Sonntag, 13. April 2008
Samstag, 5. April 2008
Der Countdown läuft - kurz vor der Prüfung zum 2. Dan
Eigentlich ist es ja Quatsch - Prüfungsvorbereitung....als hätte man die letzten 14 Karatejahre lang nichts getan. Warum also eigentlich eine gezielte Vorbereitung? Nun ja - im Moment der Prüfung gilt es schließlich, Shihan Ochi das bestmögliche Karate zu zeigen, alles zu geben, also maximale hundert Prozent. Dann sollte man vorsorglich mal auf 120 Prozent trainieren. Kein Problem soweit - Karate macht Spaß und abgesehen von kleinen Dauerblessuren bin ich unverletzt. Zwei kleine Hürden stellten sich mir dann aber doch in den Weg: zum Einen war kurz vor der Prüfung noch eine insgesamt 11-tägige Reise nach China geplant. Zum Anderen war anschließend unser Dojo wegen dringender Sanierungsarbeiten nach einem Wasserschaden geschlossen! Ich konnte also nicht "mal eben" für mich ein paar Runden Kata laufen oder mein Kihon-Programm üben! Da wird einem dann doch schon etwas mulmig! Auch das Ersatztraining vom Shotokan-Karate-Dojo-Münster fand erst nach den Osterferien statt und dann noch in einer superkleinen Halle! Glücklicher Weise durfte ich bei meinem lieben Karatefreund Jörg Gantert im Dojo mittrainieren. Eigentlich bin ich nur freitags dort, aber nun, angesichts der besonderen Umstände, darf ich täglich mittrainieren.
Das Training dort ist unglaublich anspruchsvoll. Beinahe jede Einheit beinhaltet Kihon, Kata, Kumite. Zudem werden häufig Kombinationen mit Hanbos oder Elementen der Messerabwehr geübt. Und trotzdem ist die Einheit meist nach 1 1/4 Stunde beendet. Und man hat dennoch das Gefühl, alles intensiv und fleißig geübt zu haben und das Training wirkt trotz allem nicht verzettelt. Irgendwie ist das Karatetraining dort total "verdichtet".
Das Kihon-Training beinhaltet entweder mir ungewohnte, komplexe Kombinationen oder bereits "Strecken" der anschließend zu laufenden Katas. So muss nicht nur Wert auf die Techniken gelegt werden, sondern der Kopf muss auch ordentlich mit "ran".
Die Heian-Katas werden häufig "ura" gelaufen, also spiegelverkehrt, was oft dazu führt, dass ich verkehrt herum stehe oder einen Knoten in den Armen habe. Wird leider sonst selten gemacht. Ich erinnere mich nur daran, dies mal bei Erwin Querl, Jochen Glaß und bei meiner únendlich vermissten Beatrix gemacht zu haben. Jede Woche wird zudem gewöhnlich eine bestimmte Kata regelmäßig in den Einheiten wiederholt. So war kürzlich einmal die Gangaku dran, die Kanku Sho oder gar Gojoshiho Sho, die ich in meinem Leben wahrlich noch nicht oft gelaufen bin! Dennoch kann man sie bald mitlaufen! Viele Teile der Katas werden dann auch als Bunkai geübt, wobei das Bunkai bei Jörg häufig mit Techniken aus der Kata beginnt und dann mit weiteren Übungen erweitert wird, bis z. B. der Partner "gesichert" am Boden liegt.
Im Kumite gibt es viel Jiju-Ippon-Kumite aber auch Randori, was sich allerdings angesichts des kleinen Raumes recht schwierig gestaltet. Vor kurzem ist sogar dabei ein Spiegel zu Bruch gegangen.
Heute in zwei Wochen werde ich ordentlich Bauchgrummeln haben, denn nach zwei Einheiten Training wird abends die Prüfung stattfinden. Bis dahin werde ich noch versuchen, täglich zu trainieren und auch im jetzt wieder geöffneten Dojo meine Katas üben. Am Dienstag ist auch hoffentlich mein Sensei Michael Jarchau wieder da, so dass ich letztlich doch gut vorbereitet in die Prüfung gehen kann.
Bestehen ist eine Sache - mit dem Ergebnis persönlich auch zufrieden zu sein die andere....ich möchte beides erreichen - selbstverständlich! Ooooossss!
Das Training dort ist unglaublich anspruchsvoll. Beinahe jede Einheit beinhaltet Kihon, Kata, Kumite. Zudem werden häufig Kombinationen mit Hanbos oder Elementen der Messerabwehr geübt. Und trotzdem ist die Einheit meist nach 1 1/4 Stunde beendet. Und man hat dennoch das Gefühl, alles intensiv und fleißig geübt zu haben und das Training wirkt trotz allem nicht verzettelt. Irgendwie ist das Karatetraining dort total "verdichtet".
Das Kihon-Training beinhaltet entweder mir ungewohnte, komplexe Kombinationen oder bereits "Strecken" der anschließend zu laufenden Katas. So muss nicht nur Wert auf die Techniken gelegt werden, sondern der Kopf muss auch ordentlich mit "ran".
Die Heian-Katas werden häufig "ura" gelaufen, also spiegelverkehrt, was oft dazu führt, dass ich verkehrt herum stehe oder einen Knoten in den Armen habe. Wird leider sonst selten gemacht. Ich erinnere mich nur daran, dies mal bei Erwin Querl, Jochen Glaß und bei meiner únendlich vermissten Beatrix gemacht zu haben. Jede Woche wird zudem gewöhnlich eine bestimmte Kata regelmäßig in den Einheiten wiederholt. So war kürzlich einmal die Gangaku dran, die Kanku Sho oder gar Gojoshiho Sho, die ich in meinem Leben wahrlich noch nicht oft gelaufen bin! Dennoch kann man sie bald mitlaufen! Viele Teile der Katas werden dann auch als Bunkai geübt, wobei das Bunkai bei Jörg häufig mit Techniken aus der Kata beginnt und dann mit weiteren Übungen erweitert wird, bis z. B. der Partner "gesichert" am Boden liegt.
Im Kumite gibt es viel Jiju-Ippon-Kumite aber auch Randori, was sich allerdings angesichts des kleinen Raumes recht schwierig gestaltet. Vor kurzem ist sogar dabei ein Spiegel zu Bruch gegangen.
