Mittwoch, 12. Mai 2010

Wer lobt denn das Kind?

Hier in Münster schlägt derzeit ein Ereignis aus dem öffentlichen Personennahverkehr Wellen: Ein 11-jähriger Gymnasiast mit Gipsbein, Krücken und einem schweren Tornister wollte von einer innerstädtischen Schule mit dem Bus nach Hause fahren. Da er leider grade sein Busgeld  nicht zur Hand hatte, verweigerte der Busfahrer ihm den Einstieg. Der Junge hatte auch kein Handy dabei und daher blieb ihm nichts anderes übrig, als zu Fuß nach Hause zu laufen. Dort kam er total erschöpft "und mit Atemnot" an.

Mutter und Oma des Kindes beschwerten sich sofort bei den Stadtwerken und informierten die Presse. Anfang der Woche erschien dann ein Artikel in den Westfälischen Nachrichten, in dem der Busfahrer massiv angeklagt wurde: Er hätte ein Kind nicht auf der Straße stehen lassen dürfen, selbst wenn es keinen Busfahrschein kaufen kann - und noch dazu hier ein Kind mit einem Krücken und Gipsbein! Der Aufschrei war groß - ein Disziplinarverfahren muss her! Der böse, rücksichtslose Busfahrer!

Spontan schossen mir folgende Gedanken durch den Kopf:

- Warum wird ein Kind mit Gipsbein und Krücken mit dem Bus zur Schule geschickt und nicht mit dem PKW gebracht. Naja, vielleicht haben Mutter und Oma (ein ehemaliges Ratsmitglied) keinen PKW. Dann eben Bus.

- Aber warum wurde dem Kind nicht eine Mehrfach- bzw. Monatskarte besorgt? Ein Gipsbein ist ja kein kurzfristiger Umstand.

- Warum hat das Kind nicht bei einem Passanten nach einem Handy gefragt oder ist zurück zum Schul-Sekretariat gelaufen und hat von dort aus telefoniert?

- Konnte das Kind sich nicht von einem Mitschüler den kleinen Betrag für die Busfahrt leihen oder auch hier ggf. das Sekretariat um Hilfe bitten?

Aber das Kind hat sich offenbar ganz bewusst für die Lösung Laufen entschieden. Ich finde das sehr beachtlich, dass ein Kind unter diesen Umständen seinen Heimweg zu Fuß bewältigt! Hut ab! Die optimale Reaktion von Mutter und Oma wäre wohl gewesen, das Kind wie folgt zu empfangen: "Boh, den ganzen Weg bist Du gelaufen? Da ist aber eine tolle Leistung! Na, dann ruh Dich erst mal aus, ich mach Dir einen heißen Kakao. Und dann erzählst Du mir mal, warum Dein Geld weg war und wie wir das in Zukunft lösen, dass sowas nicht nochmal passiert."

Der Busfahrer musste in Sekunden eine spontane Entscheidung treffen und er hört wohl täglich irgendwelche fadenscheinige Ausreden, von wegen: Geld verloren, Dauerkarte vergessen etc. Das Kind hat sich in der Situation zu helfen gewusst und war in keiner unzumutbaren Lage (es wurde z. B. nicht mitten in der Nacht bei Minusgraden auf einem verlassenen Bahnhof ausgesezt). Ich finde, statt den Busfahrer zu bestrafen gehört das Kind gelobt! Andernfalls wird es auch im späteren Leben für alle Unannehmlichkeiten irgendweinen Verantwortlichen suchen, statt  selber eine Lösung zu finden.

