Dienstag, 27. März 2007
Intensiv-Lehrgang mit Risto Kiiskilä Januar 2007
Intensiv-Lehrgang 2007 mit Risto Kiiskilä vom 08.-12.01.2007
Trainieren, worauf es ankommt
Das neue Jahr war kaum geschlüpft, da fand nun schon zum 13. Mal der Intensiv-Lehrgang mit Risto in seinem Dojo in Frankfurt statt. Zum 13. – aber für mich zum ersten Mal! Der Lehrgang war nicht nur intensiv, sondern auch international: Es waren deutsche Teilnehmer u. a. aus Berlin, Kamenz, Rotenburg und Münster angereist und auch Finnen aus Lahti, Oulu und Rovaniemi sowie einige Karateka aus Estland. Demzufolge waren hier wieder einmal nicht nur körperliche sondern auch sprachliche Fertigkeiten gefordert. Da kam man schon einmal ein wenig durcheinander, wen man in welcher Sprache anreden sollte und es wurde hauptsächlich „Finglisch“ gesprochen.
Auch andere dieser rund 40 Karatebegeisterten, die sich größtenteils für diese Woche extra Urlaub genommen hatten, waren wie ich schon am Sonntag vor Lehrgangsbeginn angereist. Es wurde bereits in diversen Gesprächen an diesem Abend klar: Hier wird nur trainiert, worauf es ankommt. Jedoch: Vom Violettgurt bis zum hoch graduierten Danträger – es war ein bunt gemischter Haufen an Wissbegierigen versammelt. Wie soll man da auf einen Punkt bringen, „worauf es ankommt“? Für den einen steht vielleicht die Kata im Vordergrund, der andere möchte beim Kihon etwas dazulernen und der Dritte kann es nicht abwarten, sich im Kumite zu messen. Aber egal, was uns „Bedürftigen“ auch fehlte: Risto hatte für jeden etwas im Angebot. Und wieder Mal hatte er auch jeden im Auge. Es wurde jeder Fehler gesehen, niemand konnte sich verstecken, auch nicht in „Reihe vier“.
Nach ausgiebigem Ausschlafen und Frühstücken bat Risto uns zweimal täglich ins Dojo. Zudem wurde ein eigenständiges Vorwärmen und Dehnen erwartet. Zumeist starteten wir mit Kihon oder mit Kata. Selbst wenn wir das Training einmal mit einer Art Aufwärmübung begonnen hatten, so war dies dennoch kein Aufwärmen im klassischen Sinne, welches sich nach und nach steigert und dann eine angenehme Wärme durch den Körper strömen lässt, der dadurch allmählich wach wird und sich auf die kommenden Übungen zu freuen beginnt. Nein – hier ging es gleich richtig los, so dass wir bereits nach wenigen Minuten „gut durch“ waren und man sich zu fragen begann, wie man den Rest der Einheit durchstehen sollte. Dies war vielleicht zu Beginn der Woche noch eine neue und interessante Herausforderung – je weiter die Tage jedoch durch den Kalender purzelten, desto mehr dachte man schon wieder mit Grauen an die ersten Minuten der kommenden Trainingseinheit, da die geschundenen Gliedmaßen inzwischen merklich schmerzten und auch die ein oder andere Hornhaut sich schon stante pede aus dem Staube gemacht hatte. Aber wahres Karate ist, dieses „Oh nein!“ bei der Willensbildung auszuschalten und einfach weiter zu machen.
Kaum war die Einheit jedoch fortgeschritten, hatte man keine Gelegenheit mehr, daran zu denken, was noch kommen könnte oder wie lange das Training noch dauern mag. Ähnlich dem in dem Buch „Moving Zen“ beschriebenen angestrebten Zustand waren wir alle physisch und mental so voll auf die komplexen Übungen konzentriert, dass für andere Gedanken kein Platz blieb. Selbst wenn der ein oder andere eventuell geneigt gewesen wäre, einen Blick auf die sich an der Wand befindlichen Uhr zu riskieren, so wurde die Sicht doch meist durch das durch den Schweiß verursachte Brennen in den Augen fast unmöglich.
Etwas mehr Beweglichkeit, bitte! Darauf legte Risto wie immer viel Wert. Beweglichkeit ja – aber bitte keine unnötigen Bewegungen, wie z. B. meine redundanten Ausholbewegungen vor dem Gyaku-Tsuki oder bitte kein unnützes Herumrudern mit den Armen bei der Ausführung der Fußtritte oder -feger. Die Beweglichkeit sollte vielmehr in der Hüfte vorhanden sein. Hüfte, was ist das eigentlich? Wer sich von den Teilnehmern jetzt verstohlen an die Körperseite in Höhe der Pobacken fasste, der ging fehl: Die Hüften sitzen laut Risto „in den Oberschenkeln“. Das dort oberhalb ist lediglich der Knochen. Will meinen: Die Hüftdrehung muss ihren Impuls aus den Oberschenkeln bekommen. Ich weiß nicht, wie viele Hüftdrehungen ich in dieser Woche versucht habe. Ich weiß nur, dass meine Hüftknochen an die Grenze ihrer Belastbarkeit gekommen und mir jetzt immer noch gram sind. Sicher ist für mich: Ristos Hüften müssen aus Gummi bestehen! Anders ist diese Beweglichkeit für mich nicht erklärbar!
Regelgerechte Spannung und Entspannung der Muskeln – und zwar beides jeweils im richtigen Moment. Das ist ein weiterer Baustein für präzise Karatetechniken. Nur so kann z. B. der Tsuki auf den Punkt gebracht und kontrolliert werden. Nur so kann das Rückgrat des Gegners anvisiert, der Fauststoß dennoch im letzten Moment gestoppt werden. Nur so werden die Techniken nicht geschoben, sondern gestoßen. Zudem spart es Energie, denn eine permanente Anspannung erschöpft viel mehr als die kurze aber explosive Kraftaufwendung. Schließlich ermöglicht die perfekte Balance aus Spannung und Entspannung auch eine schnellere Ausführung der Techniken, so dass man im Kampf den entscheidenden Sekunden-Bruchteil eher am Gegner ist, als dieser einen hätte treffen können.
i-Tüpfelchen war wieder einmal die exakte Atemtechnik, auf die Risto wie immer genauestens achtete. Wenn die Bewegungen zu langsam waren, lag es möglicher Weise schlicht an der zu langsamen Atmung. U-We war diesmal nicht dabei und auch Ha-Ha-hatten wir diesmal nicht viel zu lachen. Dafür hatten wir im Rhythmus ganzer Symphonien zu atmen, um bei den komplexen Übungen die einzelnen Techniken jeweils richtig zu betonen. Dies animierte gar die verletzungsbedingt auf den Zuschauerrang verwiesenen Lehrgangsteilnehmer dazu, uns mit fiktiven Taktstöcken zu dirigieren.