Heute in zwei Wochen werde ich ordentlich Bauchgrummeln haben, denn nach zwei Einheiten Training wird abends die Prüfung stattfinden. Bis dahin werde ich noch versuchen, täglich zu trainieren und auch im jetzt wieder geöffneten Dojo meine Katas üben. Am Dienstag ist auch hoffentlich mein Sensei Michael Jarchau wieder da, so dass ich letztlich doch gut vorbereitet in die Prüfung gehen kann.
Bestehen ist eine Sache - mit dem Ergebnis persönlich auch zufrieden zu sein die andere....ich möchte beides erreichen - selbstverständlich! Ooooossss!
Montag, 24. März 2008
Samstag, 1. März 2008
Trainingslager Dojo 7. und 8. März 2008
Am Wochenende 07./08.03.2008 gab Sensei Michael Jarchau (1. Dan Judo, 5. Dan Shotokan-Karate) bei uns im Dojo ein Trainingslager für die Unter- und Oberstufe. Insgesamt rund 60 Karateka aus Münster, Wesel, Wattenscheid und Osnabrück fanden sich ein, um Karate-Basics und auch einige Rafinessen zu trainieren. Etwas Besonderes war sicher für die Unterstufe das intensive Training mit Pratzen, bei denen so richtig gepowert werden konnte. Auch der nicht-sportliche Teil des Lagers war sehr gelungen und die Karateka aus den unterschiedlichen Dojos teilten Erinnerungen an "alte" Zeiten oder knüpften neue Kontakte.
Freitag, 15. Februar 2008
Volleyball meets Selbstverteidigung
Der Selbstverteidigungskurs im vergangenen September war für unseren Verein recht erfolgreich, konnten wir doch auch einige externe Frauen und Mädchen für die Teilnahme gewinnen. So auch meine Kollegin Claudia, die mit Kampfsport sonst nichts am Hut hat. Sportlich ist sie aber - sehr sogar! So ist sie langjähriges Mitglied des Bundesliga Volleyballclubs USC Münster und ihr Mann ist dort derzeit der Co-Trainer. Schnell war sie der Meinung, der 1. Damen-Mannschaft des USC-Münster würde so ein Selbstverteidigungskurs sicher auch Spaß machen und eine Menge bringen. Ruck-zuck war auch der Kontakt zu Trainer Axel Büring geknüpft, es ging nur noch darum, ein spielfreies Wochenende zu finden, an dem auch SV-Trainer Thorsten Rabeneck (4. Dan Shotokan-Karate) und ich (als Partnerin und "Opfer") Zeit hatten. So konnten wir erst Anfang Februar den Plan in die Tat umsetzen.
Nach und nach trudelten die Mädels des USC ein und schnupperten wohl erstmals Dojoluft. Plötzlich fühlte ich mich mit meinen knappen 1,70 m ganz klein! Die Damen waren bis auf wenige Ausnahmen mindestens 1,80 m lang und blickten milde lächelnd auf mich herab. Erster "Kulturschock": Wir trainieren barfuß - das waren die sonst stets gut beschuhten Profisportlerfüße zunächst nicht gewohnt, aber Profi ist Profi und so passte man sich schnell an und das anfangs vielleicht ungewohnte Gefühl wurde rasch vergessen.
Thorsten stellte kurz das für die nächsten zwei mal zwei Stunden geplante Programm vor. Anschließend gab es eine kleine funktionsgymnastische Aufwärmphase und dann ging es an die ersten Fausttechniken, die wir als "Schattenboxen" noch zum Aufwärmen praktizierten. Schnell kristalisierte sich heraus, wer von den Volleyballerinnen nicht nur ein gutes Ballgefühl hatte, sondern auch ein Talent für Kampfsport. Ausgerechnet eine Spielerin, die von Größe und Statur eher mir glich als ihren Kolleginnen, hatte richtig "Pfeffer" im Blut und schien ordentlich Spaß zu haben. Bei anderen Teilnehmerinnen sah man zum Teil eher vorsichtige Ausführungen der Techniken, besonders, als wir nach dem Aufwärmen die Pratzen mit ins Spiel brachten. Bei einer Dame fielen mir lange, aufwändig gestaltete Fingernägel auf, mit denen ich weder Karate machen, noch Volleyballspielen könnte, vermutlich könnte ich mir damit nicht einmal die Schuhe zubinden!
Kampfgeist haben sie, die Mädels rund um Axel Büring, das weiß man, wenn man auch nur einmal eines ihrer Spiele beobachtet hat! Überwindung kostete nun aber der ungewohnte Körperkontakt bei den Partnerübungen. Volleyball, als kontaktlose Sportart bekannt, hat so gar nichts in dieser Richtung zu bieten und so war es nicht verwunderlich, dass die USC-Damen hier zunächst etwas zaghafter zur Sache gingen. Nach einigem Üben war aber auch hier das Eis gebrochen und schließlich warf sich die Creme de la Creme des Volleyball gegenseitig auf den Boden, stöhnte, ächzte und bat sich gegenseitig um Gnade!
Die Trainer Axel Büring und Uli Vetter, die eigentlich nur zum Zuschauen daneben standen, mussten zum Teil auch mal "ran" und die Pratze halten, wenn Thorsten Schläge und Tritte demonstrierte. Dass die Herren hierbei auch heftig durchgeschüttelt wurden, wurde von ihren Schützlingen natürlich süffisant grinsend zur Kenntnis genommen. Die Trainer beobachteten interessiert die Wandlung ihrer Mädels. Besonders wertvoll aus Trainerperspektive war wohl der abschließende Teil des Kurses, als Thorsten die Damen noch einmal das komplette Pratzen-und Befreiungs-Programm wiederholen ließ. Diesmal bat er um absolute Konzentration, wie wir es beim Kampfsport kennen. Das fiel den Spielerinnen zunächst gar nicht so einfach und so wurde zwischen den Techniken und wärhrend der Wartephasen, bis man selber wieder dran war, häufig getuschelt, gekichert, getrunken. Soweit auch ok, denn wir wollten ja nicht innerhalb weniger Stunden aus den Profi-Ligisten Karateka machen. Während der Technikkombinationen sollten sie sich aber unbedingt konzentrieren, nicht nach links schauen und nicht nach rechts, nicht kichern, quatschen, sondern einfach nur am Ball, pardon: am Mann bleiben. Es war vielleicht nicht einfach, aber es hat funktioniert und ich denke alle Teilnehmerinnen sind recht zufrieden und um eine Erfahrung reicher heim gefahren.
Auch für uns Trainer war der Umgang mit echten Sport-Profis eine tolle Erfahrung. Selbstverteidigung sollte kein Fremdwort sein, ob Teen-Ager, Hausfrau oder Spitzensportler.
