Lehrgang bei Risto Kiiskilä in Münster am 05.09.2009
Erstmals nur eintägig beehrte uns Sensei Kiisiklä auch gestern wieder hier in Münster. Insgesamt nahmen wohl über 50 Karateka, in etwa auf Unter- und Oberstufe gleichermaßen verteilt, an dem Lehrgang teil. Ein echtes Risto-Comeback, sozusagen. Ob das nun an dem neuen Lehrgangskonzept (eintägig, da hat man doch noch was vom Wochenende...) lag oder daran, dass ich ja permanent in meinem eigenen Verein ordentlich Werbung für Risto gemacht hatte, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls waren auch etliche meiner ehemaligen Anfänger gekommen, um den finnischen Instructor einmal kennen zu lernen.
Und sie wurden nicht enttäuscht! Gleich zu Beginn der Unterstufeneinheit kam eine Übung, die zumindest meinen Anfängern stets in den ersten Einheiten "blüht": Auf "Mäussefüßchen" machten sie ihre Oberschenkel ordentlich warm! Dann legte Risto sehr viel Wert auf die Beweglichkeit des Rumpfes und schließlich übte die Unterstufe scheinbar endlos den Ashi-Barai. "Der Ashi-Barai ist die effektivste Fußtechnik.", so der Sensei. "Man kann auch Mawashi-Geri treten und manchmal trifft man auch. Mit Ashi-Barai trifft man aber fast immer." ...vorausgesetzt man hat ihn genug geübt. Der Ashi-Barei ist zudem die einzige Karatetechnik für die es im Shotokan-Stil keine Anleitung gibt. Jeder hat hier seine eigene Version.
In der Oberstufe gab es wieder zahlreiche Basisübungen. Risto erklärte unter anderem, wie ein einfacher Tsuki auszuführen ist. Die Schulterspannung muss nach unten gehen. Man kann das Gefühl am besten nachvollziehen, indem man unter die Achsel kneift. Das tut höllisch weh und man spannt automatisch den Schulterbereich richtig an, um den Schmerz zu lindern. "Das vergisst man so schnell nicht wieder. Erst nach einer Woche muss man wieder kneifen.", so Risto. Zum Glück musste keiner aus unserer Gruppe unter dieser Übung "leiden" - die Vorstellung des "Kneifgefühls" reichte wohl den meisten schon aus, um es ausreichend nachzuempfinden.
Wichtig sind für Risto beim Oberstufentraining aber eigentlich nicht die einzelnen Techniken oder Stände. "Man setzt voraus, dass ihr einen Age-Uke könnt und auch wisst, wie man im Kokotsu-Dachi steht.", meinte er. "Wichtig ist aber, wie ihr dahingekommen seid, wie man von einem Stand in den anderen wechselt, wie die Übergänge sind." Und hieran arbeiteten wir dann auch schier endlos.
Wir übten Suri-Ashis mit Gewichtverlagerung und Tai-Sabaki: rückwärts rausgleiten mit Soto-Uke Jodan, vor mit Gyaku-Tsuki; dann rechts raus mit Age-Uke, vor Gyaku-Tsuki und schließlich aus dieser Stellung "hinten" rum, das rechte Bein versetzen und Nagashi-Uke, wieder kontern Gyaku-Tsuki. Vom Ablauf für mich schon ein "alter Hut", aber jetzt ging es um die Feinheiten: Beim Zurückgleiten immer tief bleiben, nicht hochkommen, hintere Schulter beim Block tief runter, Block erst ausführen, wenn der vordere Fuß nachrutscht und die Abwehr-Konter-Kombination dann möglichst leichtfüßig wie einen Walzer!
Auch zum Thema Kata hatte unser Coach einiges Anzumerken: Er zeigte uns wichtige Details zur Tekki Shodan und zur Bassai Dai. Ich selber durfte bei der Tekki zeigen, wie schlecht meine Rumpfbewegung ist und die Bassai Dai übten wir unter anderem als "Atemkata". Wie ist die Kata richtig? Wenn sie gut aussieht? Nein - natürlich, wenn die Techniken so ausgeführt werden, dass sie funktionieren und zwar "auf dem Schlachtfeld". Denn: Wer hat das traditionelle Karate entwickelt? Nein, nein, nicht Gichin Funakoshi! Es waren "die Überlebenden" (...der Schlacht...), "diejenigen, die mit einem gestreckten Bein vom Schlachtfeld kamen. Daher kommt die Kraft auch immer aus dem gestreckten Bein. Die anderen (die Toten, also) hatten beide Beine gestreckt." Sehr anschaulich ;-)
"Wann fängt das Karate-Training an?", fragte Risto uns gegen Ende des Lehrgangs. "Karate fängt dann an, wenn die Selbstkritik schneller wächst als das Können." Beim Karate ist es nämlich leider so, dass es "nicht glücklich macht. Wenn man bescheiden ist, dann reicht es für ein kleines Glück."
Leider habe ich meinen Notizblock in der Halle liegenlassen....sonst könnte ich sicher noch zahlreiche weitere Anmerkungen wiedergeben....

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