Sonntag, 22. August 2010

Marathon oder nicht?

Tja, es ist wohl sehr unvernünftig, vier Wochen vor einem Marathonlauf mit dem Training zu beginnen, wenn man vorher drei Monate verletzt war. Aber da ich ja sonst nichts besseres zu tun habe ;-) Habe ich meinen Internet-Trainer wieder aktiviert und mir einige Schwimm- und Laufeinheiten vorgeben lassen. Freitag vor einer Woche hatte ich mit einer 13 km Runde (von zu Hause aus zweimal um den Aasee und zurück) begonnen, Sonntag dann eine 18 km Runde (dreimal Aasee). Mein Fuß (die Verletzung...) machte sich anfangs noch bemerkbar und ich hatte wohl eine Schonhaltung angenommen, die dazu führte, dass es bis in die Hüfte hin zog. Aber das war auch schnell vorbei und durch den Wechsel von Schwimmen und Laufen war ich Ende der Woche schmerzfrei - abgesehen von dem Muskelkater....

Sonntag stand dann ein langer Lauf mit niedriger Pulsfrequenz an. Laut ursprünglichem Trainingsplan sollte es eine 30 km Strecke werden. Aber in der Plan-Erläuterung stand auch direkt, dass man die Strecke verkürzen soll, wenn man die 30 km nicht in drei Stunden schafft. Also bin ich auf 25 km ausgewichen. Gestern hattee ich mich dann erst mal auf den Weg zum Aasee begeben, wo zwei Runden anstanden. Anschließend ging es quasi rückwärts über die Hürländerrunde. Das war ein Fehler! Denn die Hürländerrunde geht so herum lange strecken bergauf! Es ist zwar keine schlimme Steigung, aber wenn man schon recht erschöpft ist, demoralisiert das ganz schön! Dazu war es noch recht warm und - wie doof! - ich hatte vergessen, etwas zu trinken mitzunehmen. Naja und gefrühstückt hatte ich außer einem Kaffee auch wie üblich nichts. Alles zusammen war dann nicht so günstig...Ab Km 20 ging dann gar nichts mehr und ich beschloss, zu schwächeln und von einem Haus aus Frank anzurufen. Der plädiert ja stets dafür, dass ich nicht übertreiben soll etc. Also wird er mich ja wohl netter Weise abholen. Eine alte Oma machte die Tür auf, ließ mich etwas verstört herein und führte mich zum Telefon. Ich wählte auf der lustigen Wählscheibe - nichts. Keiner da? Ach, sicher liegt der faule Kerl im Garten in der Hängematte! Naja, wenn er mich nicht hört, kann er mich auch nicht abholen. Ich bat die Frau noch, ihre Gästetoilette benutzen zu dürfen, trank dort reichlich aus dem Hahn und kühlte meine Arme und mein Gesicht.

Dann ging es weiter! Ich lief und ging, lief und ging, immer schön piano und mit Blick auf die Pulsuhr. Ab der Häuser der Joseph-Pieper-Straße (also direkt in meiner Nachbarschaft) ließ ich das Gehen weg und lief tapfer, um mir keine Schmach zu geben ;-) Naja, über die Zeit müssen wir uns nicht unterhalten. Aber geschafft hab ich die Strecke jedenfalls - wenn auch mit Gehpausen. Noch knapp 18 km mehr hätte ich gestern aber auf keinen Fall geschafft.

Mein Internet-Coach belohnte mich für die letzte Woche dennoch erstmals in diesem Jahr mit drei Smilys (beste Wertung, alle Trainingsziele erreicht). Eine ähnliche Woche hab ich jetzt nochmal vor mir. Dann ist schon Regeneration. Vielleicht laufe ich am 12.9. einfach mal mit der Menge los und schaue, wie weit ich komme.....

Montag, 14. Juni 2010

Das war es dann wohl mit dem Triathlon....

