Am 31.08. diesen Jahres hatte ich die Möglichkeit mir die Blue Man Group anzuschauen. Die Karte war Teil einer Incentive-Veranstaltung: Zusammen mit einigen Kollegen hatte ich im vergangenen Jahr an einem Projekt mitgearbeitet und für dieses gab es nun zur "Belohnung" einen Abend mit lecker Essen, Getränken - und eben der Vorstellung der Blue Man Group. Bereits im Vorfeld hatte man ja schon einiges über diese Performance gehört. Zuletzt schließlich von meiner Kollegin Vroni, die einräumte, sie hätte selten etwas so sehr bereut, wie den Kauf dieser Eintrittskarten! Meine Erwartungen waren daher eher gedämpft. Aber das muss ja nicht unbedingt schlecht sein.
In aufgeräumter Stimmung fuhr ich dann zusammen mit meinen 6 männlichen Kollegen und meinem Abteilungsleiter in zwei Autos nach Oberhausen. Ich stehe ja grundsätzlich nicht so auf Shopping-Malls wie das oberhausener Centro. Aber der Begriff Centro wird auch dort wohl inzwischen vermieden und man schreibt viel mehr von der "Neuen Mitte". So tobte dort auch an diesem Freitagabend schon recht emsig der Bär: die Promenade, an der sich neben vielen anderen Gastronomiestätten auch das von uns gewählte Steakhaus befand, erinnerte etwas an Playa del Ingles auf Gran Canaria und allein schon die Milieustudie der dort herumlaufenden Leutchen war diesen Abend wert - ist schon echt ein anderes Völkchen dort im Ruhrgebiet!
Nach einem leckeren Essen und Bier in unglaublichen Schlagzahlen ging es dann wohl genährt und leicht angeheitert in das Metronom-Theater. Schnell noch ein Bierchen im Stehen und dann ab in den Veranstaltungssaal. Bereits vor der Vorstellung bekam man via Leuchtbänder einen kleinen Vorgeschmack auf die Show: Hier wurde gebeben, nicht zu filmen und keine Fotos zu machen. Aber auch, bitte nicht zu spät zu kommen (wir durften später erleben, was denen widerfuhr, die tatsächlich zu spät kamen: die Show wurde in Helge-Schneider-Manier unterbrochen, die Zu-Spätkommer angestrahlt und via Leinwand konnten wir alle verfolgen, wie sie sich peinlich berührt auf ihre Plätze begaben). Zudem waren -angeblich- einige Personen im Saal, die z. B. an diesem Tag Geburtstag hatten und wir sollten bitte Happy Birthday sagen (aber bitte nicht singen!). Ob das alles so der Wahrheit entsprach oder nur gefälliger Showgag war sei dahin gestellt - das oberhausener Publikum jedenfalls ging mit und war für jede Aktion zu begeistern.
Bei Betreten des Saales hatte jeder einen kleinen Streifen weißen Krepppapiers erhalten, ohne nähere Anweisung, wie hiermit zu verfahren sei. Während ich meinen Papierstreifen mehr oder weniger achtlos in meine Tasche steckte, wickelte sich unser Abteilungsleiter sein Zelluloseband um den Kopf. Wir erfuhren nie, wozu diese Streifen dienten, lediglich via Textanzeige, dass es sich bei dem während der Show verwendeten Papier ausschließlich um "Umweltpapier" handele. Gleich ging die schmunzelnde Diskussion los, was denn bitte schön Umweltpapier sei...Recyclingpapier, das kennt man - aber Umweltpapier.....entstammt nicht jedes Papier irgendwie der Umwelt? Besonders umweltbewusst produziert war es m. E. jedenfalls nicht, da es auf jeden Fall gebleicht war. Das Papier kam dann auch nie wieder zum Einsatz und erst zum Schluss der Vorstellung tauchte wieder Papier dieser Art auf: Es wurde in unzähligen Bahnen von hinten bis vorne quer über den Zuschauerraum gespannt, so dass wir nach und nach alle auf diese Art und Weise vernetzt waren! So war nun auch wohl der Bogen zu den kleinen Papierstreifen am Anfang gespannt!
Als erstes warfen sich die blauen Gestalten, die ausschließlich pantomimisch und ohne Dialoge aktiv waren, gegenseitig Kaugummikugeln in die Münder. Einer der Drei spuckte nach Empfang unverzüglich eine Kugel mit Farbeffekt aus. Der andere fing lediglich die Kugeln auf - bis die Kapazität seines Mundes erschöpft war. Anschließend ließ er die Kaumassse auf einem Stehtisch entweichen - sie ähnelte einem Haufen weißer Sch.....! Anschließend holte er aus dem Nichts eine Tafel mit der Aufschrift "4.000 €" hervor und bepreiste so sein "Werk". Sehr schön passend zu meinem derzeit recht ambivaltenten Kunstverständnis anlässlich der aktuellen Skulptur-Projekte in Münster!
Die Blauen Männer ähnelten alles in allem Außerirdischen, die zufällig auf der Erde gelandet waren und den hiesigen Begebenheiten und Gegenständen mit einer naiven Neugier und einem kindlichen Entstaunen entgegenblickten. Hierdurch wirkten sie clownesk und hatten schon durch ihre Mimik und Gestik viele Lacher auf ihrer Seite.
Vielleicht sollte man sich grundsätzlich nicht allzu viele Gedanken um einen eventuellen intellektuellen Hintergrund der Show machen - schließlich wurde bereits zu Beginn angekündigt, dass es sich um eine Rock'n Roll Show handelte - und nicht etwa um Schopenhauers gesammelte Werke! Aber die ein oder andere Aktion stimmte denn doch nachdenklich. So wurden wir in einem Teil der Vorstellung auf unterhaltsame Art und Weise über den Aufbau der Sehnerven informiert und auch über die Verarbeitung von Reizen. Es wurden verschiedene Textpassagen auf die Leinwand projeziert, die allgemein über die Menge der zu verarbeitenden Informationen unterrichteten, aber auch darüber, dass wir viele Dinge nur unbewusst wahrnehmen und grade mit diesem Phänomen (z. B. in der Werbung) gerne gearbeitet wird. So tauchte in diesem Info-Text mit biologischen Fakten plötzlich, ich zweifelte kurz, ob ich mir das nur eingebildet hatte, der Text "nackte Menschen" auf. Wenigstens einem anderen Kollegen war dies allerdings auch aufgefallen, so dass hier nicht von einer Sinnestäuschung meinerseits die Rede sein kann!
Vom Tempo und auch von der Lautstärke her erinnerte die Show mich an die Vorstellungen des Circus Flic Flac. Die einzige Stelle, die ein wenig langatmig wurde, war die mit der aus dem Publikum geholten Frau, die mit den Blauen Männern kokettierte und von ihnen vorgeführt wurde. Das hätte ruhig etwas kürzer ausfallen können.
Modernes Infotainment, Reizüberflutung - dies war das Thema jener Passage, als auf der Bühne drei unterschiedlich beschriftete Tafeln ausgestellt wurden, deren Text unterschiedlich schnell wechselte. Zu Beginn wurde der Betrachter gebeten, sich für eine einzige Tafel zu entscheiden, was aber vermutlich niemand machte. Jeder war doch neugierig, was ihm entging und fühlte sich dann wohl ein wenig ertappt, als genau dies grade auf seiner jetzt ausgewählten Tafel zu sehen war!
Ebenfalls zum Thema wurden die Medien, als aus dem Nichts ein Fernseher erschien, der einen blauen Kopf auf dem Bildschirm hatte. Dieser schwebte auf die Bühne und erhielt Gesellschaft von zwei Blauen Männern, die ihre Köpfe in Fernseher-Formen verborgen hielten. Nun begann ein witziges Spiel der "drei" Fernsehköpfe, die sich gegenseitig z. B. einen weißen Schaum ins Gesicht spritzten: die Männer mit Fernsehköpfen konnten sich den Schaum selber abwischen, da sie ja auch über Rumpf und Arme verfügten - nur der Arme "nur Kopf" stand, pardon: schwebte hilflos da und war mangels Arm nicht in der Lage, sich zu reinigen!
