Der Volleyballverein meiner 12-jährigen Tochter suchte im Auftrag des Sportamts Münster Ballmädchen für ein Wochenende im Rahmen der Smart-Beach-Tour in Münster. Es sollte Beach-Volleyball vom Feinsten geben und die Mädchen sollten als Dankeschön ihre Ballmädchenausstattung in Form eines T-Shirts, einer Short und eines Käppis bekommen. Die Stadt Münster hatte offizielle Zettel verteilt: ein an die Schulen gerichteter Brief, die Kinder doch bitte möglichst am Freitag vorzeitig vom Unterricht zu befreien. Als Mutter war ich einverstanden: ehrenamtliche Tätigkeiten sind doch immer zu fördern! Oder etwa nicht?
Freitag fuhr meine Tochter also hochmotiviert zur Schule mit der Gewissheit, nicht vor 20 Uhr abends wieder zurück zu sein. Als sie um kurz vor halb neun noch nicht daheim war, fuhr mein Mann los, um zu sehen, wo sie mit ihrer gleichaltigen Freundin bleibt. Mehr zufällig traf er sie dann auf dem Rückweg: Die Kinder hatten noch bleiben müssen, da ein letztes Qualifikationsspiel noch nicht ausgetragen war. So war meine "Große" also von 11.15 Uhr bis 21.15 Uhr auf dem Sandplatz gewesen. Sie war echt total k. O. und hatte beim Verabschieden die Order erhalten, sich am kommenden Morgen um 06.45 Uhr wieder am Platz einzufinden! Zudem wurde angekündigt, dass sie leider doch die Kleidung nicht behalten dürfte. Es waren leider zuwenige Kleidungs-Sets bestellt worden. In anderen Städten sei es schließlich so üblich, dass die Ballmädchen alle drei Tage voll vor Ort blieben!
Heulend vor Erschöpfung und Enttäuschung saß meine Tochter dann bei uns am Tisch. Ich rief sofort eine Frau aus dem Sportverein meiner Tochter an und sagte, dass mein Kind auf keinen Fall morgens um viertel vor 7 wieder vor Ort sein würde. "Ja, acht Uhr reicht ja auch", war die Antwort. "Sie kommt auf keinen Fall vor 10.00 Uhr!" Naja, das wurde dann wohl oder übel akzeptiert.
Heute war sie dann pünktlich wieder dort. Man stellte in Aussicht, dass die Mädchen statt der Kleidung am 10. Oktober zu einem Mannschaftsspiel eingeladen würden. Aber mal ganz ehrlich - was ist wichtiger für eine 12-jährige? Zusehen bei einem Mannschaftsspiel in ferner Zukunft oder etwas Reales in der Hand zu haben? Ich konnte gut verstehen, dass sie da gerne auf die Zuschauerkarten verzichten wollte!
Eben kam sie dann heim, nach weiteren 6 Stunden Tätigkeit und klagte, sie habe total Hugner! Leider wurden die Ballmädchen nicht alle zum Essen gerufen und als sie dann Pause hatte, war nichts mehr da.
Also, ich werde mir zukünftig gut überlegen, ob ich meinen Kindern dazu raten werde, ehrenamtlich tätig zu werden. Es ist ja nicht so, dass es sich hier um einen mittellosen Veranstalter handelt! Finanzkräftige Sponsoren stehen im Hintergrund: neben Smart die Techniker Krankenkasse, Pro7, Salvus, Langnese und viele mehr! Und da war kein Geld mehr vorhanden, um den Ballmädchen ein kleines Geschenk zu machen? Ziemlich unsmart!
Samstag, 12. Juni 2010
Sonntag, 23. Mai 2010
Grün-Gelb
Nachdem ich beim Kata-Spezial mein armes, altes Rennrad mit fast platten Reifen so arg malträtiert hatte, hat mein Mann sich erbarmt und es endlich mal aufgepumpt. Bei der Gelegenheit auch gleich die Getränkeflaschenhalterung angeschraubt und jetzt könnte er eigentlich noch fix eine neue Klingel besorgen ;-) Gestern bin ich dann mit mittelmäßiger Motivation (ich hatte noch die ziemlich mühsamen letzten Ausfahrten im Gedächtnis) auf eine rund 40-km-Strecke aufgebrochen. Für die Distanz ist es immer noch am Besten, die Sentruper Straße stadtauswärts zu fahren, ein kleines Stück links den Dingbänger Weg runter, dann sofort wieder rechts auf die kleine Straße durch die Natur, am Reiterhof vorbei, an Jaques Weindepot (aber nicht anhalten! ;-)) Richtung Roxel-Industriegebiet und dann über den Nottulner Landweg Richtung Albachten. Richtig warm bin ich dann, wenn ich nach knapp 10 km an der Gärtnersiedlung Richtung Bösensell entlangdüse. An der Kreuzung, an der es gradeaus nach Bösensell ginge, fahre ich dann rechts, an dem Ort entlang, dann, hinter dem Ort links und eine Schleife, bis ich wieder an der Gärtnersiedlung bin. Bei der 30-km-Strecke fahr ich an dieser Stelle wieder Richtung Heimat, sollen es gut 40 werden, fahre ich die Schleife an Bösensell entlang ein zweites Mal.
