Samstag, 30. Oktober 2010

Kerzen und Gummis

Also - mal ganz unter uns: Hörte ich bislang die Worte Kerzen und Gummis, hätte ich sie wohl kaum in Verbindung mit einem Karatetraining gebracht. Das hat sich heute geändert. Seit langer Zeit war ich mal wieder in der Freitagstrainingseinheit. Bisher wollte ich die Familie immer ein wenig verschonen und nicht das Wochenende gleich mit Abwesenheit einleiten. Jetzt wissen aber alle, dass ich mich in der Danvorbereitung befinde und haben Verständnis, dass das Training intensiviert werden muss. Zudem war ich diese Woche nur einmal (nämlich gestern) im Dojo und das ist ja wohl eindeutig zu wenig!

Es fanden sich heute 12 Karateka plus Trainer im Dojo ein, was für diese Einheit schon viel sein soll. Ehrlich gesagt kann ich das nicht verstehen. Hey, Mann, es steht doch das Wochenende vor der Tür, was gibt es Besseres, als es mit Karate einzuleiten?! Und wenn das junge Volk abends rausgehen will - mal ganz ehrlich: Vor Mitternacht ist doch eh nie was los - warum nicht vorher noch eine Runde Gas geben? Also, ich werde mir jedenfalls die Freitagseinheit mal fest in meinen Wochenplan einbauen.

Aber jetzt zu den Gummis und Kerzen...

Freitags gibt Volker das Training, ein echtes Karate-Urgestein! Ich kenne wenige Menschen, die sich auch theoretisch so intensiv mit Karate beschäftigt haben, wie Volker. Er kennt für zahleiche Techniken nicht nur eine Ausführung, sondern kann diese von allen Seiten beleuchten und interpretieren. Das ist sehr spannend, wenn man selber auch schon ein kleines Hintergrundwissen hat. Für Anfänger oder Unterstufenkarateka ist es vielleicht etwas zu anspruchsvoll.

Volker verfolgt seit einigen Wochen wohl ein festes Trainingskonzept und erarbeitet vor allem für die JKA-Cup-Starter und Prüflinge intensiv an deren Belangen. Das kommt allerdings dann wieder allen zugute!

Nach eigenständigen Aufwärm- und Dehnübungen starteten wir mit Kizami- und Gyakutsukis, zunächst im Stand, dann mit Vor- und Rückwärtsbewegung. Puh, so kann man auch warm werden!

Anschließend sollten wir uns einen Partner suchen. Ich hatte eigentlich keine Wahl, da direkt Torsten vor mir stand. Volker verteilte nun an jedes Pärchen ein Gummi(band). Für nicht Eingeweihte der Hinweis: Es handelt sich um kreisrunde Gummibänder mit einer Breite von ca. 5 cm und einem Durchmesser von etwa einem Meter, die sehr, sehr reißfest sind. Ein Partner hielt nun das Band und bestimmte den Spannungsgrad. Der andere Partner fasste das Gummi mit seiner Faust und führte nun Kizami-Tsukis im Stand durch, erst 20 schnelle, dann 10 langsame. Bei den 10 letzten sollte die Spannung stärker sein, als vorher. Anschließend der andere Arm, danach Partnerwechsel und schließlich wieder der erste Partner dasselbe mit Gyaku-Tsuki.  Boh, ich hatte so eine Übung zwar schon mal gemacht, es muss aber in grauer Vorzeit gewesen sein! Ist das anstrengend! Ich war echt am Kämpfen! Naja, vermutlich lag das auch an meinem Partner, der es mir nicht grade leicht machte. Zudem bekam ich bei der Ausführung meiner Übung auch zahlreiche Ratschläge wie:"Denk daran, was Risto immer sagt und lass mal die Faust etwas später kommen. Schick die Faust mit der Hüfte los." Oder: "Man schlägt mit dem Ellenbogen." Ist ja alles klar, Mann, aber mit dem Schei....gummi ging das eben nicht so einfach!

Anschließend gab es eine weitere Kraftübung und zwar zum Thema Maegeri: Der eine Partner sollte sich auf den Rücken legen und ein Bein zur Brust ziehen. Der andere Partner sollte sich nun mit seinem gesamten Körpergewicht auf den Fuß des angewinkelten Beines legen. Nun sollte der Partner auf dem Rücken sein Bein strecken und den Brocken oben drauf nach oben schieben. Na, ich bin mir ziemlich sicher, dass Torsten sich Verstärkung gesucht hatte - ein Mensch allein kann unmöglich so schwer nach oben zu schieben sein!

Wir übten, quasi als kleine Konditionsübung zwischendurch, noch alle Heian-Katas, Tekki I, Bassai Dai und Enpi.

Nun, frisch "gestärkt", gab es Kumite-Training. Wir sollten Jiju-Ippon-Kumite üben, aber erstmal nur mit drei Techniken: Kizami- und Gyakutsuki sowie Mae-Geri. Aufgabe des Uke: nicht nach hinten ausweichen, sondern nur zur Seite. Ich kann gar nicht erklären, warum mir das heute so schwer fiel! Mit Torsten ging es zu Anfang noch. Dann bekam ich aber mit Magnus einen Partner, der ungefähr doppelt so schwer ist wie ich und viel, viel größer....irgendwie war ich mit meinen Abwehr- und Kontertechniken nicht zufrieden!

Eigentlich war die Trainingszeit schon um. Da aber nach uns "Feierabend" war, bot Volker Marc und Torsten nochmal eine besondere Turnier- bzw. Prüfungsvorbereitung.

Zum Abschluss holte Volker dann noch Teelilchter und Streicholzschachteln hervor. Ich dachte:"Na, jetzt machen wir vielleicht eine besonders stimmungsvolle Abschlussmeditation." Aber nein, es kam anders: Volker zeigte uns eine sehr effektive Übung für Maegeri: Wir sollten uns in den Zenkutsu-Dachi stellen und auf die Zehen des hinteren Fußes ein Teelicht oder eine Streichholzschachtel legen. Nun sollten wir die Knie zusammenführen und einen Mae-Geri ausführen - ohne dass die Schachtel herunterfallen durfte! Ich hatte natürlich meine liebe Mühe mit dieser Übung, während mein Nachbar Torsten sie gleich wieder grinsend zu einem Sonoba-Geri ausbaute! Nee, is klaaar! ;-)

Nach einem ausgiebigen Saunagang war ich jedenfalls dann doch froh, dass ich nicht mehr unbedingt an jedem Freitag auf die Rolle gehen muss.....

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