Montag, 21. November 2011

Kumite-Lehrgang mit Detlef Krüger beim SKDM

Am 19. und 20.11.2011 fand bereits zum zweiten Mal ein Kumite-Lehrgang mit Sensei Detlef Krüger im Shotokan-Karate-Dojo Münster statt.  Insgesamt ließen sich diesmal rund 50 Karateka von Detlefs Kumite-Programm begeistern, darunter zahlreiche auswärtige Gäste. Die Karateka der Unterstufe hatten sich im Vorfeld offenbar etwas vom Begriff Kumite abschrecken lassen, denn leider fanden sich in der Gruppe der Weiß- bis Grüngurte nur jeweils 10 bis 15 Karateka ein. Das hatte natürlich den wertvollen Nebeneffekt eines besonders intensiven Trainings. So konnte Sensei Detlef mit der Unterstufe recht komplexe Bewegungsmuster zur Distanzüberwindung im Freikampf üben: Gyaku-Tsuki mit Suri-Ashi am Partner und an der Pratze standen auf dem Programm. Fest steht, dass die gesamte Unterstufe restlos begeistert war von Detlefs Training.

In der Oberstufe standen am Samstag Kumite-Kombinationen auf dem Programm. In der ersten Einheit ging es rund um den Mae-Geri, und zwar immer nach dem Motto "Gyaku-Tsuki, Mae-Geri, Oi-Tsuki" - wobei wir hier drei verschiedene Versionen übten: den Oi-Tsuki MIT dem Absetzen bzw. VOR dem Absetzen oder NACH dem Absetzen des tretenden Fußes. Auch die Verteidigung und der Block wurden intensiv geübt: nur einen ganzen Schritt zurück, oder zusätzlich mit Suri-Ashi und als dritte Variante zusätzlich mit einem Doppel-Suri-Ashi. Obwohl es sich nicht um allzu komplizierte Kombinationen und ausgefallene Techniken handelte, stellten die Übungsvorgaben in der Kombination doch eine grosse Herausforderung dar. Ebenso komplex gestaltete Detlef das Nachmittagsprogramm der Oberstufe: dreifacher Angriff mit Fausttechniken und Vorwärtsbewegungen bzw. dem entsprechenden Blocken und Zurückgleiten des Abwehrenden. Hier die Füße und Arme richtig zu koordinieren gelang nicht immer auf Anhieb. Am Ende der zweiten Einheit hieß es für die Oberstufe: "zurück zu den Anfängen"! Und wir durften die Taikyoko Shodan in verschiedenen Versionen laufen: erst "grundschulmäßig", dann in Kamae und schließlich mit Oi-Tsuki-Gyaku-und Kizami-Tsuki-Kombinationen. Insgesamt war es ein sehr lehrreicher, anstrengender und Lust auf mehr machender erster Trainingstag, abgerundet durch einige Saunagänge und ein gutes Abendessen in geselliger Runde. 

Einige der auswärtigen Gäste mussten leider bereits nach dem ersten Trainingstag abreisen, so dass sich an Tag zwei nur noch 14 Karateka in der Oberstufe einfanden. Aber das Training in einer kleineren Gruppe hat natürlich auch seine Vorteile: Detlef nutzte das Mehr an Platz für eine ausgiebige Einführung in das Okuri-Kumite - Angriff-Abwehr (Konter) -neuer Angriff vom ersten Angreifer. Wir übten dies in verschiedenen Varianten. Zu Beginn war die erste Angriffstechnik bekannt (Kizami-Tsuki, Gyaku-Tsuki, Mae-Geri, Yoko-Geri und schließlich Ushrio-Geri) und die zweite Technik des Angfeifers frei. Später wurde dann ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und "Auge" von uns verlangt, als die Übung quasi "Ura" ausgeführt werden sollte: Die erste Technik konnte Tori sich beliebig aussuchen. Uke musste "ahnen", was kommt und möglichst korrekt blocken. Als Folgetechnik kamen von Tori die vorgegebenen Techniken in der oben angegebenen Reihenfolge und wurden dann von Uke erneut geblockt und schließlich gekontert. Die Schwiergigkeit bestand für Uke darin, den ersten Angriff zu erkennen und entsprechend zu blocken und für Tori, sich für den zweiten Angriff (den vorgegebenen) in eine günstige Position zu bringen. Das ging dann noch ganz schön drunter und drüber und bedarf wohl noch einiger Übung in weiteren Trainingseinheiten.... :-)

Detlef hat uns bei diesem Lehrgang durch das didaktisch hervorragend vorbereitete Programm viele neue Trainingsimpulse gegeben. Vielen Dank, Detlef, für das tolle Training und wir freuen uns schon auf den nächsten Lehrgang in Herbst 2012 bei uns im Dojo! 
Andrea Haeusler und Torsten Uhlemann, Shotokan-Karate-Dojo Müntster

Freitag, 11. November 2011

Segeln, Sonne, Shotokan - der etwas andere Vereinsausflug des SKDM!

Das Shotokan-Karate-Dojo Münster, mit derzeit knapp 360 Mitgliedern, blickt inzwischen auf eine über vierzigjährige Vereinsgeschichte zurück. Ein stolzes Alter für einen Karateverein - aber irgendwie sind im Laufe der Zeit auch die Mitglieder mit dem Verein "erwachsen" geworden: Die ganz wilden Zeiten scheinen irgendwie vorbei zu sein, man wird ruhiger....