Ich merkte schon auf dem Weg nach Roxel, dass mir gestern die Götter der Geschwindigkeit hold waren! Wow, das ging ab! Was so aufgepumpte Reifen doch ausmachen! Ein Blick auf meine Garmin-Puls-und-Speed-Uhr bewies auch, dass ich meist mit knapp oder gut 30 km/h unterwegs war. Und es war kaum anstrengend! Die Qualen der letzten Fahrten schienen einem schlechten Traum entsprungen zu sein! Statt nur schnell noch nach Hause zu wollen, genoss ich die herrliche Landschaft, die in satten Farben an mir vorbeizog. Grün-Gelb - als politische Koalition zwischen handgefertigten Grobstrickpullovern und seitenbescheitelten Kreissparkassenanzugträgern zwar undenkbar, in der Natur, bestehend aus sattgrünen Wiesen und knallgelben Rapsfeldern aber Wellness für die Augen! Da fährt sichs doch fast von ganz allein!
Die zweite Schleife war dann auch nur so weggeschnupft und als ich wieder daheim war, überraschten mich meine Trainingswerte mit neuer Bestzeit und -form!
Um den Tag abzurunden fuhr ich dann mit vier schnatternden Mädchen (Franzi und Johanna mit je einer Freundin) noch in das gestern eröffnete Freibad Coburg. Das Wasser hatte 18 Grad und ich konnte auch ohne Neo meinen Kilometer abspulen, leider noch mit einer Bahn Kraul und Brust abwechselnd....naja, ist ja noch ein Monat Zeit bis zum ersten Schwimm-Wettkampf....
Ich merkte schon auf dem Weg nach Roxel, dass mir gestern die Götter der Geschwindigkeit hold waren! Wow, das ging ab! Was so aufgepumpte Reifen doch ausmachen! Ein Blick auf meine Garmin-Puls-und-Speed-Uhr bewies auch, dass ich meist mit knapp oder gut 30 km/h unterwegs war. Und es war kaum anstrengend! Die Qualen der letzten Fahrten schienen einem schlechten Traum entsprungen zu sein! Statt nur schnell noch nach Hause zu wollen, genoss ich die herrliche Landschaft, die in satten Farben an mir vorbeizog. Grün-Gelb - als politische Koalition zwischen handgefertigten Grobstrickpullovern und seitenbescheitelten Kreissparkassenanzugträgern zwar undenkbar, in der Natur, bestehend aus sattgrünen Wiesen und knallgelben Rapsfeldern aber Wellness für die Augen! Da fährt sichs doch fast von ganz allein!
Die zweite Schleife war dann auch nur so weggeschnupft und als ich wieder daheim war, überraschten mich meine Trainingswerte mit neuer Bestzeit und -form!
Um den Tag abzurunden fuhr ich dann mit vier schnatternden Mädchen (Franzi und Johanna mit je einer Freundin) noch in das gestern eröffnete Freibad Coburg. Das Wasser hatte 18 Grad und ich konnte auch ohne Neo meinen Kilometer abspulen, leider noch mit einer Bahn Kraul und Brust abwechselnd....naja, ist ja noch ein Monat Zeit bis zum ersten Schwimm-Wettkampf....
Dienstag, 18. Mai 2010
Kata-Spezial 2010 in Karlsruhe - Merengue um Mitternacht!
Da ich in den vergangenen Monaten das Kata-Training leider etwas vernachlässigt hatte,
wurde es jetzt dringend Zeit, diese Disziplin mal wieder etwas zu vertiefen. Also ging es
mit drei Karatefreundinnen (Nina, Silke, Madeleine) im Schlepptau zum Kata-Spezial
nach Karlsruhe Neureut. Da in der Gruppe ab 2. Dan schon die Abläufe sämtlicher Katas vorausgesetzt werden und man eigentlich nur noch an den technischen Details einer Kata oder an der
Anwendung feilt, hatte ich doch ein leicht mulmiges Gefühl.
Nach einer Anreise mit wenig Staus und viel Sucherei vor Ort fanden wir als Unterkunft
ein zauberhaftes und frisch renoviertes Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert! Unsere
Vermieterin, eine Goldschmiedin, berichtete uns nicht nur detailliert über die
Restaurierung des Gebäudes, sondern wies auch schon darauf hin, dass neben uns auch
noch ein weiterer Gast dort logierte: Oscar Lopez aus Peru, ein Polizist, der ein
Stipendium in Deutschland hatte.
Das Training am Donnerstag begann für mich direkt mit dem aus Japan angereisten
Highlight: Shihan Ogura. Ich konnte nicht ahnen, dass gleich die erste Kata-Einheit quasi
ein "Geschenk" für mich werden sollte: Kata Sochin - meine Prüfungskata zum 2. Dan
und meine letzte Turnier-Kür-Kata! Da konnte ich mich auf die Feinheiten konzentrieren.