Sonntag, 9. Mai 2010

I hired a contract killer

Mein Mann und ich kommen grade aus dem Wolfgang-Borchert-Theater zurück. Es gab Aki Kaurismäkis "I hired a contract killer". Wir hatten extra Karten vorbestellt - stolze 19 Euro pro Karte, denn ich wollte gerne recht weit vorne sitzen. Wir kamen erst spät los und mussten auch noch zum Geldautomaten. Ich war fast sicher, dass die Karten nicht mehr zurückgelegt waren, war es doch schon kurz vor Vorstellungsbeginn, als wir das Theater erreichten. Ich sprang schnell aus dem Auto und überließ Frank die nervige Parkplatzsuche. Im Foyer die erste Überraschung: außer mir nur ca. fünf Leute da! Hatte ich mich doch mit der Anfangszeit vertan? Dann kam Frank und es erklang auch gleich der "Gong" in Form eines schrillen Klingelns. "Scheiß Klingelton", grinste Frank und wir betraten den Zuschauerraum. Lags an der Landtagswahl oder am Muttertag? Jedenfalls war das Theater nur zu einem Drittel gefüllt. Die Platzanweiserin forderte dann auch großzügig alle, die auf den hinteren Sitzen Platz genommen hatten, auf, sich doch gerne nach vorne zu setzen. Na prima, da hätten ja auch 16 Euro für die "billigen Plätze" gereicht! Unmittelbar vor uns waren noch zwei Plätze in der ersten Reihe frei - ich hatte schon fast meinen Handtaschen-Rucksack auf den Sitz vor mir geworfen, da hörte ich meinen Mann neben mir murmeln: Ich bleib hier, hab keinen Bock, zu wechseln! Und da waren auch schon zwei andere Leute auf den Sitzen vor uns - fassungslos stellte ich fest, dass es sich offenbar der Größe nach um zwei Basketballspieler handelte!

Nun, meine Stimmung passte gleich zu Beginn also schon mal recht gut zu einem Stück, in dem sich ein Suizid-Kandidat von einem Auftragskiller töten lassen will, weil in seinem Leben einfach alles schief zu gehen scheint!

Als das Stück begann, fiel mir schlagartig wieder ein, was ich im Feuilleton der Westfälischen Nachrichten darüber gelesen hatte: Handlung unterhaltsam mit überraschenden Wendungen, Kullisse einfallsreich - und: selbstgemachte Geräusche. Das heißt: Türenknarren, ein klimpernder Schlüsselbund oder auch die Fahrgeräusche der U-Bahn und das Quietschen eines über Papier gleitenden Filzstiftes wurden von Schauspielern gemacht, die grade keine Rolle zu spielen hatten. Es war herrlich! An einer Stelle vergaß einer der Schauspieler mal, das Türquietschen nachzuahmen und man kam sich fast so vor, als wäre der Lautsprecher defekt ;-) Die U-Bahn war so genial untermalt - man hatte direkt den typischen, muffigen Geruch der Tube oder auch der Metro in der Nase, die heiße, trockene Luft im Gesicht und fühlte sich irgendwie "ungewaschen", als hätte man einen ermüdenden Tag voller Fahrten unter der Erde in Verbindung mit ermüdenden Fußmärschen hinter sich gebracht.

Die Handlung ist fix erzählt: Der in London lebende Franzose Henri Boulanger lebt ein Leben ohne Höhepunkte. Selbst seinen 42 Geburtstag nimmt er nicht zur Kenntnis - und auch sonst niemand! Dann verliert er seinen trockenen und langweiligen Job in der Londoner Stadtverwaltung und plötzlich fällt ihm auf, dass er jetzt nichts und niemanden mehr hat! Selbst "Tante Charlotte", die einzige Verwandte, die ihm einfällt, ist inzwischen tot! Henri beschließt, dass sein Leben keinen Sinn mehr macht, kündigt seine Wohnung und besorgt sich einen Strick. Mit der Schlaufe um den Hals springt er von einem Hocker - doch der Haken bricht aus der Wand und Henri überlebt! Dann will er sich mit Gas aus seinem Herd vergiften - leider streiken in diesem Moment die Gaswerke! Ergebnis: Henri lebt! Zufällig erfährt er, dass im Drogenmillieu Auftragskiller ihr Unwesen treiben - das ist die Lösung! Er läßt sich in die finsterste Ecke Londonds fahren, in die sich selbst der Taxifahrer nicht mehr traut. Besonders genial dargestellt waren jetzt die finsteren Gestalten, die er hier um Hilfe bittet! Gegen viel Geld kann er tatsächlich einen Killer anheuern. Zurück in seiner Wohnung ist er - vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben - richtig aufgeregt! Er lauscht, ob der Killer schon vor der Tür steht und stellt sich schon mal vor die geöffnete Tür, um diesen zu erwarten. Der Killer kommt aber noch nicht und nach einer Weile beschließt Henri, in den Pub gegenüber zu gehen, um etwas zu essen. Dort trifft er die Blumenverkäuferin Margaret ("wolle Rose kaufe" hat sie zwar nicht gesagt, aber ich denke, das ging allen Zuschauern durch den Kopf ;-) und verliebt sich. Plötzlich hat sein Leben einen Sinn! Mist, jetzt hat er ja den Killer beauftragt! Es beginnt eine atemberaubende Jagd vor dem Unhold, der ja eigentlich auch nur wie Henri immer bisher in seinem Leben, sehr pflichtbewusst ist. Der Killer selbst befindet sich im Endstadium einer Lungenkrebserkrankung und will nur noch eben diesen Auftrag erfüllen - ist natürlich jetzt umso verbissener. Herrlich, mit welchen Mitteln hier auf der Bühne agiert wird! Das ist doch das Schöne am Theater - wie hier mit relativ wenigen Mitteln Szenen dargestellt werden können, für die es sich Filmemacher mit Special-Effekts leicht machen!

