Montag, 15. September 2008

Sieg in Siegen

Vor ein paar Wochen flatterte eine Turnierausschreibung in meinen Mailbriefkasten: Samstag, 13.09.2008: Stadtmeisterschaft in Siegen. Ich hätte dem Ganzen vermutlich nicht viel Bedeutung beigemessen, hätte ich nicht zufällig beim diesjährigen Gasshuku in Hannover auch einige Karateka aus Siegen kennengelernt. Also mal näher angeschaut, die Ausschreibung und was seh ich? Das Turnier ist auch für Dan-Träger(innen) offen! Das ist ja mal selten und wie oft hatte ich mich schon geärgert, dass es so wenige realistische Möglichkeiten für Karate-Omis wie mich gibt, Erfahrungen zu sammeln, wenn es darum geht, zu "trainieren, worauf es ankommt", wie mein Sensei Risto immer so schön sagt. Also mal ausgedruckt und im Dojo ausgehängt. Zunächst fanden sich einige potenzielle Mitstreiter und ich plante, meinen Van mit fünf bis sechs Kämpfern zu füllen. Letztlich trug sich aber nur ein Mann auf der Liste ein und ich bezweifelte schon, ob es sich lohnen würde, nur zu zweit zu fahren. Mein Mitstreiter war aber recht engagiert und wollte unbedingt fahren, da konnte ich ja jetzt schlecht einen Rückzieher machen! Ausgerechnet am Tag vor dem Turnier fand noch meine Abteilungsfeier statt und ich ärgerte mich schon ein bischen, dass ich hier nicht "Vollgas" geben konnte. Als mich dann mittags mein Mitfahrer anrief und mitteilte, er sei verletzt und könne nun doch nicht starten, war ich fast erleichtert! Also per Anruf beim Ausrichter abgesagt. Mein Gesprächspartner war "not amused" und bat mich, mir doch meinen eigenen Start noch zu überlegen....ich sagte zu, bis Freitagabend noch zurückzurufen. Nach dem Mittagessen sah ich, dass er noch einmal versucht hatte, mich anzurufen und rief zurück: Er wolle mich ja nicht überreden oder so, aber es sei ja schon schade, wenn ich nicht käme....naja, wenn man schon mal sooooo lieb gebeten wird, dann kann man ja schon fast nicht mehr nein sagen... Also hab ich bei der zur Abteilungsfeier gehörenden Ralley mal eben mit zum Sieg beigetragen und dann nach ein paar alkoholfreien Getränken gegen 21 Uhr die Veranstaltung verlassen.

Nachdem ich am Samstag die wichtigsten Haushaltstätigkeiten und Einkäufe erledigte hatte, fuhr ich dann mit guter Musik am Ohr nach Siegen. Meine "Else" navigierte mich wieder wild in der Innenstadt des Zielorts umher, bis ich dann gegen 11.30 Uhr die Turnhalle erreichte. Ich wurde direkt von Moritz Kachel begrüßt, einem meiner Gasshuku-Bekanntschaften. Mein erster Start in der Disziplin Kata zog sich dann doch noch etwas hin und ich konnte schon mal meine "Konkurrenz" beschnuppern. Niemand, den ich vom Namen her kannte - aber vom Sehen her kam mir dann meine erste Gegnerin in der Disziplin Kumite bekannt vor. Sie stellte sich dann auch vor: Carina Kolb aus Köln, trainiert fast täglich bei Jörg Reuss. Oha, da sollte ich also direkt im ersten Kampf quasi "Britt Weingangds kleine Schwester" gegen mich haben, na toll! Und die übrigen drei Damen hatten alle ein Freilos?!?! Wie kann denn das sein? Naja, egal, et kütt wie et kütt....