Immer wieder gab es zwischendurch einge Feuerwerke aus Sound und Farbe, z. B. rhythmischem Cornflakes-Essen oder dem sehr effektvollen Schlagen von mit Farbe bekleckerter Drums! Der farbliche Höhepunkt sollte dann wohl mit dem Teil der Show erreicht sein, als ein Zuschauer hinter die Bühne geholt wurde. Via "Live-Aufzeichnung" konnten wir im Publikum beobachten, wie der arme Mann vollständig mit blauer Farbe bemalt und dann - quasi als Ganzkörperkunstwerk - an den Füßen aufgehängt und kopfüber gegen eine weiße Leinwand geschleudert wurde. Ob nun tatsächlich diese Mensch aus dem Publikum auf der Leinwand zu sehen war, muss ernsthaft bezweifelt werden - da er zuvor komplett mit weißem Schutzanzug und Helm umhüllt wurde, konnte man ihn auf dem Film auf keinen Fall wiedererkennen! Zudem würde eine solche Behandlung von Zuschauern nicht nur in den USA Klagen zur Folge haben! So blieb es ein wenig ein Rätsel, warum die Blauen Männer diesen Gag etwas hektisch in die Show einbauten. Vielleicht aber ganz passend zur heutigen TV-Kultur, wo die Zuschauermasse nur noch mit Sensationen und Skandalen zu begeistern ist.
Fazit: eine rasante Show mit Witz und Hintergrund. Ein Spiel mit Farben, Sound und Medien rund um Konsum, Reize, Informationsflut - sehr intensiv und sehr zeitgemäß.
Sonntag, 2. September 2007
Donnerstag, 30. August 2007
Sonntag, 26. August 2007
Tag der offenen Tür 25.08.2007
Wir sind ein toller Verein. Wir haben ein erstklassiges Dojo. Wir wissen das. Jetzt sollten es auch alle anderen erfahren. Darum veranstalteten wir am 25.08.2007 einen Tag der offenen Tür, an dem von 10 bis 17 Uhr unser gesamtes Vereinsprogramm vorgestellt werden sollte. Durch Plakate, Zeitungsinserate und natürlich Mundpropaganda wurde dieser Tag bekannt gemacht und alle Vereinsmitglieder wurde dermaßen motiviert, dass nicht nur die regelmäßig Trainierenden, sondern auch derzeit Pausierende und auch "Alte Hasen" sich aus ihren Löchern trauten und uns Gesellschaft leisteten. Wir boten Kinderkarate, Tai Chi, Frauen-Selbstverteidigung, Kick'n Shape, Karate-Leistungstraining und Karatetraining für Ü30 und interessierte Anfänger. Lediglich die Trainer für das zur Zeit sehr beliebte Yoga und auch das Iaido waren an diesem Tag verhindert. Abgesehen vom Karate-Leistungstraining, das den Karatekas ab Violettgurt vorbehalten war, waren alle Aktionen auch für Ungeübte zum Mitmachen gedacht. Zahlreiche Vereinsmitglieder hatten im Vorfeld ihre Küchen belagert und ein mannigfaltiges Buffet zusammengestellt. So hatten wir eine Vielfalt an Kuchen und Salaten, die "Grillmaster" Volker dann noch mit zünftigen Würstchen abrundete. Der Getränkevorrat schmolz nicht nur anlässlich des spätsommerlichen Wetters wie nix dahin - auch die Anstrengung der Aktiven sorgte für einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf. Wenn auch die Besucherzahl hinter unseren Erwartungen zurückblieb, so gab es doch bei jedem Programmpunkt Externe, die am Training teilnahmen.
Bereits zu Beginn der Karate-Kindereinheit spazierte z. B. eine ca. 6 Jahre alte kleine Dame selbstbewusst im Karategi ins Dojo, während sich ein kleiner Junge nur mit Papi in die Halle traute. Beide machten dann aber fleißig in der Kindergruppe mit. Beim Tai Chi ließen sich einige Neulinge in das Geheimnis der sanften Kampfkunst einführen, während bei der Frauen Selbstverteidigung selbst erfahrende Dan-Trägerinnen über die Effektivität einiger Übungen überrascht waren. Beim Kick'n Shape musste vor dem Training auf die Schnelle eine technische Panne bei der Musikanlage behoben werden, dann gab es aber kein Halten mehr und der Schweiß floss in Strömen! Die an diesem Tag verhinderte Trainerin Jessica wurde durch zwei erfahrene Kursteilnehmerinnen ersetzt. Nach einer beeindruckenden Kurz-Choreografie, die von den Kursteilnehmerinnen eingeübt worden war, wurden mit den Gästen weniger anspruchsvolle Kombinationen geübt, so dass man sich allgemein auf das Schwitzen konzentrieren musste und nicht auf komplizierte Schrittfolgen. Nach einer kurzen Pause, in der das Karate-Demo-Team eine kleine Vorstellung darbot, sammelten sich nach und nach die Teilnehmer des Karate-Leistungstrainings im Gi. Obgleich dieser Programmpunkt nur zum Zuschauen war, gestaltete er sich doch wohl zum Höhepunkt unseres Tages: Eine beeindruckende Vielzahl an Trainierenden vom Violett- bis zum Schwarzgurt füllte das Dojo, so dass wir uns in vier Reihen aufstellen mussten. Nach schweißtreibenden Kumiteübungen zum Aufwärmen wurden wir durch komplexe Partnerübungen, die wir erst zu zweit, dann in Gruppen à fünf Karatekas auszuführen hatten, auf Touren gebracht. Die Luft in der Trainingshalle war nicht nur von unseren Ausdünstungen erfüllt, sondern auch vom Rascheln der cirka 40 Karategis, konzentrierten Atemzügen und kräftigen Kiais! Zum Abschluss ließen uns die Trainer Jörgl und Michael einige Male unter verschiedenen Anforderungsschwerpunkten die Heian Godan laufen, dann war die Einheit geschafft!
Zu guter Letzt konnten Trainerkollege Matthes Elzinga und ich noch die interessierten Zuschauer auffordern, an dem nun folgenden Ü30-Training teilzunehmen.
Am Ende des ereignisreichen Tages fanden sich nur noch wenige Grillwürstchen aber viele zufriedene Gäste und Karatekas auf unserer Dojo-Terrasse, um bei einer Apfelschorle oder einem Bierchen den Tag ausklingen zu lassen. Einhellig war die Meinung: Das machen wir mal wieder!
Bereits zu Beginn der Karate-Kindereinheit spazierte z. B. eine ca. 6 Jahre alte kleine Dame selbstbewusst im Karategi ins Dojo, während sich ein kleiner Junge nur mit Papi in die Halle traute. Beide machten dann aber fleißig in der Kindergruppe mit. Beim Tai Chi ließen sich einige Neulinge in das Geheimnis der sanften Kampfkunst einführen, während bei der Frauen Selbstverteidigung selbst erfahrende Dan-Trägerinnen über die Effektivität einiger Übungen überrascht waren. Beim Kick'n Shape musste vor dem Training auf die Schnelle eine technische Panne bei der Musikanlage behoben werden, dann gab es aber kein Halten mehr und der Schweiß floss in Strömen! Die an diesem Tag verhinderte Trainerin Jessica wurde durch zwei erfahrene Kursteilnehmerinnen ersetzt. Nach einer beeindruckenden Kurz-Choreografie, die von den Kursteilnehmerinnen eingeübt worden war, wurden mit den Gästen weniger anspruchsvolle Kombinationen geübt, so dass man sich allgemein auf das Schwitzen konzentrieren musste und nicht auf komplizierte Schrittfolgen. Nach einer kurzen Pause, in der das Karate-Demo-Team eine kleine Vorstellung darbot, sammelten sich nach und nach die Teilnehmer des Karate-Leistungstrainings im Gi. Obgleich dieser Programmpunkt nur zum Zuschauen war, gestaltete er sich doch wohl zum Höhepunkt unseres Tages: Eine beeindruckende Vielzahl an Trainierenden vom Violett- bis zum Schwarzgurt füllte das Dojo, so dass wir uns in vier Reihen aufstellen mussten. Nach schweißtreibenden Kumiteübungen zum Aufwärmen wurden wir durch komplexe Partnerübungen, die wir erst zu zweit, dann in Gruppen à fünf Karatekas auszuführen hatten, auf Touren gebracht. Die Luft in der Trainingshalle war nicht nur von unseren Ausdünstungen erfüllt, sondern auch vom Rascheln der cirka 40 Karategis, konzentrierten Atemzügen und kräftigen Kiais! Zum Abschluss ließen uns die Trainer Jörgl und Michael einige Male unter verschiedenen Anforderungsschwerpunkten die Heian Godan laufen, dann war die Einheit geschafft!