Sehr genial war in diesem Stück auch die Dreh-Bühne, die mit wenigen Handgriffen oder durch in die Handlung integrierte Bewegungen eine neue Kulisse entstehen ließ! Die Handlung trat diesmal hier fast in den Hintergrund und das Ende war keine große Überraschung: Am Ende der Verfolgungsjagd stehen sich Killer und Auftraggeber gegenüber, der Killer erzählt kurz von seinem eigenen Schicksal, zieht die Pistole, zielt auf Henri - und bringt sich dann selbst um! Henri hat es geschafft, er ist den Killer los! Jetzt freut er sich auf ein Leben mit Margaret, die im Taxi zu ihm eilt:"Fahr schneller!", ruft sie dem Taxifahrer zu. Der tut wie geheißen - und fährt dabei Henri über den Haufen, der prompt von der Bühne fällt! Hier liegt er reglos, Margaret, Taxifahrer und die Zuschauer schauen fassungslos auf den reglosen Körper! Aber da regt er sich auch schon wieder, rappelt sich auf, schaut überrascht in die Zuschauerreihen - und das Stück ist zuende.

Insgesamt war es ein sehr kurzweiliger Abend! Das Stück dauerte nur eineinviertel Stunden, es gab keine Sektpause zum Geldausgeben und so waren die 19 Euro auch schon wieder relativiert. Meinem Mann hab ich die verpassten Sitze in der ersten Reihe auch vergeben: Die "Basketballspieler" genossen die Beinfreiheit und rutschten tief in die Sitze und schließlich hatten wir nach dem Stück noch einen schönen Spaziergang am Kreativkai entlang. Ein sehr schöner Abend - das Leben kann so schön sein :-))

Lizenz Kinder- und Jugendtrainerin Shohshin-Projekt

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Shoshin-Projekt - Fortbildung für Kinder- und Jugendtrainer

Ende letzten Jahres hatten wir vom Vereinsvorstand beschlossen, unseren Kinder- und Jugendtrainern ein kleines Dankeschön für ihre engagierte Tätigkeit zukommen zu lassen. Unser sportlicher Leiter hatte als kleines Geschenk für jeden Trainer ein Buch mit dem Titel "Bonsai-Kampfkunst" besorgt. Da mich das Thema auch interessierte, legte auch ich mir das Buch zu - und bekam rund 150 Seiten voll mit zahlreichen wertvollen und anschaulichen Tipps und Anregungen! Einige Wochen später erhielt ich eine E-Mail, die wohl an alle Karatevereine des DJKB verschickt worden war: Das Karate-Dojo Shunjinko Hänigsen richtete ein Seminar mit dem Titel Bonsai-Kampfkunst aus - Moderatoren waren die Autoren des gleichnamigen Buches Heero Miketta und Patrick Ehrmann. Da gab es für mich kein Zögern - sofort meldete ich mich an!