Allerdings ließ uns der Shihan zunächst einmal einige Kihon-Bahnen laufen und schon bald wurde klar, worauf
er hinauswollte: Wir sollten im Sochin-Dachi im Wechsel Kizami- und Gyakutsuki
schlagen. Ich versuchte, meine Knie und Oberschenkel hierbei an ihrer Stelle zu lassen
und doch die Hüfte aus und ein zu drehen. Und genau darauf wollte der Shihan auch
hinaus! Hier mein Dank an Risto Kiiskilä - denn sein Power-Pack zielt genau darauf hin: in allen
Ständen einen Hüfteinsatz umsetzen zu können.
Als nächstes Sensei Julian Chees, der es sich nicht nehmen ließ, das Aufwärmtraining
selber zu leiten. Die Kata, die er uns zunächst näher brachte (Nijushiho) gehört leider nicht zu meinen Lieblingskatas. Zunächst ließ uns Julian einzelne Abschnitte der Kata laufen, jeweils erst langsam auf zählen, dann stärker und schließlich auch auf eigene Zeit, erst locker, dann stark. Die Anfangssequenz gab es dann als
Bunkai-Übung und die letzten Techniken der Kata übten wir sogar zu dritt. Mit der
Anfangssequenz sind mein Partner und ich leider nicht richtig klar gekommen: Die
Distanz passte bei uns irgendwie nie richtig!
Ziemlich überrascht war ich dann, als in der letzten Viertelstunde der Trainingseinheit noch die Jitte angesagt wurde! Trotz der Kürze der Zeit trainierten wir sie so intensiv, dass ich hinterher echt kaputt war!
Am zweiten Tag schulte Shihan Ochi die Gojushiho Dai! Das war eine sehr intensive Einheit, wie man sie von unserem Shihan kennt.
Da ich am Nachmittag mit den Karatefreunden aus Münster in die Sauna gehen wollte und diese bereits viel früher mit dem Training fertig waren, als ich, beschloss ich, am Nachmittag die Shodan-Einheit
mitzumachen. Wieder durfte ich bei Shihan Ochi trainieren und er übte ausgiebig
die Nijushiho mit uns. Hier, bei den Shodans, wurde auch der Ablauf noch einmal
explizit vermittelt. Es war ein sehr schönes, lehrreiches Training - allerdings habe ich
mich doch etwas geeärgert, als ich hörte, dass ich wegen der Sauna die Gangaku bei
Sensei Thomas Schulze versäumt hatte!
Zur Sauna fuhren wir ins Fächerbad, das Ex-Münsteraner Michi Maibaum für uns
ausgesucht hatte. Der Eingangsbereich und die heruntergekommenen Umkleiden
machten zunächst keinen einladenden Eindruck. Allerdings verfügte die Anlage über ein
50- oder vielleicht soger 100 m-Becken - und ich hatte keinen Badeanzug dabei!!! Naja,
dann eben nur Sauna. Und ich muss sagen: Es hat ausgereicht! Ich habe insgesamt vier
Aufgüsse mitgenommen, von denen drei die wohl heftigsten Aufgüsse meines Lebens
waren! Dass die Haut nicht in lodernden Fetzten vom Leibe brannte, war auch alles!
Wirklich - es war fast unerträglich und gleich nach dem Aufguss sind fast alle Saunafans
aus dem Raum geflohen! Der Brüller war jedoch der Moment, in dem tatsächlich
plötzlich in der Sauna ein Handy klingelte! Was haben wir gelacht! Aber es stellte sich
dann heraus, dass der Aufguss-Bereiter wohl ein Mobiltelefon in seiner Hosentasche
hatte... :-))
Nach der Sauna entschieden wir, an diesem Abend in unserem Feriendomizil etwas zu
kochen und statt des vorhandenen Rotweins doch lieber erst einmal ein Bier zu trinken.
Zum Glück hatte Edeka noch auf und wir deckten uns mit Bier, Chips und weiteren
Schmakazien ein, die man so für einen gemütlichen Abend zu dritt braucht. In der
Wohnung angekommen, trafen wir dann auf Oscar Lopez, den Polizisten, der zufällig
auch an diesem Abend nichts vorhatte. Nach dem Essen (es gab Brathühnchen vom
"Hühnchenparadies " um die Ecke) gab es dann doch noch reichlich Vino und als Oscar
dann nach Mitternacht seinen Laptop mit reichlich peruanischer Musik holte, um mit
jeder von uns einmal Merengue zu tanzen, konnte sich nur Nina erfolgreich verweigern.
Irgendwann plumpsten wir dann aber alle in die Falle - und ich war wirklich froh, am
nächsten Tag ausschlafen zu dürfen!
