nach einer Viertelstunde ab, turnte beängstigend auf der Ballustrade herum und meinte fortwährend, er müsste jetzt zur Toilette oder einmal so im Treppenhaus herumlaufen. Eine Weile lang konnte ich ihn dazu bewegen, zu bleiben. Aber nach eineinhalb Stunden ließ ich ihn dann laufen. Da wäre ja auch ein normaler Kinofilm zuende gewesen. Kurz vor der Pause kam er dann wieder zu uns (ich hätte gewettet, er würde im Foyer auf uns warten). Er versicherte, in der Pause heimfahren zu wollen (das hatten wir so abgesprochen für den Fall, dass es den Kindern nicht gefällt und das kann man sich ja bei den billigen Eintrittskarten auch durchaus herausnehmen). Wir besprachen dann schon einmal leise, wie wir das mit dem Fahrradschloss regeln würden (er hatte die Kinderräder mit seinem Schloss versehen). Dann fragte ich ihn, ob es Sinn machen würde, ihn mit dem Kauf einer Laugenbrezel in der Pause zu "bestechen" und er sagte doch tatsächlich mit leuchtenden Augen "Ja"! Das hätte ich nicht gedacht, dass ich ihn so leicht rumkriege ;-) Aber ich glaube auch, er wollte sich nicht die Blöße geben und alleine vorzeitig nach Hause fahren. Franzi hatte nämlich zunehmend Gefallen am Stück gefunden.

In der Pause fielen die Kids natürlich erstmal über die Schälchen mit dem Gratis-Kabberzeug her, das in dem Gastronomiebereich auf den Tischen stand. Es war mir einerseits ein bischen peinlich, wie sie da so durch die Räume pflügten und die Tische plünderten - andererseits wiesen sie mich auch empört darauf hin, dass ein kleines Glas stilles (!) Wasser 2,50 Euro kosten würde. Da war mein Gewissen dann wieder beruhigt. Zum Glück hatte ich in meinem kleinen Rucksack zwei kleine Flaschen Wasser hereingeschmuggelt ;-)

Die Zweite "Halbzeit" dauerte dann nur noch eine knappe Stunde. Ich konnte Felix schon gleich nach der Pause beruhigen, dass thematisch nicht mehr viel kommt. Die Tatsache, dass ich recht "faustfest" bin und auch diese Inszenierung schon kannte, kam mir hier am Schluss doch zugute: Grade die Tatsache, dass Gretchen erst ihre Mutter umbringt um sich mit Faust zu vergnügen, dass sie schwanger wird, dass ihr Bruder heimkommt und von ihren Schandtaten gehört hatte, schließlich, dass sie ihr Kind getötet hat und deshalb selber zum Tode verurteilt wurde - das muss man wissen, sonst erkennt man es nicht. Hier wurde viel mit Symbolen gearbeitet. Der Tod der Mutter wird durch einen Gospelchor angedeutet, der singt: Sometimes I feel like a motherless child. Da muss man erst mal drauf kommen. Naja, aber das konnte ich alles den beiden Großen erklären und grade Franziska hat es super aufgenommen.

Nicht nur für Felix kam dann unser persönliches Highlight der Aufführung kurz vor Schluss. Franzi stupste mich plötzlich mit großen Augen an und wies zu meiner Linken - und da stand er plötzlich, nur eine Armlänge voraus, direkt in unserer Loge: der Leibhaftige! Tatsächlich erinnerte ich mich plötzlich, dass der Teufel ja Faustens Seele am Ende des Stückes einfordert - und zwar von einem Balkon aus. Tja und das war eben UNSER Balkon! Die Kids waren natürlich ehrfürchtig erstarrt und auch Felix fiel das Stillsitzen plötzlich für die letzten Minuten gar nicht mehr schwer ;-)

Ich glaube, das Stück hat einigen Eindruck bei den Kids hinterlassen. Ich hatte ihnen schon zu Beginn gesagt, dass es nicht wichtig ist, jedes Wort zu verstehen. Es reicht, wenn man die Zusammenhänge begreift und vor allem auch die schönen Verse einfach mal auf sich wirken läßt. Besonders die letzten Musikstücke waren den Kids auch bekannt (z. B. Highway to Hell von ACDC), da kam schon echt Begeisterung über. Sprichwörter, die uns auch oft im Alltag begegnen wie "Das also ist des Pudels Kern" oder die berühmte "Gretchenfrage" konnten hier erklärt werden. Franzi stellte viele kluge Fragen, z. B., ob der Faust schon von Anfang an böse sei. Ich sagte erst "eigentlich nicht, er ist nur auf der Suche nach etwas wie dem Sinn des Lebens". "Ja, aber im Stück heißt es doch: Du suchst den Geist, der dir am meisten gleicht. Also muss er dem Teufel doch auch da schon ähnlich gewesen sein." Tja, da kam ich dann auch ins Grübeln. Vielleicht tragen wir einfach alle schon etwas mephistophelisches in uns - und so sympatisch wie der alte Schelm überkam, finden wir uns in ihm wohl auch gerne wieder ;-)

Wie ich es schon geahnt hatte, ist dieses Stück ein toller Einstieg für Jugendliche in die Welt des Theaters der Klassiker. In jedem Fall war es ein gelungener Abend mal abseits von "Schloss Einstein", "Spongebob Schwammkopf" und co.