Kata - oha....ich hatte mich ja nicht wirklich intensiv auf das Turnier vorbereiten können. Zwar hatte ich regelmäßig trainiert - aber was heißt schon regelmäßig? Ein bis zweimal die Woche und dann noch schnell am Donnerstag eine knappe Stunde Festigung der Heian Katas fürs Gewissen. Zum Glück hatte ich mir noch kurzfristig, so rein vorsorglich, versteht sich, eine Kata fürs Finale überlegt, aber eigentlich rechnete ich ja nicht damit, über die Vorrunden hinauszukommen. Natürlich kam da nur die Sochin in Frage, die ich ja in den vergangenen Monaten wegen der Dan-Prüfung am häufigsten geübt hatte. Es stellte sich dann heraus, dass wir bei Kata sogar nur zu viert waren. Also fiel die Vorrunde aus! Na, so ein Glück! Also war mir der Vierte ja schon sicher und vielleicht reichts ja noch für den Dritten! Wir bekamen kurz erklärt, dass wir quasi eine "Proberunde" laufen sollten. Das Ergebnis entschied allein über die Startreihenfolge in der "echten" Runde. Die anderen Mädels entschieden, sich ihre Kürkata für die entscheidende Runde aufzuheben und zeigten beim ersten Mal verschiedene andere Katas. Ich wollte mich aber nicht durcheinander bringen und machte zur Sicherheit gleich die Sochin. Und gleich Vollgas - die Kampfrichter sollten sofort sehen, dass es bei meiner Kata um Leben und Tod ging! Ich weiß gar nicht mehr welche Punktezahl ich bekam und auch nicht wirklich mit, in welcher Reihenfolge wir dann starten sollten. Alles war irgendwie egal. Es zählte nur noch SOCHIN. Dann war ich wieder dran. Ich stellte mich vor den Hauptkampfrichter und sagte entschlossen meine Kata an. Er und ich - wir fixierten uns mit den Blicken und ich ließ ihn erst wieder los, als ich vor der ersten Drehung den Blick nach links wenden musste. Das war schon ein geiles Gefühl - so ganz für den einen Moment da zu sein. Ich hörte und sah nichts mehr um mich herum. Das erste Kiai war so laut, dass es mir fast selber Angst machte! Und dann kamen letzten Techniken. Uchi-Uke nach links, Oi-Tsuki. Dann Uchi-Uke nach rechts und nochmal Uchi- Uke .... häää? Da muss doch eigentlich auch ein Tsuki hin! Ach Du Sch.... falsche Technik! Ich merkte es für den Bruchteil einer Sekunde - aber eigentlich wars egal - der imaginäre Gegner hatte auch die falsche Technik nicht überlebt - so stark und kraftvoll fühlte ich mich. Souverän brachte ich die Kata bis zum zweiten Kiai und stellte mich dann würdevoll in Shizen-Tai, als wäre nichts passiert. Als ich die Wertung sah, war es mit meiner Kraft und Stärke aber vorbei und ich wär fast ohne fremdes Zutun k. o. gegangen: 6,8 - 6,8 - 6,8 - 6,6 - 6,7! Wow! Ich kann mich nicht erinnern, jemals so eine Wertung bekommen zu haben! Carina nahm mich sofort zur Seite:"Mensch, da haste aber Glück gehabt! Dass Du eine falsche Technik gemacht hast, hat keiner gemerkt!" Das Mädel, das als letzte startete, war so eine klasssiche Kata-Frau: zierlich, hübsch, elegant...aber sie machte leider die falsche Kata, nämlich auch die Sochin! Zu ihr hätte besser etwas "leichtes" gepasst, Nijushiho oder vielleicht Chinte. Der Meinung waren dann auch die Kampfrichter und der Hauptkampfrichter meinte zu ihr anschließend: "Mensch, Maike, wär das ein Aufsatz gewesen, würd ich jetzt sagen "Thema verfehlt"." Ich riskierte einen ungläubigen Blick auf die Wertungsliste und konnte mein Glück nicht fassen - ich hatte tatsächlich den ersten Platz gemacht!

Das Kumite war dann sehr unspektakulär: Ich hatte entschieden, dass ich gegen einen Tiger wie Carina nur eine Chance habe, wenn ich nach vorne stürme. Hatte mir zwei Kombinationen überlegt, die ich ausprobieren wollte. Leider fehlt mir aber irgendwie jegliches Auge für die richtige Lücke und überhaupt die Erfahrung, mit solchen Gegenerinnen umzugehen. Zudem habe ich offenbar erhebliche Schwächen im Block und wurde so zweimal sehr sauber mit Kizami Jodan abgekontert. Eigentlich wäre jede Technik für sich schon ein Ippon gewesen, Carina erhielt aber nur je einen Wazari. Sie hatte dann letztlich aber wohl auch kein Glück und überraschender Weise nur den Dritten Platz erreicht. Aber so ist das nun mal auf einem Turnier - es kommt auf die Wahl der richtigen Kata an, auf ein bischen Losglück, auf die Leistungsfähigkeit in genau dieser einen Minute und manchmal auch einfach auf das Auge der Kampfrichter.

