Sonntag, 22. Februar 2009

Bewährtes setzt sich durch - Veränderungen in der Eymann-Sauna

Ja, ja, ich weiß, Sensei Risto sagt immer, dass sich auch die Tradition entwickeln kann und auch das Alte in einem neuen Gewand besser aussieht. So ist es sicher nicht nur beim Karate. Es ist einfach manchmal wichtig, ein wenig mit der Zeit zu gehen. Daher sollte man stets bestrebt sein, auch mal etwas zu verändern, etwas Neues auszuprobieren. So stellte ich in den letzten Jahren mehrfach fest, dass sich z. B. die Saunakultur hier in Deutschland sehr verändert hatte.

Vor gut 20 Jahren hatte ich meinen ersten Saunabesuch in der Eymann-Sauna und das war auch gleichzeitig der erste Besuch in einer öffentlichen Sauna seit einem Mallorca-Urlaub mit 7 Jahren. Die Eymann-Sauna war damals noch recht überschaubar: ein oder zwei Saunen innen, eine im Keller, eine Gartensauna und im Keller war glaub ich auch noch ein Schwitzkasten (ich glaube, das war soger die allererste Sauna gewesen). Um jede volle Stunde konnte man für die Innensauna einen Eimer mit aromatisiertem Aufguss holen und um "halb" gab es einen Eimer für die Gartensauna. Den Aufguss machte, wer grade da war - einmal hatte sogar ich selber das Vergnügen. In der Sauna herrschte eine lebhafte Stimmung, ein Witzeln und Frotzeln, Gespräche, Gekicher. Dass es mal zu laut und unruhig wurde, habe ich nie so empfunden - spätestens beim Aufguss waren alle "Insassen" mit dem Verarbeiten des Hitzeschocks beschäftigt, so dass sich die Ruhe von selber einstellte.

Zwischendurch besuchte ich im Rahmen von Risto-Intensiv-Wochen mal Saunen rund um Frankfurt - und war entsetzt: Hier wurde der Aufguss von einem Profi-Zampano veranstaltet, der bei etwas Glück wenigstens noch eine Augenweide war. Die Sprüche dieses Berufs-Quälers erinnerten nicht selten an Marktschreier mit Wurststand und die Aufgüsse wurden selten ohne vorheriges Herunterzitieren der Risiken und Nebenwirkungen durchgeführt. Wie schrecklich! Zudem herrschte - der Erholung wegen - ein absolutes Redeverbot - erst während der Aufgüsse, hinterher grundsätzlich in der Sauna. Der einzige "Vorteil" besteht darin, dass man endlich das Schmatzen der sich den Schweiß von der Haut wischenden beinahe durchgängig adipösen Saunabesucher hören kann - wie ekelig! Und dann wurden wir mit einer Gruppe fast aus der Anlage geworfen, weil wir es gewagt haben, im Whirlpool zu sprechen und zu lachen (es war wirklich nicht LAUT!).

Also bitte! Ich kann verstehen, dass viele Menschen die Sauna als Oase im Alltag suchen. Richtig ist auch, dass man beinahe ganztägig von einem dichten Geräuschteppich umgeben ist und dass die Ohren hin und wieder mal eine Pause gebrauchen können. Aber - in Finnland, dem Ursprungsland der Sauna, sind die Schwitzhütten nicht nur ein Ort der Hygiene, sie sind auch ein Ort der Kommunikation! Nirgendwo kriegt der Finne die Zähne abgesehen von der Nahrungsaufnahme auseinander, außer in der Sauna! Auch in anderen Kulturen ist dies zu beobachten: In der Sauna wird sich unterhalten, werden Verträge geschlossen, wird aber auch entspannt. Daher machte es mich super wütend, als beim letzten Besuch in der Rhein-Main-Therme Sandra und mir sogar das FLÜSTERN in der Sauna untersagt wurde! Mensch, Leute, es gibt doch auch noch RUHERÄUME - und zwar reichlich!

Nun denn, genug gemeckert. Gestern war ich mit meinem Mann endlich mal wieder in der Eymann-Sauna. Wir hatten vor laaaaanger Zeit mal eine Zehnerkarte gekauft und ich hatte ernsthafte Bedenken, ob diese inzwischen vielleicht verfallen sein könnte. War sie aber zum Glück nicht. Dennoch war unser letzter Besuch bereits ein Jahr her. Auch da hatte ich diese unangenehmen Sauna-Reglements festgestellt und mich ein wenig geärgert. Wäre die Anlage nicht ansonsten so toll, wäre das sicher meine letzte Mehrfachkarte gewesen.

Umso überraschter war ich, als uns um die übliche Aufgusszeit durch Personal kommentarlos ein Eimerchen mit Aufguss in die Schwitzbude gestellt wurde und ein Mitschwitzender spontan das mitgelieferte Handtuch ergriff um den Aufguss durchzuführen. Die ersten beiden Aufgüsse waren ganz ok (abgesehen von dem angeblichen Duft "Finnische Birke", der die Augen zum Tränen brachte, bei meinem Mann Übelkeit verursachte und in mir die Vermutung weckte, jemand habe aus Verlegenheit einfach einen Schuss Badedas in das Aufgusswasser gegeben). Die letzten beiden hatten sich aber echt "gewaschen"! Ja, so muss ein Aufguss sein - heiß und hart, schmerzhaft und schweißtreibend! Dann noch in den Garten in den Teich springen, einmal ausprobieren, wie weit man schwimmen kann, bevor einem schwarz vor Augen wird. Anschließend zum Regenerieren in den gut versteckten Ruheraum und den Kreislauf wieder stabilisieren (hier hat man echt seine Ruhe, der Raum ist zwar ausgeschildert, irgendwie findet ihn aber keiner oder die meisten Besucher liegen dann doch lieber wie die Ölsardinen mitten im Pulk bei den Saunen...).

Also: einen herzlichen Dank an das Eymann-Team! Es ist sicher wichtig, stets den Mut zu haben, mal etwas Neues auszuprobieren. Wenn man aber feststellt, dass man auf dem falschen Weg ist, sollte man den gleichen Mut an den Tag legen, um zurückzurudern und den alten Zustand wieder herzustellen. So wird das sicher nicht meine letzte Zehnerkarte gewesen sein.

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