Schwerpunktverlagerung und Standbein benutzen – hiermit und mit der daraus resultierenden Kraftübertragung wird das Risto-Puzzle komplett. Die Übungspalette war umfangreich. Block und Konter, Vor-Seit-Vor-Bewegungen um den Gegner zu täuschen oder sich ihm fast unbemerkt zu nähern, Suri-Ashi vor, seitlich, zurück - das Rascheln und Rauschen der über die Tatamis wischenden Fußsohlen wurde nur selten von dem draußen tobendem Wintersturm oder dem prasselndem Regen übertönt. Am Ende einer jeden Trainingseinheit hatten wir dann alle die Gelegenheit, zu überprüfen: Hatten wir gemerkt und genug geübt „worauf es ankommt“? Dann hieß es nämlich immer „locker Freikampf“ – und zwar egal, wie müde oder kaputt wir schon waren. Jetzt kam quasi die Stunde der Wahrheit und die Interpretation des Wörtchens „locker“ hat wahrlich eine große Spannbreite! Es war für mich unglaublich faszinierend, wie unterschiedlich meine Gegner waren! Vom finnischen Nationalkadermitglied Mika über die brillanten Athleten aus z. B. Berlin und Kamenz zu einigen nicht weniger motivierten Karate-Veteranen war alles dabei. Mein erklärter Lieblingsgegner war der mir sowohl in Alter als auch Karatepräzision bereits vorausgeeilte Pavo aus Oulu. Kämpften wir miteinander, knisterte die Luft zwischen uns förmlich vor Spannung! So macht Karate Spaß!
Theorie – auch neben den Übungen zur Leibesertüchtigung wurde uns allerhand abverlangt. Und dies nicht nur in den endlos scheinenden nächtlichen Diskussionen über das Für und Wider spezieller Techniken oder der Frage, ob es sich bei der Aufbewahrung von Bier in Plastikflaschen um einen Stilbruch handelte! Nein, dieser Lehrgang beinhaltete auch eine ganz besondere Neuheit: Durch Andreas Förster, Inhaber des Fitnessstudios Inform und Mitglied des Karatevereins Bushido Berlin, wurde uns in einem fünfstündigen Lehrgang der „Fitnessführerschein“ vermittelt. Andreas verfügt als Diplomsportlehrer und langjähriger Danträger über umfangreiches Hintergrundwissen zum Thema Fitness. In diesem Kurs wurden uns erahnte oder fast wieder vergessene Hintergründe bezüglich körperlicher Vorgänge wie Muskelaufbau und Pulsfrequenz vermittelt. Es wurde uns aber auch verdeutlicht, welche unterschiedlichen Trainingsziele beim Fitnesstraining verfolgt und wie diese erreicht werden könnten. Durch die praktische Veranschaulichung einzelner Muskelgruppen anhand von „Modell Claudia“ oder die eindrucksvollen Vorführungen einiger Fitness-Neulinge beim Bankdrücken oder Butterfly wurden die theoretischen Unterweisungen aufgelockert. Ich bin mir sicher, dass der Fitnessführerschein den ein oder anderen zu konsequenterem Fitness- oder Ausdauer-Training neben dem Karate motiviert hat. Jedenfalls fassten sich überraschend viele Lehrgangsteilnehmer schon im Verlauf der folgenden Trainingseinheiten hin und wieder mal an die Schlagader, um den Puls zu messen.
Oh ja, ich gebe es zu: Ich war sehr froh, als ich meine letzte Trainingseinheit unverletzt überstanden hatte. So wurde mir auch wohl nur halb im Scherz bei der Verabschiedung zu meinem ersten überstandenen Intensiv-Lehrgang gratuliert. Andererseits ratterten bei mir bereits auf dem Rückweg im Zug schon die Gedanken, wie ich das, was ich auf dem Lehrgang vermittelt bekommen hatte, wohl in den nächsten Wochen üben werde. Ich werde vermutlich so lange über den heimischen Parkettboden rutschen, bis das in Kürze vorgesehene Abschleifen des Holzes überflüssig geworden sein wird.
Trainieren, worauf es ankommt
Das neue Jahr war kaum geschlüpft, da fand nun schon zum 13. Mal der Intensiv-Lehrgang mit Risto in seinem Dojo in Frankfurt statt. Zum 13. – aber für mich zum ersten Mal! Der Lehrgang war nicht nur intensiv, sondern auch international: Es waren deutsche Teilnehmer u. a. aus Berlin, Kamenz, Rotenburg und Münster angereist und auch Finnen aus Lahti, Oulu und Rovaniemi sowie einige Karateka aus Estland. Demzufolge waren hier wieder einmal nicht nur körperliche sondern auch sprachliche Fertigkeiten gefordert. Da kam man schon einmal ein wenig durcheinander, wen man in welcher Sprache anreden sollte und es wurde hauptsächlich „Finglisch“ gesprochen.
Auch andere dieser rund 40 Karatebegeisterten, die sich größtenteils für diese Woche extra Urlaub genommen hatten, waren wie ich schon am Sonntag vor Lehrgangsbeginn angereist. Es wurde bereits in diversen Gesprächen an diesem Abend klar: Hier wird nur trainiert, worauf es ankommt. Jedoch: Vom Violettgurt bis zum hoch graduierten Danträger – es war ein bunt gemischter Haufen an Wissbegierigen versammelt. Wie soll man da auf einen Punkt bringen, „worauf es ankommt“? Für den einen steht vielleicht die Kata im Vordergrund, der andere möchte beim Kihon etwas dazulernen und der Dritte kann es nicht abwarten, sich im Kumite zu messen. Aber egal, was uns „Bedürftigen“ auch fehlte: Risto hatte für jeden etwas im Angebot. Und wieder Mal hatte er auch jeden im Auge. Es wurde jeder Fehler gesehen, niemand konnte sich verstecken, auch nicht in „Reihe vier“.
