Polarlicht über Berlin
Als ich im Dojo herumfragte, ob jemand Interesse daran hätte, mich nach Berlin-Marzahn zu begleiten, antwortete lediglich ein großes Schweigen. Zugegeben, ist ja auch nicht grad ein Katzensprung dorthin. Aber für einen Gasshuku fahren die meisten Karatekas, die ich angesprochen hatte, sonst auch „meilenweit“. Naja, ich wollte ihn mir dennoch nicht entgehen lassen, den Pfingstlehrgang bei Risto und Akita. Schnell war bereits im März ein Bahn-Ticket besorgt - für schlappe 70 Euro hin und zurück, einschließlich IC- und ICE-Verbindungen. So konnte ich es mir nicht mehr anders überlegen – schließlich war ich auch noch nie so ganz alleine in ein Trainingslager gefahren. Um meine Aufregung kurz vor der Abfahrt noch ein wenig zu steigern, gaben mir meine Trainingskameraden im Dojo kurz vor der Abfahrt noch einige „Tipps“, wie ich im heißen Viertel Berlin-Marzahn überleben könnte: Die alte Lederjacke an, keinen Schmuck oder sichtbare Wertsachen tragen und sich nicht bei den dunkelgekleideten Personengruppen an den brennenden Ölfässern zum Wärmen dazustellen!
Dementsprechend kribbelig war ich dann, als sich die S-Bahn Linie 7 meinem Endbahnhof näherte. Kurz vor meinem Ziel dann noch die Fahrkartenkontrolle: Selbstverständlich hatte ich einen Fahrschein für die S-Bahn gezogen! Doch leider hatte ich ihn nicht vor Besteigen der Bahn entwertet….“Steht doch extra druff!,“ meinte der Kontrolleur. Glücklicher Weise konnte ich glaubhaft versichern, dass ich orts-unkundig war und auch mit den Gepflogenheiten des S-Bahn-Fahrens nicht vertraut war. So blieb mir der „Fahrpreis-Zuschlag“ in Höhe von 40 € erspart.
Als sich die S-Bahn-Türen öffneten, begrüßte mich die kalte Juni-Luft. Eine etwas trostlose Stimmung hing wie ein alter grauer Lappen zwischen den Häusern. Dieser Eindruck war jedoch nur von kurzer Dauer: Direkt vor dem S-Bahnhof leuchtete grelle Werbung auf einem überdimensionalen Shopping-Center. Ein emsiges Gewusel breitete sich vor meinen Augen aus, als die Menschenmassen in die Geschäfte strömten und wieder hinaus. Alles zusammen machte es auf mich einen vielleicht etwas weniger schillernden Eindruck als Shoppen im Provinznest Münster, bedrohlich wirkte die Atmosphäre allerdings keine Minute. Einen kleinen Schrecken bekam ich dann aber doch, als ich mittels Taxi die Turnhalle erreichte: Sie war eine gigantische Blüte der Graffiti-Kunst! Wer sich hier wohl außer uns noch herumtreibt? Ich fragte mich ernsthaft wie ich hier mein Hab und Gut unterbringen sollte. Aber von innen war es dann doch einfach nur eine ganz normale Turnhalle und es kam nichts abhanden. Das hätte auch mal jemand wagen sollen im Angesicht dieser zum Teil hochkarätigen Karate-Kämpfer!
Schon in der Umkleide fragte ich mich, wen der vielen mir noch unbekannte Weißkittel ich denn wohl bald mal näher kennen lernen würde. Wer würden meine Trainingspartner werden? Erwartungsgemäß kamen die meisten der Teilnehmer aus der Umgebung von Berlin. Bald merkte ich aber, dass ich mir den „Pokal für die weiteste Anreise“ abschminken konnte: Es war neben den vielen Karatekas aus Berlin, Mecklenburg Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen noch eine Gruppe aus Rotenburg an der Fulda angereist und sogar ein Finne aus Oulo. Dieser nette finnische junge Mann wurde mir dann auch gleich von Risto aufs Auge gedrückt: „Icky, ich hab da einen aus Finnland mitgebracht.“ Nach dem Motto: Kannst dich ja mal mit ihm unterhalten. Viele der anwesenden Karatekas sprachen nämlich wegen der eher russisch-orientierten Kindheit in der damaligen DDR kein Englisch. So konnte ich an diesem Trainingswochenende nicht nur meine Karate-, sondern auch meine Englischkenntnisse auffrischen. Und zwar so sehr, dass ich hinterher sogar auf Englisch geträumt habe!
Richtig „warm“ wurde ich mit vielen der Karatekas bereits am ersten Abend. Hier fand nämlich die traditionelle Lehrgangsfete statt, der nach dem Training eine zünftige Sauna-Session voranging. Das Bushido-Dojo-Berlin verfügt gleich über zwei dieser bis auf 100 Grad aufgewärmten Schwitzhütten. Puh, nach dem dritten Durchgang, der von einem echt finnischen Dauer-Aufguss begleitet wurde, fragte ich mich ernsthaft, wie ich den Rest des Abends überstehen sollte! Diese physische Krise wurde dadurch verstärkt, dass ich auf meine Grillportion ca. 90 Minuten warten musste. Leider gab es nur einen kleinen Grill für die ganze Feier-Bande. Aber dieses kleine Problem wurde von dem Organisations-Team mit Augenzwinkern und echtem Berliner Charme bewältigt. Ansonsten hatten die Jungs und Mädels vom Verein wirklich alles perfekt organisiert! Am zweiten Abend ging es in ein Ausflugslokal am Müggelsee vor den Toren Berlins. Ruck-zuck waren alle auf die vorhandenen Autos verteilt und mit ca. 25 Leuten verbrachten wir einen herrlichen Abend in dieser idyllischen Gegend. Auch wenn das Wetter immer noch zu wünschen übrig ließ machten wir einen netten Spaziergang am Rande des Sees entlang und waren erst kurz vor Mitternacht wieder im Dojo.
A propos Augenzwinkern: Ich fand es höchst erfrischend, dass in Berlin zwar traditionelles Karate gepflegt wird, dies allerdings nicht allzu bierernst. So kam es, dass uns am Samstag nach der ersten Trainingseinheit über die Heldentaten der letzten zehn Samurai berichtet wurde. Diese in der Turnhalle stattfindende „Lehrstunde“ wurde begleitet von der Vorstellung einiger furchteinflößender „Samurai“, in die sich offensichtlich einige der Marzahner Karatekas verwandelt hatten. Diese hoppelten im Gi und versehen mit asiatischen Accessoirs auf Steckenpferdchen durch die Halle und metzelten sich gegenseitig mittels der mitgeführten Holzschwerter ab. Diese Kampfhandlungen wurden begleitet von einem Gedicht, in denen das Vorgeführte anhand von Katas erklärt wurde. Ich konnte mich kaum einkriegen, wie sich die eben noch so würdevollen Karatekämpfer da mit Perücken und Chinesenhütchen auf dem Kopf am Hallenboden krümmten! Schön war auch die zuvor gezeigte Heian Godan als Domino-Kata: Einige Kämpfer/-innen standen in einer Reihe und führten die Kata nicht synchron aus, sondern Technik für Technik nacheinander.
Ein für mich neues Erlebnis war die Vorführung der Kata Hokkyokuko – „Polarlicht“. Wer den Namen noch nie gehört hat: Keine Bange. Es ist eine recht neue Kata und zwar die von Sensei Risto! Abweichend vom herkömmlichen Shotokan-Kata-Muster basiert diese Kata auf einer Abfolge von Kumite-Elementen. Viele Techniken waren mir bereits aus Ristos Übungsprogramm vertraut. Aber einige Passagen dieser Kata werde ich im Leben nie so ausführen können wie die Kampftruppe aus Berlin. Ein junger Braungurt hat das so fantastisch hingelegt, es sah fast aus wie ein Tanz....vielleicht vergleichbar mit dem brasilianischen Capoiera!? Aber auch alle anderen, die die Kata aufführten –allen voran Jürgen und Dirk- hinterließen einen super Eindruck! Meine grenzenlose Bewunderung hat allerdings auch schon jeder, der auch nur den Ablauf beherrscht!
Risto legte in seinen Einheiten gleich richtig los: Die gewohnten „Mäusefüßchen“ zum Aufwärmen wurden daher gleich im Kiba-Dachi absolviert, so dass die Beine eigentlich direkt danach in den wohl verdienten Ruhestand hätten gehen können. Zudem legte er wie immer viel Wert auf Hüfteinsatz und Gewichtsverlagerung. Er forderte uns aber auch dazu auf, den Schritt vom Jiyu-Ippon Kumite in Richtung Freikampf zu wagen, sprich: uns mehr zu
bewegen! Nicht immer auf der Stelle stehen und warten, dass etwas passiert, sondern mit Sabaki seitlich raus oder mit Suri-Ashi den Techniken hinterher gleiten und immer gerne wieder Ashi-Barai. Ich hatte das große Glück, in zwei Einheiten ganz hervorragende Kumite-Partner zu haben. Die machten dieses Trainingsprogramm ganz sicher nicht zum ersten Mal und konnten mich ganz enorm durch ihre Beweglichkeit und Sicherheit in der Ausführung der Kombinationen beeindrucken! Meine deutliche Unterlegenheit wurde jeweils mit einem nachsichtigen Lächeln kommentiert und ich war sehr beruhigt, dass sich die Jungs auch nach dem Training noch mit mir unterhalten mochten. Risto ließ uns zum Ende der Einheiten jeweils Katas ab Heian Godan aufwärts laufen. Leider musste ich bei vielen der höheren Katas passen. Das muss jetzt aber bald mal geändert werden! Peinlich, wenn man als Dan-Träger immer am Rand sitzen muss!
Sensei Akita hatte ich bisher nur auf dem Gasshuku in Oberstdorf kennen gelernt und ich bekomme noch heute eine Gänsehaut, wenn ich an seine Gangaku denke! Demzufolge hatte ich mir eigentlich ein umfangreiches und anspruchsvolles Kata-Programm von seinem Training erwartet. Aber es kam anders. Vielleicht sah er einfach den Status-Quo der Teilnehmer-Gruppe – oder er hatte es sowie so vor: Sein Training bestand hauptsächlich aus Khion-Techniken! Lediglich in der letzten Einheit liefen wir Kata und da auch nur die Heian-Katas. Ich will damit auf keinen Fall sagen, dass das Training niveaulos war oder nicht anspruchsvoll. Im Gegenteil: Gerade die Liebe zum Detail, mit der Akita auf die einzelnen Techniken blickte, ließ das Training zu einer höchst komplexen körperlichen Angelegenheit werden. Sehr beeindruckt hatte mich die Vorführung, wie sehr das hintere Bein beim Zenkutsu Dachi gestreckt werden sollte: Sensei Akita holte sich dafür jemanden aus dem Teilnehmerkreis und wies ihn an, sich mit dem kompletten Körpergewicht auf Akitas durchgestreckte Kniekehle zu stellen! Allein vom Zuschauen taten mir schon wieder die Beine weh!
Apropos „Beine weh“....obgleich ich in den letzten Wochen vor dem Lehrgang nicht sportlich untätig war, merkte ich bald, dass sich ein unerträglicher Muskelkater in meinem Körper breit machte. Ich kann leider gar nicht sagen, dass sich dies auf meine Beine beschränkte....es tat einfach ALLES weh! Der nette Finne, den Risto mitgebracht hatte, meinte irgendwann, ich sollte aufhören, zu jaulen wie eine Katze – es gäbe nur ein Mittel dagegen: eine echte finnische Massage! Nach kurzen Bedenken, ob ich mich vertrauensvoll in die Hände dieses fremden Mannes begeben sollte, willigte ich ein. Um es kurz zu machen: Mit diesen Händen kann der Mann auch Bäume fällen – mein Rückgrat war auf jeden Fall kurz vor dem Brechen, die Muskeln wurden bis an die äußerste Belastungsgrenze geknetet und gedehnt. Die halbe Stunde Massage war die reine Hölle – und danach war ich absolut schmerzfrei! Es war einfach unglaublich! Ich lief wie auf Wolken und die Ausführung der Techniken gelang mir wohl noch nie so locker und unverkrampft.
Den krönenden Abschluss dieses 3-Tages-Lehrgangs, bei dem ich mich besser erholt habe als ich es durch einen dreiwöchigen Strandurlaub jemals könnte, bildete das Essen beim Thailänder am Montag-Mittag. Hier waren wir nur noch eine sehr kleine Gesellschaft und es kamen sehr nette Gespräche zustande. Schnell wurden noch ein paar Handy-Nummern und Mail-Adressen ausgetauscht, damit man auch zukünftig Kontakte knüpfen kann. Ich jedenfalls bin mir ganz sicher: Das war nicht mein letzter Besuch in Berlin-Marzahn! Nächstes Jahr werde ich allerdings einen Tag mehr Urlaub nehmen, damit ich auch etwas mehr von Berlin sehen kann!