Nach und nach trudelten die Mädels des USC ein und schnupperten wohl erstmals Dojoluft. Plötzlich fühlte ich mich mit meinen knappen 1,70 m ganz klein! Die Damen waren bis auf wenige Ausnahmen mindestens 1,80 m lang und blickten milde lächelnd auf mich herab. Erster "Kulturschock": Wir trainieren barfuß - das waren die sonst stets gut beschuhten Profisportlerfüße zunächst nicht gewohnt, aber Profi ist Profi und so passte man sich schnell an und das anfangs vielleicht ungewohnte Gefühl wurde rasch vergessen.
Thorsten stellte kurz das für die nächsten zwei mal zwei Stunden geplante Programm vor. Anschließend gab es eine kleine funktionsgymnastische Aufwärmphase und dann ging es an die ersten Fausttechniken, die wir als "Schattenboxen" noch zum Aufwärmen praktizierten. Schnell kristalisierte sich heraus, wer von den Volleyballerinnen nicht nur ein gutes Ballgefühl hatte, sondern auch ein Talent für Kampfsport. Ausgerechnet eine Spielerin, die von Größe und Statur eher mir glich als ihren Kolleginnen, hatte richtig "Pfeffer" im Blut und schien ordentlich Spaß zu haben. Bei anderen Teilnehmerinnen sah man zum Teil eher vorsichtige Ausführungen der Techniken, besonders, als wir nach dem Aufwärmen die Pratzen mit ins Spiel brachten. Bei einer Dame fielen mir lange, aufwändig gestaltete Fingernägel auf, mit denen ich weder Karate machen, noch Volleyballspielen könnte, vermutlich könnte ich mir damit nicht einmal die Schuhe zubinden!
Kampfgeist haben sie, die Mädels rund um Axel Büring, das weiß man, wenn man auch nur einmal eines ihrer Spiele beobachtet hat! Überwindung kostete nun aber der ungewohnte Körperkontakt bei den Partnerübungen. Volleyball, als kontaktlose Sportart bekannt, hat so gar nichts in dieser Richtung zu bieten und so war es nicht verwunderlich, dass die USC-Damen hier zunächst etwas zaghafter zur Sache gingen. Nach einigem Üben war aber auch hier das Eis gebrochen und schließlich warf sich die Creme de la Creme des Volleyball gegenseitig auf den Boden, stöhnte, ächzte und bat sich gegenseitig um Gnade!
Die Trainer Axel Büring und Uli Vetter, die eigentlich nur zum Zuschauen daneben standen, mussten zum Teil auch mal "ran" und die Pratze halten, wenn Thorsten Schläge und Tritte demonstrierte. Dass die Herren hierbei auch heftig durchgeschüttelt wurden, wurde von ihren Schützlingen natürlich süffisant grinsend zur Kenntnis genommen. Die Trainer beobachteten interessiert die Wandlung ihrer Mädels. Besonders wertvoll aus Trainerperspektive war wohl der abschließende Teil des Kurses, als Thorsten die Damen noch einmal das komplette Pratzen-und Befreiungs-Programm wiederholen ließ. Diesmal bat er um absolute Konzentration, wie wir es beim Kampfsport kennen. Das fiel den Spielerinnen zunächst gar nicht so einfach und so wurde zwischen den Techniken und wärhrend der Wartephasen, bis man selber wieder dran war, häufig getuschelt, gekichert, getrunken. Soweit auch ok, denn wir wollten ja nicht innerhalb weniger Stunden aus den Profi-Ligisten Karateka machen. Während der Technikkombinationen sollten sie sich aber unbedingt konzentrieren, nicht nach links schauen und nicht nach rechts, nicht kichern, quatschen, sondern einfach nur am Ball, pardon: am Mann bleiben. Es war vielleicht nicht einfach, aber es hat funktioniert und ich denke alle Teilnehmerinnen sind recht zufrieden und um eine Erfahrung reicher heim gefahren.
Auch für uns Trainer war der Umgang mit echten Sport-Profis eine tolle Erfahrung. Selbstverteidigung sollte kein Fremdwort sein, ob Teen-Ager, Hausfrau oder Spitzensportler.
Freitag, 25. Januar 2008
Risto intensiv - aus der Sicht von Sensei Mosler
Januar-Lehrgang in Frankfurt
7.-11. Januar 2008
" Finnischer Tango einmal anders "
Doch von Sentimentalität und Selbsterdroslungsgedanken keine Spur. Eher eine elustre Bande lernwilliger Weißkittel aus dem Hause Tomogara zu Kamenz, dem Chemiepott Halle/Leipsch, den verschneiten finnischen Weiten, ein ganzer Bus aus Rotenburg, Einzelkämpfer aus München, Münster, ein Abkömmling Störtebeckers, sowie 4 Bushido-Bouletten, die sich zum diesjährigen „Kickoff“ im KD- Ippon versammelt hatten. Trainiert wurde 2mal täglich 2 Stunden, wobei die Vorbereitung auf die Danprüfungen am Wochenende einen der Trainingsschwerpunkte bildete. Wer Risto schon etwas länger kennt, der weiß, daß er Grundschule, Kata und Kumite als eine Einheit und aufeinander aufbauend betrachtet, und diese auch bewegungskonform und anwendertauglich unterrichtet. Grundschule für Uraken und Tsukis hieß demzufolge nicht in Tsenkutsu Dachi hoch und runter laufen, sondern Basisarbeit, Bewegungsübungen, Beinarbeit.
Jeder weiß nach etlichen Jahren, wie ein Tsuki aussehen muß, doch wie wende ich ihn an, wie schlage ich aus der Vorwärts- bzw. Rückwärtsbewegung, wie bringe ich die Masse ins Ziel, wo ist mein Ziel und vor allem, wie komme ich von Punkt A nach Punkt B. Alles Fragen, auf die man in dieser Woche eine Antwort bekam. Gewichtsverlagerung, belasten, abdrücken, spannen, entspannen. Klingt so einfach, ist es aber meistens nicht. So durften wir in der „Tanzschule Kiiskilä“ erbarmungslos schwitzen.