Nach ausgiebigem Ausschlafen und Frühstücken bat Risto uns zweimal täglich ins Dojo. Zudem wurde ein eigenständiges Vorwärmen und Dehnen erwartet. Zumeist starteten wir mit Kihon oder mit Kata. Selbst wenn wir das Training einmal mit einer Art Aufwärmübung begonnen hatten, so war dies dennoch kein Aufwärmen im klassischen Sinne, welches sich nach und nach steigert und dann eine angenehme Wärme durch den Körper strömen lässt, der dadurch allmählich wach wird und sich auf die kommenden Übungen zu freuen beginnt. Nein – hier ging es gleich richtig los, so dass wir bereits nach wenigen Minuten „gut durch“ waren und man sich zu fragen begann, wie man den Rest der Einheit durchstehen sollte. Dies war vielleicht zu Beginn der Woche noch eine neue und interessante Herausforderung – je weiter die Tage jedoch durch den Kalender purzelten, desto mehr dachte man schon wieder mit Grauen an die ersten Minuten der kommenden Trainingseinheit, da die geschundenen Gliedmaßen inzwischen merklich schmerzten und auch die ein oder andere Hornhaut sich schon stante pede aus dem Staube gemacht hatte. Aber wahres Karate ist, dieses „Oh nein!“ bei der Willensbildung auszuschalten und einfach weiter zu machen.
Kaum war die Einheit jedoch fortgeschritten, hatte man keine Gelegenheit mehr, daran zu denken, was noch kommen könnte oder wie lange das Training noch dauern mag. Ähnlich dem in dem Buch „Moving Zen“ beschriebenen angestrebten Zustand waren wir alle physisch und mental so voll auf die komplexen Übungen konzentriert, dass für andere Gedanken kein Platz blieb. Selbst wenn der ein oder andere eventuell geneigt gewesen wäre, einen Blick auf die sich an der Wand befindlichen Uhr zu riskieren, so wurde die Sicht doch meist durch das durch den Schweiß verursachte Brennen in den Augen fast unmöglich.
Etwas mehr Beweglichkeit, bitte! Darauf legte Risto wie immer viel Wert. Beweglichkeit ja – aber bitte keine unnötigen Bewegungen, wie z. B. meine redundanten Ausholbewegungen vor dem Gyaku-Tsuki oder bitte kein unnützes Herumrudern mit den Armen bei der Ausführung der Fußtritte oder -feger. Die Beweglichkeit sollte vielmehr in der Hüfte vorhanden sein. Hüfte, was ist das eigentlich? Wer sich von den Teilnehmern jetzt verstohlen an die Körperseite in Höhe der Pobacken fasste, der ging fehl: Die Hüften sitzen laut Risto „in den Oberschenkeln“. Das dort oberhalb ist lediglich der Knochen. Will meinen: Die Hüftdrehung muss ihren Impuls aus den Oberschenkeln bekommen. Ich weiß nicht, wie viele Hüftdrehungen ich in dieser Woche versucht habe. Ich weiß nur, dass meine Hüftknochen an die Grenze ihrer Belastbarkeit gekommen und mir jetzt immer noch gram sind. Sicher ist für mich: Ristos Hüften müssen aus Gummi bestehen! Anders ist diese Beweglichkeit für mich nicht erklärbar!
Regelgerechte Spannung und Entspannung der Muskeln – und zwar beides jeweils im richtigen Moment. Das ist ein weiterer Baustein für präzise Karatetechniken. Nur so kann z. B. der Tsuki auf den Punkt gebracht und kontrolliert werden. Nur so kann das Rückgrat des Gegners anvisiert, der Fauststoß dennoch im letzten Moment gestoppt werden. Nur so werden die Techniken nicht geschoben, sondern gestoßen. Zudem spart es Energie, denn eine permanente Anspannung erschöpft viel mehr als die kurze aber explosive Kraftaufwendung. Schließlich ermöglicht die perfekte Balance aus Spannung und Entspannung auch eine schnellere Ausführung der Techniken, so dass man im Kampf den entscheidenden Sekunden-Bruchteil eher am Gegner ist, als dieser einen hätte treffen können.
i-Tüpfelchen war wieder einmal die exakte Atemtechnik, auf die Risto wie immer genauestens achtete. Wenn die Bewegungen zu langsam waren, lag es möglicher Weise schlicht an der zu langsamen Atmung. U-We war diesmal nicht dabei und auch Ha-Ha-hatten wir diesmal nicht viel zu lachen. Dafür hatten wir im Rhythmus ganzer Symphonien zu atmen, um bei den komplexen Übungen die einzelnen Techniken jeweils richtig zu betonen. Dies animierte gar die verletzungsbedingt auf den Zuschauerrang verwiesenen Lehrgangsteilnehmer dazu, uns mit fiktiven Taktstöcken zu dirigieren.
Schwerpunktverlagerung und Standbein benutzen – hiermit und mit der daraus resultierenden Kraftübertragung wird das Risto-Puzzle komplett. Die Übungspalette war umfangreich. Block und Konter, Vor-Seit-Vor-Bewegungen um den Gegner zu täuschen oder sich ihm fast unbemerkt zu nähern, Suri-Ashi vor, seitlich, zurück - das Rascheln und Rauschen der über die Tatamis wischenden Fußsohlen wurde nur selten von dem draußen tobendem Wintersturm oder dem prasselndem Regen übertönt. Am Ende einer jeden Trainingseinheit hatten wir dann alle die Gelegenheit, zu überprüfen: Hatten wir gemerkt und genug geübt „worauf es ankommt“? Dann hieß es nämlich immer „locker Freikampf“ – und zwar egal, wie müde oder kaputt wir schon waren. Jetzt kam quasi die Stunde der Wahrheit und die Interpretation des Wörtchens „locker“ hat wahrlich eine große Spannbreite! Es war für mich unglaublich faszinierend, wie unterschiedlich meine Gegner waren! Vom finnischen Nationalkadermitglied Mika über die brillanten Athleten aus z. B. Berlin und Kamenz zu einigen nicht weniger motivierten Karate-Veteranen war alles dabei. Mein erklärter Lieblingsgegner war der mir sowohl in Alter als auch Karatepräzision bereits vorausgeeilte Pavo aus Oulu. Kämpften wir miteinander, knisterte die Luft zwischen uns förmlich vor Spannung! So macht Karate Spaß!
