Dienstag, 27. März 2007

Lehrgang mit Bundestrainer Hideo Ochi 2006

Wenn die Mami mit dem Sohne
einen Lehrgang mit Sensei Ochi besucht
Fotos unter "Foto-Galerie"

Dieser Lehrgang wird für mich wohl immer ganz besonders in Erinnerung bleiben.
Zum ersten Mal nahm ich meinen 10-jährigen Sohn Felix mit! Felix geht seit knapp einem Jahr einmal wöchentlich zu Jörg Gantert ins Kindertraining.
Ich bin mir aber bewusst, dass der Impuls für ihn, zum Training zu gehen, eher durch mich ausgelöst wird, da ich die erzieherische Komponente sehr schätze (Konzentrations-förderung, Struktur im Training, Disziplin, aber auch Schulung der Beweglichkeit usw.). Als nun der Lehrgang mit unserem Bundestrainer hier in Münster anstand, dachte ich, vielleicht kann Felix meine Begeisterung für Karate nachempfinden, wenn er mal an einer oder zwei Trainingseinheiten teilnimmt.

Denn, mal ehrlich:
Wer regelmäßig an Lehrgängen teilnimmt, ist es gewohnt, mit bis zu 200 Leuten in der Halle zu trainieren, aber für Neulinge oder Karate-Fremde muss allein dies schon ein beeindruckender Anblick sein. Und wenn man selber Bestandteil dieser "Weiß-Kittel-Masse" ist, motiviert das ungemein, alles zu geben.

Felix wollte gerne mitkommen, zumal die erste Einheit ja am Freitag um 20 Uhr stattfand, zu einer Uhrzeit also, zu der er normaler Weise nicht mehr aus dem Haus darf. Seine Sorge aber: "Sind da auch andere Kinder?" Na klar, versicherte ich ihm. Und tatsächlich waren da einige Kinder und sogar drei Weißgurt-Jungs in etwa seinem Alter.

Vor dem Training schnupperte er erst mal die Hallenatmos-phäre ein. Als es dann zum Aufstellen ging, musste er natürlich erst noch mal Pipi!
Naja, da es erfahrungsgemäß lange dauerte, bis alle so aufgestellt waren, wie es Herrn Ochi recht war, machte die Pipi-Pause auch nichts aus und Felix hatte sogar einen Platz in der ersten Reihe.
Durch die Aufstellung wurden wir natürlich getrennt, da ich ganz rechts und er ganz links stehen musste. Oh je, wie sollte ich so im Blick haben, ob es ihm gut geht? Ob er Spaß hat? Ob er "ordentlich mitmacht"! Da hieß es schon für mich: Loslassen! Aber ich war wohl doch leider die meiste Zeit der ersten Trainingseinheit mit den Gedanken bei meinem Sohn, statt beim Trainingsgeschehen.

Das Aufwärmtraining wurde von Erwin Querl gegeben. Schade, dachte ich, dass Felix gar nicht weiß, wer das ist! Dass er sich nicht bewusst ist, einen total engagierten Karate-Veteranen vor sich zu haben!

Während des Trainings fiel mir auf, dass Herr Ochi uns alle dieselben Übungen machen ließ. Die kleinen "Weißgurtstöpsel" hatten die gleichen kniffeligen Trainingsaufgaben zu lösen wie die alten, erfahrenen Karateka! Ich selbst hatte an der Ausführung der Trainingsbefehle streckenweise ganz schön zu knacken. Wie sollte es da nur meinem Sohn ergehen? Wenn ich mal einen verstohlenen Blick in seine Richtung warf, sah ich ihn aber meistens bemüht, mitzumachen. Zumindest war er nicht verzweifelt oder gelangweilt, sondern allenfalls "gelassen". Herr Ochi hat zudem auch eine so herzliche und freundliche Art besonders auch mit den Kindern umzugehen, dass alle gerne bei und von ihm lernen.
Zum Schluss der Einheit verließ meinen Sohn dann doch ein wenig die Konzentration und er schaltete etwas ab. Aber das sei ihm gegönnt. Schließlich trainiert er sonst nie länger als eine Stunde, jetzt waren es aber 90 Minuten und das noch zu fortgeschrittener Stunde! Glücklicher Weise gab es eine kurze Pause kurz vor Schluss. Als besorgte Mami lief ich sofort in Felix´ Trainings-bereich, konnte ihn aber nicht finden. Kurz darauf kam er aus dem Kabinenbereich mit einem pitschnassen Kopf und auch leicht benässtem Gi. Er hatte wohl so geschwitzt, dass er sich erst mal abkühlen musste! Na, wenn das kein Zeichen dafür ist, dass er alles gegeben hat!! Zu meiner Enttäuschung schien er mich aber auch gar nicht vermisst zu haben. Es schien ihm eher "uncool", dass "Mutti" ihn da nervte vor seinen neuen Freunden….

Am Samstag hatte Felix eigentlich vor, nachmittags mit seinem Vater Trial zu fahren. Das ist Felix´ eigentliche Leidenschaft: Motorsport.
Durch einen Motorsportverein in Kinderhaus hat er seit einem Jahr die Möglichkeit, im Sommer regelmäßig selber zu fahren. Da gibt’s keine Kindermotorräder, sondern richtige Trial-Maschinen, also spezielle Motorräder ohne Sitzbank, mit denen ein Hindernisparcours absolviert werden muss. Kein Wunder, dass Felix sich schon seit Wochen auf das erste Training dieses Jahres freute. Ich hatte befürchtet, ihn deshalb nicht an der Teilnahme zum Karatelehrgang bewegen zu können. Ein gutes Argument hatte ich aber seit Freitag-abend in der Tasche: Unsere Trainingskarten, pro Stück für teure 20 Euro erkauft!
Gibt’s denn keinen Schüler-Nachlass???? Beim Chief-Instructor vermutlich nicht….seufz….

Es war jedenfalls kein Thema: Felix wollte Samstagvormittag mit zum Karate. Und weil es alles so neu und aufregend war, kam seine Oma auch gleich mit, sie allerdings nur zum Zuschauen…Da mir klar war, dass auch ich an diesem Nachmittag nicht die zweite Einheit besuchen würde, machte ich kurzer Hand in der Unterstufen-Einheit mit und plante, dann anschließend noch bei der Oberstufe mitzumachen. Diese Entscheidung sollte ich allerdings mehr als einmal bereuen.
Puh war das anstrengend!
Zwar versuchte ich, mich zu Beginn der Unterstufen-Einheit ein wenig im Bad der Trainingsmenge zu verstecken, denn eigentlich gehörte ich hier ja nicht hin. Aber ich fiel doch auf und wurde von Herrn Ochi heraus gebeten, um das Aufwärmtrai-ning zu übernehmen. Also durfte ich zum ersten Mal meinen Sohn trainieren!!! Er hat auch gut mit gemacht.

Auch nachdem ich das Trainings-Zepter wieder an Herrn Ochi übergeben hatte, gab sich Felix alle Mühe. Er war hinterher ganz begeistert und nahm sich vor, seinem Sensei Jörg bei der nächsten Trainingseinheit zu berichten, dass er bei dem Lehrgang für die Großen dabei war! Demnächst wollen wir öfter auf Lehrgänge fahren, vielleicht auch mal außerhalb mit einer Übernachtung in einem Dojo!

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