Oss, Icky
Dienstag, 27. März 2007
Lehrgang mit Bundestrainer Hideo Ochi 2006
Wenn die Mami mit dem Sohne
einen Lehrgang mit Sensei Ochi besucht
Fotos unter "Foto-Galerie"
Dieser Lehrgang wird für mich wohl immer ganz besonders in Erinnerung bleiben.
Zum ersten Mal nahm ich meinen 10-jährigen Sohn Felix mit! Felix geht seit knapp einem Jahr einmal wöchentlich zu Jörg Gantert ins Kindertraining.
Ich bin mir aber bewusst, dass der Impuls für ihn, zum Training zu gehen, eher durch mich ausgelöst wird, da ich die erzieherische Komponente sehr schätze (Konzentrations-förderung, Struktur im Training, Disziplin, aber auch Schulung der Beweglichkeit usw.). Als nun der Lehrgang mit unserem Bundestrainer hier in Münster anstand, dachte ich, vielleicht kann Felix meine Begeisterung für Karate nachempfinden, wenn er mal an einer oder zwei Trainingseinheiten teilnimmt.
Denn, mal ehrlich:
Wer regelmäßig an Lehrgängen teilnimmt, ist es gewohnt, mit bis zu 200 Leuten in der Halle zu trainieren, aber für Neulinge oder Karate-Fremde muss allein dies schon ein beeindruckender Anblick sein. Und wenn man selber Bestandteil dieser "Weiß-Kittel-Masse" ist, motiviert das ungemein, alles zu geben.
Felix wollte gerne mitkommen, zumal die erste Einheit ja am Freitag um 20 Uhr stattfand, zu einer Uhrzeit also, zu der er normaler Weise nicht mehr aus dem Haus darf. Seine Sorge aber: "Sind da auch andere Kinder?" Na klar, versicherte ich ihm. Und tatsächlich waren da einige Kinder und sogar drei Weißgurt-Jungs in etwa seinem Alter.
Vor dem Training schnupperte er erst mal die Hallenatmos-phäre ein. Als es dann zum Aufstellen ging, musste er natürlich erst noch mal Pipi!
Naja, da es erfahrungsgemäß lange dauerte, bis alle so aufgestellt waren, wie es Herrn Ochi recht war, machte die Pipi-Pause auch nichts aus und Felix hatte sogar einen Platz in der ersten Reihe.
Durch die Aufstellung wurden wir natürlich getrennt, da ich ganz rechts und er ganz links stehen musste. Oh je, wie sollte ich so im Blick haben, ob es ihm gut geht? Ob er Spaß hat? Ob er "ordentlich mitmacht"! Da hieß es schon für mich: Loslassen! Aber ich war wohl doch leider die meiste Zeit der ersten Trainingseinheit mit den Gedanken bei meinem Sohn, statt beim Trainingsgeschehen.
Das Aufwärmtraining wurde von Erwin Querl gegeben. Schade, dachte ich, dass Felix gar nicht weiß, wer das ist! Dass er sich nicht bewusst ist, einen total engagierten Karate-Veteranen vor sich zu haben!
Während des Trainings fiel mir auf, dass Herr Ochi uns alle dieselben Übungen machen ließ. Die kleinen "Weißgurtstöpsel" hatten die gleichen kniffeligen Trainingsaufgaben zu lösen wie die alten, erfahrenen Karateka! Ich selbst hatte an der Ausführung der Trainingsbefehle streckenweise ganz schön zu knacken. Wie sollte es da nur meinem Sohn ergehen? Wenn ich mal einen verstohlenen Blick in seine Richtung warf, sah ich ihn aber meistens bemüht, mitzumachen. Zumindest war er nicht verzweifelt oder gelangweilt, sondern allenfalls "gelassen". Herr Ochi hat zudem auch eine so herzliche und freundliche Art besonders auch mit den Kindern umzugehen, dass alle gerne bei und von ihm lernen.
Zum Schluss der Einheit verließ meinen Sohn dann doch ein wenig die Konzentration und er schaltete etwas ab. Aber das sei ihm gegönnt. Schließlich trainiert er sonst nie länger als eine Stunde, jetzt waren es aber 90 Minuten und das noch zu fortgeschrittener Stunde! Glücklicher Weise gab es eine kurze Pause kurz vor Schluss. Als besorgte Mami lief ich sofort in Felix´ Trainings-bereich, konnte ihn aber nicht finden. Kurz darauf kam er aus dem Kabinenbereich mit einem pitschnassen Kopf und auch leicht benässtem Gi. Er hatte wohl so geschwitzt, dass er sich erst mal abkühlen musste! Na, wenn das kein Zeichen dafür ist, dass er alles gegeben hat!! Zu meiner Enttäuschung schien er mich aber auch gar nicht vermisst zu haben. Es schien ihm eher "uncool", dass "Mutti" ihn da nervte vor seinen neuen Freunden….
Am Samstag hatte Felix eigentlich vor, nachmittags mit seinem Vater Trial zu fahren. Das ist Felix´ eigentliche Leidenschaft: Motorsport.
Durch einen Motorsportverein in Kinderhaus hat er seit einem Jahr die Möglichkeit, im Sommer regelmäßig selber zu fahren. Da gibt’s keine Kindermotorräder, sondern richtige Trial-Maschinen, also spezielle Motorräder ohne Sitzbank, mit denen ein Hindernisparcours absolviert werden muss. Kein Wunder, dass Felix sich schon seit Wochen auf das erste Training dieses Jahres freute. Ich hatte befürchtet, ihn deshalb nicht an der Teilnahme zum Karatelehrgang bewegen zu können. Ein gutes Argument hatte ich aber seit Freitag-abend in der Tasche: Unsere Trainingskarten, pro Stück für teure 20 Euro erkauft!
Gibt’s denn keinen Schüler-Nachlass???? Beim Chief-Instructor vermutlich nicht….seufz….
Es war jedenfalls kein Thema: Felix wollte Samstagvormittag mit zum Karate. Und weil es alles so neu und aufregend war, kam seine Oma auch gleich mit, sie allerdings nur zum Zuschauen…Da mir klar war, dass auch ich an diesem Nachmittag nicht die zweite Einheit besuchen würde, machte ich kurzer Hand in der Unterstufen-Einheit mit und plante, dann anschließend noch bei der Oberstufe mitzumachen. Diese Entscheidung sollte ich allerdings mehr als einmal bereuen.
Puh war das anstrengend!
Zwar versuchte ich, mich zu Beginn der Unterstufen-Einheit ein wenig im Bad der Trainingsmenge zu verstecken, denn eigentlich gehörte ich hier ja nicht hin. Aber ich fiel doch auf und wurde von Herrn Ochi heraus gebeten, um das Aufwärmtrai-ning zu übernehmen. Also durfte ich zum ersten Mal meinen Sohn trainieren!!! Er hat auch gut mit gemacht.
Auch nachdem ich das Trainings-Zepter wieder an Herrn Ochi übergeben hatte, gab sich Felix alle Mühe. Er war hinterher ganz begeistert und nahm sich vor, seinem Sensei Jörg bei der nächsten Trainingseinheit zu berichten, dass er bei dem Lehrgang für die Großen dabei war! Demnächst wollen wir öfter auf Lehrgänge fahren, vielleicht auch mal außerhalb mit einer Übernachtung in einem Dojo!
einen Lehrgang mit Sensei Ochi besucht
Fotos unter "Foto-Galerie"
Dieser Lehrgang wird für mich wohl immer ganz besonders in Erinnerung bleiben.
Zum ersten Mal nahm ich meinen 10-jährigen Sohn Felix mit! Felix geht seit knapp einem Jahr einmal wöchentlich zu Jörg Gantert ins Kindertraining.
Ich bin mir aber bewusst, dass der Impuls für ihn, zum Training zu gehen, eher durch mich ausgelöst wird, da ich die erzieherische Komponente sehr schätze (Konzentrations-förderung, Struktur im Training, Disziplin, aber auch Schulung der Beweglichkeit usw.). Als nun der Lehrgang mit unserem Bundestrainer hier in Münster anstand, dachte ich, vielleicht kann Felix meine Begeisterung für Karate nachempfinden, wenn er mal an einer oder zwei Trainingseinheiten teilnimmt.
Denn, mal ehrlich:
Wer regelmäßig an Lehrgängen teilnimmt, ist es gewohnt, mit bis zu 200 Leuten in der Halle zu trainieren, aber für Neulinge oder Karate-Fremde muss allein dies schon ein beeindruckender Anblick sein. Und wenn man selber Bestandteil dieser "Weiß-Kittel-Masse" ist, motiviert das ungemein, alles zu geben.
Felix wollte gerne mitkommen, zumal die erste Einheit ja am Freitag um 20 Uhr stattfand, zu einer Uhrzeit also, zu der er normaler Weise nicht mehr aus dem Haus darf. Seine Sorge aber: "Sind da auch andere Kinder?" Na klar, versicherte ich ihm. Und tatsächlich waren da einige Kinder und sogar drei Weißgurt-Jungs in etwa seinem Alter.
Vor dem Training schnupperte er erst mal die Hallenatmos-phäre ein. Als es dann zum Aufstellen ging, musste er natürlich erst noch mal Pipi!
Naja, da es erfahrungsgemäß lange dauerte, bis alle so aufgestellt waren, wie es Herrn Ochi recht war, machte die Pipi-Pause auch nichts aus und Felix hatte sogar einen Platz in der ersten Reihe.
Durch die Aufstellung wurden wir natürlich getrennt, da ich ganz rechts und er ganz links stehen musste. Oh je, wie sollte ich so im Blick haben, ob es ihm gut geht? Ob er Spaß hat? Ob er "ordentlich mitmacht"! Da hieß es schon für mich: Loslassen! Aber ich war wohl doch leider die meiste Zeit der ersten Trainingseinheit mit den Gedanken bei meinem Sohn, statt beim Trainingsgeschehen.
Das Aufwärmtraining wurde von Erwin Querl gegeben. Schade, dachte ich, dass Felix gar nicht weiß, wer das ist! Dass er sich nicht bewusst ist, einen total engagierten Karate-Veteranen vor sich zu haben!
Während des Trainings fiel mir auf, dass Herr Ochi uns alle dieselben Übungen machen ließ. Die kleinen "Weißgurtstöpsel" hatten die gleichen kniffeligen Trainingsaufgaben zu lösen wie die alten, erfahrenen Karateka! Ich selbst hatte an der Ausführung der Trainingsbefehle streckenweise ganz schön zu knacken. Wie sollte es da nur meinem Sohn ergehen? Wenn ich mal einen verstohlenen Blick in seine Richtung warf, sah ich ihn aber meistens bemüht, mitzumachen. Zumindest war er nicht verzweifelt oder gelangweilt, sondern allenfalls "gelassen". Herr Ochi hat zudem auch eine so herzliche und freundliche Art besonders auch mit den Kindern umzugehen, dass alle gerne bei und von ihm lernen.
Zum Schluss der Einheit verließ meinen Sohn dann doch ein wenig die Konzentration und er schaltete etwas ab. Aber das sei ihm gegönnt. Schließlich trainiert er sonst nie länger als eine Stunde, jetzt waren es aber 90 Minuten und das noch zu fortgeschrittener Stunde! Glücklicher Weise gab es eine kurze Pause kurz vor Schluss. Als besorgte Mami lief ich sofort in Felix´ Trainings-bereich, konnte ihn aber nicht finden. Kurz darauf kam er aus dem Kabinenbereich mit einem pitschnassen Kopf und auch leicht benässtem Gi. Er hatte wohl so geschwitzt, dass er sich erst mal abkühlen musste! Na, wenn das kein Zeichen dafür ist, dass er alles gegeben hat!! Zu meiner Enttäuschung schien er mich aber auch gar nicht vermisst zu haben. Es schien ihm eher "uncool", dass "Mutti" ihn da nervte vor seinen neuen Freunden….
Am Samstag hatte Felix eigentlich vor, nachmittags mit seinem Vater Trial zu fahren. Das ist Felix´ eigentliche Leidenschaft: Motorsport.
Durch einen Motorsportverein in Kinderhaus hat er seit einem Jahr die Möglichkeit, im Sommer regelmäßig selber zu fahren. Da gibt’s keine Kindermotorräder, sondern richtige Trial-Maschinen, also spezielle Motorräder ohne Sitzbank, mit denen ein Hindernisparcours absolviert werden muss. Kein Wunder, dass Felix sich schon seit Wochen auf das erste Training dieses Jahres freute. Ich hatte befürchtet, ihn deshalb nicht an der Teilnahme zum Karatelehrgang bewegen zu können. Ein gutes Argument hatte ich aber seit Freitag-abend in der Tasche: Unsere Trainingskarten, pro Stück für teure 20 Euro erkauft!
Gibt’s denn keinen Schüler-Nachlass???? Beim Chief-Instructor vermutlich nicht….seufz….