Was hatte es in der Vergangenheit zum Beispiel für geniale Vereinsfahrten gegeben! Die Touren zum Zelten nach Ameland sind unvergessen und auch der Lago Maggiore lockte die Karateka des Vereins einige Male in die Ferne. Seit einigen Jahren war es allerdings still geworden im Münsteraner "Karate-Reisebüro". Schade, eigentlich! Um jetzt mal wieder etwas frischen Wind in die Vereins-Reisetätigkeiten zu bringen, beschlossen Vorstand und Mitglieder auf der letzten Hauptversammlung, eine neue Dojofahrt für 2011 zu planen. "Frischer Wind"? Hey, ganz zufällig hat Iris Breig, ein relativ neues Vereinsmitglied, sehr gute Beziehungen zur Segel-Szene. Also wurde kurzer Hand der nostalgische Dreimaster "Ambiance" geentert und mit Skipper Sven und Matrosin Stine eine kleine Service-Crew angeheuert.

Insgesamt 16 Münsteraner Karatekas machten sich dann am ersten Oktoberwochenende auf den Weg nach Lelystad (NL), um an Bord zu gehen. Vier Tage lang genoss man das goldene Herbstwetter auf dem Ijsselmeer. Die Karatekas lagen aber keineswegs nur auf der faulen Haut - vielmehr mussten sie selber unter fachkundiger Anleitung Segel setzen und auch in der Kajüte das Essen zubereiten. Dies war aber alles so gut durchorganisiert, dass noch viel Zeit blieb, um zu baden, an Deck die Sonne zu genießen und es soll auch das ein- oder andere Bier getrunken worden sein.

Selbstverständlich wurde auch Karate trainiert: Eine Trainigseinheit fand am Ufer einer traumhaften kleinen Bucht statt: Hier wurden die blütenweißen Gis mit grünen Flecken überzogen, denn es standen zahlreiche Wurf- und Fallübungen auf dem Programm. Die erschöpften Karatekas stärkten sich anschließend mit reichlich Grillgut. Glücklicher Weise musste die übliche Hafenruhe hier in der freien Natur nicht eingehalten werden, so dass noch bis in die späte Nacht hinein gefeiert werden konnte. Ein Training der ganz anderen Art gab es dann beim Landgang in dem beschaulichen Städtchen Enkhuizen: Auf einer offenbar auch als Hundeklo genutzten Wiese direkt vor der Kirche wurde nach einem ausgiebigen Aufwärmtraining Karate trainiert. Wegen der unmittelbaren Nähe zur religiösen Institution waren die Trainierenden aufgerufen, ausnahmsweise auch die starken Techniken ohne Kiai auszuführen. Im Eifer des Gefechts soll dies aber oft schief gegangen sein - was dann mit Liegestützen geahndet wurde. Kein Problem, normaler Weise .... allerdings soll die ein- oder andere Karateka-Nase hierbei beinahe unmittelbaren Kontakt mit den Hinterlassenschaften der lokalen Hundeszene bekommen haben ;-) 

Zurück auf dem Schiff erholte sich die Mannschaft dann wieder beim Esssen, Trinken, (Sonnen)Baden und Witzeerzählen - was man halt auf einer Dojofahrt so macht, um sie zu einem unvergesslichen Ereignis werden zu lassen. Alle, die dabei waren, erzählen heute noch begeistert unterhaltsame Annekdoten vom Leben an Bord. Ob auch das ein- oder andere Seemannsgarn dabei gesponnen wird? Wie auch immer - jedenfalls gibt es bereits jetzt ein großes Interesse an einer Dojofahrt 2012!

Andrea Haeusler
Shotokan-Karate-Dojo Münster

JKA-Cup

Start beim JKA-Cup – und das als „grauer Panda“!   

Die letzten zwölf Monate standen ganz im Zeichen meiner Sandan-Vorbereitung: mehrmals die Woche – in der Schlussphase sogar bis zu zweimal täglich – ging es ins Dojo, bei Wind und Wetter, bei Sonne, Regen und Schnee, zwischen minus 13 und plus 35 Grad! Der Begriff Dojo ist hier durchaus symbolisch zu verstehen – denn es wurde nicht nur in den „eigenen vier Wänden“ trainiert – sondern auch auf sage und schreibe 15 Lehrgängen innerhalb eines Jahres in ganz Deutschland und sogar auf einem in Crosne bei Paris. Hauptsächlich standen die höheren Katas auf dem Programm, aber auch Kumite und Kihon wurden fleißig geübt. Ein Jahr lang, dann kam am 11.09.2011 der Tag der Prüfung, die ich ganz gut bestand. Und jetzt? „Jetzt kommt der JKA-Cup“, so mein treuer Trainingspartner Torsten Uhlemann. Wie, jetzt? JKA-Cup? Die inoffizielle "zweite Deutsche Meisterschaft“? GENAU!


Und so starteten Torsten und ich mit Madeleine Essing in diesem Jahr für das Shotokan-Karate-Dojo Münster. Ein weiterer potenzieller Starter, Uli Steffens, fiel leider kurzfristig aus. Und Vereinskamerad, Holger Böing, der in diesem Jahr aus alter Verbundenheit mit dem Team Coesfeld starten wollte, kämpfte am Wettkampftag mit einer Erkältung, statt mit anderen Weißkitteln!