Wichtig ist immer, dass man vor dem Kampf den Puls runterbringt und die Aufregung in den Griff bekommt. Hier haben mir tatsächlich die Eindrücke von Jörg Ganterts CD "Mentaltraining für Kampfsportler" geholfen.

Die Turnierteilnahme habe ich auf jedenfall keine einzige Sekunde lang bereut. Vielleicht wäre das anders gewesen, hätte ich nicht einen so schönen Pokal (und eine Tüte Gummibärchen) mit nach Hause genommen. Aber ich denke auch in dem Fall hätte ich einfach einen schönen Karatetag gehabt mit sehr vielen netten Leuten um mich herum, vielen alten und einigen neuen Bekannten, die man sicher irgendwann bald wiedersieht. Für mich steht jedenfalls fest: Karate ohne Wettkampf ist wie Tanz ohne Musik oder wie Schwimmen ohne Wasser - es fehlt etwas ganz Entscheidendes!

Oss, Icky

Sonntag, 7. September 2008

Der Finne, der die Tradition modernisiert

Am 6. und 7. September 2008 war es wieder soweit: Risto Kiiskilä sollte uns in unserer Heimatstadt seine Karate-Schmakazien zeigen und erklären! Rund 60 Teilnehmer fanden sich in der Paul-Gerhard-Schule ein, um sich - zu etwa gleichen Teilen - getrennt nach Unter- und Oberstufe von Risto unterrichten zu lassen. Hielt Risto uns auch wieder einmal den ein oder anderen Kurz-Vortrag über die Unsinnigkeiten der angeblichen Karate-Traditionalisten, so war er doch im Großen und Ganzen recht gut gelaunt und ging recht gnädig mit unseren Unzulänglickeiten um. Zwar hörte ich hin und wieder "Icky, mach mal so und so..." quer durch die Halle, insgesamt kam ich aber ganz gut weg. In der dritten Einheit wurde ich sogar zum Vormachen nach vorne geholt - und zwar diesmal NICHT als abschreckendes Beispiel :-) Auch die anderen Karateka, die zu Übungszwecken der ganzen Mannschaft etwas "vormachen" durften, wurden nicht so "vorgeführt", wie es sonst schon mal vorgefallen ist.

Zum Trainingsinhalt kann zusammen gefasst werden: Es gab im Grunde genommen Basics, diese allerdings wie immer auf einem verdammt hohen Niveau! Kizami-Tsuki und Gyaku-Tsuki - wir wurden z. B. darüber belehrt, dass es viele verschiedene Arten des Gyaku-Tsuki gibt: den unmittelbaren Konter-Tsuki und verschiedene für unterschiedliche Distanzen. Risto wies an verschiedenen Stellen darauf hin, dass sich die Techniken im Laufe der Zeit ändern, im Sinne von "optimieren". So wird der Tsuki heute mehr aus der Schulter gestreckt, als früher. Auch dies entspräche immer noch der Tradition, denn selbst der Tradition muss es erlaubt sein, sich zu entwickeln und zu optimieren. Das Richtige und Beste bleibt über die Zeit.

Beim Kizami übten wir die absolute Körperspannung und bekamen erklärt, warum diese nur mit nach vorne gehobenen Becken möglich ist. Wir übten dies dann durch Druckausüben gegen die Turnhallenwand.

Und immer wieder: Hüfte, Hüfte, Hüfte! Zum regelmäßigen Training empfahl der JKAa-Instructor uns verschiedene tägliche und/oder mehrmals wöchentliche Hüftübungen aus seinem Powerpack-Programm. Ganz Hüfte war die zweite Einheit am Samstag: Es ging um Ashi-Barai. "Wie wird der Ashi-Barai in unserer Stilrichtung gelehrt?" Schweigen. "Es gibt keine offizielle Lehrmethode!" Also konnte uns Risto ohne Skrupel seine Art des Ashi-Barai erklären, pardon: Seine Arten! Denn auch hier gibt es verschiedene Variationen, die wir ausprobieren durften. Ungewohnt für viele von uns: den Fuß dabei strecken, wie ein "Ballettfüßchen", also mit dem großen Zeh nach unten. Ashi-Barai also mit dem hinteren Bein und mit dem vorderen und dann beides kombiniert, in dem mir schon bekannten, musikalischen Rhythmus: Tam, tatataataa, tam, tam! Äh, ich meine natürlich: ha, hahahaahaa, ha, ha - denn auch auf die korrekte Atmung wies der Meister aus Lahti immer wieder hin.

