Samstag, 21. Mai 2016

KWF Mastercamp in Paris

Zu einem Karate-Lehrgang nach Paris? Das kann wohl nur ein Traum sein! Und das war es auch wieder für Torsten und für mich! Nachdem wir bereits 2011 einmal anlässlich eines Karate-Lehrgangs mit den Senseis Jean-Pierre Fischer und Jean-Michel Blanchard in die französische Hauptstadt gefahren waren und dort einen Mix aus Kultur, Cuisine und Karate erleben durften, war in diesem Jahr ein Karate-Seminar der KWF (Karatenomichi World Federation) unter der Leitung von Karate-Legende Sensei Yahara Mikio der Anlass.

Ein Blick über den Tellerrand, also – und doch nicht ganz neu für uns, da wir ja bereits zweimal am Lehrgang „Samurai Spirit“ teilgenommen hatten, einem Lehrgang, bei dem unser National Coach Thomas Schulze Sensei zusammen mit einem seiner Ausbilder, Malcolm Dorfman Sensei, das Training leitet. Malcolm Sensei ist KWF-Vize-Präsident und unterrichtet Karate in Johannesburg, Südafrika. Schon bei Malcolm Sensei konnten wir eine Idee davon erlangen, wie man trainieren muss, wenn man Karate nicht nur als Kampfkunst, als Sport oder als Lebensweg betreibt, sondern zur täglich notwendigen Selbstverteidigung!

Natürlich hat auch die JKA, hat auch der DJKB den Ippon-Gedanken im Vordergrund: Wir trainieren Karate so, dass wir einen Angreifer im besten Fall mit einer Technik ausschalten können. Aber die KWF scheint in meinen Augen diesen Hintergrund noch intensiver zu verfolgen. Nach meinem Kenntnisstand ist die Grundlage des KWF-Karate eine noch extremere Vorbereitung des Körpers auf den Kampf. Der Körper – und speziell die „inneren Muskeln“, wenn ich Sensei Yahara richtig verstanden habe – wird durch das Kihon-, Kata- und Kumite-Training so gestählt, dass die Techniken mit einer gnadenlosen Härte rüberkommen. Dies geschieht durch eine extreme Körperanspannung und –verdrehung, die Yahara Sensei „Compression“ nannte. Diese wurde in Paris auf drei Arten geübt:


  • „Compression by hip rotation“: Beim Hikite wird die Hüfte noch um einiges weiter nach hinten abgedreht, als es bei uns üblich ist.
  • Joint Compression" = Hierbei wird - z. B. bei Blocktechniken - der vordere Fuß ein Stück weit rangezogen und der Körper auf der Stelle in allen Gelenken bis zum Maximum komprimiert, so dass eine extreme Vorspannung entsteht, die bei der Auflösung ein Höchstmaß an Kraft freisetzt.
  • "Compression by body rotation" = ein Ausnutzen der Zentrifugalkraft durch schnelles und starkes Verdrehen des Oberkörpers 

Wenn die JKA in den letzten Jahren immer mehr Wert auf Schnelligkeit zu liegen scheint, so liegt der Schwerpunkt des KWF eher auf Kraft, würde ich sagen.

Ich hatte während des Lehrgangs zuweilen das Gefühl, dass der Meister viel erklärte und erzählte. Für viele Erklärungen war ich wohl dankbar, hätte mir zuweilen aber mehr Ausführung gewünscht. Gleichwohl müssen wir uns aber dennoch in den Phasen der Aktivität sehr angestrengt haben, denn die Muskeln waren auf der Heimfahrt ordentlich müde! Ich bin auch sicher, dass dieser extreme Körpereinsatz sehr kräftezehrend ist. Aber ohne Fleiß kein Preis – und nur wer die Muskeln trainiert und den Körper schult, kann ihn auch effektiv einsetzen.

Im Vorfeld war ich sehr gespannt auf den Lehrgang, der immerhin als „Mastercamp“ ausgeschrieben war und auf dem dann tatsächlich fast ausschließlich Dan-Träger trainierten. Wie würde es sein, als Gast unter Karateka zu trainieren, die sich in den Besonderheiten des KWF viel besser auskennen. Die Antwort lautete: Es war ganz normal! Es war einfach Budo-Karate, ganz normales Karate-Training mit einem neuen Übungsansatz! Und die Leute um uns herum schienen – obgleich sie KWF-Mitglieder waren – auch nicht viel geübter in den extremen Bewegungsabläufen, als wir es waren! Karate ist eben auf der ganzen Welt ein lebenslanges Lernen und ich kann jedem Karateka nur Mut machen, jede Gelegenheit zu nutzen, um auch einmal – z. B. im Urlaub oder wenn man dienstlich unterwegs ist – in anderen Dojos um ein Gasttraining zu bitten.

Yahara Sensei sprach erstaunlich gut Englisch und machte einen sympathischen und zuweilen auch humorvollen Eindruck. Gleichwohl war sein Training fordernd und er korrigierte akribisch auch die kleinsten Fehler.

Nach dem ersten Trainingstag wartete zunächst die hoteleigene Sauna auf uns und sorgte dafür, dass wir keinen Muskelkater bekamen! Anschließend hatte Torsten für uns einen Tisch in einem Restaurant reserviert, im „Le Train Bleu“, einem ehemaligen Wartesaal im Gare de Lyon: ganz auf Jugendstil getrimmt und mit einer exzellenten Auswahl an Speisen und Getränken. Bei diesem Festmahl verging die Zeit wie im Flug und nachdem wir in unseren Gesprächen den ersten Lehrgangstag hatten Revue passieren und künftige Fuji-San-Events geplant hatten, ging es noch auf eine nächtliche Stippvisite zum Eiffelturm!

Obgleich es dann doch halb zwei war, bis wir wieder am Hotel waren, ging es am nächsten Morgen frisch und voller Erwartung wieder zur Trainingshalle. Am zweiten Tag standen Kata und Kata-Anwendung auf dem Programm. Wir übten Jion und Kanku Dai unter Berücksichtigung der KWF-Besonderheiten und genossen in der Mittagspause noch einen kleinen Snack in einem der nahen Bistros. Am Nachmittag wurde dann die Anwendung der Kata erklärt und geübt. Wie es oft so ist, gab es die ein- oder andere überzeugende Anwendungsoption, andere waren nicht so leicht nachvollziehbar. Besonders spannend fand ich Sensei Yaharas Erklärung zu verschiedenen Kata-Anwendungen in Bezug auf die Befreiung aus einer Handgelenksumklammerung: Je nachdem, wie die Hand bzw. der Arm gegriffen werden (von vorne, von oben, von der Seite), können Techniken aus der Heian Shodan, Heian Sandan oder Kanku Dai genutzt werden. Interessant auch der Ansatz zum Unterschied des Kakiwake Uke im Kokotsu Dachi (Hände werden nach Lösen des Überkreuzens eher etwas an den Körper heran gezogen) zur selben Technik im Zenkutsu Dachi (Hände werden nach vorne gedrückt).

Einen ganz herzlichen Dank an die Ausrichter des Lehrgangs und an die Übersetzer, die uns das Wissen des Meisters näher gebracht haben sowie an den Assistenten Sensei Yaharas, Otsuka Masamichi Sensei! Für mich war es ein sehr interessanter Lehrgang und ich freue mich schon darauf, diese Themen beim Samurai-Spirit Mitte Juni weiter zu vertiefen.


Donnerstag, 31. März 2016

Street Combatives im Fuji San

Am 19.03.2016 folgten 30 Interessierte aus ganz NRW meiner Einladung zum Street Combatives Seminar im  Fuji San. Einige der Teilnehmer/innen hatten Karate-Kenntnisse, andere kamen aus dem Krav Maga oder anderen Systemen und es waren auch Personen zu Gast, die noch keinerlei Erfahrungen mit Kampfkünsten oder -systemen hatten.

Das Seminar war auf 5 Stunden angesetzt - die Zeit verging aber wie im Fluge! Dies lag nicht zuletzt an der mitreißenden und kurzweiligen Moderation und Anleitung durch unseren Coach Carsten Zimmerman. Carsten kommt ursprünglich aus dem Jujutsu und ist seit einiger Zeit auch Street-Combatives-Instructor.