Es war jedenfalls kein Thema: Felix wollte Samstagvormittag mit zum Karate. Und weil es alles so neu und aufregend war, kam seine Oma auch gleich mit, sie allerdings nur zum Zuschauen…Da mir klar war, dass auch ich an diesem Nachmittag nicht die zweite Einheit besuchen würde, machte ich kurzer Hand in der Unterstufen-Einheit mit und plante, dann anschließend noch bei der Oberstufe mitzumachen. Diese Entscheidung sollte ich allerdings mehr als einmal bereuen.
Puh war das anstrengend!
Zwar versuchte ich, mich zu Beginn der Unterstufen-Einheit ein wenig im Bad der Trainingsmenge zu verstecken, denn eigentlich gehörte ich hier ja nicht hin. Aber ich fiel doch auf und wurde von Herrn Ochi heraus gebeten, um das Aufwärmtrai-ning zu übernehmen. Also durfte ich zum ersten Mal meinen Sohn trainieren!!! Er hat auch gut mit gemacht.
Auch nachdem ich das Trainings-Zepter wieder an Herrn Ochi übergeben hatte, gab sich Felix alle Mühe. Er war hinterher ganz begeistert und nahm sich vor, seinem Sensei Jörg bei der nächsten Trainingseinheit zu berichten, dass er bei dem Lehrgang für die Großen dabei war! Demnächst wollen wir öfter auf Lehrgänge fahren, vielleicht auch mal außerhalb mit einer Übernachtung in einem Dojo!
Montag, 26. März 2007
Lehrgang mit Risto Kiiskilä in Heinola 2005
Karate, Sauna und ein leises Brummen
Mein erster Finnland-Lehrgang! Neben dem kritischen Auge von Risto fürchtete ich am meisten eines: Die Mückenplage! Alle, die ich zum Thema Finnland und Mücken befragt hatte, hatten gewarnt: Die Anti-Mücken-Mittel, die es hier in Deutschland zu kaufen gibt, die kannste vergessen, da kommt die finnische Mücke erst recht und freut sich über das leckere Aroma! Also immer lange Kleidung und unbedingt Moskitonetz übers Bett! Ich stellte mir das schon toll vor: So im Gi mit Imkermütze zu trainieren….Besorgt fragte meine Reisegefährtin Silke daher im Vorfeld Risto per Mail noch einmal nach eventuellen Vorsorgemaßnahmen. Seine Antwort:“ Sauna, Bier und ein leises Summen, das gehört zum finnischen Sommer einfach dazu.“ Also hab ich mir ein sehr, sehr teures Moskitonetz und hardcore Autan gekauft und gehofft, nicht allzu sehr zu leiden. Das Ende vom Lied war: Ohne das Mückennetz und das Autan auch nur ausgepackt zu haben wurde ich von keiner einzigen Mücke in Finnland gestochen….erst in der ersten Nacht zu Hause im eigenen Bett wieder! Mit dem Summen war es also nichts…statt dessen hatten wir ein ähnliches Geräusch permanent um uns herum: Die nette finnische Kleinstadt Heinola, ca. 200 km nördlich von Helsinki gelegen, liegt direkt an einem See, über den an einer Stelle eine architektonisch sehr reizvolle Autobahnbrücke führt. Diese Stelle befindet sich unmittelbar an „unserem“ Campingplatz, so dass wir Tag und Nacht nicht nur optisch etwas davon hatten, sondern eben auch akustisch, nämlich permanent ein leises Brummen der Motoren. Aber wie wir uns auch an eventuelle Mücken gewöhnt hätten, war auch die Brücke nach kurzer Zeit ein guter alter Bekannter.
Als Silke und ich am Sonntagabend am Campingplatz ankamen, war weit und breit kein bekanntes Gesicht und kein Karate-Gi zu sehen. Zunächst richteten wir uns daher in dem sehr gemütlichen Blockhaus ein. Wir waren absolut angetan von dem Ambiente und froh, dass
wir uns nicht für die einfache Holzhütte entschieden hatten. Nach und nach trudelten dann einige bekannte Gesichter ein und der erste Abend verlief eher beschaulich und voller banger Erwartung auf das Training. Eine ganze Woche Risto hatte ich bisher auch noch nicht erlebt. Und wie gut sind die Finnen? Werde ich mich blamieren? Gibt’s überhaupt außer Silke und mir noch Frauen bei diesem Lehrgang? Die Trainingszeiten wurden uns dann bald, notiert auf einer Kaffee-Filtertüte, präsentiert. Morgens 10.30 Uhr und nachmittags 16.00 Uhr. Na, das war ja direkt human.
Am nächsten Morgen traf man sich dann auf einer Wiese des Campingplatzes. Mit der Etikette schien man es nicht so genau zu nehmen: Fast alle trugen Gi-Hose, T-Shirt und Gürtel. Am zweiten Morgen ging ich auch zu dieser Kleiderordnung über. Es war im Sonnenschein ganz schön warm – auch in Finnland! Morgens stand hauptsächlich Kata auf dem Trainingsprogramm. Wir lernten die Tekki Sandan und übten auch viel Tekki Shodan. Leider fragte Risto mich bereits nach einer Weile: „Wenn eine Kata mit Uchi Uke anfängt, warum beginnst du sie mit Unsinn?“ Aufgefrischt wurden auch unsere Kenntnisse zur Hangets, die wir unzählige Male laufen durften, bis das Ergebnis akzeptabel war. Besonders schwierig für die meisten von uns: Die Ausholbewegung bei der Wendung nach dem Age Uke. Risto führte sie zig Mal vor, aber leider bekam ich sie nur selten ohne zu stocken oder zu wackeln hin.
Am letzten Trainingstag wurde uns allen quasi auf die Schnelle noch eben die Wankan näher gebracht. Von der Tekki Sandan schmerzten mir im Laufe der Woche zunehmend die Arme, der Ablauf saß aber schließlich und es gelang auch –oh Wunder- Ausdruck und Power in diese Kata zu bringen. Kein Wunder: Risto ließ uns zwischendurch immer wieder eigenständig in Gruppen üben und jede Gruppe musste „ihre“ Kata nach ca. 10 Minuten „vormachen“. Diejenigen, bei denen die Kata noch nicht saß, durften dann „Hausaufgaben“ oder „Überstunden“ machen.
Bis auf einen Vormittag konnten wir immer auf der Wiese trainieren. Da es am Mittwoch regnete, wichen wir an diesem Vormittag in die Halle aus. Freitag gab es zusätzlich und unbeabsichtigt für einige Teilnehmer ein extra „Aufwärmtraining“: Offensichtlich wurde die Anzahl der Übernachtungen nicht von allen Teilnehmern richtig verstanden. So hieß es um 10.00 Uhr: Alle müssen noch vor dem Training die Sachen gepackt und die Hütten besenrein haben. Glücklicher Weise konnten Silke und ich den Aufenthalt für eine Nacht verlängern, so konnten wir entspannt zur Wiese gehen und ohne Stress das Training beginnen. Für die Verlängerungsnacht wollte die nette Dame am Empfang allerdings schlappe 100 € haben. Es fand schließlich grade die Karaoke-WM (nicht zu verwechseln mit Karate-WM!!) in Heinola statt und so waren Betten knapp! Risto konnte den Preis für uns auf 80 € runterhandeln. Alternativ wurde uns von einem netten Finnen, einem Bekannten von Risto, angeboten, die Nacht bei ihm zu verbringen. Hierzu hätten wir allerdings auch schnell alles packen müssen. So nahmen wir dieses sehr gastfreundliche Angebot (der Herr kannte uns ja gar nicht!) dankend zur Kenntnis, lehnten es aber letztlich ab.
Nach dem „Früh“-Training ging es meistens direkt ab in den See zum Abkühlen und dann relaxten wir in der warmen Sonne. Doch lange hielt die Lethargie nicht an: Ruck zuck war es dann plötzlich wieder Zeit zum Nachmittagstraining. In der mit Tatamis ausgelegten „Jäähalli“ (auf finnisch: Halle) folgte dann ausgiebiges Khion- und Kumitetraining. Wir sollten einige Grundschulbahnen mit Mae-Geri-Kombinationen laufen. Ein anderes Mal ließ uns Risto wie Kängurus durch die Halle hüpfen oder scheuchte uns mit Kokotsu-Dachis hin und her. Es war streckenweise wirklich schon eine echte konditionelle Herausforderung! Die Gis waren ruckzuck schweißdurchtränkt und Thomas aus Gladbeck hatte schon vom vielen Schwitzen ganz schrumpelige Finger – wie sonst nur nach ausgiebigem Wannenbad! Wie immer legte Risto viel Wert auf die Schwerpunkt-Verlagerung und auf den korrekten Hüfteinsatz. Mindestens 1000 mal standen wir im Zenkutsu-Dachi und übten „Hüfte raus, Hüfte rein“ oder „Hüfte vor und zurück“. Zudem wurde die richtige Beatmung der Techniken mit lautstarkem Ha-Ha und U-We von uns verlangt. An meinen Karatekenntnissen begann ich bald zu zweifeln: Warum musste immer nur ICH Falsches vormachen? Es schien, als würde ständig nur ICH nach vorne gebeten! Manchmal wurde ich auch an meinem Platz korrigiert. Leider verstand ich häufig nur „Bahnhof“…. Warum spricht der Mann mit mir finnisch???? Meinem finnischen Nachbarn erging es nicht besser, nur war es dort umgekehrt – er wurde auf deutsch angesprochen! Apropos Finnisch: Warum sind die Finnen so schweigsam? Ganz klar, es liegt an der Sprache! Also, ich halte mich für durchschnittlich sprachbegabt … jedenfalls hab ich mit Englisch und meist auch Französisch keine Probleme. In den meisten Urlaubsländern hab ich schnell die eine oder andere Redewendung in Landessprache raus und kann in dieser wenigstens von 1-10 zählen. Aber in Finnland: No Chance! Mehr als Kippis (Prost!) und Kiitos (Danke!) war kaum drin. Ach, ein Schimpfwort konnte ich mir merken…das ließ ich dann manchmal, wenn die Anstrengung zu groß war, während des Trainings dezent durch meine Lippen zischen und erntete ein verständnisvolles Grinsen von meinen Trainingspartnern. Tatsache ist: Wer Finnisch lernen kann, der kann alles lernen!
Donnerstag Nachmittag war Risto verhindert. So kamen wir anderen in den Genuss, bei Kimmo trainieren zu dürfen. Er ist Mitglied des finnischen Nationalkaders und….sagen wir mal: sehr nett anzuschauen….dies motiviert natürlich ungemein und ich hätte gerne alles gegeben, um ein gutes Training zu absolvieren. Leider hatten wir in der Nacht vorher bis um halb drei gefeiert und nicht nur Wasser getrunken….zudem war das Training hammerhart. Ich finde das immer so niedlich, wenn Jogger mit ihren Pulsmessern rumlaufen….immer schön im aeroben Bereich bleiben oder so…also bei mir wäre in diesem Training der Pulsmesser geplatzt! Kimmos Aufforderung dazwischen: „Relax“ war wohl nicht ganz wörtlich zu nehmen, denn kaum hatte er dies ausgesprochen, hieß es schon wieder „Heian Godan“ oder so. Zudem war die Einheit gespickt mit Krafttraining, z. B. in Form von Mawashis im Sitzen! Wie kann ein Mann, der so nett ausschaut, nur so gnadenlos sein? Nach diesem Training wusste ich die finnische Sauna noch mehr zu schätzen als an den anderen Abenden! Ich war einfach nur platt! An diesem Abend gabs für mich kein Kippis!
Wo ich grad beim Thema Sauna bin: Auch die diesjährige Sauna-WM findet in Heinola statt! Da waren wir ja geradezu an der Quelle des Sauna-Glücks! Natürlich gibt es auch auf dem Campingplatz einige Sauna-Häuschen. Man kann sie gegen Gebühr stundenweise mieten. Gleich zu Beginn machte uns Risto mit einigen für uns ungewohnten finnischen Saunagepflogenheiten vertraut: Normalerweise gehen Männlein und Weiblein dort getrennt schwitzen! Es wird alle 30 Sekunden ein Aufguss gemacht, der ist dann aber ohne Aroma. Es darf auf keinen Fall die Tür geöffnet werden. Wer vor Ablauf einer viertel Stunde die Kabine verlässt, verliert sein Gesicht! Das Handtuchwedeln, wie es in deutschen Saunen üblich ist, um die Hitze in der Kabine zu verteilen, ist absolut verpönt. Flüssigkeitszufuhr ist extrem wichtig! Deshalb wird auch in der Sauna getrunken…und zwar Bier oder Cidre aus Dosen! Da war ich ja platt und hab zunächst gar nicht versucht, mich diesem Brauch anzupassen. Erst am Mittwoch hab ich es gewagt…und fand das Saunieren auf diese Art extrem lustig! Das war dann auch der Einstieg in einen langen Abend mit reichlich Kippis!