Theorie – auch neben den Übungen zur Leibesertüchtigung wurde uns allerhand abverlangt. Und dies nicht nur in den endlos scheinenden nächtlichen Diskussionen über das Für und Wider spezieller Techniken oder der Frage, ob es sich bei der Aufbewahrung von Bier in Plastikflaschen um einen Stilbruch handelte! Nein, dieser Lehrgang beinhaltete auch eine ganz besondere Neuheit: Durch Andreas Förster, Inhaber des Fitnessstudios Inform und Mitglied des Karatevereins Bushido Berlin, wurde uns in einem fünfstündigen Lehrgang der „Fitnessführerschein“ vermittelt. Andreas verfügt als Diplomsportlehrer und langjähriger Danträger über umfangreiches Hintergrundwissen zum Thema Fitness. In diesem Kurs wurden uns erahnte oder fast wieder vergessene Hintergründe bezüglich körperlicher Vorgänge wie Muskelaufbau und Pulsfrequenz vermittelt. Es wurde uns aber auch verdeutlicht, welche unterschiedlichen Trainingsziele beim Fitnesstraining verfolgt und wie diese erreicht werden könnten. Durch die praktische Veranschaulichung einzelner Muskelgruppen anhand von „Modell Claudia“ oder die eindrucksvollen Vorführungen einiger Fitness-Neulinge beim Bankdrücken oder Butterfly wurden die theoretischen Unterweisungen aufgelockert. Ich bin mir sicher, dass der Fitnessführerschein den ein oder anderen zu konsequenterem Fitness- oder Ausdauer-Training neben dem Karate motiviert hat. Jedenfalls fassten sich überraschend viele Lehrgangsteilnehmer schon im Verlauf der folgenden Trainingseinheiten hin und wieder mal an die Schlagader, um den Puls zu messen.
Oh ja, ich gebe es zu: Ich war sehr froh, als ich meine letzte Trainingseinheit unverletzt überstanden hatte. So wurde mir auch wohl nur halb im Scherz bei der Verabschiedung zu meinem ersten überstandenen Intensiv-Lehrgang gratuliert. Andererseits ratterten bei mir bereits auf dem Rückweg im Zug schon die Gedanken, wie ich das, was ich auf dem Lehrgang vermittelt bekommen hatte, wohl in den nächsten Wochen üben werde. Ich werde vermutlich so lange über den heimischen Parkettboden rutschen, bis das in Kürze vorgesehene Abschleifen des Holzes überflüssig geworden sein wird.
Weihnachtslehrgang mit Risto Kiiskilä 2006
Hauskaa Joulua!
Eine schöne Bescherung
Wie sich der sprachbegabte Leser denken kann, ist „Hauskaa Joulua“ ein finnischer Weihnachtsgruß und wer die letzten Ausgaben dieses Heftes aufmerksam durchgelesen hat, der kann sich vielleicht erinnern, dass mein Name häufig im Zusammenhang mit Finnland auftauchte. Genauer gesagt: im Zusammenhang mit einem finnischen Trainer. Um es auf den Punkt zu bringen: mit Risto Kiiskilä. Regelmäßig verzweifele ich, wenn ich versuche, mich von ihm im Karate unterweisen zu lassen (und vermutlich ist es umgekehrt genauso). Aber ich gebe nicht auf. Ein wenig möchte ich das auch lernen, so zu kämpfen und meinem Trainingspartner zurufen können "Feel the Ippon!“, was ja auch Ristos Trainings-Motto ist. Also nix wie ab zum Weihnachtslehrgang nach Frankfurt. Schließlich sollte der Trainingseifer ja auch am Samstag Abend mit einer Weihnachtsfeier belohnt werden! Was mir nicht so bewusst war: Es handelte sich offensichtlich eher um einen Dojo-internen Kurs und so war mir diesmal wenigstens der "Pokal für die weiteste Anreise" gegönnt! Risto wusste es offensichtlich sehr zu schätzen, dass ich keine Kosten und Mühen gescheut hatte und mich, den drei Weisen aus dem Morgenlande ähnlich, auf den weiten Weg gemacht hatte, um dem Stern der Karate-Erleuchtung zu folgen. Aber statt der heiligen Familie im Stall erwartete mich hier Kumite mit Knall! Risto wollte mir wohl ein ganz besonderes - und vielleicht besonders finnisches? - Weihnachtsgeschenk bereiten: Ich durfte (wieder einmal) ständig nach vorne kommen und meine unzureichenden Karatetechniken demonstrieren, damit diese von allen Lehrgangsteilnehmern durchdiskutiert werden konnten. So nach der cirka zehnten Korrektur sank bei mir allmählich der Motivationsspiegel und ich konnte mich immer schlechter auf die eigentliche Übung konzentrieren, spürte ich doch ständig diesen wie einen finnischen Moskito stechenden Blick im Rücken! Statt der Hirten auf dem Felde hatte ich zum Glück meine unendlich geduldigen Trainingspartner, die mir immer wieder den Weg wiesen, damit ich zu meiner ganz besonderen Weihnachts-Bescherung finden konnte: Nach und nach reifte zumindest theoretisch die Kenntnis über das, "worauf es ankommt".
Wille, Geduld und Mühe, statt Weihrauch, Gold und Myrrhe
Das waren meine "Gaben", die ich den frisch gewonnenen Erkenntnissen opfern musste. Und was habe ich mitgenommen? Auf jeden Fall viele bunte Päckchen mit Hausaufgaben, die es nun im heimatlichen Dojo auszupacken gilt. Die vielen Trainings-Inspirationen konnte ich unmöglich alle innerhalb der drei Übungseinheiten verinnerlichen, auch wenn die beiden Lektionen am Samstag je zwei Stunden dauerten. Gewichtsverlagerung, Suri-Ashi, die "Zwei-Ippon-Theorie", das Nicht-Ausholen vor dem Gyaku-Tsuki, Schultern runter, Tsuki "mit dem Ellenbogen" schlagen, nicht nur mit der Faust, Abdruck aus dem hinteren Bein nicht vergessen usw., usw. Wie so viele der Beschenkten jedes Jahr aufs Neue die x-te Krawatte, das zig-ste Parfum zur Bescherung erhalten, so waren auch mir einige der "Geschenke" Ristos in der Vergangenheit schon einmal vermittelt worden. Aber manches nutzt sich mit der Zeit ab oder verbraucht sich und man kann diese Gaben ruhig einmal auffrischen, sei es auch nur mit dem "Ach-jaaaa"-Effekt.
"Umtausch ausgeschlossen!"