Was vielleicht einige Teilnehmer/innen überrascht haben mag: Wir starteten mit einer dreiviertelstündigen Theorie-Einführung, die durch eine Power-Point-Präsentation unterstützt wurde. Carsten eröffnete den Nachmittag mit der Frage: "Wer von Euch hatte bereits Gewalt-Erfahrung?" Es hoben sich nur sechs Hände, was ja an sich erst einmal ein beruhigendes Gefühl vermittelt - so gefährlich scheint das Leben ja dann doch nicht zu sein. Dass aber ein dummer Zufall, ein einziges "zur-falschen-Zeit-am-falschen-Ort-Sein" ausreichen kann, um ein ganzes Leben zu zerstören, erfuhren wir anhand der Präsentation, die zahlreiche, durch öffentliche Videokameras aufgezeichnete, Gewaltszenen veranschaulichte. Das war wahrlich nichts für schwache Nerven und sicher einer der Hauptgründe, warum das Seminar erst "ab 18" ausgeschrieben war.

"When life goes wrong...." - was kann uns dann noch helfen? Ganz unbestritten ist die Beschäftigung mit Kampfkünsten oder -systemen aller Art ein guter Ansatz, so Carsten. Es ist dabei im Grunde egal, welcher Kampfkunst oder welchem System man sich verschreibt - alle haben ihre Daseinsberechtigung! Und dieses Gefühl hatte ich ja auch schon bei meinem ersten SC-Seminar in Olpe: Karate bereitet verdammt gut auf den Ernstfall vor - es gab unendlich viele Parallelen zum SC-Konzept!

"Wenn Du mit einem Kind das Überqueren der Straße übst - was bringst Du ihm bei: Den Zusammenstoß mit einem Auto zu überleben? Oder das Auto rechtzeitig zu sehen und den Zusammenstoß zu vermeiden?", fragte Carsten uns im Theorieteil weiter. Die beste Selbstverteidigung besteht auch nach dem SC-Konzept nicht darin, Auseinandersetzungen zu suchen, um sie zu überstehen. Es geht vielmehr darum, einen Gefahrenradar zu entwickeln und die Gefahr zu meiden. Dies fällt unter die so genannte Pre-Konflikt-Phase, in der unter anderem der Begriff Gefahrenmanagement genannt wurde. Carsten verglich diese Phase vor der körperlichen Auseinandersetzung mit einem Vorstellungsgespräch: Der potenzielle Täter hat eine "Stelle" ausgeschrieben und diese freie Stelle heißt "Opfer". "Dies", so Carsten, "ist das einzige Bewerbungsgespräch, dass ihr in eurem Leben versauen solltet." Der Angreifer will unseren Besitz, unseren Körper oder unser Leben. Wie auch ich es in meinen Kursen stets betone, lohnt es sich auf keinen Fall, für materielle Werte das eigene Leben oder die Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Ist der Gegner scharf auf unser Geld, Handy oder sonstige Wertgegenstände, so sind diese abzugeben. Bei Angriffen auf unser Leben oder unsere Unversehrtheit, lohne sich in jedem Fall Widerstand. Denn was will der Gegner auf keinen Fall: Er will nicht, dass die Auseinandersetzung lange dauert. Im Regelfall will der Angreifer auch keinen Kampf mit einem gleichwertigen Gegner, es handelt sich eher um eine Art Ritualkampf, bei dem nach seiner Vorstellung von vornherein feststehen sollte, wer gewinnt. "Beuteverhalten povoziert Jägeraktivität", zitierte Carsten einen anderen Kampfexperten.

Vorgestellt wurde weiter der so genannte Cooper Color Code, der sich mit dem Grad unserer Aufmerksamkeit beschäftigt: Bei der Phase weiß sind wir total entspannt und widmen keinem Geschehen eine besondere Aufmerksamkeit. Dies ist z. B. der Fall, wenn wir "auf dem Sofa sitzen". Phase gelb beschreibt eine gelassene Aufmerksamkeit, die wir aktivieren sollten, sobald wir das Haus verlassen. Gelassene Aufmerksamkei bedeutet nicht, ständig überall Gefahren zu wittern und überängstlich durch die Gegend zu gehen. Aber es bedeutet, die Umgebung zu betrachten und ungewöhnliche Veränderungen sofort wahrzunehmen und auf mögliche Gefahren überprüfen zu können. Bei möglicherweise wahrgenommener Gefahr geht man in Phase orange über, eine spezifische Aufmerksamkeit, bei der wir uns innerlich auf Flucht oder eine Auseinandersetzung vorbereiten können. Bei Phase rot steht der Kampf unmittelbar bevor und Phase schwarz beschreibt die Situation, bei der der Kampf in vollem Gange ist. Ein ähnliches Modell, das die verschiedenen Phasen einer Auseinandersetzung beschreibt, ist der Ooda Loop, der einen Kreislauf beschreibt, in der die Phasen observe-orient-decide-act ineinander greifen.

Deeskalation steht auch nach der Street-Combatives-Strategie ganz oben! Um eine Auseinandersetzung möglichst noch runterzukochen, sollte man möglichst eine "non violent position" einnehmen, die von der Körperhaltung her der Schiedsrichterposition entspricht: Füße in L-Stellung, Handflächen gehöffnet, Blick noch weit (nicht stechend oder drohend), ggf. "italienisch" gestikulierend, so dass die Ellenbogen vor dem Körper liegen und man jederzeit eine Schutzhaltung einnehmen kann. Möglich ist hierbei auch, einen Ellenbogen quer vor die Rippen zu halten und den anderen Unterarm darauf aufgestützt, mit der Hand an der Schläfe zu halten ("Denker-Position").

Hat all das nichts genutzt, sind wir im Kampf. Dave Grossmann hat eine "Herzschlag-Skala" erstellt:


Unter Stress steigt der Herzschlag und ab einem gewissen Level sind wir nicht mehr in der Lage, feinmotorische Aktionen durchzuführen. Dies ist der Zeitpunkt, zu dem nach meiner Theorie aus Kampfkunst Selbstverteidigung werden muss - die Kraft und Beweglichkeit, die wir uns jahre- oder jahrzehntelang beim Kampfkunsttraining angeeignet haben, muss jetzt auch automatisiert und grobmotorisch funktionieren! Ziel ist in erster Linie, ein Zeitfenster zu erkämpfen, in dem wir entkommen können! Hierzu gab es später eine schöne Übung: Wir taten uns zu dritt zusammen. Je einer von uns musste 30 Sekunden auf der Stelle sprinten, anschließend im Stand mit zu Boden geneigtem Oberkörper einen Arm zum Boden führen und sich 10 mal im Kreis drehen. Hierbei sollte der Zweite aufpassen, dass der Aktive nicht das Gleichgewicht verlor. Nach den Drehungen galt es, gnadenlos auf die Pratze zu schlagen, die der Dritte an der Hand hielt. Das Laufen und Drehen sollte den Effekt simulieren, den wir zu erwarten hätten, wenn wir uns in einem Kampfgetümmel befinden und sich in uns ein bestimmtes Stresslevel aufgebaut hat - unter diesen Voraussetzungen noch die Pratze zu treffen und kraftvoll zu schlagen, ist gar nicht so einfach!

Einige Fragen, die sich alle stellen sollten, die Kampfkünste nicht nur zum Selbstzweck erlernen, sondern die auch in der Lage sein wollen, sich damit zu verteidigen: "Zu welcher Art und Intensität der Verteidigung bin ich tatsächlich bereit? Wie weit kann und will ich im Ernstfall gehen? Bin ich willens und bereit, jemanden tatsächlich ernsthaft bei meiner Gegenwehr zu verletzen?" Es lohnt sich durchaus, dies regelmäßig im Kopf durchzuspielen, damit man im Ernstfall nicht vollkommen überrascht ist und möglicherweise aus Unsicherheit erstarrt.