Spätestens am 2. Tag hatte jeder eine ungefähre Ahnung, wo der so genannte „Grundschulmuskel“ so vor sich hin kontrahiert. Die Schmerzwahrnehmung wies eindeutig auf einen Bereich im Oberschenkel und das Gesäß hin. Schön, kann man diesen Muskel also doch noch anders sinnvoll nutzen. Kombinationen mit eingesprungenem Uraken oder Mae- bzw. Ushiro Geri verstärkten im Laufe der Tage die schmerzrezeptorische Wahrnehmung. Wiederholt ließ Risto uns partnerweise an der Wand Aufstellung nehmen, um das Auge für den richtigen Abstand und das richtige Timing zu schulen. „Und nun locker drauf und der Partner haut nicht ab!“, wie auch mit dem Rücken an der Wand! Doch dies sollte der natürlichen Bewegungsfreude keinen Abbruch tun. Koordinativ wurden diese Übungen durch einen kleinen Judo-Exkurs aufgelockert. Fußhebel im Liegen, eingesprungene Beinschere oder Überrollen mit Würge aus dem Liegen. Auch hierfür mußte man seinen gesamten Bewegungsapparat effektiv einsetzen und benutzten. Eine gewisse Gewandtheit war auch hier von Nöten, um sich der erdrückenden Kilos des Partners zu erwehren.
Tja, und die abendliche Freizeitgestaltung beschränkte sich dann doch auf die flüssige bzw. feste Nahrungsaufnahme. War auch dringend nötig. Ob Haxe, Schnitzellappen oder Dönerteller als Nachtisch, ein jeder versuchte, die tagsüber verbrannten Kalorien irgendwie zu kompensieren. Auch der Saunaausflug nach Heusenstamm bei Obertshausen muß unbedingt noch als Highlight Erwähnung finden. Daß wir munter und ausgelassen in die dortige Schwitzgesellschaft hineinplatzten fand nicht jeder komisch. Hat halt jeder so seine eigene Vorstellung vom geselligen Beisammensein. Und last but not least, wir haben auch gelernt, daß eines der längsten Wörter der Welt eine schier nicht zu bewältigende Artikulationsherausforderung darstellt.
Wer wissen möchte was Epäjärjestelmällistyttämättömyydellänsäänkäänköhän bedeutet, der sei jetzt schon für das Jahr 2009 recht herzlich eingeladen.
Bis dahin schön trainieren,
Oss der Jürgen.
Anmerkung: Jürgen Mosler, 3. Dan, trainiert und lehrt Kartate im Bushido Berlin.
http://www.bushido-dojo.de/
7.-11. Januar 2008
" Finnischer Tango einmal anders "
Doch von Sentimentalität und Selbsterdroslungsgedanken keine Spur. Eher eine elustre Bande lernwilliger Weißkittel aus dem Hause Tomogara zu Kamenz, dem Chemiepott Halle/Leipsch, den verschneiten finnischen Weiten, ein ganzer Bus aus Rotenburg, Einzelkämpfer aus München, Münster, ein Abkömmling Störtebeckers, sowie 4 Bushido-Bouletten, die sich zum diesjährigen „Kickoff“ im KD- Ippon versammelt hatten. Trainiert wurde 2mal täglich 2 Stunden, wobei die Vorbereitung auf die Danprüfungen am Wochenende einen der Trainingsschwerpunkte bildete. Wer Risto schon etwas länger kennt, der weiß, daß er Grundschule, Kata und Kumite als eine Einheit und aufeinander aufbauend betrachtet, und diese auch bewegungskonform und anwendertauglich unterrichtet. Grundschule für Uraken und Tsukis hieß demzufolge nicht in Tsenkutsu Dachi hoch und runter laufen, sondern Basisarbeit, Bewegungsübungen, Beinarbeit.
Jeder weiß nach etlichen Jahren, wie ein Tsuki aussehen muß, doch wie wende ich ihn an, wie schlage ich aus der Vorwärts- bzw. Rückwärtsbewegung, wie bringe ich die Masse ins Ziel, wo ist mein Ziel und vor allem, wie komme ich von Punkt A nach Punkt B. Alles Fragen, auf die man in dieser Woche eine Antwort bekam. Gewichtsverlagerung, belasten, abdrücken, spannen, entspannen. Klingt so einfach, ist es aber meistens nicht. So durften wir in der „Tanzschule Kiiskilä“ erbarmungslos schwitzen.
Spätestens am 2. Tag hatte jeder eine ungefähre Ahnung, wo der so genannte „Grundschulmuskel“ so vor sich hin kontrahiert. Die Schmerzwahrnehmung wies eindeutig auf einen Bereich im Oberschenkel und das Gesäß hin. Schön, kann man diesen Muskel also doch noch anders sinnvoll nutzen. Kombinationen mit eingesprungenem Uraken oder Mae- bzw. Ushiro Geri verstärkten im Laufe der Tage die schmerzrezeptorische Wahrnehmung. Wiederholt ließ Risto uns partnerweise an der Wand Aufstellung nehmen, um das Auge für den richtigen Abstand und das richtige Timing zu schulen. „Und nun locker drauf und der Partner haut nicht ab!“, wie auch mit dem Rücken an der Wand! Doch dies sollte der natürlichen Bewegungsfreude keinen Abbruch tun. Koordinativ wurden diese Übungen durch einen kleinen Judo-Exkurs aufgelockert. Fußhebel im Liegen, eingesprungene Beinschere oder Überrollen mit Würge aus dem Liegen. Auch hierfür mußte man seinen gesamten Bewegungsapparat effektiv einsetzen und benutzten. Eine gewisse Gewandtheit war auch hier von Nöten, um sich der erdrückenden Kilos des Partners zu erwehren.
Tja, und die abendliche Freizeitgestaltung beschränkte sich dann doch auf die flüssige bzw. feste Nahrungsaufnahme. War auch dringend nötig. Ob Haxe, Schnitzellappen oder Dönerteller als Nachtisch, ein jeder versuchte, die tagsüber verbrannten Kalorien irgendwie zu kompensieren. Auch der Saunaausflug nach Heusenstamm bei Obertshausen muß unbedingt noch als Highlight Erwähnung finden. Daß wir munter und ausgelassen in die dortige Schwitzgesellschaft hineinplatzten fand nicht jeder komisch. Hat halt jeder so seine eigene Vorstellung vom geselligen Beisammensein. Und last but not least, wir haben auch gelernt, daß eines der längsten Wörter der Welt eine schier nicht zu bewältigende Artikulationsherausforderung darstellt.
Wer wissen möchte was Epäjärjestelmällistyttämättömyydellänsäänkäänköhän bedeutet, der sei jetzt schon für das Jahr 2009 recht herzlich eingeladen.