Samstag, 11. April 2009

Zweimal Kinderhaus

Heute stand der Münsteraner Stadtteil Kinderhaus wohl im Mittelpunkt meiner Freizeitgestaltung! Ich hatte ja noch mein Schwimmpensum (insgesamt 1,8 km) zu absolvieren. Gestern, an Karfreitag, hatten die Bäder alle geschlossen, ebenso morgen, Ostersonntag. Also rechnete ich schon mit einem vollen Becken. Vorher kurz die Erinnerung: Ich hatte kein Auto - also schnell das Rennrad aus dem Schuppen geholt, die Radhose an und den Rucksack geschultert. Es waren dann auch nur knappe sechs Kilometer bis zum Bad - da hätte ich mich wieder einmal verschätzt und es doch für weiter weg gehalten! So allmählich wird die Stadt für mich immer "kleiner". Einmal deshalb, weil man merkt, wie kurz die Distanzen doch in Wirklichkeit sind und zweitens darum, weil man alles mal selber erläuft oder per Fahrrad "erfährt" - dadurch wird die Gegend irgendwie "griffiger", man steckt die Lokalitäten mal eben so "in die Tasche" ;-)

Im Becken dann das volle Programm: Zwei "Schnellschwimmer", davon einer mit irgendwelchem Equipment für die Hände, viele "Normalos" und natürlich die obligatorsiche Rückenschwimmfraktion, die im geschätzten letzten Lebensviertel meint, sie hätte ein Vorrecht auf die Beckenbreite - echt ätztend und viel Geduld erfordernd! Ich reihte mich an der rechten Seite bei den Schnelleren ein und wir arrangierten uns ganz gut. Wie das meistens so ist, wurde dann auch irgendwann schlagartig, als hätten sich alle auf einen Kaffee bei der Konditorei nebenan verabredet, das Bad fast leer.

Statt mich einsam zu fühlen, schwamm ich artig mein volles Pensum ab: 200 m zum Einschwimmen, dann auf Zeit 200 m, dann 300, 500 und schließlich 600 m. Bei den ersten, kürzeren Distanzen war ich weit unter der geforderten Zeit, die längeren Zeiten schaffte ich dann zwar unter der vorgegebenen Zeitlimits, viel Spielraum war aber nicht.

Der Weg zurück auf dem Fahrrad konnte vielleicht schon ein Vorgeschmack auf die Kombination für den Triathlon sein. Hätte ich mehr Zeit gehabt, wär ich auch gern länger gefahren. Es ging auf jeden Fall sehr gut und entspannt.

Anschließend machte ich die Mädels und die Oma flott und wir fuhren mit Fahrrädern - nach Kinderhaus! Kam mir doch irgendwie bekannt vor ;-) Ich hatte einen wunderschönen Umweg über Gievenbeck Nienberge und Gasselstiege gewählt. In Kinderhaus wurden wir dann durch den "Osterbummel" (ein Preisausschreiben mit vielen Fragen um Kinderhaus aus der Tageszeitung) an weitere unglaublich lauschige Orte und Plätze in und an Kinderhaus geführt! Unglaublich, wie nah an den sozialen Brennpunkten Brüningheide und Sprickmannstraße sich doch die idyllischsten Fleckchen und beschaulichen Wohngegenden reihten. Es war wirklich für alle eine ganz tolle Radtour, was nicht nur an dem superschönen Sommerwetter lag. Ein Eis auf die Hand versüßte dann schließlich den Mädels die Fahrt bevor es wieder heimwärts ging - selbstverständlich abseits der Hauptstraßen und nur über schönste Wege ... ;-)

Freitag, 10. April 2009

Neue Strecke!

Nachdem ich heute mit Kind und Oma zu Hürländer geradelt bin, um dort Minigolf zu spielen und anschließend eine schöne Runde Richtung Roxel und dann zurück nach Gievenbeck/Sentruper Höhe fuhr, beschloss ich, dieselbe Runde anschließend zu laufen. Eine superschöne Strecke! Erst geht es lauschig und schattig am Gievenbach entlang. Dann kommt zunächst eine nicht so schöne Strecke am Rüschhausweg. Kurz vor Hürländer kommt die Autobahnbrücke und dann geht es links ab und bei Hürländer vorbei. Jetzt wirds wieder schön: Zwar ist der Weg durchgehend asphaltiert, aber sehr, sehr schön und ländlich! Die Straße macht einen starken Linksknick und von ferne kann man schon die Kirche von Roxel sehen. Vorher gehts aber wieder links ab Richtung Gievenbeck. Hier wird es nach nochmaligem Überqueren des Autobahn noch ländlicher und es gibt sogar ein Feldwegambiente. Schließlich ist man dann am Ramertsweg und es geht über die Roxeler Straße Richtung heimatlicher Wäldchen. Hier bin ich dann noch eine Extrarunde durch die Wälder gelaufen und über die Kasti zurück. Es waren wohl geschätzte 13 km, für die ich knappe eineinhalb Stunden gebraucht habe. Mein Pulsmesser zeigte dann allerdings nur enttäuschende 8 km an und meinte, ich wäre durchschnittlich 2,3 km/h gelaufen. Na, Dir werd ichs zeigen, Pulsmesser! Das war zwar kein 10-er Schnitt aber sicher ein Achter. Und so komm ich auf knapp 13 km. Irgendwie hätte ich gedacht, die Strecke wäre länger. Muss ich mal mit dem Rennrad und mit Tacho abfahren...Morgen gehts Schwimmen. Habe leider kein Auto....fahre ich dann mit dem Rennrad nach Kinderhaus??? Eigentlich haben wir sowieso morgen eine Radtour nach Kinderhaus geplant....naja, mal schauen.