Derart gut eingestimmt ging es nun endlich an die praktischen Übungen: Wir wurden nach der Tabata-Methode aufgewärmt und automatisierten dann zunächst eine Deckung für unseren Kopf, denn: "80 % aller Erstangriffe gehen zum Kopf - Ziel ist es, euren Computer auszuschalten." Der linke Ellenbogen wurde hier links seitlich an den Kopf gehalten und der rechte Ellenbogen legte sich eng um die Stirn und seitlich über das rechte Ohr, so dass die rechte Hand auf dem linken Handgelenk fixiert war und das rechte Auge verdeckte. Da die meisten Angreifer Rechtshänder sind, macht diese Position in den allermeisten Fällen Sinn. Wie alle anderen Techniken und Drills auch, übten wir auch diese Sicherungstechnik zunächst "trocken", d. h. jede/r für sich und ohne Partner/in. Anschließend taten wir uns zu dritt zusammen und je zwei schlugen etwa 30 Sekunden lang mit Handpratzen auf unsere Deckung. Anschließend übten wir ein, die Deckung spontan hoch zu reißen und schnell auf plötzliche Angriffe zu reagieren. Verschärft wurde die Übung noch dadurch, dass der Angegriffene  Rechenaufgaben zu lösen hatte: von der Zahl 793 in 7-er-Schritten runterzählen - und dabei noch auf die Angriffe achten! Das hatte schon was! :-)

Mir persönlich am schwersten fiel die Übung "Slap mit der offenen Hand". Hierbei bewegten wir uns "windmühlenartig" und schlugen in großem Kreis seitlich gegen den Kopf des Partners bzw. gegen die davor gehaltene Pratze. Wichtig war hierbei, dass beim Schlag der Ellenbogen nicht nach unten zeigte. Bei der Körperdrehung, die den Schlag auslöst, sollte die Nase überm Zeh stehen (nose over toe).

Als nächstes übten wir den Hammerfauststoß, bei dem wir darauf achten sollten, dass die Bewegung durch den ganzen Körper läuft und quasi kettenartig fließt. Wir schlugen von oben auf eine waagerecht gehaltene Pratze. Schließlich übten wir zu dritt: Einer hielt den Schlagenden von hinten fest und zog ihn rückwärts, so dass es dem Schlagenden erschwert wurde, die Pratze zu treffen und den Schlag kraftvoll auszuführen. Im nächsten Durchgang wurde die "Position Motorhaube" simuliert: Einer der drei ging in den Vierfüßlerstand, ein weiterer legte sich rücklings darauf, die Beine auf dem Boden aufgestellt. Der Dritte bedrängte den auf der "Motorhaube" frontal oder seitlich und man musste jetzt versuchen, aus dieser ungünstigen Position noch die Pratze auf der Hand des Bedrängenden zu treffen. Klasse Übung, die viel Kampfgeist erforderte!

Wir beließen es nicht bei Arm- und Fausttechniken, sondern setzten auch das Knie ein. Beintechniken seien nur bedacht einzusetzen, so Carsten. Beim Kneelift denken viele Menschen spontan, dass man damit die Genitalien treffe - besser sei es aber, das Hüftgelenk bzw. die Leiste zu treffen und den anderen damit rein physikalisch und im wahrsten Sinne des Wortes einknicken zu lassen. Wie auch ich es in meinen Kursen stets betone, sind viele Angreifer schlicht schmerzfrei - und reagieren nicht wie erwartet bei einem Tritt in die Hoden. Man solle sich besser vorstellen, dass man das Knie hochreiße und durch den Gegner hindurch ginge. Das übten wir dann auch sehr beherzt, indem wir versuchten, mit dem Knie die Pratze zu treffen, die der Trainingspartner vor die Leiste hielt.

Nach einer kleinen Pause ging es ans Dirty Fighting - Schluss mit lustig, also! Bei einem Griff an den Hals sollten wir unsere Hände innen durch die Arme des Gegeners zu dessen Gesicht führen und den Kopf wie eine Bowlingkugel seitlich drehen. Anschließend könnten wir mit der Hammerfaust dafür sorgen, dass der Gegener nicht noch einmal wagt, uns anzugreifen!

Ein Angreifer kommt leider selten allein! Darum macht es Sinn, sich nach dem Ausschalten eines Gegners, umzusehen - "Watch your six!" - auf sechs Uhr sehen, also einmal um 180 Grad umblicken, bevor man sich sicher fühlen kann. Man sollte sich besser vorne herum drehen, als hinten herum, weil dort schon jemand stehen könnte, den man grade nicht sehen kann.

Zur Abwehr aus der Bodenlage übten wir zwei Varianten: Die erste von beiden verfolgte weniger den Gedanken der realen Selbstverteidigung, als vielmehr das Üben von Schlägen aus ungünstiger Position (ähnlich der Übung "Motorhaube"): Ein Partner lag am Boden und der andere legte sich fest auf ihn drauf, in jeder hand eine Handpratze haltend und diese auf die Arme oder den Oberkörper des anderen drückend. Der unten liegende sollte jetzt zunächst versuchen, den anderen nach oben wegzudrücken und dann noch Schläge auf die Pratze zu verpassen.

Im Ernstfall mache es aber nicht viel Sinn, den Gegner in dieser Lage wegzudrücken. Im Gegenteil: Läge der andere unmittelbar auf einem drauf, sei dieser ja selbst in der Handlungsfähigkeit eingeschränkt! Besser sei es unter Umständen sogar, den anderen fest an sich heran zu ziehen, so dass der Abstand noch weiter verringert ist. Weiter geht es auch in dieser Position mit der "Bowlingkugel" - dem anderen seitlich um den Kopf herum ins Gesicht greifen, bis er sich aus der Position löst und wir freikommen. Herrlich! Was hatten mein Partner und ich einen Spaß bei dieser Übung :-D

Als unsere Kräfte beinahe aufgebraucht waren, erklärte uns Carsten noch die Post-Konflikt-Phase nach dem SC-Konzept: Nach einem Kampf empfiehlt es sich, das Krankenhaus anzurufen und die wichtigen Fragen wo, wer, was, wie zu beantworten. Anschließend sollte man sich hinsetzen und im Sitzen einen eigenen Body Check durchführen. Im Sitzen deshalb, weil man vielleicht viel Blut verloren hat und ohnmächtig zu werden droht - oder einen Schock bekommen kann, wenn man größere Verletzungen an sich feststellt und auch dann aus dem Gleichgewicht gerät und stürzt. Gut und sinnvoll ist es auch jeweils, unmittelbar nach einem Vorfall Zeugen zu sichern, damit bei einer eventuellen rechtlichen Auseinandersetzung nicht unglücklicherweise die Rollen Angreifer und Verteidiger vertauscht würden.

In der Feedbackrunde gab es ausschließlich positive Resonanz für Coach und Konzept! Einige Fragen umkreisten das Thema Notwehrrecht, welches von Carsten und auch anderen Teilnehmern zum Abschluss noch einmal intensiv beleuchtet wurde.

Für mich sind Exkurse dieser Art in andere Kampfkünste oder -systeme immer von besonderem Wert -  nicht, weil unsere Kampfkunst Karate für reale SV unzureichend wäre, sondern um eine Bestätigung dafür zu finden, dass Karate-Prinzipien eben auch bei dem Blick über den Tellerrand gültig sind und uns das regelmäßige Training optimal auf den Ernstfall vorbereitet.


Freitag, 11. März 2016

Dresden Takudai 2016 - Stichworte

Großartiges internationales Event mit Instructoren und Trainierenden der Karateverbände SKI und JKA

Instructoren:
Asano Shihan (9. Dan), Chief Instructor SKIF & SKI-GB
Nagei Shihan (8. Dan), Chief instructor SKIF Deutschland
Naka Shihan (7. Dan), JKA Manager Tokyo, Japan
Murakami Shihan (7. Dan), Chief Instructor SKIF International
Nakayama Sensei (5. Dan) JKA Trainee Instructor

Anfahrt zu viert: T und ich sowie Michi Jarchau und Thorsten Rabeneck mit uns im Auto, ebenfalls mit beim Lehrgang: Familie Freese mit Kai (Orangegurt, 12 Jahre alt), Eltern erhielten auf meine Anfrage hin ein VIP-Ticket und durften ausnahmsweise mit in die Halle.
Hotel Smetana - wie gewohnt liebevoll, aber diesmal leider rund 3,5 km bis zur Halle, die zum Ausgleich dafür aber direkt am Rand der Innenstadt lag.