Tag 3. Oha, hätte ich doch mal den Vino weggelassen und mich schon vor Mitternacht
ins Bett gelegt! Die Quittung kam am nächsten Morgen. Wirklich schlecht ging es mir
zwar nicht, aber ich fühlte mich doch etwas wie in Watte gepackt, als Nina und Silke die
Wohnung früh verließen und die Zunge hatte diesen typisch pelzigen Belag, als ich
solidarisch "Tschüß" rufen wollte. Naja, aber ich durfte ja noch etwas herumgammeln,
bis ich mich kurz vor 11 Uhr auf mein Fahrrad schwang und zur Halle düste. Im
Vorraum erfuhr ich, dass jetzt gleich der strenge Toribio ein Auge auf uns haben und
uns die Kata Unsu vermitteln wollte. Ohje, ausgerechnet! Und mein Körper wollte sich
an diesem Tag so gar nicht bewegen! Zu Beginn liefen wir einige Passagen der Kata als
Kihon-Vorübung, dann die gesamte Kata einige Male auf zählen. Schließlich gab es Bunkai. Ich hatte einen männlichen Partner, der nicht viel sprach und bei dem ich auch nur selten an der Mimik ablesen konnte, ob
ihm das Training mit mir Spaß machte. Naja, mir hat es jedenfalls Spaß gemacht :-)
Zu unserer Belohnung gab es dann zum Ende der Einheit noch ausgiebiges Dehnen! Also, ich muss sagen - auf einer Skala von 1 bis 10 kann ich
diesem Training mit gutem Gewissen die Note 8 geben. und die zwei Punkte Abzug sind
nur mir alleine zuzuschreiben, weil ich an diesem Tag nicht in Bestform war. Alle
Trainingseinheiten waren toll und alle Instructoren super - aber dieses Training war für
mich mit Abstand das Beste!
Nachmittags durfte ich dann endlich mal bei Jean-Pierre Fischer trainieren. Dieser Typ ist
einfach super charismatisch! Ich hatte ihn beim Gasshuku in Konstanz einmal als
Trainingspartner - noch nie bisher hatte ich aber bei ihm trainiert. Deshalb war ich sehr
gespannt, was mich erwarten würde. Wir würden die Meikyo machen und die Kanku
Sho, erfuhr ich schon vorher während des Wartens. Auch Jean-Pierre ließ es sich nicht
nehmen, uns selber aufzuwärmen. Wow, ist der gelenkig! Er legte sehr viel Wert auf:
Hüfte, Hüfte, Hüfte! Und zwar in allen Ständen! Ach, und wieder kam mir Ristos Art, Karate
zu trainieren zu Gute!
Nach dem Training verabschiedete ich mich noch von Michi Maibaum, der schon an
diesem Abend abreisen wollte, weil er Angst hatte, am Folgetag im Stau zu stehen.
Anschließend fuhr ich zur Wohnung, wo die Mädels schon hungrig auf mich warteten.
Fix umgezogen und dann ab zur Halle. Mit gutem Gewissen konnte ich mich als
Fahrerin anbieten - Alkohol würde ich nach dem Weingelage des Vorabends sicher nicht
trinken! An der Festhalle angekommen gab es erstmal lecker Essen und, na gut, doch
ein Radler. Dann unterhielt ich mich mit vielen alten Bekannten und konnte der lieben
Ingrid schonmal die Namen der Trainer und Katas des Folgetages entlocken: Die Gruppe
2. Dan würde bei Shihan Ogura die Gojushiho Sho durchnehmen und die Shodan-
Truppe würde bei Jean-Pierre die Wankan und die Gankagu machen. Na, da fiel mir die
Entscheidung ja nicht schwer: Auch wegen der früheren Trainings- und daraus
resultierenden Abfahrtzeit würde ich bei den Shodans mitmachen - und natürlich wegen
Jean-Pierre und der Gangaku! Drei gute Gründe, wer kann dazu schon nein sagen? ;-))
Dann begann auch bald die Band zu spielen. Der Name "Peter and the Wolves" hatte
mich ehrlich gesagt ganz schön abgeschreckt! Aber dann machten sie echt ganz
ordentlich tanzbare Mukke! Etwas Sixties-lastig vielleicht, aber tanzbar auf jeden Fall. Bis
Mitternacht zappelte ich fast ohne Pause und dann erlöste ich meine Mädels, die auch
sicher schon eine Stunde eher heimgefahren wären!
Wie immer nach Partys konnte ich nicht ein- und nicht tief durchschlafen (im Kopf geht
die Party immer weiter....) und so wachte ich recht schlapp und müde auf. Ich konnte ja
leider an diesem letzten Trainingstag nicht wie gewohnt ausschlafen. Ich musste ja noch
packen und eineinhalb Stunden eher beim Training sein! Das jedoch lohnte sich! Wir
liefen zunächst fast eineinhalb Stunden die Wankan (die Jean-Pierre immer herrlich nasal
etwa "Wookoo" aussprach ;-) Die Wankan ist die kürzeste der Shotokan Katas und hat
auch nur ein Kiai. Umso erstaunter war ich, dass wir uns so lange mit ihr beschäftigten
und ich fürchtete schon, die Gangaku käme zu kurz. Das war dann aber nicht so, denn
wir übten auch die Kata mit dem Kranich auf dem Felsen so lange, bis uns die
Oberschenkel brannten! Ach, ist die schöööön! Aber natürlich hat auch sie es in sich mit
ihren vielen schwierigen Drehungen und Stellungen auf einem Bein!