Ja, da kann man noch so schön alles planen und auf ein Ziel hintrainieren - estens kommt es dann doch anders und zweitens, als man denkt! So hab ich mich vor knapp drei Wochen irgendwie danz merkwürdig beim Karatetraining verletzt. Ich weiß gar nicht genau, was passiert ist. Einerseits war es sicher eine Einheit mit zahlreichen Maegeris...andererseits erinnere ich mich noch genau an einen Augenblick, als ich beim Vorwärtsgehen im Zenkutsu-Dachi einen stechenden Schmerz im linken Fuß spürte. Dieser ging dann zwar wieder weg und ich konnte weitertrainieren, auch das Anfängertraining am nächsten Tag konnte ich geben und dabei sogar lustig auf einem Bein hüpfen (Aufwärmübung, natürlich!). Aber am Donnerstag Morgen konnte ich nicht mehr auftreten. Ich dachte erst, es geht von selbst wieder weg aber eine ärztliche Untersuchung eine Woche später brachte dann das niederschmetternde Ergebnis: fissurale Aufhellung am linken Vorderfuß, also eine kleine Fraktur. Ich bekam glücklicher Weise keinen Gips, sondern nur ein Tape - aber es tut trotzdem immer noch weh und ich humpele durch die Gegend. Autofahren geht gar nicht, dafür kann ich mich aber gut mit dem Fahrrad fortbewegen.

Ich habe versucht, mich die letzten Wochen über mit Rennradfahren und Schwimmen in Form zu halten und es ging auch eigentlich ganz gut: Ich fuhr eine neue Bestzeit nach der anderen und kann endlich auch wieder 1.000 m Kraul ohne Pausen schwimmen, und zwar mit der "neuen", verbesserten (und schon ganz schön schnellen) Technik.

Aber nach dem Radfahren zwickt der Fuß immer ganz schön und es ist sicher nicht vernünftig, es hier zu übertreiben. Längere Strecken als 32 km (Hausstrecke) fahre ich gar nicht und auch da geb ich derzeit nicht gerne Vollgas, um den Fuß nicht über Gebühr zu belasten.

Also habe ich heute Morgen schweren Herzens meine Teilnahme am Triathlon abgesagt! Es war keine leichte Entscheidung, aber ich denke, vor allem mein Mann ist ganz erleichtert, dass ich mal ausnahmsweise vernünftig bin ;-)) Ich werde aber ganz bestimmt zum Zuschauen an den Kanal fahren oder mich irgendwo an der Radstrecke platzieren!

Samstag, 12. Juni 2010

Nie wieder Ehrenamt!

Der Volleyballverein meiner 12-jährigen Tochter suchte im Auftrag des Sportamts Münster Ballmädchen für ein Wochenende im Rahmen der Smart-Beach-Tour in Münster. Es sollte Beach-Volleyball vom Feinsten geben und die Mädchen sollten als Dankeschön ihre Ballmädchenausstattung in Form eines T-Shirts, einer Short und eines Käppis bekommen. Die Stadt Münster hatte offizielle Zettel verteilt: ein an die Schulen gerichteter Brief, die Kinder doch bitte möglichst am Freitag vorzeitig vom Unterricht zu befreien. Als Mutter war ich einverstanden: ehrenamtliche Tätigkeiten sind doch immer zu fördern! Oder etwa nicht?

Freitag fuhr meine Tochter also hochmotiviert zur Schule mit der Gewissheit, nicht vor 20 Uhr abends wieder zurück zu sein. Als sie um kurz vor halb neun noch nicht daheim war, fuhr mein Mann los, um zu sehen, wo sie mit ihrer gleichaltigen Freundin bleibt. Mehr zufällig traf er sie dann auf dem Rückweg: Die Kinder hatten noch bleiben müssen, da ein letztes Qualifikationsspiel noch nicht ausgetragen war. So war meine "Große" also von 11.15 Uhr bis 21.15 Uhr auf dem Sandplatz gewesen. Sie war echt total k. O. und hatte beim Verabschieden die Order erhalten, sich am kommenden Morgen um 06.45 Uhr wieder am Platz einzufinden! Zudem wurde angekündigt, dass sie leider doch die Kleidung nicht behalten dürfte. Es waren leider zuwenige Kleidungs-Sets bestellt worden. In anderen Städten sei es schließlich so üblich, dass die Ballmädchen alle drei Tage voll vor Ort blieben!