Ich pflege im Vorfeld einer Danprüfung regelmäßig an kleineren lokalen Wettkämpfen teilzunehmen – einfach mal, um zu sehen, ob ich auf dem richtigen Weg bin, ob ich  das trainiert habe, „worauf es ankommt“, um hier einen bekannten finnischen Trainer zu zitieren. Auf dem Weg nach Bottrop, dem „Nabel der deutschen Karatewelt“, wie die örtliche Presse später schrieb, wurde mir dann aber trotzdem mulmig: Schließlich würden dort auch zahlreiche Kaderathleten starten und  – anders als auf den kleineren Turnieren -  auch zahlreiche Instructoren zusehen, viele meiner Trainer der vergangenen Wochen und Monate und schließlich auch `zig Karatefreunde, die mit mir ein gutes Stück meines jüngst zurückgelegten Karateweges gegangen sind. Würde ich mich blamieren? Ohje! „Du hast doch nichts zu verlieren“, machte mein Trainingspartner mir Mut. Nun, dann mal auf nach Bottrop!

Als wir die Dieter-Renz-Halle erreichten, wurden wir bereits von vertrauten Geräuschen begrüßt: Karateka-Kiais, sowie Kommentare und Klatschen der Zuschauer und Betreuer. Mein Puls beschleunigte sich und die Nervosität griff mit eiserner Faust nach meinen Innereien!
Wir hatten noch viel Zeit, denn meine erste Disziplin „Kumite Damen ab 1. Dan“ sollte erst in zwei oder drei Stunden stattfinden, Torsten war sogar noch später dran. Nur Madeleine war bereits mit ihren Kumite-Wettkämpfen (Einzel und Damen-Team) aktiv. Mir tat es gut, schon mal ein bisschen „Stallgeruch“ zu wittern, die Atmosphäre aufzunehmen. Schon mal den Gi anziehen? Warum nicht! Mein Trainingspartner, der ausschließlich im Kata-Shiai startete, zog wie immer formvollendet ein frisch gebügeltes Exemplar aus der Tasche – und hatte für alle Fälle noch ein weiteres dabei. Nun, auf sein Anraten hin hatte ich diesmal wenigstens dafür gesorgt, zwei zusammengehörige Anzugteile einzupacken :-) 

Und irgendwie ging dann doch alles ganz schnell: Gleich zu Beginn meiner Wettkämpfe sollte ich in einem hochkarätigen Starterfeld zusammen mit zahlreichen Kaderathletinnen im Shobu-Ippon-Kumite starten. Ausgerechnet ich, der "kuschelige, pummelige Pandabär"! Dieser neue Spitzname hatte sich in den vergangenen Monaten für mich wohl durchgesetzt - seine Geburtsstunde war der Moment, als ich mich auf einem Videoclip sah, der bei einer Kumite-Einheit im Januar aufgenommen wurde - ganz in Weiß mit schwarzem Gürtel, scheinbar ungelenk herumhopsend, hatte ich doch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kungfu Panda ;-)  Spöttisch-liebevoll gemeint folgt mir der Ruf des "gemütlichen Bambusknabberers" seitdem und zu meiner bestandenen Sandanprüfung bekam ich sogar ein passendes Plüschtier mit maßgeschneidertem Karategi geschenkt. Der Spitzname hatte dann inzwischen einige Varianten erhalten - unter anderem (in Anspielung auf mein "reifes" Alter) den des "Grauen Pandas". 
Mein Maskottchen: der Kungfu-Panda
Nun, ob grau oder nicht, der Panda hatte jetzt zum Drachenkrieger zu mutieren - andernfalls würde er wohl bereits in der ersten Runde rausfliegen. Wer war noch gleich meine erste Gegnerin? Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall spürte ich gleich zu Beginn des Kampfes eine unglaubliche Energie! Die Tatsache, dass neben meinem lieben Sensei Jochen Glass und seiner Familie auch Hanskarl Rotzinger, Karate-Doc Peter Schuler und weitere mir wichtige Karatefreunde an der Kampffläche standen, machte mir plötzlich gar nichts mehr aus, im Gegenteil, es spornte mich an! Jetzt mein Bestes geben! Und Wazari und Ippon - Wahnsinn! Ich hatte tatsächlich den Kampf gewonnen! Meine nächste Gegnerin war Alessa aus Tamm. Ich hatte sie bereits im Januar kennengelernt beim Training in Risto Kiiskiläs Dojo. Eine tolle Karatefrau und Tamm ist ja sowieso der Garant für Erfolg im Fight. Nun, was soll ich sagen - offenbar hatte ich auch in dieser Gegenüberstellung die Oberhand, denn schließlich überzeugte ich auch hier die Kampfrichter! Als nächstes stand mir Nationalkadermitglied Malin Gereke gegenüber, aus Toribio Osterkamps Dojo in Hamburg. Ihr Sensei nahm auch direkt am Rand der Kampffläche Platz, um seinen Schützling zu beobachten. Der Kampf begann wie die vorigen aber vielleicht war ich angesichts meiner prominenten Gegnerin doch etwas zu aufgeregt und daher nicht so konzentriert wie vorher? Ich weiß es nicht. Jedenfalls wurde dieser Kampf für sie entschieden und ich war raus. Dummer Weise hatte meine Nebenniere das das Ende der Kampfphase offenbar noch nicht mitbekommen, denn sie pumpte weiterhin munter Adrenalin in meine Blutbahn! Es dauerte tatsächlich noch einige Minuten, bis die Anspannung aus meinem Körper gewichen war. .


Leider wich sie dann auch voll und ganz! Im anschließenden Kampf in Gruppe Ü 30 schied ich trotz meiner Bemühungen, die Leistung von vorher aufrecht zu erhalten, in der ersten Runde aus.


Keine Chance mehr in Gruppe Ü 30 - mein Energie-Akku war leer!