Zu guter Letzt konnten Trainerkollege Matthes Elzinga und ich noch die interessierten Zuschauer auffordern, an dem nun folgenden Ü30-Training teilzunehmen.
Am Ende des ereignisreichen Tages fanden sich nur noch wenige Grillwürstchen aber viele zufriedene Gäste und Karatekas auf unserer Dojo-Terrasse, um bei einer Apfelschorle oder einem Bierchen den Tag ausklingen zu lassen. Einhellig war die Meinung: Das machen wir mal wieder!
Freitag, 24. August 2007
Sonntag, 19. August 2007
Risto Kiiskilä in Münster 18./19.08.2007
Nach meinem ausgiebigen Finnlandlehrgang kam nun mein Sensei in meine Heimatstadt! Ich hatte gar keine Zeit, mich vorher drauf zu freuen und auch die berühmten leichten Schmetterlinge im Bauch vor lauter Aufregung blieben aus! So zog ich gestern Mittag in aller Eile per Fahrrad zur Turnhalle der Paul-Gerhard-Schule. Es war leider schon im vergangenen Jahr so, dass der Lehrgang nicht so gut besucht war, wie sich Ausrichter Klaus Maretzke vom Bushido Münster es erhofft hatte. Und diesmal waren noch weniger Karatekas eingetroffen, um sich von Risto die Besonderheiten seines Karate-Weges zeigen zu lassen. Neben den Münsteraner Karatekas vom Bushido und aus unserem Dojo war noch eine kleine Fraktion aus Gladbeck angereist und noch einige Leute aus Norddeutschland (Hamburg und Syke). Die Norddeutschen hatte ich persönlich noch nie auf einem Risto-Lehrgang gesehen und sie schienen mit seiner Art, Karate zu machen, noch nicht so vertraut.
Der Schwerpunkt lag eindeutig auf allgemeinen Risto-Grundlagen wie Schwerpunktverlagerung, Kraftübertragung und Distanzüberwindung. Gleich zu Beginn wurde uns wieder einmal vermittelt, dass die Hüften in den Oberschenkeln liegen. Wieder eindrucksvoll wurde erläutert, warum im Kihon der Oberstufe die Faust nicht gleichzeitig mit dem Fuß aufsetzt. Es ist bei kurzer Distanz so, dass die Faust zuerst auftrifft, sind längere Distanzen zu überwinden, setzt erst der Fuß auf, dann kommt die Hüfte mit dem Ellenbogen und dann trifft die Faust ins Ziel. Schon nicht einfach zu vermitteln, schätze ich. Aber noch schwerer, dies zu verstehen, wenn man es nicht schon -wie ich- zig mal gehört hat! Ich bin ganz bestimmt ein langsamer Lerntyp - aber allmählich setzen sich für mich die Teile des Risto-Puzzles zusammen und ich beginne, das System, das dahinter steckt, zu verstehen. Ein Braungurt, der "ohne System" Karate zu machen schien (so Risto), ist dann auch durch die Prüfung gerasselt! Es war diesmal kein "running gag", als die Urkunde vor aller Augen zerrissen wurde! Der Arme!
Was habe ich noch in Erinnerung behalten? Gestern hatte ich Björn aus Syke als Partner. Er wurde auch einige Male zum Vormachen oder als Sparringspartner nach vorne geholt. War ganz gut drauf und wir haben schön miteinander trainiert.
Heute hatte ich eine kleine Dan-Trägerin aus Hamburg vor mir. Sie war die Bewegungsabläufe noch nicht so gewohnt und außerdem durfte ich sie nicht richtig in den Bauch boxen. Nun, da bin ich dann auch nicht so auf meine Kosten gekommen. Dafür hatte ich mich zuvor mit Lara und Jutta vom Bushido unterhalten. Besonders Lara ist wohl ganz heiß auf Kumite und vielleicht will sie mich zum Intensiv-Lehrgang im Januar begleiten! Das wird sicher nett!
Heute ist mir erstmals bei den Schrittkombinationen aus der Hokkyokuko ein Licht aufgegangen. Risto ließ uns einige Schrittfolgen erarbeiten, ohne dass wir jedoch die ganze Kata gelaufen sind. Reichte auch so! Es klappte jetzt ganz gut. Werde mir demnächst mal die CD von Reijo genauer zur Brust nehmen! Heute haben sich mir einige Dinge erschlossen, die mir sonst verschleiert blieben und an denen ich fast verzweifelt wäre! Mal schauen, ob mir demnächst die ganze Kata leichter fällt!
Ich werde in Kürze mal abchecken, ob der nächste Intensivkurs bei Risto Ende September tatsächlich in Kamenz stattfindet, wie mir erzählt wurde, oder vielleicht in Frankfurt. Nach Frankfurt könnte ich mich direkt aufmachen. Vielleicht die Kids bei meiner Schwester Christine lassen....
Zusammengefasst war es also im Vergleich mit meinen bisherigen Risto- und sonstigen Karateerlebnissen dieses Jahr kein spektakulärer Lehrgang, aber einer, der durch stete Wiederholung auch mir die "Ristoratio" erschließt und mich vielleicht auf diese Weise etwas weitergebracht hat!
So freue ich mich schon darauf, dass ich beim nächsten Lehrgang dieser Art wieder ein wenig besser mithalten kann.
Der Schwerpunkt lag eindeutig auf allgemeinen Risto-Grundlagen wie Schwerpunktverlagerung, Kraftübertragung und Distanzüberwindung. Gleich zu Beginn wurde uns wieder einmal vermittelt, dass die Hüften in den Oberschenkeln liegen. Wieder eindrucksvoll wurde erläutert, warum im Kihon der Oberstufe die Faust nicht gleichzeitig mit dem Fuß aufsetzt. Es ist bei kurzer Distanz so, dass die Faust zuerst auftrifft, sind längere Distanzen zu überwinden, setzt erst der Fuß auf, dann kommt die Hüfte mit dem Ellenbogen und dann trifft die Faust ins Ziel. Schon nicht einfach zu vermitteln, schätze ich. Aber noch schwerer, dies zu verstehen, wenn man es nicht schon -wie ich- zig mal gehört hat! Ich bin ganz bestimmt ein langsamer Lerntyp - aber allmählich setzen sich für mich die Teile des Risto-Puzzles zusammen und ich beginne, das System, das dahinter steckt, zu verstehen. Ein Braungurt, der "ohne System" Karate zu machen schien (so Risto), ist dann auch durch die Prüfung gerasselt! Es war diesmal kein "running gag", als die Urkunde vor aller Augen zerrissen wurde! Der Arme!
Was habe ich noch in Erinnerung behalten? Gestern hatte ich Björn aus Syke als Partner. Er wurde auch einige Male zum Vormachen oder als Sparringspartner nach vorne geholt. War ganz gut drauf und wir haben schön miteinander trainiert.
Heute hatte ich eine kleine Dan-Trägerin aus Hamburg vor mir. Sie war die Bewegungsabläufe noch nicht so gewohnt und außerdem durfte ich sie nicht richtig in den Bauch boxen. Nun, da bin ich dann auch nicht so auf meine Kosten gekommen. Dafür hatte ich mich zuvor mit Lara und Jutta vom Bushido unterhalten. Besonders Lara ist wohl ganz heiß auf Kumite und vielleicht will sie mich zum Intensiv-Lehrgang im Januar begleiten! Das wird sicher nett!