Heulend vor Erschöpfung und Enttäuschung saß meine Tochter dann bei uns am Tisch. Ich rief sofort eine Frau aus dem Sportverein meiner Tochter an und sagte, dass mein Kind auf keinen Fall morgens um viertel vor 7 wieder vor Ort sein würde. "Ja, acht Uhr reicht ja auch", war die Antwort. "Sie kommt auf keinen Fall vor 10.00 Uhr!" Naja, das wurde dann wohl oder übel akzeptiert.

Heute war sie dann pünktlich wieder dort. Man stellte in Aussicht, dass die Mädchen statt der Kleidung am 10. Oktober zu einem Mannschaftsspiel eingeladen würden. Aber mal ganz ehrlich - was ist wichtiger für eine 12-jährige? Zusehen bei einem Mannschaftsspiel in ferner Zukunft oder etwas Reales in der Hand zu haben? Ich konnte gut verstehen, dass sie da gerne auf die Zuschauerkarten verzichten wollte!

Eben kam sie dann heim, nach weiteren 6 Stunden Tätigkeit und klagte, sie habe total Hugner! Leider wurden die Ballmädchen nicht alle zum Essen gerufen und als sie dann Pause hatte, war nichts mehr da.



Also, ich werde mir zukünftig gut überlegen, ob ich meinen Kindern dazu raten werde, ehrenamtlich tätig zu werden. Es ist ja nicht so, dass es sich hier um einen mittellosen Veranstalter handelt! Finanzkräftige Sponsoren stehen im Hintergrund: neben Smart die Techniker Krankenkasse, Pro7, Salvus, Langnese und viele mehr! Und da war kein Geld mehr vorhanden, um den Ballmädchen ein kleines Geschenk zu machen? Ziemlich unsmart!

Sonntag, 23. Mai 2010

Grün-Gelb

Nachdem ich beim Kata-Spezial mein armes, altes Rennrad mit fast platten Reifen so arg malträtiert hatte, hat mein Mann sich erbarmt und es endlich mal aufgepumpt. Bei der Gelegenheit auch gleich die Getränkeflaschenhalterung angeschraubt und jetzt könnte er eigentlich noch fix eine neue Klingel besorgen ;-) Gestern bin ich dann mit mittelmäßiger Motivation (ich hatte noch die ziemlich mühsamen letzten Ausfahrten im Gedächtnis) auf eine rund 40-km-Strecke aufgebrochen. Für die Distanz ist es immer noch am Besten, die Sentruper Straße stadtauswärts zu fahren, ein kleines Stück links den Dingbänger Weg runter, dann sofort wieder rechts auf die kleine Straße durch die Natur, am Reiterhof vorbei, an Jaques Weindepot (aber nicht anhalten! ;-)) Richtung Roxel-Industriegebiet und dann über den Nottulner Landweg Richtung Albachten. Richtig warm bin ich dann, wenn ich nach knapp 10 km an der Gärtnersiedlung Richtung Bösensell entlangdüse. An der Kreuzung, an der es gradeaus nach Bösensell ginge, fahre ich dann rechts, an dem Ort entlang, dann, hinter dem Ort links und eine Schleife, bis ich wieder an der Gärtnersiedlung bin. Bei der 30-km-Strecke fahr ich an dieser Stelle wieder Richtung Heimat, sollen es gut 40 werden, fahre ich die Schleife an Bösensell entlang ein zweites Mal.

Ich merkte schon auf dem Weg nach Roxel, dass mir gestern die Götter der Geschwindigkeit hold waren! Wow, das ging ab! Was so aufgepumpte Reifen doch ausmachen! Ein Blick auf meine Garmin-Puls-und-Speed-Uhr bewies auch, dass ich meist mit knapp oder gut 30 km/h unterwegs war. Und es war kaum anstrengend! Die Qualen der letzten Fahrten schienen einem schlechten Traum entsprungen zu sein! Statt nur schnell noch nach Hause zu wollen, genoss ich die herrliche Landschaft, die in satten Farben an mir vorbeizog. Grün-Gelb - als politische Koalition zwischen handgefertigten Grobstrickpullovern und seitenbescheitelten Kreissparkassenanzugträgern zwar undenkbar, in der Natur, bestehend aus sattgrünen Wiesen und knallgelben Rapsfeldern aber Wellness für die Augen! Da fährt sichs doch fast von ganz allein!