Das sollte sich bei Geschenken von selbst verstehen. Und normaler Weise soll man ja das, was man selber geschenkt bekam, nicht weiter geben. Nicht so aber in Ristos Dojo. Und zum Glück. Denn so konnte ich von dem reichen Erfahrungsschatz meiner "Hirten" profitieren, die ihre von Risto vermittelten Kenntnisse an mich weitergaben und für mich das weihnachtliche "Polarlicht" der Kata Hokkyokuko an den Himmel gezaubert haben.
Mondo unterm Mistelzweig
Auch wenn nur im symbolischen Sinne, denn mit dem traditionellen Grün war das Dojo nicht bestückt. Wohl aber mit Lichterketten, Kerzenschein und reichlich guter Laune. So ergaben sich bei der dem Lehrgang folgenden Weihnachtsfeier viele nette und interessante Gespräche. Es wurden Mail-Adressen ausgetauscht, Lappland-Aufenthalte geplant, Bücher diskutiert oder einfach nur gelacht und Spaß gehabt. Vielleicht war die Atmosphäre nicht ganz so besinnlich wie damals bei Maria und Josef im Stall dafür aber etwas lockerer und lustiger. Kurz bevor ich freundlicher Weise mit dem quasi Dojo-eigenen Taxi zu meiner Unterkunft gebracht wurde, verabschiedete ich mich von meinem Gastgeber und meinen "Hirten" und hoffte zumindest, dass ich an diesem weihnachtlichen Lehrgang nicht ausgerechnet der Esel im Stall gewesen bin.
Oss, Icky
Eine schöne Bescherung
Wie sich der sprachbegabte Leser denken kann, ist „Hauskaa Joulua“ ein finnischer Weihnachtsgruß und wer die letzten Ausgaben dieses Heftes aufmerksam durchgelesen hat, der kann sich vielleicht erinnern, dass mein Name häufig im Zusammenhang mit Finnland auftauchte. Genauer gesagt: im Zusammenhang mit einem finnischen Trainer. Um es auf den Punkt zu bringen: mit Risto Kiiskilä. Regelmäßig verzweifele ich, wenn ich versuche, mich von ihm im Karate unterweisen zu lassen (und vermutlich ist es umgekehrt genauso). Aber ich gebe nicht auf. Ein wenig möchte ich das auch lernen, so zu kämpfen und meinem Trainingspartner zurufen können "Feel the Ippon!“, was ja auch Ristos Trainings-Motto ist. Also nix wie ab zum Weihnachtslehrgang nach Frankfurt. Schließlich sollte der Trainingseifer ja auch am Samstag Abend mit einer Weihnachtsfeier belohnt werden! Was mir nicht so bewusst war: Es handelte sich offensichtlich eher um einen Dojo-internen Kurs und so war mir diesmal wenigstens der "Pokal für die weiteste Anreise" gegönnt! Risto wusste es offensichtlich sehr zu schätzen, dass ich keine Kosten und Mühen gescheut hatte und mich, den drei Weisen aus dem Morgenlande ähnlich, auf den weiten Weg gemacht hatte, um dem Stern der Karate-Erleuchtung zu folgen. Aber statt der heiligen Familie im Stall erwartete mich hier Kumite mit Knall! Risto wollte mir wohl ein ganz besonderes - und vielleicht besonders finnisches? - Weihnachtsgeschenk bereiten: Ich durfte (wieder einmal) ständig nach vorne kommen und meine unzureichenden Karatetechniken demonstrieren, damit diese von allen Lehrgangsteilnehmern durchdiskutiert werden konnten. So nach der cirka zehnten Korrektur sank bei mir allmählich der Motivationsspiegel und ich konnte mich immer schlechter auf die eigentliche Übung konzentrieren, spürte ich doch ständig diesen wie einen finnischen Moskito stechenden Blick im Rücken! Statt der Hirten auf dem Felde hatte ich zum Glück meine unendlich geduldigen Trainingspartner, die mir immer wieder den Weg wiesen, damit ich zu meiner ganz besonderen Weihnachts-Bescherung finden konnte: Nach und nach reifte zumindest theoretisch die Kenntnis über das, "worauf es ankommt".
Wille, Geduld und Mühe, statt Weihrauch, Gold und Myrrhe
Das waren meine "Gaben", die ich den frisch gewonnenen Erkenntnissen opfern musste. Und was habe ich mitgenommen? Auf jeden Fall viele bunte Päckchen mit Hausaufgaben, die es nun im heimatlichen Dojo auszupacken gilt. Die vielen Trainings-Inspirationen konnte ich unmöglich alle innerhalb der drei Übungseinheiten verinnerlichen, auch wenn die beiden Lektionen am Samstag je zwei Stunden dauerten. Gewichtsverlagerung, Suri-Ashi, die "Zwei-Ippon-Theorie", das Nicht-Ausholen vor dem Gyaku-Tsuki, Schultern runter, Tsuki "mit dem Ellenbogen" schlagen, nicht nur mit der Faust, Abdruck aus dem hinteren Bein nicht vergessen usw., usw. Wie so viele der Beschenkten jedes Jahr aufs Neue die x-te Krawatte, das zig-ste Parfum zur Bescherung erhalten, so waren auch mir einige der "Geschenke" Ristos in der Vergangenheit schon einmal vermittelt worden. Aber manches nutzt sich mit der Zeit ab oder verbraucht sich und man kann diese Gaben ruhig einmal auffrischen, sei es auch nur mit dem "Ach-jaaaa"-Effekt.
"Umtausch ausgeschlossen!"
Das sollte sich bei Geschenken von selbst verstehen. Und normaler Weise soll man ja das, was man selber geschenkt bekam, nicht weiter geben. Nicht so aber in Ristos Dojo. Und zum Glück. Denn so konnte ich von dem reichen Erfahrungsschatz meiner "Hirten" profitieren, die ihre von Risto vermittelten Kenntnisse an mich weitergaben und für mich das weihnachtliche "Polarlicht" der Kata Hokkyokuko an den Himmel gezaubert haben.
Mondo unterm Mistelzweig
Auch wenn nur im symbolischen Sinne, denn mit dem traditionellen Grün war das Dojo nicht bestückt. Wohl aber mit Lichterketten, Kerzenschein und reichlich guter Laune. So ergaben sich bei der dem Lehrgang folgenden Weihnachtsfeier viele nette und interessante Gespräche. Es wurden Mail-Adressen ausgetauscht, Lappland-Aufenthalte geplant, Bücher diskutiert oder einfach nur gelacht und Spaß gehabt. Vielleicht war die Atmosphäre nicht ganz so besinnlich wie damals bei Maria und Josef im Stall dafür aber etwas lockerer und lustiger. Kurz bevor ich freundlicher Weise mit dem quasi Dojo-eigenen Taxi zu meiner Unterkunft gebracht wurde, verabschiedete ich mich von meinem Gastgeber und meinen "Hirten" und hoffte zumindest, dass ich an diesem weihnachtlichen Lehrgang nicht ausgerechnet der Esel im Stall gewesen bin.
