Nachdem wir vor rund zwei Jahren das münstersche Schlaun-Gymnasium vor der Schließung retten bzw. diese bis auf weiteres verschieben konnten, bahnt sich jetzt wieder ein Konflikt in der Münsteraner Schulpolitik an: Grund ist das von der Landesregierung konzipierte Losverfahren, das angeblich eine freie Schulwahl bei den weiterführenden Schulen garantieren soll. Auch die Schüler aus den Umlandgemeinden sollen durch das Auslosen eine Möglichkeit haben, die innerstädtischen Gymnasien besuchen zu können, Wohnortnähe spielt heute überhaupt keine Rolle mehr.
Es mag für die Auswärtigen vielleicht tatsächlich von Vorteil sein - was diese Regelung allerdings insgesamt bedeutet, zeichnet sich jetzt allmählich ab: Einige Schüler sind sogar schon zweimal von der Schule ihrer Wahl abgewiesen worden und befinden sich jetzt in dem bereits dritten Losverfahren! Erst an der bischöflichen Gesamtschule Friedensschule abgewiesen (das ist schon fast normal, da rechnet man eh nicht mit einem Platz, seit Jahren schon Sonderstatus und reine "Glückssache"!), dann vielleicht beim Paulinum abgewiesen, da alle Klassen voll und jetzt noch beim Schlaun abgewiesen, da alle Klassen vo..... ach nee, da wäre ja noch Platz! Das Schlaun ist ja eigentlich dreizügig ausgelegt. Angemeldet sind derzeit 69 Kinder. Das sind zu wenige für drei Klassen a 28 Kids, aber zu viele für zwei Klassen a maximal 32 Schüler. Also muss laut Schulgesetz noch einmal gelost werden. Und zwar kommen alle angemeldeten Schlaunschüler, auch die, die ihren Platz seit Wochen sicher glaubten, erneut in die Tombola! Da ja fast alle anderen städtischen Gymnasien längst die Anmeldungen abgehakt haben und nicht mehr mit im Spiel bleiben, können die Los-Schüler jetzt zwischen drei Gymnasien entscheiden: dem Rats-, dem Pascal- und dem Geschwister-Scholl-Gymnasium. Alles kein Problem, oder? Sind ja noch genug Wahl-Schulen da! Weit gefehlt - denn echte Alternativen sind das nicht. Das Rats unterrichtet seit dem kommenden Schuljahr zwingend in der Ganztagsbetreuung. Das Pascal unterrichtet ab Klasse 5 bilingual (engl/franz). Tja, und das Geschwister-Scholl-Gymnasium liegt leider in Kinderhaus, ist also für Schüler aus Handorf oder gar Gremmendorf wohl nicht unter zweimal Umsteigen und einer Stunde Busfahrt pro Strecke zu erreichen. Und das in Zeiten von G8, in denen die Kids schon ab der fünften Klasse bis zu acht Stunden täglich haben!
Das Geschwister-Scholl-Gymi hatte eine ähnliche Situation wie das Schlaun, nur zwei Anmeldungen mehr. Hier machte die Bezirksregierung eine Ausnahme - die Kinderhauser Schule darf trotz der Unterschreitung der Schülerzahl dreizügig werden.
Die spannende Frage ist jetzt, wie wir die Entscheidungsträger dazu bekommen, in diesem Jahr auch beim Schlaun eine Ausnahme zu machen und somit quasi gleiches Recht für alle gelten zu lassen.
Die Schuldezernentin, Frau Dr. Andrea Hanke, hatte sich bereits vor zwei Jahren so ins Zeug gelegt, als es darum ging, das Schlaun zu schließen. Lediglich das ungewöhnlich starke Engagement von Schülern, Eltern und Lehrern sowie unzählige Unterschriften aus der Bevölkerung, die einen Bürgerentscheid heraufzubeschwören drohten, ließen sie damals von ihrer Entscheidung abbringen: Statt die Innenstadtschule sofort zu schließen, wurde ein Schulentwicklungsplan beschlossen, der uns bis 2010 Zeit geben sollte, zu zeigen, dass es das Schlaun drauf hat, dass wir (wie die anderen Gymnasien) ein spezielles, ganz eigenes Profil haben und dass sich ausreichend viele Kinder anmelden.
Das mit dem Profil haben wir uns hart erarbeitet - ständig vorderste Plätze bei Jugend Forscht, das 90-Minuten-Modell (alle Fächer in Doppelstunden, Pausen individuell), das hat viele überzeugt. Die zahlreichen überzeugten Anmeldungen TROTZ der über der Schule schwebenden Schließungsprognosen sprechen auch für sich. Wir hätten dieses Jahr sogar die Dreizügigkeit geschafft. Aber mit einem Klotz am Bein, der es den Schülern unmöglich macht, zu uns zu kommen, wird es natürlich immer schwierig, bis 2010 ein absolut überzeugendes Argument gegen eine Schließung zu liefern.
Heute standen wir also wieder vor dem Rathaus - wie vor zwei Jahren. Kinder, Eltern, Schulleiter. Nicht ganz so viele wie damals und nicht ganz so bunt und penetrant - dafür wurden wir aber sowohl von SPD, als auch von CDU zu den Sitzungen geladen und durften unsere Argumente vortragen. Franzi staunte nicht schlecht, als ich ihr sagte, dass der Bürgermeister direkt vor ihr saß! Auch Frau Dr. Hanke war da und argumentierte genauso fadenscheinig und unstrukturiert wie vor zwei Jahren. Wer hat die Frau bloß auf diesen Posten gesetzt! Sie macht einfach agressiv!
Bei der SPD anschließend konnten wir viele neue Aspekte diskutieren. Hier ging es nicht so sehr darum, unsere Argumente darzulegen. Die SPD war bereits im Vorfeld sehr gut informmiert und wir konnten das Ganze Herumlamentieren lassen. Der schulpolitische Sprecher der Fraktion ist selber Lehrer und kannte die ganze Schlaun-Misere in- und auswändig. Er vertraute uns einige pikante Details an, als es z. B. um den Renovierungsstau an unserer Schule ging. In den kommenden Tagen wird nämlich der Topf aus dem Konjunkturpaket auf die Schulen verteilt. Wenn wir etwas abhaben wollen, müssen wir uns bald mal positionieren. Zum Beispiel wäre es sehr schön, wenn das Gerüst in der Aula endlilch wegkäme! Die Bleiverglasung ist nämlich angeblich einsturzgefährdet und seit zwei Jahren steht da ein Gerüst - es kostet pro Jahr 5.000 Euro Miete. Die Renovierung der Verglasung würde insgesamt 20.000 Euro kosten - nach vier Jahren wären die Kosten also armortisiert!
Der SPD-Sprecher schlug vor, möglichst morgen beim Regierungspräsidenten aufzulaufen, da morgen Mittag die Entscheidung fallen soll, ob das Schlaun auch eine Ausnahmegenehmigung bekommt.
Also werde ich morgen um 9 Uhr mit ein paar anderen Müttern (und einem Vater) vor den RP treten und ihn bitten, für uns zu entscheiden....es bleibt spannend!
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