Die zweite Schleife war dann auch nur so weggeschnupft und als ich wieder daheim war, überraschten mich meine Trainingswerte mit neuer Bestzeit und -form!

Um den Tag abzurunden fuhr ich dann mit vier schnatternden Mädchen (Franzi und Johanna mit je einer Freundin) noch in das gestern eröffnete Freibad Coburg. Das Wasser hatte 18 Grad und ich konnte auch ohne Neo meinen Kilometer abspulen, leider noch mit einer Bahn Kraul und Brust abwechselnd....naja, ist ja noch ein Monat Zeit bis zum ersten Schwimm-Wettkampf....

Dienstag, 18. Mai 2010

Kata-Spezial 2010 in Karlsruhe - Merengue um Mitternacht!

Da ich in den vergangenen Monaten das Kata-Training leider etwas vernachlässigt hatte,
wurde es jetzt dringend Zeit, diese Disziplin mal wieder etwas zu vertiefen. Also ging es
mit drei Karatefreundinnen (Nina, Silke, Madeleine) im Schlepptau zum Kata-Spezial
nach Karlsruhe Neureut. Da in der Gruppe ab 2. Dan schon die  Abläufe sämtlicher Katas vorausgesetzt werden und man eigentlich nur noch an den technischen Details einer Kata oder an der
Anwendung feilt, hatte ich doch ein leicht mulmiges Gefühl.

Nach einer Anreise mit wenig Staus und viel Sucherei vor Ort fanden wir als Unterkunft
ein zauberhaftes und frisch renoviertes Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert! Unsere
Vermieterin, eine Goldschmiedin, berichtete uns nicht nur detailliert über die
Restaurierung des Gebäudes, sondern wies auch schon darauf hin, dass neben uns auch
noch ein weiterer Gast dort logierte: Oscar Lopez aus Peru, ein Polizist, der ein
Stipendium in Deutschland hatte.

Das Training am Donnerstag begann für mich direkt mit dem aus Japan angereisten
Highlight: Shihan Ogura. Ich konnte nicht ahnen, dass gleich die erste Kata-Einheit quasi
ein "Geschenk" für mich werden sollte: Kata Sochin - meine Prüfungskata zum 2. Dan
und meine letzte Turnier-Kür-Kata! Da konnte ich mich auf die Feinheiten konzentrieren.
Allerdings ließ uns der Shihan zunächst einmal einige Kihon-Bahnen laufen und schon bald wurde klar, worauf
er hinauswollte: Wir sollten im Sochin-Dachi im Wechsel Kizami- und Gyakutsuki
schlagen. Ich versuchte, meine Knie und Oberschenkel hierbei an ihrer Stelle zu lassen
und doch die Hüfte aus und ein zu drehen. Und genau darauf wollte der Shihan auch
hinaus! Hier mein Dank an Risto Kiiskilä - denn sein Power-Pack zielt genau darauf hin: in allen
Ständen einen Hüfteinsatz umsetzen zu können.

Als nächstes Sensei Julian Chees, der es sich nicht nehmen ließ, das Aufwärmtraining
selber zu leiten. Die Kata, die er uns zunächst näher brachte (Nijushiho) gehört leider nicht zu meinen Lieblingskatas. Zunächst ließ uns Julian einzelne Abschnitte der Kata laufen, jeweils erst langsam auf zählen, dann stärker und schließlich auch auf eigene Zeit, erst locker, dann stark. Die Anfangssequenz gab es dann als
Bunkai-Übung und die letzten Techniken der Kata übten wir sogar zu dritt. Mit der
Anfangssequenz sind mein Partner und ich leider nicht richtig klar gekommen: Die
Distanz passte bei uns irgendwie nie richtig!
Ziemlich überrascht war ich dann, als in der letzten Viertelstunde der Trainingseinheit noch die Jitte angesagt wurde! Trotz der Kürze der Zeit trainierten wir sie so intensiv, dass ich hinterher echt kaputt war!

Am zweiten Tag schulte Shihan Ochi die Gojushiho Dai! Das war eine sehr intensive Einheit, wie man sie von unserem Shihan kennt.