An jenem Abend war es auch, als beim Pokerspiel bewiesen wurde, dass es doch noch echte Männerdomänen gibt: Es wurde von einigen harten deutschen und finnischen Kerlen (leider) kein Stipp-Poker, sondern Hit-Poker gespielt. Der Verlierer wurde von den anderen Mitspielern reihum etliche Male in den Bauch geboxt. Einer von den finnischen Jungs ließ sich den ganzen Abend anschließend noch mal durch den Kopf gehen…und spielte dann weiter. Das war schon ganz schön verrückt!
Noch einmal sollten wir in den Genuss von Kimmos Training kommen, nämlich nach Ristos Abreise am Freitag. Obgleich der Lehrgang offiziell beendet war, waren wir, die noch nicht abgereist waren, „herzlich“ eingeladen, an dem Training teilzunehmen. Klaus aus Gladbeck und ich waren dann tatsächlich die einzigen nicht finnischen Gäste. Dennoch war Kimmo so freundlich, das Training auf Englisch abzuhalten. Allerdings schien er immer noch nicht die Bedeutung des Begriffes „Relax“ verstanden zu haben….es gab kein Relaxen!
Neben den schon erwähnten Sitz-Mawashis wurde uns nun der Shotokan-Ripaska beigebracht: Wir sollten in die Hocke gehen, von der Hocke in einen tiefen Zenkutsu-Dachi springen, wieder in die Hocke, wieder Zenkutsu, anderes Bein vor. Dann wieder Hocke und
schließlich in einen tiefen Kiba-Dachi…..dann wieder von vorne! Erst mal zum Üben schöööön langsam…und dann: hopp, hopp, hopp…..und immer lächeln…..! Auaaaa!
Abends gabs dann noch ein Abschluss-Grillen im kleinen Kreis. Die meisten waren ja schon abgereist. Wehmütig und auch ein wenig stolz ließen wir hier bei einem letzten Bier die vergangene Woche noch einmal Revue passieren. Und wir waren uns einig: Es war super, wir hatten alle viel für unser Karate dazugelernt und neue Impulse erhalten….und: Nächstes Jahr wieder!
Oss, Icky
Mein erster Finnland-Lehrgang! Neben dem kritischen Auge von Risto fürchtete ich am meisten eines: Die Mückenplage! Alle, die ich zum Thema Finnland und Mücken befragt hatte, hatten gewarnt: Die Anti-Mücken-Mittel, die es hier in Deutschland zu kaufen gibt, die kannste vergessen, da kommt die finnische Mücke erst recht und freut sich über das leckere Aroma! Also immer lange Kleidung und unbedingt Moskitonetz übers Bett! Ich stellte mir das schon toll vor: So im Gi mit Imkermütze zu trainieren….Besorgt fragte meine Reisegefährtin Silke daher im Vorfeld Risto per Mail noch einmal nach eventuellen Vorsorgemaßnahmen. Seine Antwort:“ Sauna, Bier und ein leises Summen, das gehört zum finnischen Sommer einfach dazu.“ Also hab ich mir ein sehr, sehr teures Moskitonetz und hardcore Autan gekauft und gehofft, nicht allzu sehr zu leiden. Das Ende vom Lied war: Ohne das Mückennetz und das Autan auch nur ausgepackt zu haben wurde ich von keiner einzigen Mücke in Finnland gestochen….erst in der ersten Nacht zu Hause im eigenen Bett wieder! Mit dem Summen war es also nichts…statt dessen hatten wir ein ähnliches Geräusch permanent um uns herum: Die nette finnische Kleinstadt Heinola, ca. 200 km nördlich von Helsinki gelegen, liegt direkt an einem See, über den an einer Stelle eine architektonisch sehr reizvolle Autobahnbrücke führt. Diese Stelle befindet sich unmittelbar an „unserem“ Campingplatz, so dass wir Tag und Nacht nicht nur optisch etwas davon hatten, sondern eben auch akustisch, nämlich permanent ein leises Brummen der Motoren. Aber wie wir uns auch an eventuelle Mücken gewöhnt hätten, war auch die Brücke nach kurzer Zeit ein guter alter Bekannter.
Als Silke und ich am Sonntagabend am Campingplatz ankamen, war weit und breit kein bekanntes Gesicht und kein Karate-Gi zu sehen. Zunächst richteten wir uns daher in dem sehr gemütlichen Blockhaus ein. Wir waren absolut angetan von dem Ambiente und froh, dass
wir uns nicht für die einfache Holzhütte entschieden hatten. Nach und nach trudelten dann einige bekannte Gesichter ein und der erste Abend verlief eher beschaulich und voller banger Erwartung auf das Training. Eine ganze Woche Risto hatte ich bisher auch noch nicht erlebt. Und wie gut sind die Finnen? Werde ich mich blamieren? Gibt’s überhaupt außer Silke und mir noch Frauen bei diesem Lehrgang? Die Trainingszeiten wurden uns dann bald, notiert auf einer Kaffee-Filtertüte, präsentiert. Morgens 10.30 Uhr und nachmittags 16.00 Uhr. Na, das war ja direkt human.
Am nächsten Morgen traf man sich dann auf einer Wiese des Campingplatzes. Mit der Etikette schien man es nicht so genau zu nehmen: Fast alle trugen Gi-Hose, T-Shirt und Gürtel. Am zweiten Morgen ging ich auch zu dieser Kleiderordnung über. Es war im Sonnenschein ganz schön warm – auch in Finnland! Morgens stand hauptsächlich Kata auf dem Trainingsprogramm. Wir lernten die Tekki Sandan und übten auch viel Tekki Shodan. Leider fragte Risto mich bereits nach einer Weile: „Wenn eine Kata mit Uchi Uke anfängt, warum beginnst du sie mit Unsinn?“ Aufgefrischt wurden auch unsere Kenntnisse zur Hangets, die wir unzählige Male laufen durften, bis das Ergebnis akzeptabel war. Besonders schwierig für die meisten von uns: Die Ausholbewegung bei der Wendung nach dem Age Uke. Risto führte sie zig Mal vor, aber leider bekam ich sie nur selten ohne zu stocken oder zu wackeln hin.
Am letzten Trainingstag wurde uns allen quasi auf die Schnelle noch eben die Wankan näher gebracht. Von der Tekki Sandan schmerzten mir im Laufe der Woche zunehmend die Arme, der Ablauf saß aber schließlich und es gelang auch –oh Wunder- Ausdruck und Power in diese Kata zu bringen. Kein Wunder: Risto ließ uns zwischendurch immer wieder eigenständig in Gruppen üben und jede Gruppe musste „ihre“ Kata nach ca. 10 Minuten „vormachen“. Diejenigen, bei denen die Kata noch nicht saß, durften dann „Hausaufgaben“ oder „Überstunden“ machen.
Bis auf einen Vormittag konnten wir immer auf der Wiese trainieren. Da es am Mittwoch regnete, wichen wir an diesem Vormittag in die Halle aus. Freitag gab es zusätzlich und unbeabsichtigt für einige Teilnehmer ein extra „Aufwärmtraining“: Offensichtlich wurde die Anzahl der Übernachtungen nicht von allen Teilnehmern richtig verstanden. So hieß es um 10.00 Uhr: Alle müssen noch vor dem Training die Sachen gepackt und die Hütten besenrein haben. Glücklicher Weise konnten Silke und ich den Aufenthalt für eine Nacht verlängern, so konnten wir entspannt zur Wiese gehen und ohne Stress das Training beginnen. Für die Verlängerungsnacht wollte die nette Dame am Empfang allerdings schlappe 100 € haben. Es fand schließlich grade die Karaoke-WM (nicht zu verwechseln mit Karate-WM!!) in Heinola statt und so waren Betten knapp! Risto konnte den Preis für uns auf 80 € runterhandeln. Alternativ wurde uns von einem netten Finnen, einem Bekannten von Risto, angeboten, die Nacht bei ihm zu verbringen. Hierzu hätten wir allerdings auch schnell alles packen müssen. So nahmen wir dieses sehr gastfreundliche Angebot (der Herr kannte uns ja gar nicht!) dankend zur Kenntnis, lehnten es aber letztlich ab.
Nach dem „Früh“-Training ging es meistens direkt ab in den See zum Abkühlen und dann relaxten wir in der warmen Sonne. Doch lange hielt die Lethargie nicht an: Ruck zuck war es dann plötzlich wieder Zeit zum Nachmittagstraining. In der mit Tatamis ausgelegten „Jäähalli“ (auf finnisch: Halle) folgte dann ausgiebiges Khion- und Kumitetraining. Wir sollten einige Grundschulbahnen mit Mae-Geri-Kombinationen laufen. Ein anderes Mal ließ uns Risto wie Kängurus durch die Halle hüpfen oder scheuchte uns mit Kokotsu-Dachis hin und her. Es war streckenweise wirklich schon eine echte konditionelle Herausforderung! Die Gis waren ruckzuck schweißdurchtränkt und Thomas aus Gladbeck hatte schon vom vielen Schwitzen ganz schrumpelige Finger – wie sonst nur nach ausgiebigem Wannenbad! Wie immer legte Risto viel Wert auf die Schwerpunkt-Verlagerung und auf den korrekten Hüfteinsatz. Mindestens 1000 mal standen wir im Zenkutsu-Dachi und übten „Hüfte raus, Hüfte rein“ oder „Hüfte vor und zurück“. Zudem wurde die richtige Beatmung der Techniken mit lautstarkem Ha-Ha und U-We von uns verlangt. An meinen Karatekenntnissen begann ich bald zu zweifeln: Warum musste immer nur ICH Falsches vormachen? Es schien, als würde ständig nur ICH nach vorne gebeten! Manchmal wurde ich auch an meinem Platz korrigiert. Leider verstand ich häufig nur „Bahnhof“…. Warum spricht der Mann mit mir finnisch???? Meinem finnischen Nachbarn erging es nicht besser, nur war es dort umgekehrt – er wurde auf deutsch angesprochen! Apropos Finnisch: Warum sind die Finnen so schweigsam? Ganz klar, es liegt an der Sprache! Also, ich halte mich für durchschnittlich sprachbegabt … jedenfalls hab ich mit Englisch und meist auch Französisch keine Probleme. In den meisten Urlaubsländern hab ich schnell die eine oder andere Redewendung in Landessprache raus und kann in dieser wenigstens von 1-10 zählen. Aber in Finnland: No Chance! Mehr als Kippis (Prost!) und Kiitos (Danke!) war kaum drin. Ach, ein Schimpfwort konnte ich mir merken…das ließ ich dann manchmal, wenn die Anstrengung zu groß war, während des Trainings dezent durch meine Lippen zischen und erntete ein verständnisvolles Grinsen von meinen Trainingspartnern. Tatsache ist: Wer Finnisch lernen kann, der kann alles lernen!
Donnerstag Nachmittag war Risto verhindert. So kamen wir anderen in den Genuss, bei Kimmo trainieren zu dürfen. Er ist Mitglied des finnischen Nationalkaders und….sagen wir mal: sehr nett anzuschauen….dies motiviert natürlich ungemein und ich hätte gerne alles gegeben, um ein gutes Training zu absolvieren. Leider hatten wir in der Nacht vorher bis um halb drei gefeiert und nicht nur Wasser getrunken….zudem war das Training hammerhart. Ich finde das immer so niedlich, wenn Jogger mit ihren Pulsmessern rumlaufen….immer schön im aeroben Bereich bleiben oder so…also bei mir wäre in diesem Training der Pulsmesser geplatzt! Kimmos Aufforderung dazwischen: „Relax“ war wohl nicht ganz wörtlich zu nehmen, denn kaum hatte er dies ausgesprochen, hieß es schon wieder „Heian Godan“ oder so. Zudem war die Einheit gespickt mit Krafttraining, z. B. in Form von Mawashis im Sitzen! Wie kann ein Mann, der so nett ausschaut, nur so gnadenlos sein? Nach diesem Training wusste ich die finnische Sauna noch mehr zu schätzen als an den anderen Abenden! Ich war einfach nur platt! An diesem Abend gabs für mich kein Kippis!
Wo ich grad beim Thema Sauna bin: Auch die diesjährige Sauna-WM findet in Heinola statt! Da waren wir ja geradezu an der Quelle des Sauna-Glücks! Natürlich gibt es auch auf dem Campingplatz einige Sauna-Häuschen. Man kann sie gegen Gebühr stundenweise mieten. Gleich zu Beginn machte uns Risto mit einigen für uns ungewohnten finnischen Saunagepflogenheiten vertraut: Normalerweise gehen Männlein und Weiblein dort getrennt schwitzen! Es wird alle 30 Sekunden ein Aufguss gemacht, der ist dann aber ohne Aroma. Es darf auf keinen Fall die Tür geöffnet werden. Wer vor Ablauf einer viertel Stunde die Kabine verlässt, verliert sein Gesicht! Das Handtuchwedeln, wie es in deutschen Saunen üblich ist, um die Hitze in der Kabine zu verteilen, ist absolut verpönt. Flüssigkeitszufuhr ist extrem wichtig! Deshalb wird auch in der Sauna getrunken…und zwar Bier oder Cidre aus Dosen! Da war ich ja platt und hab zunächst gar nicht versucht, mich diesem Brauch anzupassen. Erst am Mittwoch hab ich es gewagt…und fand das Saunieren auf diese Art extrem lustig! Das war dann auch der Einstieg in einen langen Abend mit reichlich Kippis!