Bis dahin schön trainieren,
Oss der Jürgen.
Anmerkung: Jürgen Mosler, 3. Dan, trainiert und lehrt Kartate im Bushido Berlin.
http://www.bushido-dojo.de/
Samstag, 12. Januar 2008
Hartes Training zum Lockerwerden - Ristos Intensiv-Lehrgang 2008
Als ich heute Morgen aufwachte und es an allen nur erdenklichen Körperteilen mit oder auch ohne grün-bläuliche Färbung zwickte und zog, ließ ich mir einmal durch den Kopf gehen, was der gestern zu Ende gegangene einwöchige Lehrgang bei JKA-Instructor Risto Kiiskilä mir alles gebracht hat. Es war ein echter Gasshuku: eine Woche lang gemeinsam im Dojo wohnen und trainieren. Insgesamt fanden sich rund 35 Karateka ein, um unter Sensei Kiiskiläs Augen die Gis voll zu schwitzen. Es waren wie immer auch einige Finnen dabei, die ich auch schon von vorangegangenen Lehrgängen kannte. Dazu gab es viele bereits recht bekannte Gesichter aus Berlin, Kamenz, Rotenburg und co., aber auch einige "Neulinge" trauten sich, die harten Strapazen dieses Lehrgangs auf sich zu nehmen.
Zum Teil trainierten alle Leistungsgruppen ab Violettgurt zusammen. Die Gruppen wurden zeitweise aber auch getrennt, damit Risto noch intensiver als sonst auf die einzelnen Lehrgangsteilnehmer eingehen konnte. Das ist wohl der Unterschied zu einem "großen" Gasshuku, bei dem sich unzählige Karateka in der Halle tummeln: Bei Risto ist die Gruppe stets überschaubar und man muss jederzeit damit rechnen, seinem geschulten Auge aufzufallen.
Während die Gruppe der Blau- und Braungurte sich zum großen Teil mit einer Prüfungsvorbereitung bis zum Dan beschäftigte, wurden die Schwarzgurte darüber belehrt, was bei ihnen eben noch nicht "meisterlich" war. Hatten mich die vielen Korrekturvorschläge Ristos im vergangenen Jahr noch irritiert und zum Teil auch frustriert, so konnte ich doch jetzt schon wesentlich mehr mit seinen Hinweisen anfangen. Risto sieht nicht nur den Fehler, er kann auch nach einer kurzen Analyse sofort eine genaue und individuelle Verbesserung bewirken.
Karate ist ein Kampfsport und Kampfsport ist ja eine harte Sache und nur für harte Kerls und Mädels - oder? Ein Schwerpunkt dieses Lehrgangs lag allerdings grade darin, unseren Techniken und Bewegungsabläufen das Harte und Starre zu nehmen. Na klar, wir alle wissen, dass der Körper locker bleiben soll und die Technik nur dann effektiv ist, wenn die Anspannung erst im letzten Moment, z. B. mit der Drehung der Faust, erfolgt. Nur haben sich leider bei dem Ein- oder Anderen im Laufe viele Karatejahre doch Bewegungsmuster eingeschlichen, die dieser Theorie nicht entsprechen. Hier läßt nicht nur die Effektivität der Technik zu wünschen übrig, der Körper ist auch viel schneller erschöpft.
Locker bleiben, wie beim Dauerlauf - so sagt es auch mein heimischer Sensei Michael Jarchau stets -, dann kann man quasi "stundenlang" Randori trainieren, ohne richtig aus der Puste zu kommen. In diese Richtung gingen nun auch Ristos Hinweise. Beim lockeren Freikampf "nicht lauern, sondern locker bewegen". Aus der Bewegung heraus kann man dann auch viel unauffälliger eine Technik vorbereiten und den Partner/Gegner überraschen.
Wenn man dies so liest, könnte man sich fragen, was an diesem Lehrgang denn nun so anstrengend, so intensiv war. Nun, zum Einen sicherlich die Tatsache, dass die Trainingseinheiten sich bis zu zweieinhalb Stunden lang hinzogen. Zweimal täglich wurden wir ordentlich gefordert und gefördert. Apropos Förderung: Sah Risto gravierende Unstimmigkeiten bei den Techniken, so musste auch zwischendurch zusätzlich geübt werden. Eine Karatekarin hatte wohl Probleme bei den Ausholbewegungen. Risto erklärte ihr die korrekte Ausführung - und stellte ihr einen erfahreneren Karateka quasi als Trainingspaten zur Seite. Mit diesem übte sie dann eine halbe Stunde vor der nächsten Trainingseinheit. Der Erfolg war frappierend und Risto mehr als zufrieden mit der Entwicklung dieses Braungurt-Mädels.
Anstrengend war aber auch das Training an sich: Beim Partnertraining durften wir dann auch ausgiebig - der Puls lag dann häufig doch über dem beim Dauerlauf - Wechselschritte, Suri-Ashis üben. Mein kleiner persönlicher Erfolg fand sich überraschender Weise beim Ashi-Barai, den ich sonst nie so recht hinbekomme. Ich hatte in dieser Einheit Jukka aus Lahti als Partner, einen hochkarätigen finnischen Karateka, der sich durch viel Karate-Erfahrung und eine ausgesprochene Härte auszeichnet. Tori griff bei dieser Übung an mit Kizami-Tsuki und Gyaku-Tsuki. Uke stand links vor und sollte quasi im Zurückgehen eher springen als gehen und mit dem rechten Fuß das vordere Bein des Angreifers fegen, bevor dies abgesetzt ist. Sowohl Jukka, als auch ich bekamen große Augen, als mir dieser Feger regelmäßig gelang!
Den Ashi-Barai zu üben, das ist regelmäßig mit blauen Flecken an den Schienbeinen verbunden. Vermutlich lag es an der großen Erfahrung und Kontrolle meiner Trainingspartner, denn dieser Körperteil ist erstaunlicher Weise eine der wenigen Körperstellen, die "unversehrt" sind. Ansonsten gab es reichlich "Tuchfühlungen" und Bodychecks! Bei einer Übung ging es z. B. darum, den Mae-Geri zu üben. Hierzu stellte sich der Trainingspartner, der quasi der "Dummy" war, in ca. 2 Meter Abstand vor die Hallenwand. Der Ausführende stand links vor und sollte mit rechts den Fußtritt ausführen. Besonderheit: während des Kicks rutscht der Körper mit Suri-Ashi auf dem Standbein vor, der "Dummy" geht einen Schritt zurück und wird getroffen, wenn er grade wieder festen Boden unter den Füßen hat. Hier hatte man keine Chance, den Tritt zu blocken oder zu mildern! Trainingspartner Alex kickte mich etwa 30 Mal nicht besonders zärtlich gegen die Wand. Aber das meinen Körper durchströmende Adrenalin bewirkte wohl, dass ich die Wucht des Aufpralls nicht spürte und die Schmerzen sich erst nach dem Training einstellten.