Heute ist mir erstmals bei den Schrittkombinationen aus der Hokkyokuko ein Licht aufgegangen. Risto ließ uns einige Schrittfolgen erarbeiten, ohne dass wir jedoch die ganze Kata gelaufen sind. Reichte auch so! Es klappte jetzt ganz gut. Werde mir demnächst mal die CD von Reijo genauer zur Brust nehmen! Heute haben sich mir einige Dinge erschlossen, die mir sonst verschleiert blieben und an denen ich fast verzweifelt wäre! Mal schauen, ob mir demnächst die ganze Kata leichter fällt!
Ich werde in Kürze mal abchecken, ob der nächste Intensivkurs bei Risto Ende September tatsächlich in Kamenz stattfindet, wie mir erzählt wurde, oder vielleicht in Frankfurt. Nach Frankfurt könnte ich mich direkt aufmachen. Vielleicht die Kids bei meiner Schwester Christine lassen....
Zusammengefasst war es also im Vergleich mit meinen bisherigen Risto- und sonstigen Karateerlebnissen dieses Jahr kein spektakulärer Lehrgang, aber einer, der durch stete Wiederholung auch mir die "Ristoratio" erschließt und mich vielleicht auf diese Weise etwas weitergebracht hat!
So freue ich mich schon darauf, dass ich beim nächsten Lehrgang dieser Art wieder ein wenig besser mithalten kann.
Sonntag, 29. Juli 2007
Gegen Elche und Finnen kannste nicht gewinnen
Unter diesem, von meinem Kollegen Otti ausgesprochenen Motto stand mein diesjähriges Karate-Sommercamp in Finnland. Der Ausspruch stammt aus seinen aktiven Zeiten im Bowlingsport, als die gegnerische Mannschaft per "Personaldoping" durch die Mitwirkung erstklassiger finnischer Mitspieler unschlagbar wurde.
Diesen Sommer sollte unser finnischer Sensei Risto Kiiskilä uns in Lohijärvi vom 23. bis 27.07. wieder einmal quälen und in der Kampfkunst Karate unterweisen. Erstmals wollte ich meine Tochter Johanna (7 Jahre alt) nach Finnland mitnehmen. Um mit ihr eine möglichst stressfreie und komfortable Reise zu haben, hatte ich im Vorfeld alles gut organisiert: Zugfahrt bis Frankfurt ohne Umstieg, Übernachtung bei meiner Schwester, die uns am folgenden Tag zum Flughafen bringen würde, Flug via Helsinki nach Oulu, wo dann ein Mietwagen auf uns wartete, um uns in das noch einmal ca. 230 km entfernte Lohijärvi zu bringen. Zugegeben: ganz schön viel Aufwand für ein Karate-Camp - aber ich war mich sicher, dass sich die Reisekosten und -mühen auch diesmal wieder lohnen würden.
Bevor wir jedoch den Urlaub genießen konnten, hatten wir einige Bewährungsproben zu bestehen. Es schien so, als wäre diesmal das Tor zu Finnland nur schwierig zu öffnen - oder als müssten wir uns den Finnlandurlaub im Vorfeld hart erarbeiten!
Bei meiner Schwester angekommen überlegte ich kurz, ob ich an alle Reiseunterlagen gedacht hatte: Ausdruck der Flugverbindung, Pässe...alles da. Die Kreditkarte, die ich mir für die Anmietung des Leihwagens extra bestellt hatte - auch da. Führerschein....Führerschein? Mist - nicht aufzufinden! Ein Anruf daheim bei meinem Mann klärte schnell auf: die Fahrerlaubnis lag im 300 km entfernten Münster. Obgleich mein Mann mir netter Weise sogar anbot, sie "mal eben" nach Frankfurt zu bringen, überlegte ich mir gleich Alternativmöglichkeiten. Erstmal meinen Bekannten anrufen, der für mich die Reise organisiert hat. Der gab die Auskunft: ohne Fläppe kein Auto! Er bot gleich an, den Mietwagen zu stornieren. Kostete mich 50 Euro Stornogebühr. Wenn schon! Darauf kam es auch nicht mehr an! Anschließend rief ich meinen Bekannten Reijo in Oulu an. Dieser hatte eigentlich andere Anreisepläne. Da er mir aber quasi noch einen Gefallen wegen seines letzten Deutschlandaufenthaltes "schuldete" (siehe http://andreahaeusler.blogspot.com/2007/05/crocodile-dundee-in-main-hatten-die.html), willigte er ein, mich am Folgetag gegen 17 Uhr Ortszeit am Flughafen Oulu abzuholen. Puh! Das ging ja nochmal gut! Und so ärgerlich meine Schusseligkeit auch war: im Endeffekt hat sie mir rund 250 Euro Mietwagenkosten erspart! Aber meine Hindernisse waren noch nicht übewunden. Im Gegenteil - dies war erst der Anfang!
Nach einem netten Abend bei meiner Schwester und einem leckeren Essen beim Thailänder vor Ort ging es am nächsten Morgen gegen 9 Uhr zum Flughafen. Meine Schwester brachte uns mit ihrem PKW. Auf der Autobahn lief der PKW plötzlich nicht mehr in der Spur. Meine Schwester fuhr kurz darauf rechts ran: mit dem Wagen war alles in Ordung, aber Sie selber fühlte sich nicht gut. Schwindelgefühl und "Drall nach rechts"! Ich übernahm kurzer Hand das Steuer, konnte aber spontan nicht mit dem PKW umgehen: mir unbekannte Automatik-Technik und meine Schwester war nicht in der Lage, mir zu erklären, wie das Ding zu starten war! Die Situation war so grotesk, das wir beide erst mal laut loslachten und kopfschüttelnd wieder die Plätze wechselten, da meine Schwester meinte, "es ginge schon wieder". Nach kurzer Fahrt steuerte sie aber wieder den Randstreifen an und beim zweiten Versuch bekam ich auch das Auto zum Fahren. Am Flughafen verabschiedeten wir uns erst, nachdem meine Schwester mir versicherte, ganz piano über die Landstraße heim zu fahren.
Einchecken kein Problem. In der Warteschlange streicheln mich erste finnische Sprachfetzen am Ohr und bringen mich allmählich in Urlaubsstimmung. Diese verfliegt dann auch erst, als wir an unserem Abflugs-Gate ankommen und feststellen: drei Stunden Verspätung! Am Vorabend war in Helsinki wohl das Flugzeug wegen eines technischen Defekts ausgefallen. Nun warteten schon seit dem Vortag Passagiere aus aller Welt, um mit uns zusammen nach Helsinki zu fliegen. Mit uns zusammen - das bedeutete natürlich die doppelte Menge an Passagieren. Darum hatte die Fluglinie auch bereits eine weitere Maschine gestartet, die wieder ca. eineinhalb Stunden nach unserer verspäteten Maschine abheben sollte. Zu allem Überfluss stellte ich bei einem Blick auf unsere Tickets fest, dass mein Töchterchen auf ihrem allerersten Flug wegen des überfüllten Flugzeugs nicht mal neben ihrer Mama sitzen sollte. Der Mann vom Bodenpersonal konnte hier nicht helfen. Eine Lösung wurde dann aber im Flugzeug gefunden. Kurz vor dem Abflug eröffnete der Pilot uns dann via Bordfunk, dass er die Verspätung bedauere, sich aber sehr wundern müsse: er habe nämlich schon seit zwei Stunden auf Passagiere gewartet - und wir zwei Stunden auf die Maschine! Hätte also alles nicht sein müssen!
Meine Tochter erwies sich dann bald als absolutes Piloten-Kind! Sie fand nicht nur Starts und Landungen absolut "cool", sondern studierte auch hingebungsvoll das Infoblatt mit den "Absturzhaltungen" der Passagiere und klärte mich auf, beim Ausstieg über die Notrutsche doch bitte schön meine Schuhe auszuziehen!