Die Heimfahrt ging dann ganz flott und ohne jeden Stau. Bis cirka Höhe Gießen, als
plötzlich die Leistung nachließ und mein Auto keinen Hering mehr vom Teller ziehen
konnte! Wir hielten zweimal auf einem Parkplatz, einmal auch länger - und warteten, ob
sich das Autochen erholt. Nach dem zweiten Stopp ging es tatsächlich wieder besser
und statt mit 50 km / h fuhren wir immerhin mit 110 Sachen die Berge des Sauerlandes
hoch (runter dann wieder schneller ;-) Wie auch immer - wir kamen gut heim und es
schien sogar endlich mal die Sonne!
Mittwoch, 12. Mai 2010
Hier kann man selber abstimmen:
Bitte auf den Titel klicken, dann kommt man zur Abstimmungsplattform der Westfälischen Nachrichten.
Wer lobt denn das Kind?
Hier in Münster schlägt derzeit ein Ereignis aus dem öffentlichen Personennahverkehr Wellen: Ein 11-jähriger Gymnasiast mit Gipsbein, Krücken und einem schweren Tornister wollte von einer innerstädtischen Schule mit dem Bus nach Hause fahren. Da er leider grade sein Busgeld nicht zur Hand hatte, verweigerte der Busfahrer ihm den Einstieg. Der Junge hatte auch kein Handy dabei und daher blieb ihm nichts anderes übrig, als zu Fuß nach Hause zu laufen. Dort kam er total erschöpft "und mit Atemnot" an.
Mutter und Oma des Kindes beschwerten sich sofort bei den Stadtwerken und informierten die Presse. Anfang der Woche erschien dann ein Artikel in den Westfälischen Nachrichten, in dem der Busfahrer massiv angeklagt wurde: Er hätte ein Kind nicht auf der Straße stehen lassen dürfen, selbst wenn es keinen Busfahrschein kaufen kann - und noch dazu hier ein Kind mit einem Krücken und Gipsbein! Der Aufschrei war groß - ein Disziplinarverfahren muss her! Der böse, rücksichtslose Busfahrer!
Spontan schossen mir folgende Gedanken durch den Kopf:
- Warum wird ein Kind mit Gipsbein und Krücken mit dem Bus zur Schule geschickt und nicht mit dem PKW gebracht. Naja, vielleicht haben Mutter und Oma (ein ehemaliges Ratsmitglied) keinen PKW. Dann eben Bus.
- Aber warum wurde dem Kind nicht eine Mehrfach- bzw. Monatskarte besorgt? Ein Gipsbein ist ja kein kurzfristiger Umstand.
- Warum hat das Kind nicht bei einem Passanten nach einem Handy gefragt oder ist zurück zum Schul-Sekretariat gelaufen und hat von dort aus telefoniert?
- Konnte das Kind sich nicht von einem Mitschüler den kleinen Betrag für die Busfahrt leihen oder auch hier ggf. das Sekretariat um Hilfe bitten?
Aber das Kind hat sich offenbar ganz bewusst für die Lösung Laufen entschieden. Ich finde das sehr beachtlich, dass ein Kind unter diesen Umständen seinen Heimweg zu Fuß bewältigt! Hut ab! Die optimale Reaktion von Mutter und Oma wäre wohl gewesen, das Kind wie folgt zu empfangen: "Boh, den ganzen Weg bist Du gelaufen? Da ist aber eine tolle Leistung! Na, dann ruh Dich erst mal aus, ich mach Dir einen heißen Kakao. Und dann erzählst Du mir mal, warum Dein Geld weg war und wie wir das in Zukunft lösen, dass sowas nicht nochmal passiert."
Der Busfahrer musste in Sekunden eine spontane Entscheidung treffen und er hört wohl täglich irgendwelche fadenscheinige Ausreden, von wegen: Geld verloren, Dauerkarte vergessen etc. Das Kind hat sich in der Situation zu helfen gewusst und war in keiner unzumutbaren Lage (es wurde z. B. nicht mitten in der Nacht bei Minusgraden auf einem verlassenen Bahnhof ausgesezt). Ich finde, statt den Busfahrer zu bestrafen gehört das Kind gelobt! Andernfalls wird es auch im späteren Leben für alle Unannehmlichkeiten irgendweinen Verantwortlichen suchen, statt selber eine Lösung zu finden.
Mutter und Oma des Kindes beschwerten sich sofort bei den Stadtwerken und informierten die Presse. Anfang der Woche erschien dann ein Artikel in den Westfälischen Nachrichten, in dem der Busfahrer massiv angeklagt wurde: Er hätte ein Kind nicht auf der Straße stehen lassen dürfen, selbst wenn es keinen Busfahrschein kaufen kann - und noch dazu hier ein Kind mit einem Krücken und Gipsbein! Der Aufschrei war groß - ein Disziplinarverfahren muss her! Der böse, rücksichtslose Busfahrer!
Spontan schossen mir folgende Gedanken durch den Kopf:
- Warum wird ein Kind mit Gipsbein und Krücken mit dem Bus zur Schule geschickt und nicht mit dem PKW gebracht. Naja, vielleicht haben Mutter und Oma (ein ehemaliges Ratsmitglied) keinen PKW. Dann eben Bus.