Es gab einige Trainingselemente dieser Art, die "Samthandschuhe" konnten also getrost in der Umkleidekabine bleiben. Hinzu kam, dass der Lehrgang zu 80 Prozent aus männlichen Teilnehmern bestand. Es wurde also nicht gekleckert, sondern geklotzt.
Natürlich wurde auch ausgiebig Kata trainiert. Heian- und Senteikatas und die ausgewählten Prüfungskatas Sochin und Jitte. Es gab eine "reine" Kataeinheit am Dienstagvormittag, die mich persönlich an die Grenzen meiner Belastbarkeit brachte. Risto hatte viele gute Ratschläge für uns, die ich auch zum großen Teil schon einmal von ihm gehört - leider aber auch wieder vergessen hatte. Drehungen und Rückwärtsbewegungen, Ausholbewegungen - es gibt so viele Besonderheiten, an die man stets denken muss!
Kihon und Kata sind zwei wichtige Bestandteile des Karate - aus beidem lassen sich wertvolle Elemente für das Kumite entnehmen. Schwierig nur, jetzt die starren und kantigen Bewegungen in lockere, fließende und doch dynamische und effektive Technicken zu verwandeln, die ihr Ziel nicht verfehlen und den Partner "ausschalten". Eine sehr gute Vorbereitung hierzu ist Ristos Kata Hokkyokuko, eine Halbfreikampfkata mit vielen Suri-Ashis und Wechselsprüngen. Mein finnischer Karatefreund Reijo Kangas hatte mir vor Beginn des Lehrgangs geraten: Fahr nicht hin, wenn Du die Hokkyokuko nicht kannst! Risto wird das von Dir, die so regelmäßig auf seine Lehrgänge geht, erwarten! So versuchte ich einige Tage vor der Karatewoche, mir die Kata vom Ablauf her einzuprägen - und stellte plötzliche einen guten Fortschritt in meinem Kumite fest! Ich war lockerer und mir fielen plötzlich neue Bewegungsabläufe und Technikkombinationen ein, die ich unbewusst dieser Kata entnommen hatte.
Nach einer besonders intensiven Kumiteeinheit am Dienstag Abend fuhr ich dann recht erschöpft aber auch zufrieden mit der Straßenbahn durch die Frankfurter City zur Wohnung meiner Schwester am anderen Stadtrand. Die Fahrt dauert ca. 1 Stunde und die ein- und aussteigenden Leute bildeten ein buntes Bild aller erdenklichen Nationalitäten und sozialen Schichten. Deutsche, Türken, Inder, Russen und viele weitere Nationalitäten prägen das Bild. Und auch vom Banker bis zum Penner ist alles dabei. So ca. auf halber Strecke bemerkte ich einen ungepflegten Mann mittleren Alters, drei Sitze neben mir. In einer Scheibe gegenüber spiegelte sich sein Gesicht, welches zu mir hinüberstarrte. Nun gut, dachte ich, Gucken ist ja nicht verboten. Außerdem bot ich nach dem ausgiebigen und erschöpfenden Karatetraining sicher nicht grade einen verlockenden Anblick! Nach einer Weile hörte ich seine Stimme: "Du: Fechenheim Post, ich habe Dich gesehen!" Da fuhr mir der Schreck durch die Glieder - woher kannte der Typ meine End-Haltestelle! Plötzlich saß er neben mir, säuselte in mein Ohr, wie sehr ich ihm gefiele und dass er eine schöne große Wohnung habe, in die ich gerne mitkommen sollte. Als er mir dann den Arm um die Schulter legen wollte, platzte mir aber der Kragen! Jetzt sei Schluss, wies ich ihn zurecht! Auch das Fotografieren mit seinem Handy wusste ich ihn zu verbieten! Fieberhaft überlegte ich, wie ich, ohne die Situation eskalieren zu lassen, aus dieser Nummer wieder herauskäme! Kurzer Hand sprang ich dann bereits vor Erreichen meiner End-Station noch schnell durch die bereits halb geschlossene Tür der Straßenbahn und entschwand meinem "Verehrer" durch dunkle Umwege. Puh, das war ja nochmal gut gegangen! Als ich Risto und den Karatefreunden am nächsten Tag von dieser Begebenheit berichtete, kamen natürlich viele dumme Sprüche, wie: "Bring ihn doch nächstes Mal mit hierher, in Deine Wohnung!" Oder: "Zeig ihm nächstes Mal ein Foto von uns und sag, dass Du gleich Deine Freunde holst." Risto aber reagierte sehr spontan und fürsorglich: Zum Aufwärmen und auch zum Ende der nächsten Einheit gab es ein ausgezeichnetes Selbstverteidigungstraining, bei dem ich mit meinem Trainingspartner Alex aus Berlin die letzten Kraftreserven mobilisieren musste!
In den Trainingspausen wurde individuell enstpannt, sei es auf dem Dojo-Sofa oder per Luftmatratze im grade nicht genutzten Dojo. Andere unternahmen einen City-Bummel oder gingen Essen. Am Donnerstag hatte Risto einen Besuch in einer Sauna-Schwimmlandschaft in Obertshausen (oder war es Heusenstamm?) organisiert. Hier wurde in einigen Saunen zu bestimmten Zeiten ein Aufguss durch das Personal "zelebriert". Zwar sind mir Aufgüsse dieser Art auch aus der Münsteraner Saunalandschaft vertraut, was hier geboten wurde, konnte allerdings bereits als weit überzogen und lächerlich bezeichnet werden. Wir alle waren uns einig, dass die während des Aufgusses verordnete Schweigepflicht mehr als albern war und setzten uns auch häufig kichernd darüber hinweg. Risto klärte uns dann auch auf: "Wisst ihr, was Aufguss-Meister auf finnisch heißt? - Kasper!"