Oss, Icky
Gasshuku 2006 in Immenstadt
Trainer, Tipps und Turnhallen
Zu Beginn möchte ich meinen Sensei Michael –sinngemäß- zitieren: „Wenn ich einen Tsuki ausführe, schicke ich Energie in die Welt. Diese Energie verliert sich dann aber nicht im Nichts, sondern geht einmal um die Welt und kommt dann zu mir zurück.“ Wow! Das war treffend formuliert! Daher kommt es also, dass ich mich trotz Kräfte zehrender Karatetechniken selten ausgepowert fühle, sondern selbst nach einem Gasshuku voller Grenzerfahrungen ein einziges Energiepaket und kaum zu bremsen bin!
Nach dem Gasshuku 2003 in Oberstdorf war der in Immenstadt nun mein zweiter. Übernachtung in der Halle….ob ich das in meinem hohen Alter wirklich noch brauche? Egal, es war allemal interessant und geschlafen haben wir sowieso nicht viel! Die Zeit verging auch viel zu schnell in unserer tollen Truppe.
Jeder, der schon einmal an einem Gasshuku teilgenommen hat, weiß, dass dies eine äußerst vielseitige Veranstaltung ist. Einige Trainer waren mir bekannt, auf andere war ich gespannt. Die Übungen „meines“ Risto waren mir inzwischen einigermaßen vertraut, dafür überraschte mich Shihan Sugimura mit dem Kizami Gyaku-Tsuki (Gyaku-Tsuki ohne Hüfteinsatz).
Ken Whitstock begeisterte mich nicht nur wegen seiner Bekanntschaft mit dem legendären Stan Schmidt sondern auch wegen seiner die volle Konzentration beanspruchenden 1a, 2b, 3c usw. – Übungen! Zum Glück hatte ich in der ersten Einheit dieser Art einen tollen Partner, der mir hier über die Runden half. Als wir in der allerletzten Einheit am Freitag-Nachmittag auf diesen Übungen aufbauten, konnte ich meiner jetzigen Partnerin (einer frischgebackenen Dan-Trägerin) die Hilfe und Unterstützung weitergeben.
Man munkelt, dass die Feuchtigkeit auf dem Hallenboden während der Einheit von Shinji Akita nicht nur vom Schweiß der Frauen herrührt. Sein Hüfteinsatz war ja schon immer auch einige Tränen der Rührung wert (Achtung: Zensur ;-)). Aber nun novellierte er mal eben den Kiba-Dachi: Knie nicht so wahnsinnig weit nach außen, sondern eher mit Außenspannung
nach vorne. So konnte man den Stand direkt aushalten, stand trotzdem tief und konnte damit sogar zehnmal hintereinander die Tekki-Shodan laufen. Super spannend war auch seine Tekki-Shodan-Bunkai mit zwei Gegnern! Hier hatte ich einen netten Partner, "Martin aus dem nördlichen Saarland" und einen superstarken und ziemlich
beeindruckenden Kerl namens Markus – nicht mehr ganz jung aber mit dem Geist eines Samurai im Blick!!! Glücklicher Weise verloren die zwei bei mir nie das für Karateübungen so wichtige Augenzwinkern!
Julian Chees bekam als Gasshuku-Neuling bei der Abschlussfeier im Hofgarten die Hosen aus und die obligatorischen Krachledernen übergezogen. Er hatte mich als Kata-Ass schwer beeindruckt. Leider waren seine Bunkai-Übungen sehr komplex und lang und ich hatte ausgerechnet in seiner frühmorgendlichen Kata-Einheit keinen starken Partner, der mich über die Runden retten konnte.
Takayuki Mikami aus den USA bestach durch seine wiederholt höfliche Frage: „Has anybody any questions?“ Na, als wenn einer die Hand hebt und sagt: „Ähhh, kann ich das im Mittelteil noch mal hören?“ Aber es kam auch so alles ganz gut über, auch auf Englisch.
Tomio Imamuro – der strenge Herr aus Japan! Huch! War das der Geist des Karate? Leer wie die Hand unserer Kampfkunst schien seine Mimik zu sein. Er verzog kein Mal das Gesicht zu einem Lächeln. Seine Übungen waren hart und anspruchsvoll. Ganz sicher auch eine Art, zu motivieren. Vielleicht ist es typisch europäisch, so zu denken oder ich bin einfach
noch nicht reif genug, aber – soll Karate nicht auch ein wenig Spaß machen??? Mich motiviert ein Trainer am Besten, wenn er streng und genau ist, aber das Lächeln nicht verlernt hat. An Sonn- und Feiertagen darf er vielleicht auch mal ein –kleines- Lob aussprechen... ;-)
Das Training bei Keiichi Kasajima aus Luxembourg hatte den entscheidenden Nachteil, dass
der Sensei japanösisch sprach und selbst der gute alte Schlatt hier manchmal überfragt war und nicht alles übersetzen konnte. Da wir aber mit wachsamem Auge folgten, war es hier auch nicht immer erforderlich, jedes Wort zu verstehen. Kasajimas Weisheiten beeindruckten vermutlich eher die älteren Karateka wie mich. Er meinte einmal, dass jeder sein persönliches Karate macht. Ein 20-jähriger macht eben wie ein 20-jähriger Karate, ein 40-jähriger wie ein 40-jähriger und ein 60-jähriger wie ein 60-jähriger. Kasajijma hat es nicht gesagt, aber den
Unterschied könnte ich mir so vorstellen, dass der 60-jährige vor dem Kumite nicht den Zahnschutz hinein, sondern die (dritten) Zähne herausnimmt. Ist auch egal, jedenfalls trifft es wohl zu: Jeder macht sein Ding und schon ich merke mit meinen zarten 38 Jahren, dass es mir
zunehmend schwer fällt, sehr komplexe Abläufe zu verstehen und prompt umzusetzen. Da war ich auf dem Lehrgang echt immer froh, wenn ich geduldige und hilfsbereite Partner hatte.