- Aber warum wurde dem Kind nicht eine Mehrfach- bzw. Monatskarte besorgt? Ein Gipsbein ist ja kein kurzfristiger Umstand.
- Warum hat das Kind nicht bei einem Passanten nach einem Handy gefragt oder ist zurück zum Schul-Sekretariat gelaufen und hat von dort aus telefoniert?
- Konnte das Kind sich nicht von einem Mitschüler den kleinen Betrag für die Busfahrt leihen oder auch hier ggf. das Sekretariat um Hilfe bitten?
Aber das Kind hat sich offenbar ganz bewusst für die Lösung Laufen entschieden. Ich finde das sehr beachtlich, dass ein Kind unter diesen Umständen seinen Heimweg zu Fuß bewältigt! Hut ab! Die optimale Reaktion von Mutter und Oma wäre wohl gewesen, das Kind wie folgt zu empfangen: "Boh, den ganzen Weg bist Du gelaufen? Da ist aber eine tolle Leistung! Na, dann ruh Dich erst mal aus, ich mach Dir einen heißen Kakao. Und dann erzählst Du mir mal, warum Dein Geld weg war und wie wir das in Zukunft lösen, dass sowas nicht nochmal passiert."
Der Busfahrer musste in Sekunden eine spontane Entscheidung treffen und er hört wohl täglich irgendwelche fadenscheinige Ausreden, von wegen: Geld verloren, Dauerkarte vergessen etc. Das Kind hat sich in der Situation zu helfen gewusst und war in keiner unzumutbaren Lage (es wurde z. B. nicht mitten in der Nacht bei Minusgraden auf einem verlassenen Bahnhof ausgesezt). Ich finde, statt den Busfahrer zu bestrafen gehört das Kind gelobt! Andernfalls wird es auch im späteren Leben für alle Unannehmlichkeiten irgendweinen Verantwortlichen suchen, statt selber eine Lösung zu finden.
Sonntag, 9. Mai 2010
I hired a contract killer
Mein Mann und ich kommen grade aus dem Wolfgang-Borchert-Theater zurück. Es gab Aki Kaurismäkis "I hired a contract killer". Wir hatten extra Karten vorbestellt - stolze 19 Euro pro Karte, denn ich wollte gerne recht weit vorne sitzen. Wir kamen erst spät los und mussten auch noch zum Geldautomaten. Ich war fast sicher, dass die Karten nicht mehr zurückgelegt waren, war es doch schon kurz vor Vorstellungsbeginn, als wir das Theater erreichten. Ich sprang schnell aus dem Auto und überließ Frank die nervige Parkplatzsuche. Im Foyer die erste Überraschung: außer mir nur ca. fünf Leute da! Hatte ich mich doch mit der Anfangszeit vertan? Dann kam Frank und es erklang auch gleich der "Gong" in Form eines schrillen Klingelns. "Scheiß Klingelton", grinste Frank und wir betraten den Zuschauerraum. Lags an der Landtagswahl oder am Muttertag? Jedenfalls war das Theater nur zu einem Drittel gefüllt. Die Platzanweiserin forderte dann auch großzügig alle, die auf den hinteren Sitzen Platz genommen hatten, auf, sich doch gerne nach vorne zu setzen. Na prima, da hätten ja auch 16 Euro für die "billigen Plätze" gereicht! Unmittelbar vor uns waren noch zwei Plätze in der ersten Reihe frei - ich hatte schon fast meinen Handtaschen-Rucksack auf den Sitz vor mir geworfen, da hörte ich meinen Mann neben mir murmeln: Ich bleib hier, hab keinen Bock, zu wechseln! Und da waren auch schon zwei andere Leute auf den Sitzen vor uns - fassungslos stellte ich fest, dass es sich offenbar der Größe nach um zwei Basketballspieler handelte!
Nun, meine Stimmung passte gleich zu Beginn also schon mal recht gut zu einem Stück, in dem sich ein Suizid-Kandidat von einem Auftragskiller töten lassen will, weil in seinem Leben einfach alles schief zu gehen scheint!
Als das Stück begann, fiel mir schlagartig wieder ein, was ich im Feuilleton der Westfälischen Nachrichten darüber gelesen hatte: Handlung unterhaltsam mit überraschenden Wendungen, Kullisse einfallsreich - und: selbstgemachte Geräusche. Das heißt: Türenknarren, ein klimpernder Schlüsselbund oder auch die Fahrgeräusche der U-Bahn und das Quietschen eines über Papier gleitenden Filzstiftes wurden von Schauspielern gemacht, die grade keine Rolle zu spielen hatten. Es war herrlich! An einer Stelle vergaß einer der Schauspieler mal, das Türquietschen nachzuahmen und man kam sich fast so vor, als wäre der Lautsprecher defekt ;-) Die U-Bahn war so genial untermalt - man hatte direkt den typischen, muffigen Geruch der Tube oder auch der Metro in der Nase, die heiße, trockene Luft im Gesicht und fühlte sich irgendwie "ungewaschen", als hätte man einen ermüdenden Tag voller Fahrten unter der Erde in Verbindung mit ermüdenden Fußmärschen hinter sich gebracht.