Da ich am Nachmittag mit den Karatefreunden aus Münster in die Sauna gehen wollte und diese bereits viel früher mit dem Training fertig waren, als ich, beschloss ich, am Nachmittag die Shodan-Einheit
mitzumachen. Wieder durfte ich bei Shihan Ochi trainieren und er übte ausgiebig
die Nijushiho mit uns. Hier, bei den Shodans, wurde auch der Ablauf noch einmal
explizit vermittelt. Es war ein sehr schönes, lehrreiches Training - allerdings habe ich
mich doch etwas geeärgert, als ich hörte, dass ich wegen der Sauna die Gangaku bei
Sensei Thomas Schulze versäumt hatte!

Zur Sauna fuhren wir ins Fächerbad, das Ex-Münsteraner Michi Maibaum für uns
ausgesucht hatte. Der Eingangsbereich und die heruntergekommenen Umkleiden
machten zunächst keinen einladenden Eindruck. Allerdings verfügte die Anlage über ein
50- oder vielleicht soger 100 m-Becken - und ich hatte keinen Badeanzug dabei!!! Naja,
dann eben nur Sauna. Und ich muss sagen: Es hat ausgereicht! Ich habe insgesamt vier
Aufgüsse mitgenommen, von denen drei die wohl heftigsten Aufgüsse meines Lebens
waren! Dass die Haut nicht in lodernden Fetzten vom Leibe brannte, war auch alles!
Wirklich - es war fast unerträglich und gleich nach dem Aufguss sind fast alle Saunafans
aus dem Raum geflohen! Der Brüller war jedoch der Moment, in dem tatsächlich
plötzlich in der Sauna ein Handy klingelte! Was haben wir gelacht! Aber es stellte sich
dann heraus, dass der Aufguss-Bereiter wohl ein Mobiltelefon in seiner Hosentasche
hatte... :-))

Nach der Sauna entschieden wir, an diesem Abend in unserem Feriendomizil etwas zu
kochen und statt des vorhandenen Rotweins doch lieber erst einmal ein Bier zu trinken.
Zum Glück hatte Edeka noch auf und wir deckten uns mit Bier, Chips und weiteren
Schmakazien ein, die man so für einen gemütlichen Abend zu dritt braucht. In der
Wohnung angekommen, trafen wir dann auf Oscar Lopez, den Polizisten, der zufällig
auch an diesem Abend nichts vorhatte. Nach dem Essen (es gab Brathühnchen vom
"Hühnchenparadies " um die Ecke) gab es dann doch noch reichlich Vino und als Oscar
dann nach Mitternacht seinen Laptop mit reichlich peruanischer Musik holte, um mit
jeder von uns einmal Merengue zu tanzen, konnte sich nur Nina erfolgreich verweigern.
Irgendwann plumpsten wir dann aber alle in die Falle - und ich war wirklich froh, am
nächsten Tag ausschlafen zu dürfen!

Tag 3. Oha, hätte ich doch mal den Vino weggelassen und mich schon vor Mitternacht
ins Bett gelegt! Die Quittung kam am nächsten Morgen. Wirklich schlecht ging es mir
zwar nicht, aber ich fühlte mich doch etwas wie in Watte gepackt, als Nina und Silke die
Wohnung früh verließen und die Zunge hatte diesen typisch pelzigen Belag, als ich
solidarisch "Tschüß" rufen wollte. Naja, aber ich durfte ja noch etwas herumgammeln,
bis ich mich kurz vor 11 Uhr auf mein Fahrrad schwang und zur Halle düste. Im
Vorraum erfuhr ich, dass jetzt gleich der strenge Toribio ein Auge auf uns haben und
uns die Kata Unsu vermitteln wollte. Ohje, ausgerechnet! Und mein Körper wollte sich
an diesem Tag so gar nicht bewegen! Zu Beginn liefen wir einige Passagen der Kata als
Kihon-Vorübung, dann die gesamte Kata einige Male auf zählen. Schließlich gab es Bunkai. Ich hatte einen männlichen Partner, der nicht viel sprach und bei dem ich auch nur selten an der Mimik ablesen konnte, ob
ihm das Training mit mir Spaß machte. Naja, mir hat es jedenfalls Spaß gemacht :-)
Zu unserer Belohnung gab es dann zum Ende der Einheit noch ausgiebiges Dehnen! Also, ich muss sagen - auf einer Skala von 1 bis 10 kann ich
diesem Training mit gutem Gewissen die Note 8 geben. und die zwei Punkte Abzug sind
nur mir alleine zuzuschreiben, weil ich an diesem Tag nicht in Bestform war. Alle
Trainingseinheiten waren toll und alle Instructoren super - aber dieses Training war für
mich mit Abstand das Beste!