In der Halle (Halle 1) rund 200 Karateka verschiedener Nationalitäten und Verbände, jung und alt und verschiedener Graduierungen. Geeint hat uns alle die Leidenschaft für Shotokan-Karate.

Naka Shihan und Nakayama Sensei begrüßten Michi Jarchau erst einmal mit Handschlag und dann freundlicher Weise auch uns :-)

Training auf Japanisch, Übersetzung ins Englische durch Natsuko Mineghishi und dann auf Deutsch durch Ryan Hayashi (Mannheim).


Tag 1:
Start um 18.30 Uhr mit Warmup durch Dresdener Karateka. Wenn ich einen Verbesserungsvorschlag hätte, dann hinsichtlich des Warmups und des Cooldowns (es gab ein Cooldown, das eigentlich eine weitere Aktivierung war). Wenn vorab von den ausrichtenden Dojos jemand abgestellt würde, der - falls Bedarf besteht - ein qualifiziertes, vorbereitendes Warmup macht und den Unterschied zwischen Warmup und Cooldown kennt, dann würde dies den Lehrgang weiter abrunden! Das gilt aber im Grunde für alle Lehrgänge.

Dann Naka für alle!
Basics:
Erdverbundenheit durch Atmung - das fängt schon bei Shizentai an: Füße zusammen, Hände an die Seite = Einatmen, Verbeugung = Ausatmen, hochkommen: Einatmen, Füße zur Seite stellen = Ausatmen
Tsukis im Stand mit Fokus auf Erdverbundenheit. Hacken in den Boden drücken.
Dann Tsukis diagonal mit Uraken (Fokus: Hüftrotation)
Tsuki diagonal re Arm nach li, mit re Arm nach re Uraken, dann Ts mit li Arm nach re, dann Ts nach vorne

Dann Tsuki und mit demselben Arm blocken (wie kürzlich erst im Training gemacht!): Soto-Uke, Age Uke, Uchi Uke
Dasselbe dann auch im Vorwärtsgehen mit ZK
7 x vorwärts und zurück langsam auf zählen
7 x vorwärts und zurück schneller auf zählen
5 vorwärts und zurück, schnell, eigene Zeit

Dann Gruppe geteilt. Oberstufe behielt Naka, Unterstufe wurde von Nakayama trainiert.

Heian Shodan "einhändig": So konzentriert man sich voll darauf, was die noch aktive Hand macht. Würde man regelmäßig so trainieren, dann könnte man sein Karate stark verbessern, da die Bewegungen bewusster würden. Danach noch Heian Nidan mit einer Hand?

Übung von vorher mit Partner:
Tori Angriff Ts Jodan, dann im Folgenden Gy Ts und Ren Ts
Uke macht die Blöcke, der letzte Tsuik wird von Uke übernommen und an die Hüfte gezogen, um Uke aus dem Gleichgewecht zu bringen, dann an die andere Hüfte und dort verdrehen und fixieren

Tekki Sandan

Wir sind zu verkfampft!
Der Tsuki geht weiter vor, wenn die Schultern locker sind!
Tsuki machen, dann Tsuki Arm fallen lassen und in großem Kreis entspannt wieder nach vorne führen: Die Faust ist jetzt eine Faustbreit weiter vorne!

Es wurde auf die wichtige und fast grundlegende Bedeutung des Uchi Uke hingewiesen:
Wieder Test Tsuki: dagegen schlagen: Der Tsuki ist schwach
Dann macht der Tsuki-Schläger vorher Uchi Uke und dann einen Tsuki: Der Tsuki ist stark!
Dasselbe mit Kage Tsuki! Dieser wird besonders gut, wenn der Ellenbogen nach dem Uchi Uke so bleibt. So auch bei Tsuki denken!
Daraus wird der Tsuki, wie wir ihn auch von Risto kennen: Schulter runter, so dass der Arm fast gebeugt wirkt!

Naka: Körperachsen - nicht rotieren, sondern schneiden, nicht nur an die Mittelachse denken, sondern auch an die linke und rechte Körperachse, dann viel schneller, am Beispiel Heian Nidan geübt, speziell den Anfang

dann noch Bassai Dai

Tag 2:

11 - 13 Uhr: Murakami Shihan
erst gemeinsam, dann übernahm er die Oberstufe und Nagai Shihan trainierte die Unterstufe

Basics:
Choko Tsuki im Stand und in Kombinationen mit Mae Geri
Dann mit halber und mit ganzer Drehung um den Tsuki Arm herum, den Arm dabei nicht sinken lassen
Dann im ZK und Drehung mit Gedan Barai, jetzt auch den Tsuki Arm stehen lassen, so dass er sich bei der Drehung quasi zur Ausholbewegung selbst aufrollt.
Dann: Standübung: ZK mit Gyaku Tsuki, vorderes Bein stehen lassen und hinters zur Seite ziehen zum KK. Dabei die Standbeine gleich lassen (gleicher Winkel).
Das dann auch mit Gyaku Tsuki und Shuto Uke, dann mit Partner/in, wobei ein Partner li vor steht im ZK und der andere mit dem rechten Bein als hinteres KK Bein seitlich direkt am Partner steht und zur rechten Seite KK macht. Dann zeitgleich wechseln und darauf achten, dass sich die aneinanderstehenden Beine nicht verändern
Ich hatte hier Natsuko Mineghishi aus Melbourne als Partnerin, eine sympathische und beeindruckende Karateka, die im zweiten Leben Opernsängerin ist! Natsuko hatte auch die ganze Zeit vom Japanischen ins Englische übersetzt.

Partner/innen-Übung:
Vorübung alleine: aus ZK li vor re Bein diagonal nach hinten re bewegen und mit li Arm Tate Shuto Uke, Gyaku Tsuki; re Bein nach hinten rechts umsetzen, so dass wir uns auch nach rechts drehen, das linke Bein aber vorne bleibt, mit li blocken Age Uke, Mae Geri; jetzt das linke Bein nach hinten links umsetzen und Block Uchi Uke, Konter Gyaku Tsuki; jetzt nochmal das linke Bein verschieben, noch weiter hinten raus gleiten und Block mit re und re vor Nagashi Uke, vorderes Bein nochmehr ran ziehen, dabei mit dem linken Arm den Gegner auf Abstand halten, dann wieder vor mit Kiba Dachi


Tag 3:
Nakayama Sensei
Basic Übungen vom Double Impact (Tsuki Und ZK Kombinationen mit Gravity)
Heian Sandan mit Bunkai - letzte Sequenz, da geht man auch tief (Gravity...)
Nagai: letzte 10 Minuten Freikampf

Donnerstag, 10. März 2016

Training bei Shihan Ochi

Kihon:
Tsuki Jodan

Sanbon Tsuki

Age uke, Mae Geri - hinten absetzen, Kizami Tsuki, Gyaku Tsuki, auch rückwärts

Uchi Uke, Kizami Mae Geri, Mae Geri - vorne absetzen mit Gy Ts

Soto Uke, umsetzen in KB mit Yoko Empi

Soto Uke, umsetzen in KB mit Yoko Empi, Tate Uraken (von unten hoch schlagen) und Yoko Uraken (seitlich geschlagen), umsetzen in ZK mit Gy Ts

KK vorwärts, vorderes Bein Mae Geri und ohne abzusetzen Mawashi Geri, dann vorne wieder absetzen und mit dem hinteren Bein Mae Geri, hinten absetzen mit Gyaku Nukite


Training bei Andi am 16.3.16:

Stabilität im Kumite - vorbereitet durch intensives Kihon.

Kumite dann speziell:

Gohon Kumite Jodan und Chudan mit jeweils Gyaku Tsuki nach dem Age Uke. Es kommt nicht auf das Treffen an, also nicht auf Biegen und Brechen den Oberkörper vorbeugen o. ä., sondern wichtiger ist Stabilität im Körper.