Die Handlung ist fix erzählt: Der in London lebende Franzose Henri Boulanger lebt ein Leben ohne Höhepunkte. Selbst seinen 42 Geburtstag nimmt er nicht zur Kenntnis - und auch sonst niemand! Dann verliert er seinen trockenen und langweiligen Job in der Londoner Stadtverwaltung und plötzlich fällt ihm auf, dass er jetzt nichts und niemanden mehr hat! Selbst "Tante Charlotte", die einzige Verwandte, die ihm einfällt, ist inzwischen tot! Henri beschließt, dass sein Leben keinen Sinn mehr macht, kündigt seine Wohnung und besorgt sich einen Strick. Mit der Schlaufe um den Hals springt er von einem Hocker - doch der Haken bricht aus der Wand und Henri überlebt! Dann will er sich mit Gas aus seinem Herd vergiften - leider streiken in diesem Moment die Gaswerke! Ergebnis: Henri lebt! Zufällig erfährt er, dass im Drogenmillieu Auftragskiller ihr Unwesen treiben - das ist die Lösung! Er läßt sich in die finsterste Ecke Londonds fahren, in die sich selbst der Taxifahrer nicht mehr traut. Besonders genial dargestellt waren jetzt die finsteren Gestalten, die er hier um Hilfe bittet! Gegen viel Geld kann er tatsächlich einen Killer anheuern. Zurück in seiner Wohnung ist er - vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben - richtig aufgeregt! Er lauscht, ob der Killer schon vor der Tür steht und stellt sich schon mal vor die geöffnete Tür, um diesen zu erwarten. Der Killer kommt aber noch nicht und nach einer Weile beschließt Henri, in den Pub gegenüber zu gehen, um etwas zu essen. Dort trifft er die Blumenverkäuferin Margaret ("wolle Rose kaufe" hat sie zwar nicht gesagt, aber ich denke, das ging allen Zuschauern durch den Kopf ;-) und verliebt sich. Plötzlich hat sein Leben einen Sinn! Mist, jetzt hat er ja den Killer beauftragt! Es beginnt eine atemberaubende Jagd vor dem Unhold, der ja eigentlich auch nur wie Henri immer bisher in seinem Leben, sehr pflichtbewusst ist. Der Killer selbst befindet sich im Endstadium einer Lungenkrebserkrankung und will nur noch eben diesen Auftrag erfüllen - ist natürlich jetzt umso verbissener. Herrlich, mit welchen Mitteln hier auf der Bühne agiert wird! Das ist doch das Schöne am Theater - wie hier mit relativ wenigen Mitteln Szenen dargestellt werden können, für die es sich Filmemacher mit Special-Effekts leicht machen!
Sehr genial war in diesem Stück auch die Dreh-Bühne, die mit wenigen Handgriffen oder durch in die Handlung integrierte Bewegungen eine neue Kulisse entstehen ließ! Die Handlung trat diesmal hier fast in den Hintergrund und das Ende war keine große Überraschung: Am Ende der Verfolgungsjagd stehen sich Killer und Auftraggeber gegenüber, der Killer erzählt kurz von seinem eigenen Schicksal, zieht die Pistole, zielt auf Henri - und bringt sich dann selbst um! Henri hat es geschafft, er ist den Killer los! Jetzt freut er sich auf ein Leben mit Margaret, die im Taxi zu ihm eilt:"Fahr schneller!", ruft sie dem Taxifahrer zu. Der tut wie geheißen - und fährt dabei Henri über den Haufen, der prompt von der Bühne fällt! Hier liegt er reglos, Margaret, Taxifahrer und die Zuschauer schauen fassungslos auf den reglosen Körper! Aber da regt er sich auch schon wieder, rappelt sich auf, schaut überrascht in die Zuschauerreihen - und das Stück ist zuende.
Insgesamt war es ein sehr kurzweiliger Abend! Das Stück dauerte nur eineinviertel Stunden, es gab keine Sektpause zum Geldausgeben und so waren die 19 Euro auch schon wieder relativiert. Meinem Mann hab ich die verpassten Sitze in der ersten Reihe auch vergeben: Die "Basketballspieler" genossen die Beinfreiheit und rutschten tief in die Sitze und schließlich hatten wir nach dem Stück noch einen schönen Spaziergang am Kreativkai entlang. Ein sehr schöner Abend - das Leben kann so schön sein :-))
Nun, meine Stimmung passte gleich zu Beginn also schon mal recht gut zu einem Stück, in dem sich ein Suizid-Kandidat von einem Auftragskiller töten lassen will, weil in seinem Leben einfach alles schief zu gehen scheint!