Karate besteht aus Kihon, Kumite und Kata. Risto machte deutlich, dass es Blödsinn ist, zu sagen "ich bin ein Kata-Mann" oder "...Kumite-Mann". Es muss alles trainiert werden. So kamen wir natürlich auch in den Genuss des Katatrainings und zu meiner besonderen Freude gab es die Hôkyokkukô, Risto's eigene Halbfreikampfkata! Hier kam mir schon manche Passage vertraut vor und es war mal ein schönes Gefühl, der Mehrheit der Trainierenden ausnahmsweise mal ein kleines Stückchen voraus zu sein.

Etliche Karateka kamen offenbar zum ersten Mal in den Genuss all dieser Risto-Rismen und Spezialitäten. Das merkt man immer sehr schnell, wenn jemand versucht, des Meisters rhetorische Fragen ernsthaft zu beantworten. Viele fanden aus Billerbeck, Coesfeld und auch dem Ruhrgebiet nach Münster. Mit jeder Einheit wuchs die Begeisterung über das logische Karatekonzept Ristos. Ganz bestimmt hat er auf diesem Lehrgang einige neue Anhänger gefunden. Meiner Meinung nach sehr bedenklich: Es fanden sich im Schnitt nur sechs Dan-Träger zu den Einheiten ein! Hat die Meisterklasse wirklich nichts mehr dazuzulernen?

Samstag, 23. August 2008

Entwurf Leserbrief zu "Verkehrsrowdies"

Leserbrief zum Thema „Verkehrsrowdies“

Es gibt zahlreiche Gründe für zunehmende Verkehrsverstöße: zunehmender Verkehr, Schnelllebigkeit des Alltags, Unaufmerksamkeit, Ablenkbarkeit (Handy, Radio etc.) und sicher auch der in der Ellenbogengesellschaft zunehmende Egoismus.

Ein sehr wichtiger Grund ist aber auch die „Über-Regelung“ des Straßenverkehrs. In Münsters Verkehrslandschaft gibt es zu viele Regelungen und von diesen dann wieder Ausnahmen, so dass die Verkehrsteilnehmer einen Ermessensspielraum haben. Viele der Regelungen sind zudem nicht nachvollziehbar. Dies verleitet dazu, in diesen Situationen dann ebenfalls vom eigenen Ermessen Gebrauch zu machen und gegen Vorschriften zu verstoßen. Oder die Regelungen und Ausnahmen werden schlichtweg nicht mehr verstanden – die Verkehrsteilnehmer sind einfach überfordert. Hier ein paar Beispiele:

- Ampeln: Fahren bei Grün, Halten bei Rot. Es sei denn, es ist ein grüner Pfeil für Rechtsabbieger da. Dann hat der Verkehrsteilnehmer wieder Ermessensspielraum. Fahrradfahrer finden hin und wieder das Schild „gilt nicht für Fahrradfahrer“, dürfen also auch bei „Rot“ fahren.
- Einbahnstraßen: Nur in eine Richtung befahrbar. Ausnahmen: Gegenrichtung frei für Radfahrer.
- Rechtsfahrgebot: Einige Radwege gelten für beide Richtungen. Die PKW-Fahrer rechnen nicht mit links fahrenden Radlern – Unfallgefahr.
- Ampeln: Hindenburgplatz statdauswärts: rechts Abbiegen verboten. Aber: Die offiziellen Buslinien fahren rechts ab! Und es ist nicht mal ein Hinweis „außer Busse“ o. ä. angebracht.
- Fahrradstraßen: trügerische Sicherheit für Radfahrer.
- Tempolimits: an einigen Straßen schlichtweg nicht nachvollziehbar.
- Vorfahrtregelungen: An einigen Straßen ist über eine längere Strecke an Kreuzungen die Vorfahrt durch Schilder geregelt, plötzlich kommt eine Kreuzung mit rechts-vor-links!
- Schließlich noch der Kreisverkehr, an dem nach der neuen Planung sind wohl alle Verkehrsteilnehmer überfordert sind.