Beide li vor Kamae, Tori greift an Kizami Tsuki, Uke verlagert Gewicht und gleitet etwas zurück, Block mit der der offenen linken Hand nach rechts am Kopf vorbei, aber nur grade so, dass der Tsuki vorbei geht. Konter Gy Ts; dann Angriff chudan Tsuki, Uke zieht das linke Bein nach hinten links zurück, so dass er 45 Grad mit re vor steht und mit re Gedan Barai geblockt - hierbei auf korrekte Körperrotation denken und nicht den Arm verbieten (schädlich für den Ellenbogen), Gy Ts. Tori richtet sich zur Achse des Uke aus und wieder Angriff Jodan / Chudan....


Sonntag, 7. Februar 2016

Kindertraining mit japanischen Zahlen

Aufwärmen mit japanischen Zahlen - geeignet für Kinder ab 4 Jahren

1. Zahlenlauf
- alle in einer Reihe nebeneinander am Hallenrand aufstellen
- auf Kommando vorwärts laufen, dabei eine Zahl rufen, die zuvor von Trainerin oder Trainer gerufen wird
- beginnend mit 1
- rückwärts laufen ohne Zahl
- vorwärts mit 2 usw bis 10
- anschließend rufen Trainer/in die Zahlen auf japanisch vor, die Kinder wiederholen und lernen so die Zahlen kennen. Zur Unterstützung kann Trainer/in die Zahlen mit den Fingern an erhobenen Händen anzeigen, so dass jedes Kind weiß, welche Zahl grade auf japanisch gerufen wird

2. Zahlen-Statuen
- alle Kinder laufen durch die Halle
- für die jap. Zahlen von 1 - 5 werden vorher Positionen vereinbart, anhand derer sich die Kinder die Zahlen merken können
- bei ichi: auf ein Bein stellen und die Balance halten; Variante: die Augen schließen
- ni: mit beiden Beinen auf dem Boden stehen; Variante: im Kiba Dachi stehen
- san: mit einem Arm und beiden Füßen den Boden berühren (oder umgekehrt)
- shi: im rückwärtigen Vierfüßlerstand aufstellen, den Bauchnabel weit zur Hallendecke strecken
- go: ein Kind suchen und die Handflächen gegeneinander schlagen ("gib mir fünf")




Montag, 23. November 2015

Zen Meditation im Jugendkloster Bottrop Kirchhellen

Am 22.11.2015 folgte ich mit einigen Fujis und Gästen der Einladung meiner Freundin Katharina Gaßmann in das Jugendkloster Bottrop Kirchhellen. Katharina und ich haben uns vor einigen Jahren (es muss Januar 2008 gewesen sein) bei einer zufälligen Begegnung im Zug nach München kennen gelernt. Als sie mir damals berichtete, dass sie Zen Lehrerin sei, war mir sofort klar, dass wir uns nicht mehr aus den Augen verlieren durften! In den Folgejahren wurde die ein- bis zweimal im Jahr stattfindende Zen-Meditation in Bottrop zu einer schönen Tradition für mich und viele andere.

Wer glaubt, dass es sich bei der Zen-Meditation um reine Entspannung handelt, geht fehl!  Das „Sitzen“ im Zen bedeutet für mich vollständige Konzentration auf das Loslassen aller Gedanken und Befindlichkeiten. In unserem hektischen Alltag sind viele von uns es gewohnt, ständig mit den Gedanken irgendwo anders zu sein, nur nicht bei dem, was wir grade tun, nicht im „Hier und Jetzt“. Wenn wir essen, lesen wir gleichzeitig in der Zeitung oder sehen fern. Beim Autofahren wird Radio gehört oder gegessen und getrunken. Beim Joggen lenken wir uns durch Musik ab. Beim Spazierengehen unterhalten wir uns. Beim Geschirrspülen überlegen wir schon, was wir gleich einkaufen etc. pp. Das alles lässt sich meist gar nicht verhindern, wenn wir zielgerichtet und effizient durch den Alltag  kommen wollen. Allerdings ist es wichtig, gelegentlich aus diesem Gedankenkreisel auszusteigen, um Ruhe zu finden. Andernfalls kann dies zu Schlaflosigkeit, fehlender Entspannung und unzureichender Regeneration führen und auf Dauer zu großer Unzufriedenheit . Ich bin keine Ärztin, meine aber behaupten zu können, dass dieses Gehetztsein auch (psychosomatische) Erkrankungen fördern kann.

Gedanken loslassen, also. Katharina kennt mich und weiß, wie schwer grade mir das fällt! Dennoch nimmt sie auch mich immer wieder liebevoll und mit nachsichtigem Lächeln in die Meditationsrunde auf. Die Meditation findet in der beschaulichen und stimmungsvollen Atmosphäre eines Bewegungsraums in der Anlage des Jugendklosters Bottrop Kirchhellen statt. Jede/r von uns sucht sich zu Beginn einen schönen Platz aus. Es ist dabei gar nicht so unwichtig, wie man sich auf Stuhl, Meditationskissen oder –bänkchen platziert! Ich hatte mich z. B. beim letzten Mal zunächst eine Zeit lang so ausgerichtet, dass ich mit halb geöffneten Augen immer ein „halbes Fenster“ und eine „halbe Gardine“ vor mir hatte. Menschen, denen das Meditieren leicht fällt, nehmen die äußeren Umstände vielleicht gar nicht mehr wahr, aber mich hat dieser Anblick so durcheinander gebracht, dass ich mich erst ein Stück weiter nach rechts setzen musste, wo ich vor eine leere Wand blicken konnte.

Da „die Münsteraner“ nicht zu Katharinas wöchentlichen Meditationsteilnehmer/inne/n gehören, werden wir meist behutsam durch die Meditationen geführt und wenn wir dabei sind, gestaltet sie die Sitz- und Schweigephasen vermutlich recht kurz: Katharina und die Menschen aus ihrer regulären Meditationsgruppe nehmen nämlich regelmäßig an mehrtägigen Meditationsveranstaltungen teil und dort wird meist mehrere Stunden am Stück gesessen und geschwiegen.

Für mich persönlich ist die Art und Weise, wie wir bei Katharina meditieren, auch so schon sehr anstrengend: Wir sitzen schweigend – entweder mit geschlossenen oder halb geöffneten Augen – und versuchen, nicht an Gedanken festzuhalten. Dies gelingt am Besten, wenn man sich auf das Ein- und Ausatmen konzentriert. Wir Karateka kennen das ja schon von unserer Kurzmeditation am Anfang und Ende jeder Trainingseinheit. Während wir aber in unserem Dojo nur kurz „versinken“, soll es im Kloster über eine längere Zeit gelingen. Das klingt so einfach und ist doch so schwer! Ich helfe mir, in dem ich z. B. zehn Atemzüge zähle – und dann wieder von vorne beginne. Auch das liest sich vermutlich viel einfacher, als es ist. Denn meist klopft  bereits nach kurzer Zeit wieder der ein oder andere Gedanke an und schiebt sich in das Bewusstsein. Oder mein Rücken, den wir ja bei der Meditation aufrecht halten sollen, meldet sich und quengelt nach einer Pause.  Manchmal begehrt auch das innere Kind in mir auf und fragt: „Boah, wie lange denn noch?“ Oder ein pubertierender Trotz kommt auf: „Schei.... auf Ein- und Ausatmen – die Gedanken sind schließlich frei, oder? Also kann ich denken, wann und was ich will!“ „Das ist das Ego,“ so Katharina. "Das Ego spielt sich auf, drängt sich in den Vordergrund und will Aufmerksamkeit. Wenn wir loslassen wollen, müssten wir lernen, das Ego auszuschalten." Bei unserer ersten Meditation vor einigen Jahren formulierte sie das sehr eindrucksvoll mit der Aussage: „Das Ego stirbt auf dem Kissen.“

Sehr dankbar bin ich Katharina dafür, dass wir nicht nur im Sitzen meditieren, sondern auch im Schreiten. Kinhin nennt sich diese Meditationsform, bei der man sehr bewusst immer einen Fuß vor den anderen setzt und so unzählige Kreise um den Sitzkreis herum zieht. Auch eine Entspannungsmediation im Liegen wurde durchgeführt, bei der ich aber leider gnadenlos eingeschlafen bin! Wer mag, kann in der etwa halbstündigen Pause schweigend oder sich leise unterhaltend durch den Klostergarten schreiten und sich bei Obst und Tee stärken. Dann geht es auf zur zweiten Runde. Und wieder gibt es nur das Sitzen oder Schreiten und vor allem das Schweigen.