Dann hieß es am Freitag Mittag für die meisten Abschied nehmen. Nur zwei ganz unentwegte Lehrgangsteilnehmer beschlossen, noch am Lehrgang von Shihan-Ochi in Obertshausen am anschließenden Wochenende teilzunehmen und dort ihre Dan-Prüfungen abzulegen. Für alle anderen heißt es wohl jetzt, die vielen Tipps und Ratschläge Ristos in das alltägliche Dojotraining einfließen zu lassen und sich so ein wenig davon anzueignen.
Mir hat der Lehrgang auf jeden Fall wieder ein paar zusätzliche Teile zu meinem ganz persönlichen Karate-Puzzle beschert. Viele Bewegungsabläufe und Zusammenhänge erschließen sich mehr und mehr. Hoffentlich bleiben diese Fortschritte auch noch, wenn die blauen Flecken schon der Vergangenheit angehören.
Zum Teil trainierten alle Leistungsgruppen ab Violettgurt zusammen. Die Gruppen wurden zeitweise aber auch getrennt, damit Risto noch intensiver als sonst auf die einzelnen Lehrgangsteilnehmer eingehen konnte. Das ist wohl der Unterschied zu einem "großen" Gasshuku, bei dem sich unzählige Karateka in der Halle tummeln: Bei Risto ist die Gruppe stets überschaubar und man muss jederzeit damit rechnen, seinem geschulten Auge aufzufallen.
Während die Gruppe der Blau- und Braungurte sich zum großen Teil mit einer Prüfungsvorbereitung bis zum Dan beschäftigte, wurden die Schwarzgurte darüber belehrt, was bei ihnen eben noch nicht "meisterlich" war. Hatten mich die vielen Korrekturvorschläge Ristos im vergangenen Jahr noch irritiert und zum Teil auch frustriert, so konnte ich doch jetzt schon wesentlich mehr mit seinen Hinweisen anfangen. Risto sieht nicht nur den Fehler, er kann auch nach einer kurzen Analyse sofort eine genaue und individuelle Verbesserung bewirken.
Karate ist ein Kampfsport und Kampfsport ist ja eine harte Sache und nur für harte Kerls und Mädels - oder? Ein Schwerpunkt dieses Lehrgangs lag allerdings grade darin, unseren Techniken und Bewegungsabläufen das Harte und Starre zu nehmen. Na klar, wir alle wissen, dass der Körper locker bleiben soll und die Technik nur dann effektiv ist, wenn die Anspannung erst im letzten Moment, z. B. mit der Drehung der Faust, erfolgt. Nur haben sich leider bei dem Ein- oder Anderen im Laufe viele Karatejahre doch Bewegungsmuster eingeschlichen, die dieser Theorie nicht entsprechen. Hier läßt nicht nur die Effektivität der Technik zu wünschen übrig, der Körper ist auch viel schneller erschöpft.
Locker bleiben, wie beim Dauerlauf - so sagt es auch mein heimischer Sensei Michael Jarchau stets -, dann kann man quasi "stundenlang" Randori trainieren, ohne richtig aus der Puste zu kommen. In diese Richtung gingen nun auch Ristos Hinweise. Beim lockeren Freikampf "nicht lauern, sondern locker bewegen". Aus der Bewegung heraus kann man dann auch viel unauffälliger eine Technik vorbereiten und den Partner/Gegner überraschen.
Wenn man dies so liest, könnte man sich fragen, was an diesem Lehrgang denn nun so anstrengend, so intensiv war. Nun, zum Einen sicherlich die Tatsache, dass die Trainingseinheiten sich bis zu zweieinhalb Stunden lang hinzogen. Zweimal täglich wurden wir ordentlich gefordert und gefördert. Apropos Förderung: Sah Risto gravierende Unstimmigkeiten bei den Techniken, so musste auch zwischendurch zusätzlich geübt werden. Eine Karatekarin hatte wohl Probleme bei den Ausholbewegungen. Risto erklärte ihr die korrekte Ausführung - und stellte ihr einen erfahreneren Karateka quasi als Trainingspaten zur Seite. Mit diesem übte sie dann eine halbe Stunde vor der nächsten Trainingseinheit. Der Erfolg war frappierend und Risto mehr als zufrieden mit der Entwicklung dieses Braungurt-Mädels.
Anstrengend war aber auch das Training an sich: Beim Partnertraining durften wir dann auch ausgiebig - der Puls lag dann häufig doch über dem beim Dauerlauf - Wechselschritte, Suri-Ashis üben. Mein kleiner persönlicher Erfolg fand sich überraschender Weise beim Ashi-Barai, den ich sonst nie so recht hinbekomme. Ich hatte in dieser Einheit Jukka aus Lahti als Partner, einen hochkarätigen finnischen Karateka, der sich durch viel Karate-Erfahrung und eine ausgesprochene Härte auszeichnet. Tori griff bei dieser Übung an mit Kizami-Tsuki und Gyaku-Tsuki. Uke stand links vor und sollte quasi im Zurückgehen eher springen als gehen und mit dem rechten Fuß das vordere Bein des Angreifers fegen, bevor dies abgesetzt ist. Sowohl Jukka, als auch ich bekamen große Augen, als mir dieser Feger regelmäßig gelang!
Den Ashi-Barai zu üben, das ist regelmäßig mit blauen Flecken an den Schienbeinen verbunden. Vermutlich lag es an der großen Erfahrung und Kontrolle meiner Trainingspartner, denn dieser Körperteil ist erstaunlicher Weise eine der wenigen Körperstellen, die "unversehrt" sind. Ansonsten gab es reichlich "Tuchfühlungen" und Bodychecks! Bei einer Übung ging es z. B. darum, den Mae-Geri zu üben. Hierzu stellte sich der Trainingspartner, der quasi der "Dummy" war, in ca. 2 Meter Abstand vor die Hallenwand. Der Ausführende stand links vor und sollte mit rechts den Fußtritt ausführen. Besonderheit: während des Kicks rutscht der Körper mit Suri-Ashi auf dem Standbein vor, der "Dummy" geht einen Schritt zurück und wird getroffen, wenn er grade wieder festen Boden unter den Füßen hat. Hier hatte man keine Chance, den Tritt zu blocken oder zu mildern! Trainingspartner Alex kickte mich etwa 30 Mal nicht besonders zärtlich gegen die Wand. Aber das meinen Körper durchströmende Adrenalin bewirkte wohl, dass ich die Wucht des Aufpralls nicht spürte und die Schmerzen sich erst nach dem Training einstellten.
Es gab einige Trainingselemente dieser Art, die "Samthandschuhe" konnten also getrost in der Umkleidekabine bleiben. Hinzu kam, dass der Lehrgang zu 80 Prozent aus männlichen Teilnehmern bestand. Es wurde also nicht gekleckert, sondern geklotzt.