Nachmittags durfte ich dann endlich mal bei Jean-Pierre Fischer trainieren. Dieser Typ ist
einfach super charismatisch! Ich hatte ihn beim Gasshuku in Konstanz einmal als
Trainingspartner - noch nie bisher hatte ich aber bei ihm trainiert. Deshalb war ich sehr
gespannt, was mich erwarten würde. Wir würden die Meikyo machen und die Kanku
Sho, erfuhr ich schon vorher während des Wartens. Auch Jean-Pierre ließ es sich nicht
nehmen, uns selber aufzuwärmen. Wow, ist der gelenkig! Er legte sehr viel Wert auf:
Hüfte, Hüfte, Hüfte! Und zwar in allen Ständen! Ach, und wieder kam mir Ristos Art, Karate
zu trainieren zu Gute!

Nach dem Training verabschiedete ich mich noch von Michi Maibaum, der schon an
diesem Abend abreisen wollte, weil er Angst hatte, am Folgetag im Stau zu stehen.
Anschließend fuhr ich zur Wohnung, wo die Mädels schon hungrig auf mich warteten.
Fix umgezogen und dann ab zur Halle. Mit gutem Gewissen konnte ich mich als
Fahrerin anbieten - Alkohol würde ich nach dem Weingelage des Vorabends sicher nicht
trinken! An der Festhalle angekommen gab es erstmal lecker Essen und, na gut, doch
ein Radler. Dann unterhielt ich mich mit vielen alten Bekannten und konnte der lieben
Ingrid schonmal die Namen der Trainer und Katas des Folgetages entlocken: Die Gruppe
2. Dan würde bei Shihan Ogura die Gojushiho Sho durchnehmen und die Shodan-
Truppe würde bei Jean-Pierre die Wankan und die Gankagu machen. Na, da fiel mir die
Entscheidung ja nicht schwer: Auch wegen der früheren Trainings- und daraus
resultierenden Abfahrtzeit würde ich bei den Shodans mitmachen - und natürlich wegen
Jean-Pierre und der Gangaku! Drei gute Gründe, wer kann dazu schon nein sagen? ;-))

Dann begann auch bald die Band zu spielen. Der Name "Peter and the Wolves" hatte
mich ehrlich gesagt ganz schön abgeschreckt! Aber dann machten sie echt ganz
ordentlich tanzbare Mukke! Etwas Sixties-lastig vielleicht, aber tanzbar auf jeden Fall. Bis
Mitternacht zappelte ich fast ohne Pause und dann erlöste ich meine Mädels, die auch
sicher schon eine Stunde eher heimgefahren wären!

Wie immer nach Partys konnte ich nicht ein- und nicht tief durchschlafen (im Kopf geht
die Party immer weiter....) und so wachte ich recht schlapp und müde auf. Ich konnte ja
leider an diesem letzten Trainingstag nicht wie gewohnt ausschlafen. Ich musste ja noch
packen und eineinhalb Stunden eher beim Training sein! Das jedoch lohnte sich! Wir
liefen zunächst fast eineinhalb Stunden die Wankan (die Jean-Pierre immer herrlich nasal
etwa "Wookoo" aussprach ;-) Die Wankan ist die kürzeste der Shotokan Katas und hat
auch nur ein Kiai. Umso erstaunter war ich, dass wir uns so lange mit ihr beschäftigten
und ich fürchtete schon, die Gangaku käme zu kurz. Das war dann aber nicht so, denn
wir übten auch die Kata mit dem Kranich auf dem Felsen so lange, bis uns die
Oberschenkel brannten! Ach, ist die schöööön! Aber natürlich hat auch sie es in sich mit
ihren vielen schwierigen Drehungen und Stellungen auf einem Bein!