„Wo bist Du mit Deinen Gedanken?“ klingt es plötzlich mahnend in die Stille hinein. Und wieder fühle ich mich von Katharina erwischt wie ein kleines Kind am Honigtopf! Natürlich war ich grade in diesem Moment wieder mit den Gedanken irgendwoanders! Aber Katharinas Stimme holt mich zurück in die Gegenwart und lässt mich wieder bewusst ein- und ausatmen!


Zum Abschluss des Tages reflektieren wir in der Gruppe über das Erlebte. Ich bin dann immer ganz beruhigt, dass nur wenige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von wirklich erhabenen Erlebnissen berichten wie:"Ich habe total die Zeit vergessen!" Oder:"Ich fühlte, wie alle Anspannung von mir abfiel." Bei den ersten Meditationstreffen war ich enttäuscht, weil  mir das Stillsitzen und Abschalten so schwer fiel! Ich hatte mich anfangs immer noch über mich selbst geärgert – es wollte mir einfach nicht gelingen, meine Gedanken auszublenden! Mittlerweile bin ich immerhin schon in dieser Hinsicht gelassener geworden: Ich kann inzwischen nachsichtig über mich und meinen unruhigen Geist lächeln und setze dann, wenn ich merke, dass ich die Ruhe verloren habe, einfach wieder neu an. Einatmen und Ausatmen. Mehr ist es nicht. Und es ist doch so viel.

Samstag, 1. August 2015

Rotation, Posture, Relaxation - Lehrgang mit Sensei André Bertel in Krefeld

Im Frühjahr 2015 unternahmen Karatefreunde von Torsten und mir eine Trainingsreise nach Japan. Unter anderem besuchten sie dort Sensei André Bertel, der mit ihnen beneidenswert viel Zeit verbrachte. Die facebook-Berichte unserer Freunde nebst ausführlicher Foto-Dokumentation ließen uns vor den Bildschirmen schmachten - wir wären so gerne dabei gewesen!

Zu unserem großen Glück konnte sich der ansonsten viel beschäftigte Sensei im Juli ein paar Tage frei schaufeln und sagte unserem Freund Frank sehr spontan einen Besuch in Krefeld und das Abhalten eines zweitägigen Lehrgangs zu. Als wir von der Ausschreibung hörten, waren Torsten und ich natürlich gleich Feuer und Flamme und gehörten mit Sicherheit zu den ersten verbindlich angemeldeten Teilnehmern! Der Lehrgang war dann innerhalb kurzer Zeit ausgebucht, da die Teilnehmerzahl auf 100 begrenzt war (bei einer Hallengröße von ca. 400 qm schon eine ganze Menge!). Die Tatsache, dass es schon bald keine Tickets mehr gab, war umso erstaunlicher, als in vielen Bundesländern bereits die Sommerferien begonnen hatten und viele Karateka gar nicht daheim waren!

Ein dickes, dickes Lob an dieser Stelle an die Organisation des Nakayama Krefeld e. V.! Von der Halle über die Verpflegung bis zur Abendveranstaltung war alles super organisiert und alle Gäste fühlten sich willkommen!

Total perplex war ich direkt bei der Begrüßung durch den Sensei an der Eingangstür: "Oss, you are Andrea!" Huups, woher weiß der denn meinen Namen? Facebook schön und gut, aber 1. sieht man real doch meist anders aus und 2. muss man die ganzen Gesichter und Namen erstmal behalten (vor allem, wenn man die Menschen noch nie zuvor persönlich gesehen hatte!). Torstens Begrüßung war noch persönlicher und auch erfreulicher:"Ah, I like your video with Unsu! Very beautiful kata!"Aber das war typisch für André: eine überwältigende Aufmerksamkeit und Freundlichkeit, wie ich sie bisher bei keinem anderen Karatetrainer (und auch sonst sehr selten) wahrgenommen habe! 

Das Training war für mich eine perfekte Mischung aus bekannten Techniken / Bewegungsmustern und einer gehörigen Portion neuer Ansätze, die aber in keinem Widerspruch zu meinem bisherigen Karate-Weg stehen. Da André viele Jahre lang Uchi-Deshi von Shihan Asai war, hat er erwartungsgemäß zahlreiche Bewegungen der Asai-Schule in seinem Trainingskonzept: Bewegungen mit blitzschneller Rotation des Körpers, die eine große Lockerheit voraussetzen. Für viele von uns war es vermutlich ungewohnt, sich von den im Shotokan häufig antrainierten recht starren Kihon-Bewegungsmustern zu verabschieden. Aber Karateka, die regelmäßig z. B. bei Risto Sensei trainieren, wissen ja: Eine Anspannung des ganzen Körpers ist ein Krampf - damit muss man zum Arzt gehen ;-) Also: locker bleiben und durch Lockerheit und ausschließliche Anspannung in dem Moment, auf den es ankommt, explosiv werden!

Das soll aber jetzt nicht heißen, dass wir uns wie schlaffe Marionetten bewegen sollten! Im Gegenteil: Ein weiterer, wichtiger Ansatz war eine gute und aufrechte Körperhaltung ("Posture") mit einer inneren Grundspannung, die aber nicht zu einer "Verkrampfung" führen soll. Für einen "perfekten" Zenkutsu Dachi gab es zahlreiche tolle Übungen - Fallenlassen aus dem Shizen Tai, Hochspringen aus der Hocke oder aus dem Seiza - nicht alle gut für "Kniekranke" geeignet, worauf der Sensei aber auch explizit hinwies! Schön war auch der Mae Geri aus Seiza, der die Oberschenkel zum Brennen brachte!

Ich weiß ehrlich gesagt noch sehr wenig von den Trainingslehren der Asai Schule - allerdings dürfte einer der maßgebenden Bestandteile die Bewegung aus der Rotation heraus sein: enge Verwringungen des Körpers auf der Stelle oder auf kleinem Raum, die durch den Rotationsschwung trotz großer Lockerheit eine große Energie generieren. Ähnliches übten wir bereits beim Takudai in Dresden unter Naka Sensei und auch beim Samurai Spirit in Siegen unter Malcolm Dorfman Sensei. Mir fällt diese ganz enge Drehung noch sehr schwer, aber wenn man sie gut beherrscht und schnell ausführt, wirkt sie mit Sicherheit zerstörerisch wie ein Tornado! 

Drehungen übten wir aus verschiedenen Positionen: Aus dem Zenkutsu Dachi heraus in der Vorwärtsbewegung oder aus dem Shizen Tai heraus auf der Stelle - mit und ohne Partner, es war schon sehr dynamisch und im wahrsten Sinne des Wortes schwindelerregend! 

Neben den für viele von uns neuen "Moves" gab es aber auch ganz klassische Übungsformen wie etwa Gohon Kumite, welches angesichts des knappen Platzes in der Halle kurzer Hand in Sanbon Kumite umgewandelt wurde. Ahäm, eigentlich wäre das dann doch letztlich gar nicht nötig gewesen, denn der Sensei rief uns, als ihm klar wurde, dass die 5-er-Schrittfolge so, wie wir aufgestellt waren, nicht umzusetzen war, dazu auf, uns so hinzustellen, wie in Japan: Schulter an Schulter, quasi auf Tuchfühlung mit dem Nachbarn. Auf diese Weise waren wir gezwungen, uns wirklich nur auf einer Linie vor und zurück zu bewegen. Beim Sanbon Kumite hatte der Sensei für uns folgende Anweisungen parat: Zunächst mal passte ihm die bei den meisten von uns zu groß gewählte Distanz zwischen Angreifer und Abwehrendem nicht. Viele von uns schlugen dann zu Beginn Chudan Barei, statt Gedan Barei - wir sollten wirklich darauf achten, dass die Faust nur eine Faust breit über dem Knie gehalten wird. Dieses "Faust-breit"-Prinzip übertrug er dann auf sämtliche Blocks: Age Uke eine Faust breit vor der Stirn, Soto Uke mit Ellenbogen eine Faust breit vor den Rippen und so weiter  - nichts Neues, eigentlich, aber offenbar noch nicht optimal umgesetzt. Den Soto Uke - und hier musste ich wieder an "meinen" Risto denken - sollten wir nicht zu weit hinten ausholen, sondern seitlich am Körper und dann auf einer graden Linie nach vorne schlagen. So hatte auch die Basisübung Sanbon Kumite für viele von uns so einige "Knäcken" und es bedurfte gar keiner exotischen Einlagen, um uns herauszufordern. 