Dass wir den geplanten Anschlussflug nach Oulu nicht bekommen konnten, war klar, da dieser nur kurz nach dem Zeitpunkt abhob, als wir in Frankfurt gestartet waren. Den neuen Anschlussflug konnten wir gut erreichen - zumal dieser eine weitere Verspätung von knapp 20 Minuten aufwies! Meinen Bekannten in Oulu konnte ich kurz darüber informieren. Seine Stimmung schien sich mit jedem meiner Anrufe zu verdüstern!
Nach dem einstündigen Flug in den Norden Finnlands landeten wir dann endlich am Zielflughafen. Mein Bekannter winkte mir müde mit umwölkter Stirn durch die Scheibe im Wartesaal während Johanna und ich auf unser Gepäck warteten. Und warteten. Und warteten. Bis das Gepäckband stehenblieb ohne weitere Koffer auszuspucken. Das war dann wohl Murphy's Law! Es war ja irgendwie klar! Kein Gepäck! Merkwürdiger Weise konnte ich mich gar nicht aufregen - ich hatte es irgendwie echt kommen sehen! Im Gegensatz zu dem anderen Pärchen, das auch aus Frankfurt angereist war, war ich nicht sauer, sondern musste mich beherrschen, nicht in ein hysterisches Gekicher auszubrechen! Der freundliche Finne vom hiesigen Bodenpersonal wies uns an, ihm zum Infostand zu folgen. Dort bat man uns um unsere Gepäckscheine und um eine ausführliche Beschreibung der fehlenden Stücke. Johanna fing an zu weinen, weil sie kein Nachthemd hatte! Meine mit strengem Blick geäußerte Aufforderung, jetzt SOFORT das Weinen einzustellen, weil das jetzt gar nichts bringe und Mama doch bisher alle Schwierigkeiten gemeistert habe und man sowieso in Finnland nur im ABSOLUTEN Notfall weint, ließ sie dann auch verstummen. Die Frau an der Info fragte uns dann nach unserer Telefonnummer und sagte uns einen Anruf zu, sobald die Gepäckstücke aufgefunden seien.
In Reijos Auto war die Stimmung mäßig. Reijo hatte seinen Sohn Rasmus dabei und wegen möglicher Sprachdifferenzen (Johanna nur deutsch, Rasmus wenig englisch, kein deutsch) zog ich es vor, keine übermotivierte Kommunikation anszustreben. Still staunte ich über die Helligkeit am späten Abend. Natürlich weiß man, dass die Sonne im Sommer später oder gar nicht untergeht, je weiter nördlich man sich befindet. Es aber dann nach einem Blick auf die Uhr tatsächlich zu erleben ist nochmal eine andere Angelegenheit! Tatsächlich konnte ich nachvollziehen, was Reijo mir einmal erzählt hatte: Die Menschen in den nördlichen Breitengraden halten im Winter eine Art Winterschlaf mit relativ langen Schlafphasen und im Sommer schläft man dafür fast gar nicht. Es geht auch fast nicht! Der Körper weigert sich! Auch ich lag nächtelang wach und fragte mich, wann sich endlich die Müdigkeit einstellen würde! Selbst Johanna konnte vor Mitternacht kaum ein Auge zu bekommen! Nunja, dafür schlief sie auch bis nach der morgendlichten Trainingseinheit kurz vor Mittag....
Nach ca. einer Stunde Fahrt hielten wir an einer Tankstelle mit einem kleinen Restaurant. Dort gab es Pizza und "ranskalaiset" (Pommes Frites). Mit Freude stellte ich fest, dass in dem dazu gehörigen Shop auch Zahnbürsten, -pasta und weitere lebensnotwendige Dinge wie Kaffepulver und -filter erhältlich waren! Wieder im Auto klingelte Reijos Telefon: das Gepäck wäre da! Wo es denn hinzubringen sei. "Das finden Sie nie!", meinte Reijo ins Telefon. "Ach, Sie glauben gar nicht, was unser Taxifahrer bisher alles gefunden hat!", war die Antwort. Reijo beschrieb die Anfahrt zum Camp und je näher wir dem Ziel kamen, desto eher war ich bereit, ihm Recht zu geben: Das konnte man nicht finden! So weit draußen und irgendwo an der zweiten Milchkanne links....unmöglich!
Obgleich wir Lohijärvi erst nach Mitternacht erreichten, saßen noch einige Unermüdliche im Zentrum des Hüttendorfes bei einem netten Gespräch und vielleicht einer Dose Bier. Nach kurzem Suchen fanden wir eine "Doppelhüttenhälfte" ganz für uns. Es fiel mir sehr schwer, den ereignisreichen Tag zu verarbeiten und einzuschlafen. Umso größer war die Überraschung, als ich am nächsten Morgen dann tatsächlich unsere Koffer vor unserer Tür vorfand. Jetzt konnte der Urlaub beginnen!
Das Training gestaltete sich erwartungsgemäß vielfältig, anspruchsvoll und - für deutsche Verhältnisse recht rau, um nicht zu sagen "brutal"! Wir sollten den Gyaku-Tsuki üben, einen Fauststoß zur gegnerischen Körpermitte. Zunächst nur "Trockenübungen", dann aber mit Partner. Am zweiten Tag trainierte ich mit Samu, einem jungen finnischen Grüngurt. Der zimmerte mir ordentlich in mein Körperzentrum und gab mir reichlich Gelegenheit, meine Bauchmuskulatur einzusetzen. Bereits am Folgetag hatte ich dort eine recht empfindliche Hautoberfläche. Nun gut, Grüngurt, vielleicht ist es da mit der Technik-Kontrolle noch etwas hin, dachte ich. Am Folgetag hatte ich es dann mit Juka zu tun. Juka kenne ich schon von zahlreichen anderen Camps. Er ist vielleicht Mitte vierzig, Träger des dritten Dan (also ein fortgeschrittener Schwarzgurt-Träger) und Vater von vier Töchtern, die er auch alle mit zum Camp gebracht hatte und ganz allein dort betreute (also ohne Mutter). Hut ab! Nun, dass ich von Juka keine Streicheleinheiten zu erwarten hatte, war mir schon klar. Hier lag es aber ganz sicher nicht an mangelnder Kontrolle sondern an fortgeschrittenem Kampfgeist und ausgeprägter Härte. Die bereits leicht schmerzende Schwarte erwartete nun eine besonders "schöne" Übung: der eine Partner greift mit einem Tritt an und der andere kontert sofort mit dem Gyaku-Tsuki in den Bauch. Anders als sonst hatte nicht derjenige, der mit dem Tritt angegriffen wurde, die Schmerzen zu erwarten, sondern derjenige, der den Tritt ausführt, weil er sofort gnadenlos abgekontert wurde. Und wenn ich gnadenlos schreibe, dann meine ich auch gnadenlos! Nunja, gesund ist sicher was anderes, aber Spaß hat es trotzdem gemacht ;-))
Was hat sonst noch Spaß gemacht? Sicher die vielen typisch finnischen Saunagänge, wo Frauen unter sich im Schwitzkasten sitzen. Hier erheiterte ich die Gemüter mit der Schilderung der deutschen Saunagepflogenheiten: Sorgte schon meine Schilderung von der Vermischung der Geschlechter für ein leises Kichern, so brachen meine Schwitzgefährtinnen doch spätestens bei der Beschreibung der an den Saunatüren angeschlagenen "Saunaregeln" ("kein Schweiß aufs Holz!") für ein lautes Gelächter! Finnische Frauen sind da echt unkomplizierter und schon bald hatten auch Johanna und ich raus, dass "frau" sich statt auf ein körpergroßes Handtuch auf ein ca. 30 mal 30 cm. großes Spezial-Papier (ähnlich einem Zewa-Küchentuch) setzt. Aufgegossen wird auf die Weise, dass ca. alle zwei Minuten zwei bis drei Kellen "Löyly" (finnisch für Aufguss) quasi aus dem Handgelenk quer durch die Sauna auf den Ofen geschmissen werden, von denen nur ein kleinerer Teil wirklich auch die Kohlen(attrappe) erreicht!