Und als es dann an die Disziplin "Kata ab 1. Dan" ging, hatte ich plötzlich überhaupt keine Lust mehr! Es fiel mir total schwer, meine Konzentration jetzt noch einmal zu fokussieren! Und Kata ist ja generell meine "zweitliebste" Disziplin.....


In der ersten Runde hatte ich eine Karatefrau aus Frankreich neben mir. Im Flaggensystem gegen eine zierliche, junge Französin zu stehen - davon hatte ich ja schon immer geträumt! :-/ Heian Sandan. Nun, ich weiß nicht, was meine Gegnerin gemacht hatte, aber schließlich winkten die meisten Fähnchen zu meinen Gunsten. Wie jetzt? War ich tatsächlich eine Runde weiter? Aber mein Glück währte leider nicht lange - in Runde zwei schied ich mit der Heian Nidan aus

Mit Heian Nidan kam ich leider nicht weiter!

Ausgerechnet Heian Godan! Sieg für Nicole Salama!
Wo war mein Trainingspartner? Er hatte doch eine große Flasche Wasser dabei! "Hast Du kein eigenes?" Hatte ich, aber das war schon längst aufgebraucht! Oh Mann, ich hatte einen tierischen Brand an dem Vormittag! Macht Aufregung durstig? Vermutlich. Nun, da ich nicht alle Wasservorräte meines Karatefreundes aufbrauchen wollte, lief ich fix die Tribüne hoch zum Shop, um für Nachschub zu sorgen. Auf der obersten Tribünenstufe begrüßte mich Risto mit aufmunternden Worten und kommentierte meine Katas. Ohje, hatte er ausgerechnet bei Kata zugesehen? Naja, aber er hielt sich freundlich mit Kritik zurück. Auch Julian Chees, der neben Risto saß, begrüßte mich freundlich. Was für eine schöne, familiäre Atmosphäre doch beim JKA-Cup herrscht! Mit zwei Wasserflaschen im Arm an der Kasse stehend hörte ich auf einmal, wie meine nächste Disziplin "Kata Ü 30" aufgerufen wurde. Mist! Ich darf doch nicht zu spät kommen! Hektisch drückte ich dem völlig verdutzten, zufällig neben mir stehenden Jochen Glass nicht nur das Wasser sondern auch mein Portemonnaie in die Hand mit der Bitte, für mich zu zahlen, und rannte zum Starterfeld. 

Ich glaube, ich startete neben Nicole Salama und wir mussten die Heian Godan laufen. Ausgerechnet! Hätte es nicht die Jondan sein können? Oh je, ein Panda kann doch nicht springen! Der Sprung war dann zwar nicht das Problem, aber die Landung, wie ich später hörte, und so flog ich leider direkt raus.


Meine Gefühle waren jetzt ambivalent: Im Grunde hätte ich gerne meine derzeitige Lieblingskata Sochin im Finale gezeigt - aber, so komisch es klingt - irgendwie war ich jetzt auch erleichtert, alles hinter mir zu haben. Auf so einem hochkarätig besetzten Turnier zu starten war für mich von der Anspannung her schon etwas Besonderes und es fiel mir schwer, meine mentale und physische Energie über den ganzen Tag einzuteilen. Offenbar hatte ich wohl schon gleich in den ersten Kämpfen mein Pulver verschossen. 


Umso mehr bewunderte ich dann am Abend die Finalrunden. Wenn die Reihenfolge des Geschehens (Kämpfe, Siegerehrungen, Kämpfe, Kata, Siegerehrungen, Kumite, ....) für meine Vorstellung auch etwas durcheinander war, so hatten alle Athletinnen und Athleten doch meinen uneingeschränkten Respekt für die erbrachten Leistungen. Gespannt warteten Torsten und ich eine ganze Weile auf unsere Karatefreundin Madeleine, die sich doch auch für das Finale qualifiziert hatte. Wo steckte sie bloß? Endlich begann das Finale im Kata-Einzel bis 1. Kyu und Madeleine betrat als Erste die Kampffläche. Nach einem langen Wettkampftag und am Ende einer langen Zeitspanne der Inaktivität stieg sie wie Phönix aus der Asche - und legte eine suptertolle Bassai Dai hin, die ihr den zweiten Platz bescherte. Neben dem dritten Platz mit dem Kumite-Team aus Konstanz hatte sie also noch eine weitere tolle Leistung abgeliefert. Wahnsinn! 


Ein ereignisreicher Wettkampftag neigte sich dem Ende zu. Für mich persönlich war die Teilnahme an diesem Turnier eine sehr spannende Erfahrung. Die Wechselbäder der Gefühle, die vielen Begegnungen ....Nun, vielleicht ist in einem Jahr der Panda noch ein bisschen grauer geworden - aber es wäre doch gelacht, wenn man durch ein bisschen mehr Turnier-Routine die Aufregung bis zum nächsten JKA-Cup nicht in den Griff bekäme. Und mit ein bisschen Glück komme ich dann vielleicht noch die ein- oder andere Runde weiter :-)


"Kungfu-Panda" alias Andrea Haeusler, Münster


















Dienstag, 25. Oktober 2011

Karate-Doc-Seminar "Karate und Gesundheit"