Sehr nach meinem Geschmack war der konsequente Kontakt, mit dem der Sensei agierte und den er auch von uns erwartete. Es war zuweilen sehr amüsant - dieser extrem freundliche und auch recht zierliche Mann, der dann mit einem Lächeln Freiwillige nach vorne bat, um Techniken zu demonstrieren. Anfangs ragten noch zahlreiche Hände nach oben, wenn André "zum Tanz" bat. Im Laufe des Lehrgangs hoben sich dann aber eher ängstlich die Augenbrauen oder Schultern der potenziellen Kandidaten und jeder versuchte, möglichst im Boden zu versinken, um nicht in den Genuss der explosiven und harten Techniken zu gelangen. Es war echt erstaunlich, dass Kerle, die aussahen wie Kleiderschränke und den Sensei mindestens um eine Haupteslänge überragten, vom Boden abhoben, wenn sie von seinen Tsukis oder Keris getroffen wurden! Und dennoch hat jeder von den "Opfern" beteuert, dass sie bei aller Härte sicher waren, die Technik sei noch kontrolliert gewesen - hätte André richtig durchgezogen, wäre es wohl zu ernsthaften Verletzungen gekommen. Torsten hatte das "Vergnügen", zwar nicht als "Freiwilliger vorne" beteiligt zu sein, aber im Zusammenhang mit einer unserer Partnerübungen einige Tsukis des Sensei einzustecken: Er beschrieb es so, dass man gar nicht mal an der Hautoberfläche den großen Knaller spürt, wie wir es vielleicht vom gegenseitigen Impact-Training gewohnt sind - es sei eher so gewesen, dass der Schlag ins Körperinnere eindringt und dort im Inneren wie eine Handgranate explodiert! 

Von Verletzungen heimgesucht schien allerdings letztlich nur der Sensei selber - die Fäuste im wahrsten Sinne angeschlagen vom Makiwara-Training, die Achillesferse verletzt vom letzten Kumitetraining vor dem Abflug nach Deutschland mit seinem Sensei ... er entschuldigte sich fortwährend für seine Einschränkungen durch diese Verletzungen. Mein großer Wunsch wäre es, einmal unverletzt so präzise und hart zu agieren wie der Sensei, wenn er sich nur limitiert bewegen kann! Der Sensei wies im Laufe des Lehrgangs immer wieder darauf hin, dass uns Verletzungen möglichst nicht vom Training abhalten sollten. Man sollte "um die Verletzung herum" trainieren - also nicht einfach weitermachen wie bisher, da das ja dem Körper schaden würde. Sondern das machen, was noch geht oder so, wie es noch geht!

Nun, bei uns war es so: Das Eine ging - das Andere nicht ... die Übungen waren zum Teil sehr anspruchsvoll und bedurften ein hohes Maß an Beweglichkeit und Mut. So übte ich z. B. seit vielen Jahren wieder einmal Kani Basami: Hierbei täuscht man erst Ura Mawashi Jodan an, sinkt dann mit der entgegen gesetzten Körperseite zu Boden und stützt sich dort mit ausgestrecktem Arm ab, um dann mit dem anderen Bein in die Kniekehle des Partners zu fahren und ihn mit dem Bein, welches den Ura-Mawashi getreten hat, zu Boden zu drücken. Ein großer Spaß! - Aber elegant geht sicher anders ;-)

Eine große Überwindung kostete es mich auch, bei einem Angriff Jodan Mae Geri als Abwehrende unter dem Keri hindurch zu tauchen und den Angreifer dann von hinten zu Fall zu bringen. Hierbei kommt es nicht nur auf die eigene Beweglichkeit an, sondern man muss auch hoffen, dass der Angreifer das Knie vor dem Tritt wirklich hoch genug zieht. Wo genau unsere Fehler jetzt im Einzelnen lagen, kann ich nicht sagen - aber Torsten und ich trafen uns jeweils einmal mit dem Kick - und dummerweise ist durch das Abtauchen die Trefferfläche jeweils der Kopf! Nichts für zarte Gemüter, also und nur etwas für Partner, die rücksichtsvoll miteinander umgehen (können). 

Der Lehrgang war für mich schon am ersten Trainingstag Budo-Karate wie von einem anderen Stern! Und am zweiten Tag wurde das ganze dann noch getoppt, als wir in der letzten Einheit Ablauf, Bunkai und Anwendungen der Kata Nijushiho umsetzten. Zunächst übten wir detailliert den Ablauf der Kata, wobei ich mit Torsten und Frank eine Passage vorführen sollte und hierbei einen wertvollen Korrekturvorschlag bekam. Dann kamen einige Bunkai-Sequenzen, als Angriff und Abwehr in formellen Karatetechniken und schließlich dann die Selbstverteidigungs-orientierte Anwendung. Besonders in Erinnerung ist mir hier die Stelle geblieben, bei der man aus dem Kokotsu Dachi in den Kiba Dachi dreht und Yoko Empi in die offene Hand platziert, dann Gedan Barei - hieraus wurde eine Umklammerung am Hals (Würgen) von hinten und "Genickbruch" durch Fallenlassen des Unterarms bzw. Anheben des Ellenbogens. 

Rotation, Posture, Relaxation - präzise und wirkungsvolle Techniken mit einem supernetten und charismatischen Trainer! Das war ein fantastisches Karatewochenende, welches all unsere Erwartungen weit übertroffen haben! André hatte der Trainingsgruppe erzählt, dass er in ein neues, größeres Haus umgezogen ist, damit er mehr Platz hat für Karateka, die ihn in Japan besuchen möchten. Bei manch anderem Trainer hätte man dies wohl für eine sympathieheischende Floskel gehalten - aber bei André glaube ich sofort, dass er das auch wirklich so meint! Ein Japan-Aufenthalt stand für mich als fernes Ziel am Horizont - aber durch die Aussicht, dort bei André trainieren zu können, ist es ein gutes Stück weit realer geworden und die Idee, so eine Reise konkreter zu planen, nimmt allmählich Gestalt an. Bis dahin gilt es, die vielen neu gewonnen Trainingsimpulse zu sortieren und einen Teil davon auch umzusetzen. 


Notizen:
25.7.15: Details
- Sauberer Stand -> im ZK den hinteren Fuß ganz aufsetzen, also auch die Fuß Außenkante; Rotation der Achse
- Stabiler Stand -> Schultern locker
- Starkes Hikite (mit dem Ellenbogen denken, nicht mit der Faust), die Hikite-Faust so drehen, dass der kleine Finger nach oben zeigt, das verstärkt die Spannung des hinteren Ellenbogen
- Gedan Barei auch wirklich gedan schlagen - in unserer Gruppe schlugen die meisten zu hoch, nämlich eigentlich chudan Kamae!

I. Posture / stabiler und aufrechter Stand
1. ZK stehen und Tate Shuto - dabei das hintere Bein beugen, aber nicht so, dass das Knie nach außen geht (kein Fudo Dachi); dann Gyaku Tsuki aus dem hinteren Bein nach vorne schießen. Wie oben beschrieben liegt die Achse an der vorderen Hüfte. Beim Gyaku Tsuki die Hüfte drehen, aber die "Ohren grade halten" :-)
2. ZK stehen und Gyaku Tsuki im Stand (wie oben) und dann den vorderen Fuß zurück ziehen und durch Streckung des hinteren Beins wieder nach vorne schießen (zweiter Gy Ts).
3. Hüfte vor

Den Gy Ts haben wir dann auch mit Partner geübt - André hat den Gy Ts an "Freiwilligen" demonstriert - "any volonteers - it won't be hard" und wenn die Freiwilligen dann vorne standen "not so hard as it may look" oder "only some bruises" oder "not really dangerous" es wurde jedenfalls immer wieder relativiert, sobald jemand vorne stand und der bekam dann ordentlich auf die "Mütze". Torsten durfte einmal Andrés Gyaku Tsuki einstecken - er war sehr beeindruckt, denn anders, als man es sonst kennt, brannte der Tsuki nicht auf der Hautoberfläche, sondern drang direkt unter die Bauchdecke ein und schien dort wie eine Handgranate innerlich zu explodieren!