An jenem Abend war es auch, als beim Pokerspiel bewiesen wurde, dass es doch noch echte Männerdomänen gibt: Es wurde von einigen harten deutschen und finnischen Kerlen (leider) kein Stipp-Poker, sondern Hit-Poker gespielt. Der Verlierer wurde von den anderen Mitspielern reihum etliche Male in den Bauch geboxt. Einer von den finnischen Jungs ließ sich den ganzen Abend anschließend noch mal durch den Kopf gehen…und spielte dann weiter. Das war schon ganz schön verrückt!
Noch einmal sollten wir in den Genuss von Kimmos Training kommen, nämlich nach Ristos Abreise am Freitag. Obgleich der Lehrgang offiziell beendet war, waren wir, die noch nicht abgereist waren, „herzlich“ eingeladen, an dem Training teilzunehmen. Klaus aus Gladbeck und ich waren dann tatsächlich die einzigen nicht finnischen Gäste. Dennoch war Kimmo so freundlich, das Training auf Englisch abzuhalten. Allerdings schien er immer noch nicht die Bedeutung des Begriffes „Relax“ verstanden zu haben….es gab kein Relaxen!
Neben den schon erwähnten Sitz-Mawashis wurde uns nun der Shotokan-Ripaska beigebracht: Wir sollten in die Hocke gehen, von der Hocke in einen tiefen Zenkutsu-Dachi springen, wieder in die Hocke, wieder Zenkutsu, anderes Bein vor. Dann wieder Hocke und
schließlich in einen tiefen Kiba-Dachi…..dann wieder von vorne! Erst mal zum Üben schöööön langsam…und dann: hopp, hopp, hopp…..und immer lächeln…..! Auaaaa!
Abends gabs dann noch ein Abschluss-Grillen im kleinen Kreis. Die meisten waren ja schon abgereist. Wehmütig und auch ein wenig stolz ließen wir hier bei einem letzten Bier die vergangene Woche noch einmal Revue passieren. Und wir waren uns einig: Es war super, wir hatten alle viel für unser Karate dazugelernt und neue Impulse erhalten….und: Nächstes Jahr wieder!
Oss, Icky
Dan-Vorbereitung bei Risto Kiiskilä 2004
» Shopping « - Erlebnis bei Risto Kiiskilä
Nach vielen Jahren Karate-Training, unterbrochen von drei Baby-Pausen, stehe ich nun an der Schwelle zum 1.Dan.
Oft habe ich ja schon gehört, dass mit dem 1. Dan das eigentliche Karate-Training erst anfängt. So richtig deutlich wurde mir dies aber wieder mal bei dem Dan-Vorbereitungs-Lehrgang von Risto Kiiskilä am 20.März in seinem Dojo in Frankfurt. Da das Training schon um 10 Uhr beginnen sollte und Frankfurt für Münsteraner leider nicht grade vor der Tür liegt, erkundigten wir uns bei Risto vorher, ob es möglich sei, schon am Vorabend anzureisen. Es folgte Ristos Einladung, im Dojo zu übernachten und bereits am Dojo-internen Karatetraining am Freitag mitzumachen. Da das Dojo wegen einer Grippewelle an diesem Abend nur mäßig besucht war, standen wir drei aus Münster bereits in dieser Einheit im Focus der Aufmerksamkeit des Senseis. Eigentlich waren alle Techniken ganz vertraut und doch irgendwie eine Spur anders als sonst. Ich hätte eigentlich gleich nach dieser Einheit wieder fahren können, hatte ich doch für das nächste halbe Jahr schon genug Neues gelernt. Das will ja erst mal umgesetzt werden!
Im Laufe des Samstagvormittags füllte sich dann das Dojo. Insgesamt war es eine lockere, familiäre Atmosphäre. Dennoch lag ein Hauch Spannung in der Luft: Was wird Risto von uns erwarten? Wird er uns -wie im Werbe-Flyer für diesen Lehrgang angekündigt- persönliche Trainingspläne mit auf den Weg geben?
Pünktlich um 10 Uhr begann die erste Einheit und wir trainierten durch bis 16 Uhr mit lediglich zwei kurzen Pausen. Risto und sein Helferteam hatten ein liebevolles Buffet zusammengestellt. Es sollte hier keiner vom Fleisch fallen! Mir persönlich fällt es allerdings schwer, kurz nach und vor Trainingseinheiten etwas zu essen.
Das Prüfungsprogramm zum 1. Dan wurde hier natürlich rauf- und runtergebetet.
Wir begannen mit Kihon. Bei Kombinationen sollten wir auf den richtigen Rhythmus achten und darauf, dass die einzelnen Techniken nicht überrannt werden. Risto legte wie immer besonderen Wert auf korrekte Atmung. Wir Karateka sind es ja normalerweise gewohnt, beim Training die Zähne zusammenzubeißen, um das Durchhaltevermögen zu stärken. Nun wurde aber der ein oder andere daran erinnert, dies nicht allzu wörtlich zu nehmen, da sonst die Atmung behindert würde.
Sehr viel Wert wurde auch auf korrekte Ausholbewegungen gelegt.
Ach ja, der leidige Hüfteinsatz! Nach dem Motto "1000 Mal gehört, 1000 Mal ist nix passiert" erfuhren wohl einige von uns, dass unser Hüfteinsatz jedenfalls nicht den Anforderungen des Sensei entsprach!
Besonders bei den Richtungswechseln in den Heian-Kata machte Risto deutlich, dass hier noch viel Übung nötig ist.
Das Thema Kata wurde dann auch von allen Seiten durchleuchtet: Die einzelnen Heian-Kata, quasi zum Warmwerden, dann alle Sentei-Kata. Wir wurden in Gruppen aufgeteilt, je nachdem, welche Kürkata wir gewählt hatten. Der Großteil wählte die Bassai-Dai, gefolgt von der Jion. Als einziger Enpi-Fan ging mein Dojo-Gefährte Michael auf die Matten. Er führte wie immer eine tolle Kata vor. Dennoch konnte selbst hier Risto noch einen Verbesserungsvorschlag machen.
Anschließend konnten wir ein wenig Luft holen, während Risto einen kleinen Vortrag hielt: Jeder Trainingsaspekt hat seine eigene Aufgabe. Bei Khion liegt z. B. ein Schwerpunkt auf der Körperspannung. "Es gibt bei Kihon keinen Gegner. Das war die größte Enttäuschung meines Lebens!", bedauerte Risto.
Im Bereich des Kihon-Ippon-Kumite geht es darum, die einzelnen Angriffs-und Abwehrtechniken grundschulmäßig korrekt auszuführen.
Beim Jiyu-Ippon-Kumite schließlich soll auch die richtige Distanz geschult werden und die kontinuierliche, überdauernde Wachsamkeit, das Zanshin. Man soll zudem jetzt nicht mehr immer nur starr nach hinten rausgehen, sondern auch mal seitlich mit Sabaki.
Wir übten dann eigentlich recht unspektakuläre Techniken, wie Age-Uke, Soto-Uke, Gedan-Barai bzw. Nagashi-Uke, jeweils nach hinten, rechts oder links raus, je nachdem, welche Technik abzuwehren war. Wichtig war, zunächst das vordere Bein zu belasten, dann das Körpergewicht nach hinten zu verlagern und beim Konter wieder nach vorne in den Gegner reinzugehen. So schlicht die Kombinationen schienen, so wirkungsvoll waren sie.
Einige Fragezeichen tauchten wohl in den Mienen der Trainierenden auf, ob das denn wohl für die Dan-Prüfung ausreiche...."Das reicht bis zum 6. Dan. Mehr kann ich auch nicht!", war Ristos Antwort.
Naja, dass dieser Mann viel, viel mehr kann, wissen wir wohl alle, aber ebenso können wir uns vorstellen, dass diese finnische Granate tatsächlich auch mit wenigen, unspektakulären Techniken selbst den härtesten Gegner aus den Puschen haut!
Ach ja, die angekündigten persönlichen Trainingspläne gab es leider nicht, zumindest nicht schriftlich, auf einem Blatt Papier mit Hinweisen wie "mehr auf Hüfte achten" oder "für stärkeres Kime täglich 50 Liegestütze", wie ich mir das -vielleicht etwas naiv- vorgestellt hatte. Man mußte schon genau und selbst-kritisch dem Training folgen, um für sich individuell das Wesentliche herauszufischen.
Jeder, der Risto persönlich zwischen den Einheiten oder nach Ende des Trainings ansprach, wurde wirklich unermüdlich und intensiv von ihm betreut!
Der Lehrgang hat mich persönlich unglaublich nach vorne gebracht. Viele neue Aspekte werde ich vermutlich erst lange nach der Prüfung zum 1. Dan umsetzen können. Ich war auch sehr beeindruckt von der Fülle an Informationen, obwohl dies nicht mein erster Risto-Lehrgang war!
Ein Lehrgang bei ihm ist, so meine Vereinskameradin Heide, wie ein Shopping-Erlebnis: man hat ein riesiges Angebot an Karate-Eindrücken und kann für sich persönlich das in seinen "Einkaufswagen" packen,
was einem am Wichtigsten ist. Zu Hause kann man dann in Ruhe auspacken und das Beste daraus machen!
Nach vielen Jahren Karate-Training, unterbrochen von drei Baby-Pausen, stehe ich nun an der Schwelle zum 1.Dan.
Oft habe ich ja schon gehört, dass mit dem 1. Dan das eigentliche Karate-Training erst anfängt. So richtig deutlich wurde mir dies aber wieder mal bei dem Dan-Vorbereitungs-Lehrgang von Risto Kiiskilä am 20.März in seinem Dojo in Frankfurt. Da das Training schon um 10 Uhr beginnen sollte und Frankfurt für Münsteraner leider nicht grade vor der Tür liegt, erkundigten wir uns bei Risto vorher, ob es möglich sei, schon am Vorabend anzureisen. Es folgte Ristos Einladung, im Dojo zu übernachten und bereits am Dojo-internen Karatetraining am Freitag mitzumachen. Da das Dojo wegen einer Grippewelle an diesem Abend nur mäßig besucht war, standen wir drei aus Münster bereits in dieser Einheit im Focus der Aufmerksamkeit des Senseis. Eigentlich waren alle Techniken ganz vertraut und doch irgendwie eine Spur anders als sonst. Ich hätte eigentlich gleich nach dieser Einheit wieder fahren können, hatte ich doch für das nächste halbe Jahr schon genug Neues gelernt. Das will ja erst mal umgesetzt werden!
Im Laufe des Samstagvormittags füllte sich dann das Dojo. Insgesamt war es eine lockere, familiäre Atmosphäre. Dennoch lag ein Hauch Spannung in der Luft: Was wird Risto von uns erwarten? Wird er uns -wie im Werbe-Flyer für diesen Lehrgang angekündigt- persönliche Trainingspläne mit auf den Weg geben?
Pünktlich um 10 Uhr begann die erste Einheit und wir trainierten durch bis 16 Uhr mit lediglich zwei kurzen Pausen. Risto und sein Helferteam hatten ein liebevolles Buffet zusammengestellt. Es sollte hier keiner vom Fleisch fallen! Mir persönlich fällt es allerdings schwer, kurz nach und vor Trainingseinheiten etwas zu essen.
Das Prüfungsprogramm zum 1. Dan wurde hier natürlich rauf- und runtergebetet.
Wir begannen mit Kihon. Bei Kombinationen sollten wir auf den richtigen Rhythmus achten und darauf, dass die einzelnen Techniken nicht überrannt werden. Risto legte wie immer besonderen Wert auf korrekte Atmung. Wir Karateka sind es ja normalerweise gewohnt, beim Training die Zähne zusammenzubeißen, um das Durchhaltevermögen zu stärken. Nun wurde aber der ein oder andere daran erinnert, dies nicht allzu wörtlich zu nehmen, da sonst die Atmung behindert würde.
Sehr viel Wert wurde auch auf korrekte Ausholbewegungen gelegt.
Ach ja, der leidige Hüfteinsatz! Nach dem Motto "1000 Mal gehört, 1000 Mal ist nix passiert" erfuhren wohl einige von uns, dass unser Hüfteinsatz jedenfalls nicht den Anforderungen des Sensei entsprach!
Besonders bei den Richtungswechseln in den Heian-Kata machte Risto deutlich, dass hier noch viel Übung nötig ist.