Na, das ist doch mal was: Ein kostenloses Seminar zum Thema Karate und Gesundheit in einem historischen Schlosshotel, Kost und Logis frei! Wer kann dazu schon "nein" sagen? :-)
So machte sich auch ein fünfköpfiges Trainerteam des SKDM am 21.10.2011 auf den Weg ins Sauerland nach Olsberg-Gevelinghausen, um dort auf 13 weitere Karateka, darunter Karate-Doc Peter Schuler und einen Dozenten der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG), zu treffen. Die VBG war Veranstalter und Kostenträger dieses Seminars. Vermutlich war keinem von uns DJKB-Trainern bekannt, dass wir alle über unseren jeweiligen Verein gesetzlich unfallversichert sind, da wir den Status eines Arbeitnehmers haben. Hierüber unterrichtete uns der VBG-Dozent Christian Richter, der selber auch Kampfsportler ist (Aikido). So manches Mal während des Seminars hatte ich ein wenig den Eindruck, dass er gerne mehr aus seinem Fachbereich berichtet und sich über etwas mehr Interesse an seinen Themen gefreut hätte.
Allerdings stand für uns Trainer wohl das im Mittelpunkt, was der Karate-Doc zu berichten hatte. Peter Schuler ist ausgebildeter HNO-ler, seit vielen Jahren aber unter anderem als Wettkampfarzt für den DJKB tätig. Selber macht er auch schon seit bald 40 Jahren Karate und wenn er da so mitten im Seminar, ohne jegliche Aufwärmgymnastik und in Jeans so ganz locker mal Mawashis Jodan präsentierte, da klappte dem ein- oder anderen von uns wohl die Kinnlade runter. Kurz gesagt: Peter weiß, wovon er spricht - sowohl vom gesundheitlichen Aspekt her, als auch aus Sicht des Karateka.
Zunächst erfuhren wir viel über die biomechanischen Schlüsselregionen. Wer von uns hätte gewusst, dass sowohl jeder Fuß, als auch jede Hand über 26 Knochen verfügt? Die Knochen einer Hand werden im Regelfall mehr genutzt, als die der Füße, da die Füße ja meist in Schuhen stecken. Die Empfehlung lautet: viel barfuß laufen, um die Füße funktional und möglichst gelenkig zu halten. Nun, das tun wir Karateka ja schon im Training beinahe jeden Tag ;-) Peter wies aber insbesondere darauf hin, dass Karate-Anfänger die Füße häufig noch ungelenk aufsetzen, wenn sie sich z. B. im Zenkutsu-Dachi fortbewegen. Sie müssen erst lernen, die Füße richtig zu spüren und einzusetzen.
Peter riet uns, unsere Körperteile als Waffen zu betrachten und sie wie eine Waffe vor einem Einsatz im "Gefecht" vorzubereiten. Wenn unser Körper gut vorbereitet ist, fallen Unfälle aller Art nicht so dramatisch aus. Beim Stolpern ist man dann z. B. in der Lage, eher das Gleichgewicht wieder zu erlangen und nicht tatsächlich zu stürzen. Auch vor einem geplanten Bruchtest sollen wir den Körper vorbereiten, etwa durch gezieltes Makiwaratraining - so kann man die Biegefähigkeit der Knochen erhöhen. Brechen soll ja das Brett, nicht der Knochen! :-) Beim Bruchtest kann der Laie schlagen, der Profi muss das Brett halten können.

Nicht neu, aber doch wichtig war auch Peters Aussage, dass man auch den Stoffwechsel trainieren kann: Ein Körper, der es gewohnt ist, starr im Auto, auf dem Bürostuhl und auf dem Sofa zu sitzen, bewegt sich auch "innen" wenig. Folge ist, dass auch der Stoffwechsel verlangsamt abläuft, Schadstoffe nicht oder nur langsam abtransportiert werden und der Mensch über kurz oder lang (ggf. chronisch) krank wird. Hiergegen hilft natürlich der Sport und natürlich auch Karate. Peter verdeutlichte uns dies an einigen ganz banalen Übungen und Techniken - angefangen beim Schwingen der Arme im Stand bis hin zum Tsuki mit Hikite (Körper an einer Seite gespannt, geschlossen, an der anderen Seite geöffnet).

Eine super Vorbeugung gegen zahlreiche Haltungsprobleme oder auch gegen Stolperunfälle ist es, die Mukulatur zwischen Oberschenkel und Rumpf (die beim Mae-Geri-Ansatz benutzt wird) zu stärken (eine Übung hierzu ist übrigens Bestandteil von Ristos Powerpack!). Auch der Ausfallschritt hilft hier, die Muskulatur zu stärken, beweglich zu halten.
Use it or lose it - dieser Spruch war wohl Kernaussage des ersten Seminarteils. Lieber nicht ganz richtig  oder nur selten geübt , als gar nicht  (wobei schwere Trainingsfehler natürlich zu vermeiden sind, da sie langfrisitg zu Schäden am Bewegungsapparat führen können). Vorzubeugen ist der schleichenden Immobilisierung, unter der die meisten Menschen - aller Altersstufen - derzeit leiden. Auch das Gehirn wird immobil! Durch Bewegung wird das Lymphatische System angeregt, das selber keine "Pumpe" hat.

Arthrose - ein wichtiges Thema unter Karateka! Ursache sind entweder Minitraumata, also kleinste Verletzungen, die von Stoßbewegungen (des nicht ausreichend vorbereiteten Körpers) herrühren können, oder schlichtweg eine Übersäuerung des Körpers - insbesondere durch schlechte Ernährung, zuviel weißes Mehl, Industriezucker etc. Die Ernährung wurde auch im Seminar angesprochen, insbesondere wurden wir aber durch die sehr gesunden Zwischenmahlzeiten, bestehend aus Obst, Gemüse und Nüssen, für dieses Thema sensibilisiert. Auch die zu Seminarbeginn am Freitagabend (freiwillige!) Messung des Gewichts und des Körperfettanteils brachte vermutlich nicht nur mich zum Grübeln und bot wohl den ein- oder anderen Anlass für neue, gute Vorsätze, was Ernährung und Bewegung angehen.