Gohon Kumite - bzw. tatsächlich dann Sanbon Kumite wegen der Enge in der Halle!
- wirklich "Gedan Barei" zu beginn - siehe oben!
- Distanz überprüfen (die meisten standen zu weit weg)
Beim Vorwärtsgehen nicht zuerst die hintere Ferse heben, sondern den ganzen Fuuß
- den Block nicht zu weit vom Körper entfernt ausführen, sonst kommt direkt ein treffender zweiter Angriff! Age Uke eine Faust breit vor der Stirn, Gedan Barei eine Faust breit über dem Knie, Soto Uke: Ellenbogen grade nach vorne schlagen und auch eine Faust breit vor dem Körper

Übungen für einen stabilen Stand:
- aus Shizen Tai in ZK nach unten (also ohne hochzukommen) vorne springen und zurück (oder "dynamisch fallen")
- aus der Hocke ...
- aus Seiza

Aus Seiza Mae Geri treten (Übung für eine gute Körperhaltung)

Weitere Übungen für einen stabilen Stand:
- Im Shizen Tai Tsukis schlagen - Schultern locker, Hikite hart! Der Körper ist wie ein Nunchaku: Arme und Beine sind locker - Fäuste und Füße hart!
- dann Tsuki 45 Grad
- dann 90 Grad
- dann 180 Grad mit Sprung
- dann anders rum
- dann 360 Grad


II. Rotation
1. Drehung üben - ähnlich Samurai Spirit - Körper auf der Stelle verwringen, extremen Hüfteinsatz
2. Das für die SV nutzen



Beginn der zweiten Einheit: Warmup von Torsten!
Anschließend im Shizen Tai stehen, die Arme wie zu Beginn der Tekki Nidan als Kamae/Ausgangsposition
- auf der Stelle weit rechts rum "verwringen" und mit dem rechten Arm Uraken schlagen, Arm aber nicht schnappen, sondern stehen lassen, Arm nicht strecken; bei der Drehung darauf achten, dass der Fuß auf der Seite des Armes, der schlägt, auf der Hacke dreht, der andere dreht auf dem Ballen; bei diesem Uraken, der stehen bleibt, wird die Hüfte nicht gegengedreht, sondern mit gedeht
- dann anders rum drehen

Spezielles Arm-Warmup von André:
- im Shizen Tai stehen, Arme seitlich auf Schulterhöhe, Handflächen nach oben
- vor dem Körper die Arme überkreuzen und dabei je auf die gegenüberliegende Schulter bzw. Schulterblatt schlagen (ein Arm oben her und ein Arm unter dem anderen Arm her)
- und wieder auseinander - zusammen, auseinander etc.
- dasselbe mit Handflächen nach unten
- Handflächen nach vorne
- und natürlich auch nach hinten
- Dann aus derselben Startposition Uraken zur Seite - Uraken geschnappt: d. h. Hüfte gegen drehen (beim gestoßenen Uraken - siehe oben - geht die Hüfte mit)

Aus der Uraken Übung mit Drehung wurde dann eine Partnerübung kreiert:
- Tori Angriff Oi Tsuki
- Uke dreht sich auf der Stelle knapp seitlich raus und schlägt Uraken, zurück drehen und zur anderen Seite auch nochmal Uraken (noch ein drittes Mal?, zur ersten Seite?)

Weitere Partnerübung:
- Tsuki Jodan - Block Age Uk/Gyaku Tsuki, drehen zur geschlossenen ("blinden") Seite des Tori, also so, dass dieser nicht ohne weiteres weiter angreifen kann, und Uraken

- Block gegen Mae Geri - hier Gedan Barei nach Meinung Andrés nicht optimal. Wenn man ihn da anwendet, dann am besten als Uraken gedacht und wirklich erst im letzten Moment die Faust drehen. Im Realfall habe man bei einem Angriff mit einem Fußtritt allerdings auch gar keine Zeit für einen Schritt zurück mit Armblock. Daher sein Vorschlag: Block mit dem vorderen Bein bzw. Knie, als Soto Ashi Uke (Knie kommt von außen und blockt Mae Geri nach innen) oder als Uchi Ashi Uke (Knie kommt von innen und blockt Keri nach außen). Der Sensei konnte es fantastisch vormachen - allerdings gab es wohl bei den meisten von uns hier eher blaue Flecke. So richtig konsequent wollte hier auch wohl keiner treten bzw. blocken, da die Verletzungsgefahr einfach zu groß ist. Aber im Ernstfall ist diese Übung mit Sicherheit eine Option.

Dann Ushiro Geri üben: ähnlicher Ansatz wie Risto Sensei, nur dass man vor dem Tritt nicht in "Neko Ashi Dashi" dreht und dann tritt, tritt, sondern in Hangetsu Dachi

Dann Ushiro Geri aus größerer Entfernung mit einer "entgegen gesetzten" Drehung um das vordere Bein herum - also z. B. li vor im Kamae stehen, dann nicht rechte Schulter zurück und drehen, sondern in die Richtung drehen, bei der die rechte Schulter vor geht. (????)

Als nächstes Ushiro Geri um das hintere Bein herum drehen. Sehr schwierig...  (????)

ZK mit Tate Shuto Uke, dann Gyaku Tsuki, dann vorderes Bein zurück und mit Drehung und Uraken kontern (????)

2. Tag
Zunächst ging es darum, zu üben, sich auf einer Linie zu bewegen, damit keine Kraft zur Seite verloren geht. Das übten wir wie folgt:

Gyaku Tsuki, Drehung vorne rum - auf der Linie bleiben

Lockerungsübung für die Schultern mit Empi:
rechter Arm Age Empi, Empi nach hinten (wie Hikite), Mawashi Empi, Yoko Empi, zig mal, immer schneller werdend, dann anderer Arm

Dem Partner "eine langen":
Ganz irre Übung mit offenen Händen! Der Beweis, dass man aus großer Lockerheit viel Energie schöpfen kann!
Aus Shizen Tai rechts vor gehen in Fudo Dachi mit Fumi Komi. dabei mit der rechten Hand eine Art Gedan Uke ausführen, aber Hand geöffnet. Die Hand peitscht am Gi des Partners entlang (in Echt: am Körper!). Bewegungsrichtung von oben rechts nach links unten, dann mit derselben Hand quer über den Körper des Partners nach rechts zur Seite und am Schluss hoch zum Hals (bei der Übung hinter den Hals, also quasi in den Nacken) mit Heito Uchi. Dadurch, dass bei der Starbewegung das ganze Körpergewicht fällt, wird die Starttechnik schon unglaublich kraftvoll! Die Übung hatte es echt in sich und man musste sehr vorsichtig agieren - und das, obwohl man fast gar keine Kraft aufwendete!

Variation: Mit beiden Händen gleichzeitig - erst Handkantenschlag Shuto an den Hals, dann auf die Rippen und zum Schluss in die Genitalien (bei der Übung: Innenseite Oberschenkel)

Anschließend: Kombination aus beiden Varianten - Bewegungen frei fließen lassen, große Bewegungen!

Zweite Einheit: Nijushiho Bunkai und Application; Bunkai ist Kata-Analyse - von den Bewegungen her eher an der Kata dran; Application bedeutet freie SV aus der Kata! Einige richtig geile Sachen, von denen ich mir leider nicht viel merken konnte....

Kiba Dachi mit Arm zur Seite, dann Drehung mit Empi in den gestreckten Arm und mit rechts Gedan Barei - das wurde so umgesetzt, dass man den anderen von hinten mit dem linken Arm in den Schwitzkasten nimmt und den rechten Ellenbogen auf den Hinterkopf drückt, dann den rechten Unterarm runter drücken bzw. den Ellenbogen hoch - Vorsich1! Genickbruch möglich!