Insgesamt also viel zu viele (zum Teil nicht nachvollziehbare) Regelungen, von denen es dann wieder zu viele Ausnahmen gibt. Wer blickt denn da noch durch?

Mittwoch, 13. August 2008

Starker Karate-Wochenstart!

Da das Wochenende so gänzlich unsportlich verlief, beschloss ich, am Montag mal wieder ein Kampfsport-Doppelpack hinzulegen. Erst sollte beim Fitness-Kickboxen so richtig geschwitzt werden, bevor es dann beim Karate an die körperlichen Grenzen ging.

Beim Fitness-Kickboxen hatte ich gleich das Vergnügen, mit Sensei Jörg zu üben. Ach, das fällt mir immer noch schwer, da die vielen Unterschiede zum Karate zu beachten! Vor allem auf die Deckung muss mehr Wert gelegt werden (Arme direkt am Körper halten, keinen Age-Uke machen usw.), da man ja tendenziell "näher dran" ist am Partner. Dann noch die Haken und Kicks, die doch anders ausgeführt werden. Aber ehrlich gesagt hab ich hier nicht den Anspruch, es technisch hundertprozentig auszufeilen - 98 % würden mir reichen ;-) Nach der Runde mit Jörg hatte ich dann gleich wieder einen sehr starken Partner, der mich wahrlich nicht schonte! Bei den weiteren Partnern konnte ich dann ein wenig runterkommen.

Karate dann wieder auf anspruchsvollem Niveau bei Sensei Jörg: Grundschule mit Elementen aus der Unsu und gaaaanz viel Kumite. Ich hatte hier das außerordentliche Vergnügen, mit Jörgs Frau Sylvie trainieren zu dürfen, die mit ihren wunderbar präzisen, kraftvollen und dynamischen Techniken sehr an Annika Lapp erinnert. Ich spürte alle meine Fehler: kein Hüfteinsatz, Fausttechniken geschoben, zu wenig Abdruck aus dem hinteren Bein! Aber Einsicht ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung und vielleicht wieder ein Schritt in die richtige Richtung. Als Sylvie nach dem Yame versicherte, das Training mit mir habe ihr viel Spaß gemacht, war dann auch der ein- oder andere Erkenntnis-Frust vergessen :-))

Trotz einiger blauer Flecke vom Montag wurde auch Dienstag nicht pausiert: Um 18 Uhr leitete unser frisch gebackener Jondan Sensei Jürgen Vahle die Einheit mit einem Aufwärmtraining ein, das auch viele Reaktionsübungen enthielt, die mir ja immer so schwer fallen! Zu allem "Übel" hatte ich auch noch Andy Noll als Partner, der sich ja zusammen mit mir auf den Nidan vorbereitet hat - echt ein harter Brocken, der Kerl!

Sensei Michael Jarchau übernahm dann noch vor halb sieben die Einheit und wiederholte zunächst im Wesentlichen die Trainingsinhalte der vergangenen Woche. Irgendwie hatte es letzte Woche besser geklappt....oder ich bin auch hier kritischer geworden. Zum Abschluss des technischen Übungsteils gab es dann wieder die Kombinationen mit Partner und hier hatte ich es dann mit Horst "zu tun", der mich erbarmungslos durch die Halle "prügelte" - und immer wieder auf die blauen Flecken vom Vortag!

Sensei Michael war an diesem Dienstag überhaupt nicht zufrieden mit uns! Mehr als einmal beklagte er unsere mangelhafte Dynamik, einen Mangel an Kampfgeist und die Tatsache, dass wir nicht hundertprozentig auf die Übungen fokussiert waren. Sehr deutlich erklärte er uns den Unterschied zwischen Kampfsport und Kampfkunst, zwischen Karate als "Hobby" oder Zeitvertreib und Karate-Do.

Um seine Ausführungen zu unterstreichen ließ er uns die letzten zehn Minuten noch einmal richtig mit Krafttraining durch. Heute Morgen war dann erst mal eine Portion Magnesium fällig, um den schlimmsten Muskelkater zu besänftigen.