Als das Stück begann, fiel mir schlagartig wieder ein, was ich im Feuilleton der Westfälischen Nachrichten darüber gelesen hatte: Handlung unterhaltsam mit überraschenden Wendungen, Kullisse einfallsreich - und: selbstgemachte Geräusche. Das heißt: Türenknarren, ein klimpernder Schlüsselbund oder auch die Fahrgeräusche der U-Bahn und das Quietschen eines über Papier gleitenden Filzstiftes wurden von Schauspielern gemacht, die grade keine Rolle zu spielen hatten. Es war herrlich! An einer Stelle vergaß einer der Schauspieler mal, das Türquietschen nachzuahmen und man kam sich fast so vor, als wäre der Lautsprecher defekt ;-) Die U-Bahn war so genial untermalt - man hatte direkt den typischen, muffigen Geruch der Tube oder auch der Metro in der Nase, die heiße, trockene Luft im Gesicht und fühlte sich irgendwie "ungewaschen", als hätte man einen ermüdenden Tag voller Fahrten unter der Erde in Verbindung mit ermüdenden Fußmärschen hinter sich gebracht.
Die Handlung ist fix erzählt: Der in London lebende Franzose Henri Boulanger lebt ein Leben ohne Höhepunkte. Selbst seinen 42 Geburtstag nimmt er nicht zur Kenntnis - und auch sonst niemand! Dann verliert er seinen trockenen und langweiligen Job in der Londoner Stadtverwaltung und plötzlich fällt ihm auf, dass er jetzt nichts und niemanden mehr hat! Selbst "Tante Charlotte", die einzige Verwandte, die ihm einfällt, ist inzwischen tot! Henri beschließt, dass sein Leben keinen Sinn mehr macht, kündigt seine Wohnung und besorgt sich einen Strick. Mit der Schlaufe um den Hals springt er von einem Hocker - doch der Haken bricht aus der Wand und Henri überlebt! Dann will er sich mit Gas aus seinem Herd vergiften - leider streiken in diesem Moment die Gaswerke! Ergebnis: Henri lebt! Zufällig erfährt er, dass im Drogenmillieu Auftragskiller ihr Unwesen treiben - das ist die Lösung! Er läßt sich in die finsterste Ecke Londonds fahren, in die sich selbst der Taxifahrer nicht mehr traut. Besonders genial dargestellt waren jetzt die finsteren Gestalten, die er hier um Hilfe bittet! Gegen viel Geld kann er tatsächlich einen Killer anheuern. Zurück in seiner Wohnung ist er - vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben - richtig aufgeregt! Er lauscht, ob der Killer schon vor der Tür steht und stellt sich schon mal vor die geöffnete Tür, um diesen zu erwarten. Der Killer kommt aber noch nicht und nach einer Weile beschließt Henri, in den Pub gegenüber zu gehen, um etwas zu essen. Dort trifft er die Blumenverkäuferin Margaret ("wolle Rose kaufe" hat sie zwar nicht gesagt, aber ich denke, das ging allen Zuschauern durch den Kopf ;-) und verliebt sich. Plötzlich hat sein Leben einen Sinn! Mist, jetzt hat er ja den Killer beauftragt! Es beginnt eine atemberaubende Jagd vor dem Unhold, der ja eigentlich auch nur wie Henri immer bisher in seinem Leben, sehr pflichtbewusst ist. Der Killer selbst befindet sich im Endstadium einer Lungenkrebserkrankung und will nur noch eben diesen Auftrag erfüllen - ist natürlich jetzt umso verbissener. Herrlich, mit welchen Mitteln hier auf der Bühne agiert wird! Das ist doch das Schöne am Theater - wie hier mit relativ wenigen Mitteln Szenen dargestellt werden können, für die es sich Filmemacher mit Special-Effekts leicht machen!
Sehr genial war in diesem Stück auch die Dreh-Bühne, die mit wenigen Handgriffen oder durch in die Handlung integrierte Bewegungen eine neue Kulisse entstehen ließ! Die Handlung trat diesmal hier fast in den Hintergrund und das Ende war keine große Überraschung: Am Ende der Verfolgungsjagd stehen sich Killer und Auftraggeber gegenüber, der Killer erzählt kurz von seinem eigenen Schicksal, zieht die Pistole, zielt auf Henri - und bringt sich dann selbst um! Henri hat es geschafft, er ist den Killer los! Jetzt freut er sich auf ein Leben mit Margaret, die im Taxi zu ihm eilt:"Fahr schneller!", ruft sie dem Taxifahrer zu. Der tut wie geheißen - und fährt dabei Henri über den Haufen, der prompt von der Bühne fällt! Hier liegt er reglos, Margaret, Taxifahrer und die Zuschauer schauen fassungslos auf den reglosen Körper! Aber da regt er sich auch schon wieder, rappelt sich auf, schaut überrascht in die Zuschauerreihen - und das Stück ist zuende.
Insgesamt war es ein sehr kurzweiliger Abend! Das Stück dauerte nur eineinviertel Stunden, es gab keine Sektpause zum Geldausgeben und so waren die 19 Euro auch schon wieder relativiert. Meinem Mann hab ich die verpassten Sitze in der ersten Reihe auch vergeben: Die "Basketballspieler" genossen die Beinfreiheit und rutschten tief in die Sitze und schließlich hatten wir nach dem Stück noch einen schönen Spaziergang am Kreativkai entlang. Ein sehr schöner Abend - das Leben kann so schön sein :-))
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