Spaßig war -wenigstens für Johanna- auch ganz sicher der Besuch beim Weihnachtsmann in Rovaniemi! Sie war echt beeindruckt und hat erst auf der Rückfahrt ganz kurz an der Authentizität des Geschenkebringers gezweifelt! Ein schönes Foto als Andenken an die wohl einmalige Begegnung mit "Joulupukki" ziert nun meinen Büroschreibtisch.
Nett waren auch die unzähligen Bäder im See und auch in DER See, nämlich im Meer bei Oulu! Eine der netten finnischen Frauen, Katja, bot uns nicht nur an, uns zurück mit nach Oulu zu nehmen, sondern überließ uns auch für die letzte Nacht ein Bett in ihrem bei Virpiniemi (Vorort von Oulu) gelegenen Haus - nur 500 m vom Strand und Meer entfernt! Tatsächlich hatten wir einen unglaublich schönen Tag erwischt, der es uns ermöglichte, am Strand zu sitzen und tatsächlicih ein Bad im "Bottnischen Meerbusen" zu nehmen! Unglaublich: in Deutschland ist der Sommer verregnet und kalt und wir gehen knapp unterm Polarkreis baden!
Sehr beeindruckend war natürlich generell die atemberaubend schöne lappländische Landschaft - die sanften Hügel, die sich am Rande des Lohijärvi erstreckten, der entweder mit einer spiegelglatten Oberfläche oder mit lustig hüpfenden Wellen zum Bade lockte. Oder der würzig duftende Kieferwald am Hüttendorf mit seinen mannigfaltigen Bewohnern in Form von Eichhörnchen, Riesenameisen oder auch einer kleinen Elchfamilie. Alles einfach nur "ihana" (schöööön!).
Die Begegnung mit Katja war auch sonst ein wahrer Glücksbringer: nicht nur, dass sie außerordentlich gut deutsch sprach - auf meine Frage hin, wo sie das denn so gut gelernt habe, antwortete sie: während ihres Deutschlandaufenthalts in - MÜNSTER! Ja, sie hatte tatsächlich einige Monate hier in Westfalen studiert! Auch sie war offensichtlich erfreut, mich kennen zu lernen, war ich doch abgesehen von ihr selber die einzige Frau, die nicht als "Anhängsel" ihres Mannes zum Karate kam! So scheint es tatsächlich in Oulu zu sein: die weiblichen Karatekas machen als "Frau von...." mit, nur wenige finden von sich aus den Weg in ein Dojo.
Bei Katja gab es dann noch finnische Spezialitäten zu kosten: wieder einmal karelische Piroggen mit Eibutter, Pulla und andere Köstlichkeiten. Auch Risto hatte uns wieder mit einer lappländischen Spezialität verwöhnt: Am Mittwoch kochte er für uns Pfannkuchen aus Rentierblut! Auch wenn dies sich vielleicht für fast-food-verwöhnte Mägen etwas gewöhnungsbedürftig anhört, war es doch nach der ersten Überwindung mehr als genießbar und sogar Johanna hat die Pfannkuchen zumindest probiert. Auch Reijo brachte eine Spezialität mit: und zwar eine Art Fischbrot, welches ich selber im Februar auf seine Anweisung hin eingekauft, wir dann aber gar nicht verzehrt hatten. Tiefgekühlt und in Alufolie lag der Klumpen vor mir auf dem Tisch und schulterzuckend fragte ich Risto um seinen Rat. "Das ist Kalakukko. Du musst es daumendick abschneiden, in der Mikrowelle erwärmen und am Besten mit Butter essen.", sagte er. Gesagt und getan - und es war wirklich sehr lecker. Es handelt sich um eine Roggenbrotkruste, in die normalerweise neben Fisch auch Schweinefleisch eingebacken wird. Eine ganze Mahlzeit also!
Am letzten Morgen ging ich mir von Katjas Haus aus mit Johanna vor der Abreise noch einmal die Beine vertreten: einmal noch zum Meer! Allerdings taten wir gut daran, uns zu beeilen: Dunkle Gewitterwolken zogen auf und auch am sich nähernden Grollen konnten wir erkennen, dass ein Unwetter aufzog! Mit viel Glück konnten wir die frisch vom Wegesrand gepflückten Blumen noch trocken zu Katjas Haus bekommen, bevor wir uns im strömenden Regen von ihr und ihrem Mann Sami zum Flughafen bringen ließen. Aber selbst der Wetterwechsel und die Tatsache, dass sich auf dem Rückflug einige wohl vom grade in Oulu stattfindenden Rockfestival stammenden exotische Gestalten mit uns im Fluggzeug befanden, konnte mich nicht über eine gewisse Wehmut beim Abschied hinwegtrösten!
Hoffentlich wird der Plan in die Wirklichkeit umgesetzt, den ich mit einigen Frauen vom Camp beschlossen habe: ein deutsch-finnisches Langlauf- und Karatecamp im Winter in Oulu! Ich hoffe, dass der nächste Urlaub in Finnland etwas entspannter startet!
Diesen Sommer sollte unser finnischer Sensei Risto Kiiskilä uns in Lohijärvi vom 23. bis 27.07. wieder einmal quälen und in der Kampfkunst Karate unterweisen. Erstmals wollte ich meine Tochter Johanna (7 Jahre alt) nach Finnland mitnehmen. Um mit ihr eine möglichst stressfreie und komfortable Reise zu haben, hatte ich im Vorfeld alles gut organisiert: Zugfahrt bis Frankfurt ohne Umstieg, Übernachtung bei meiner Schwester, die uns am folgenden Tag zum Flughafen bringen würde, Flug via Helsinki nach Oulu, wo dann ein Mietwagen auf uns wartete, um uns in das noch einmal ca. 230 km entfernte Lohijärvi zu bringen. Zugegeben: ganz schön viel Aufwand für ein Karate-Camp - aber ich war mich sicher, dass sich die Reisekosten und -mühen auch diesmal wieder lohnen würden.
Bevor wir jedoch den Urlaub genießen konnten, hatten wir einige Bewährungsproben zu bestehen. Es schien so, als wäre diesmal das Tor zu Finnland nur schwierig zu öffnen - oder als müssten wir uns den Finnlandurlaub im Vorfeld hart erarbeiten!
Bei meiner Schwester angekommen überlegte ich kurz, ob ich an alle Reiseunterlagen gedacht hatte: Ausdruck der Flugverbindung, Pässe...alles da. Die Kreditkarte, die ich mir für die Anmietung des Leihwagens extra bestellt hatte - auch da. Führerschein....Führerschein? Mist - nicht aufzufinden! Ein Anruf daheim bei meinem Mann klärte schnell auf: die Fahrerlaubnis lag im 300 km entfernten Münster. Obgleich mein Mann mir netter Weise sogar anbot, sie "mal eben" nach Frankfurt zu bringen, überlegte ich mir gleich Alternativmöglichkeiten. Erstmal meinen Bekannten anrufen, der für mich die Reise organisiert hat. Der gab die Auskunft: ohne Fläppe kein Auto! Er bot gleich an, den Mietwagen zu stornieren. Kostete mich 50 Euro Stornogebühr. Wenn schon! Darauf kam es auch nicht mehr an! Anschließend rief ich meinen Bekannten Reijo in Oulu an. Dieser hatte eigentlich andere Anreisepläne. Da er mir aber quasi noch einen Gefallen wegen seines letzten Deutschlandaufenthaltes "schuldete" (siehe http://andreahaeusler.blogspot.com/2007/05/crocodile-dundee-in-main-hatten-die.html), willigte er ein, mich am Folgetag gegen 17 Uhr Ortszeit am Flughafen Oulu abzuholen. Puh! Das ging ja nochmal gut! Und so ärgerlich meine Schusseligkeit auch war: im Endeffekt hat sie mir rund 250 Euro Mietwagenkosten erspart! Aber meine Hindernisse waren noch nicht übewunden. Im Gegenteil - dies war erst der Anfang!