Training trotz Krankheit und Schmerzen - geht das? Ein klares "Jein" war die Antwort. Kaderathlethen, Leistungssportler trainieren häufig trotz Erkältung. Allerdings sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass sie hier eine Verschlecherung ihres Gesundheitszustands in Kauf nehmen - bis hin zum Tod! Bei Schmerzen in den Gelenken (z. B. aufgrund von Arthrose) ist es ggf. möglich, um den Schmerz herum zu trainieren, also mit weniger tiefen Ständen und mehr Arm-, als Beintechniken.
Wie oft soll man Karate trainieren? "An jedem Tag, an dem Du etwas isst!" Peter gab uns die 724 Regel an die Hand: Karate an 7 Tagen in der Woche, 24 Stunden lang - wenn grade nicht im Dojo und im Gi, so doch durch ein bewusstes Leben, durch Kreativität, durch Ausprobieren - in allen Lebensbereichen, mit allen Sinnen. Und sei es, dass wir das Dojokun an der Kasse im Supermarkt leben ("sei geduldig und beherrscht") ;-)
In der Grundschule sollen wir auch als Schwarzgurt tief stehen, da wir sonst allmählich unsere Bewegungsfähigkeit aufgeben (Personen mit vorgeschädigten Knien müssen hier natürlich ihre Schmerzgrenze beachten!).
Karate-Do ist Bewegung, Entspannung/Anspannung, Mentalkraft, Beweglichkeit, Ernährung - und deckt so alle Bereiche der Gesundheitsprävention ab.

Der Samstagnachmittag forderte unsere Anwesenheit im Gi. Wir sollten in Kleingruppen verschiedene Techniken vom Gyaku-Tsuki bis zum Ashi-Barai erklären und genau beschreiben. Leider wurde das Nachmittagsprogramm mit sechs Gruppen dann doch etwas lang. Vielleicht hätte es auch gereicht, zwei oder drei Gruppen zum Vortragen zu bitten. Sinn und Zweck dieser Übung war es ja, uns Trainer für die Abläufe der einzelnen Techniken zu sensiblisieren, uns dazu zu bringen, uns selbst Gedanken zu machen, die Technik auseinander zu nehmen, zu studieren.
Unsere volle Aufmerksamkeit erhielt dann wieder Jörg Uretschläger, der eigentlich ja auch nur Seminarteilnehmer war - uns aber freundlicherweise einen Einblick in die Kyoshu-Thematik gewährte. Wir lernten hier einiges über Vitalpunkte, wie man einen Gegner durch die Aktivierung dieser Punkte ausschalten - oder auch Krankheiten durch die Stimulierung dieser Punkte lindern oder heilen kann! Ich beschloss spontan, Jörg im Frühjahr für ein Tagesseminar in das Shotokan-Karate-Dojo Münster einzuladen!
Der Karate-Doc gab uns auch am Sonntag noch wichtige Hinweise für unser tägliches Training und für unsere Wettkämpfe mit auf den Weg: Von der richtigen Fußpflege bis hihn zu  einem sinnvollen Aufwärmtraining (wobei wir hier durchaus kontrovers diskutierten!). Das Thema Krafttraining wurde ebenfalls angerissen und Peter versprach, dieses Thema in seinem Blog http://karatedoc.wordpress.com/  zu behandeln und zur Diskussion zu stellen.
Alles in allem war es eine tolle und sehr informative Veranstaltung, die ich wirklich jedem Karatetrainer nur wärmstens empfehlen kann! Wenn jetzt die Sauna des Schlosshotels noch funktioniert hätte, wäre das Wochenende wohl perfekt gewesen :-)