Das Thema Kata wurde dann auch von allen Seiten durchleuchtet: Die einzelnen Heian-Kata, quasi zum Warmwerden, dann alle Sentei-Kata. Wir wurden in Gruppen aufgeteilt, je nachdem, welche Kürkata wir gewählt hatten. Der Großteil wählte die Bassai-Dai, gefolgt von der Jion. Als einziger Enpi-Fan ging mein Dojo-Gefährte Michael auf die Matten. Er führte wie immer eine tolle Kata vor. Dennoch konnte selbst hier Risto noch einen Verbesserungsvorschlag machen.
Anschließend konnten wir ein wenig Luft holen, während Risto einen kleinen Vortrag hielt: Jeder Trainingsaspekt hat seine eigene Aufgabe. Bei Khion liegt z. B. ein Schwerpunkt auf der Körperspannung. "Es gibt bei Kihon keinen Gegner. Das war die größte Enttäuschung meines Lebens!", bedauerte Risto.
Im Bereich des Kihon-Ippon-Kumite geht es darum, die einzelnen Angriffs-und Abwehrtechniken grundschulmäßig korrekt auszuführen.
Beim Jiyu-Ippon-Kumite schließlich soll auch die richtige Distanz geschult werden und die kontinuierliche, überdauernde Wachsamkeit, das Zanshin. Man soll zudem jetzt nicht mehr immer nur starr nach hinten rausgehen, sondern auch mal seitlich mit Sabaki.
Wir übten dann eigentlich recht unspektakuläre Techniken, wie Age-Uke, Soto-Uke, Gedan-Barai bzw. Nagashi-Uke, jeweils nach hinten, rechts oder links raus, je nachdem, welche Technik abzuwehren war. Wichtig war, zunächst das vordere Bein zu belasten, dann das Körpergewicht nach hinten zu verlagern und beim Konter wieder nach vorne in den Gegner reinzugehen. So schlicht die Kombinationen schienen, so wirkungsvoll waren sie.
Einige Fragezeichen tauchten wohl in den Mienen der Trainierenden auf, ob das denn wohl für die Dan-Prüfung ausreiche...."Das reicht bis zum 6. Dan. Mehr kann ich auch nicht!", war Ristos Antwort.
Naja, dass dieser Mann viel, viel mehr kann, wissen wir wohl alle, aber ebenso können wir uns vorstellen, dass diese finnische Granate tatsächlich auch mit wenigen, unspektakulären Techniken selbst den härtesten Gegner aus den Puschen haut!
Ach ja, die angekündigten persönlichen Trainingspläne gab es leider nicht, zumindest nicht schriftlich, auf einem Blatt Papier mit Hinweisen wie "mehr auf Hüfte achten" oder "für stärkeres Kime täglich 50 Liegestütze", wie ich mir das -vielleicht etwas naiv- vorgestellt hatte. Man mußte schon genau und selbst-kritisch dem Training folgen, um für sich individuell das Wesentliche herauszufischen.
Jeder, der Risto persönlich zwischen den Einheiten oder nach Ende des Trainings ansprach, wurde wirklich unermüdlich und intensiv von ihm betreut!
Der Lehrgang hat mich persönlich unglaublich nach vorne gebracht. Viele neue Aspekte werde ich vermutlich erst lange nach der Prüfung zum 1. Dan umsetzen können. Ich war auch sehr beeindruckt von der Fülle an Informationen, obwohl dies nicht mein erster Risto-Lehrgang war!
Ein Lehrgang bei ihm ist, so meine Vereinskameradin Heide, wie ein Shopping-Erlebnis: man hat ein riesiges Angebot an Karate-Eindrücken und kann für sich persönlich das in seinen "Einkaufswagen" packen,
was einem am Wichtigsten ist. Zu Hause kann man dann in Ruhe auspacken und das Beste daraus machen!
Boom-tschi-Boom Trainingslager Michi Jarchau 2004
Boom-tschi-Boom
Bericht vom Trainingslager mit Michael Jarchau
Von Icky
...so schlägt das Herz des Karatekas! Zumindest während des diesjährigen Trainingslagers unter der Leitung von Michael Jarchau wurden unsere Herzen und damit eigentlich auch Körper und Geist in diesen Rhythmus gebracht. Besonders zum Schluß der letzten Trainingseinheit am Samstag Nachmittag war in meinem Kopf kein Platz mehr für andere Gedanken als eben boom-tschi-boom, in etwa gleichzusetzen mit Angriff, Block, Konter. Kaum ein anderer Trainer hat diese Begabung, Techniken und ihre Ausführung so lautmalerisch und plastisch zu demonstrieren wie Michael! Es wird meist nicht lange umschrieben, was zu tun ist, sondern kurz vorgemacht mit entsprechenden Ausdrücken, die auch whooomm, bamm oder ähnlich lauten können. Schön ist es auch, wenn die von Michael ausgeführte Technik dann auch noch zu diesen Lauten passt. Versuche ich anschließend, z. B. einen Yoko-Geri wie vorgemacht auszuführen, höre ich im Geiste zwar diese Laute, sie bilden aber leider keine Einheit mit meiner Technik! Da muß noch viel geübt werden.
Das Trainingslager bot jedenfalls wieder unglaublich viel für alle, am meisten aber wohl für alle Dan-Anwärter/-innen! Das Prüfungsprogramm zum 1. Dan war nämlich ein Schwerpunkt, sei es in der Grundschule als auch beim Kumite. Aufgelockert wurde das Training meist durch originelle und abwechselungsreiche Aufwärmübungen und -spielchen.
Bei der ersten Trainingseinheit am Freitagabend wurde viel Khion trainiert. Es gab anspruchsvolle Kombinationen, und Michael wies jeweils auf besondere Schwierigkeiten bei den Kombinationen hin oder gab uns Tipps, wie die Techniken besser auszuführen sind. Bei der Kombination Kokotsu-Dachi mit Shuto-Uke, Kizami-Mae-Geri, ist es besonders wichtig, dass die Knie im KK eine starke Aussenspannung haben. Wenn das Knie des tretenden Beines dann noch vorher richtig hochgezogen wird, passt die Technik eigentlich immer...Hauptsache, ich denke auch in der Prüfung immer schön dran...
Bei den anschließenden Kumite-Übungen wurde schnell klar, dass es mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad auch zunehmend Distanzprobleme gibt. Harmonierte das Partnertraining beim Gohon-Kumite noch einigermassen, und beim Khion-Ippon-Kumite vielleicht auch noch, fehlten doch beim Jiyu-Ippon-Kumite oft ein paar Zentimeter. Zum Abschluß der Einheit wurden wir in Gruppen zu ca. 4 Personen aufgeteilt. Einer stellte sich frontal den anderen gegenüber, die anderen drei in einer Reihe hintereinander. Die drei in der Reihe griffen dann nacheinander den gegenüberstehenden mit Kizami-Tsuki an und dieser blockte und konterte. Hier kam dann schon massive Kritik: bereits vor dem Angriff standen die meisten von uns schon viel zu nah am Partner, so dass sich der Angreifer selbst schon im Gefahrenbereich befindet und leicht quasi vorab abgekontert werden konnte!
Am nächsten Morgen, gnadenlose 8 Uhr früh, war mein System irgendwie noch nicht hochgefahren und ich hatte echte Koordinations- und Konditionsprobleme. Mit dem netten Klaus aus Wesel machte ich interessante Partnerübungen, bei denen es sich meist um Kata-Bunkai handelte. Tori griff beispielsweise an mit Yodan-Tsuki, Uke blockt mit der Ausholbewegung zum Age-Uke, und der Age-Uke selber war dann ein zum Kinn des Partners gerichteter Angriff. Dergleichen gab es einige Übungen, die oft einfach "mal anders" waren, als das, was man sonst so übt. Zum Abschluß der zweiten Einheit liefen wir einige Katas und es gab die obligatorischen 10 Tsukis im Kiba-Dachi.
Dritte Einheit, so, endlich, nach dem ausgiebigen Frühstück, war ich so richtig wach und hoch motiviert. Diesmal kein großartiges Aufwärmen, zu Beginn gleich Partnerübung Ashi-Barai, Kizami-Tsuki/Gyaku-Tsuki! Zu meiner Genugtuung hatte ich zufällig Pom als Partner! Nach einigen "frauenfeindlichen" Frotzeleien im letzten Dojo-Info und beim Frühstück hatte ich ihm unmittelbar vor der Einheit schon einiges Versprochen, sollte er mich im Training als Partnerin bekommen. Tja, und da stand er nun und grinste gequält bei meinem Anblick... dennoch war es ein sehr harmonisches Partnertraining, bei dem wir uns allerdings auch nichts geschenkt haben. Auch in dieser Einheit übten wir viele interessante Block-Konter-Variantionen am Partner. Diesmal konnte ich aber etwas besser folgen. Bei der letzten Kombination sah ich dann aber doch wohl etwas alt aus. Wir sollten Ushiro-Geri blocken, indem wir rückwärts rausgleiten und den Tritt mit offenen Händen herunterblocken, anschließend mit Mae-Tobi-Geri kontern. Naja, perfekt war das wahrlich nicht, was ich da versucht habe, hat aber echt Spaß gemacht. Während und nach dieser Einheit stand ich dermassen unter Strom, ich hätte stundenlang weitertrainieren können! Trotz zum Teil deutlichen Körperkontakts tat nichts weh, ich war hochmotiviert und wollte eigentlich am liebsten alle Übungen nochmal durchgehen. So ging ich unter Kopfschütteln der meisten anderen mit Heide noch ein wenig vor den Sandsack wo wir noch ein paar Fußtritte übten.
Während der Mittagspause wurden die Glückshormone in meinem Körper dann allmählich abgebaut. Es zwickte hier und da und boh, guck mal der blaue Fleck und so weiter. Nach gemäßigter Nahrungszufuhr stellte sich dann auch pünktlich zu Beginn der letzten Einheit dann leider mein obligatorisches Mittagstief ein.... Aber, keine Gnade! Michael-typisch wurde aus einer relativ einfachen Komination, nämlich Kizami/Gyaku-Tsuki, nach und nach ein vielfältiges Kampfgeschehen mit von Durchgang zu Durchgang wechselnden Techniken entwickelt. Hier musste man echt verdammt aufpassen, dass man alles auf den Schirm kriegt und sich nicht buchstäblich "verhaut". Meine super-starke Partnerin Diana (1. Dan, Nachnamen weiß ich leider nicht) holte das letzte aus mir heraus, hier gab es wirklich kein Pardon! Jeder schlechte Block verursachte Schmerzen, jeder Chudan-Treffer war ein echter Erfolg, Schweiß lief in Sturzbächen über mein Gesicht, brannte in den Augen, nahm mir die Sicht. Vor Erschöpfung rauschte es schon in meinen Ohren und die Kopfhaut fing an zu prickeln....aber DURCHHALTEN, noch kam kein YAME. Und weiter, und noch ein Angriff und Konter und boh, wo nimmt die Frau die Kraft her??? Ich habe glaub ich bisher noch nie so lange an einem Stück so hart trainiert wie in dieser Einheit! Als dieser Teil dann vorbei war und die Pratzen für die letzte Gib-nochmal-richtig-Gas-Übung rausgeholt wurden, war ich echt am Ende meiner Kräfte. Freiwillig und gerne bot ich mich an, als lebender Sandsack zu fungieren und dachte, so ein wenig Kraft tanken zu können. Leider hatte ich nicht mit so vielen so starken Techniken gerechnet! Keine Chance, sich zu erholen! Als es dann an mir war, gegen die Pölsterken zu treten und zu schlagen, ging es nur noch darum, nicht zusammenzubrechen. Ich taumelte nur noch von Pratze zu Pratze. Ist das der Sieg des Geistes über den Körper? Dann fiel der Sieg aber recht jämmerlich aus... Naja, bis zu diesem ultimativ letzten Teil hatte ich mich ja recht wacker geschlagen und so kam ich nach dem Duschen zu dem Schluß, dass ich zwar nicht jedes Wochenende so einen Lehrgang vertragen könnte, aber vielleicht einmal im Monat!!?!?!?!!
Zum Schluß möchte ich an ALLE Oberstufen-Teilnehmer appellieren, sich diesen Lehrgang nächstes Jahr NICHT entgehen zu lassen. Wenn sich der eine oder andere vielleicht von meiner "dramatischen" Schilderung abgeschreckt fühlt: Übertreibung ist ja auch ein rhetorisches Mittel....und in wieweit man sich verausgaben möchte und alles geben will, das bleibt ja jedem selbst überlassen. Diesmal haben sich wohl viele Teilnehmer sehr kurzfristig angemeldet, so dass es sehr schwierig war, den Lehrgang -besonders in Bezug auf das Essen- vorzubereiten. Wenn ich bei dem einen oder anderen das Interesse geweckt habe, nächstes Jahr mitzumachen, meldet euch bitte fristgerecht an!