Nach einem netten Abend bei meiner Schwester und einem leckeren Essen beim Thailänder vor Ort ging es am nächsten Morgen gegen 9 Uhr zum Flughafen. Meine Schwester brachte uns mit ihrem PKW. Auf der Autobahn lief der PKW plötzlich nicht mehr in der Spur. Meine Schwester fuhr kurz darauf rechts ran: mit dem Wagen war alles in Ordung, aber Sie selber fühlte sich nicht gut. Schwindelgefühl und "Drall nach rechts"! Ich übernahm kurzer Hand das Steuer, konnte aber spontan nicht mit dem PKW umgehen: mir unbekannte Automatik-Technik und meine Schwester war nicht in der Lage, mir zu erklären, wie das Ding zu starten war! Die Situation war so grotesk, das wir beide erst mal laut loslachten und kopfschüttelnd wieder die Plätze wechselten, da meine Schwester meinte, "es ginge schon wieder". Nach kurzer Fahrt steuerte sie aber wieder den Randstreifen an und beim zweiten Versuch bekam ich auch das Auto zum Fahren. Am Flughafen verabschiedeten wir uns erst, nachdem meine Schwester mir versicherte, ganz piano über die Landstraße heim zu fahren.
Einchecken kein Problem. In der Warteschlange streicheln mich erste finnische Sprachfetzen am Ohr und bringen mich allmählich in Urlaubsstimmung. Diese verfliegt dann auch erst, als wir an unserem Abflugs-Gate ankommen und feststellen: drei Stunden Verspätung! Am Vorabend war in Helsinki wohl das Flugzeug wegen eines technischen Defekts ausgefallen. Nun warteten schon seit dem Vortag Passagiere aus aller Welt, um mit uns zusammen nach Helsinki zu fliegen. Mit uns zusammen - das bedeutete natürlich die doppelte Menge an Passagieren. Darum hatte die Fluglinie auch bereits eine weitere Maschine gestartet, die wieder ca. eineinhalb Stunden nach unserer verspäteten Maschine abheben sollte. Zu allem Überfluss stellte ich bei einem Blick auf unsere Tickets fest, dass mein Töchterchen auf ihrem allerersten Flug wegen des überfüllten Flugzeugs nicht mal neben ihrer Mama sitzen sollte. Der Mann vom Bodenpersonal konnte hier nicht helfen. Eine Lösung wurde dann aber im Flugzeug gefunden. Kurz vor dem Abflug eröffnete der Pilot uns dann via Bordfunk, dass er die Verspätung bedauere, sich aber sehr wundern müsse: er habe nämlich schon seit zwei Stunden auf Passagiere gewartet - und wir zwei Stunden auf die Maschine! Hätte also alles nicht sein müssen!
Meine Tochter erwies sich dann bald als absolutes Piloten-Kind! Sie fand nicht nur Starts und Landungen absolut "cool", sondern studierte auch hingebungsvoll das Infoblatt mit den "Absturzhaltungen" der Passagiere und klärte mich auf, beim Ausstieg über die Notrutsche doch bitte schön meine Schuhe auszuziehen!
Dass wir den geplanten Anschlussflug nach Oulu nicht bekommen konnten, war klar, da dieser nur kurz nach dem Zeitpunkt abhob, als wir in Frankfurt gestartet waren. Den neuen Anschlussflug konnten wir gut erreichen - zumal dieser eine weitere Verspätung von knapp 20 Minuten aufwies! Meinen Bekannten in Oulu konnte ich kurz darüber informieren. Seine Stimmung schien sich mit jedem meiner Anrufe zu verdüstern!
Nach dem einstündigen Flug in den Norden Finnlands landeten wir dann endlich am Zielflughafen. Mein Bekannter winkte mir müde mit umwölkter Stirn durch die Scheibe im Wartesaal während Johanna und ich auf unser Gepäck warteten. Und warteten. Und warteten. Bis das Gepäckband stehenblieb ohne weitere Koffer auszuspucken. Das war dann wohl Murphy's Law! Es war ja irgendwie klar! Kein Gepäck! Merkwürdiger Weise konnte ich mich gar nicht aufregen - ich hatte es irgendwie echt kommen sehen! Im Gegensatz zu dem anderen Pärchen, das auch aus Frankfurt angereist war, war ich nicht sauer, sondern musste mich beherrschen, nicht in ein hysterisches Gekicher auszubrechen! Der freundliche Finne vom hiesigen Bodenpersonal wies uns an, ihm zum Infostand zu folgen. Dort bat man uns um unsere Gepäckscheine und um eine ausführliche Beschreibung der fehlenden Stücke. Johanna fing an zu weinen, weil sie kein Nachthemd hatte! Meine mit strengem Blick geäußerte Aufforderung, jetzt SOFORT das Weinen einzustellen, weil das jetzt gar nichts bringe und Mama doch bisher alle Schwierigkeiten gemeistert habe und man sowieso in Finnland nur im ABSOLUTEN Notfall weint, ließ sie dann auch verstummen. Die Frau an der Info fragte uns dann nach unserer Telefonnummer und sagte uns einen Anruf zu, sobald die Gepäckstücke aufgefunden seien.
In Reijos Auto war die Stimmung mäßig. Reijo hatte seinen Sohn Rasmus dabei und wegen möglicher Sprachdifferenzen (Johanna nur deutsch, Rasmus wenig englisch, kein deutsch) zog ich es vor, keine übermotivierte Kommunikation anszustreben. Still staunte ich über die Helligkeit am späten Abend. Natürlich weiß man, dass die Sonne im Sommer später oder gar nicht untergeht, je weiter nördlich man sich befindet. Es aber dann nach einem Blick auf die Uhr tatsächlich zu erleben ist nochmal eine andere Angelegenheit! Tatsächlich konnte ich nachvollziehen, was Reijo mir einmal erzählt hatte: Die Menschen in den nördlichen Breitengraden halten im Winter eine Art Winterschlaf mit relativ langen Schlafphasen und im Sommer schläft man dafür fast gar nicht. Es geht auch fast nicht! Der Körper weigert sich! Auch ich lag nächtelang wach und fragte mich, wann sich endlich die Müdigkeit einstellen würde! Selbst Johanna konnte vor Mitternacht kaum ein Auge zu bekommen! Nunja, dafür schlief sie auch bis nach der morgendlichten Trainingseinheit kurz vor Mittag....
Nach ca. einer Stunde Fahrt hielten wir an einer Tankstelle mit einem kleinen Restaurant. Dort gab es Pizza und "ranskalaiset" (Pommes Frites). Mit Freude stellte ich fest, dass in dem dazu gehörigen Shop auch Zahnbürsten, -pasta und weitere lebensnotwendige Dinge wie Kaffepulver und -filter erhältlich waren! Wieder im Auto klingelte Reijos Telefon: das Gepäck wäre da! Wo es denn hinzubringen sei. "Das finden Sie nie!", meinte Reijo ins Telefon. "Ach, Sie glauben gar nicht, was unser Taxifahrer bisher alles gefunden hat!", war die Antwort. Reijo beschrieb die Anfahrt zum Camp und je näher wir dem Ziel kamen, desto eher war ich bereit, ihm Recht zu geben: Das konnte man nicht finden! So weit draußen und irgendwo an der zweiten Milchkanne links....unmöglich!
Obgleich wir Lohijärvi erst nach Mitternacht erreichten, saßen noch einige Unermüdliche im Zentrum des Hüttendorfes bei einem netten Gespräch und vielleicht einer Dose Bier. Nach kurzem Suchen fanden wir eine "Doppelhüttenhälfte" ganz für uns. Es fiel mir sehr schwer, den ereignisreichen Tag zu verarbeiten und einzuschlafen. Umso größer war die Überraschung, als ich am nächsten Morgen dann tatsächlich unsere Koffer vor unserer Tür vorfand. Jetzt konnte der Urlaub beginnen!