Im von meinem Heimatort Münster rund 220 km entfernten Ort Uetze-Hänigsen bei Hannover fanden sich insgesamt 15 Kampfkünstler ein, hauptsächlich Karateka, aber auch Trainer aus dem Bereich Judo und Jiu-Jiutsu. Heero und Patrick arbeiten ganz bewusst stil- und verbandsoffen.
Zunächst gab es eine theoretische Einführung in den Bereich der Methodik und Didaktik. Heero vermittelte uns seine Lehrmeinung: vom Spielerischen zur Technik und von dort aus immer wieder zurück zum Spiel. Wichtig dabei: Bilder schaffen, einen Sinn vermitteln! Kann man einem Erwachsenen eine Technik schlicht durch eine Ansage wie: "Wir schlagen dem (vorgestellten) Gegner vor das Kinn." erklären, so ist diese Anweisung im Kinderbereich vermutlich nicht angemessen und zu "brutal". Heero geht daher hier den Weg über die taktile Bewegungsvermittlung. Hier gab es interessante Partnerübungen, die vom einfachen Tsuki bis zum Mae-Geri mit Ausweichen und zu-Boden-werfen ausgeführt wurden. Patrick hingegen hatte einen ganz anderen Ansatz: Er vermittelt Techniken gerne mit Hilfe von Geschichten und Bildern. So wurde uns zum Erlernen des Age-Uke die Geschichte eines Wunschbaums erzählt, von dem wir uns Hands, Gameboys und andere Sachen pflücken konnten. Für Uchi-Uke oder Gedan-Barai galt es, uns imaginäre Spinnen oder Nacktschnecken vom Körper zu reißen. Die Aufgabe von uns Teilnehmern wird es in den nächsten Wochen nun wohl sein, festzustellen, ob zu uns eher das Geschichtenerzählen passt oder der taktile Ansatz - oder vielleicht finden wir noch einen ganz anderen Weg? Wichtig ist hier wohl, dass man nicht auf Biegen und Brechen versucht, eine Methode zu übernehmen, die nicht zu einem passt.

Ein Thema, das speziell Heero am Herzen lag, war Gewalt. Bei einem Seminar zum Thema Kinder- und Jugendtraining kommen einem als Teilnehmer in diesem Zusammenhang natürlich zunächst Begriffe wie Gewaltprävention, Selbstbehauptung oder Selbstverteidigung in den Sinn. Heeros Ansatz war aber viel tiefgründiger und so diskutierten wir - durchaus kontrovers- zunächst den Begriff Gewalt an sich: Was ist Gewalt? Gibt es verschiedene Formen? Ist Gewalt immer negativ? Heeros Meinung: Gewalt ist alles, was seelisch weh tut. Demnach kann es durchaus - z. B. bei einer freundschaftlichen Rauferei oder auch im Karatetraining - einmal blaue Flecke oder auch mehr geben, ohne dass man diese Verletzung einander übel nimmt und als Gewalt bezeichnet.  Andererseits kann jemand einem anderen auch seelisch weh tun, ohne dass eine äußerliche Verletzung erkennbar ist - man denke an das Thema Mobbing, das ja durchaus Gewalt-Charakter hat. Interessant war hier Heeros linguistische Sprachbrücke aus dem Englischen. Hier gibt es für Gewalt zwei Ausdrücke: violence für destruktive Gewalt und force für Gewalt im Sinne von Kraft und Energie. Verletzungen also, die nicht immer Gewalt bedeuten und Gewalt, die keine unmittelbare körperliche Verletzung zur Folge haben muss. Vielleicht musste so mancher Teilnehmer stutzen, als die Diskussionsrunde zu dem Schluss kam, dass Gewalt nicht immer vermeidbar ist und nicht immer negativ. Was ist z. B. mit der Staatsgewalt, die gegen Verbrechen eingesetzt werden muss? Oder Gewalt im Sinne von Grenzen oder Strafen bei der Erziehung von Kindern daheim oder in der Schule? Letztlich kamen wir alle zu dem Schluss, dass Gewalt nicht ganz zu vermeiden und Karate daher eine gute und wichtige Art ist, den kontrollierten Umgang mit Gewalt zu erlernen und zu üben.

Wir selber bekamen dann im Rahmen des Spiels "Die Halle brennt" zu spüren, wie schnell man auch als "vernünftiger, erwachsener Mensch" schon bei einem harmlosen Spiel, bei dem es um nichts geht, einer negativen Stresssituation ausgesetzt ist, die es zu lösen galt. Wir spürten alle bald, was Heero mit seiner Definition von Gewalt meinte - einige von uns spürten Frust, Wut oder Enttäuschung, weil sich andere nicht kooperativ verhielten (ohne jedoch gegen Regeln zu verstoßen). Hier kannten unsere Coaches kein Pardon: Keiner verlässt die Halle, bevor wir nicht als Gruppe unser Problem gelöst hatten.