Freitag, 8. August 2008

"1. Dan" im 50-Meter-Becken

Im Sternzeichen Krebs geboren ist es wohl nicht verwunderlich, dass ich mich im Wasser wohl fühle. Wasser ist mein Element, am Liebsten hab ichs blau gekachelt ;-)) Um mich auch mit 40 noch fit zu halten, genieße ich daher die Bahnen im örtlichen Freibad. Es hat 50 Meter Länge und zwei abgetrennte "Sprinterbahnen". War ich früher noch zu langsam für diese Bahnen und für alle anderen ein Hindernis, kann ich dort inzwischen mit den anderen Schwimmern schon ganz gut mithalten.

Eigentlich war ich immer eine "Brust-Schwimmerin". Aber vor einigen Jahren hatte ich ein bischen Stress mit den Knien und wollte mal wieder Kraul ausprobieren. Das hatte ich schließlich in der Schule mal gelernt. Ich glaub, im Sportunterricht der Berufsschule wars. Aber - ich hatte vergessen, wie anstrengend das ist! Puh! Ganz stolz war ich, als ich die erste ganze 50-Meter-Bahn geschafft hatte, ohne abzusaufen! Dann hatte ich mich so auf eine Bahn Kraul, eine Bahn Brust eingependelt und das 1.000 Meter. Irgendwann sah ich dann doch ein, dass sich bei der Anschaffung einer Chlorbrille eine größere Investition lohnt. In meine alte Brille lief andauernd das Wasser und sie beschlug immer wieder. Außerdem war sie schon total verkratzt.

Diesen Sommer merkte ich plötzlich, dass mir die 1.000 Meter nicht mehr reichten! Also das bisherige Programm und anschließend noch ein paar Bahnen Brust - erst 500 Meter, dann weitere 1.000, war dann also bei insgesamt 2.000 Metern. Boh ey, das hab ich vorher noch nie geschafft! Nach dem Kauf der Chlorbrille stand jetzt die Anschaffung einer Badekappe an - da erntete ich natürlich den Spott daheim: BADEMÜTZE - wie SPIESSIG! Und irgendwie ein Relikt unserer Kindheit! Aber mich nervten meine mir immer in den Mund hängenden Haare, die mich trotz Zopf beim Luftholen behinderten.

In dieser Woche stand mein nächstes Trainingsziel an: 1.000 Meter Kraul. Erst hab ich immer nach 100 Metern eine Pause gemacht. Irgendwie stimmte was mit der Atemtechnik noch nicht - ich schaffte die zwei Bahnen immer "so grade" und japste anschließend ziemlich erbärmlich nach Luft! Dann hatte ich mal einen Tag Pause und als ich anschließend ins Becken sprang, schwamm ich wie selbstvertändlich 1.000 Meter - ohne Pause und ohne Japsen! Heute früh hätte ich dann glatt noch weiterschwimmen können, aber die Arbeit rief leider :-(

Mir kommt es vor, als hätte ich jetzt auch beim Schwimmen ein Trainingsziel erreicht, wie vor vier Jahren beim Karate mit der Prüfung zum 1. Dan: es ist schon was geschafft, aber "eigentlich fängt das Training jetzt erst an." Ich werd mir mal ein weinig die Schwimmtechniken der anderen Sportler abgucken. Was macht die schneller? Es gibt noch viel zu tun....

Mittwoch, 6. August 2008

Die Früchte des Gasshuku

Dienstag Training bei Sensei Michael - Gasshuku Basics

Tsukis im Stand, mit Körpereinsatz, im letzten Moment Faust drehen, "langer Lauf" des Arms

Vor mit ZK und Oi Ts, aus hinterem Bein abstoßen

Vor Oi Ts, Gyaku Ts, lang strecken

Dann vorgehen: Kizami Ts im Stand, dann Schritt vor und Gyaku Ts (selber Arm)
Dann umgekehrt: Gyaku Ts im Stand, vor Kizami Ts

Das dann mit Partner

Samstag, 2. August 2008

Gasshuku 2008



Karate, Klönen, Karaoke


Ein Blick auf meinen Kalendereintrag erinnerte mich daran: "Gasshuku Hannover, 27. Juli - 2. August - Unterkunft sichern und Urlaub nehmen". Leider bekam ich erst ab Mittwoch frei und verpasste die ersten beiden Trainingstage. Eine Fahrgemeinschaft war so auch nicht drin und selbst bei den Wohnungs- bzw. Zimmergemeinschaften war ich etwas spät dran. In der Jugendherberge gab es nur noch ein Bett in einem Vierbettzimmer mit drei mir unbekannten Frauen. Na, ob das gut geht?