Was für eine Fülle an Trainern! Dazwischen –vor allem Abends- noch beeindruckende Gespräche im Kreise der Trainierenden. So hatte ich z. B. die Ehre, Risto Kiiskilä ca. eine Stunde seiner wertvollen Zeit zu stehlen und ihm eine Frikadelle ans Knie zu quatschen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich schätze, für ihn war dieses Gespräch eine Übung der Dojo-Kun-Grundsätze „sei höflich“ und „sei geduldig“....;-)) Ich traf ihn vor der Tribüne, folgte ihm dann wie ein Hündchen in die Bar und in die Eingangshalle, bis er mich fragte, ob ich mich mit ihm nach draußen setzen wollte....“Ähhh, Risto, es regnet in Strömen.“ „Ist egal. Wir
setzen uns unter den Pavillion. Wenn wir den Anfang machen, kommen die anderen nach.“ Es kam aber keiner und so musste er sich mit mir begnügen und ich konnte mit meinen frisch gewonnenen Finnisch-Kenntnissen angeben sowie ihn ein wenig über die Geheimnisse seines Karate ausquetschen.
Leider war ansonsten die Geselligkeit ein wenig dadurch getrübt, dass es keinen zentralen Anlaufpunkt gab. So habe ich z. B. aus der Gruppe ab 2. Dan kaum Bekannte getroffen. Klasse war natürlich die Lehrgangsparty am Mittwoch mit super Musik und guter Stimmung. Donnerstag fand der Vergleichskampf statt, den ich mir aber entgehen ließ, da ich zu der Zeit die angenehme Leere in unserem thailändischen Stamm-Restaurant genoss, in welchem ich mit Olli Lich zu Abend aß und über Gott und die Welt philosophierte. Anschließend wollten wir dann doch noch zu der Halle, in der der Vergleichskampf stattfand, aber da strömten uns die Massen schon wieder entgegen. Es war dann nur noch eine handvoll Bekannter dort anzutreffen. Dennoch hatte der Abend es noch in sich: Ich wurde nämlich versehentlich zusammen mit einem Karateka aus Bottrop in der Turnhalle eingesperrt und musste mit ihm dort die ganze Nacht verbringen. Warum passiert eigentlich immer MIR so etwas?????
Für mich etwas gewöhnungsbedürftig war dagegen der traditionelle Bayrische Abend am letzten Lehrgangstag! Das war mir dann doch etwas zuuu authentisch: der Saal, in dem am Mittwoch noch bei Discolicht der Pabst boxte, war nun hell ausgeleuchtet und mit Biergartengarnituren bestückt. Das war nicht wirklich gemütlich. Normaler Weise bin ich ein ausgesprochener Fan von Live-Musik. Ist fast egal, was gespielt wird, sobald es handgemacht ist, gefällt es mir schon von alleine….aber das krachlederne Trio an dem Abend…also, das lud nicht grade zum Tanzen ein. Aber Karateka sind ein dankbares Volk….nach einigen Bierchen fingen direkt welche an zu tanzen und ich gesellte mich dazu. Besonders Gert aus Wesel und seine Freundin Andrea waren treue Tanzgefährten. So hatten wir auch an diesem Abend neben sehr vielen netten Gesprächen auch musikalisch noch reichlich Spaß und haben den Gasshuku noch würdig ausklingen lassen. Als es dann am nächsten Tag hieß: „Good bye Immenstadt“, waren wir alle etwas wehmütig, dass er schon wieder vorbei war, der Gassuku 2006.
2007 wird der Gasshuku übrigens in Tamm stattfinden….schaut doch selbst mal unter www.karate-gasshuku.de
Zu Beginn möchte ich meinen Sensei Michael –sinngemäß- zitieren: „Wenn ich einen Tsuki ausführe, schicke ich Energie in die Welt. Diese Energie verliert sich dann aber nicht im Nichts, sondern geht einmal um die Welt und kommt dann zu mir zurück.“ Wow! Das war treffend formuliert! Daher kommt es also, dass ich mich trotz Kräfte zehrender Karatetechniken selten ausgepowert fühle, sondern selbst nach einem Gasshuku voller Grenzerfahrungen ein einziges Energiepaket und kaum zu bremsen bin!
Nach dem Gasshuku 2003 in Oberstdorf war der in Immenstadt nun mein zweiter. Übernachtung in der Halle….ob ich das in meinem hohen Alter wirklich noch brauche? Egal, es war allemal interessant und geschlafen haben wir sowieso nicht viel! Die Zeit verging auch viel zu schnell in unserer tollen Truppe.
Jeder, der schon einmal an einem Gasshuku teilgenommen hat, weiß, dass dies eine äußerst vielseitige Veranstaltung ist. Einige Trainer waren mir bekannt, auf andere war ich gespannt. Die Übungen „meines“ Risto waren mir inzwischen einigermaßen vertraut, dafür überraschte mich Shihan Sugimura mit dem Kizami Gyaku-Tsuki (Gyaku-Tsuki ohne Hüfteinsatz).
Ken Whitstock begeisterte mich nicht nur wegen seiner Bekanntschaft mit dem legendären Stan Schmidt sondern auch wegen seiner die volle Konzentration beanspruchenden 1a, 2b, 3c usw. – Übungen! Zum Glück hatte ich in der ersten Einheit dieser Art einen tollen Partner, der mir hier über die Runden half. Als wir in der allerletzten Einheit am Freitag-Nachmittag auf diesen Übungen aufbauten, konnte ich meiner jetzigen Partnerin (einer frischgebackenen Dan-Trägerin) die Hilfe und Unterstützung weitergeben.
Man munkelt, dass die Feuchtigkeit auf dem Hallenboden während der Einheit von Shinji Akita nicht nur vom Schweiß der Frauen herrührt. Sein Hüfteinsatz war ja schon immer auch einige Tränen der Rührung wert (Achtung: Zensur ;-)). Aber nun novellierte er mal eben den Kiba-Dachi: Knie nicht so wahnsinnig weit nach außen, sondern eher mit Außenspannung
nach vorne. So konnte man den Stand direkt aushalten, stand trotzdem tief und konnte damit sogar zehnmal hintereinander die Tekki-Shodan laufen. Super spannend war auch seine Tekki-Shodan-Bunkai mit zwei Gegnern! Hier hatte ich einen netten Partner, "Martin aus dem nördlichen Saarland" und einen superstarken und ziemlich
beeindruckenden Kerl namens Markus – nicht mehr ganz jung aber mit dem Geist eines Samurai im Blick!!! Glücklicher Weise verloren die zwei bei mir nie das für Karateübungen so wichtige Augenzwinkern!