Natürlich wurde auch ausgiebig Kata trainiert. Heian- und Senteikatas und die ausgewählten Prüfungskatas Sochin und Jitte. Es gab eine "reine" Kataeinheit am Dienstagvormittag, die mich persönlich an die Grenzen meiner Belastbarkeit brachte. Risto hatte viele gute Ratschläge für uns, die ich auch zum großen Teil schon einmal von ihm gehört - leider aber auch wieder vergessen hatte. Drehungen und Rückwärtsbewegungen, Ausholbewegungen - es gibt so viele Besonderheiten, an die man stets denken muss!
Kihon und Kata sind zwei wichtige Bestandteile des Karate - aus beidem lassen sich wertvolle Elemente für das Kumite entnehmen. Schwierig nur, jetzt die starren und kantigen Bewegungen in lockere, fließende und doch dynamische und effektive Technicken zu verwandeln, die ihr Ziel nicht verfehlen und den Partner "ausschalten". Eine sehr gute Vorbereitung hierzu ist Ristos Kata Hokkyokuko, eine Halbfreikampfkata mit vielen Suri-Ashis und Wechselsprüngen. Mein finnischer Karatefreund Reijo Kangas hatte mir vor Beginn des Lehrgangs geraten: Fahr nicht hin, wenn Du die Hokkyokuko nicht kannst! Risto wird das von Dir, die so regelmäßig auf seine Lehrgänge geht, erwarten! So versuchte ich einige Tage vor der Karatewoche, mir die Kata vom Ablauf her einzuprägen - und stellte plötzliche einen guten Fortschritt in meinem Kumite fest! Ich war lockerer und mir fielen plötzlich neue Bewegungsabläufe und Technikkombinationen ein, die ich unbewusst dieser Kata entnommen hatte.
Nach einer besonders intensiven Kumiteeinheit am Dienstag Abend fuhr ich dann recht erschöpft aber auch zufrieden mit der Straßenbahn durch die Frankfurter City zur Wohnung meiner Schwester am anderen Stadtrand. Die Fahrt dauert ca. 1 Stunde und die ein- und aussteigenden Leute bildeten ein buntes Bild aller erdenklichen Nationalitäten und sozialen Schichten. Deutsche, Türken, Inder, Russen und viele weitere Nationalitäten prägen das Bild. Und auch vom Banker bis zum Penner ist alles dabei. So ca. auf halber Strecke bemerkte ich einen ungepflegten Mann mittleren Alters, drei Sitze neben mir. In einer Scheibe gegenüber spiegelte sich sein Gesicht, welches zu mir hinüberstarrte. Nun gut, dachte ich, Gucken ist ja nicht verboten. Außerdem bot ich nach dem ausgiebigen und erschöpfenden Karatetraining sicher nicht grade einen verlockenden Anblick! Nach einer Weile hörte ich seine Stimme: "Du: Fechenheim Post, ich habe Dich gesehen!" Da fuhr mir der Schreck durch die Glieder - woher kannte der Typ meine End-Haltestelle! Plötzlich saß er neben mir, säuselte in mein Ohr, wie sehr ich ihm gefiele und dass er eine schöne große Wohnung habe, in die ich gerne mitkommen sollte. Als er mir dann den Arm um die Schulter legen wollte, platzte mir aber der Kragen! Jetzt sei Schluss, wies ich ihn zurecht! Auch das Fotografieren mit seinem Handy wusste ich ihn zu verbieten! Fieberhaft überlegte ich, wie ich, ohne die Situation eskalieren zu lassen, aus dieser Nummer wieder herauskäme! Kurzer Hand sprang ich dann bereits vor Erreichen meiner End-Station noch schnell durch die bereits halb geschlossene Tür der Straßenbahn und entschwand meinem "Verehrer" durch dunkle Umwege. Puh, das war ja nochmal gut gegangen! Als ich Risto und den Karatefreunden am nächsten Tag von dieser Begebenheit berichtete, kamen natürlich viele dumme Sprüche, wie: "Bring ihn doch nächstes Mal mit hierher, in Deine Wohnung!" Oder: "Zeig ihm nächstes Mal ein Foto von uns und sag, dass Du gleich Deine Freunde holst." Risto aber reagierte sehr spontan und fürsorglich: Zum Aufwärmen und auch zum Ende der nächsten Einheit gab es ein ausgezeichnetes Selbstverteidigungstraining, bei dem ich mit meinem Trainingspartner Alex aus Berlin die letzten Kraftreserven mobilisieren musste!
In den Trainingspausen wurde individuell enstpannt, sei es auf dem Dojo-Sofa oder per Luftmatratze im grade nicht genutzten Dojo. Andere unternahmen einen City-Bummel oder gingen Essen. Am Donnerstag hatte Risto einen Besuch in einer Sauna-Schwimmlandschaft in Obertshausen (oder war es Heusenstamm?) organisiert. Hier wurde in einigen Saunen zu bestimmten Zeiten ein Aufguss durch das Personal "zelebriert". Zwar sind mir Aufgüsse dieser Art auch aus der Münsteraner Saunalandschaft vertraut, was hier geboten wurde, konnte allerdings bereits als weit überzogen und lächerlich bezeichnet werden. Wir alle waren uns einig, dass die während des Aufgusses verordnete Schweigepflicht mehr als albern war und setzten uns auch häufig kichernd darüber hinweg. Risto klärte uns dann auch auf: "Wisst ihr, was Aufguss-Meister auf finnisch heißt? - Kasper!"
Dann hieß es am Freitag Mittag für die meisten Abschied nehmen. Nur zwei ganz unentwegte Lehrgangsteilnehmer beschlossen, noch am Lehrgang von Shihan-Ochi in Obertshausen am anschließenden Wochenende teilzunehmen und dort ihre Dan-Prüfungen abzulegen. Für alle anderen heißt es wohl jetzt, die vielen Tipps und Ratschläge Ristos in das alltägliche Dojotraining einfließen zu lassen und sich so ein wenig davon anzueignen.
Mir hat der Lehrgang auf jeden Fall wieder ein paar zusätzliche Teile zu meinem ganz persönlichen Karate-Puzzle beschert. Viele Bewegungsabläufe und Zusammenhänge erschließen sich mehr und mehr. Hoffentlich bleiben diese Fortschritte auch noch, wenn die blauen Flecken schon der Vergangenheit angehören.
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