Die Heimfahrt ging dann ganz flott und ohne jeden Stau. Bis cirka Höhe Gießen, als
plötzlich die Leistung nachließ und mein Auto keinen Hering mehr vom Teller ziehen
konnte! Wir hielten zweimal auf einem Parkplatz, einmal auch länger - und warteten, ob
sich das Autochen erholt. Nach dem zweiten Stopp ging es tatsächlich wieder besser
und statt mit 50 km / h fuhren wir immerhin mit 110 Sachen die Berge des Sauerlandes
hoch (runter dann wieder schneller ;-) Wie auch immer - wir kamen gut heim und es
schien sogar endlich mal die Sonne!

Mittwoch, 12. Mai 2010

Hier kann man selber abstimmen:

Bitte auf den Titel klicken, dann kommt man zur Abstimmungsplattform der Westfälischen Nachrichten.

Wer lobt denn das Kind?

Hier in Münster schlägt derzeit ein Ereignis aus dem öffentlichen Personennahverkehr Wellen: Ein 11-jähriger Gymnasiast mit Gipsbein, Krücken und einem schweren Tornister wollte von einer innerstädtischen Schule mit dem Bus nach Hause fahren. Da er leider grade sein Busgeld  nicht zur Hand hatte, verweigerte der Busfahrer ihm den Einstieg. Der Junge hatte auch kein Handy dabei und daher blieb ihm nichts anderes übrig, als zu Fuß nach Hause zu laufen. Dort kam er total erschöpft "und mit Atemnot" an.

Mutter und Oma des Kindes beschwerten sich sofort bei den Stadtwerken und informierten die Presse. Anfang der Woche erschien dann ein Artikel in den Westfälischen Nachrichten, in dem der Busfahrer massiv angeklagt wurde: Er hätte ein Kind nicht auf der Straße stehen lassen dürfen, selbst wenn es keinen Busfahrschein kaufen kann - und noch dazu hier ein Kind mit einem Krücken und Gipsbein! Der Aufschrei war groß - ein Disziplinarverfahren muss her! Der böse, rücksichtslose Busfahrer!

Spontan schossen mir folgende Gedanken durch den Kopf:

- Warum wird ein Kind mit Gipsbein und Krücken mit dem Bus zur Schule geschickt und nicht mit dem PKW gebracht. Naja, vielleicht haben Mutter und Oma (ein ehemaliges Ratsmitglied) keinen PKW. Dann eben Bus.

- Aber warum wurde dem Kind nicht eine Mehrfach- bzw. Monatskarte besorgt? Ein Gipsbein ist ja kein kurzfristiger Umstand.

- Warum hat das Kind nicht bei einem Passanten nach einem Handy gefragt oder ist zurück zum Schul-Sekretariat gelaufen und hat von dort aus telefoniert?

- Konnte das Kind sich nicht von einem Mitschüler den kleinen Betrag für die Busfahrt leihen oder auch hier ggf. das Sekretariat um Hilfe bitten?

Aber das Kind hat sich offenbar ganz bewusst für die Lösung Laufen entschieden. Ich finde das sehr beachtlich, dass ein Kind unter diesen Umständen seinen Heimweg zu Fuß bewältigt! Hut ab! Die optimale Reaktion von Mutter und Oma wäre wohl gewesen, das Kind wie folgt zu empfangen: "Boh, den ganzen Weg bist Du gelaufen? Da ist aber eine tolle Leistung! Na, dann ruh Dich erst mal aus, ich mach Dir einen heißen Kakao. Und dann erzählst Du mir mal, warum Dein Geld weg war und wie wir das in Zukunft lösen, dass sowas nicht nochmal passiert."

Der Busfahrer musste in Sekunden eine spontane Entscheidung treffen und er hört wohl täglich irgendwelche fadenscheinige Ausreden, von wegen: Geld verloren, Dauerkarte vergessen etc. Das Kind hat sich in der Situation zu helfen gewusst und war in keiner unzumutbaren Lage (es wurde z. B. nicht mitten in der Nacht bei Minusgraden auf einem verlassenen Bahnhof ausgesezt). Ich finde, statt den Busfahrer zu bestrafen gehört das Kind gelobt! Andernfalls wird es auch im späteren Leben für alle Unannehmlichkeiten irgendweinen Verantwortlichen suchen, statt  selber eine Lösung zu finden.