Mittwoch, 15. Dezember 2010

Paradigmenwechsel

Ganz aktuell, vor wenigen Tagen erst, habe ich mich beim Lesen einer kurzweiligen kleinen Sokrates-Biografie in dieses Wort verliebt! Und gestern leitete Thorsten Rabeneck das Kumitetraining hiermit ein. Das Vereinsturnier sei vorbei, es sei jetzt Zeit für einen Paradigmenwechsel. Unter einem Paradigmenwechlel versteht man die Änderung einer Grundlage, eines Musters oder Vorbilds für eine Weiterentwicklung - so stand es über Sokrates, der forderte, dass jeder Mensch die Verantwortung über sein Leben selber übernehmen müsse und letztlich das eigene Gewissen die höchste moralische Instanz sei. Schon sehr philosophisch, dieser alte Grieche!

Das Training am Dienstag gestaltete sich dann allerdings zunächst ganz und gar nicht philosophisch, sondern absolut real und handfest! Vor einem augiebigen Grundschul-Teil starteten wir wie üblich mit einigen Runden Randori, wobei die Traininsintensität hier von Runde zu Runde zunehmen sollte. Thorsten wies uns an, dass es jetzt Zeit sei für den eingangs erwähnten Paradigmenwechsel: Das Vereinsturnier ist vorbei - nun sollten wir nicht mehr primär die Techniken üben, die wir am punktsichersten ins Ziel bringen könnten, sondern auch einmal Neues ausprobieren und eher auch mal Bewegungsmuster üben, die wir noch nicht so gut beherrschten.

Nach dem Kihon gingen wir über zu Kumite-Basics: Kihon- und Jiju-Ippon-Kumite. Direkt nach dem ersten Durchgang ermahnte Thorsten uns, in der Wachsamkeit, im Sanshin, nach dem Abschluss der Techniken nicht nachzulassen. Wachsam bleiben, war die Devise! Und so durften wir bereits im Kihon-Ippon-Kumite noch einige Zusatzübungen machen. Thorsten wies darauf hin, dass im Dojo von Shihan Ochi regelmäßig alle Kumiteformen geübt würden und dass man sich auch als Schwarzgurt nicht zu schade sein sollte, zurück zum Ursprung zu gehen. Die Kumite-Übung, die mir persönlich am "unliebsten" ist, nämlich das Gohon-Kumite, ließen wir dann allerdings in dieser Einheit weg. Wir hatten diese Form jedoch grade noch beim Ochi-Lehrgang in Saarbrücken geübt. Hier fiel mir auch in der Tat auf, dass man bei einem starken Trainingspartner hier einem extrem starken Druck unterliegt. Eigentlich ist dies eine besonders gute Möglichkeit, die Wachsamkeit aufrecht zu erhalten! Hmmm, ich denke, ich werde das mal bei meiner künftigen Trainingsplanung berücksichtigen....

Thorsten wies zudem darauf hin, dass es beim Kihon-Ippon-Kumite und auch beim anschließenden Jiju-Ippon-Kumite keine Ausrede für einen schwachen Konter gäbe! Wenn die Angriffstechnik bekannt sei, müsse im Grunde jeder von uns in der Lage sein, stark zu blocken und präzise zu kontern. Ganz eindeutig schien das leider nicht allen klar zu sein, denn "unser" Marc verpasste seinem Trainingspartner Holger doch tatsächlich eine blutige Lippe beim Konter mit Gyaku-Tsuki Jodan! Sollte eigentlich nicht passieren!!

Die Zeit verging beim Training mit verschiedenen Partnern wie im Fluge. Zudem wurden uns verschiedene Aufgaben gestellt: Konter nur mit Faust- oder ausschließlich mit Fußtechniken oder - was wohl für die meisten von uns die schwierigste Aufgabe war - ausschließlich mit Shuto- oder Heito-Uchi, Empi oder Hiza-Geri.

Auch gegen Ende der Einheit war Thorsten mit der Stärke unserer Kontertechniken noch nicht ganz zufrieden. Diese genauso stark auszuführen wie den Angriff, das wird zumindest für mich die Aufgabe der nächsten Trainingseinheiten sein. Hier wird neben meinem eigenen Gefühl für die Stärke der Technik die Reaktion meiner Trainingspartner wohl die höchste Instanz sein :-)

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