Julian Chees bekam als Gasshuku-Neuling bei der Abschlussfeier im Hofgarten die Hosen aus und die obligatorischen Krachledernen übergezogen. Er hatte mich als Kata-Ass schwer beeindruckt. Leider waren seine Bunkai-Übungen sehr komplex und lang und ich hatte ausgerechnet in seiner frühmorgendlichen Kata-Einheit keinen starken Partner, der mich über die Runden retten konnte.
Takayuki Mikami aus den USA bestach durch seine wiederholt höfliche Frage: „Has anybody any questions?“ Na, als wenn einer die Hand hebt und sagt: „Ähhh, kann ich das im Mittelteil noch mal hören?“ Aber es kam auch so alles ganz gut über, auch auf Englisch.
Tomio Imamuro – der strenge Herr aus Japan! Huch! War das der Geist des Karate? Leer wie die Hand unserer Kampfkunst schien seine Mimik zu sein. Er verzog kein Mal das Gesicht zu einem Lächeln. Seine Übungen waren hart und anspruchsvoll. Ganz sicher auch eine Art, zu motivieren. Vielleicht ist es typisch europäisch, so zu denken oder ich bin einfach
noch nicht reif genug, aber – soll Karate nicht auch ein wenig Spaß machen??? Mich motiviert ein Trainer am Besten, wenn er streng und genau ist, aber das Lächeln nicht verlernt hat. An Sonn- und Feiertagen darf er vielleicht auch mal ein –kleines- Lob aussprechen... ;-)
Das Training bei Keiichi Kasajima aus Luxembourg hatte den entscheidenden Nachteil, dass
der Sensei japanösisch sprach und selbst der gute alte Schlatt hier manchmal überfragt war und nicht alles übersetzen konnte. Da wir aber mit wachsamem Auge folgten, war es hier auch nicht immer erforderlich, jedes Wort zu verstehen. Kasajimas Weisheiten beeindruckten vermutlich eher die älteren Karateka wie mich. Er meinte einmal, dass jeder sein persönliches Karate macht. Ein 20-jähriger macht eben wie ein 20-jähriger Karate, ein 40-jähriger wie ein 40-jähriger und ein 60-jähriger wie ein 60-jähriger. Kasajijma hat es nicht gesagt, aber den
Unterschied könnte ich mir so vorstellen, dass der 60-jährige vor dem Kumite nicht den Zahnschutz hinein, sondern die (dritten) Zähne herausnimmt. Ist auch egal, jedenfalls trifft es wohl zu: Jeder macht sein Ding und schon ich merke mit meinen zarten 38 Jahren, dass es mir
zunehmend schwer fällt, sehr komplexe Abläufe zu verstehen und prompt umzusetzen. Da war ich auf dem Lehrgang echt immer froh, wenn ich geduldige und hilfsbereite Partner hatte.
Was für eine Fülle an Trainern! Dazwischen –vor allem Abends- noch beeindruckende Gespräche im Kreise der Trainierenden. So hatte ich z. B. die Ehre, Risto Kiiskilä ca. eine Stunde seiner wertvollen Zeit zu stehlen und ihm eine Frikadelle ans Knie zu quatschen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich schätze, für ihn war dieses Gespräch eine Übung der Dojo-Kun-Grundsätze „sei höflich“ und „sei geduldig“....;-)) Ich traf ihn vor der Tribüne, folgte ihm dann wie ein Hündchen in die Bar und in die Eingangshalle, bis er mich fragte, ob ich mich mit ihm nach draußen setzen wollte....“Ähhh, Risto, es regnet in Strömen.“ „Ist egal. Wir
setzen uns unter den Pavillion. Wenn wir den Anfang machen, kommen die anderen nach.“ Es kam aber keiner und so musste er sich mit mir begnügen und ich konnte mit meinen frisch gewonnenen Finnisch-Kenntnissen angeben sowie ihn ein wenig über die Geheimnisse seines Karate ausquetschen.
Leider war ansonsten die Geselligkeit ein wenig dadurch getrübt, dass es keinen zentralen Anlaufpunkt gab. So habe ich z. B. aus der Gruppe ab 2. Dan kaum Bekannte getroffen. Klasse war natürlich die Lehrgangsparty am Mittwoch mit super Musik und guter Stimmung. Donnerstag fand der Vergleichskampf statt, den ich mir aber entgehen ließ, da ich zu der Zeit die angenehme Leere in unserem thailändischen Stamm-Restaurant genoss, in welchem ich mit Olli Lich zu Abend aß und über Gott und die Welt philosophierte. Anschließend wollten wir dann doch noch zu der Halle, in der der Vergleichskampf stattfand, aber da strömten uns die Massen schon wieder entgegen. Es war dann nur noch eine handvoll Bekannter dort anzutreffen. Dennoch hatte der Abend es noch in sich: Ich wurde nämlich versehentlich zusammen mit einem Karateka aus Bottrop in der Turnhalle eingesperrt und musste mit ihm dort die ganze Nacht verbringen. Warum passiert eigentlich immer MIR so etwas?????
Für mich etwas gewöhnungsbedürftig war dagegen der traditionelle Bayrische Abend am letzten Lehrgangstag! Das war mir dann doch etwas zuuu authentisch: der Saal, in dem am Mittwoch noch bei Discolicht der Pabst boxte, war nun hell ausgeleuchtet und mit Biergartengarnituren bestückt. Das war nicht wirklich gemütlich. Normaler Weise bin ich ein ausgesprochener Fan von Live-Musik. Ist fast egal, was gespielt wird, sobald es handgemacht ist, gefällt es mir schon von alleine….aber das krachlederne Trio an dem Abend…also, das lud nicht grade zum Tanzen ein. Aber Karateka sind ein dankbares Volk….nach einigen Bierchen fingen direkt welche an zu tanzen und ich gesellte mich dazu. Besonders Gert aus Wesel und seine Freundin Andrea waren treue Tanzgefährten. So hatten wir auch an diesem Abend neben sehr vielen netten Gesprächen auch musikalisch noch reichlich Spaß und haben den Gasshuku noch würdig ausklingen lassen. Als es dann am nächsten Tag hieß: „Good bye Immenstadt“, waren wir alle etwas wehmütig, dass er schon wieder vorbei war, der Gassuku 2006.
2007 wird der Gasshuku übrigens in Tamm stattfinden….schaut doch selbst mal unter www.karate-gasshuku.de
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