Bevor ich am Dienstagabend zum Festzelt ging, um mit alten Karatefreunden zu plaudern und neue kennenzulernen, bezog ich also mein Quartier. Meine "Wohngemeinschaft" kam erst nach Mitternacht in die Jugendherberge und das Kennenlernen musste daher bis zum Mittwochmittag warten. Da waren sie also, meine drei Gefährtinnen: Natalie, zweiter Dan, im heimischen Dojo sehr engagiert, Undine, Gelbgurt, auf ihrem ersten Karatelehrgang überhaupt und schließlich noch Claudia, die „einfach so“ zum Sightseeing in Hannover war und mit Karate bisher nichts zu tun hatte. In einem Zimmer wurde also quasi die gesamte Bandbreite der Gasshuku-Besucher abgedeckt: engagierte Kampfsportler, Freizeitsportler, denen die Namen, Trainingsschwerpunkte und "Besonderheiten" der meisten Instructoren bereitsbekannt waren, Neulinge, die vielleicht zum ersten Mal dieses gigantische Karate-Event erleben durften und Mitgereiste Freunde und Verwandte, die sich als Nicht-Karateka während der Trainingszeiten einen schönen Tag in der Umgebung machten.

Das Trainerangebot dieses Mega-Lehrgangs war wieder einmal gigantisch: Neben den JKA-Instructoren Kiiskilä, Osterkamp und Rotzinger konnten wir uns auch von vielen in Europa tätigen Senseis wie Akita, Geyer, Shirai und Sugimura unterrichten lassen. Besonders beeindruckten vor allem auch die in Japan tätigen Ausbilder wie Shihan Tsuyama. Toribio Osterkamp begrüßte meine Gruppe am Mittwochmorgen mit der Unsu. "Den Ablauf kennt Ihr ja alle, da brauch ich nichts zu erklären", wies er uns gleich auf seine hohen Erwartungen an unser Trainingsniveau hin. Auch seine weiteren Anmerkungen, Hinweise und Korrekturen ließen keine Zweifel daran, dass hier ein Perfektionist in Sachen Kata am Werk war. Gleichermaßen anspruchsvoll startete auch Sensei Akita am Donnerstag den Trainingstag: Die Fülle der Hinweise, die er uns zur Sochin gab, konnte sich wohl kaum jemand vollständig merken. Akita legte sehr viel Wert auf Hikite und allgemein auf Körperspannung. Die Tatsache, dass mir am Folgetag jeder Muskel weh tat, spricht wohl dafür, dass ich hier noch einiges lernen muss! Richtig in Fahrt kam man bei der Einheit von Sensei Chees, der uns bei saunaähnlichen Temperaturen so richtig auf Touren brachte: Hier gab es ein Kihon-Kumite auf höchstem Niveau, mit ständig wechselnden Partnern und reichlich blauen Flecken. Dass ich "meinen" Risto verpasst habe, ließ sich verschmerzen, da ich ja sicher in den nächsten Monaten noch reichlich Gelegenheit haben werde, bei ihm zu trainieren. Zudem hatte der mir bisher unbekannte japanische Instructor Takahashi (der mit dem Kinn-Bärtchen) ähnliche Schwerpunkte und startete das Training mit einer Aufwärmsequenz, die mich sehr an das Hüft-Power-Pack von Risto erinnerte. Auch bei den Erklärungen der übrigen Übungen konnte ich einige Parallelen zum Training des Finnen erkennen. Einen Shihan Shirai hat man wohl nicht alle Tage vor sich und sehr gerne hätte ich ihn und seine charismatischen Schwarzgurtassistenten mitbekommen. Vereinskameradin Silke konnte sich leider nicht über ein Chill-Out in der letzten Trainingseinheit am Freitagnachmittag freuen: Keith Geyer zog einen zünftigen Endspurt vor und ließ die Gruppe des 5. Kyu noch einmal alle Kraftfeserven mobilisieren. Basierten die Trainingsinhalte auch häufig auf bekannten Grundlagen, so wurde speziell in meiner Trainingsgruppe hart an den Details gefeilt. Für mich war dieser Gasshuku der erste in der Gruppe ab 2. Dan und ich war schwer beeindruckt, dass sich ja quasi die gesamte Karate-Prominenz in meiner Einheit tummelte! So konnte ich Erwin Querl in der Reihe vor mir bewundern oder die präzisen Geris von Anika Lapp kassieren - Training auf höchstem Niveau halt, auch wenn ich selber in dieser Gruppe sicher zu den "Anfängern" zählte.