Bei der Fülle an Tipps und Informationen war es wohl kein Wunder, dass am Ende des Tages doch die Zeit knapp wurde! Dennoch ließ es sich Patrick nicht nehmen, uns noch eine Menge wertvoller Hinweise zu geben: Wie bleiben Vereinskinder und -jugendliche zufrieden? Wie gehe ich mit den Eltern der Karate-Kids um? Wie kann ich den Kinder- und Jugendbereich ausbauen? Auf dem Heimweg purzelten mir die vielen Anregungen gepaart mit neuen eigenen Ideen durch den Kopf.

Fazit: ein tolles Seminar von der ersten bis zur letzten Minute
Prädikat: besonders wertvoll!

Sonntag, 2. Mai 2010

1. Mai 2010 - Radtour zum Haus Rüschhaus

Am 1. Mai gabs wieder mal eine traditionelle Radtour mit der Familie (ohne Felix, da er zum Geburtstag eines Freundes eingeladen war, dafür mit Johannas Freundin Tashmina). Da das Wetter recht unbeständig war, fuhren wir nicht weit, sondern nur zum ca. 5 km (mit Umweg) entfernten Haus Rüschhaus nach Nienberge. Das Rüschhaus wurde in den Jahren 1745 bis 1749 nach einem Entwurf von Johann Conrad Schlaun erbaut, der dort zunächst auch wohnte. Von 1826 bis 1846 lebte Münsters wohl bekannteste Dichterin, Annette von Droste Hülshoff, zeitweise im Rüschhaus (Hauptwohnsitz war Burg Hülshoff und dann hatte sie noch ein Domizil am Bodensee, die Meersburg). Die "Droste" war für ihre Zeit eine echt coole und emanzipierte Braut! Ihre wohl bekanntesten Werke sind Die Judenbuche (ein Psycho-Krimi aus dem Weserbegland nach einer wahren Begebenheit) und das schaurige Gedicht Der Knabe im Moor, das ich als Kind noch auswendig lernen musste. Für Fotos auf den Post-Titel klicken!

Ausflug zum Malepartus

Am 24.4. machte ich mit meiner Ma und meinen beiden Mädels einen Ausflug nach Bad Iburg. Wir parkten am Hotel Felsenkeller und wanderten ein Stück auf dem Hermannsweg bis zum Waldlokal Malepartus. Dort gab es für Franzi einen der legendären Windbeutel (echt klasse Teile: Unmengen von Eis in Verbindung mit einer Riesnportion Sahne, eingebettet in eine Blätterteighülle - das können sich nur zwölfjährige Mädchen ohne schlechtes Gewissen erlauben!) und für Johanna eine Riesenportion Zitroneneis mit Sahne. Meine Ma gönnte sich eine Portion Spargel mit Sauce Hollandaise (die ihr auch noch die Franzi halb wegstibitzte) und mir einen bescheidenen Salat (hätte ich mal auch den Spargel genommen!).

Der Name Malepartus stammt aus der Fabel Reinecke Fuchs und ist der Name des Schlosses, in dem der Fuchs hauste. Der Name setzt sich übersetzt zusammen aus den Wortteilen mal = "schlecht, schlimm" und pertuis = "Durchgang/Loch". Allerdings ist das Lokal weder schlimm, noch ein Loch - das einzige, was es mit dem Namens-Ursprung verbindet, ist, dass es dort ziemlich fabelhaft ist ;-) Die ca. 5 km lange Wanderung von Bad Iburg zum Lokal führte durch gut begehbare und schön schattige Wanderwege. Unterwegs gab es einige kleine Sehenswürdigkeiten wie den alten Grenzstein, der die Landesgrenze zwischen den ehemaligen Königreichen Hannover und Preußen markierte und Schaipers Pütt, die höchstgelegene Quelle des Teutoburger Waldes. Früher wurden hier Schafe getränkt - damals gab es hier noch keinen Wald, sondern überwiegend Weiden und Wiesen. Für Fotos auf den Post-Titel klicken!