Montag, 24. Oktober 2011

(Karate-)Seminare mit der VBG

Vom 21. bis 23.10.2011 besuchte eine fünfköpfige Trainerdelegation des SKDM ein Seminar der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) zum Thema Fit for Work - Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren. Äh - Moment - was machen Karateka auf einem Seminar der VerwaltungsBG und warum zum Teufel "arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren"? Darüber und über einige andere Informationen, die den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz betreffen, wurden wir von Christian Richter, dem Dozenten der VBG (seines Zeichens Aikidoka, übrigens) informiert: Trainer eines Sportvereins haben im Regelfall den Status eines Arbeitnehmers, da sie ja vom Verein damit betraut sind, Tätigkeiten zu übernehmen, die dem Vereinszweck dienen. Dies bedeutet unter anderem, dass sie wie Arbeitnehmer im Berufsleben über eine Berufsgenossenschaft unfallversichert sind, und zwar über die VerwaltungsBG. Erleidet der Trainer eines Vereins während der Ausübung seiner Trainertätigkeit einen Unfall und wird dabei verletzt, so werden die Behandlungskosten übernommen und im Extremfall (z. B. im Fall einer bleibenden Behinderung) die Umbaukosten des Hauses, die Kosten von Rehamaßnahmen in Spezialkliniken und schlimmstenfalls auch Rentenzahlungen an den Verletzten oder die Hinterbliebenen. Ein Unfall (hähä, mit dem Wissen um diese Definition konnte ich ein bisschen angeben ;-) ist übrigens ein plötzlich mit mechanischer Gewalt von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis. Kein Unfall sind demnach innere Vorgänge wie ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall oder auch ein Bänderriss (es sei denn, dieser kommt etwa durch einen Fußfeger zustande). Ebensowenig sind ein schleichender Gelenkverschleiß oder eine Arthrose (nicht "plötzlich") ein Unfall. Nun, ich habe während des Seminars oft bei mir gedacht, dass Karate doch ein recht sanfter Zeitvertreib ist, denn ich konnte mich ad hoc jetzt nicht an so wahnsinnig viele Verletzungen dieser Art im Trainerteam des SKDM erinnern. Aber wenn man alleine bedenkt, dass ja auch Wegeunfälle, also Unfälle, die sich z. B. im Straßenverkehr auf dem Weg zum Training(geben) oder nach Hause ereignen, dann wird die Sache schon interessanter, finde ich! Nun, egal, ob die VBG nun häufig für uns einschreiten muss oder nicht - wir sind eh alle automatisch versichert. Und ein weiterer Pluspunkt der VBG ist ja neben der Zahlung der oben genannten Positionen auch die Organisation von Unfallverhütungsmaßnahmen und in diesem Rahmen eben auch von Seminaren wie dem grade von uns besuchten! Die VBG hat für dieses sehr karatespezifische Seminar nicht nur die Vergütung des Dozenten übernommen, sondern auch die Anreise (ein Weg), die Unterkunft (Schlosshotel Gevelinghausen - hätte die Sauna funktioniert, wäre es perfekt gewesen!) und das leckere Essen (einschließlich gesunder Snacks bestehend aus Obst, Rohkost und Nüssen).
Ehrenamtlich Tätige und gewählte Vorstandsmitglieder sind übrigens im Regelfall auch versichert, wenn der Verein Mitglied im Landessportbund ist. Im Zweifel mal nachfragen, denn falls das nicht der Fall sein sollte, kann ein Vorstandsmitglied für schlappe 2,73 Euro im Jahr versichert werden.
Auch für selbständige Karatelehrer besteht die Möglichkeit, sich bei der VBG zu versichern. Und die können es sicher gut gebrauchen, wenn sie doch so viel unterwegs sind, um ihre Seminare und Lehrgänge zu halten!
Diesmal war die VBG Gastgeber eines Seminars, das von unserem Karate-Doc Peter Schuler geleitet wurde. Mehr dazu gibts in einem speziellen Post. Aber es können auch allgemeine Seminare dort gebucht werden, die vielleicht auch in Gevelinghausen stattfinden oder in Lautrach, in Dresden oder Storkau (Nähe Berlin). Wer interessiert ist, schaue doch mal auf die Seite www.vbg.de/qualifizierung
Wie wäre es z. B. mit einem Seminar zum Thema Erste Hilfe im Sportverein oder Sportmedizinische Grundlagen?

Sonntag, 18. September 2011

Risto in Gladbeck - Notizen von TU

RISTO in Gladbeck

1. Einheit
"Risto-Grundschule":
"Risto-Shuffle" zum Aufwärmen
Oi-Tsuki, mit Belasten des hinteren Beines, dann Kizami-Tsuki vor; WICHTIG!: beide Tsukis von der Hüfte los schicken
Oi-Tsuki - Gyaku-Tsuki, dann zweiter Gyaku lang vor
Voruebung für Gyaku-Tsuki vorne absetzen
Partnerübung zur Hueft- und Ellenbogenbewegung bei Gyaku-Tsuki (Chattanooga-Chouchou)
Soto-Uke - Gyaku-Tsuki, Suri-Ashi zurück mit Soto-Uke, dann Gyaku-Tsuki vorne absetzen
Tekki Shodan
SV-Übungen

2. Einheit
Oi-Tsuki - Gyaku-Tsuki, seitlich versetzen dann erneut Gyaku-Tsuki
Mit Partner: Gyaku-Tsuki seitlich raus, dann Ushiro-Geri, Kizami-Tsuki, Mawashi-Geri, Ashi-Barai etc
Belasten und Benutzen seitlich
Belasten und Benutzen mit Partner vor und zurück
Distanzüberwindung mit Gyaku-Tsuki ( Hüfte fallen lassen; Telemark)
Distanzüberwindung mit zwei Tsukis: Kizami im Aufsteigen, Gyaku beim Fallen
Tekki Shodan

Mittwoch, 10. August 2011

Spitze, Glas und Biennale

Heute: Venedig, die 3. Wir müssen verrückt sein! ;-) Wie kam es dazu? Mich reizte schon im letzten Jahr die "Minikreuzfahrt Burano, Murano und Venedig". Die beiden zuerst genannten Inseln liegen auch in der Lagune und sind wesentlich kleiner als Venezia. Aus meiner Kindheit wusste ich noch, dass Murano wegen seiner Glaskunst berühmt ist und heute erinnerte ich mich wieder, dass auch Burano wegen einer Handarbeit bekannt ist, nämlich wegen seiner Spitze. Mit der "Hinterkopf-Idee", diese Bootstour dieses Jahr einmal zu machen, wurden wir letzte Woche am Strand angesprochen. Von Felip, einem ganz smarten Holländer (?). Ich sagte ihm, dass wir grundsätzlich interessiert seien und ruckzuck machte er uns ein auch preislich gutes Angebot: Drei Inseln inklusive Mittagessen (naja, da erwartet man nicht viel....) für uns fünf und für 135 Euro. Zwanzig Euro Anzahlung am Strand?? Nun, ob sich an diese jemand erinnern würde? Heute früh waren wir also ganz gespannt, als wir den beschriebenen Parkplatz in Punta Sabbione ansteuerten. Aber es lief alles wunderbar!