Das Training gestaltete sich erwartungsgemäß vielfältig, anspruchsvoll und - für deutsche Verhältnisse recht rau, um nicht zu sagen "brutal"! Wir sollten den Gyaku-Tsuki üben, einen Fauststoß zur gegnerischen Körpermitte. Zunächst nur "Trockenübungen", dann aber mit Partner. Am zweiten Tag trainierte ich mit Samu, einem jungen finnischen Grüngurt. Der zimmerte mir ordentlich in mein Körperzentrum und gab mir reichlich Gelegenheit, meine Bauchmuskulatur einzusetzen. Bereits am Folgetag hatte ich dort eine recht empfindliche Hautoberfläche. Nun gut, Grüngurt, vielleicht ist es da mit der Technik-Kontrolle noch etwas hin, dachte ich. Am Folgetag hatte ich es dann mit Juka zu tun. Juka kenne ich schon von zahlreichen anderen Camps. Er ist vielleicht Mitte vierzig, Träger des dritten Dan (also ein fortgeschrittener Schwarzgurt-Träger) und Vater von vier Töchtern, die er auch alle mit zum Camp gebracht hatte und ganz allein dort betreute (also ohne Mutter). Hut ab! Nun, dass ich von Juka keine Streicheleinheiten zu erwarten hatte, war mir schon klar. Hier lag es aber ganz sicher nicht an mangelnder Kontrolle sondern an fortgeschrittenem Kampfgeist und ausgeprägter Härte. Die bereits leicht schmerzende Schwarte erwartete nun eine besonders "schöne" Übung: der eine Partner greift mit einem Tritt an und der andere kontert sofort mit dem Gyaku-Tsuki in den Bauch. Anders als sonst hatte nicht derjenige, der mit dem Tritt angegriffen wurde, die Schmerzen zu erwarten, sondern derjenige, der den Tritt ausführt, weil er sofort gnadenlos abgekontert wurde. Und wenn ich gnadenlos schreibe, dann meine ich auch gnadenlos! Nunja, gesund ist sicher was anderes, aber Spaß hat es trotzdem gemacht ;-))
Was hat sonst noch Spaß gemacht? Sicher die vielen typisch finnischen Saunagänge, wo Frauen unter sich im Schwitzkasten sitzen. Hier erheiterte ich die Gemüter mit der Schilderung der deutschen Saunagepflogenheiten: Sorgte schon meine Schilderung von der Vermischung der Geschlechter für ein leises Kichern, so brachen meine Schwitzgefährtinnen doch spätestens bei der Beschreibung der an den Saunatüren angeschlagenen "Saunaregeln" ("kein Schweiß aufs Holz!") für ein lautes Gelächter! Finnische Frauen sind da echt unkomplizierter und schon bald hatten auch Johanna und ich raus, dass "frau" sich statt auf ein körpergroßes Handtuch auf ein ca. 30 mal 30 cm. großes Spezial-Papier (ähnlich einem Zewa-Küchentuch) setzt. Aufgegossen wird auf die Weise, dass ca. alle zwei Minuten zwei bis drei Kellen "Löyly" (finnisch für Aufguss) quasi aus dem Handgelenk quer durch die Sauna auf den Ofen geschmissen werden, von denen nur ein kleinerer Teil wirklich auch die Kohlen(attrappe) erreicht!
Spaßig war -wenigstens für Johanna- auch ganz sicher der Besuch beim Weihnachtsmann in Rovaniemi! Sie war echt beeindruckt und hat erst auf der Rückfahrt ganz kurz an der Authentizität des Geschenkebringers gezweifelt! Ein schönes Foto als Andenken an die wohl einmalige Begegnung mit "Joulupukki" ziert nun meinen Büroschreibtisch.
Nett waren auch die unzähligen Bäder im See und auch in DER See, nämlich im Meer bei Oulu! Eine der netten finnischen Frauen, Katja, bot uns nicht nur an, uns zurück mit nach Oulu zu nehmen, sondern überließ uns auch für die letzte Nacht ein Bett in ihrem bei Virpiniemi (Vorort von Oulu) gelegenen Haus - nur 500 m vom Strand und Meer entfernt! Tatsächlich hatten wir einen unglaublich schönen Tag erwischt, der es uns ermöglichte, am Strand zu sitzen und tatsächlicih ein Bad im "Bottnischen Meerbusen" zu nehmen! Unglaublich: in Deutschland ist der Sommer verregnet und kalt und wir gehen knapp unterm Polarkreis baden!
Sehr beeindruckend war natürlich generell die atemberaubend schöne lappländische Landschaft - die sanften Hügel, die sich am Rande des Lohijärvi erstreckten, der entweder mit einer spiegelglatten Oberfläche oder mit lustig hüpfenden Wellen zum Bade lockte. Oder der würzig duftende Kieferwald am Hüttendorf mit seinen mannigfaltigen Bewohnern in Form von Eichhörnchen, Riesenameisen oder auch einer kleinen Elchfamilie. Alles einfach nur "ihana" (schöööön!).
Die Begegnung mit Katja war auch sonst ein wahrer Glücksbringer: nicht nur, dass sie außerordentlich gut deutsch sprach - auf meine Frage hin, wo sie das denn so gut gelernt habe, antwortete sie: während ihres Deutschlandaufenthalts in - MÜNSTER! Ja, sie hatte tatsächlich einige Monate hier in Westfalen studiert! Auch sie war offensichtlich erfreut, mich kennen zu lernen, war ich doch abgesehen von ihr selber die einzige Frau, die nicht als "Anhängsel" ihres Mannes zum Karate kam! So scheint es tatsächlich in Oulu zu sein: die weiblichen Karatekas machen als "Frau von...." mit, nur wenige finden von sich aus den Weg in ein Dojo.
Bei Katja gab es dann noch finnische Spezialitäten zu kosten: wieder einmal karelische Piroggen mit Eibutter, Pulla und andere Köstlichkeiten. Auch Risto hatte uns wieder mit einer lappländischen Spezialität verwöhnt: Am Mittwoch kochte er für uns Pfannkuchen aus Rentierblut! Auch wenn dies sich vielleicht für fast-food-verwöhnte Mägen etwas gewöhnungsbedürftig anhört, war es doch nach der ersten Überwindung mehr als genießbar und sogar Johanna hat die Pfannkuchen zumindest probiert. Auch Reijo brachte eine Spezialität mit: und zwar eine Art Fischbrot, welches ich selber im Februar auf seine Anweisung hin eingekauft, wir dann aber gar nicht verzehrt hatten. Tiefgekühlt und in Alufolie lag der Klumpen vor mir auf dem Tisch und schulterzuckend fragte ich Risto um seinen Rat. "Das ist Kalakukko. Du musst es daumendick abschneiden, in der Mikrowelle erwärmen und am Besten mit Butter essen.", sagte er. Gesagt und getan - und es war wirklich sehr lecker. Es handelt sich um eine Roggenbrotkruste, in die normalerweise neben Fisch auch Schweinefleisch eingebacken wird. Eine ganze Mahlzeit also!
Am letzten Morgen ging ich mir von Katjas Haus aus mit Johanna vor der Abreise noch einmal die Beine vertreten: einmal noch zum Meer! Allerdings taten wir gut daran, uns zu beeilen: Dunkle Gewitterwolken zogen auf und auch am sich nähernden Grollen konnten wir erkennen, dass ein Unwetter aufzog! Mit viel Glück konnten wir die frisch vom Wegesrand gepflückten Blumen noch trocken zu Katjas Haus bekommen, bevor wir uns im strömenden Regen von ihr und ihrem Mann Sami zum Flughafen bringen ließen. Aber selbst der Wetterwechsel und die Tatsache, dass sich auf dem Rückflug einige wohl vom grade in Oulu stattfindenden Rockfestival stammenden exotische Gestalten mit uns im Fluggzeug befanden, konnte mich nicht über eine gewisse Wehmut beim Abschied hinwegtrösten!
Hoffentlich wird der Plan in die Wirklichkeit umgesetzt, den ich mit einigen Frauen vom Camp beschlossen habe: ein deutsch-finnisches Langlauf- und Karatecamp im Winter in Oulu! Ich hoffe, dass der nächste Urlaub in Finnland etwas entspannter startet!
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