Samstag, 1. Mai 2010

Trainingswoche

Das Lauf- und Radfahrtraining nimmt langsam Gestalt an - diese Woche bin ich zweimal Rennrad gefahren und viermal gelaufen. Heute ist mal ein "Ruhetag", an dem es wohl eine gemütliche Mai-Radtour mit der Familie geben wir. Morgen steht dann nochmal ein langer Lauf von 21 km an. Nachdem ich im vergangenen Jahr den Aasee als Laufstrecke immer gemieden hatte (zu langweilig und zu viele andere Läufer und Walker), hatte ich mich im Winter allein auf den Aaess konzentriert. Es war die einzige einigermaßen sicherer Laufstrecke. Und so habe ich mich inzwischen daran gewöhnt, auch mal mehrere Runden um den Teich zu laufen. Ein großer Vorteil: Am "Uferlos" gibt es immer eine kostenlose Toilette ;-))

21 km morgen - das entspricht fast der HM-Distanz. Eigentlich hatte ich mir für gestern als unwichtigen Wettkampf einen HM in Emsdetten ausgesucht und auch im Trainingsplan eingetragen. Das ist dann aber aus verschiedenen Gründen nichts geworden und so hole ich zumindest die Strecke morgen "privat" und ohne Wettkampf nach.

Einen ersten HM hatte ich am 18.4. spontan aus dem Training heraus versucht. Es handelte sich um den Aaseelauf, hier direkt vor der Tür. Da hatte mich allerdings wohl der falsche Ehrgeiz gepackt - ich musste bei km 18 abbrechen. Mögliche Gründe: 1. Ich hatte den Pausentag am Tag vor dem Lauf nicht eingehalten und mich von Frank zu einer 40-km-Mountainbike-Tour überreden lassen. 2. Es war morgens noch frostig und ich hatte mich daher langärmelig und lanbeinig angezogen - bereits kurz nach dem Start fiel mir auf, dass ich die einzige mit langen Klamotten war und es wurde in der Sonne fix zu warm. 3. Ich wahr wohl zu ehrgeizig losgestürmt und hab versucht, einen Pace zwischen 5:30 und 5:45 zu laufen. Das bescherte mir zwar eine neue Bestzeit auf der 5-km-Distanz, allerdings konnte ich das Tempo nur bis ca. km 15 durchhalten. Dann half auch die Abkühlung an der Trinkstation nicht mehr und ich schleppte mich noch drei Km weiter. Dann spürte ich dieses typische Kribbeln unter der Kopfhaut, das mich immer vor einer Überlastung warnt und ich beendete den Lauf. Da es nur ein Lauf "mal so" war, hat mich der Abbruch nicht sonderlich gestört.

Jetzt will ich aber wieder an meine gute Form des letzten Jahres anknüpfen. Daher wird jetzt fleißig gelaufen und geradelt. Es sind schon recht umfangreiche Pläne, die mir mein Internet-Coach da aufstellt. Aber ich versuche, sie möglichst einzuhalten. Merke ich eine Überanspruchung der Fuß- und Kniegelenke bzw. an der Hüfte, verlege ich mal eine Einheit auf den Crosstrainer. Das ist zwar nicht dasselbe wie ein Lauf im Freien, aber der Kreislauf wird auch da ordentlich rangenommen, wenn ich die Pulsvorgaben beachte. Inzwischen kann ich dort auch schon ganz andere Watt-, also Widerstandwerte eingeben, als im vergangenen Jahr! Vor etwa einem Jahr bin ich dort mit ca. 100 Watt herumgehampelt und jetzt sinds schon 160. Zudem bin ich auf dem Crosser schon viel schneller geworden. In der Natur überrascht mich allerdings immer wieder der Vergleich mit den Zeiten aus dem letzten Sommer: Da war ich doch noch einiges fixer unterwegs. Nun gut, das war ja auch schon fortgeschrittene Trainingssaison bzw. mein Trainingshöhepunkt (Triathlon Juni und dann nochmal der HM Ende August). Beim Radfahren lag meine beste Phase natürlich um den Giro Münsterland im Herbst.

Sobald die Freibäder wieder öffnen, beginne ich mit dem Schwimmtraining. Da war ich etwas zurückhaltend in den letzten Wochen - es machte in den überfüllten Hallenbädern einfach weder Spaß noch Sinn! Im Juni wird im Hafenbecken ein Ultraschwimmen mit den Distanzen 1 oder 4 oder 8 km angeboten. Mal sehen, ob ich daran dann schon teilnehmen kann....