Meine Gelbgurt-Zimmergenossin hätte sich bei der ein- oder anderen Trainingseinheit vielleicht das Vertiefen so mancher Übung gewünscht. Dies kann ein Karate-Spektakel wie der Gasshuku natürlich nicht leisten. Ziel ist wohl eher, einen Blick über den Dojo-Tellerrand zu bekommen, eine Ahnung davon zu bekommen, wie vielfältig Karate ist und dass es vielleicht eben nicht nur um Tsukis und Geris geht, nicht nur um Spannung und Entspannung, sondern auch um die richtige Atemtechnik um Ki und richtigen Hüfteinsatz. Es ist zudem immer wieder beeindruckend, zu sehen und zu hören, dass Karate eine echte Lebensaufgabe ist: Shihan Sugimura wies mit einem nachsichtigen Lächeln auf die Veränderungen des "Materials" und die damit verbundenen Trainings-Konsequenzen hin. Karate-Nobody Claudia war schließlich so fasziniert von unserer Kampfkunst, dass sie einigen Trainingseinheit als Zuschauerin beiwohnte, im Plausch mit den erfahrenen Karateka bei dem abendlichen Festzelt-Meetings mit Anmerkungen zum Hüfteinsatz und Bauchatmung überraschte und uns stets lautstark mit einem herzhaften "Oss" zuproste.

Die meisten Trainingshallen lagen in der unmittelbaren Nähe der Jugendherberge und der Übernachtungshalle. Lediglich die Karateka des 4. und 5. Kyu, die sich zum Schwitzen in Halle 3 begeben musste, hatten einen etwas weiteren Weg zu beschreiten. Etwas ungünstig war wohl die Belüftung der Halle 2, in der sich Träger des 1. Kyu und 1. Dan in der Kampfkunst fortbilden ließen. Grund: Der Hausmeister hatte wohl die Lüftung während der Sommerferien abgestellt und war nicht erreichbar.

Organisator Riad Kheirallah hatte alle Hände voll zu tun, um auch für unser außersportliches Wohlbefinden zu sorgen und auch wenn es mittags manchmal zu einem kleinen Engpass an der Nudeltheke kam, war doch für unser leibliches Wohl ausreichend gesorgt. Wichtiger noch bei den hochsommerlichen Temperaturen war natürlich die Flüssigkeitszufuhr, die immer hundertprozentig funktionierte und auch bei den beiden abendlichen Großveranstaltungen am Mittwoch und am Freitagabend nicht zu längeren Wartezeiten führte. Am Mittwochabend nämlich sorgte Schlatt mit seiner Karaokeshow für Furore. Da ich an dem Abend zunächst den fünfzigsten Geburtstag eines Vereinskameraden feiern durfte, kam ich erst nach Beginn der Show zum Festzelt. Während ich mit Freunden noch etwas unentschlossen vor dem Zelt stand, hörten wir plötzlich die Ansage: „Und nun unser Superstar Sensei Akita!" Das durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen und wir konnten erleben, dass Karate nicht das einzige Talent des Kampfkunstmeisters ist.

Für die Abschlussfete am Freitag hatte Riad eine Rockband ausgesucht, die das gesamte musikalische Repertoire der letzten vierzig Jahre auf dem Kasten hatte. Um einen Eindruck von der Stimmung zu bekommen, die an diesem Abend herrschte, reicht es vielleicht, zu wissen, dass ich zum ersten Mal mitbekam, wie ein Bandleader das Publikum um Gnade bat und eine Pause erflehte - die Partymeute war nicht zu stoppen und der Mit-Gesang war streckenweise (vielleicht durch Schlatts "Karaoke-Trainingseinheit"?) fast ein Selbstläufer!

So ist er denn leider schon wieder Vergangenheit, der Gasshuku in Hannover. Aber nach dem Gasshuku ist vor dem Gasshuku und wer 2009 in Konstanz dabei sein möchte, der kümmere sich am Besten frühzeitig um eine Unterkunft. Ich glaube, ich werde schon mal in der Jugendherberge reservieren. Vielleicht ist ja noch Platz in einem Vierbettzimmer....

Andrea Haeusler
Shotokan-Karate-Dojo Münster e. V.