*****
Bericht vom Trainingslager mit Michael Jarchau
Von Icky
...so schlägt das Herz des Karatekas! Zumindest während des diesjährigen Trainingslagers unter der Leitung von Michael Jarchau wurden unsere Herzen und damit eigentlich auch Körper und Geist in diesen Rhythmus gebracht. Besonders zum Schluß der letzten Trainingseinheit am Samstag Nachmittag war in meinem Kopf kein Platz mehr für andere Gedanken als eben boom-tschi-boom, in etwa gleichzusetzen mit Angriff, Block, Konter. Kaum ein anderer Trainer hat diese Begabung, Techniken und ihre Ausführung so lautmalerisch und plastisch zu demonstrieren wie Michael! Es wird meist nicht lange umschrieben, was zu tun ist, sondern kurz vorgemacht mit entsprechenden Ausdrücken, die auch whooomm, bamm oder ähnlich lauten können. Schön ist es auch, wenn die von Michael ausgeführte Technik dann auch noch zu diesen Lauten passt. Versuche ich anschließend, z. B. einen Yoko-Geri wie vorgemacht auszuführen, höre ich im Geiste zwar diese Laute, sie bilden aber leider keine Einheit mit meiner Technik! Da muß noch viel geübt werden.
Das Trainingslager bot jedenfalls wieder unglaublich viel für alle, am meisten aber wohl für alle Dan-Anwärter/-innen! Das Prüfungsprogramm zum 1. Dan war nämlich ein Schwerpunkt, sei es in der Grundschule als auch beim Kumite. Aufgelockert wurde das Training meist durch originelle und abwechselungsreiche Aufwärmübungen und -spielchen.
Bei der ersten Trainingseinheit am Freitagabend wurde viel Khion trainiert. Es gab anspruchsvolle Kombinationen, und Michael wies jeweils auf besondere Schwierigkeiten bei den Kombinationen hin oder gab uns Tipps, wie die Techniken besser auszuführen sind. Bei der Kombination Kokotsu-Dachi mit Shuto-Uke, Kizami-Mae-Geri, ist es besonders wichtig, dass die Knie im KK eine starke Aussenspannung haben. Wenn das Knie des tretenden Beines dann noch vorher richtig hochgezogen wird, passt die Technik eigentlich immer...Hauptsache, ich denke auch in der Prüfung immer schön dran...
Bei den anschließenden Kumite-Übungen wurde schnell klar, dass es mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad auch zunehmend Distanzprobleme gibt. Harmonierte das Partnertraining beim Gohon-Kumite noch einigermassen, und beim Khion-Ippon-Kumite vielleicht auch noch, fehlten doch beim Jiyu-Ippon-Kumite oft ein paar Zentimeter. Zum Abschluß der Einheit wurden wir in Gruppen zu ca. 4 Personen aufgeteilt. Einer stellte sich frontal den anderen gegenüber, die anderen drei in einer Reihe hintereinander. Die drei in der Reihe griffen dann nacheinander den gegenüberstehenden mit Kizami-Tsuki an und dieser blockte und konterte. Hier kam dann schon massive Kritik: bereits vor dem Angriff standen die meisten von uns schon viel zu nah am Partner, so dass sich der Angreifer selbst schon im Gefahrenbereich befindet und leicht quasi vorab abgekontert werden konnte!
Am nächsten Morgen, gnadenlose 8 Uhr früh, war mein System irgendwie noch nicht hochgefahren und ich hatte echte Koordinations- und Konditionsprobleme. Mit dem netten Klaus aus Wesel machte ich interessante Partnerübungen, bei denen es sich meist um Kata-Bunkai handelte. Tori griff beispielsweise an mit Yodan-Tsuki, Uke blockt mit der Ausholbewegung zum Age-Uke, und der Age-Uke selber war dann ein zum Kinn des Partners gerichteter Angriff. Dergleichen gab es einige Übungen, die oft einfach "mal anders" waren, als das, was man sonst so übt. Zum Abschluß der zweiten Einheit liefen wir einige Katas und es gab die obligatorischen 10 Tsukis im Kiba-Dachi.
Dritte Einheit, so, endlich, nach dem ausgiebigen Frühstück, war ich so richtig wach und hoch motiviert. Diesmal kein großartiges Aufwärmen, zu Beginn gleich Partnerübung Ashi-Barai, Kizami-Tsuki/Gyaku-Tsuki! Zu meiner Genugtuung hatte ich zufällig Pom als Partner! Nach einigen "frauenfeindlichen" Frotzeleien im letzten Dojo-Info und beim Frühstück hatte ich ihm unmittelbar vor der Einheit schon einiges Versprochen, sollte er mich im Training als Partnerin bekommen. Tja, und da stand er nun und grinste gequält bei meinem Anblick... dennoch war es ein sehr harmonisches Partnertraining, bei dem wir uns allerdings auch nichts geschenkt haben. Auch in dieser Einheit übten wir viele interessante Block-Konter-Variantionen am Partner. Diesmal konnte ich aber etwas besser folgen. Bei der letzten Kombination sah ich dann aber doch wohl etwas alt aus. Wir sollten Ushiro-Geri blocken, indem wir rückwärts rausgleiten und den Tritt mit offenen Händen herunterblocken, anschließend mit Mae-Tobi-Geri kontern. Naja, perfekt war das wahrlich nicht, was ich da versucht habe, hat aber echt Spaß gemacht. Während und nach dieser Einheit stand ich dermassen unter Strom, ich hätte stundenlang weitertrainieren können! Trotz zum Teil deutlichen Körperkontakts tat nichts weh, ich war hochmotiviert und wollte eigentlich am liebsten alle Übungen nochmal durchgehen. So ging ich unter Kopfschütteln der meisten anderen mit Heide noch ein wenig vor den Sandsack wo wir noch ein paar Fußtritte übten.
Während der Mittagspause wurden die Glückshormone in meinem Körper dann allmählich abgebaut. Es zwickte hier und da und boh, guck mal der blaue Fleck und so weiter. Nach gemäßigter Nahrungszufuhr stellte sich dann auch pünktlich zu Beginn der letzten Einheit dann leider mein obligatorisches Mittagstief ein.... Aber, keine Gnade! Michael-typisch wurde aus einer relativ einfachen Komination, nämlich Kizami/Gyaku-Tsuki, nach und nach ein vielfältiges Kampfgeschehen mit von Durchgang zu Durchgang wechselnden Techniken entwickelt. Hier musste man echt verdammt aufpassen, dass man alles auf den Schirm kriegt und sich nicht buchstäblich "verhaut". Meine super-starke Partnerin Diana (1. Dan, Nachnamen weiß ich leider nicht) holte das letzte aus mir heraus, hier gab es wirklich kein Pardon! Jeder schlechte Block verursachte Schmerzen, jeder Chudan-Treffer war ein echter Erfolg, Schweiß lief in Sturzbächen über mein Gesicht, brannte in den Augen, nahm mir die Sicht. Vor Erschöpfung rauschte es schon in meinen Ohren und die Kopfhaut fing an zu prickeln....aber DURCHHALTEN, noch kam kein YAME. Und weiter, und noch ein Angriff und Konter und boh, wo nimmt die Frau die Kraft her??? Ich habe glaub ich bisher noch nie so lange an einem Stück so hart trainiert wie in dieser Einheit! Als dieser Teil dann vorbei war und die Pratzen für die letzte Gib-nochmal-richtig-Gas-Übung rausgeholt wurden, war ich echt am Ende meiner Kräfte. Freiwillig und gerne bot ich mich an, als lebender Sandsack zu fungieren und dachte, so ein wenig Kraft tanken zu können. Leider hatte ich nicht mit so vielen so starken Techniken gerechnet! Keine Chance, sich zu erholen! Als es dann an mir war, gegen die Pölsterken zu treten und zu schlagen, ging es nur noch darum, nicht zusammenzubrechen. Ich taumelte nur noch von Pratze zu Pratze. Ist das der Sieg des Geistes über den Körper? Dann fiel der Sieg aber recht jämmerlich aus... Naja, bis zu diesem ultimativ letzten Teil hatte ich mich ja recht wacker geschlagen und so kam ich nach dem Duschen zu dem Schluß, dass ich zwar nicht jedes Wochenende so einen Lehrgang vertragen könnte, aber vielleicht einmal im Monat!!?!?!?!!
Zum Schluß möchte ich an ALLE Oberstufen-Teilnehmer appellieren, sich diesen Lehrgang nächstes Jahr NICHT entgehen zu lassen. Wenn sich der eine oder andere vielleicht von meiner "dramatischen" Schilderung abgeschreckt fühlt: Übertreibung ist ja auch ein rhetorisches Mittel....und in wieweit man sich verausgaben möchte und alles geben will, das bleibt ja jedem selbst überlassen. Diesmal haben sich wohl viele Teilnehmer sehr kurzfristig angemeldet, so dass es sehr schwierig war, den Lehrgang -besonders in Bezug auf das Essen- vorzubereiten. Wenn ich bei dem einen oder anderen das Interesse geweckt habe, nächstes Jahr mitzumachen, meldet euch bitte fristgerecht an!
*****
JKA-Cup 2003
Sie waren zu sechst und sie kamen, um zu siegen
von Icky
...so oder ähnlich könnte der Titel lauten, wenn ein Film über unseren, nennen wir es mal: JKA-Cup-Ausflug gedreht würde.
In den Hauptrollen Christian Dorn, Beatrix Zumbült, Stefan Schulz, Heide Vogel, Michi Maibaum und das Icky. Ort des Geschehens: Bottrop, unweit der Warner Bros. Movie-World, quasi auf dem Sprung nach Hollywood! Wir kamen also, um zu siegen - und es sollte ein Sieg werden!
Sollten wir alle als Turniersieger hervorgehen??? Weit gefehlt! Aber wir besiegten den größten Feind der Zivilisation: den inneren Schweinehund!
Ein jeder von euch weiss: es kostet eine Menge Überwindung, sich für ein Turnier zu melden. Und dann noch der JKA-Cup! Muss ich das eigentlich wirklich haben? So ein Turnier mit größtenteils hochkarätigen Gegnerinnen? Einen kompletten Samstag ohne auszuschlafen in einer kalten, zugigen Halle, ohne gescheites Essen? Mich auf den Präsentierteller stellen und verhauen lassen und das mit 35 Jahren??? Gibts an einem supersonnigen, blauhimmeligen Samstag im November echt nix Besseres? Gibt es nicht!
2 Nächte vorher schlecht geschlafen, die Familie verrückt gemacht mit Nervosität....das war schon echt ne Überlegung wert, ob man den Start nicht vielleicht auf nächstes Jahr vertagen sollte....??? Aber nein! Jetzt hat der Thorsten uns angemeldet, da gibts kein Zurück mehr! Schließlich mache ich jetzt schon so viele Jahre Karate, da will ich unbedingt ein wenig Kampferfahrung sammeln. Also nicht nur Kata und Khion, nicht nur Kuschel-Kumite im Dojo und anschließend gemütlich ein Bierchen trinken, nein, auch mal so richtig fies und gemein auswärts auf Turnieren!
Christians Kumite-Leistung wurde ja schon per Presse-Mitteilung und im letzten Dojo-Info lobend erwähnt! Was war der happy, als er erfuhr, dass er weitergekommen war! Dass der letzte Gegner dann so schnell und gut war, spricht für das allgemein hohe Level bei dem Turnier. Christian hat sich jedenfalls super geschlagen und wir haben alle mit ihm gezittert und uns mit ihm gefreut!
Bei uns anderen lief es dann zumindest rein netto und erfolgstechnisch nicht so pralle. Hier trennt sich halt die Spreu vom Weizen: im Dojo vielleicht ganz gut drauf, aber so unter den Kaderleuten merkt man dann, dass man noch viel, viel üben muss und dass man es selbst dann vielleicht nie mit diesen Top-Leuten aufnehmen kann. Aber darauf kommts ja letztendlich auch nicht an. Auf das Turnier hingearbeitet zu haben und selber das Äusserste und Beste gegeben zu haben, das ist meiner Meinung nach das Wichtigste.
Und alles gegeben haben wir! Wenn auch z. B. der Stefan nicht so zufrieden mit sich selbst war. Dabei kam er in der Kata-Disziplin eine Runde weiter und schied dann erst nach einem Stechen aus. Ich finde, das ist eine respektable Leistung! Ebenso Michi: drei schöne Heian-Katas hat er geboten. Wegen einem kleinen Wackler schied auch er dann leider aus! Schade, ich hatte mich schon auf eine schöne Empi von ihm gefreut!
Ich hatte als Kata-Gegnerin Fiorella de Fiore (aber bitte mit Sahne!), die letztes Jahr den dritten Platz belegte! Sie stand eindeutig tiefer und schöner als ich und ich hatte darum leider keine Schnitte! Naja, und die Heian Nidan hatte ich auch schon mal besser gemacht!