Burano war dann auch wirklich zauberhaft mit seinen hübschen bunten Häuschen. In der Kirche fand grade ein Gottesdienst statt und wir stellten hinterher fest, dass es sich wohl um eine Beerdigung handelte - und ich mit den Mädels zwischendrin! Wir zogen uns auch dann schnell diskret zurück. Allerdings waren wir auch selber grade in gedrückter Stimmung - erhielten wir doch vorgestern die Nachricht, dass die Uroma der Kids gestorben war! Dem Trauerzug begegneten wir bei unserer Abfahrt erneut, als er sich zum Friedhof begab.
Murano, die Stadt der Glasbläserei und der Glasskulturen - unser nächstes Ziel war nicht so hübsch wie Burano. Allerdings überzeugte uns hier der Glas-Meister von seinem Können, der je innerhalb von fünf Sekunden erst eine Vase, dann ein hübsches Pferd aus Glas herstellte. Wir widerstanden dem Drank, hier etwas einzukaufen und wanderten nach der Glaskunst nur eine Weile durch den Ort.
Dann gab es für uns Essen auf dem Schiff (die erste Gruppe hatte bereits auf der Fahrt von Bu- nach Murano gegessen) - eine Hähnchenkeule, ein Stück Lasagne, etwas, das wie Kartoffelstücke oder Pommes aussah und zwei Tomaten. Naja, wie gesagt - wir hatten nicht viel erwartet und es war ganz ok.
Dann Venedig. Eine zauberhafte Anfahrt: Anders, als die Fähren, die wir bisher benutzt hatten, steuerte unser Boot jetzt direkt den Markusplatz an! Wunderschön! Unsere Reiseleitung berichtete grade von den Maßnahmen, die zum Schutze Venedigs vor dem Wasser unternommen wurden und dass es ganz unglaublich wäre - da würden doch hin und wieder die Kreuzfahrtschiffe direkt am Markusplatz entlangfahren (und der Stadt durch ihren Tiefgang und die Wellen schaden). Und wie auf Bestellung steuert grade in diesem Moment so ein fettest Teil dort auf! Wow! Was für eine Sensation! Allein dafür hatte sich dieser Ausflug schon gelohnt! :-)
An Land gingen wir jetzt mal NICHT links rum und über den Markusplatz, sondern bogen direkt rechts ab zum Guiardano und zu dem einen offiziellen Teil der Biennale. Ein Dank an meine Familie, dass sie hiermit einverstanden waren! Am Eingang zum Park gabs gleich die zweite Sensation: Ein Spielplatz in Venedig! Hatten wir nicht in einem Reiseführer gelesen, Venedig sei kinderunfreundlich und habe gar keine Spielplätze? Nun, hier war einer, den die Kids ausführlich testeten ;-)
Dann Kultur. Wow, das war schon zum Teil ziemlich "modern" und für einen normalen Menschenverstand etwas weit hergeholt. Gleich der Spanische Pavillion am Anfang mit einem Titel, der auf Außenseiter hindeutete - warum lagen hier bei den Exponaten ausgerechnet Stücke aus MÜNSTER??? Ja, genau! Münster in Westfalen! Z. B. Schlüsselanhänger der Skulptura 2007 ... das gab uns doch zu denken ..... sind wir etwa auch Außenseiter???? Hm.... Nun, so ging es bei einigen Pavillions. Der erste, der mich ansprach, war einer mit dem Titel After Work Opera, in dem man den Eindruck einer Backstage-Area bekam. Das war ganz witzig gemacht, zum Rumlaufen, anfassen, anhören. Das nächste Highlight war ein Pavillion, der keinem bestimmten Land zugeordnet war. Hier gab es unter anderem einen Raum, in denen Knetmasse in Weiß, Schwarz und Gold herumlag und für die Besucher zur freien Verfügung, sogar zum Mitnehmen, diente. Die meisten desingnten damit wild im Raum herum, auch meine Familie (ich nicht, habe dafür kein Talent....). Überraschungen boten für mich der amerikanische und der deutsche Pavillion. In "Amerika" begrüßte uns eine bewaffnete Freiheitsstatue auf einer Sonnenbank! Weiter gings zu einer großen Orgel, in die ein Geldautomat integriert war. Mutig befolgte ich den Hinweis, meine Karte einzuschieben und ich wurde sogleich mit einem ohrenbetäubenden Orgelspiel belohnt, das sofort weitere Besucher anlockte.
Deutschland. Was soll man da erwarten? Zunächst mal war die Schrift über dem Eingang von Germany zu Egomany geändert und ich las auf einer Infotafel, dass Christof Schlingensief an dem deutschen Exponat bis zu seinem Tod im letzten Jahr tätig war. Ach Gott, Schlingensief, dachte ich! Den kann ich ja leiden, wie.....naja, aber ich kündigte ja eine Überraschung an. Sein Werk bestand in einer unter die Haut gehenden Installation in Form einer Kirche mit Altar, Kreuzgang, Beichtstuhl....alles hatte, wie schon der Begriff Egomany erahnen ließ, sein persönliches Schicksal kurz vor seinem Tod als Thema. Aber echt irre gemacht! Also, mir ging es sehr nah und hat mich wirklich beeindruckt! Fix schoben wir dann noch durch England und Frankreich und erreichten noch knapp unser letztes Schiff zurück. Puh, das war ein langer, aber sehr, sehr schöner Tag! :-)