Heide wollte eigentlich gar nicht Kata starten. Sie war aber gemeldet und wurde aufgerufen. Beim dritten Aufruf hielt es sie dann nicht mehr auf der Bank und sie ging doch tapfer auf die Kampffläche, legte eine ordentliche Heian Sandan hin, kam leider aber auch nicht weiter.
Auch Beatrix und Christian schieden leider aus. Aber wenn man deren Gegner so vor Augen hat....also das sind echt Leute, die sich viel intensiver mit Karate befassen können, Kadermitglieder und so. Vielleicht sind sie einfach auch talentierter als unsereins, wer weiß. Ist auch egal. Zumindest zwischen mir und z.B. den Finalisten liegen echt Welten. So viel kann ich in meinem ganzen Leben nicht trainieren, um so gut zu werden. War echt eine Augenweide! Aber, dass viele von uns in Kata nicht superweit kommen, war irgendwie allen klar. Im Kumite hätten wir uns vielleicht schon etwas mehr Erfolg gewünscht. Thorsten kam aber gleich schon nach Ansicht der Starterliste zu mir und schüttelte mitleidig den Kopf: Sorry, Icky, aber bei dem Mannschaftskampf startest du gleich gegen Britt Weingard. Oh, den Namen hatte ich doch schonmal irgendwo gelesen: richtig! Da fiel es mir -leider- wieder ein. Im JKA-Magazin war ein Artikel über die Weltmeisterschaft. Sie hat dort leider nur den zweiten Platz gemacht! Ich sollte jetzt also gegen die Vize-Weltmeisterin kämpfen, nee, ist klar...! Thorsten grinste noch einmal schwach und meinte, ich sollte so kämpfen wie immer, angreifen und es ihr so schwer wie möglich machen. Das tat ich dann auch, uups, als sie so vor mir stand, war ich ja doch beeindruckt! Eine stattliche und imposante Person....nun, egal, ATACKE!!!!! Kizami und Gyaku-Tsuki und woooooooooms, hat sie mich abgekontert! Ich dachte nur: jau, der ist drin, da gibts nix zu zweifeln. Dasselbe wiederholten wir dann genau so noch einmal und nach ca. 10 Sekunden war der Kampf beendet. Sieg für Britt Weingard! Natürlich! Gleich darauf hatte Beatrix ihren ersten Kampf gegen Tina Mann! Sie sagt, sie sei jetzt dreimal beim JKA-Cup gestartet und jedesmal war ihre erste Gegnerin Tina Mann. Tina Mann und Britt Weingard, ich glaube, da tut sich nicht viel zwischen den beiden, sie sind ähnlich stark und erfolgreich, und das schon seit vielen Jahren. Da wird nicht lange gefackelt, da ist keine Zeit für freundliches Bitte und Danke, da gehts zack-zack und der Kampf ist vorbei. Beatrix ging es dann ähnlich wie mir.
....aber die Heide! Sie war die einzige in unserem Damen-Team, die einen Sieg vermelden kann! Weiter so!
Unsere Herren-Mannschaft kam immerhin eine Runde weiter, dann war aber auch hier nichts mehr zu holen. Im Kumite-Einzel sind wir alle glaube ich, bis auf Christian natürlich, in der ersten Runde rausgeflogen. Ich hatte hier das Vergnügen, gegen Anika Lapp kämpfen zu dürfen. Sie war laut JKA-Magazin die DM-Dritte und siegte beim diesjährigen JKA-Cup später dann auch in dieser Disziplin. War ja klar, dass dieser Kampf ähnlich verlaufen sollte wie der gegen Britt Weingard. Tsuki, Konter, wazari und das zweimal. Tja, und tschüss, Icky!
Für mich persönlich war das Turnier eine tolle Erfahrung. Ich würde es gerne wiederholen. Vielleicht ja direkt nächtes Jahr....wann hat man schon mal die Gelegenheit, gegen Vize-Weltmeister oder andere Top-Athleten anzutreten? Das wäre ja so, als wenn man auf dem Nürburgring mal ein paar Runden mit Schumi oder Frentzen um die Wette fahren dürfte! Was mich aber fast noch mehr beeindruckt hat, als die Top-Kaderleute waren Leute wie Erwin Querl, der da eine echt tolle Figur machte! Sowohl in Kata als auch in Kumite konnte man echt sehen, dass er noch lange zu den Besten zählt!
Auch wenn wir keine Pötte oder Medallien nach Hause bringen konnten, war wohl keiner ernsthaft geknickt oder enttäuscht. Bis auf ein blaues Auge waren wir alle unverletzt. Christian hat das Fazit des Turniers wohl am Besten auf den Punkt gebracht: Wir gewinnen zwar nicht, aber dafür sehen wir besser aus!
von Icky
...so oder ähnlich könnte der Titel lauten, wenn ein Film über unseren, nennen wir es mal: JKA-Cup-Ausflug gedreht würde.
In den Hauptrollen Christian Dorn, Beatrix Zumbült, Stefan Schulz, Heide Vogel, Michi Maibaum und das Icky. Ort des Geschehens: Bottrop, unweit der Warner Bros. Movie-World, quasi auf dem Sprung nach Hollywood! Wir kamen also, um zu siegen - und es sollte ein Sieg werden!
Sollten wir alle als Turniersieger hervorgehen??? Weit gefehlt! Aber wir besiegten den größten Feind der Zivilisation: den inneren Schweinehund!
Ein jeder von euch weiss: es kostet eine Menge Überwindung, sich für ein Turnier zu melden. Und dann noch der JKA-Cup! Muss ich das eigentlich wirklich haben? So ein Turnier mit größtenteils hochkarätigen Gegnerinnen? Einen kompletten Samstag ohne auszuschlafen in einer kalten, zugigen Halle, ohne gescheites Essen? Mich auf den Präsentierteller stellen und verhauen lassen und das mit 35 Jahren??? Gibts an einem supersonnigen, blauhimmeligen Samstag im November echt nix Besseres? Gibt es nicht!
2 Nächte vorher schlecht geschlafen, die Familie verrückt gemacht mit Nervosität....das war schon echt ne Überlegung wert, ob man den Start nicht vielleicht auf nächstes Jahr vertagen sollte....??? Aber nein! Jetzt hat der Thorsten uns angemeldet, da gibts kein Zurück mehr! Schließlich mache ich jetzt schon so viele Jahre Karate, da will ich unbedingt ein wenig Kampferfahrung sammeln. Also nicht nur Kata und Khion, nicht nur Kuschel-Kumite im Dojo und anschließend gemütlich ein Bierchen trinken, nein, auch mal so richtig fies und gemein auswärts auf Turnieren!
Christians Kumite-Leistung wurde ja schon per Presse-Mitteilung und im letzten Dojo-Info lobend erwähnt! Was war der happy, als er erfuhr, dass er weitergekommen war! Dass der letzte Gegner dann so schnell und gut war, spricht für das allgemein hohe Level bei dem Turnier. Christian hat sich jedenfalls super geschlagen und wir haben alle mit ihm gezittert und uns mit ihm gefreut!
Bei uns anderen lief es dann zumindest rein netto und erfolgstechnisch nicht so pralle. Hier trennt sich halt die Spreu vom Weizen: im Dojo vielleicht ganz gut drauf, aber so unter den Kaderleuten merkt man dann, dass man noch viel, viel üben muss und dass man es selbst dann vielleicht nie mit diesen Top-Leuten aufnehmen kann. Aber darauf kommts ja letztendlich auch nicht an. Auf das Turnier hingearbeitet zu haben und selber das Äusserste und Beste gegeben zu haben, das ist meiner Meinung nach das Wichtigste.
Und alles gegeben haben wir! Wenn auch z. B. der Stefan nicht so zufrieden mit sich selbst war. Dabei kam er in der Kata-Disziplin eine Runde weiter und schied dann erst nach einem Stechen aus. Ich finde, das ist eine respektable Leistung! Ebenso Michi: drei schöne Heian-Katas hat er geboten. Wegen einem kleinen Wackler schied auch er dann leider aus! Schade, ich hatte mich schon auf eine schöne Empi von ihm gefreut!
Ich hatte als Kata-Gegnerin Fiorella de Fiore (aber bitte mit Sahne!), die letztes Jahr den dritten Platz belegte! Sie stand eindeutig tiefer und schöner als ich und ich hatte darum leider keine Schnitte! Naja, und die Heian Nidan hatte ich auch schon mal besser gemacht!
Heide wollte eigentlich gar nicht Kata starten. Sie war aber gemeldet und wurde aufgerufen. Beim dritten Aufruf hielt es sie dann nicht mehr auf der Bank und sie ging doch tapfer auf die Kampffläche, legte eine ordentliche Heian Sandan hin, kam leider aber auch nicht weiter.
Auch Beatrix und Christian schieden leider aus. Aber wenn man deren Gegner so vor Augen hat....also das sind echt Leute, die sich viel intensiver mit Karate befassen können, Kadermitglieder und so. Vielleicht sind sie einfach auch talentierter als unsereins, wer weiß. Ist auch egal. Zumindest zwischen mir und z.B. den Finalisten liegen echt Welten. So viel kann ich in meinem ganzen Leben nicht trainieren, um so gut zu werden. War echt eine Augenweide! Aber, dass viele von uns in Kata nicht superweit kommen, war irgendwie allen klar. Im Kumite hätten wir uns vielleicht schon etwas mehr Erfolg gewünscht. Thorsten kam aber gleich schon nach Ansicht der Starterliste zu mir und schüttelte mitleidig den Kopf: Sorry, Icky, aber bei dem Mannschaftskampf startest du gleich gegen Britt Weingard. Oh, den Namen hatte ich doch schonmal irgendwo gelesen: richtig! Da fiel es mir -leider- wieder ein. Im JKA-Magazin war ein Artikel über die Weltmeisterschaft. Sie hat dort leider nur den zweiten Platz gemacht! Ich sollte jetzt also gegen die Vize-Weltmeisterin kämpfen, nee, ist klar...! Thorsten grinste noch einmal schwach und meinte, ich sollte so kämpfen wie immer, angreifen und es ihr so schwer wie möglich machen. Das tat ich dann auch, uups, als sie so vor mir stand, war ich ja doch beeindruckt! Eine stattliche und imposante Person....nun, egal, ATACKE!!!!! Kizami und Gyaku-Tsuki und woooooooooms, hat sie mich abgekontert! Ich dachte nur: jau, der ist drin, da gibts nix zu zweifeln. Dasselbe wiederholten wir dann genau so noch einmal und nach ca. 10 Sekunden war der Kampf beendet. Sieg für Britt Weingard! Natürlich! Gleich darauf hatte Beatrix ihren ersten Kampf gegen Tina Mann! Sie sagt, sie sei jetzt dreimal beim JKA-Cup gestartet und jedesmal war ihre erste Gegnerin Tina Mann. Tina Mann und Britt Weingard, ich glaube, da tut sich nicht viel zwischen den beiden, sie sind ähnlich stark und erfolgreich, und das schon seit vielen Jahren. Da wird nicht lange gefackelt, da ist keine Zeit für freundliches Bitte und Danke, da gehts zack-zack und der Kampf ist vorbei. Beatrix ging es dann ähnlich wie mir.
....aber die Heide! Sie war die einzige in unserem Damen-Team, die einen Sieg vermelden kann! Weiter so!
Unsere Herren-Mannschaft kam immerhin eine Runde weiter, dann war aber auch hier nichts mehr zu holen. Im Kumite-Einzel sind wir alle glaube ich, bis auf Christian natürlich, in der ersten Runde rausgeflogen. Ich hatte hier das Vergnügen, gegen Anika Lapp kämpfen zu dürfen. Sie war laut JKA-Magazin die DM-Dritte und siegte beim diesjährigen JKA-Cup später dann auch in dieser Disziplin. War ja klar, dass dieser Kampf ähnlich verlaufen sollte wie der gegen Britt Weingard. Tsuki, Konter, wazari und das zweimal. Tja, und tschüss, Icky!
Für mich persönlich war das Turnier eine tolle Erfahrung. Ich würde es gerne wiederholen. Vielleicht ja direkt nächtes Jahr....wann hat man schon mal die Gelegenheit, gegen Vize-Weltmeister oder andere Top-Athleten anzutreten? Das wäre ja so, als wenn man auf dem Nürburgring mal ein paar Runden mit Schumi oder Frentzen um die Wette fahren dürfte! Was mich aber fast noch mehr beeindruckt hat, als die Top-Kaderleute waren Leute wie Erwin Querl, der da eine echt tolle Figur machte! Sowohl in Kata als auch in Kumite konnte man echt sehen, dass er noch lange zu den Besten zählt!
Auch wenn wir keine Pötte oder Medallien nach Hause bringen konnten, war wohl keiner ernsthaft geknickt oder enttäuscht. Bis auf ein blaues Auge waren wir alle unverletzt. Christian hat das Fazit des Turniers wohl am Besten auf den Punkt gebracht: Wir gewinnen zwar nicht, aber dafür sehen wir besser aus!
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